Carl Friedrich Bahrdt / Johann Salomo Semler
Glaubensbekenntnisse
6 Texte, 1779­–1792


Carl Friedrich Bahrdt (1741–1792) zählt zu den bekanntesten Repräsentanten der deutschen Aufklärungstheologie. Neben etlichen kirchlichen Ämtern hatte er Professuren u.a. in Leipzig und Erfurt inne. Mit seiner Emanzipation von der lutherischen Orthodoxie schuf er sich Feindschaften, fand jedoch in Semler zunächst einen wichtigen Fürsprecher und erhielt dadurch einen theologischen Lehrstuhl in Gießen. Auf Heterodoxie verklagt, musste er dieses Amt alsbald wieder aufgeben, leitete danach kurzzeitig das Philanthropinum in Marschlins (Graubünden), floh schließlich nach Preußen, lehre in Halle und wurde nun v.a. von Semler erbittert bekämpft. Bahrdt dürfte zu Lebzeiten der außerhalb von Kirche und Theologie bekannteste Neologe gewesen sein. Während Goethe ihn mehrfach mit Spott überzog, bedachte ihn Lessing mit ausdrücklicher Würdigung. Neben etlichen anderen Literaten hat sich auch Wieland eingehend und wohlwollend zu Bahrdts „Glaubensbekenntniß“ geäußert.

Johann Salomo Semler (1725–1791) war ein herausragender Vertreter der Neologie und wirkte fast 40 Jahre lang an der Theologischen Fakultät Halle. Er entstammt der Schule des die Theologengeneration der Neologie maßgeblich prägenden akademischen Lehrers Siegmund Jacob Baumgarten und gilt als bedeutender Wegbereiter der historisch-kritischen Exegese. Kritische Abgrenzungen vollzog er gegenüber verschiedenen Richtungen der Theologie seiner Zeit, insbesondere gegenüber Spätorthodoxie und Pietismus, danach auch gegenüber der zusehends erstarkenden radikalen Richtung des theologischen Rationalismus, die etwa der späte Bahrdt vertrat. Vehement plädierte Semler für eine kategoriale Unterscheidung von Wort Gottes und Heiliger Schrift, ließ das Alte Testament nicht mehr als Quelle christlicher Glaubensvorstellungen gelten und erwies die Theorien der Verbalinspiration sowie der Göttlichkeit der biblischen Schriften als unhaltbar und widervernünftig.

Die sechs in diesem Band zu präsentierenden Schriften markieren den Höhepunkt der zwischen Semler und Bahrdt ausgetragenen Streitigkeiten, enthalten deren jeweilige Glaubensbekenntnisse und vermitteln damit einen exemplarischen Eindruck vom Ablauf zeitgenössischer theologischer Auseinandersetzungen, die nicht etwa auf den binnentheologischen Raum beschränkt blieben, sondern breite kulturelle Aufmerksamkeit erfuhren. Um den sachintensiven Gehalt dieser zentralen aufklärungstheologischen Kontroverse tiefenscharf kenntlich zu machen, wird dieser Band eine besonders eingehende historische Kommentierung erfahren.