August Hermann Niemeyer
Grundsätze der Erziehung und des Unterrichts
11796–91834

August Hermann Niemeyer (1754–1828) gilt als der bedeutendste Pädagoge der Neologie. Als regelmäßiger Gesprächspartner Goethes und Schillers am interdisziplinären Gedankenaustausch seines Zeitalters intensiv beteiligt, war er zugleich einer der bekanntesten Theologen deutscher Sprache. Gegenwärtig wird er von der erziehungs- und kulturwissenschaftlichen Forschung zunehmend wieder als ein breit ausstrahlender Ahnherr entdeckt.

Niemeyers zentrale pädagogische Überzeugungen sind in seinem Hauptwerk der „Grundsätze“ niedergelegt. Mit dieser Schrift, die für das 19. Jahrhundert zu einem viel zitierten, übersetzten und rezipierten Standardwerk wurde, avancierte Niemeyer zum Mitbegründer der akademischen Erziehungswissenschaft. Die interdisziplinäre Bedeutung dieser Schritt tritt namentlich darin hervor, dass Niemeyer damit erstmals die mit Rousseaus „Émile“ gegebenen pädagogischen Impulse in den theologischen Diskurs einholte und zudem die wichtigsten Änderungen der zweiten Auflage auf Niemeyers produktive Rezeption der kritischen Philosophie Kants zurückgehen. Insofern wird von der kritischen, kommentierten Edition seines Hauptwerks auch Aufschluss über die unter dem Einfluss Kants vollzogene Transformation einer neologisch geprägten Theologie zu erwarten sein.