Johann August Nösselt
Anweisung zur Bildung angehender Theologen
11786/89–31818/19

Neben Semler, und womöglich noch stärker als dieser, hat Johann August Nösselt (1734–1807), als Theologe an der Universität Halle lehrend, die in Preußen weit ausstrahlende Neologie von akademischer Seite am vitalsten beeinflusst. Auch er war, ausweislich der Wertschätzung, die ihm etwa Lessing, Gellert, Hamann oder Jean Paul entgegenbrachten und öffentlich bezeugten, ein aktives Mitglied der damaligen interdisziplinären Gelehrtenrepublik.

Seine „Anweisung“ markiert in der Gattungsgeschichte der theologischen Enzyklopädik insofern den entscheidenden frühmodernen Kulminationspunkt, als sie einerseits die reifste Gestalt aufklärungstheologischer Wissenschaftstheorie darstellt und andererseits für die durch die „Kurze Darstellung des theologischen Studiums“ (1811) seines Schülers Friedrich Schleiermacher begründete moderne theologische Disziplinenkonstitution eine wesentliche, in ihrem Einfluss noch immer erheblich unterschätzte Voraussetzung abgab. Bereits der Aufbau, erst recht aber die Durchführung des Gesamtwerks lassen deutlich erkennen, dass Nösselt das organisierende Zentrum seiner theologischen Enzyklopädie in der Aufgabe sieht, zu einer professionellen Wahrnehmung des kirchlichen Amtes anzuleiten und instandzusetzen. Neben den klassischen Fächern der Exegese, Kirchengeschichte und Dogmatik treten die praxisorientierten Disziplinen der Homiletik, Katechetik und des Kirchenrechts zusehends in den Vordergrund, und die Pastoraltheologie avanciert dabei zu der auf die Befähigung zu dem umfassend verstandenen Religionsunterricht abzielenden theologischen Leitdisziplin.