<div type="section-group" id="less_13_SonTr">
  <app>
    <lem><div type="section" id="less_section_13">
        <head type="main"><pb edRef="#a" n="181" type="sp" id="less_181"/>
          <pb edRef="#b" n="171"/>
          <pb edRef="#c" n="186"/>
          <choice>
            <orig>Evangelium am 13 Sontage nach Trinitatis.</orig>
            <supplied reason="toc-title">Evangelium am 13. Sonntag nach
                                        Trinitatis (Lk 10,23–37)</supplied>
            <supplied reason="column-title">13. Sonntag nach Trinitatis (Lk
                                        10,23–37)</supplied>
          </choice></head>
        <head type="sub"><bibl type="biblical-reference"><citedRange from="Lk:10:23" to="Lk:10:37"><hi>Lucä</hi> 10, <app>
                <lem/>
                <rdg type="pt" wit="#b">vers</rdg>
                <rdg type="pt" wit="#c">Vers</rdg>
              </app> 23–37.</citedRange></bibl></head>
        <p><seg type="margin"><bibl type="biblical-reference"><citedRange n="Lk:10:23 Lk:10:24"><app>
                  <lem>vers</lem>
                  <rdg type="v" wit="#b #c">v.</rdg>
                </app> 23. 24.</citedRange></bibl></seg>
          <hi><hi rend="spaced-out">Seelig</hi> sind die Augen die da sehen
                                    was ihr sehet! Denn ich sage euch, viele Propheten und Könige
                                    begehreten zu sehen was ihr sehet, und habens nicht gesehen; und
                                    zu hören was ihr höret, und habens nicht gehöret. Seelig</hi>,
                                nicht weil sie den Welt-Heiland und seine Wunder mit ihren Augen
                                sahen. <seg type="margin">Siehe <bibl type="biblical-reference"><citedRange n="Lk:11:27 Lk:11:28">Lucä 11, 27.
                                            28.</citedRange></bibl></seg> Sondern weil sie seinen
                                Unterricht, die <app>
            <lem>Religion</lem>
            <rdg type="v" wit="#b #c">Religion,</rdg>
          </app> die er die Menschen lehrete, zu kennen das Glück hatten. –
                                Und in der That, welches Volk, welches <index indexName="subjects-index">
            <term>Menschenalter</term>
          </index>Menschen-Alter hat so viel
                                richtige und <app>
            <lem>heilsahme</lem>
            <rdg type="v" wit="#b #c">heilsame</rdg>
          </app> Kentnisse, so viel Kräfte zur Tugend, so viel Trost im
                                Leiden, so viel Aufrichtung gegen den <index indexName="subjects-index">
            <term>Tod</term>
          </index>Todt gehabt, als wir <hi>Christen</hi>! Unsre Kinder wissen
                                mehr als die grösten Weltweisen des Alterthums; und die grösten
                                Propheten des <choice>
            <abbr>A. T.</abbr>
            <expan>Altes Testament</expan>
          </choice>
          <seg type="margin"><bibl type="biblical-reference"><citedRange from="Mt:11:9" to="Mt:11:11"><app>
                  <lem>Matth.</lem>
                  <rdg type="v" wit="#b #c">Math.</rdg>
                </app> 11, <app>
                  <lem>9–11</lem>
                  <rdg type="v" wit="#b #c">9–11.</rdg>
                </app></citedRange></bibl></seg>
          <hi>Der kleinste im Himmelreich, ist grösser als der gröste
                                    Prophet</hi>: „der gemeine Christ weiß mehr als <index indexName="persons-index">
            <term>Johannes der Täufer</term>
          </index>
          <persName ref="textgrid:2z6t2">Johannes der Täufer</persName>, der
                                gröste unter den alten Propheten!“ – – Aber eben dies
                                    <hi>vorzügliche</hi> Glück der <hi>Christen</hi> vermehret auch
                                die Strafbarkeit ihres unheiligen Lebens. <seg type="margin"><bibl type="biblical-reference"><citedRange n="Röm:2:4 Röm:2:5"><app>
                  <lem>Römer</lem>
                  <rdg type="v" wit="#b #c">Röm.</rdg>
                </app> 2, 4. 5.</citedRange></bibl></seg>
          <hi><hi rend="spaced-out">Solche</hi></hi> Reichtümer der Güte <app>
            <lem>Gottes</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>Gottes</hi></rdg>
          </app> nicht recht brauchen, das häufet unsre Strafe: <seg type="margin"><bibl type="biblical-reference"><citedRange n="2Petr:2:20 2Petr:2:21">2 Petri 2, 20. <app>
                  <lem>21</lem>
                  <rdg type="v" wit="#c">21.</rdg>
                </app></citedRange></bibl></seg> für <pb n="172" edRef="#b"/>
          <pb n="187" edRef="#c"/> einen unheiligen Christen wäre es besser,
                                daß er die christliche Religion nie erkant. Hier ist also kein
                                Mittel. Ein <hi>Christ</hi>, ist entweder <hi>ausserordentlich
                                    glücklich</hi>, oder <hi>ausserordentlich Elend</hi>.</p>
        <p><seg type="margin"><bibl type="biblical-reference"><citedRange n="Lk:10:25"><app>
                  <lem>vers</lem>
                  <rdg type="v" wit="#b #c">v.</rdg>
                </app> 25.</citedRange></bibl></seg>
          <hi><hi rend="spaced-out">Und</hi> siehe! da</hi>
          <app>
            <lem><hi>stund</hi></lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>stand</hi></rdg>
          </app>
          <hi>ein Gesezgelehrter auf und versuchte</hi>
          <index indexName="persons-index">
            <term>Christus, s. Jesus Christus</term>
            <term>Jesus Christus</term>
          </index>
          <persName ref="textgrid:255cd"><hi>Jesum</hi></persName><hi>.</hi>
                                Es scheint dieser Gelehrte verstand jenen Ausspruch <index indexName="persons-index">
            <term>Christus, s. Jesus Christus</term>
            <term>Jesus Christus</term>
          </index>
          <persName ref="textgrid:255cd"><hi>Jesu</hi></persName> sehr wohl.
                                Nun machte er sich auf, um ihn in diesem Lobspruche zu Schanden zu
                                machen. Schon ergözte er sich im Geist daran, wie <index indexName="persons-index">
            <term>Christus, s. Jesus Christus</term>
            <term>Jesus Christus</term>
          </index>
          <persName ref="textgrid:255cd"><hi>Jesus</hi></persName> durch die
                                    vorge<pb n="182" edRef="#a"/>legte Frage in Verlegenheit
                                gerathen, zum Stillschweigen gebracht, oder sonst etwa in eine Falle
                                stürzen, und damit auf einmahl als ein Prahler verachtet: er
                                hingegen von der ganzen Versamlung als ein wahrer Gesezgelehrter mit
                                Beifall aufgenommen <app>
            <lem>würde</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">werde</rdg>
          </app>! – So gar etwas anders ist es, <hi>Religion haben</hi>, und,
                                    <hi>über die Religion gelehrt und feurig disputiren</hi>! Viele
                                Christen, gleich diesem Gesezgelehrten, lesen die Bibel um <app>
            <lem>schriftgelehrt</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>schriftgelehrt</hi></rdg>
          </app> zu werden. Sie können über jeden <app>
            <lem>Punct</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">Punkt</rdg>
          </app> der Religion mit einem grossen Fluß biblischer Ausdrücke
                                disputiren; ja beinahe die ganze Bibel auswendig hersagen. Aber!
                                Disputirt auch noch so fein und mit noch so viel Eifer über die
                                Religion. In dem allen thut ihr nichts, als was dieser Gesezgelehrte
                                that; welcher darum noch kein <hi>Religiöser</hi>, kein <hi>Mann von
                                    Religion</hi> war!</p>
        <p><seg type="margin"><bibl type="biblical-reference"><citedRange from="Lk:10:25" to="Lk:10:28"><app>
                  <lem>vers</lem>
                  <rdg type="v" wit="#b #c">v.</rdg>
                </app>
                <app>
                  <lem><choice>
                      <sic>25– -28</sic>
                      <corr type="editorial">25–28</corr>
                    </choice></lem>
                  <rdg type="typo-correction" wit="#b #c">25–28</rdg>
                </app>.</citedRange></bibl></seg>
          <hi><hi rend="spaced-out">Meister</hi>,</hi> dies war die allerdings
                                wichtige Frage, womit er das ganze Ansehen <index indexName="persons-index">
            <term>Christus, s. Jesus Christus</term>
            <term>Jesus Christus</term>
          </index>
          <persName ref="textgrid:255cd"><hi>Jesu</hi></persName> zu Boden
                                disputiren wolte, <hi>was muß ich thun,</hi>
          <pb n="173" edRef="#b"/>
          <pb n="188" edRef="#c"/>
          <hi>daß ich das ewige Leben</hi> (Glück) <hi>ererbe?</hi> (erlange.)
                                    <index indexName="persons-index">
            <term>Christus, s. Jesus Christus</term>
            <term>Jesus Christus</term>
          </index>
          <persName ref="textgrid:255cd"><hi>Jesus</hi></persName> aber sprach
                                zu ihm, <hi>wie stehet im Gesez geschrieben? Was liesest du da?</hi>
                                – Der Gelehrte antwortete, <hi>du solst lieben Gott deinen Herren
                                    von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften, und von
                                    ganzem</hi>
          <app>
            <lem><hi>Gemüte.</hi></lem>
            <rdg type="v" wit="#b #c"><hi>Gemüte</hi></rdg>
          </app> (das ist, <app>
            <lem>über</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">„über</rdg>
          </app> alles, als <app>
            <lem>Gott</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>Gott</hi></rdg>
          </app>, lieben: aufrichtig, inbrünstig, ungetheilt, und <app>
            <lem>unaufhörlich)</lem>
            <rdg type="v" wit="#b">unaufhörlich).</rdg>
            <rdg type="v" wit="#c">unaufhörlich.“)</rdg>
          </app>
          <hi>Und deinen Nächsten, als</hi> (eben so wohl als) <hi>dich
                                    selbst. – – Thue das,</hi> erwiederte <index indexName="persons-index">
            <term>Christus, s. Jesus Christus</term>
            <term>Jesus Christus</term>
          </index>
          <persName ref="textgrid:255cd"><hi>Jesus</hi></persName>, <app>
            <lem>so</lem>
            <rdg type="v" wit="#b #c"><hi>so</hi></rdg>
          </app>
          <hi>wirst du glücklich seyn.</hi> – Dankbare Liebe zu <app>
            <lem>Gott</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi><hi rend="spaced-out">Gott</hi></hi></rdg>
          </app>, und herzliche Liebe zu <app>
            <lem>Seinen</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>Seinen</hi></rdg>
          </app> Menschen ist <app>
            <lem>also</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">also,</rdg>
          </app> der <hi>Inbegrif der wahren Religion</hi>!</p>
        <p><seg type="margin"><bibl type="biblical-reference"><citedRange n="Lk:10:29"><app>
                  <lem>vers 29</lem>
                  <rdg type="pp" wit="#b #c">v. 29.</rdg>
                </app></citedRange></bibl></seg>
          <hi><hi rend="spaced-out">Er</hi> aber</hi>, dieser Gesezgelehrte,
                                    <hi>wolte sich selbst rechtfertigen</hi>; genauer, sich
                                    <hi>zeigen</hi>. Die <index indexName="subjects-index">
            <term>Pharisäer</term>
          </index><hi>Pharisäer</hi> hatten einen Geist der Spizfin<pb n="183" edRef="#a"/>digkeit eingefürt, welcher aus Weiß, <app>
            <lem>Schwarz</lem>
            <rdg type="v" wit="#b #c">Schwarz,</rdg>
          </app> und aus Licht, Finsterniß <app>
            <lem>machte</lem>
            <rdg type="v" wit="#b #c">machte,</rdg>
          </app> und die klärsten Geseze <app>
            <lem>Gottes</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>Gottes</hi></rdg>
          </app> so lange drehete und <app>
            <lem>torquirte</lem>
            <rdg type="v" wit="#b #c">torquirte,</rdg>
          </app> bis sie ein Werkzeug ihres Eigennuzes und schimpflicher
                                Neigungen wurden. Von diesem <app>
            <lem>getrieben</lem>
            <rdg type="v" wit="#b #c">getrieben,</rdg>
          </app> wolte der Gesezgelehrte seine Gelehrsamkeit und
                                Ueberlegenheit über <index indexName="persons-index">
            <term>Christus, s. Jesus Christus</term>
            <term>Jesus Christus</term>
          </index>
          <persName ref="textgrid:255cd"><hi>Jesum</hi></persName> zeigen. –
                                Ein Hauptzug in dem gemeinen <app>
            <lem>Character</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">Charakter</rdg>
          </app> der Menschen! Sie fragen nicht, um sich zu <hi>belehren</hi>,
                                sondern um sich zu <hi>zeigen</hi>; um ihre Kentnisse,
                                Geschicklichkeiten zur Schau auszulegen, und sich den Weg zu
                                glänzenden <app>
            <lem>Discursen</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">Diskursen</rdg>
          </app> der Eigenliebe zu bahnen. Der Weise, der diese gemeine
                                Schwäche der Menschen kennt und recht braucht, findet dadurch
                                allenthalben tausend Mittel, sich nüzliche Kentnisse einzu<pb n="174" edRef="#b"/><pb n="189" edRef="#c"/>samlen. Der <app>
            <lem>Listige</lem>
            <rdg type="v" wit="#b">listige</rdg>
          </app> macht sie zu einem Werkzeuge sich den Ruhm der Welt zu
                                erschleichen. Man höre dem Redner aufmerksam und bewundernd zu, man
                                gebe ihm durch neue Fragen neue Gelegenheit sich zu zeigen: so hat
                                man sicher den Ruhm eines Mannes von Talenten, eines wizigen Kopfes
                                und jeden andern Ruhm in einer <app>
            <lem>Gesellschaft,</lem>
            <rdg type="pp" wit="#c">Gesellschaft; und</rdg>
          </app> durch diese in der <app>
            <lem>Stadt,</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">Stadt;</rdg>
          </app> und so in einem ganzen Lande erhalten; <app>
            <lem>und</lem>
            <rdg type="om" wit="#c"/>
          </app> wenn man auch kein Wort von sich hören lassen. – Dies ist die
                                wahre Geschichte des irrdischen Ruhms. Und wie sehr muß er nun, bei
                                jedem Vernünftigen herabsinken! Ist denn so etwas, was auch der
                                Unwissendste und Geschmackloseste erlangen, so leicht erlangen kan,
                                und <app>
            <lem>tausendmahl <app>
                <lem>erlanget;</lem>
                <rdg type="v" wit="#c">erlanget,</rdg>
              </app></lem>
            <rdg type="typo-correction" wit="#b"><choice>
                <sic>tausendmahlerlanget;</sic>
                <corr type="editorial">tausendmahl erlanget;</corr>
              </choice></rdg>
          </app> werth so begierig gesucht, an andern so niedrig beneidet, mit
                                so viel Lieblosigkeit aller Art erworben zu werden?</p>
        <p><seg type="margin"><bibl type="biblical-reference"><citedRange n="Lk:10:29"><choice>
                  <abbr>v.</abbr>
                  <expan>Vers</expan>
                </choice> 29.</citedRange></bibl></seg>
          <hi><hi rend="spaced-out">Der</hi></hi>
          <app>
            <lem>Disputant</lem>
            <rdg type="v" wit="#b #c">Disputant,</rdg>
          </app> um sich zu zeigen, fragte <index indexName="persons-index">
            <term>Christus, s. Jesus Christus</term>
            <term>Jesus Christus</term>
          </index>
          <persName ref="textgrid:255cd"><hi>Jesum</hi></persName>, <hi>wer
                                    ist denn mein Nächster</hi>? Nichts war natürlicher als diese
                                Frage, wenn von seiner Gemütsart die Rede war. Denn er war ein Mann
                                von ausschweifender Eigenliebe. Und solche Menschen haben keinen
                                Nächsten. Sie lieben ihre <index indexName="subjects-index">
            <term>Nebenmenschen</term>
          </index><app>
            <lem>Ne<pb n="184" edRef="#a"/>ben Menschen</lem>
            <rdg type="pp" wit="#b #c">Neben-Menschen</rdg>
          </app> nicht anders als wie sie ihre Schaafe lieben, welche sie
                                nären und <app>
            <lem>pflegen</lem>
            <rdg type="v" wit="#b #c">pflegen,</rdg>
          </app> damit sie ihnen Wolle tragen.</p>
        <p><hi><hi rend="spaced-out">Aber</hi></hi> das Gesez <app>
            <lem>Gottes</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>Gottes</hi></rdg>
          </app> selbst, war klar genug. <hi>Nächster</hi>, ein <app>
            <lem>genau-verbundener</lem>
            <!-- Trennung Fahne! -->
            <rdg type="v" wit="#c">Genau-verbundener</rdg>
          </app>, ein <app>
            <lem>verwandter</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">Verwandter</rdg>
          </app> der uns nahe angehet, war selbst nach dem Geseze <index indexName="persons-index">
            <term>Mose</term>
          </index>
          <persName ref="textgrid:2z6t7"><hi>Mosis</hi></persName>, ein
                                    <hi>jeder Mensch</hi>. Denn ein jeder Mensch ist mit uns aus <app>
            <lem>Einem</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">einem</rdg>
          </app> Blut entstanden, von Einem <app>
            <lem>Gott</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>Gott</hi></rdg>
          </app> geschaffen, durch <pb n="175" edRef="#b"/>
          <pb n="190" edRef="#c"/> Eine Natur verknüpfet. Du <hi>solst deinen
                                    Nächsten lieben eben so wohl als dich selbst</hi>, dies Gesez
                                wird <bibl type="biblical-reference"><citedRange n="Lev:19:18 Lev:19:33 Lev:19:34">3 Buch <hi>Mosis</hi> 19,
                                        18. 33. <app>
                <lem>34</lem>
                <rdg type="v" wit="#b #c">34.</rdg>
              </app></citedRange></bibl> und <bibl type="biblical-reference"><citedRange from="Dtn:10:17" to="Dtn:10:19">5 Buch <hi>Mosis</hi> 10, <app>
                <lem>17–19</lem>
                <rdg type="v" wit="#b #c">17–19.</rdg>
              </app></citedRange></bibl> auch von dem der kein Israelit
                                war, von dem <hi>Fremdlinge</hi> erklärt. <hi>Denn,</hi> sezt <index indexName="persons-index">
            <term>Mose</term>
          </index>
          <persName ref="textgrid:2z6t7">Moses</persName> hinzu, <hi>der Herr
                                    euer Gott ist ein Gott aller Götter, und Herr über alle Herren,
                                    der keine Person achtet, und kein Geschenk nimt</hi>; <app>
            <lem>nicht</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">„nicht</rdg>
          </app> wie die Götter der Heiden, der <app>
            <lem>Gott einer</lem>
            <rdg type="pp" wit="#c"><hi>Gott Einer</hi></rdg>
          </app> Nation oder dieses und jenes Menschen, der sich durch
                                Geschenke einnehmen läßt und seinen Favoriten alles andre <app>
            <lem>aufopfert.</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">aufopfert.“</rdg>
          </app>
          <hi>Er schaft Recht den Waisen und Wittwen, und liebt die
                                    Fremdlinge. Darum solt ihr, auch die Fremdlinge lieben.</hi>
                                Dennoch verstand der angesehenste Theil der jüdischen Theologen, die
                                    <hi>Pharisäer</hi>, durch den <hi>Nächsten</hi> den <app>
            <lem>Gott</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>Gott</hi></rdg>
          </app> zu lieben befohlen, bloß den <hi>Juden</hi>, <seg type="margin"><bibl type="biblical-reference"><citedRange n="Mt:5:43"><app>
                  <lem>Matth.</lem>
                  <rdg type="v" wit="#b #c">Math.</rdg>
                </app> 5, 43.</citedRange></bibl></seg> ja gar nur den
                                    <hi>Freund</hi>.</p>
        <p><index indexName="persons-index">
            <term>Christus, s. Jesus Christus</term>
            <term>Jesus Christus</term>
          </index>
          <persName ref="textgrid:255cd"><hi><hi rend="spaced-out">Jesus</hi></hi></persName>, ohne in diese Zänkereien
                                hineinzugehen, wendet sich an das <hi>innere Gefül</hi> des
                                Disputanten; welches auf eine geschickte Art erweckt, über seinen
                                Disputir-Geist, selbst über seine Eigenliebe siegen muste. <seg type="margin"><bibl type="biblical-reference"><citedRange n="Lk:10:30"><app>
                  <lem>vers 30</lem>
                  <rdg type="pp" wit="#b #c">v. 30.</rdg>
                </app></citedRange></bibl></seg><!-- Position der Marginalie? -->
                                Die <hi>Juden</hi> der damahligen Zeit <app>
            <lem>entflamt</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">entflammt</rdg>
          </app> von dem <index indexName="subjects-index">
            <term>Hölle, Geist der</term>
          </index>Geist der Hölle, erklärten alle andre <app>
            <lem>Menschen</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">Menschen,</rdg>
          </app> die keine Juden waren, für verdammt. Die <seg type="margin">Siehe die <app>
              <lem>Bücher</lem>
              <rdg type="v" wit="#b #c">Büch.</rdg>
            </app> Esrä <app>
              <lem><app>
                  <lem>und</lem>
                  <rdg type="v" wit="#c">u.</rdg>
                </app> Nehemiä.</lem>
              <rdg type="pp" wit="#b">u. Nehemiä</rdg>
            </app></seg>
          <index indexName="subjects-index">
            <term>Samariter, s. Samaritaner</term>
            <term>Samaritaner</term>
          </index><hi>Samariter</hi> insbesondre, halb Juden, halb Heiden,
                                waren seit uralten Zeiten ihnen aufs äusserste verhaßt: <seg type="margin"><bibl type="biblical-reference"><citedRange n="Joh:4:9"><app>
                  <lem>Johannis</lem>
                  <rdg type="v" wit="#b #c">Joh.</rdg>
                </app> 4, 9.</citedRange></bibl>
            <bibl type="biblical-reference"><citedRange n="Joh:4:48"><app>
                  <lem>Kapitel</lem>
                  <rdg type="v" wit="#b #c">Kap.</rdg>
                </app> 8, 48.</citedRange></bibl></seg> selbst die
                                gemeinsten Höflichkeiten und Dienstleistungen versagte man ihnen,
                                    <pb n="185" edRef="#a" id="less_185"/> und ein
                                    <hi>Samariter</hi> war den Juden, so wie ein Jude jenen, das
                                Allerabscheulichste was er nur denken <pb n="176" edRef="#b"/>
          <pb n="191" edRef="#c"/> konte. – Selbst einen <hi>Samariter</hi>,
                                muste ein Jude, ein Gesezgelehrter, durch sein inneres Gefül
                                gedrungen, bewundern und loben. So unwiderstehlich war die Wahrheit
                                in dem Munde <index indexName="persons-index">
            <term>Christus, s. Jesus Christus</term>
            <term>Jesus Christus</term>
          </index>
          <persName ref="textgrid:255cd"><hi>Jesu</hi></persName>!</p>
        <p><seg type="margin"><bibl type="biblical-reference"><citedRange from="Lk:10:30" to="Lk:10:32"><app>
                  <lem>vers</lem>
                  <rdg type="v" wit="#b #c">v.</rdg>
                </app> 30–32.</citedRange></bibl></seg>
          <hi><hi rend="spaced-out">Ein</hi> Mensch gieng von Jerusalem,</hi>
                                ein Bürger also von Jerusalem, <hi>ein Jude, gieng nach
                                    Jericho.</hi> Auf diesem Wege muste man eine lange, gefärliche
                                Wüste <app>
            <lem>passiren</lem>
            <rdg type="v" wit="#b #c">paßiren</rdg>
          </app>, die wegen Räubereien und <index indexName="subjects-index">
            <term>Mordtat</term>
          </index>Mordthaten schon lange berüchtigt war. Schon beim <bibl type="biblical-reference"><citedRange n="Jos:15:7"><hi>Josua</hi> 15, <app>
                <lem>7</lem>
                <rdg type="v" wit="#b #c">7.</rdg>
              </app></citedRange></bibl> wird dieser Weg, <seg type="margin">Luther hat das <app>
              <lem>hebräische</lem>
              <rdg type="v" wit="#b #c"><hi><hi rend="spaced-out">hebr.</hi></hi></rdg>
              <!-- Sperrung mitnehmen? -->
            </app> Wort Adummim, <app>
              <lem>Blut-Vergiessungen,</lem>
              <rdg type="v" wit="#b #c">Blut-Vergiessungen</rdg>
            </app> beibehalten.</seg>
          <hi>der blutige Weg</hi>
          <app>
            <lem>genant</lem>
            <rdg type="v" wit="#b #c">genannt</rdg>
          </app>. Hier nun fiel der Jude von Jerusalem, <hi>unter die Räuber,
                                    welche ihn plünderten, verwundeten, und <index indexName="subjects-index">
              <term>halbtot</term>
            </index>halb todt liegen</hi>
          <app>
            <lem><hi>ließen</hi></lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>liessen</hi></rdg>
          </app><hi>.</hi>
          <hi>Von ohngefär reisete ein Priester denselben Weg, und da er ihn
                                    sahe, gieng er an der andern Seite vorüber. Imgleichen ein
                                    Levit, als er an den Ort kam und ihn sahe, gieng gleichfalls an
                                    der andern Seite vorbei.</hi> Ohne Zweifel rürete sie dieser
                                Anblick. An jedem andern Orte hätten sie dem Elenden, der ihr
                                Lands-Mann war geholfen. Aber die Mordthat war ganz frisch. Die
                                Räuber musten noch in der Nachbarschaft seyn. Bei dem Anblick dieser
                                Gefahr starb ihr Mitleiden. Ihr Leben zu retten entferneten sie sich
                                auf die andre Seite, und eileten vor dem Elenden hülflos
                                vorüber.</p>
        <p><!-- Marginalie supplied?; s. Kommentar! --><hi><hi rend="spaced-out">Ein</hi> Samariter aber kam auf seiner Reise dahin,</hi>
          <app>
            <lem><choice>
                <sic><hi>nnd</hi></sic>
                <corr type="editorial"><hi>und</hi></corr>
              </choice></lem>
            <rdg type="typo-correction" wit="#b #c"><hi>und</hi></rdg>
          </app>
          <hi>da er ihn sahe, bewegte sich sein Herz von Mitleiden, und gieng
                                    zu ihm, verband ihm seine Wunden und goß Oel und Wein darauf,
                                    sezte ihn auf sein Thier, fürete ihn in eine Herberge und
                                    pflegete ihn.</hi>
          <pb n="177" edRef="#b"/>
          <pb n="192" edRef="#c"/>
          <hi>Als er am folgenden Tage</hi>
          <app>
            <lem><hi>abreisete,</hi></lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>abreisete</hi></rdg>
          </app>
          <hi>zog er zwei Denarien heraus und gab sie dem Wirth und sprach zu
                                    ihm: Pflege ihn, und alles was du aufwendest will ich dir</hi>
          <app>
            <lem><hi>bei</hi></lem>
            <rdg type="v" wit="#b"><hi>bey</hi></rdg>
          </app>
          <hi>meiner</hi>
          <pb n="186" edRef="#a" id="less_186"/>
          <hi>Rückreise bezahlen.</hi> – So half denn der Samariter demjenigen
                                den er für einen Feind seines Volks und seiner Religion halten
                                muste! <app>
            <lem>Er</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>Er</hi></rdg>
          </app>
          <hi>wagte sogar sein eigenes Leben</hi>, um ihm zu helfen: denn der
                                Ort wo er sich so lange verweilete, war <app>
            <lem>die</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">eine</rdg>
          </app> Wildniß, wo Räuber und <index indexName="subjects-index">
            <term>Mörder</term>
          </index>Mörder sich aufhielten, und eben jezo diesen Elenden so
                                    <index indexName="subjects-index">
            <term>mörderisch</term>
          </index>mörderisch behandelt <app>
            <lem/>
            <rdg type="pt" wit="#c">hatten</rdg>
          </app>; der <app>
            <lem>gefärliche</lem>
            <rdg type="v" wit="#b">gefährliche</rdg>
          </app> Ort, wo <hi>Priester</hi> und <hi>Levit</hi>, voll Schrecken
                                über der nahen <index indexName="subjects-index">
            <term>Todesgefahr</term>
          </index>Todesgefahr vorbeigeeilet. Und welche <hi>allerzärtlichste
                                    Sorgfalt trug er für ihn</hi>, den Feind seines Volks und
                                Religion? Da er ihn sahe, wird <app>
            <lem>er</lem>
            <rdg type="v" wit="#b #c"><hi>er</hi></rdg>
          </app>
          <hi>bis ins Innerste gerürt</hi>. Aber nicht die Wirkung des Bluts
                                und Temperaments war dieses schmerzliche Mitleiden: sondern die
                                Wirkung eines an <index indexName="subjects-index">
            <term>Menschenliebe</term>
          </index>Menschen-Liebe gewönten Herzens. <app>
            <lem>Alsbald</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">Alsbald –</rdg>
          </app> hebt er ihn auf. <app>
            <lem></lem>
            <rdg type="om" wit="#c"/>
          </app> Verbindet seine Wunden. Sezt ihn auf sein Thier. Jezt gehet
                                er neben ihm her, und füret ihn in die Herberge. Und scheuet keinen
                                Aufwand, um <app>
            <lem>ihn,</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">ihm</rdg>
          </app> durch alle Pflege zum Leben und Gesundheit zu helfen. – <app>
            <lem>Christlicher Leser!</lem>
            <rdg type="pp" wit="#c"><hi>Christlicher Leser!</hi></rdg>
          </app> Rürt dich dies; gefällt es dir: so – <seg type="margin"><bibl type="biblical-reference"><citedRange n="Lk:10:37"><app>
                  <lem>vers. 37.</lem>
                  <rdg type="pp" wit="#b">vers 17</rdg>
                  <rdg type="pp" wit="#c">v. 17.</rdg>
                </app></citedRange></bibl></seg>
          <hi>gehe hin und thue desgleichen!</hi></p>
        <p><hi><hi rend="spaced-out">Hier</hi></hi> sehen wir denn, was
                                    <hi>ächte Menschen-Liebe</hi>? wer ein <hi>wahrer
                                        <index indexName="subjects-index">
              <term>Menschenfreund</term>
            </index>Menschen-Freund</hi>
          <app>
            <lem>ist</lem>
            <rdg type="v" wit="#b #c"><hi>ist</hi></rdg>
          </app>? Es giebt <app>
            <lem>tausende</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">tausend</rdg>
          </app> von Menschen die höflich, fein, und gefällig im Umgange sind;
                                aber ihre Untergebenen desto härter behandeln, und ihre Gläubiger
                                    <pb n="178" edRef="#b"/>
          <pb n="193" edRef="#c"/> desto gröber betrügen. Menschen die <app>
            <lem>bei</lem>
            <rdg type="v" wit="#b">bey</rdg>
          </app> jedem Trauer Spiel weinen; aber bei dem <hi>wirklichen</hi>
                                Elende ihrer Neben-Menschen <app>
            <lem>lachen,</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">lachen;</rdg>
          </app> ohne Bedenken ganze Familien und Gesellschaften, durch
                                Handlungen der Unzucht, durch Verleumdung und Ungerechtigkeit zu
                                Grunde richten. Menschen die zwanzig Personen durch Allmosen
                                erfreuen, aber hundert andre durch bittren Spott betrüben. Menschen
                                die gegen alles was ihnen nicht im Wege stehet, ganz <app>
            <lem>Zärtlichkeit,</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">Zärtlichkeit;</rdg>
          </app> aber gegen ihre Amts-Ge<pb n="187" edRef="#a"/>hülfen,
                                Beleidiger und Feinde, <app>
            <lem>tygermässig</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">tygermäßig</rdg>
          </app> grausam sind. – Nein! So leicht erkauft man nicht den
                                Ehren-Nahmen, die erhabene Würde eines Menschen-Freundes! Das ist
                                die Menschenliebe des Pharisäers. Nicht aber die Menschenliebe des
                                Samariters. – <seg type="margin"><bibl type="biblical-reference"><citedRange n="Lk:10:37"><app>
                  <lem>vers 37</lem>
                  <rdg type="pp" wit="#c">v. 37.</rdg>
                </app></citedRange></bibl></seg>
          <hi>Gehe hin und thue desgleichen.</hi> 1) <hi>Sey ein herzlicher
                                    Freund, jedes Menschen.</hi> Alles was Mensch ist, auch <hi>dein
                                    Mitwerber</hi>, der deinen irrdischen Ruhm und Vortheil
                                verdunkelt und schwächet; auch dein <hi>ärgster Feind</hi> der auf
                                die Zerstörung deines ganzen Glücks sinnt; auch <hi>der welcher dir
                                    scheint ein Feind Gottes zu seyn</hi>, muß von dir aufrichtig
                                und herzlich geliebet werden. Denn; <seg type="margin"><app>
              <lem><bibl type="biblical-reference"><citedRange n="Lk:10:30 Lk:10:33">vers 30.
                                                33</citedRange></bibl></lem>
              <rdg type="pp" wit="#b #c"><bibl type="biblical-reference"><citedRange from="Lk:10:30" to="Lk:10:33">v.
                                                  30–33.</citedRange></bibl></rdg>
            </app></seg> so liebte der <hi>Samariter</hi>, den
                                    <hi>Juden</hi>. 2) <hi>Liebe ihn thätig.</hi> Nicht bloß mit
                                süssen Worten, und gefälligen Reden. Sondern aus allen deinen
                                Kräften. Mache ihn glücklich mit deinem Gelde, mit deinem Verstande,
                                mit deinen Einsichten, mit deinem Ansehen, mit deinen mächtigen
                                Verbindungen. Suche so viel Freude und Wohlfarth, als dir nur
                                möglich ist, allenthalben um dich her zu verbreiten. <seg type="margin"><bibl type="biblical-reference"><citedRange n="Lk:10:29"><app>
                  <lem>vers</lem>
                  <rdg type="v" wit="#b #c">v.</rdg>
                </app> 29.</citedRange></bibl></seg> Der <app>
            <lem>Gesezgelehrte</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>Gesezgelehrte</hi></rdg>
          </app>, so wie der <app>
            <lem>Priester</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>Priester</hi></rdg>
          </app> und <app>
            <lem>Levit</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>Levit</hi></rdg>
          </app>, disputirten viel und <pb n="179" edRef="#b"/>
          <pb n="194" edRef="#c"/> gelehrt über die Nächsten-Liebe. <seg type="margin"><bibl type="biblical-reference"><citedRange from="Lk:10:33" to="Lk:10:38"><app>
                  <lem>vers 33–38</lem>
                  <rdg type="pp" wit="#b">vers. 33–38.</rdg>
                  <rdg type="pp" wit="#c">v. 33–38.</rdg>
                </app></citedRange></bibl></seg> Der <app>
            <lem>Samariter</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>Samariter</hi></rdg>
          </app> aber der darüber nicht disputiren konte, übte sie <app>
            <lem><choice>
                <sic>ans</sic>
                <corr type="editorial">aus</corr>
              </choice></lem>
            <rdg type="typo-correction" wit="#b #c">aus</rdg>
          </app>. 3) <hi>Thue dies, wenn es die Umstände fordern, auch mit
                                    deiner Ungemächlichkeit.</hi>
          <app>
            <lem>So</lem>
            <rdg type="v" wit="#b #c"><hi>So</hi></rdg>
          </app> verband der Samariter dem Elenden seine Wunden, <app>
            <lem>und</lem>
            <rdg type="typo-correction" wit="#b"><choice>
                <sic>nnd</sic>
                <corr type="editorial">und</corr>
              </choice></rdg>
          </app> gieng selbst zu Fusse neben ihm her. So muß auch uns, die
                                Menschen-Liebe etwas kosten. Bald einen eigenen Vortheil aufopfern,
                                bald eine Beschwerde übernehmen, und Ungemach dulden. 4) <hi>Ja gar,
                                    dein Leben wage, und opfere gern auf, wenn</hi>
          <app>
            <lem><choice>
                <sic><hi>esdie</hi></sic>
                <corr type="editorial"><hi>es die</hi></corr>
              </choice></lem>
            <rdg type="typo-correction" wit="#c"><hi>es die</hi></rdg>
          </app>
          <app>
            <lem><choice>
                <sic><hi>Menschen-Liebefordert</hi></sic>
                <corr type="editorial"><hi>Menschen-Liebe fordert</hi>
                </corr>
              </choice></lem>
            <rdg type="pp" wit="#c"><hi>Menschen-Liebe – fordert</hi></rdg>
          </app><hi>.</hi> Feige flohen der Priester und Levit. Mit <app>
            <lem>heldenmässiger</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">heldenmäßiger</rdg>
          </app> Grosmuth wagt sich der Samariter. Die Furcht seiner
                                Gesundheit zu schaden, das Schrecken vor den nahen Mördern, der
                                Anblick der Todes-<pb n="188" edRef="#a"/>Gefahr; nichts <app>
            <lem>konte</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">konnte</rdg>
          </app> ihn bewegen den <index indexName="subjects-index">
            <term>Halbsterbende, der</term>
          </index>halb-Sterbenden hülfloß umkommen zu lassen; nichts <app>
            <lem>konte</lem>
            <rdg type="v" wit="#b #c">konnte</rdg>
          </app> seiner Liebe <app>
            <lem>Grenzen</lem>
            <rdg type="v" wit="#b #c">Gränzen</rdg>
          </app> sezen. Noch immer giebt es Fälle, wo das gemeine und besondre
                                Wohl der Menschen, von uns durch angreifende Arbeiten, gefärliche
                                Unternehmungen, strenge Verschwiegenheit, <choice>
            <abbr>u. s. f.</abbr>
            <expan>und so ferner</expan>
          </choice> Gesundheit und Leben zum Opfer fordert. Da <app>
            <lem>nun,</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">nun</rdg>
          </app> besonders, sollen wir <hi>hingehen und nach dem Muster des
                                    Samariters handeln</hi>. <seg type="margin"><bibl type="biblical-reference"><citedRange n="1Joh:3:16">1 <app>
                  <lem>Johannis</lem>
                  <rdg type="v" wit="#c">Joh.</rdg>
                </app> 3, 16.</citedRange></bibl></seg>
          <hi>Da sollen wir für unsre Neben-Menschen auch das Leben
                                    lassen.</hi></p>
        <p><hi><hi rend="spaced-out">Ein</hi></hi><hi><hi rend="spaced-out">Solcher</hi></hi>, <app>
            <lem>ein</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>ein</hi></rdg>
          </app>
          <hi>christlicher Menschen-Freund</hi>, – das ist in der That der
                                Inbegrif aller wahren Würde, der Gipfel der Grösse menschlicher
                                Seelen! Ihr sehet ihn vielleicht nicht <app>
            <lem><app>
                <lem>bei</lem>
                <rdg type="v" wit="#b">bey</rdg>
              </app> Trauer Spielen</lem>
            <rdg type="pp" wit="#c">bey Trauer-Spielen</rdg>
          </app> weinen; ihr höret ihn nicht über die Menschen-Liebe
                                disputiren und <app>
            <lem>declamiren</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">deklamiren</rdg>
          </app>, und <pb n="180" edRef="#b"/>
          <pb n="195" edRef="#c"/> immer jene erhabene Nahmen im Munde füren,
                                und immer <app>
            <lem>in</lem>
            <rdg type="typo-correction" wit="#b"><choice>
                <sic>im</sic>
                <corr type="editorial">in</corr>
              </choice></rdg>
            <!-- SF? -->
          </app> flammende Lobpreisungen derselben ausbrechen. Aber desto <app>
            <lem><choice>
                <sic>geschäftigert</sic>
                <corr type="editorial">geschäftiger</corr>
              </choice></lem>
            <rdg type="typo-correction" wit="#b #c">geschäftiger</rdg>
          </app> treft ihr ihn allenthalben, im <hi>gemeinen Leben</hi>; hier
                                eine Thräne abzutrocknen, dort in ein verwundetes Herz den Balsam
                                des Trostes zu giessen, einem angehenden Handwerker <app>
            <lem>Capitale</lem>
            <rdg type="v" wit="#c">Kapitale</rdg>
          </app> ohne Zinsen zu leihen, Waisen zur Religion zu erziehen, seine
                                Mitwerber durch rümliche Urtheile zu empfehlen, seine Feinde vom
                                Untergange zu retten; und wo möglich jeden Tag durch irgend ein
                                freudiges Gesicht und Herz seiner Neben-Menschen auszuzeichnen. Fürt
                                euch die Vorsehung auf eurem Wege, zu einem <app>
            <lem>solchen</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>solchen</hi></rdg>
          </app> Mann: o den schäzt über alles, völlig sicher leget euer Glück
                                ganz in seine Hände. Denn ihr habt einen ächten Freund <app>
            <lem>Gottes</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>Gottes</hi></rdg>
          </app>, und <app>
            <lem>Seiner</lem>
            <rdg type="v" wit="#c"><hi>Seiner</hi></rdg>
          </app> Menschen gefunden. Einen Menschen-Freund, nicht nach der
                                neuen Mode; sondern nach <hi>dem uralten Exempel des
                                Samariters</hi>!</p>
      </div></lem>
    <rdg type="om" wit="#z"/>
  </app>
</div>