|c157| Evangelium am 12 Sontage nach Trinitatis.
Marci 7, vers 31–37. verbunden mit Epheser 5, 20.
I n der Gegend der heidnischen Städte, Tyrus und Sidon hatte Jesus an der kananäischen Frau ein sehr rürendes Exempel eines so demütigen als festen Vertrauens auf Gottes Uneingeschränkte Macht und Allgemeine Güte, seinen Schülern und der Nachwelt zur Nachahmung aufgestellet. {v. 24. f.} Es schickt sich nicht, sagte Jesus zu ihr, als sie ihn um die Gesundmachung ihrer kranken Tochter bat, daß man den Kindern das Brodt nehme und es den Hunden gebe. – Ja! versezte sie, Aber ein mächtiger und gütiger Hausherr hat Reichthum und Güte genug, auch für seine Thiere zu sorgen. – – Christliche Leser! Solche Gemüter giebt es unter den Heiden! Und diese wolten wir verdammen?I n der Gegend der heidnischen Städte, Tyrus und Sidon hatte Jesus an der kananäischen Frau ein sehr rürendes Exempel eines so demütigen als festen Vertrauens auf Gottes Uneingeschränkte Macht und Allgemeine Güte, seinen Schülern und der Nachwelt zur Nachahmung aufgestellet. {v. 24. f.} Es schickt sich nicht, sagte Jesus zu ihr, als sie ihn um die Gesundmachung ihrer kranken Tochter bat, daß man den Kindern das Brodt nehme und es den Hunden gebe. – Ja! versezte sie, Aber ein mächtiger und gütiger Hausherr hat Reichthum und Güte genug, auch für seine Thiere zu sorgen. – – Christliche Leser! Solche Gemüter giebt es unter den Heiden! Und diese wolten wir verdammen?
{v. 31. 32.} N u n kehret Jesus, wie der Text erzälet, wiederum nach Galiläa zurück, in die Gegend der Zehn-Städte. Da bringt man zu ihm, einen Tauben der stumm war, mit Bitte daß er die Hand auf ihn lege. – Denn Jesus hatte in diesem volkreichen und blühenden Lande, schon so viele Wunder gethan, daß man von seinem blossen Macht-Wort alles erwartete.{v. 31. 32.} N u n kehret Jesus, wie der Text erzälet, wiederum nach Galiläa zurück, in die Gegend der Zehn-Städte. Da bringt man zu ihm, einen Tauben der stumm war, mit Bitte daß er die Hand auf ihn lege. – Denn Jesus hatte in diesem volkreichen und blühenden Lande, schon so viele Wunder gethan, daß man von seinem blossen Macht-Wort alles erwartete.
|c158| {v. 33.} U n d Jesus nahm ihn aus der Menge heraus und stellete ihn allein dahin, damit ein jeder desto besser sehen könte was geschahe. Nun legte er ihm die Finger in die Ohren, und benezete seine Zunge mit Speichel. Diese Handlungen konten, wie jeder siehet, nicht das allergeringste dazu thun diesen Elenden zu seinem Gehör und Sprache zu verhelfen. Aber sie dieneten dazu; – die Zuschauer aufmerksam zu machen, und zu überfüren daß kein natürliches Mittel, keine Hülfe böser Geister, sondern lediglich das Macht-Wort Jesu den Unglücklichen gesund gemacht. – Zugleich ist hieraus klar, daß dieser Mensch nicht etwa bloß stotterte, oder sonst einen Fehler an der Sprache hatte; sondern gänzlich Stumm, oder wie es v. 37. heißt, Sprachlos war. Denn Jesus leget ihm die Finger in die Ohren, zu zeigen, daß er ihm das gänzlich fehlende Gehör geben wolle. Und gleicherweise benezet er auch seine Zunge, zu zeigen, daß er ihm die gänzlich fehlende Sprache geben werde. |c158| {v. 33.} U n d Jesus nahm ihn aus der Menge heraus und stellete ihn allein dahin, damit ein jeder desto besser sehen könte was geschahe. Nun legte er ihm die Finger in die Ohren, und benezete seine Zunge mit Speichel. Diese Handlungen konten, wie jeder siehet, nicht das allergeringste dazu thun diesen Elenden zu seinem Gehör und Sprache zu verhelfen. Aber sie dieneten dazu; – die Zuschauer aufmerksam zu machen, und zu überfüren daß kein natürliches Mittel, keine Hülfe böser Geister, sondern lediglich das Macht-Wort Jesu den Unglücklichen gesund gemacht. – Zugleich ist hieraus klar, daß dieser Mensch nicht etwa bloß stotterte, oder sonst einen Fehler an der Sprache hatte; sondern gänzlich Stumm, oder wie es v. 37. heißt, Sprachlos war. Denn Jesus leget ihm die Finger in die Ohren, zu zeigen, daß er ihm das gänzlich fehlende Gehör geben wolle. Und gleicherweise benezet er auch seine Zunge, zu zeigen, daß er ihm die gänzlich fehlende Sprache geben werde.
{v. 34. 35.} J e z t sahe er gen Himmel hinauf; Seufzete; und – Sprach, Hephata! (das heißt im Hebräischen, Sey eröfnet!) – Und a l s b a l d wurden seine Ohren geöfnet, und das Band seiner Zunge ward gelöset, und er sprach fertig und vollkommen verständlich wie andre Menschen. Bemerket hier den Wohlstand, die Würde womit Jesus dieses Wunder verrichtet! Keine geheimnisvolle Handlungen, räthselhafte Aussprüche, affektirte Geberden, und änliche Gaukeleien sehen wir da. – Er seufzet zu Gott. Thut den Macht-|c159|Spruch, Sey eröfnet! Und – augenblicklich höret und spricht der Taube und Stumme!{v. 34. 35.} J e z t sahe er gen Himmel hinauf; Seufzete; und – Sprach, Hephata! (das heißt im Hebräischen, Sey eröfnet!) – Und a l s b a l d wurden seine Ohren geöfnet, und das Band seiner Zunge ward gelöset, und er sprach fertig und vollkommen verständlich wie andre Menschen. Bemerket hier den Wohlstand, die Würde womit Jesus dieses Wunder verrichtet! Keine geheimnisvolle Handlungen, räthselhafte Aussprüche, affektirte Geberden, und änliche Gaukeleien sehen wir da. – Er seufzet zu Gott. Thut den Macht-|c159|Spruch, Sey eröfnet! Und – augenblicklich höret und spricht der Taube und Stumme!
{v. 36.} J e s u s aber verboth diese Geschichte weiter zu erzälen: um Unnüzes Aufsehen, Fruchtloses Bewundern und Rümen, vornehmlich aber, um Aufrur zu verhüten. Denn dieses irrdisch gesinnte Volk war nur gar zu geneigt Partheien zu stiften, und unter allerlei eitlen Hofnungen sich gegen seine damahlige Obern, die Römer zu empören.{v. 36.} J e s u s aber verboth diese Geschichte weiter zu erzälen: um Unnüzes Aufsehen, Fruchtloses Bewundern und Rümen, vornehmlich aber, um Aufrur zu verhüten. Denn dieses irrdisch gesinnte Volk war nur gar zu geneigt Partheien zu stiften, und unter allerlei eitlen Hofnungen sich gegen seine damahlige Obern, die Römer zu empören.
{v. 36. 37.} J e mehr er aber verboth, desto mehr breiteten sie es aus, und verwunderten sich über alle Maasse und sprachen, Er macht alles wohl; denn die Tauben macht er hören und die Sprachlosen reden. Nur das Wundervolle bei dieser That, zwang dem in Unwissenheit auferzogenen Volk ein solches rümliches Bekentniß ab. Bloß an diese Wohlthat, die sie vor Augen sehen, geheftet, und durch das Wundervolle dabei in Erstaunen gesezt, brechen sie in das feurige, aber auch sehr bald wiederum vergessene Bekentniß aus, – Er Macht alles Wohl!{v. 36. 37.} J e mehr er aber verboth, desto mehr breiteten sie es aus, und verwunderten sich über alle Maasse und sprachen, Er macht alles wohl; denn die Tauben macht er hören und die Sprachlosen reden. Nur das Wundervolle bei dieser That, zwang dem in Unwissenheit auferzogenen Volk ein solches rümliches Bekentniß ab. Bloß an diese Wohlthat, die sie vor Augen sehen, geheftet, und durch das Wundervolle dabei in Erstaunen gesezt, brechen sie in das feurige, aber auch sehr bald wiederum vergessene Bekentniß aus, – Er Macht alles Wohl!
W i r aber, christliche Leser! wir wissen es, belehrt durch unsre Religion, daß Gottes Macht und Güte, eben so, ja noch mehr Groß ist in den alltäglichen Dingen, als in den Wundern. Eben so groß, ja noch grösser in dem Regelmäßigen Lauf der Flüsse und Seen, als in jener {2 B. Mos. 14.} wundertätigen Austrocknung des rothen Meers und {Jos. 3.} des Jordans. Eben so groß, ja noch grös|c160|ser in dem täglichen Auf- und Untergange der Sonne, als in jener {Math. 27, 45. Lucä 23, 24.} wundervollen Verfinsterung derselben. In dem järlichen Wachsthum des Korns, der Feld- und Garten-Früchte; als in jener {Joh. 6.} wundertätigen Speisung. Eben so groß, ja noch grösser in dem täglichen Gebrauch unsrer Ohren und Zunge, als in dieser wundervollen Gesundmachung des Tauben und Stummen. Denn, alles dieses was wir in der Natur, täglich an und um uns sehen, ist ein eben so grosser Beweiß der Allmacht Gottes; aber auch zugleich, ein weit grösserer Beweiß seiner Allweißheit, als die erstaunlichsten Wunderthaten. {Psalm 19, 1–5.} Die Himmel erzälen die Ehre Gottes, und das Himmel-Gewölbe seine Macht. Ein Tag sagt es dem andern; und eine Nacht thut es kund der andern. Ihre Sprache ist allen Völkern bekandt; und ihre Predigt verstehet die ganze Welt. („Das Daseyn und die Eigenschaften Gottes zeigen sich so deutlich in den Werken der Natur, daß auch der Einfältige, auch der Wilde, und das Kind sie bemerken muß.“) – So dürfen wir denn nicht erst Wunder erwarten, um in die Lobpreisung unsers G o t t e s, Er macht alles wohl! mit einzustimmen. Alles was an und um uns ist, fordert uns dazu, fordert uns täglich, und stündlich dazu auf. {Eph. 5, 20.} „Saget Dank Allezeit, und Für alles, G o t t unserm V a t e r, durch den Herrn Jesum Christum!“W i r aber, christliche Leser! wir wissen es, belehrt durch unsre Religion, daß Gottes Macht und Güte, eben so, ja noch mehr Groß ist in den alltäglichen Dingen, als in den Wundern. Eben so groß, ja noch grösser in dem Regelmäßigen Lauf der Flüsse und Seen, als in jener {2 B. Mos. 14.} wundertätigen Austrocknung des rothen Meers und {Jos. 3.} des Jordans. Eben so groß, ja noch grös|c160|ser in dem täglichen Auf- und Untergange der Sonne, als in jener {Math. 27, 45. Lucä 23, 24.} wundervollen Verfinsterung derselben. In dem järlichen Wachsthum des Korns, der Feld- und Garten-Früchte; als in jener {Joh. 6.} wundertätigen Speisung. Eben so groß, ja noch grösser in dem täglichen Gebrauch unsrer Ohren und Zunge, als in dieser wundervollen Gesundmachung des Tauben und Stummen. Denn, alles dieses was wir in der Natur, täglich an und um uns sehen, ist ein eben so grosser Beweiß der Allmacht Gottes; aber auch zugleich, ein weit grösserer Beweiß seiner Allweißheit, als die erstaunlichsten Wunderthaten. {Psalm 19, 1–5.} Die Himmel erzälen die Ehre Gottes, und das Himmel-Gewölbe seine Macht. Ein Tag sagt es dem andern; und eine Nacht thut es kund der andern. Ihre Sprache ist allen Völkern bekandt; und ihre Predigt verstehet die ganze Welt. („Das Daseyn und die Eigenschaften Gottes zeigen sich so deutlich in den Werken der Natur, daß auch der Einfältige, auch der Wilde, und das Kind sie bemerken muß.“) – So dürfen wir denn nicht erst Wunder erwarten, um in die Lobpreisung unsers G o t t e s, Er macht alles wohl! mit einzustimmen. Alles was an und um uns ist, fordert uns dazu, fordert uns täglich, und stündlich dazu auf. {Eph. 5, 20.} „Saget Dank Allezeit, und Für alles, G o t t unserm V a t e r, durch den Herrn Jesum Christum!“
|c161| M i t unsern Umständen in der Welt, auch den mäßigsten, zufrieden seyn, ist eine wichtige Tugend. Bei herben schweren Leiden Geduld üben, ist schon viel wichtiger. Aber einen noch weit höheren Rang in dem Chor der Tugend hat die Gesinnung, die Fertigkeit die uns Paulus empfiehlet, Gott Allezeit und Für alles zu danken. – Allezeit sollen wir Gott danken: diese Dankbahrkeit gegen unsern Schöpfer uns zur herrschenden Neigung, zur andern Natur machen. Ihm Für alles was uns Freude bringt; auch für unsre Beschwerden und Leiden Ihm danken. Und ihm für das alles danken, durch Jesum Christum. Dies ist die Gesinnung, welche den höchsten Adel und die höchste Seligkeit der menschlichen Natur ausmachet. |c161| M i t unsern Umständen in der Welt, auch den mäßigsten, zufrieden seyn, ist eine wichtige Tugend. Bei herben schweren Leiden Geduld üben, ist schon viel wichtiger. Aber einen noch weit höheren Rang in dem Chor der Tugend hat die Gesinnung, die Fertigkeit die uns Paulus empfiehlet, Gott Allezeit und Für alles zu danken. – Allezeit sollen wir Gott danken: diese Dankbahrkeit gegen unsern Schöpfer uns zur herrschenden Neigung, zur andern Natur machen. Ihm Für alles was uns Freude bringt; auch für unsre Beschwerden und Leiden Ihm danken. Und ihm für das alles danken, durch Jesum Christum. Dies ist die Gesinnung, welche den höchsten Adel und die höchste Seligkeit der menschlichen Natur ausmachet.
G o t t danken, dies muß bei uns, die regierende Neigung der Seele, die Neigung werden, woraus alle unsre Begierden fliessen. Dann und wann, etwa alle Sontage, oder bei ganz ausserordentlichen Freuden die uns den Dank gleichsam abdringen, Gott preisen, wer wird das schon ein dankbahres Gemüt nennen? Empfindungen des Danks, die auch wohl tief füren und Thränen auspressen, aber alsbald gleich einem Dampf verrauchen; feurige Lobgesänge und Gebete die gleich einem Strohm stark daher-rauschen, aber auch eben so geschwind vorbei-rauschen: das sind Aufwallungen des Temperaments, bloß natürliche Triebe; nicht aber Dankbahrkeit, und Tugend. In festgesezte, herrschende Gesinnungen, müssen die Empfindungen der Wohltätigkeit Gottes bei uns übergehen. Sie müssen uns so geläufig werden, daß sie täglich ja |c162| stündlich, daß sie ofte und leicht, und bei jeder Gelegenheit sich in uns regen. Und so kräftig müssen sie bei uns werden, daß sie sich in allen unsern Begierden und Handlungen zeigen, uns immer mehr nach Gottes Muster und Gesezen bilden; und auf diese Art – unser ganzes Denken, Reden, und Thun, zu lauter Ruhm und Preiß der Güte unsers Gottes machen.G o t t danken, dies muß bei uns, die regierende Neigung der Seele, die Neigung werden, woraus alle unsre Begierden fliessen. Dann und wann, etwa alle Sontage, oder bei ganz ausserordentlichen Freuden die uns den Dank gleichsam abdringen, Gott preisen, wer wird das schon ein dankbahres Gemüt nennen? Empfindungen des Danks, die auch wohl tief füren und Thränen auspressen, aber alsbald gleich einem Dampf verrauchen; feurige Lobgesänge und Gebete die gleich einem Strohm stark daher-rauschen, aber auch eben so geschwind vorbei-rauschen: das sind Aufwallungen des Temperaments, bloß natürliche Triebe; nicht aber Dankbahrkeit, und Tugend. In festgesezte, herrschende Gesinnungen, müssen die Empfindungen der Wohltätigkeit Gottes bei uns übergehen. Sie müssen uns so geläufig werden, daß sie täglich ja |c162| stündlich, daß sie ofte und leicht, und bei jeder Gelegenheit sich in uns regen. Und so kräftig müssen sie bei uns werden, daß sie sich in allen unsern Begierden und Handlungen zeigen, uns immer mehr nach Gottes Muster und Gesezen bilden; und auf diese Art – unser ganzes Denken, Reden, und Thun, zu lauter Ruhm und Preiß der Güte unsers Gottes machen.
T ä g l i c h und immer also, auch nicht bloß mit dem Munde, sondern mit unserm ganzen Herzen und Leben müssen wir Gott danken. Denn, nennet einen Tag, ja nur einen Augenblick, wo wir keine Wohlthaten von Gott empfangen! Seine Gunstbezeugungen umringen uns gleichsam allenthalben. Beim Schlafengehen und Erwachen; beim Sizen und Aufstehen; in der Einsamkeit und Gesellschaft; an jedem Tage, zu jeder Stunde, mit jedem Athemzuge geniessen wir neue Beweise Seiner Wohltätigen, Uns und Alles Beglückenden Liebe.T ä g l i c h und immer also, auch nicht bloß mit dem Munde, sondern mit unserm ganzen Herzen und Leben müssen wir Gott danken. Denn, nennet einen Tag, ja nur einen Augenblick, wo wir keine Wohlthaten von Gott empfangen! Seine Gunstbezeugungen umringen uns gleichsam allenthalben. Beim Schlafengehen und Erwachen; beim Sizen und Aufstehen; in der Einsamkeit und Gesellschaft; an jedem Tage, zu jeder Stunde, mit jedem Athemzuge geniessen wir neue Beweise Seiner Wohltätigen, Uns und Alles Beglückenden Liebe.
I h m müssen wir denn allenthalben, und darum auch ferner, Für alles danken was uns Freude macht. {Epheser 5,} Paulus redet in der angefürten Stelle, von dem christlichen Verhalten bei unsern frohen Gesellschaften, in dem angenehmen Umgange mit unsern Bekannten und Freunden. Da nun giebt er uns diesen Befehl, {v. 18–20.} Füllet euch nicht mit Wein. Füllet euch aber mit Andacht. Und ermuntert euch unter einander mit Lob-Gesängen und geistlichen Liedern. Singet und spielet dem Herrn mit Inbrunst des Herzens, und danket allezeit für alles, Gott und dem Vater, durch unsern Herrn Jesum Christum.I h m müssen wir denn allenthalben, und darum auch ferner, Für alles danken was uns Freude macht. {Epheser 5,} Paulus redet in der angefürten Stelle, von dem christlichen Verhalten bei unsern frohen Gesellschaften, in dem angenehmen Umgange mit unsern Bekannten und Freunden. Da nun giebt er uns diesen Befehl, {v. 18–20.} Füllet euch nicht mit Wein. Füllet euch aber mit Andacht. Und ermuntert euch unter einander mit Lob-Gesängen und geistlichen Liedern. Singet und spielet dem Herrn mit Inbrunst des Herzens, und danket allezeit für alles, Gott und dem Vater, durch unsern Herrn Jesum Christum.
|c163| A l l e s das, was uns Freude macht, von wem kömt es? von wem anders, als von Gott? Die Sicherheit vor so viel tausend Gefahren und Unglücks-Fällen, worin wir so einen Tag nach dem andern fortleben. Der Gebrauch unsrer Augen, Ohren, wie der übrigen Sinne, und der Sprache: die tausend, tausendfachen Annehmlichkeiten und Freuden, die durch einen jeden unsrer Sinne täglich in die Seele fliessen. Der Gebrauch unsrer Vernunft; alle die höheren, reinen, erquickenden Freuden, welche sie uns durch jeden Zuwachs unsrer Kentnisse, jede Ausbesserung unsrer Seelen-Kräfte verschaffet. Der Umgang mit unsern Ehegatten, Eltern, Kindern, Verwandten, Freunden. Die weise und gütige Obrigkeit unter der wir leben, welche unser Vermögen, Gemächlichkeit, Freiheit und Wohlstand sichert. Der tägliche freie Gebrauch der Bibel, und der tausendfache Trost, Aufheiterung, Freude, himmlische Freude die er uns verschaft. Die herzlabenden Hofnungen der seeligen Ewigkeit. Selbst unser Vermögen froh zu seyn. – Wem haben wir das alles zu verdanken, als Gott? Ihm {Jak. 1, 17.} dem Vater alles Glücks, von welchem jede gute und frohe Gabe herabkomt. |c163| A l l e s das, was uns Freude macht, von wem kömt es? von wem anders, als von Gott? Die Sicherheit vor so viel tausend Gefahren und Unglücks-Fällen, worin wir so einen Tag nach dem andern fortleben. Der Gebrauch unsrer Augen, Ohren, wie der übrigen Sinne, und der Sprache: die tausend, tausendfachen Annehmlichkeiten und Freuden, die durch einen jeden unsrer Sinne täglich in die Seele fliessen. Der Gebrauch unsrer Vernunft; alle die höheren, reinen, erquickenden Freuden, welche sie uns durch jeden Zuwachs unsrer Kentnisse, jede Ausbesserung unsrer Seelen-Kräfte verschaffet. Der Umgang mit unsern Ehegatten, Eltern, Kindern, Verwandten, Freunden. Die weise und gütige Obrigkeit unter der wir leben, welche unser Vermögen, Gemächlichkeit, Freiheit und Wohlstand sichert. Der tägliche freie Gebrauch der Bibel, und der tausendfache Trost, Aufheiterung, Freude, himmlische Freude die er uns verschaft. Die herzlabenden Hofnungen der seeligen Ewigkeit. Selbst unser Vermögen froh zu seyn. – Wem haben wir das alles zu verdanken, als Gott? Ihm {Jak. 1, 17.} dem Vater alles Glücks, von welchem jede gute und frohe Gabe herabkomt.
D o c h! hier wird selbst unser Herz, und die in unsre Seele tief gelegten Triebe der Dankbahrkeit sprechen. Aber, – auch für unsre Beschwerden und Leiden Gott danken, solte das nicht übertrieben seyn? – Bibel und Erfahrung lehren uns, daß unsre Leiden immer mit vielen andern Wohlthaten verbunden; ja, wenn wir es nur nicht hindern, selbst diese Leiden, für uns Wohlthat sind. Auch die Leiden des Aller|c164|geplagtesten werden auf so mancherlei Art erleichtert. Daß sie nicht früher angefangen; daß sie nicht noch öfter uns befallen; daß sie nicht noch weit schwerer sind: das alles ist ja kein Ohngefär, sondern Anordnung der gütigen Vorsicht Gottes. Auf so mancherlei Art werden sie uns versüsset. Die Pflege bei unsrer Krankheit; die Gesundheit bei unsrer Armuth; die häusliche Ruhe, der glückliche Fortgang, der süsse Schlaf bei unsern sauren Arbeiten; und das so mannigfaltige frohe Gute, womit immer, auch das schwereste Leiden vergesellschaftet ist, sind ja Gaben der Vaterhand die unsre Leiden regieret. Ja! selbst unsre Leiden, wenn wir es nur nicht hindern, sind für uns wahre Wohlthat. Denn, nicht selten ziehen sie uns von thörigten Unternehmungen zurück, die uns auch im Zeitlichen, ins Unglück würden gestürzet haben. Ofte entreissen sie uns fürchterlichen und unüberwindlichen Versuchungen zur Schwelgerei, Lieblosigkeit, Stolz, Unzucht und andern Sünden, die uns das lachende Glück bereitete. Immer aber üben sie uns in der Tugend; sie befestigen und vermehren unsre tugendhaften Gesinnungen; geben uns Gelegenheit und Antrieb vorzügliche edle Tugend-Thaten auszurichten. – Der Sünde entreissen sie uns, die unsre einzige und äusserste Schande und Unglück; zur Tugend füren sie uns, die unsre einzige und höchste Ehre und Glückseligkeit ist. D o c h! hier wird selbst unser Herz, und die in unsre Seele tief gelegten Triebe der Dankbahrkeit sprechen. Aber, – auch für unsre Beschwerden und Leiden Gott danken, solte das nicht übertrieben seyn? – Bibel und Erfahrung lehren uns, daß unsre Leiden immer mit vielen andern Wohlthaten verbunden; ja, wenn wir es nur nicht hindern, selbst diese Leiden, für uns Wohlthat sind. Auch die Leiden des Aller|c164|geplagtesten werden auf so mancherlei Art erleichtert. Daß sie nicht früher angefangen; daß sie nicht noch öfter uns befallen; daß sie nicht noch weit schwerer sind: das alles ist ja kein Ohngefär, sondern Anordnung der gütigen Vorsicht Gottes. Auf so mancherlei Art werden sie uns versüsset. Die Pflege bei unsrer Krankheit; die Gesundheit bei unsrer Armuth; die häusliche Ruhe, der glückliche Fortgang, der süsse Schlaf bei unsern sauren Arbeiten; und das so mannigfaltige frohe Gute, womit immer, auch das schwereste Leiden vergesellschaftet ist, sind ja Gaben der Vaterhand die unsre Leiden regieret. Ja! selbst unsre Leiden, wenn wir es nur nicht hindern, sind für uns wahre Wohlthat. Denn, nicht selten ziehen sie uns von thörigten Unternehmungen zurück, die uns auch im Zeitlichen, ins Unglück würden gestürzet haben. Ofte entreissen sie uns fürchterlichen und unüberwindlichen Versuchungen zur Schwelgerei, Lieblosigkeit, Stolz, Unzucht und andern Sünden, die uns das lachende Glück bereitete. Immer aber üben sie uns in der Tugend; sie befestigen und vermehren unsre tugendhaften Gesinnungen; geben uns Gelegenheit und Antrieb vorzügliche edle Tugend-Thaten auszurichten. – Der Sünde entreissen sie uns, die unsre einzige und äusserste Schande und Unglück; zur Tugend füren sie uns, die unsre einzige und höchste Ehre und Glückseligkeit ist.
E s verrät immer eine geringe Kentniß oder Stärke im Christenthum, dieser göttlichen Weisheit, wenn wir für das Irrdische so ängstlich besorgt sind, und über die Beschwerden und Leiden in solche mürrische, peinliche Klagen ausbrechen. |c165| Die Theurung z. E. welche vor kurzer Zeit viele Länder bedrückte, wie viel Gutes hat sie uns nicht gestiftet? Und wie viel mehr hätte sie, wenn wir sie recht gebraucht, stiften können? So manche Hände, die sonst für die menschliche Gesellschaft todt waren, sind nun geschäftig geworden. So mancher ist dadurch von der Unordnung, Schwelgerei, Verschwendung zurücke gezogen, und zur Sparsamkeit gewönet, die vielleicht noch seinen Kindeskindern zu gute kommen wird. Verträglichkeit, Gefälligkeit, Dienstfertigkeit, Ehrfurcht gegen Gott, Begierde nach Seiner Gnade, Liebe zu Seiner Lehre, wohnen nun in mancher Seele der sie sonst ganz Fremde waren. Wolten wir wohl behaupten, daß alle Güter der ganzen Welt, auch nur so viel werth seyn als diese Wohlthaten?E s verrät immer eine geringe Kentniß oder Stärke im Christenthum, dieser göttlichen Weisheit, wenn wir für das Irrdische so ängstlich besorgt sind, und über die Beschwerden und Leiden in solche mürrische, peinliche Klagen ausbrechen. |c165| Die Theurung z. E. welche vor kurzer Zeit viele Länder bedrückte, wie viel Gutes hat sie uns nicht gestiftet? Und wie viel mehr hätte sie, wenn wir sie recht gebraucht, stiften können? So manche Hände, die sonst für die menschliche Gesellschaft todt waren, sind nun geschäftig geworden. So mancher ist dadurch von der Unordnung, Schwelgerei, Verschwendung zurücke gezogen, und zur Sparsamkeit gewönet, die vielleicht noch seinen Kindeskindern zu gute kommen wird. Verträglichkeit, Gefälligkeit, Dienstfertigkeit, Ehrfurcht gegen Gott, Begierde nach Seiner Gnade, Liebe zu Seiner Lehre, wohnen nun in mancher Seele der sie sonst ganz Fremde waren. Wolten wir wohl behaupten, daß alle Güter der ganzen Welt, auch nur so viel werth seyn als diese Wohlthaten?
S o fordern denn auch die Leiden unsren Dank, und den herzlichsten Dank! Wir verdanken es ja unsern Eltern, daß sie uns gezüchtiget. Wir lieben den Arzt und danken ihm, der uns bittre und schmerzliche aber heilsame Arzeneien und Kuren verordnet. Ferne sey es denn von uns, daß wir die bittren, aber ewig heilsamen Arzeneien, welche uns die Hand des Allweisen Arztes reicht, ungerürt, oder gar mit Murren übernehmen solten! Auch hier wollen wir uns versichert halten, daß Gott Alles wohl macht, indem diese Trübsahl {Hebr. 12, 5. 6.} ob sie gleich jezo traurig ist, uns am Ende die seeligsten Früchte der Tugend schaffet. Auch hier wollen wir zum Preise unsers Allweisen und Allgütigen Vaters mit dankvollem Herzen sagen, {Psalm 119, 67. 72.} Ich danke dir, o Gott, daß du mich züchtigest, denn nun lerne ich deine Gebothe halten.S o fordern denn auch die Leiden unsren Dank, und den herzlichsten Dank! Wir verdanken es ja unsern Eltern, daß sie uns gezüchtiget. Wir lieben den Arzt und danken ihm, der uns bittre und schmerzliche aber heilsame Arzeneien und Kuren verordnet. Ferne sey es denn von uns, daß wir die bittren, aber ewig heilsamen Arzeneien, welche uns die Hand des Allweisen Arztes reicht, ungerürt, oder gar mit Murren übernehmen solten! Auch hier wollen wir uns versichert halten, daß Gott Alles wohl macht, indem diese Trübsahl {Hebr. 12, 5. 6.} ob sie gleich jezo traurig ist, uns am Ende die seeligsten Früchte der Tugend schaffet. Auch hier wollen wir zum Preise unsers Allweisen und Allgütigen Vaters mit dankvollem Herzen sagen, {Psalm 119, 67. 72.} Ich danke dir, o Gott, daß du mich züchtigest, denn nun lerne ich deine Gebothe halten.
|c166| A b e r danken müssen wir Gott auch endlich, durch Jesum Christum. „Saget Dank - - durch unsern Herrn Jesum Christum.“ – Durch Jesum Christum, das heißt, aus Glauben an sein Verdienst, und Gehorsam gegen seine Lehre und Exempel. Ihm allein sind wir es schuldig, daß wir zu dem Allerheiligsten und Gerechtesten mit kindlichem Vertrauen hinaufsehen; von Ihm, bei redlicher Besserung, die Vergebung aller unsrer vorigen Sünden, und die väterliche Nachsicht bei allen noch fortwärenden Schwachheiten erwarten; Ihn den Allmächtigen, unsern Freund und Vater nennen dürfen. Ohne das Verdienst Jesu müste die Furcht vor der strafenden Gerechtigkeit Gottes, oder doch wenigstens die Verlegenheit, die Ungewisheit in Absicht Seines Beifalls, alle unsre Freuden auch im zeitlichen vergällen. Nun aber, durch Jesum Christum versönt und belehrt, dürfen wir bei einem tugendreichen Glauben an sein Verdienst, alles was uns Freude macht, so wie jedes Leiden, als Unterpfänder der Vaterliebe des Allmächtigen betrachten. Durch diese Ueberzeugung und Empfindung, durch diesen Glauben gerürt und belebt Gott für alles danken, das heißt, Ihm durch Jesum Christum danken. |c166| A b e r danken müssen wir Gott auch endlich, durch Jesum Christum. „Saget Dank - - durch unsern Herrn Jesum Christum.“ – Durch Jesum Christum, das heißt, aus Glauben an sein Verdienst, und Gehorsam gegen seine Lehre und Exempel. Ihm allein sind wir es schuldig, daß wir zu dem Allerheiligsten und Gerechtesten mit kindlichem Vertrauen hinaufsehen; von Ihm, bei redlicher Besserung, die Vergebung aller unsrer vorigen Sünden, und die väterliche Nachsicht bei allen noch fortwärenden Schwachheiten erwarten; Ihn den Allmächtigen, unsern Freund und Vater nennen dürfen. Ohne das Verdienst Jesu müste die Furcht vor der strafenden Gerechtigkeit Gottes, oder doch wenigstens die Verlegenheit, die Ungewisheit in Absicht Seines Beifalls, alle unsre Freuden auch im zeitlichen vergällen. Nun aber, durch Jesum Christum versönt und belehrt, dürfen wir bei einem tugendreichen Glauben an sein Verdienst, alles was uns Freude macht, so wie jedes Leiden, als Unterpfänder der Vaterliebe des Allmächtigen betrachten. Durch diese Ueberzeugung und Empfindung, durch diesen Glauben gerürt und belebt Gott für alles danken, das heißt, Ihm durch Jesum Christum danken.
U n s e r Erlöser hat uns auch Vorschriften und Exempel gegeben, wie, auf welche Art wir Gott für alles Danken sollen? Nicht in blossen flüchtigen Regungen des Herzens und Lobpreisungen des Mundes soll unser Dank bestehen. Danken sollen wir Gott, mit unserm Herzen, Munde und ganzem Wandel. Da muß unsre Seele durch die Erinnerung der unaussprechlichen Liebe |c167| Gottes, immer mehr mit der allertiefsten Ehrfurcht und Anbetung Seiner Majestät, und der innigsten Gegen-Liebe angefüllet werden. Unser Mund muß in der Einsamkeit, tägliche Lob-Gebete Gott darbringen; und in dem Umgange mit andern, bei jeder schicklichen Gelegenheit Gottes Güte erheben, und gleiche dankvolle Gesinnungen andern einzuflössen suchen. Unser ganzeWandel muß immer mehr ein Abdruck des Musters und Gesezes unsers Wohltäters, vornehmlich Seiner Allgemeinen und Grosmütigen Menschen-Liebe werden. Eine solche Menschen-Liebe hat Gott, zu einem neuen Beweise der unaussprechlichen Grösse Seiner Güte, so ofte für den Ihm wohlgefälligsten Dank, ja gar für eine Erwiederung Seiner Wohlthaten erkläret. In {1 Joh. 4, 20. 21. Math. 5, 45.} jedem der ein Mensch ist, Gott Selbst lieben; So wie Gott, nur im Vergnügen und Wohlthun unsre Ehre und Freude suchen: Dies, Christen! ist der beste, Gott gefälligste Dank; – der rechte Dank durch Jesum Christum!U n s e r Erlöser hat uns auch Vorschriften und Exempel gegeben, wie, auf welche Art wir Gott für alles Danken sollen? Nicht in blossen flüchtigen Regungen des Herzens und Lobpreisungen des Mundes soll unser Dank bestehen. Danken sollen wir Gott, mit unserm Herzen, Munde und ganzem Wandel. Da muß unsre Seele durch die Erinnerung der unaussprechlichen Liebe |c167| Gottes, immer mehr mit der allertiefsten Ehrfurcht und Anbetung Seiner Majestät, und der innigsten Gegen-Liebe angefüllet werden. Unser Mund muß in der Einsamkeit, tägliche Lob-Gebete Gott darbringen; und in dem Umgange mit andern, bei jeder schicklichen Gelegenheit Gottes Güte erheben, und gleiche dankvolle Gesinnungen andern einzuflössen suchen. Unser ganzeWandel muß immer mehr ein Abdruck des Musters und Gesezes unsers Wohltäters, vornehmlich Seiner Allgemeinen und Grosmütigen Menschen-Liebe werden. Eine solche Menschen-Liebe hat Gott, zu einem neuen Beweise der unaussprechlichen Grösse Seiner Güte, so ofte für den Ihm wohlgefälligsten Dank, ja gar für eine Erwiederung Seiner Wohlthaten erkläret. In {1 Joh. 4, 20. 21. Math. 5, 45.} jedem der ein Mensch ist, Gott Selbst lieben; So wie Gott, nur im Vergnügen und Wohlthun unsre Ehre und Freude suchen: Dies, Christen! ist der beste, Gott gefälligste Dank; – der rechte Dank durch Jesum Christum!
D i e s e edle, erfreuliche, seelige Gemüts-Art wird uns immer leichter und gewohnter, immer mehr zur Fertigkeit werden, wenn wir es uns nur einen rechten Ernst darum seyn lassen, und folgende Mittel zu ihrer Uebung treulich gebrauchen.D i e s e edle, erfreuliche, seelige Gemüts-Art wird uns immer leichter und gewohnter, immer mehr zur Fertigkeit werden, wenn wir es uns nur einen rechten Ernst darum seyn lassen, und folgende Mittel zu ihrer Uebung treulich gebrauchen.
V o r allen Dingen müssen wir zu diesem Ende, Gott, und Uns selbst, recht kennen lernen. Es unsrer Seele immer klärer, gewisser und geläufiger machen, daß Gott, unser Allerhöchster, Liebreichster, Grosmütigster und Freundlichster Wohltäter ist. Unser Allerhöchste Wohltäter; der über uns unendlich weit erhaben, und |c168| nicht die geringste Verpflichtung hat uns wohlzuthun. Unser Liebreichste, ja unser EinzigeWohltäter; dem wir alles schuldig sind, was wir sind und haben. Der Grosmütigste Wohltäter: der nicht einen Schatten von Vortheil bei Seinem Wohlthun hat, nur darum wohlthut, um uns vergnügt und glücklich zu wissen. Unser Allerfreundlichste Wohltäter, der uns mit solcher unaussprechlichen Herablassung und Gefälligkeit wohlthut! uns giebt auch ohne unser Bitten: stets in jedem Augenblick ein geneigtes Gehör ertheilet: und für Seine unermesliche Wohlthaten keine sauren Dienste nichts fordert als daß wir uns über Ihn als unsern Gott freuen, und Seine wohltätigen Geseze aus Liebe und mit Vergnügen thun sollen. So müssen wir Gott; und dann auch Uns Selbst recht kennen lernen. Wissen und bedenken, daß wir als Geschöpfe Gottes, von Ihm gar nichts verdienen können, und immer zufrieden und dankbahr seyn müsten, wenn unser Leben im Ganzen nur erträglich wäre. Insbesondere es lebhaft empfinden, daß wir Sünder sind, die nichts als Strafe verdienen.V o r allen Dingen müssen wir zu diesem Ende, Gott, und Uns selbst, recht kennen lernen. Es unsrer Seele immer klärer, gewisser und geläufiger machen, daß Gott, unser Allerhöchster, Liebreichster, Grosmütigster und Freundlichster Wohltäter ist. Unser Allerhöchste Wohltäter; der über uns unendlich weit erhaben, und |c168| nicht die geringste Verpflichtung hat uns wohlzuthun. Unser Liebreichste, ja unser EinzigeWohltäter; dem wir alles schuldig sind, was wir sind und haben. Der Grosmütigste Wohltäter: der nicht einen Schatten von Vortheil bei Seinem Wohlthun hat, nur darum wohlthut, um uns vergnügt und glücklich zu wissen. Unser Allerfreundlichste Wohltäter, der uns mit solcher unaussprechlichen Herablassung und Gefälligkeit wohlthut! uns giebt auch ohne unser Bitten: stets in jedem Augenblick ein geneigtes Gehör ertheilet: und für Seine unermesliche Wohlthaten keine sauren Dienste nichts fordert als daß wir uns über Ihn als unsern Gott freuen, und Seine wohltätigen Geseze aus Liebe und mit Vergnügen thun sollen. So müssen wir Gott; und dann auch Uns Selbst recht kennen lernen. Wissen und bedenken, daß wir als Geschöpfe Gottes, von Ihm gar nichts verdienen können, und immer zufrieden und dankbahr seyn müsten, wenn unser Leben im Ganzen nur erträglich wäre. Insbesondere es lebhaft empfinden, daß wir Sünder sind, die nichts als Strafe verdienen.
U m Gott stets und recht zu danken, müssen wir ferner, unsern himmlischen Sinn immer mehr stärken. Uns die grosse, christliche Weisheit immer bekanter und geläufiger machen, daß wir in Gott und Seiner Gnade, allein Alles haben, daß alles was uns besser macht, uns auch unfehlbahr glücklich macht; daß nichts als ein durch Tugend wirksamer Glaube an Jesum, unser Glück, hingegen nichts als die Sünde unser Unglück ist. Und dann durch öftere, tägliche Betrachtung über diese grosse Wahrheiten, uns immer mehr in den Sinn versezen, wo wir mit Zu|c169|stimmung unsers ganzen Herzens sagen können, {Psalm 73, 23–25.} Herr! wenn ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. – Eine solche Gemüts-Art wird besonders unsre Beschwerden und Leiden uns als Wohlthaten zeigen, und die erhabenste Art des Danks, den Dank für die Leiden, bei uns befördern.U m Gott stets und recht zu danken, müssen wir ferner, unsern himmlischen Sinn immer mehr stärken. Uns die grosse, christliche Weisheit immer bekanter und geläufiger machen, daß wir in Gott und Seiner Gnade, allein Alles haben, daß alles was uns besser macht, uns auch unfehlbahr glücklich macht; daß nichts als ein durch Tugend wirksamer Glaube an Jesum, unser Glück, hingegen nichts als die Sünde unser Unglück ist. Und dann durch öftere, tägliche Betrachtung über diese grosse Wahrheiten, uns immer mehr in den Sinn versezen, wo wir mit Zu|c169|stimmung unsers ganzen Herzens sagen können, {Psalm 73, 23–25.} Herr! wenn ich nur Dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. – Eine solche Gemüts-Art wird besonders unsre Beschwerden und Leiden uns als Wohlthaten zeigen, und die erhabenste Art des Danks, den Dank für die Leiden, bei uns befördern.
W o l l e n wir stets dankbahr gegen Gott seyn, so müssen wir nothwendig Seine Wohlthaten recht kennen. Dies aber werden wir nie, woferne wir nicht in einer täglichen Bemerkung Seiner Gunstbezeugungen leben. Alle Tage müssen wir über Gottes Wohlthaten Rechnung halten. An jedem Morgen, und jedem Abende, und in dem Laufe des Tages ofte, zu uns sagen: „Abermahls hat mich Gott so gnädig geschüzet! Abermahls mir mein Gesicht, Gehör, Sprache, Vernunft geschenket! Abermahls meine Geschäfte gesegnet! Meine Leiden gemäßiget! Mir diese neue Freude gegeben! So ist denn abermahls, die Sünde für mich noch schändlicher und strafbahrer, und meine Verpflichtung Gott durch redliche Tugend zu dienen noch grösser geworden!“W o l l e n wir stets dankbahr gegen Gott seyn, so müssen wir nothwendig Seine Wohlthaten recht kennen. Dies aber werden wir nie, woferne wir nicht in einer täglichen Bemerkung Seiner Gunstbezeugungen leben. Alle Tage müssen wir über Gottes Wohlthaten Rechnung halten. An jedem Morgen, und jedem Abende, und in dem Laufe des Tages ofte, zu uns sagen: „Abermahls hat mich Gott so gnädig geschüzet! Abermahls mir mein Gesicht, Gehör, Sprache, Vernunft geschenket! Abermahls meine Geschäfte gesegnet! Meine Leiden gemäßiget! Mir diese neue Freude gegeben! So ist denn abermahls, die Sünde für mich noch schändlicher und strafbahrer, und meine Verpflichtung Gott durch redliche Tugend zu dienen noch grösser geworden!“
I n s b e s o n d e r e müssen wir Gottes Wohlthaten unter gewisse Artikel bringen, und alsdenn, über einen jeden, einzeln nachdenken. Ein Kaufmann, der eine sehr ausgebreitete Handlung füret, und wohl hundert Arten von Einnahme und Ausgabe hat, bringet sich alles unter gewisse Artikel, um es erst einzeln zu betrachten, und sodenn im Ganzen ohne Verwirrung übersehen zu können. Gerade so müssen wir es auch bei Gottes Wohlthaten machen. Sie unter gewisse Klassen ordnen; Wohlthaten an unserm Leibe, an der Seele, im Irrdischen, im |c170| Geistlichen u. s. f. Und nach einer solchen Berechnung, über jeden einzelnen Artikel nachdenken. Da werden wir sicherlich, über die Menge und Grösse der Wohlthaten Gottes erstaunen. I n s b e s o n d e r e müssen wir Gottes Wohlthaten unter gewisse Artikel bringen, und alsdenn, über einen jeden, einzeln nachdenken. Ein Kaufmann, der eine sehr ausgebreitete Handlung füret, und wohl hundert Arten von Einnahme und Ausgabe hat, bringet sich alles unter gewisse Artikel, um es erst einzeln zu betrachten, und sodenn im Ganzen ohne Verwirrung übersehen zu können. Gerade so müssen wir es auch bei Gottes Wohlthaten machen. Sie unter gewisse Klassen ordnen; Wohlthaten an unserm Leibe, an der Seele, im Irrdischen, im |c170| Geistlichen u. s. f. Und nach einer solchen Berechnung, über jeden einzelnen Artikel nachdenken. Da werden wir sicherlich, über die Menge und Grösse der Wohlthaten Gottes erstaunen.
N o c h eine sehr heilsame Uebung! Wir müssen, nämlich, uns immer mehr zur Dankbahrkeit gegen unsre Neben-Menschen gewönen. Auch an dem Geringsten, auch an unsern Untergebenen und Bedienten ihre Dienste und Hülfleistung schäzen. Jede, auch die kleinste Gefälligkeit, Höflichkeit und Dienstleistung, ja jeden guten Willen anderer gegen uns, bemerken, und ihnen auf eine oder die andere Art unsre Dankbahrkeit dafür bezeugen. Dies wird unsrer Seele einen Hang, eine Fertigkeit dankbahr zu seyn, geben. Und um so viel mehr, uns gegen unsern Unendlichen Wohltäter fülbahr machen.N o c h eine sehr heilsame Uebung! Wir müssen, nämlich, uns immer mehr zur Dankbahrkeit gegen unsre Neben-Menschen gewönen. Auch an dem Geringsten, auch an unsern Untergebenen und Bedienten ihre Dienste und Hülfleistung schäzen. Jede, auch die kleinste Gefälligkeit, Höflichkeit und Dienstleistung, ja jeden guten Willen anderer gegen uns, bemerken, und ihnen auf eine oder die andere Art unsre Dankbahrkeit dafür bezeugen. Dies wird unsrer Seele einen Hang, eine Fertigkeit dankbahr zu seyn, geben. Und um so viel mehr, uns gegen unsern Unendlichen Wohltäter fülbahr machen.
S o w o h l es indessen, uns hier immer gehen mag: so ist doch das alles nur der kleinste Anfang unsers rechten Glücks dort in unserm Vaterlande. Hierauf müssen denn unsre Augen mit unverwandten Blicken geheftet seyn! Dies wird, bei allen Beschwerden und Müseeligkeiten dieses Vorbereitungs-Standes, uns kräftig trösten und aufheitern. Bei unsern Freuden uns vor der Vereitelung bewahren und zu {1 Kor. 3, 22.} Herren der Welt machen. Dies wird uns in die seelige Verfassung sezen, wo wir dieses irrdische Leben, als ein Geschenk unsers allmächtigen Vaters lieben, aber jenes himmlische als das Rechte Leben noch unendlich mehr lieben, und mit Sehnsucht nach dem Tage des Todes, als unserm Ehren- und Freuden-Tage aussehen.S o w o h l es indessen, uns hier immer gehen mag: so ist doch das alles nur der kleinste Anfang unsers rechten Glücks dort in unserm Vaterlande. Hierauf müssen denn unsre Augen mit unverwandten Blicken geheftet seyn! Dies wird, bei allen Beschwerden und Müseeligkeiten dieses Vorbereitungs-Standes, uns kräftig trösten und aufheitern. Bei unsern Freuden uns vor der Vereitelung bewahren und zu {1 Kor. 3, 22.} Herren der Welt machen. Dies wird uns in die seelige Verfassung sezen, wo wir dieses irrdische Leben, als ein Geschenk unsers allmächtigen Vaters lieben, aber jenes himmlische als das Rechte Leben noch unendlich mehr lieben, und mit Sehnsucht nach dem Tage des Todes, als unserm Ehren- und Freuden-Tage aussehen.