/z|a[13]| |b13| |c13| Evangelium am 2 Sontage nach Trinitatis.
Lucä 14, 16−23. verglichen mit v.c1 1−15.

W i e ein gütiger Vater den nötigen Ernst immer mit Freundlichkeit mildert; oder, wie ein weiser Arzt die herben Arzeneien mit wohlschmeckenden Sachen mischetc2 um sie dem weichlichen Kranken ohne Widerwillen beizubringen: so hüllet hier Jesus die bittere Wahrheit von dem Unglauben, und dem /bdaraus fliessendenb\b3 Unglück der Juden, in diese Gleichniß-Rede ein. An der Tafel eines vornehmen Juden, von der Sectec4 der heuchlerischen und stolzen Pharisäer, sprach er diese Warnung fürc5 dem Unglauben, der Verachtung seiner von Gott gekommenen Religion aus, indem er {S. /cvers 1.c\c6 } die künftigen Schicksahle derselben bei den Juden, unter dem Bilde eines Gastmahls erzälet.

K a u m verdienten diese schändliche Menschen, die Pharisäer, eine solche Schonung! Wer kan es ohne Widerwillen sehen, wenn sie sogar das Heiligthum der Freundschaft zu einem Fallstrick der Unschuld machen.c7 Sie laden Jesum zu Gaste, bloß weil sie auf ihn hielten, ihm ein Wort, eine That abzulocken suchtenc8 welches sie zu sei|a14|nem Schaden brauchen könten! Wenn sie so im dunkelnc9 schleichen, listige Entwürfe wider ihren Freund machen; {/cvers 2.b10 c\c11 vergl. v.c12 1} einen Wassersüchtigen heimlich bestellen, |b14| |c14| um ihn zu berücken! Wenn sie gar die guten Eigenschaften ihres Freundes brauchen, um ihn in Fallen zu locken: denn sie kanten das gütige, menschenfreundliche Herz Jesu, welches nie einen Elenden ohne Hülfe ließ, welches jeden Augenblick für verlohren hielt, wo nicht ein Mensch erfreuet worden! Wenn sie niederträchtig dem Volk schmeicheln, um Jesum zu stürzen! Sie wälen gerade einen Sabbath: denn die Juden, und besonders der grosse Haufe hielte, wie sie noch jezt thun, auf die Sabbaths-Feier bis zum Aberglauben. Wenn sie, nach Art aller Heuchler, Mücken durchseigen und Kameele verschlucken; in Kleinigkeiten pünctlichc13, und in grossen Dingen desto gelinder sind; am Sabbath nicht arbeitetenc14, aber desto ruhiger die Häuser der Wittwen und Waisen frassenc15! {/cL.3.b16 c\c17 } Wenn sie auf die Frage des Redlichen und Gütigen, der keine Verstellung kentc18, und niemand gern beleidigen will, so heimtückisch schweigen! Und wenn diese Männer, die als Muster der Tugend, als Heilige angebetet seyn wollen, {/cvers 7.b19 c\c20 } so kindisch nach Rang und Vorsiz streben! – So erniedriget, so schändet derc21 Neid |a15| den Menschen. Keine That ist so niederträchtig, so schwarz, so schändlichc22 zu der wir nicht aufgelegt sind, so bald wir uns dieser niedrigen, unseeligen Neigung überlassen!

U n d dieses Gastmahl war noch dazu, bei ihnen ein Stück des Gottesdienstes. Sie, reich an Zusäzen zu Gottesc23 Gebothen, pflegten am Sabbath immer ein Gastmahl auszurichten; und prächtiger als sonst an den gemeinen Tagen, zu essen und zu trinken. Dies nanten sie, den Sab|b15|bathc24 ehren. Und für solche Gastmahle hoften sie so gar, Lohn von Gottc25. – So ungereimte, schändliche Verdreher der Geseze Gottesc26 waren diese Heuchler!

D i e s e ungereimte Meinung widerleget Jesus versc27 12−14. Er tadelt es nicht, Gastmahle anzustellen; auch am Sabbath: {versc28 1} er selbst war ja bei einem solchen Sabbaths-Mahle zugegen. Er tadelt es nicht, seine Bekandtebc29 Freunde, Verwandte, und die Reichen einzuladen. Nur erinnert er, daß dies alles keine Tugend, keine That sey, die Ruhm und Lohn verdiene; keine That worüber man Ursache habe von sich gut zu denken, und von Gottc30 Lohn zu erwarten. Wohltätigkeitc31, uneigennüzige Wohltätigkeitc32, dies sey das Mittel sich Gottc33 gefällig zu machen, und seinesc34 |a16| Gnaden Lohns im Himmel zu versichern. {versbc35 12} Wenn du ein Mittags- oder Abendmahl machest, so lade nicht deine Freunde, noch deine Brüder, noch deine Gefreundten, noch deine Nachbarnc37, die da reich sind; auf daß sie dich nicht etwa wieder laden, und dir vergolten werde. Allec38 Vergeltung, die du vernünftiger weise hievon erwarten kanst, ist daß deine Gäste dich wieder zu Gaste bitten.c39 {/cv. 13 14.b40 c\c41 } Sondern wenn du ein Mahl machest, so lade die Armen, die Krüppel, die Lahmen, die Blinden. So bist du seligc42: denn sie haben dir nicht zu vergelten; es wird dir aber vergolten werden in der Auferstehung der Gerechten. Aberc43 ohne Eigennuz, ohne Hinsicht auf sich selbst wohlthun; das ist es was uns Gottesc44 Beifall und Belohnung sichert.c45

|b16| |c16| H i e r nun, da Jesus von dem Sabbaths-Gastmahl redete, brach einer seiner Mitgäste in die Ausrufung aus: {/cversb46 15c\c47 } Seelig ist der das Brod isset im Reiche Gottes! (derc48 ein Gast ist an der Tafel im Himmel!c49) – Solte manc50 nicht glauben, dieser Pharisäer sey lauter Heiligkeit, sey immer voll von dem grossen Gedanken, von Gottc51 und der Ewigkeit? Wie sezet er alles mit der Religion in Verbindung! Wie fromm ist seine Spra|a17|che! Allein die Pharisäer waren Meister in der Heuchelei. Sie verstanden die Kunst aus dem Grunde, mit andächtelnder, fromm-scheinender Sprache sich in die Gemüter und Häuser der Menschen einzuschleichen, und über ihre Gewissen zu herrschen. Der Ausruf paßte sich zwar auf das, wovon geredet ward (v.c52 12−14) ganz und gar nicht. Aber er war doch fromm-scheinend. Und dies war esc53 was der Pharisäer suchte. – Wenn denn ein /cMensch Gottc\c54 und den Heiland stets im Munde füret; immer, zur Zeit und zur Unzeit davon spricht; und die Religion in den Umgang mit andern, mit Gewalt herbei ziehet: den fliehe! Er ist ein Heuchler!

D i e Antwort auf jenen andächtig-scheinenden Spruch des Pharisäers giebt Jesus in der /bcGleichniß Redebc\bc55 von einem Gastmahl. Er zeigt, wie überflüßig, und unglücklich-gewält er sey. Ueberflüßig; da es in jedes Menschen Gewalt stehec56 im Himmel ein Gast zu seyn.bc57 (zur ewigen Seligkeitc58 zu kommen)bc59 Unglücklich-gewält; da er nirgends unschicklicher sey als im Munde der Juden, welche so recht vorsäzlich diese Seligkeitc60 von sich stiessen.

|b17| |c17| S e i n ec61 Religion, dies ist der Inhalt der Gleichniß-Rede, dieser Weg zur Seeligkeit |a18| bei Gott, werde zwar zuerst den Juden geprediget; von ihnen aber gering geachtet, und unter allerlei nichtigen Vorwänden verworfen /cwerden. versb62 c\c63 16−20.Jesus sprach zu ihm;bc64 Es war ein Menschc65 der machte ein groß Abendmahl und lud viel dazu. Er ließ sie also schon einige Zeit vorher dazu einladen. Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls,c66 (genauer, hierauf sandte er seinen Knecht, zur Zeit, am Tage des Gastmahls) zu sagen den Geladenen: Kommet, denn es ist alles bereit. Und sie fiengen anc67 alle nach einander sich zu entschuldigen.bc68 (richtiger, aber sie /bcallebc\ verbaten es /ceinmütig)b70 derc\c71 eine sprach ich habe einen Acker gekauft,bc72 (genauer, ich kaufe einen Acker, ich stehe jezobc73 im Handel wegen eines Ackers)bc74 und muß hinaus /cgehen,b75 undc\c76 ihn c77 besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Der andere sprach: Ich habe fünf /bcJoch Ochsen gekauft,bc\bc78 (ich kaufe, stehe jezobc79 im Handel)bc80 Und der dritte /bcsprach ichbc\bc81 habe ein Weib genommen,bc82 (ich will jezo mich verehelichen)bc83 darum kan ich nicht kommen. – Wie nichtig war das alles! Sie wusten es vorher, sie waren schon einmahl eingeladen und konten ihre Geschäfte darnach einrichten. Sie kamen |a19| also nicht, weil sie nicht kommen wolten, weil sie den Herrenc84 und sein Gastmahl geringschäzetenbc85 oder verachteten.

|b18| J e d o c hc86, färt unser Heiland fort, dieser Unglaube der Juden werde die Welt seiner |c18| wohltätigenc87 Religion nicht berauben. Sondern nunmehro solle sie den Samaritern und Heiden, allen Völkern der Erde ohne Unterschied geprediget werden. Und werde auch bei ihnen eine günstigere Aufnahme finden. v. 21−23.c88 – – Und der Knecht kam, und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig, und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus bald auf die Strassen und Gassen der Stadt; und führe die Armen, und Krüppel, und Lahmen, und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hastbc89 es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstrassen, und an die Zäune; und nöthige sie herein zu kommen,bc90 (das gewönliche Wort bei Einladungen zum Gastmahl, /czu denenc\c91 man die Gäste /cbittetc\c92, nicht aber mit Gewalt /czwinget)c\

czu zwingen. Und wer dies thun will, sendet gewiß nicht Einen Knecht, wie hier geschahe, sondern mehrere.) – Bitte sie zu kommen,c
auf daß mein Haus voll werde. – – Wir, Leser,c93 sind auch unter diesen. Noch immer |a20| würden wir, wie unsre heidnischec94 Vorfahren, Holz und Steine anbeten, durch Betrug der Pfaffen geäffet, von allerlei Lastern geschändet, und von hundert Schrecken gepeiniget werden, wennc95 nicht die unendliche Erbarmung Gottesc96 den Befehl gegeben: /cGehe aus auf die Strassen und Wege, und nötige sie alle herein zu kommen, damit mein Haus voll werdec\c97.

|b19| H i n g e g e nc98, so schließt die /cGleichnis-Rede, jenec\c99 Verächter würden nun auch aller Vortheile seiner Religion verlustig gehen.c100 – – {/cv. 24.b101 c\c102 } Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken (geniessen,bc103) wird. – – Nichts kan gerechter seyn! Diese Verächter kanten die Religion Jesu. Sie ward ihnen mit so einleuchtenden Beweisen dargethan, daß sie nichts dagegen zu sagen vermogten. Bloß durch Laster-Liebe verschlossen sie ihr den Eingang in die Seele.

A l l e s traf pünktlich ein, was Jesus hier vorhergesagtbc104. Die Apostel predigten zu allererst den Juden das Evangelium. Diese aber, aus Neid gegen die Heiden, denen die Religion auch geprediget ward, verwarfen sie, wolten sie nicht einmahl hören, und wurden gar die grausamsten Feinde und Verfolger der Apostel und ersten Christen. |a21| Apostelbc105 Gesch. 13, 45. 46. Kap. 22, 21. 22. Röm. 11, 28. 1 Thessal. 2, 14−16. Plözlich brachen nun die fürchterlichen Strafen Gottesc106 ein, die schon {5 Buch Mos. 29 /bundc107 30.b\b108 } Moses ihnen, im Fall des Ungehorsams angekündiget. Ihre Hauptstadt, und ihr ganzer Staat ward aufs schrecklichste zerstöret, und das Volk durch alle Länder der Erde, gleichsam als Gefangene zertreuet.

N o c h immer gehen diese Unglückliche unter uns herum, als Denkmahle der Gerechtigkeit Gottesc109 an der einen Seite, und der fast zur Grausamkeit steigenden Härte der Christen, an der andern. Es ist wahr, die Straf-Gerichte des |b20| |c20| /cAllmächtigen druckenc\c110 sie schwer. Aber berechtiget uns das – /cuns, Christen,c\c111 Schüler des Jesuc112 der auch für seine Mörder so gar betete, Vater vergieb ihnen, denn sie wissen nicht was sie thun.c113 – Berechtiget uns das, sie zu verachten, zu hassen, auf alle Weise zu drücken? Bedauren solten wir sie,c114 ihre Verblendung und Elend beweinen,c115 sie als unsre Brüder mit Liebe zu gewinnen suchen,c116 an ihrem Beispiele Gehorsam lernen,c117 und mit /cInbrunst um Beschleunigung der frohen Zeit beten, woc\c118 das ganze Israelbc119 durch Annehmung des Christenthums, glücklich /cwerden sollc\c120. Dies solten wir thun, wenn wir anders Christen seyn wollen! Römer XI.

|a22| * * *

D i e s e Gleichnis-Redec1 Jesu ist folglichc2 eine /cWeissagung von den Schicksahlen seiner Religion unter den damahligen Juden und Heidenc\c3. So wohl der ganze Inhalt, als auch die Geschichte sezen das ausser Zweifel. Mehr als dieses wolte Jesus damit nicht lehren. Und es ist ganz unnüzc4 zu fragen, was der Acker,c5 die fünf Joch /cOchsen,c\c6 das Weib bedeuten? Dies alles sind nur Zierathen der Rede, um der Erzälung Wahrscheinlichkeit, Anmuth, und Leben zu geben.

A u c h für uns ist diese Geschichte lehrreich genug. Sie muß uns innige Dankbahrkeit gegen Gottc7 einflössen, welcher uns Heiden,c8 zu seinem Gastmahl eingeladen,c9 uns die Bibel in die Hände gegeben, und dadurch zur Erkentnißbc10 der Religion Jesu Christi gebracht. – Sie |b21| |c21| muß uns fleißiger in Erlernung, folgsamer in Annehmung, und treuer in Ausübung dieser seeligsten Religion machen;bc11 damit nicht die Gerechtigkeit Gottesc12 auch uns in Unwissenheit, Aberglauben und Laster fallen lasse. – Sie muß uns zur demütigen Lobpreisung der unermeslichen Güte /cGottesc\c13 füren, welcher alles gethan um uns zu beglücken. Gehen wir nun verlohren: so haben wir niemand als uns selbst anzuklagen.bc14 u. s. f.

|a23| S o viel Gutes können wir aus dieser Rede Jesu lernen, wenn wir auch bloß bei ihrem nächsten Inhalt stehen bleiben. Doch dürfen wir allerdings, sie durch Betrachtungen darüber, und Verbindung mit andern Stellen der Bibel uns noch fruchtbahrer machen. – Welch eine Unschuld, welche Klugheit und Vorsicht, was für eine durchgängige Reinigkeit sehen wir hier in dem Wandel unsers Heilandes? Selbst seine geschwornec15 Feinde, die Pharisäer; sie die so scharfsichtig waren, denen hundert Hände und Augen zu Gebothe stunden, welche durch ihr Ansehen das Volk beherrscheten, und bis zum Unsinn gegen Jesum erbittert waren; selbst diese wissen weiter nichts gegen ihn aufzubringen, als daß er /cam Sabbath heilec\c16: wissen keine andere Versuchung für Jesum, als die; – /cwohlzuthun. versc\c17 1. 2. – Und dieser Jesus, ist unser Heiland, unser Herr und Muster! So müssen auch wir, selbst den Schein des Bösen meiden. 1 Thessalon. 5, 23. So muß auch uns, Eifer in edlen gemeinnüzigen Thaten, |b22| |c22| unter unsern Nebenmenschen auszeichnen. Titum 2, 14.

U n d diese seine ärgsten Feinde behandelt Jesus, mit so viel Schonung. Um ihnen die unangenehme Wahrheit von der Verwerfung und |a24| Bestrafung ihrer Nation zu mildern, kleidet er sie in ein Gleichniß ein. – Wo solte diese Tugend gemeiner seyn, als unter /cC h r i s t e n, welchec\c18, wofern sie anders dies in der That sind, nie zu beleidigenc19 sondern immer zu bessern und zu beglücken /csuchen; denenc\c20 Eine {Jacobi 5, /c/b19.b\b21 20c\c22 } Seele vom Tode retten und Sünden verhindern, über alles /cgehet; beic\c23 denen – Vergnügen und Wohlthun der Zweck aller Gesinnungen und Handlungen ist?c24

W a s war es, das diese zuerst eingeladene des Gastmahls beraubte und dem Zorn des Hausherrn aussezte? – Verwickelung in die Güter der Welt! – Diese Güter der Welt, Reichthum, Ansehen, Macht u. s. w. sind allerdings schäzbahr. Sie sind Gottesc25 Geschöpfe, und Geschenke. Sie sind Mittel, mehrerec26 und edlere Tugendthaten zu verrichten. Sie froh,c27 dankbahr gegen Gott,c28 und wohltätig gegen seine Neben-Menschen brauchen; das ist Recht,bc29 und Pflicht. 1 Timoth. 4, 1−5. – Aber sie sind auch flüchtig,c30 tausend Zufällen unterworfen; und überhaupt unzulänglich unsern unsterblichen Geist zu sättigen; auch nicht selten uns in der That schädlich, indem sie uns in Sünde und (welches einerlei ist) c31 Unglück stürzen. So müssen wir uns denn, in diese Güter der Erde nie verwickeln; |b23| |c23| sie nie so nahe mit unserm Her|a25|zen verbinden daß ihr Verlust unser Herz verwunde; sie immer in einiger Entfernung von uns halten; kurz, alle Güter der Erde, nicht als Sclavenc32, sondern als Herren derselben besizen und gebrauchen. {1 /cCor. 7, 30.b33 c\c34 31} „Diejenigen die Ehefrauen habenbc35 müssen seyn, als hätten sie sie nicht; die da weinen, als weineten sie nichtbc36 und die sich freuenbc37 als freueten sie sich nicht; die da kaufen, als besässen sie es nicht; und die die Welt gebrauchen, als gebrauchten sie sie nicht.“ Das heißt: Alle Güter dieser Welt, besizen und brauchen, mit dem lebhaften Gefül ihrer Nichtigkeit, und mit der beständigen /bcEntschlossenheit siebc\bc38 so bald es Gott gefälltbc39 aufzuopfern: dies ist Weisheit! oder Christenthum!

A b e r das Christenthum ist gar nicht den Geschäften der Welt entgegen. Die zuerst geladenec40 hätten ja immer das Landgut kaufen, in den Ehestand treten, und dennoch dem Gastmahle beiwohnen können. Die Welt ist kein Werk des Teufelsc41 sondern Gottesc42. Die Stände, die Aemter, die Geschäfte darin sind Seinec43 Anordnung. Welt und Gott; weltlich und geistlich sind also nicht widersprechende Dinge: wenn die Bibel sie einander entgegenstellet, so spricht sie immer von der /cdamahligen lasterhaftenc\c44 Welt. Ja|a26|cob.bc45 4, 4. vergl. Ephes. 4, 17−24. 1 Petri 4, 2−4. Das Christenthum und weltliche Geschäfte können gar wohl beisammen stehen. Doch was sage ich, beisammen stehen? – Die treue und fromme Ausrichtung unserer Berufs- |b24| |c24| und Standes-Geschäfte ist ein Hauptstück des Christenthums. Und das Christenthum bestehet in nichts anders, als daß es alle unsere weltliche Handlungen, unsere Geschäfte, Ergözungen, Mahlzeiten, Gesellschaften, /cunser ganzes Leben zu einem Gottesdienst machtc\c47. „In dem Berufsfleiß seyd nicht träge; sondern brünstigen Geistes; und thut eure Geschäfte als einen Dienst Gottesc48![“] Röm. /bc12[,] 11bc\bc49 – „Ein jeglicher bleibe in dem Beruf und Stande worein ihn Gottc50 gesezt. Bist du ein Knecht berufen, sorge dir nicht: doch kanst du frey werden, so brauch des viel lieber. Denn wer c51 ein Knecht berufenc52 ist inc53 dem Herrn, der ist ein Gefreyter des Herrn: desselbigen gleichen wer ein freyerbc54 berufen ist, der ist ein Knecht Christi. Ihr seyd theuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knechtebc55. Ein jeglicher, lieben Brüder, worinnen er berufen /bcistbc\, darinnen bleibe er /cbey Gottc\.[“] 1 Cor.c56 7, 20–24. „Ihr esset oder trinkt, oder was ihr thut: so thut /bcesbc\ alles zur Ehre Gottesc57.[“] 1 Cor.c58 10, 31.

|a27| W i e aber können wir, unser ganzes Leben zu einem Gottesdienstc59 machen, wenn wir nicht richtig lernen was Gottc60 beib61 jeder Handlung von uns fordert; wenn wir nicht die Mittel und Kräfte brauchen die uns die Religion darreichet? Insbesondere erinnert uns das Betragen der Menschen in dem Texte, an die Geringschäzung und Verachtung des grossen, reichen Gastmahles Gottesc62 welches Erc63 jedem von uns anbiethet, – des heiligen Abendmahls. Man kan sich keine stärkere Versicherung von unserm Antheil an Gottc64 bei einem tugendreichen Glauben, keine kräftigere Stärkung |b25| |c25| aller Tugenden,c65 und insbesondere einer allgemeinen, herzlichen und grosmütigen Menschen-Liebe /cdenkenc\c66. – Das /cheilige Abendmahlc\c67 ist ein dankbahres, feierliches,bc68 und frohes Bekentniß des Kreuzestodes Jesu;bc69 eine sinlichec70 Versicherung des würdigen Communicantenc71 von seinem Antheil an diesem Tode und Verdienste Jesu; ein sehr kräftiges Mittel uns die Sünde abscheulich zu machen und zur Liebe aller Tugenden zu leiten; eine sehr grosse Stärkung, und Uebung unserer Menschen-Liebe. Was kan einem wahren Freunde Gottesc72, der Tugend,bc73 und der Menschen wichtiger seyn?

|a28| {Römerbc74 3, 29 Ephes.bc75 4, 6} G o t t ist nicht allein der Juden Gott, sondern auch der Heiden Gott. Der Gott und Vater aller Menschen. Er sendetc76 auch auf die Landstrassen, um alles zu seinem Mahle einzuladen, damit – Sein Haußbc77 voll werde. Nicht bloß die Protestanten; nicht bloß die Christen; sondern alle Menschen sind also, das Reich Gottesc78, die Familie Gottes. Bloß unsre /bcGlaubens Brüderbc\bc79, bloß die Christen lieben, das ist also nicht Menschen-c80 sondern Partheien-Liebec81. Wahre Menschen-Liebe erstrecket sich auf alles was Mensch istbc82 – Und eine solche {Gal. 5. bc83 6. 1 /cCor. 13.b84 c\c85 } allgemeine, herzliche, grosmütigec86 und unwandelbahre Menschen-Liebe, ist das sicherste Kenzeichenc87 unsers wahren Glaubens; der Gottc88 gefälligste Dank für seinec89 Wohlthaten; die edelste Zierde und Beschäftigung der Seeligen im Himmel; und das Siegel einer seeligen Ewigkeit. Nur solche Menschen-Freunde werden dereinst Gäste an der Tafel Gottesc90 im Himmel seyn!z\

c1: V. c1: Gleichniß-Rede c2: mischet, c2: folglich, b3: darausfliessenden c3: Weissagung von den Schicksahlen seiner Religion unter den damahligen Juden und Heiden c4: Sekte c4: unnütz c5: vor c5: Acker; c6: Vers 1 c6: Ochsen; oder c7: machen? c7: G o t t c8: suchten, c8: Heiden c9: Dunkeln c9: eingeladen; b10: 2 bc10: Erkenntniß c11: Vers 2 bc11: machen, c12: V. c12: G o t t e s, c13: pünktlich c13: des V a t e r s d e r M e n s c h e n c14: arbeiten bc14: anzuklagen c15: fressen c15: geschwornen b16: 3 c16: am Sabbath heile c17: V. 3 c17: wohlzuthun. Vers c18: kennt c18: C h r i s t e n? Welche b19: 7 c19: beleidigen, c20: V. 7 c20: suchen! Denen, c21: der b21: 19 u. c22: schändlich, c22: 19 u. 20. c23: G o t t e s c23: gehet! Bei c24: Sab|c15|bat c24: ist! c25: G o t t c25: G o t t e s c26: G o t t e s c26: mehrere, c27: Vers c27: froh; c28: V. c28: G o t t; bc29: Bekandte, bc29: Recht c30: G o t t c30: flüchtig; c31: Wohlthätigkeit c31: in c32: Wohlthätigkeit c32: Sklaven c33: G o t t b33: 30 c34: S e i n e s c34: Kor. 7, 30 bc35: v. (b); V. (c) bc35: haben, bc36: nicht, c37: Nachbaren bc37: freuen, c38: „Alle bc38: Entschlossenheit, sie, c39: bitten“ bc39: gefällt, b40: 14 c40: Geladenen c41: V. 13 14 c41: Teufels, c42: seelig c42: G o t t e s c43: „Aber c43: S e i n e c44: G o t t e s c44: damahligen lasterhaften c45: sichert.“ bc45: Jacobi (b); Jakobi (c) b46: v. c47: v. 15. c47: unser ganzes Leben zu einem Gottesdienst macht c48: („der c48: G o t t e s c49: Himmel!“ bc49: 12, 11. c50: mann c50: G o t t c51: G o t t c51: als c52: V. c52: berufen, c53: es, c53: von c54: Mensch, G o t t bc54: Freyer bc55: Gleichniß-Rede bc55: Knecht c56: stehe, c56: Kor. bc57: seyn c57: G o t t e s c58: Seeligkeit c58: Kor. bc59: kommen). c59: Gottesdienst c60: Seeligkeit c60: G o t t c61: S e i n e b61: bey b62: v. c62: G o t t e s c63: werden.“ v. c63: E r bc64: ihm: c64: G o t t c65: Mensch, c65: Tugenden; c66: Abendmahls c66: denken, als diese Handlung c67: an, c67: heilige Abendmahl bc68: entschuldigen (b); entschuldigen, (c) bc68: feierliches bc69: Jesu, b70: einmütig), c70: sinnliche c71: einmütig). Der c71: Kommunicanten bc72: gekauft c72: G o t t e s bc73: jetzo bc73: Tugend bc74: Ackers), bc74: Röm. b75: gehen bc75: Eph. c76: gehen c76: sendet, c77: zu bc77: Haus bc78: Joch-Ochsen gekauft c78: G o t t e s bc79: jetzo bc79: Glaubens-Brüder bc80: Handel). c80: Menschen-, bc81: sprach: Ich c81: Partheyen-Liebe bc82: genommen bc82: ist. bc83: verehelichen), bc83: u. c84: Herrn b84: 13 bc85: gering schäzeten c85: Kor. 13 c86: J e d o c h c86: grosmütige, c87: wohlthätigen c87: Kennzeichen c88: 21−23.“ c88: G o t t bc89: hast, c89: S e i n e bc90: kommen c90: G o t t e s c91: so wohl im Griechischen, als in unsrer Sprache: zu Gastmahlen pflegt c92: zu bitten c93: Leser! c94: heidnischen c95: hätte c96: G o t t e s c97: Gehe aus auf die Strassen und Wege, und nötige sie alle |c19| herein zu kommen, damit mein Haus voll werde c98: H i n g e g e n[“] c99: Gleichniß-Rede, „jene c100: gehen.b101: 24 c102: V. 24 bc103: (geniessen bc104: vorher gesagt bc105: Apost. c106: G o t t e s c107: u. b108: u. 30 c109: G o t t e s c110: A l l m ä c h t i g e n drücken c111: uns! Christen! c112: Jesu, c113: thun! c114: sie; c115: beweinen; c116: suchen; c117: lernen; c118: Eifer an jenem grossen Zwecke, bc119: Israel, c120: zu machen, arbeiten