|c13| Evangelium am 2 Sontage nach Trinitatis.
Lucä 14, 16−23. verglichen mit V. 1−15.
W i e ein gütiger Vater den nötigen Ernst immer mit Freundlichkeit mildert; oder, wie ein weiser Arzt die herben Arzeneien mit wohlschmeckenden Sachen mischet, um sie dem weichlichen Kranken ohne Widerwillen beizubringen: so hüllet hier Jesus die bittere Wahrheit von dem Unglauben, und dem daraus fliessenden Unglück der Juden, in diese Gleichniß-Rede ein. An der Tafel eines vornehmen Juden, von der Sekte der heuchlerischen und stolzen Pharisäer, sprach er diese Warnung vor dem Unglauben, der Verachtung seiner von Gott gekommenen Religion aus, indem er {S. Vers 1} die künftigen Schicksahle derselben bei den Juden, unter dem Bilde eines Gastmahls erzälet.W i e ein gütiger Vater den nötigen Ernst immer mit Freundlichkeit mildert; oder, wie ein weiser Arzt die herben Arzeneien mit wohlschmeckenden Sachen mischet, um sie dem weichlichen Kranken ohne Widerwillen beizubringen: so hüllet hier Jesus die bittere Wahrheit von dem Unglauben, und dem daraus fliessenden Unglück der Juden, in diese Gleichniß-Rede ein. An der Tafel eines vornehmen Juden, von der Sekte der heuchlerischen und stolzen Pharisäer, sprach er diese Warnung vor dem Unglauben, der Verachtung seiner von Gott gekommenen Religion aus, indem er {S. Vers 1} die künftigen Schicksahle derselben bei den Juden, unter dem Bilde eines Gastmahls erzälet.
K a u m verdienten diese schändliche Menschen, die Pharisäer, eine solche Schonung! Wer kan es ohne Widerwillen sehen, wenn sie sogar das Heiligthum der Freundschaft zu einem Fallstrick der Unschuld machen? Sie laden Jesum zu Gaste, bloß weil sie auf ihn hielten, ihm ein Wort, eine That abzulocken suchten, welches sie zu seinem Schaden brauchen könten! Wenn sie so im Dunkeln schleichen, listige Entwürfe wider ihren Freund machen; {Vers 2 vergl. V. 1} einen Wassersüchtigen heimlich bestellen, |c14| um ihn zu berücken! Wenn sie gar die guten Eigenschaften ihres Freundes brauchen, um ihn in Fallen zu locken: denn sie kanten das gütige, menschenfreundliche Herz Jesu, welches nie einen Elenden ohne Hülfe ließ, welches jeden Augenblick für verlohren hielt, wo nicht ein Mensch erfreuet worden! Wenn sie niederträchtig dem Volk schmeicheln, um Jesum zu stürzen! Sie wälen gerade einen Sabbath: denn die Juden, und besonders der grosse Haufe hielte, wie sie noch jezt thun, auf die Sabbaths-Feier bis zum Aberglauben. Wenn sie, nach Art aller Heuchler, Mücken durchseigen und Kameele verschlucken; in Kleinigkeiten pünktlich, und in grossen Dingen desto gelinder sind; am Sabbath nicht arbeiten, aber desto ruhiger die Häuser der Wittwen und Waisen fressen! {V. 3} Wenn sie auf die Frage des Redlichen und Gütigen, der keine Verstellung kennt, und niemand gern beleidigen will, so heimtückisch schweigen! Und wenn diese Männer, die als Muster der Tugend, als Heilige angebetet seyn wollen, {V. 7} so kindisch nach Rang und Vorsiz streben! – So erniedriget, so schändet der Neid den Menschen. Keine That ist so niederträchtig, so schwarz, so schändlich, zu der wir nicht aufgelegt sind, so bald wir uns dieser niedrigen, unseeligen Neigung überlassen!K a u m verdienten diese schändliche Menschen, die Pharisäer, eine solche Schonung! Wer kan es ohne Widerwillen sehen, wenn sie sogar das Heiligthum der Freundschaft zu einem Fallstrick der Unschuld machen? Sie laden Jesum zu Gaste, bloß weil sie auf ihn hielten, ihm ein Wort, eine That abzulocken suchten, welches sie zu seinem Schaden brauchen könten! Wenn sie so im Dunkeln schleichen, listige Entwürfe wider ihren Freund machen; {Vers 2 vergl. V. 1} einen Wassersüchtigen heimlich bestellen, |c14| um ihn zu berücken! Wenn sie gar die guten Eigenschaften ihres Freundes brauchen, um ihn in Fallen zu locken: denn sie kanten das gütige, menschenfreundliche Herz Jesu, welches nie einen Elenden ohne Hülfe ließ, welches jeden Augenblick für verlohren hielt, wo nicht ein Mensch erfreuet worden! Wenn sie niederträchtig dem Volk schmeicheln, um Jesum zu stürzen! Sie wälen gerade einen Sabbath: denn die Juden, und besonders der grosse Haufe hielte, wie sie noch jezt thun, auf die Sabbaths-Feier bis zum Aberglauben. Wenn sie, nach Art aller Heuchler, Mücken durchseigen und Kameele verschlucken; in Kleinigkeiten pünktlich, und in grossen Dingen desto gelinder sind; am Sabbath nicht arbeiten, aber desto ruhiger die Häuser der Wittwen und Waisen fressen! {V. 3} Wenn sie auf die Frage des Redlichen und Gütigen, der keine Verstellung kennt, und niemand gern beleidigen will, so heimtückisch schweigen! Und wenn diese Männer, die als Muster der Tugend, als Heilige angebetet seyn wollen, {V. 7} so kindisch nach Rang und Vorsiz streben! – So erniedriget, so schändet der Neid den Menschen. Keine That ist so niederträchtig, so schwarz, so schändlich, zu der wir nicht aufgelegt sind, so bald wir uns dieser niedrigen, unseeligen Neigung überlassen!
U n d dieses Gastmahl war noch dazu, bei ihnen ein Stück des Gottesdienstes. Sie, reich an Zusäzen zu G o t t e s Gebothen, pflegten am Sabbath immer ein Gastmahl auszurichten; und prächtiger als sonst an den gemeinen Tagen, zu essen und zu trinken. Dies nanten sie, den Sab|c15|bat ehren. Und für solche Gastmahle hoften sie so gar, Lohn von G o t t. – So ungereimte, schändliche Verdreher der Geseze G o t t e s waren diese Heuchler!U n d dieses Gastmahl war noch dazu, bei ihnen ein Stück des Gottesdienstes. Sie, reich an Zusäzen zu G o t t e s Gebothen, pflegten am Sabbath immer ein Gastmahl auszurichten; und prächtiger als sonst an den gemeinen Tagen, zu essen und zu trinken. Dies nanten sie, den Sab|c15|bat ehren. Und für solche Gastmahle hoften sie so gar, Lohn von G o t t. – So ungereimte, schändliche Verdreher der Geseze G o t t e s waren diese Heuchler!
D i e s e ungereimte Meinung widerleget Jesus Vers 12−14. Er tadelt es nicht, Gastmahle anzustellen; auch am Sabbath: {V. 1} er selbst war ja bei einem solchen Sabbaths-Mahle zugegen. Er tadelt es nicht, seine Bekandte, Freunde, Verwandte, und die Reichen einzuladen. Nur erinnert er, daß dies alles keine Tugend, keine That sey, die Ruhm und Lohn verdiene; keine That worüber man Ursache habe von sich gut zu denken, und von G o t t Lohn zu erwarten. Wohlthätigkeit, uneigennüzige Wohlthätigkeit, dies sey das Mittel sich G o t t gefällig zu machen, und S e i n e s Gnaden Lohns im Himmel zu versichern. {V. 12} Wenn du ein Mittags- oder Abendmahl machest, so lade nicht deine Freunde, noch deine Brüder, noch deine Gefreundten, noch deine Nachbaren, die da reich sind; auf daß sie dich nicht etwa wieder laden, und dir vergolten werde. „Alle Vergeltung, die du vernünftiger weise hievon erwarten kanst, ist daß deine Gäste dich wieder zu Gaste bitten“ {V. 13 14} Sondern wenn du ein Mahl machest, so lade die Armen, die Krüppel, die Lahmen, die Blinden. So bist du seelig: denn sie haben dir nicht zu vergelten; es wird dir aber vergolten werden in der Auferstehung der Gerechten. „Aber ohne Eigennuz, ohne Hinsicht auf sich selbst wohlthun; das ist es was uns G o t t e s Beifall und Belohnung sichert.“D i e s e ungereimte Meinung widerleget Jesus Vers 12−14. Er tadelt es nicht, Gastmahle anzustellen; auch am Sabbath: {V. 1} er selbst war ja bei einem solchen Sabbaths-Mahle zugegen. Er tadelt es nicht, seine Bekandte, Freunde, Verwandte, und die Reichen einzuladen. Nur erinnert er, daß dies alles keine Tugend, keine That sey, die Ruhm und Lohn verdiene; keine That worüber man Ursache habe von sich gut zu denken, und von G o t t Lohn zu erwarten. Wohlthätigkeit, uneigennüzige Wohlthätigkeit, dies sey das Mittel sich G o t t gefällig zu machen, und S e i n e s Gnaden Lohns im Himmel zu versichern. {V. 12} Wenn du ein Mittags- oder Abendmahl machest, so lade nicht deine Freunde, noch deine Brüder, noch deine Gefreundten, noch deine Nachbaren, die da reich sind; auf daß sie dich nicht etwa wieder laden, und dir vergolten werde. „Alle Vergeltung, die du vernünftiger weise hievon erwarten kanst, ist daß deine Gäste dich wieder zu Gaste bitten“ {V. 13 14} Sondern wenn du ein Mahl machest, so lade die Armen, die Krüppel, die Lahmen, die Blinden. So bist du seelig: denn sie haben dir nicht zu vergelten; es wird dir aber vergolten werden in der Auferstehung der Gerechten. „Aber ohne Eigennuz, ohne Hinsicht auf sich selbst wohlthun; das ist es was uns G o t t e s Beifall und Belohnung sichert.“
|c16| H i e r nun, da Jesus von dem Sabbaths-Gastmahl redete, brach einer seiner Mitgäste in die Ausrufung aus: {v. 15.} Seelig ist der das Brod isset im Reiche Gottes! („der ein Gast ist an der Tafel im Himmel!“) – Solte mann nicht glauben, dieser Pharisäer sey lauter Heiligkeit, sey immer voll von dem grossen Gedanken, von G o t t und der Ewigkeit? Wie sezet er alles mit der Religion in Verbindung! Wie fromm ist seine Sprache! Allein die Pharisäer waren Meister in der Heuchelei. Sie verstanden die Kunst aus dem Grunde, mit andächtelnder, fromm-scheinender Sprache sich in die Gemüter und Häuser der Menschen einzuschleichen, und über ihre Gewissen zu herrschen. Der Ausruf paßte sich zwar auf das, wovon geredet ward (V. 12−14) ganz und gar nicht. Aber er war doch fromm-scheinend. Und dies war es, was der Pharisäer suchte. – Wenn denn ein Mensch, G o t t und den Heiland stets im Munde füret; immer, zur Zeit und zur Unzeit davon spricht; und die Religion in den Umgang mit andern, mit Gewalt herbei ziehet: den fliehe! Er ist ein Heuchler! |c16| H i e r nun, da Jesus von dem Sabbaths-Gastmahl redete, brach einer seiner Mitgäste in die Ausrufung aus: {v. 15.} Seelig ist der das Brod isset im Reiche Gottes! („der ein Gast ist an der Tafel im Himmel!“) – Solte mann nicht glauben, dieser Pharisäer sey lauter Heiligkeit, sey immer voll von dem grossen Gedanken, von G o t t und der Ewigkeit? Wie sezet er alles mit der Religion in Verbindung! Wie fromm ist seine Sprache! Allein die Pharisäer waren Meister in der Heuchelei. Sie verstanden die Kunst aus dem Grunde, mit andächtelnder, fromm-scheinender Sprache sich in die Gemüter und Häuser der Menschen einzuschleichen, und über ihre Gewissen zu herrschen. Der Ausruf paßte sich zwar auf das, wovon geredet ward (V. 12−14) ganz und gar nicht. Aber er war doch fromm-scheinend. Und dies war es, was der Pharisäer suchte. – Wenn denn ein Mensch, G o t t und den Heiland stets im Munde füret; immer, zur Zeit und zur Unzeit davon spricht; und die Religion in den Umgang mit andern, mit Gewalt herbei ziehet: den fliehe! Er ist ein Heuchler!
D i e Antwort auf jenen andächtig-scheinenden Spruch des Pharisäers giebt Jesus in der Gleichniß-Rede von einem Gastmahl. Er zeigt, wie überflüßig, und unglücklich-gewält er sey. Ueberflüßig; da es in jedes Menschen Gewalt stehe, im Himmel ein Gast zu seyn (zur ewigen Seeligkeit zu kommen). Unglücklich-gewält; da er nirgends unschicklicher sey als im Munde der Juden, welche so recht vorsäzlich diese Seeligkeit von sich stiessen.D i e Antwort auf jenen andächtig-scheinenden Spruch des Pharisäers giebt Jesus in der Gleichniß-Rede von einem Gastmahl. Er zeigt, wie überflüßig, und unglücklich-gewält er sey. Ueberflüßig; da es in jedes Menschen Gewalt stehe, im Himmel ein Gast zu seyn (zur ewigen Seeligkeit zu kommen). Unglücklich-gewält; da er nirgends unschicklicher sey als im Munde der Juden, welche so recht vorsäzlich diese Seeligkeit von sich stiessen.
|c17|S e i n e Religion, dies ist der Inhalt der Gleichniß-Rede, dieser Weg zur Seeligkeit bei Gott, werde zwar zuerst den Juden geprediget; von ihnen aber gering geachtet, und unter allerlei nichtigen Vorwänden verworfen werden.“ v. 16−20. – Jesus sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein groß Abendmahl und lud viel dazu. Er ließ sie also schon einige Zeit vorher dazu einladen. Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls (genauer, hierauf sandte er seinen Knecht, zur Zeit, am Tage des Gastmahls) zu sagen den Geladenen: Kommet, denn es ist alles bereit. Und sie fiengen an, alle nach einander sich zu entschuldigen, (richtiger, aber sie verbaten es einmütig). Der eine sprach ich habe einen Acker gekauft (genauer, ich kaufe einen Acker, ich stehe jetzo im Handel wegen eines Ackers), und muß hinaus gehen ihn zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Der andere sprach: Ich habe fünf Joch-Ochsen gekauft (ich kaufe, stehe jetzo im Handel). Und der dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen (ich will jezo mich verehelichen), darum kan ich nicht kommen. – Wie nichtig war das alles! Sie wusten es vorher, sie waren schon einmahl eingeladen und konten ihre Geschäfte darnach einrichten. Sie kamen also nicht, weil sie nicht kommen wolten, weil sie den Herrn und sein Gastmahl gering schäzeten oder verachteten. |c17|S e i n e Religion, dies ist der Inhalt der Gleichniß-Rede, dieser Weg zur Seeligkeit bei Gott, werde zwar zuerst den Juden geprediget; von ihnen aber gering geachtet, und unter allerlei nichtigen Vorwänden verworfen werden.“ v. 16−20. – Jesus sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein groß Abendmahl und lud viel dazu. Er ließ sie also schon einige Zeit vorher dazu einladen. Und sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls (genauer, hierauf sandte er seinen Knecht, zur Zeit, am Tage des Gastmahls) zu sagen den Geladenen: Kommet, denn es ist alles bereit. Und sie fiengen an, alle nach einander sich zu entschuldigen, (richtiger, aber sie verbaten es einmütig). Der eine sprach ich habe einen Acker gekauft (genauer, ich kaufe einen Acker, ich stehe jetzo im Handel wegen eines Ackers), und muß hinaus gehen ihn zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Der andere sprach: Ich habe fünf Joch-Ochsen gekauft (ich kaufe, stehe jetzo im Handel). Und der dritte sprach: Ich habe ein Weib genommen (ich will jezo mich verehelichen), darum kan ich nicht kommen. – Wie nichtig war das alles! Sie wusten es vorher, sie waren schon einmahl eingeladen und konten ihre Geschäfte darnach einrichten. Sie kamen also nicht, weil sie nicht kommen wolten, weil sie den Herrn und sein Gastmahl gering schäzeten oder verachteten.
J e d o c h, färt unser Heiland fort, dieser Unglaube der Juden werde die Welt seiner |c18| wohlthätigen Religion nicht berauben. Sondern nunmehro solle sie den Samaritern und Heiden, allen Völkern der Erde ohne Unterschied geprediget werden. Und werde auch bei ihnen eine günstigere Aufnahme finden. v. 21−23.“ – – Und der Knecht kam, und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig, und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus bald auf die Strassen und Gassen der Stadt; und führe die Armen, und Krüppel, und Lahmen, und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast, es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstrassen, und an die Zäune; und nöthige sie herein zu kommen (das gewönliche Wort bei Einladungen zum Gastmahl, so wohl im Griechischen, als in unsrer Sprache: zu Gastmahlen pflegt man die Gäste zu bitten, nicht aber mit Gewalt zu zwingen. Und wer dies thun will, sendet gewiß nicht Einen Knecht, wie hier geschahe, sondern mehrere.) – Bitte sie zu kommen, auf daß mein Haus voll werde. – – Wir, Leser! sind auch unter diesen. Noch immer würden wir, wie unsre heidnischen Vorfahren, Holz und Steine anbeten, durch Betrug der Pfaffen geäffet, von allerlei Lastern geschändet, und von hundert Schrecken gepeiniget werden, hätte nicht die unendliche Erbarmung G o t t e s den Befehl gegeben: Gehe aus auf die Strassen und Wege, und nötige sie alle |c19| herein zu kommen, damit mein Haus voll werde. „J e d o c h, färt unser Heiland fort, dieser Unglaube der Juden werde die Welt seiner |c18| wohlthätigen Religion nicht berauben. Sondern nunmehro solle sie den Samaritern und Heiden, allen Völkern der Erde ohne Unterschied geprediget werden. Und werde auch bei ihnen eine günstigere Aufnahme finden. v. 21−23.“ – – Und der Knecht kam, und sagte das seinem Herrn wieder. Da ward der Hausherr zornig, und sprach zu seinem Knechte: Gehe aus bald auf die Strassen und Gassen der Stadt; und führe die Armen, und Krüppel, und Lahmen, und Blinden herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast, es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knechte: Gehe aus auf die Landstrassen, und an die Zäune; und nöthige sie herein zu kommen (das gewönliche Wort bei Einladungen zum Gastmahl, so wohl im Griechischen, als in unsrer Sprache: zu Gastmahlen pflegt man die Gäste zu bitten, nicht aber mit Gewalt zu zwingen. Und wer dies thun will, sendet gewiß nicht Einen Knecht, wie hier geschahe, sondern mehrere.) – Bitte sie zu kommen, auf daß mein Haus voll werde. – – Wir, Leser! sind auch unter diesen. Noch immer würden wir, wie unsre heidnischen Vorfahren, Holz und Steine anbeten, durch Betrug der Pfaffen geäffet, von allerlei Lastern geschändet, und von hundert Schrecken gepeiniget werden, hätte nicht die unendliche Erbarmung G o t t e s den Befehl gegeben: Gehe aus auf die Strassen und Wege, und nötige sie alle |c19| herein zu kommen, damit mein Haus voll werde.
H i n g e g e n[“], so schließt die Gleichniß-Rede, „jene Verächter würden nun auch aller Vortheile seiner Religion verlustig gehen.“ – – {V. 24} Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken (geniessen) wird. – – Nichts kan gerechter seyn! Diese Verächter kanten die Religion Jesu. Sie ward ihnen mit so einleuchtenden Beweisen dargethan, daß sie nichts dagegen zu sagen vermogten. Bloß durch Laster-Liebe verschlossen sie ihr den Eingang in die Seele. „H i n g e g e n[“], so schließt die Gleichniß-Rede, „jene Verächter würden nun auch aller Vortheile seiner Religion verlustig gehen.“ – – {V. 24} Ich sage euch aber, daß der Männer keiner, die geladen sind, mein Abendmahl schmecken (geniessen) wird. – – Nichts kan gerechter seyn! Diese Verächter kanten die Religion Jesu. Sie ward ihnen mit so einleuchtenden Beweisen dargethan, daß sie nichts dagegen zu sagen vermogten. Bloß durch Laster-Liebe verschlossen sie ihr den Eingang in die Seele.
A l l e s traf pünktlich ein, was Jesus hier vorher gesagt. Die Apostel predigten zu allererst den Juden das Evangelium. Diese aber, aus Neid gegen die Heiden, denen die Religion auch geprediget ward, verwarfen sie, wolten sie nicht einmahl hören, und wurden gar die grausamsten Feinde und Verfolger der Apostel und ersten Christen. Apost. Gesch. 13, 45. 46. Kap. 22, 21. 22. Röm. 11, 28. 1 Thessal. 2, 14−16. Plözlich brachen nun die fürchterlichen Strafen G o t t e s ein, die schon {5 Buch Mos. 29 u. 30.} Moses ihnen, im Fall des Ungehorsams angekündiget. Ihre Hauptstadt, und ihr ganzer Staat ward aufs schrecklichste zerstöret, und das Volk durch alle Länder der Erde, gleichsam als Gefangene zertreuet.A l l e s traf pünktlich ein, was Jesus hier vorher gesagt. Die Apostel predigten zu allererst den Juden das Evangelium. Diese aber, aus Neid gegen die Heiden, denen die Religion auch geprediget ward, verwarfen sie, wolten sie nicht einmahl hören, und wurden gar die grausamsten Feinde und Verfolger der Apostel und ersten Christen. Apost. Gesch. 13, 45. 46. Kap. 22, 21. 22. Röm. 11, 28. 1 Thessal. 2, 14−16. Plözlich brachen nun die fürchterlichen Strafen G o t t e s ein, die schon {5 Buch Mos. 29 u. 30.} Moses ihnen, im Fall des Ungehorsams angekündiget. Ihre Hauptstadt, und ihr ganzer Staat ward aufs schrecklichste zerstöret, und das Volk durch alle Länder der Erde, gleichsam als Gefangene zertreuet.
N o c h immer gehen diese Unglückliche unter uns herum, als Denkmahle der Gerechtigkeit G o t t e s an der einen Seite, und der fast zur Grausamkeit steigenden Härte der Christen, an der andern. Es ist wahr, die Straf-Gerichte des |c20| A l l m ä c h t i g e n drücken sie schwer. Aber berechtiget uns das – uns! Christen! Schüler des Jesu, der auch für seine Mörder so gar betete, Vater vergieb ihnen, denn sie wissen nicht was sie thun! – Berechtiget uns das, sie zu verachten, zu hassen, auf alle Weise zu drücken? Bedauren solten wir sie; ihre Verblendung und Elend beweinen; sie als unsre Brüder mit Liebe zu gewinnen suchen; an ihrem Beispiele Gehorsam lernen; und mit Eifer an jenem grossen Zwecke, das ganze Israel, durch Annehmung des Christenthums, glücklich zu machen, arbeiten. Dies solten wir thun, wenn wir anders Christen seyn wollen! Römer XI.N o c h immer gehen diese Unglückliche unter uns herum, als Denkmahle der Gerechtigkeit G o t t e s an der einen Seite, und der fast zur Grausamkeit steigenden Härte der Christen, an der andern. Es ist wahr, die Straf-Gerichte des |c20| A l l m ä c h t i g e n drücken sie schwer. Aber berechtiget uns das – uns! Christen! Schüler des Jesu, der auch für seine Mörder so gar betete, Vater vergieb ihnen, denn sie wissen nicht was sie thun! – Berechtiget uns das, sie zu verachten, zu hassen, auf alle Weise zu drücken? Bedauren solten wir sie; ihre Verblendung und Elend beweinen; sie als unsre Brüder mit Liebe zu gewinnen suchen; an ihrem Beispiele Gehorsam lernen; und mit Eifer an jenem grossen Zwecke, das ganze Israel, durch Annehmung des Christenthums, glücklich zu machen, arbeiten. Dies solten wir thun, wenn wir anders Christen seyn wollen! Römer XI.

* * *

D i e s e Gleichniß-Rede Jesu ist folglich, eine Weissagung von den Schicksahlen seiner Religion unter den damahligen Juden und Heiden. So wohl der ganze Inhalt, als auch die Geschichte sezen das ausser Zweifel. Mehr als dieses wolte Jesus damit nicht lehren. Und es ist ganz unnütz zu fragen, was der Acker; die fünf Joch Ochsen; oder das Weib bedeuten? Dies alles sind nur Zierathen der Rede, um der Erzälung Wahrscheinlichkeit, Anmuth, und Leben zu geben.D i e s e Gleichniß-Rede Jesu ist folglich, eine Weissagung von den Schicksahlen seiner Religion unter den damahligen Juden und Heiden. So wohl der ganze Inhalt, als auch die Geschichte sezen das ausser Zweifel. Mehr als dieses wolte Jesus damit nicht lehren. Und es ist ganz unnütz zu fragen, was der Acker; die fünf Joch Ochsen; oder das Weib bedeuten? Dies alles sind nur Zierathen der Rede, um der Erzälung Wahrscheinlichkeit, Anmuth, und Leben zu geben.
A u c h für uns ist diese Geschichte lehrreich genug. Sie muß uns innige Dankbahrkeit gegen G o t t einflössen, welcher uns Heiden zu seinem Gastmahl eingeladen; uns die Bibel in die Hände gegeben, und dadurch zur Erkenntniß der Religion Jesu Christi gebracht. – Sie |c21| muß uns fleißiger in Erlernung, folgsamer in Annehmung, und treuer in Ausübung dieser seeligsten Religion machen, damit nicht die Gerechtigkeit G o t t e s, auch uns in Unwissenheit, Aberglauben und Laster fallen lasse. – Sie muß uns zur demütigen Lobpreisung der unermeslichen Güte des V a t e r s d e r M e n s c h e n füren, welcher alles gethan um uns zu beglücken. Gehen wir nun verlohren: so haben wir niemand als uns selbst anzuklagen u. s. f.A u c h für uns ist diese Geschichte lehrreich genug. Sie muß uns innige Dankbahrkeit gegen G o t t einflössen, welcher uns Heiden zu seinem Gastmahl eingeladen; uns die Bibel in die Hände gegeben, und dadurch zur Erkenntniß der Religion Jesu Christi gebracht. – Sie |c21| muß uns fleißiger in Erlernung, folgsamer in Annehmung, und treuer in Ausübung dieser seeligsten Religion machen, damit nicht die Gerechtigkeit G o t t e s, auch uns in Unwissenheit, Aberglauben und Laster fallen lasse. – Sie muß uns zur demütigen Lobpreisung der unermeslichen Güte des V a t e r s d e r M e n s c h e n füren, welcher alles gethan um uns zu beglücken. Gehen wir nun verlohren: so haben wir niemand als uns selbst anzuklagen u. s. f.
S o viel Gutes können wir aus dieser Rede Jesu lernen, wenn wir auch bloß bei ihrem nächsten Inhalt stehen bleiben. Doch dürfen wir allerdings, sie durch Betrachtungen darüber, und Verbindung mit andern Stellen der Bibel uns noch fruchtbahrer machen. – Welch eine Unschuld, welche Klugheit und Vorsicht, was für eine durchgängige Reinigkeit sehen wir hier in dem Wandel unsers Heilandes? Selbst seine geschwornen Feinde, die Pharisäer; sie die so scharfsichtig waren, denen hundert Hände und Augen zu Gebothe stunden, welche durch ihr Ansehen das Volk beherrscheten, und bis zum Unsinn gegen Jesum erbittert waren; selbst diese wissen weiter nichts gegen ihn aufzubringen, als daß er am Sabbath heile: wissen keine andere Versuchung für Jesum, als die; – wohlzuthun. Vers 1. 2. – Und dieser Jesus, ist unser Heiland, unser Herr und Muster! So müssen auch wir, selbst den Schein des Bösen meiden. 1 Thessalon. 5, 23. So muß auch uns, Eifer in edlen gemeinnüzigen Thaten, |c22| unter unsern Nebenmenschen auszeichnen. Titum 2, 14. S o viel Gutes können wir aus dieser Rede Jesu lernen, wenn wir auch bloß bei ihrem nächsten Inhalt stehen bleiben. Doch dürfen wir allerdings, sie durch Betrachtungen darüber, und Verbindung mit andern Stellen der Bibel uns noch fruchtbahrer machen. – Welch eine Unschuld, welche Klugheit und Vorsicht, was für eine durchgängige Reinigkeit sehen wir hier in dem Wandel unsers Heilandes? Selbst seine geschwornen Feinde, die Pharisäer; sie die so scharfsichtig waren, denen hundert Hände und Augen zu Gebothe stunden, welche durch ihr Ansehen das Volk beherrscheten, und bis zum Unsinn gegen Jesum erbittert waren; selbst diese wissen weiter nichts gegen ihn aufzubringen, als daß er am Sabbath heile: wissen keine andere Versuchung für Jesum, als die; – wohlzuthun. Vers 1. 2. – Und dieser Jesus, ist unser Heiland, unser Herr und Muster! So müssen auch wir, selbst den Schein des Bösen meiden. 1 Thessalon. 5, 23. So muß auch uns, Eifer in edlen gemeinnüzigen Thaten, |c22| unter unsern Nebenmenschen auszeichnen. Titum 2, 14.
U n d diese seine ärgsten Feinde behandelt Jesus, mit so viel Schonung. Um ihnen die unangenehme Wahrheit von der Verwerfung und Bestrafung ihrer Nation zu mildern, kleidet er sie in ein Gleichniß ein. – Wo solte diese Tugend gemeiner seyn, als unter C h r i s t e n? Welche, wofern sie anders dies in der That sind, nie zu beleidigen, sondern immer zu bessern und zu beglücken suchen! Denen, Eine {Jacobi 5, 19 u. 20.} Seele vom Tode retten und Sünden verhindern, über alles gehet! Bei denen – Vergnügen und Wohlthun der Zweck aller Gesinnungen und Handlungen ist!U n d diese seine ärgsten Feinde behandelt Jesus, mit so viel Schonung. Um ihnen die unangenehme Wahrheit von der Verwerfung und Bestrafung ihrer Nation zu mildern, kleidet er sie in ein Gleichniß ein. – Wo solte diese Tugend gemeiner seyn, als unter C h r i s t e n? Welche, wofern sie anders dies in der That sind, nie zu beleidigen, sondern immer zu bessern und zu beglücken suchen! Denen, Eine {Jacobi 5, 19 u. 20.} Seele vom Tode retten und Sünden verhindern, über alles gehet! Bei denen – Vergnügen und Wohlthun der Zweck aller Gesinnungen und Handlungen ist!
W a s war es, das diese zuerst eingeladene des Gastmahls beraubte und dem Zorn des Hausherrn aussezte? – Verwickelung in die Güter der Welt! – Diese Güter der Welt, Reichthum, Ansehen, Macht u. s. w. sind allerdings schäzbahr. Sie sind G o t t e s Geschöpfe, und Geschenke. Sie sind Mittel, mehrere, und edlere Tugendthaten zu verrichten. Sie froh; dankbahr gegen G o t t; und wohltätig gegen seine Neben-Menschen brauchen; das ist Recht und Pflicht. 1 Timoth. 4, 1−5. – Aber sie sind auch flüchtig; tausend Zufällen unterworfen; und überhaupt unzulänglich unsern unsterblichen Geist zu sättigen; auch nicht selten uns in der That schädlich, indem sie uns in Sünde und (welches einerlei ist) in Unglück stürzen. So müssen wir uns denn, in diese Güter der Erde nie verwickeln; |c23| sie nie so nahe mit unserm Herzen verbinden daß ihr Verlust unser Herz verwunde; sie immer in einiger Entfernung von uns halten; kurz, alle Güter der Erde, nicht als Sklaven, sondern als Herren derselben besizen und gebrauchen. {1 Kor. 7, 30 31} „Diejenigen die Ehefrauen haben, müssen seyn, als hätten sie sie nicht; die da weinen, als weineten sie nicht, und die sich freuen, als freueten sie sich nicht; die da kaufen, als besässen sie es nicht; und die die Welt gebrauchen, als gebrauchten sie sie nicht.“ Das heißt: Alle Güter dieser Welt, besizen und brauchen, mit dem lebhaften Gefül ihrer Nichtigkeit, und mit der beständigen Entschlossenheit, sie, so bald es Gott gefällt, aufzuopfern: dies ist Weisheit! oder Christenthum!W a s war es, das diese zuerst eingeladene des Gastmahls beraubte und dem Zorn des Hausherrn aussezte? – Verwickelung in die Güter der Welt! – Diese Güter der Welt, Reichthum, Ansehen, Macht u. s. w. sind allerdings schäzbahr. Sie sind G o t t e s Geschöpfe, und Geschenke. Sie sind Mittel, mehrere, und edlere Tugendthaten zu verrichten. Sie froh; dankbahr gegen G o t t; und wohltätig gegen seine Neben-Menschen brauchen; das ist Recht und Pflicht. 1 Timoth. 4, 1−5. – Aber sie sind auch flüchtig; tausend Zufällen unterworfen; und überhaupt unzulänglich unsern unsterblichen Geist zu sättigen; auch nicht selten uns in der That schädlich, indem sie uns in Sünde und (welches einerlei ist) in Unglück stürzen. So müssen wir uns denn, in diese Güter der Erde nie verwickeln; |c23| sie nie so nahe mit unserm Herzen verbinden daß ihr Verlust unser Herz verwunde; sie immer in einiger Entfernung von uns halten; kurz, alle Güter der Erde, nicht als Sklaven, sondern als Herren derselben besizen und gebrauchen. {1 Kor. 7, 30 31} „Diejenigen die Ehefrauen haben, müssen seyn, als hätten sie sie nicht; die da weinen, als weineten sie nicht, und die sich freuen, als freueten sie sich nicht; die da kaufen, als besässen sie es nicht; und die die Welt gebrauchen, als gebrauchten sie sie nicht.“ Das heißt: Alle Güter dieser Welt, besizen und brauchen, mit dem lebhaften Gefül ihrer Nichtigkeit, und mit der beständigen Entschlossenheit, sie, so bald es Gott gefällt, aufzuopfern: dies ist Weisheit! oder Christenthum!
A b e r das Christenthum ist gar nicht den Geschäften der Welt entgegen. Die zuerst Geladenen hätten ja immer das Landgut kaufen, in den Ehestand treten, und dennoch dem Gastmahle beiwohnen können. Die Welt ist kein Werk des Teufels, sondern G o t t e s. Die Stände, die Aemter, die Geschäfte darin sind S e i n e Anordnung. Welt und Gott; weltlich und geistlich sind also nicht widersprechende Dinge: wenn die Bibel sie einander entgegenstellet, so spricht sie immer von der damahligen lasterhaften Welt. Jakobi 4, 4. vergl. Ephes. 4, 17−24. 1 Petri 4, 2−4. Das Christenthum und weltliche Geschäfte können gar wohl beisammen stehen. Doch was sage ich, beisammen stehen? – Die treue und fromme Ausrichtung unserer Berufs- |c24| und Standes-Geschäfte ist ein Hauptstück des Christenthums. Und das Christenthum bestehet in nichts anders, als daß es alle unsere weltliche Handlungen, unsere Geschäfte, Ergözungen, Mahlzeiten, Gesellschaften, unser ganzes Leben zu einem Gottesdienst macht. „In dem Berufsfleiß seyd nicht träge; sondern brünstigen Geistes; und thut eure Geschäfte als einen Dienst G o t t e s![“] Röm. 12, 11. – „Ein jeglicher bleibe in dem Beruf und Stande worein ihn G o t t gesezt. Bist du ein Knecht berufen, sorge dir nicht: doch kanst du frey werden, so brauch des viel lieber. Denn wer als ein Knecht berufen, ist von dem Herrn, der ist ein Gefreyter des Herrn: desselbigen gleichen wer ein Freyer berufen ist, der ist ein Knecht Christi. Ihr seyd theuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knecht. Ein jeglicher, lieben Brüder, worinnen er berufen , darinnen bleibe er .[“] 1 Kor. 7, 20–24. „Ihr esset oder trinkt, oder was ihr thut: so thut alles zur Ehre G o t t e s.[“] 1 Kor. 10, 31.A b e r das Christenthum ist gar nicht den Geschäften der Welt entgegen. Die zuerst Geladenen hätten ja immer das Landgut kaufen, in den Ehestand treten, und dennoch dem Gastmahle beiwohnen können. Die Welt ist kein Werk des Teufels, sondern G o t t e s. Die Stände, die Aemter, die Geschäfte darin sind S e i n e Anordnung. Welt und Gott; weltlich und geistlich sind also nicht widersprechende Dinge: wenn die Bibel sie einander entgegenstellet, so spricht sie immer von der damahligen lasterhaften Welt. Jakobi 4, 4. vergl. Ephes. 4, 17−24. 1 Petri 4, 2−4. Das Christenthum und weltliche Geschäfte können gar wohl beisammen stehen. Doch was sage ich, beisammen stehen? – Die treue und fromme Ausrichtung unserer Berufs- |c24| und Standes-Geschäfte ist ein Hauptstück des Christenthums. Und das Christenthum bestehet in nichts anders, als daß es alle unsere weltliche Handlungen, unsere Geschäfte, Ergözungen, Mahlzeiten, Gesellschaften, unser ganzes Leben zu einem Gottesdienst macht. „In dem Berufsfleiß seyd nicht träge; sondern brünstigen Geistes; und thut eure Geschäfte als einen Dienst G o t t e s![“] Röm. 12, 11. – „Ein jeglicher bleibe in dem Beruf und Stande worein ihn G o t t gesezt. Bist du ein Knecht berufen, sorge dir nicht: doch kanst du frey werden, so brauch des viel lieber. Denn wer als ein Knecht berufen, ist von dem Herrn, der ist ein Gefreyter des Herrn: desselbigen gleichen wer ein Freyer berufen ist, der ist ein Knecht Christi. Ihr seyd theuer erkauft, werdet nicht der Menschen Knecht. Ein jeglicher, lieben Brüder, worinnen er berufen , darinnen bleibe er .[“] 1 Kor. 7, 20–24. „Ihr esset oder trinkt, oder was ihr thut: so thut alles zur Ehre G o t t e s.[“] 1 Kor. 10, 31.
W i e aber können wir, unser ganzes Leben zu einem Gottesdienst machen, wenn wir nicht richtig lernen was G o t t bei jeder Handlung von uns fordert; wenn wir nicht die Mittel und Kräfte brauchen die uns die Religion darreichet? Insbesondere erinnert uns das Betragen der Menschen in dem Texte, an die Geringschäzung und Verachtung des grossen, reichen Gastmahles G o t t e s welches E r jedem von uns anbiethet, – des heiligen Abendmahls. Man kan sich keine stärkere Versicherung von unserm Antheil an G o t t bei einem tugendreichen Glauben, keine kräftigere Stärkung |c25| aller Tugenden; und insbesondere einer allgemeinen, herzlichen und grosmütigen Menschen-Liebe denken, als diese Handlung. – Das heilige Abendmahl ist ein dankbahres, feierliches und frohes Bekentniß des Kreuzestodes Jesu, eine sinnliche Versicherung des würdigen Kommunicanten von seinem Antheil an diesem Tode und Verdienste Jesu; ein sehr kräftiges Mittel uns die Sünde abscheulich zu machen und zur Liebe aller Tugenden zu leiten; eine sehr grosse Stärkung, und Uebung unserer Menschen-Liebe. Was kan einem wahren Freunde G o t t e s, der Tugend und der Menschen wichtiger seyn? W i e aber können wir, unser ganzes Leben zu einem Gottesdienst machen, wenn wir nicht richtig lernen was G o t t bei jeder Handlung von uns fordert; wenn wir nicht die Mittel und Kräfte brauchen die uns die Religion darreichet? Insbesondere erinnert uns das Betragen der Menschen in dem Texte, an die Geringschäzung und Verachtung des grossen, reichen Gastmahles G o t t e s welches E r jedem von uns anbiethet, – des heiligen Abendmahls. Man kan sich keine stärkere Versicherung von unserm Antheil an G o t t bei einem tugendreichen Glauben, keine kräftigere Stärkung |c25| aller Tugenden; und insbesondere einer allgemeinen, herzlichen und grosmütigen Menschen-Liebe denken, als diese Handlung. – Das heilige Abendmahl ist ein dankbahres, feierliches und frohes Bekentniß des Kreuzestodes Jesu, eine sinnliche Versicherung des würdigen Kommunicanten von seinem Antheil an diesem Tode und Verdienste Jesu; ein sehr kräftiges Mittel uns die Sünde abscheulich zu machen und zur Liebe aller Tugenden zu leiten; eine sehr grosse Stärkung, und Uebung unserer Menschen-Liebe. Was kan einem wahren Freunde G o t t e s, der Tugend und der Menschen wichtiger seyn?
{Röm. 3, 29 Eph. 4, 6} G o t t ist nicht allein der Juden Gott, sondern auch der Heiden Gott. Der Gott und Vater aller Menschen. Er sendet, auch auf die Landstrassen, um alles zu seinem Mahle einzuladen, damit – Sein Haus voll werde. Nicht bloß die Protestanten; nicht bloß die Christen; sondern alle Menschen sind also, das Reich G o t t e s, die Familie Gottes. Bloß unsre Glaubens-Brüder, bloß die Christen lieben, das ist also nicht Menschen-, sondern Partheyen-Liebe. Wahre Menschen-Liebe erstrecket sich auf alles was Mensch ist. – Und eine solche {Gal. 5. u. 6. 1 Kor. 13} allgemeine, herzliche, grosmütige, und unwandelbahre Menschen-Liebe, ist das sicherste Kennzeichen unsers wahren Glaubens; der G o t t gefälligste Dank für S e i n e Wohlthaten; die edelste Zierde und Beschäftigung der Seeligen im Himmel; und das Siegel einer seeligen Ewigkeit. Nur solche Menschen-Freunde werden dereinst Gäste an der Tafel G o t t e s im Himmel seyn! {Röm. 3, 29 Eph. 4, 6} G o t t ist nicht allein der Juden Gott, sondern auch der Heiden Gott. Der Gott und Vater aller Menschen. Er sendet, auch auf die Landstrassen, um alles zu seinem Mahle einzuladen, damit – Sein Haus voll werde. Nicht bloß die Protestanten; nicht bloß die Christen; sondern alle Menschen sind also, das Reich G o t t e s, die Familie Gottes. Bloß unsre Glaubens-Brüder, bloß die Christen lieben, das ist also nicht Menschen-, sondern Partheyen-Liebe. Wahre Menschen-Liebe erstrecket sich auf alles was Mensch ist. – Und eine solche {Gal. 5. u. 6. 1 Kor. 13} allgemeine, herzliche, grosmütige, und unwandelbahre Menschen-Liebe, ist das sicherste Kennzeichen unsers wahren Glaubens; der G o t t gefälligste Dank für S e i n e Wohlthaten; die edelste Zierde und Beschäftigung der Seeligen im Himmel; und das Siegel einer seeligen Ewigkeit. Nur solche Menschen-Freunde werden dereinst Gäste an der Tafel G o t t e s im Himmel seyn!