|c349| Evangelium am 1. Advents-Sontage.
Matthäi 21, 1–9. verglichen mit Marci 11, 1—10. Lucä 19, 29–40. und Johannis 12, 12–19.
D i e s war der Einzug Jesu zu seinem Leiden! Sonst war er immer nur im Stillen, ohne alles Aufsehen nach Jerusalem gekommen. Jezt aber, wenige Tage vor seinem peinlichen Leiden und Tode, am Montage, ziehet er so froh, so feierlich in die Stadt ein wo, wie er wuste, ihn Marter und Todt erwartete. Aus Liebe zu Gott und der Welt sehen wir ihn hier, so ruhig, so froh, so triumphirend dem schrecklichen Leiden entgegen gehen, welches Wille GottesGottes Wille verhängete, und das Wohl der Welt forderte! – Dies flösse auch uns, Christen! den unsrer erhabenen Würde gemässen Muth ein! Wenn der ehrenvolle Dienst der Wahrheit und Tugend uns zu Leiden auffordert: da lasset uns, {Römer 8, 17.} wie Jesus leiden. So werden wir auch, wie Er, mit Ruhm und Glück gekrönet werden!D i e s war der Einzug Jesu zu seinem Leiden! Sonst war er immer nur im Stillen, ohne alles Aufsehen nach Jerusalem gekommen. Jezt aber, wenige Tage vor seinem peinlichen Leiden und Tode, am Montage, ziehet er so froh, so feierlich in die Stadt ein wo, wie er wuste, ihn Marter und Todt erwartete. Aus Liebe zu Gott und der Welt sehen wir ihn hier, so ruhig, so froh, so triumphirend dem schrecklichen Leiden entgegen gehen, welches Wille GottesGottes Wille verhängete, und das Wohl der Welt forderte! – Dies flösse auch uns, Christen! den unsrer erhabenen Würde gemässen Muth ein! Wenn der ehrenvolle Dienst der Wahrheit und Tugend uns zu Leiden auffordert: da lasset uns, {Römer 8, 17.} wie Jesus leiden. So werden wir auch, wie Er, mit Ruhm und Glück gekrönet werden!
{v. 1–3.} Als sie sich Jerusalem näherten; (oder, nach Johanne 12, 1 vergl. vers 12, „Als Jesus aus Bethanien, einem Flecken etwa eine halbe Stunde von Jerusalem, nach der Stadt gieng.“) und nach Bethphage, nämlich nahe herbei, kamen, (ein Flecken, der zwischen Bethanien und Jerusalem, auf dem Oelberge lag) |c350| an den Oelberg: (ein hoher Berg, nahe bei Jerusalem. Er hat seinen Nahmen von den Oel-Bäumen mit denen er noch jezo bewachsen ist) – da sandte Jesus zwei seiner Jünger, mit dem Befehl, gehet hin in den Flecken der vor euch liegt, (nach Bethphage) und bald (gleich nach dem Eintritt in den Flecken Siehe Marci vers 2.) werdet ihr eine Eselin finden angebunden nebst einem Füllen bei ihr. Löset sie ab und bringet sie zu mir. Wenn aber jemand euch etwas darüber saget, so sprechet, der Herr bedarf ihr: so wird er sie euch so gleich abfolgen lassen. {v. 1–3.} Als sie sich Jerusalem näherten; (oder, nach Johanne 12, 1 vergl. vers 12, „Als Jesus aus Bethanien, einem Flecken etwa eine halbe Stunde von Jerusalem, nach der Stadt gieng.“) und nach Bethphage, nämlich nahe herbei, kamen, (ein Flecken, der zwischen Bethanien und Jerusalem, auf dem Oelberge lag) |c350| an den Oelberg: (ein hoher Berg, nahe bei Jerusalem. Er hat seinen Nahmen von den Oel-Bäumen mit denen er noch jezo bewachsen ist) – da sandte Jesus zwei seiner Jünger, mit dem Befehl, gehet hin in den Flecken der vor euch liegt, (nach Bethphage) und bald (gleich nach dem Eintritt in den Flecken Siehe Marci vers 2.) werdet ihr eine Eselin finden angebunden nebst einem Füllen bei ihr. Löset sie ab und bringet sie zu mir. Wenn aber jemand euch etwas darüber saget, so sprechet, der Herr bedarf ihr: so wird er sie euch so gleich abfolgen lassen.
{v. 4. 5.} D i e s alles aber geschahe, damit erfüllet würde, was von dem Propheten (nämlich Zacharias, Kapit. 9, 9. 10.) gesagt worden: Saget der Tochter Sion, („genauer, der Stadt Sion; das ist; der Stadt Jerusalem, die auf dem Berge Sion erbauet war“) Siehe! dein König kömt zu dir, sanftmütig. Er reitet auf einem Esel; nämlich dem Füllen einer lastbaren Eselin. – Im Orient bedienen sich auch die Vornehmsten der Esel, so wie wir der Pferde. Diese werden dort, nur im Kriege gebraucht. In Friedenszeiten aber reiten auch Fürsten auf Eseln. Noch jezo halten die Gesandten europäischer Mächte, ihren Einzug auf Eseln. Auf gleiche Weise hielte auch Jesus hier, nach der dortigen Landesart, seinen Einzug auf einem Esel. Und diejenigen, welche hierüber lachen, zeigen entweder einen schlechten Verstand, oder ein schlechtes Herz. Ueber Gebräuche fremder Völker lachen, die denen |c351| zuwider sind, an welche wir, bei unsern Müttern und in unsern Winkeln uns gewönet haben, ist kindisch. Ueber Dinge lachen die zu einer Religion gehören, welche so viele tausend der weisesten, ehrwürdigsten Menschen als ihr Kleinod verehren, ist im höchsten Grade unverschämt und menschenfeindlich.{v. 4. 5.} D i e s alles aber geschahe, damit erfüllet würde, was von dem Propheten (nämlich Zacharias, Kapit. 9, 9. 10.) gesagt worden: Saget der Tochter Sion, („genauer, der Stadt Sion; das ist; der Stadt Jerusalem, die auf dem Berge Sion erbauet war“) Siehe! dein König kömt zu dir, sanftmütig. Er reitet auf einem Esel; nämlich dem Füllen einer lastbaren Eselin. – Im Orient bedienen sich auch die Vornehmsten der Esel, so wie wir der Pferde. Diese werden dort, nur im Kriege gebraucht. In Friedenszeiten aber reiten auch Fürsten auf Eseln. Noch jezo halten die Gesandten europäischer Mächte, ihren Einzug auf Eseln. Auf gleiche Weise hielte auch Jesus hier, nach der dortigen Landesart, seinen Einzug auf einem Esel. Und diejenigen, welche hierüber lachen, zeigen entweder einen schlechten Verstand, oder ein schlechtes Herz. Ueber Gebräuche fremder Völker lachen, die denen |c351| zuwider sind, an welche wir, bei unsern Müttern und in unsern Winkeln uns gewönet haben, ist kindisch. Ueber Dinge lachen die zu einer Religion gehören, welche so viele tausend der weisesten, ehrwürdigsten Menschen als ihr Kleinod verehren, ist im höchsten Grade unverschämt und menschenfeindlich.
W a r u m aber hielte Jesus seinen feierlichen Einzug auf einem Esel? Und warum füren alle Evangelisten dies als etwas Merkwürdiges an? – – – Jesus zeigete sich dadurch der Welt, als den Friede und Glück bringenden König. Ein Beweis seiner Demuth, oder freiwilligen Armuth kan es nicht seyn: denn, wie gesagt, auch die Vornehmsten reiten dort auf Eseln. Weil man aber, sich der Pferde nur im Kriege, und der Esel zu Friedens-Zeiten bedienete: so war dieser Einzug Jesu, eine sinnliche, in die Augen fallende Lehre, daß Er der Beglücker der Welt (der Messias) sey. So erkläret es uns Zacharias selbst, aus dem die Stelle genommen. Und ich werde, (färet er, unmittelbahr darnach fort im 10 vers,) die Streit-Wagen aus Ephraim und die Pferde von Jerusalem entfernen. Der Streit-Bogen wird zerbrochen werden. Denn Er wird Friede den Völkern gebiethen; und seine Herrschaft wird reichen von Meer zu Meer, und vom grossen Fluß (dem Euphrat) bis an das Ende der Erde.W a r u m aber hielte Jesus seinen feierlichen Einzug auf einem Esel? Und warum füren alle Evangelisten dies als etwas Merkwürdiges an? – – – Jesus zeigete sich dadurch der Welt, als den Friede und Glück bringenden König. Ein Beweis seiner Demuth, oder freiwilligen Armuth kan es nicht seyn: denn, wie gesagt, auch die Vornehmsten reiten dort auf Eseln. Weil man aber, sich der Pferde nur im Kriege, und der Esel zu Friedens-Zeiten bedienete: so war dieser Einzug Jesu, eine sinnliche, in die Augen fallende Lehre, daß Er der Beglücker der Welt (der Messias) sey. So erkläret es uns Zacharias selbst, aus dem die Stelle genommen. Und ich werde, (färet er, unmittelbahr darnach fort im 10 vers,) die Streit-Wagen aus Ephraim und die Pferde von Jerusalem entfernen. Der Streit-Bogen wird zerbrochen werden. Denn Er wird Friede den Völkern gebiethen; und seine Herrschaft wird reichen von Meer zu Meer, und vom grossen Fluß (dem Euphrat) bis an das Ende der Erde.
{v. 6.} D i e Jünger nun giengen hin, und thaten wie ihnen Jesus befohlen hatte. „Sie kamen nämlich dahin[“], so erzälen Markus und |c352| Lukas es vollständiger, „und fanden ein Füllen angebunden, an der Thüre, am Kreuzwege. Nun löseten sie es ab. Einige aber die dabei stunden, sprachen, warum löset ihr das Füllen ab? Sie antworteten, wie ihnen Jesus befohlen. Und nun ließ man es abfolgen.“ – So kleine Umstände! Und so Punkt vor Punkt trift alles ein! Ein Beweis, daß – Jesus die genaueste Kentniß der Zukunft hatte; also das war wofür er sich angab, ein Gesandter Gottes, und der Heiland der Welt!{v. 6.} D i e Jünger nun giengen hin, und thaten wie ihnen Jesus befohlen hatte. „Sie kamen nämlich dahin[“], so erzälen Markus und |c352| Lukas es vollständiger, „und fanden ein Füllen angebunden, an der Thüre, am Kreuzwege. Nun löseten sie es ab. Einige aber die dabei stunden, sprachen, warum löset ihr das Füllen ab? Sie antworteten, wie ihnen Jesus befohlen. Und nun ließ man es abfolgen.“ – So kleine Umstände! Und so Punkt vor Punkt trift alles ein! Ein Beweis, daß – Jesus die genaueste Kentniß der Zukunft hatte; also das war wofür er sich angab, ein Gesandter Gottes, und der Heiland der Welt!
{v. 7–9. vergl. bei Marko v. 7. u. Luka v. 35.} U n d brachten die Eselin nebst dem Füllen, und legten ihre Kleider darauf. Er aber sezte sich auf das Füllen. Eine sehr grosse Menge Volks aber breitete die Kleider auf den Weg, andre hieben Zweige von den Bäumen und bestreueten damit den Weg. Beides aber die Menge die vorangieng und nachfolgete, rief, – Hosanna dem Sohne David! (ein hebräisches Wort, auf deutsch: Heil dem Könige! Siehe bei Johanne vers 13.) – Beglückt sey der Gesandte Gottes! – Gieb Heil, Allerhöchster!{v. 7–9. vergl. bei Marko v. 7. u. Luka v. 35.} U n d brachten die Eselin nebst dem Füllen, und legten ihre Kleider darauf. Er aber sezte sich auf das Füllen. Eine sehr grosse Menge Volks aber breitete die Kleider auf den Weg, andre hieben Zweige von den Bäumen und bestreueten damit den Weg. Beides aber die Menge die vorangieng und nachfolgete, rief, – Hosanna dem Sohne David! (ein hebräisches Wort, auf deutsch: Heil dem Könige! Siehe bei Johanne vers 13.) – Beglückt sey der Gesandte Gottes! – Gieb Heil, Allerhöchster!
{Siehe bei Luk. v. 40.} E i n i g e der Pharisäer aber, die unter der Menge waren, sagten zu Jesu, Herr verweise es doch deinen Jüngern. In der That war es der Neid der aus ihnen sprach. Sie stelleten sich aber an, als wenn dies ein Verbrechen sey, Jesum als den Messias auszurufen. Denn nichts, weder Religion, noch Eidschwur, noch Gottheit, ist dem Neide zu ehrwürdig. Kein |c353| Verbrechen ist zu denken, wozu nicht dieses höllische Laster, die Menschen füren könte, und tausend Menschen schon gefüret hat, und tausend noch täglich füret! Jesus aber antwortete ihnen, Ich versichere euch, wenn diese schwiegen so würden die Steine schreien. Mit andern Worten, „Diese Wahrheit muß der Welt bekandt gemacht werden. Eher würde Gott die Steine beleben, als gestatten daß die Lehre von mir dem Welt-Heiland, verborgen bliebe.“ – Und Dank sey der göttlichen Güte! Schon seit mehr als siebzehn Jahrhundert ist sie, in alle Welt-Theile erschollen. Und wer kan die Summe der Wohlthaten aussprechen, welche die Welt dadurch empfangen?{Siehe bei Luk. v. 40.} E i n i g e der Pharisäer aber, die unter der Menge waren, sagten zu Jesu, Herr verweise es doch deinen Jüngern. In der That war es der Neid der aus ihnen sprach. Sie stelleten sich aber an, als wenn dies ein Verbrechen sey, Jesum als den Messias auszurufen. Denn nichts, weder Religion, noch Eidschwur, noch Gottheit, ist dem Neide zu ehrwürdig. Kein |c353| Verbrechen ist zu denken, wozu nicht dieses höllische Laster, die Menschen füren könte, und tausend Menschen schon gefüret hat, und tausend noch täglich füret! Jesus aber antwortete ihnen, Ich versichere euch, wenn diese schwiegen so würden die Steine schreien. Mit andern Worten, „Diese Wahrheit muß der Welt bekandt gemacht werden. Eher würde Gott die Steine beleben, als gestatten daß die Lehre von mir dem Welt-Heiland, verborgen bliebe.“ – Und Dank sey der göttlichen Güte! Schon seit mehr als siebzehn Jahrhundert ist sie, in alle Welt-Theile erschollen. Und wer kan die Summe der Wohlthaten aussprechen, welche die Welt dadurch empfangen?
A u c h uns wird nun seine Zukunft in die Welt, abermahls in diesen ihrem Andenken gewidmeten Wochen geprediget. Auch uns ruft man zu, Siehe! dein König komt! {Johannis 18, 33–37.} Ein König der durch Wahrheit und Tugend über uns herrschet, oder welches einerlei ist, uns beglücket. Wahrheit also, Aufklärung unsers Verstandes, richtige Begriffe, würdige Grundsäze über Glück und Unglück, und den Werth der Dinge; und Tugend, Bildung aller unsrer Begierden, Gesinnungen und Handlungen nach jenen richtigen, edlen Grundsäzen; das ist es, wodurch Er uns beglücket; was wir bei Ihm suchen und von Ihm begierig annehmen müssen. {Joh. 8, 31–36. Apost. Gesch. 3, 18. 19.} Darohne ist seine Zukunft für uns ohne Nuzen, verstärket gar unsre Strafe. Darohne ist für uns – kein Erlöser. – – – Bessert euch und werdet andre Menschen; so werden eure Sünden ausgelöschet; so |c354| wird die Zeit der Erquickung für euch kommen; so wird Gott – euch Jesum den Erlöser senden.A u c h uns wird nun seine Zukunft in die Welt, abermahls in diesen ihrem Andenken gewidmeten Wochen geprediget. Auch uns ruft man zu, Siehe! dein König komt! {Johannis 18, 33–37.} Ein König der durch Wahrheit und Tugend über uns herrschet, oder welches einerlei ist, uns beglücket. Wahrheit also, Aufklärung unsers Verstandes, richtige Begriffe, würdige Grundsäze über Glück und Unglück, und den Werth der Dinge; und Tugend, Bildung aller unsrer Begierden, Gesinnungen und Handlungen nach jenen richtigen, edlen Grundsäzen; das ist es, wodurch Er uns beglücket; was wir bei Ihm suchen und von Ihm begierig annehmen müssen. {Joh. 8, 31–36. Apost. Gesch. 3, 18. 19.} Darohne ist seine Zukunft für uns ohne Nuzen, verstärket gar unsre Strafe. Darohne ist für uns – kein Erlöser. – – – Bessert euch und werdet andre Menschen; so werden eure Sünden ausgelöschet; so |c354| wird die Zeit der Erquickung für euch kommen; so wird Gott – euch Jesum den Erlöser senden.
A l l e s unser Elend ist die Frucht der Sünde; und alle unsre Sünden entspringen aus den verkehrten Vorstellungen unsers Verstandes. Mit einem Wort, die Unvernünftige Sinnlichkeit, welche uns unser ganzes und höchstes Glück, in Befriedigung unsrer Triebe und dem Besiz der irrdischen Güter suchen lehret; welche kein andres oder doch kein höheres Glück kennet als Reichthum, Ruhm und Ansehen vor der Welt und andre Güter der Erde; und kein andres und grösseres Unglück, als Armuth, Niedrigkeit und andre Leiden dieses Lebens. Diesem uns schändenden und ins Unglück stürzenden Irrthum, uns zu entreissen; {2 Korinther 4, 18.} unser Augenmerk von dem Sichtbahren, Vergänglichen, auf das Unsichtbahre, Ewige zu lenken, das ist der Zweck des ganzen Christenthums. – Und dazu kan uns auch die Geschichte von Jesu Einzuge zu Jerusalem dienen.A l l e s unser Elend ist die Frucht der Sünde; und alle unsre Sünden entspringen aus den verkehrten Vorstellungen unsers Verstandes. Mit einem Wort, die Unvernünftige Sinnlichkeit, welche uns unser ganzes und höchstes Glück, in Befriedigung unsrer Triebe und dem Besiz der irrdischen Güter suchen lehret; welche kein andres oder doch kein höheres Glück kennet als Reichthum, Ruhm und Ansehen vor der Welt und andre Güter der Erde; und kein andres und grösseres Unglück, als Armuth, Niedrigkeit und andre Leiden dieses Lebens. Diesem uns schändenden und ins Unglück stürzenden Irrthum, uns zu entreissen; {2 Korinther 4, 18.} unser Augenmerk von dem Sichtbahren, Vergänglichen, auf das Unsichtbahre, Ewige zu lenken, das ist der Zweck des ganzen Christenthums. – Und dazu kan uns auch die Geschichte von Jesu Einzuge zu Jerusalem dienen.
S i e lehret, oder vielmehr sie zeiget uns; daß Ruhm und Beifall der Welt unsrer BESTEN Wünsche unwerth ist. – BESTEN sagte ich. Denn ihn ganz verachten, sich über alle Urtheile der Welt hinaussezen, ist das sicherste Kenzeichen eines niederträchtigen, weggeworfenen Gemüts. Tief, tief unter der edlen erhabenen Denkungsart welche das Christenthum dem Menschen einflösset! Aber an der andern Seite ist es nicht weniger, ein sicheres Kenzeichen eines |c355| schwachen Gemüts; wenn man darauf alle, oder doch seine vornehmsten Wünsche und Bestrebungen richtet; wenn man seine wahre Ehre den Urtheilen der Welt unterwirft. Denn wer sind gemeiniglich die, welche diesen Ruhm austheilen? {vers 8. 9.} Pöbel war es, der hier alles in Unruhe sezte, und Stadt und Feld mit dem Geschrei erfüllete, Heil dem Gesandten Gottes! Beglückt sey der kommende König! Und Pöbel niedriger und vornehmer, gelehrter und ungelehrter, ist es auch ofte, dessen Ausspruch den irrdischen Ruhm bestimmet: Menschen ohne Kopf und Charakter, die nichts weniger verstehen als das, wovon sie sich zu urtheilen anmaassen, und nur darauf ausgehen Partheien, und Faktionen zu stiften. Die Menge ist es ja, die den grösten, lautesten Ruhm in der Welt giebt. Aber die Menge sind unstreitig Thoren. Von nichtswürdigen also, hängt gemeiniglich der irrdische Ruhm und Beifall ab. Und ferner – Wie Leichtsinnig und Partheiisch ist er? Die meisten von denen die hier das Lob Jesu ausschrien, verstanden nichts von der Sache die sie lobten. Sie lobten gar gerade das an Jesu, was für Ihn eine Schande gewesen seyn würde; nämlich einer der Armseeligen Irrdischen Könige zu seyn. Der gröste Theil wuste gar nicht einmahl wovon die Rede war; einige stimmeten das Lob Jesu an, und nun schalleten alle andre, gleich einer tönenden Materie, es wieder: {} auch Knaben schrien das Hosanna. Alle aber ohne Ausnahme thaten es aus Eigennuz: Siege, Gesundmachungen und andre irrdische Güter hoften sie von Jesu. – Die Anwendung auf |c356| unsre, und jede andre Zeit ist leicht. Allenthalben und Immer; am Hofe und auf dem Felde hinter den Heerden, vor tausend Jahren und jezo, sind sich die Menschen gleich: von eben denselben Leidenschaften geblendet und beherrscht. Der ganze Unterschied bestehet in gewissen Gestalten, die ihnen Erziehung und Umgang geben: in der Sache selbst ist der Hirte hinter seiner Heerde, ganz vollkommen derselbe Mensch als der Staats-Minister am Hofe. – – D a r u m ist denn auch, dieser irrdische Ruhm und Beifall so höchst veränderlich. Eben dieses Volk welches hier Jesu entgegen strömete, die Kleider vor ihm her breitete, Seinen Weg mit Blumen bestreuete, und Ihn voll Begeisterung unter Jauchzen und Glückwünschen in die Stadt und durch die Stadt begleitete: eben diese Menge sezte ihn vier Tage nachher einem Mörder nach, schrie Kreuzige ihn! und ruhete nicht eher als bis sie ihn am Kreuz sahe. – Aber lasset uns auch die vortheilhaftesten Umstände setzen. Unser Ruhm sey der Lobspruch vernünftiger Männer, sey auf Prüfung und Wahrheit gebauet, und gegen alle Zufälle gesichert, so ist doch aller Irrdische Ruhm, In Sich Selbst nur sehr wenig bedeutend. Zwanzig loben uns, aber dreissig vielleicht tadeln uns; und Tausenden sind wir gleichgültig; und Millionen wissen nicht einmahl unsern Nahmen. Und alles dieses Lob, auch wenn ihr wollet von Millionen, bloß für sich betrachtet, abgesondert von den guten christlichen Thaten wodurch wir es etwa verdienet oder wozu wir es gebrauchen, kan uns auf dem Krankenlager, noch weniger auf dem Sterbebette |c357| erquicken, und am wenigsten über das Grab hinaus in die Ewigkeit nachfolgen. – Und der Schluß aus diesem allen? – D e n Ruhm der Welt, bloß um sein selbst willen suchen; ihn ängstlich rastlos suchen; ihn gar mit Sünden erkaufen: das ist nicht Ehrbegierde. Das ist Ruhmsucht, kindische Eitelkeit; folglich wahre Niederträchtigkeit. – – Unsre einzige Wahre und Allerhöchste Ehre, bestehet in dem Beifall des Unendlichen Verstandes der nie irret; des Unpartheiischen den nichts blendet; des Unwandelbahren der sich nie ändert; des Ewigen der nie stirbt; und des Allmächtigen, der seinen Beifall durch Millionen Welten wirksam machen kan. Diesen Beifall des Unendlichen und Ewigen über alles andre suchen, oder vielmehr, nur ihn allein, und den irrdischen Ruhm nur in so ferne suchen als er uns zu jenem füret: das ist ächte Ehrbegierde, das ist wahre Grösse des Geistes! 1 Korinther 3, 21–23. Kapitel 7, 23.S i e lehret, oder vielmehr sie zeiget uns; daß Ruhm und Beifall der Welt unsrer BESTEN Wünsche unwerth ist. – BESTEN sagte ich. Denn ihn ganz verachten, sich über alle Urtheile der Welt hinaussezen, ist das sicherste Kenzeichen eines niederträchtigen, weggeworfenen Gemüts. Tief, tief unter der edlen erhabenen Denkungsart welche das Christenthum dem Menschen einflösset! Aber an der andern Seite ist es nicht weniger, ein sicheres Kenzeichen eines |c355| schwachen Gemüts; wenn man darauf alle, oder doch seine vornehmsten Wünsche und Bestrebungen richtet; wenn man seine wahre Ehre den Urtheilen der Welt unterwirft. Denn wer sind gemeiniglich die, welche diesen Ruhm austheilen? {vers 8. 9.} Pöbel war es, der hier alles in Unruhe sezte, und Stadt und Feld mit dem Geschrei erfüllete, Heil dem Gesandten Gottes! Beglückt sey der kommende König! Und Pöbel niedriger und vornehmer, gelehrter und ungelehrter, ist es auch ofte, dessen Ausspruch den irrdischen Ruhm bestimmet: Menschen ohne Kopf und Charakter, die nichts weniger verstehen als das, wovon sie sich zu urtheilen anmaassen, und nur darauf ausgehen Partheien, und Faktionen zu stiften. Die Menge ist es ja, die den grösten, lautesten Ruhm in der Welt giebt. Aber die Menge sind unstreitig Thoren. Von nichtswürdigen also, hängt gemeiniglich der irrdische Ruhm und Beifall ab. Und ferner – Wie Leichtsinnig und Partheiisch ist er? Die meisten von denen die hier das Lob Jesu ausschrien, verstanden nichts von der Sache die sie lobten. Sie lobten gar gerade das an Jesu, was für Ihn eine Schande gewesen seyn würde; nämlich einer der Armseeligen Irrdischen Könige zu seyn. Der gröste Theil wuste gar nicht einmahl wovon die Rede war; einige stimmeten das Lob Jesu an, und nun schalleten alle andre, gleich einer tönenden Materie, es wieder: {} auch Knaben schrien das Hosanna. Alle aber ohne Ausnahme thaten es aus Eigennuz: Siege, Gesundmachungen und andre irrdische Güter hoften sie von Jesu. – Die Anwendung auf |c356| unsre, und jede andre Zeit ist leicht. Allenthalben und Immer; am Hofe und auf dem Felde hinter den Heerden, vor tausend Jahren und jezo, sind sich die Menschen gleich: von eben denselben Leidenschaften geblendet und beherrscht. Der ganze Unterschied bestehet in gewissen Gestalten, die ihnen Erziehung und Umgang geben: in der Sache selbst ist der Hirte hinter seiner Heerde, ganz vollkommen derselbe Mensch als der Staats-Minister am Hofe. – – D a r u m ist denn auch, dieser irrdische Ruhm und Beifall so höchst veränderlich. Eben dieses Volk welches hier Jesu entgegen strömete, die Kleider vor ihm her breitete, Seinen Weg mit Blumen bestreuete, und Ihn voll Begeisterung unter Jauchzen und Glückwünschen in die Stadt und durch die Stadt begleitete: eben diese Menge sezte ihn vier Tage nachher einem Mörder nach, schrie Kreuzige ihn! und ruhete nicht eher als bis sie ihn am Kreuz sahe. – Aber lasset uns auch die vortheilhaftesten Umstände setzen. Unser Ruhm sey der Lobspruch vernünftiger Männer, sey auf Prüfung und Wahrheit gebauet, und gegen alle Zufälle gesichert, so ist doch aller Irrdische Ruhm, In Sich Selbst nur sehr wenig bedeutend. Zwanzig loben uns, aber dreissig vielleicht tadeln uns; und Tausenden sind wir gleichgültig; und Millionen wissen nicht einmahl unsern Nahmen. Und alles dieses Lob, auch wenn ihr wollet von Millionen, bloß für sich betrachtet, abgesondert von den guten christlichen Thaten wodurch wir es etwa verdienet oder wozu wir es gebrauchen, kan uns auf dem Krankenlager, noch weniger auf dem Sterbebette |c357| erquicken, und am wenigsten über das Grab hinaus in die Ewigkeit nachfolgen. – Und der Schluß aus diesem allen? – D e n Ruhm der Welt, bloß um sein selbst willen suchen; ihn ängstlich rastlos suchen; ihn gar mit Sünden erkaufen: das ist nicht Ehrbegierde. Das ist Ruhmsucht, kindische Eitelkeit; folglich wahre Niederträchtigkeit. – – Unsre einzige Wahre und Allerhöchste Ehre, bestehet in dem Beifall des Unendlichen Verstandes der nie irret; des Unpartheiischen den nichts blendet; des Unwandelbahren der sich nie ändert; des Ewigen der nie stirbt; und des Allmächtigen, der seinen Beifall durch Millionen Welten wirksam machen kan. Diesen Beifall des Unendlichen und Ewigen über alles andre suchen, oder vielmehr, nur ihn allein, und den irrdischen Ruhm nur in so ferne suchen als er uns zu jenem füret: das ist ächte Ehrbegierde, das ist wahre Grösse des Geistes! 1 Korinther 3, 21–23. Kapitel 7, 23.