|c501| Evangelium am vierten Sontage nach Epiphanias.
Matthäi 8, 18–27. und bei Markus 4, 35–41. und Lukas 8, 22–25.
S c h o n hatte die Macht der Lehren und die Menge der glänzenden Wunderthaten Jesu, ganz Galiläa in Bewegung gesezt. {vers 18} Die Menge immer begierig etwas neues zu sehen, staunete ihn an, und strömete von allen Seiten herbei um den Mann zu sehn, und an diesen Schauspielen ihre Neubegierde und Neuerungssucht zu ergözen. So weit und laut war das Geräusch, daß zu fürchten stand, das staunende Volk werde in der ersten Hize einen Aufstand erregen und Jesum zum Könige ausrufen, um durch seine Messias-Macht das Joch der Römer abzuwerfen. (Siehe z. E. Johannis 6, 1–15) {vers 18. 21. Marci 1, 35.} Da nun begab sich Jesus in die Einsamkeit, und gieng nach Peräa jenseit des Jordan, um diese aufbrausende Hize der Nation verrauchen zu lassen. – So entwich Er ofte, nicht allein den Verfolgungen, sondern auch der Bewunderung und Lobsprüchen der Welt. Denn Er arbeitete nicht für die Lobsprüche, sondern für das Glück der Menschen. – Bei Uns aber, Seinen Schülern, wie ofte ist es umgekehrt? Wir arbeiten nicht für die Welt, sondern für Uns. |c502| Und darum sezen wir jede Maschine in Bewegung, unsern Ruhm durch die ganze Welt um uns her schallen zu machen. Wir halten uns gar zu gerne in der Wolke des Weihrauchs auf, den man uns anzündet. Und an statt, als christliche Menschen-Freunde, unsre Nebenmenschen, durch eine kluge Verbergung unsers Ruhms vor der Schande und Unglück des Neides zu sichern; opfern wir vielmehr ihre Ruhe, Tugend, und Glück dem elenden Kizel auf, uns loben zu hören.S c h o n hatte die Macht der Lehren und die Menge der glänzenden Wunderthaten Jesu, ganz Galiläa in Bewegung gesezt. {vers 18} Die Menge immer begierig etwas neues zu sehen, staunete ihn an, und strömete von allen Seiten herbei um den Mann zu sehn, und an diesen Schauspielen ihre Neubegierde und Neuerungssucht zu ergözen. So weit und laut war das Geräusch, daß zu fürchten stand, das staunende Volk werde in der ersten Hize einen Aufstand erregen und Jesum zum Könige ausrufen, um durch seine Messias-Macht das Joch der Römer abzuwerfen. (Siehe z. E. Johannis 6, 1–15) {vers 18. 21. Marci 1, 35.} Da nun begab sich Jesus in die Einsamkeit, und gieng nach Peräa jenseit des Jordan, um diese aufbrausende Hize der Nation verrauchen zu lassen. – So entwich Er ofte, nicht allein den Verfolgungen, sondern auch der Bewunderung und Lobsprüchen der Welt. Denn Er arbeitete nicht für die Lobsprüche, sondern für das Glück der Menschen. – Bei Uns aber, Seinen Schülern, wie ofte ist es umgekehrt? Wir arbeiten nicht für die Welt, sondern für Uns. |c502| Und darum sezen wir jede Maschine in Bewegung, unsern Ruhm durch die ganze Welt um uns her schallen zu machen. Wir halten uns gar zu gerne in der Wolke des Weihrauchs auf, den man uns anzündet. Und an statt, als christliche Menschen-Freunde, unsre Nebenmenschen, durch eine kluge Verbergung unsers Ruhms vor der Schande und Unglück des Neides zu sichern; opfern wir vielmehr ihre Ruhe, Tugend, und Glück dem elenden Kizel auf, uns loben zu hören.
{vers 18–24.} E r trat also in das Schiff und seine Schüler folgten ihm. Auf dem See aber (dies war der galiläische See) entstand ein groß Ungestüm, ein sehr heftiger Sturmwind, (Markus V. 37. Lukas V. 23.)so daß das Schiff mit Wellen bedeckt, und mit Wasser angefüllet, schon zu sinken anfieng. (Siehe beim Markus V. 37. Lukas V. 23.) – E r a b e r s c h l i e f. {Psalm 46, 2–4} So ruhig ist der Freund Gottes, wenn auch alle Stürme brausen, und die See sich aufthürmt, und die Erde zerreißt, und die Berge ins Meer stürzen, und die Welt zertrümmert. Seinen Freunden giebt Gott, Schlaf. Psalm 127, 3.{vers 18–24.} E r trat also in das Schiff und seine Schüler folgten ihm. Auf dem See aber (dies war der galiläische See) entstand ein groß Ungestüm, ein sehr heftiger Sturmwind, (Markus V. 37. Lukas V. 23.)so daß das Schiff mit Wellen bedeckt, und mit Wasser angefüllet, schon zu sinken anfieng. (Siehe beim Markus V. 37. Lukas V. 23.) – E r a b e r s c h l i e f. {Psalm 46, 2–4} So ruhig ist der Freund Gottes, wenn auch alle Stürme brausen, und die See sich aufthürmt, und die Erde zerreißt, und die Berge ins Meer stürzen, und die Welt zertrümmert. Seinen Freunden giebt Gott, Schlaf. Psalm 127, 3.
{vers 25–27.} D a weckten ihn seine Jünger auf und sprachen, Herr rette uns! Wir kommen um! Jesus aber sagte, Warum seyd ihr muthloos, ihr Kleingläubige! Sogleich geboth Er dem Winde und dem Meer. Und – es ward eine grosse Stille. Die Zuschauer aber erstaunten. Welch ein Mann! riefen |c503| sie. Auch die Stürme und das Meer gehorchen ihm!{vers 25–27.} D a weckten ihn seine Jünger auf und sprachen, Herr rette uns! Wir kommen um! Jesus aber sagte, Warum seyd ihr muthloos, ihr Kleingläubige! Sogleich geboth Er dem Winde und dem Meer. Und – es ward eine grosse Stille. Die Zuschauer aber erstaunten. Welch ein Mann! riefen |c503| sie. Auch die Stürme und das Meer gehorchen ihm!
D i e Jünger waren hier, auf dem Wege ihrer Pflicht: {v. 18.} nach Jesu Befehl hatten sie diese Farth unternommen. Er selbst war bei ihnen. Wer hätte hier nicht eine recht beglückte Farth vermuthet! Aber plözlich brauset ein Sturm. Die See thürmet sich auf, das Schiff wird bald in die Höhe geworfen, bald in den Abgrund geschleudert. Wellen schlagen in das Schiff, das Wasser dringt von allen Seiten ein. Und sie sehen nichts, als den jämmerlichsten Untergang vor Augen. Ein lebhaftes Bild unsers jezigen Lebens! – Leiden sind hier das gemeine Looß der Sterblichen. Keine Klugheit, keine Macht, ja selbst die Tugend nicht, kan uns vor allen Trübsahlen sichern. Auch die Weisesten leiden. Könige sind abgesezt, und im Elend, oder gar auf dem Trauer-Gerüste gestorben. Länder, Monarchien sind zu Grunde gegangen. Und, was mehr ist als das alles, die besten Menschen, Menschen deren die Welt nicht werth ist, kämpfen nicht selten mit einem Heer von Unfällen.D i e Jünger waren hier, auf dem Wege ihrer Pflicht: {v. 18.} nach Jesu Befehl hatten sie diese Farth unternommen. Er selbst war bei ihnen. Wer hätte hier nicht eine recht beglückte Farth vermuthet! Aber plözlich brauset ein Sturm. Die See thürmet sich auf, das Schiff wird bald in die Höhe geworfen, bald in den Abgrund geschleudert. Wellen schlagen in das Schiff, das Wasser dringt von allen Seiten ein. Und sie sehen nichts, als den jämmerlichsten Untergang vor Augen. Ein lebhaftes Bild unsers jezigen Lebens! – Leiden sind hier das gemeine Looß der Sterblichen. Keine Klugheit, keine Macht, ja selbst die Tugend nicht, kan uns vor allen Trübsahlen sichern. Auch die Weisesten leiden. Könige sind abgesezt, und im Elend, oder gar auf dem Trauer-Gerüste gestorben. Länder, Monarchien sind zu Grunde gegangen. Und, was mehr ist als das alles, die besten Menschen, Menschen deren die Welt nicht werth ist, kämpfen nicht selten mit einem Heer von Unfällen.
{Malachiä 1, 14.} W a s nüzt es denn, Gott zu dienen? – Aber eben die Schläge, welche das Stroh zerbrechen, sondern das Getreide ab. Eben das Feuer, welches das Stroh verbrennet, reiniget das Gold. {Römer 8, 28.} Selbst die Leiden sind für den Tugendhaften W o h l t h a t. {vers 25–27.} In dem Sturme, in der Todes-Gefahr war es, wo die Jünger ihre Schwäche kennen lernten; die Unentbehrlichkeit der Hülfe |c504| Jesu fületen; zu ihm begierig eileten; und in ihrem Vertrauen auf ihn und Folgsamkeit gegen seine Leitung gestärkt wurden. So heilsahm sind noch täglich, die Trübsahle. Sie erwecken den sichern Sünder aus seinem Todes-Schlaf; und füren ihn auf den Weg der Tugend und des Glücks. Den Tugendhaften aber, machen sie mit seinen Fehlern bekandt, die insgeheim seine Tugend und Glück untergraben; schwächen die gefärlichen Reste der unvernünftigen Sinnlichkeit die ihm insgeheim Fesseln bereiten; knüpfen ihn immer fester an Gott; und stärken sein Vertrauen auf Ihn nebst allen andern Tugenden. – {Hebräer 12, 6–11.} So geben sie denen die sich dadurch üben, die seelige Frucht der Tugend. Sind gleich den herben Tränken welche den Leib von tausend Schmerzen befreien und ihm tausend Stärkungen und Labsahle verschaffen. Sind wahre Wohlthaten. Folglich Ursache – zu {1 Petri 1, 6. 7. Jakobi 1, 2–4. 1 Petri 4, 16.} Freude, und Dank.{Malachiä 1, 14.} W a s nüzt es denn, Gott zu dienen? – Aber eben die Schläge, welche das Stroh zerbrechen, sondern das Getreide ab. Eben das Feuer, welches das Stroh verbrennet, reiniget das Gold. {Römer 8, 28.} Selbst die Leiden sind für den Tugendhaften W o h l t h a t. {vers 25–27.} In dem Sturme, in der Todes-Gefahr war es, wo die Jünger ihre Schwäche kennen lernten; die Unentbehrlichkeit der Hülfe |c504| Jesu fületen; zu ihm begierig eileten; und in ihrem Vertrauen auf ihn und Folgsamkeit gegen seine Leitung gestärkt wurden. So heilsahm sind noch täglich, die Trübsahle. Sie erwecken den sichern Sünder aus seinem Todes-Schlaf; und füren ihn auf den Weg der Tugend und des Glücks. Den Tugendhaften aber, machen sie mit seinen Fehlern bekandt, die insgeheim seine Tugend und Glück untergraben; schwächen die gefärlichen Reste der unvernünftigen Sinnlichkeit die ihm insgeheim Fesseln bereiten; knüpfen ihn immer fester an Gott; und stärken sein Vertrauen auf Ihn nebst allen andern Tugenden. – {Hebräer 12, 6–11.} So geben sie denen die sich dadurch üben, die seelige Frucht der Tugend. Sind gleich den herben Tränken welche den Leib von tausend Schmerzen befreien und ihm tausend Stärkungen und Labsahle verschaffen. Sind wahre Wohlthaten. Folglich Ursache – zu {1 Petri 1, 6. 7. Jakobi 1, 2–4. 1 Petri 4, 16.} Freude, und Dank.
W i e unbillig, wie ungerecht, wie undankbahr sind denn unsre Mürrische, und Zweifelsüchtige Klagen über das jezige Leben! – Klagen über unsre Armuth, Krankheit, Schmerz, wer wolte das misbilligen? {Jeremiä 5, 3.} Wir sollen unsre Leiden fülen. So dürfen wir also auch darüber klagen. Die Apostel, {Römer 8, 23.} der Held in der Tugend Paulus so gar, seufzen unter der Last ihrer Leiden. Selbst der Sohn Gottes, unser Heiland klagte seinen Freunden, Meine Seele ist tödtlich betrübt! O der Gott der unsre Schwäche kennt, der uns zur Freundschaft gebildet, verarget es uns nicht; Er siehet es mit Wohlgefallen, wenn wir durch tief gehohlte |c505| Seufzer, durch wehmütige Klagen gegen unsre Bekandte und Freunde unsrer beklemmten Brust Erleichterung verschaffen, und mit den Thränen des Schmerzes unsre Beängstigung gleichsam hinwegschwemmen. Aber fülbahre, wehmütige Klagen; Klagen die aus einem fülbahren Herzen fliessen und in die gewünschte Ewigkeit sich verliehren: sind nie Mürrische, oder Zweifelsüchtige Klagen. „Die Welt für ein Jammer- und Thränen-Thal; und das menschliche Geschlecht für einen Haufen von Elenden Geplagten erklären; unzufrieden mit seinen Geschäften, mit seinen Freuden, mit seinen Gesellschaften, mit allem, über das Leben als eine Plage seufzen und sich ungeduldig den Todt wünschen; oder gar Ausfälle auf die Gottheit thun, und durch solche Tragödien von dem menschlichen Leben, alle Vorsehung aus der Welt zu verbannen suchen:“ welcher Christ, oder vielmehr, – welche dankbahre Seele wird nicht vor sich selbst erröthen; nicht zittern, wenn in unbewachten Augenblicken, solche Klagen seinem Munde entwischen!W i e unbillig, wie ungerecht, wie undankbahr sind denn unsre Mürrische, und Zweifelsüchtige Klagen über das jezige Leben! – Klagen über unsre Armuth, Krankheit, Schmerz, wer wolte das misbilligen? {Jeremiä 5, 3.} Wir sollen unsre Leiden fülen. So dürfen wir also auch darüber klagen. Die Apostel, {Römer 8, 23.} der Held in der Tugend Paulus so gar, seufzen unter der Last ihrer Leiden. Selbst der Sohn Gottes, unser Heiland klagte seinen Freunden, Meine Seele ist tödtlich betrübt! O der Gott der unsre Schwäche kennt, der uns zur Freundschaft gebildet, verarget es uns nicht; Er siehet es mit Wohlgefallen, wenn wir durch tief gehohlte |c505| Seufzer, durch wehmütige Klagen gegen unsre Bekandte und Freunde unsrer beklemmten Brust Erleichterung verschaffen, und mit den Thränen des Schmerzes unsre Beängstigung gleichsam hinwegschwemmen. Aber fülbahre, wehmütige Klagen; Klagen die aus einem fülbahren Herzen fliessen und in die gewünschte Ewigkeit sich verliehren: sind nie Mürrische, oder Zweifelsüchtige Klagen. „Die Welt für ein Jammer- und Thränen-Thal; und das menschliche Geschlecht für einen Haufen von Elenden Geplagten erklären; unzufrieden mit seinen Geschäften, mit seinen Freuden, mit seinen Gesellschaften, mit allem, über das Leben als eine Plage seufzen und sich ungeduldig den Todt wünschen; oder gar Ausfälle auf die Gottheit thun, und durch solche Tragödien von dem menschlichen Leben, alle Vorsehung aus der Welt zu verbannen suchen:“ welcher Christ, oder vielmehr, – welche dankbahre Seele wird nicht vor sich selbst erröthen; nicht zittern, wenn in unbewachten Augenblicken, solche Klagen seinem Munde entwischen!
G o t t mit Vertrauen ehren; Zeugen Seiner Güte in der Welt seyn; und mit Sehnsucht nach dem besseren Leben aussehen; das ist das christliche Betragen bei dieser grossen Mischung von Freude und Schmerz, die ein jeder hier allenthalben antrift. Nicht die Furcht war es die Jesus seinen Jüngern verwieß. Die Gefahr war groß: und bei Gefahren soll der Mensch sich fürchten. Die Furcht ist die Bewafnung womit uns der Schöpfer selbst versehen. Sie soll die Vernunft erwecken, auf Mittel gegen die Gefahr zu sinnen; und alle |c506| unsre Kräfte in Bewegung sezen um die Aussprüche der Vernunft plözlich und genau zu befolgen. {Joh. 12, 27.} Beunruhigt ist meine Seele. Und was soll ich sagen? Vater rette mich aus dieser Stunde. So redete selbst der Herr und Heiland der Menschen! – Auch nicht die Unruhe über ihren Zustand; nicht den Wunsch daraus sich befreiet zu sehen; und noch weniger die dringende Bitte um Hülfe tadelte Jesus an seinen Jüngern. Aber das Mistrauen gegen ihren besten Freund, als achte er ihrer nicht; und der Zweifel, als fehle es ihm an Macht, oder dem Willen ihnen zu helfen: das misfiel ihm; das bestrafte er an ihnen. {Marci 4, 38. 40. Matthäi 8, 25. 26.} Herr, sprachen sie, achtest du es nicht daß wir umkommen! – Warum seyd ihr so kleinmütig! warum habt ihr kein Vertrauen! – Welche Liebe! Allenthalben empfiehlt uns Gott, Vertrauen. {Siehe Seite 440 f.} Ganz uneingeschränktes Vertrauen, wenn es Wohlgeordnet ist. Bei allem Wechsel der irrdischen Dinge uns feste versichert halten, daß Seine Vaterhand niemahls schaden, sondern nur beglücken kan. Durch unser ruhiges, zufriedenes, heiteres Gesicht, so wie mit unserm Munde und ganzem Wandel, es aller Welt sagen: daß Er, der {Jakobi 11, 6. 17.} Vater der Freude ist, von dem nichts als lauter Wohlthat, von dem Millionen Wohlthaten uns zugetheilt werden. Und die bittern Tropfen, die Er der Arzt unsrer Seele, in den Freuden-Becher menget, dazu brauchen, um es zu fülen daß {Hebr. 13, 14.} wir hier, noch nicht in unsrer bleibenden Wohnung sind sondern die künftige suchen. Das ist für uns Christen, Pflicht! Das ist auch unsre Ehre, und Glück!G o t t mit Vertrauen ehren; Zeugen Seiner Güte in der Welt seyn; und mit Sehnsucht nach dem besseren Leben aussehen; das ist das christliche Betragen bei dieser grossen Mischung von Freude und Schmerz, die ein jeder hier allenthalben antrift. Nicht die Furcht war es die Jesus seinen Jüngern verwieß. Die Gefahr war groß: und bei Gefahren soll der Mensch sich fürchten. Die Furcht ist die Bewafnung womit uns der Schöpfer selbst versehen. Sie soll die Vernunft erwecken, auf Mittel gegen die Gefahr zu sinnen; und alle |c506| unsre Kräfte in Bewegung sezen um die Aussprüche der Vernunft plözlich und genau zu befolgen. {Joh. 12, 27.} Beunruhigt ist meine Seele. Und was soll ich sagen? Vater rette mich aus dieser Stunde. So redete selbst der Herr und Heiland der Menschen! – Auch nicht die Unruhe über ihren Zustand; nicht den Wunsch daraus sich befreiet zu sehen; und noch weniger die dringende Bitte um Hülfe tadelte Jesus an seinen Jüngern. Aber das Mistrauen gegen ihren besten Freund, als achte er ihrer nicht; und der Zweifel, als fehle es ihm an Macht, oder dem Willen ihnen zu helfen: das misfiel ihm; das bestrafte er an ihnen. {Marci 4, 38. 40. Matthäi 8, 25. 26.} Herr, sprachen sie, achtest du es nicht daß wir umkommen! – Warum seyd ihr so kleinmütig! warum habt ihr kein Vertrauen! – Welche Liebe! Allenthalben empfiehlt uns Gott, Vertrauen. {Siehe Seite 440 f.} Ganz uneingeschränktes Vertrauen, wenn es Wohlgeordnet ist. Bei allem Wechsel der irrdischen Dinge uns feste versichert halten, daß Seine Vaterhand niemahls schaden, sondern nur beglücken kan. Durch unser ruhiges, zufriedenes, heiteres Gesicht, so wie mit unserm Munde und ganzem Wandel, es aller Welt sagen: daß Er, der {Jakobi 11, 6. 17.} Vater der Freude ist, von dem nichts als lauter Wohlthat, von dem Millionen Wohlthaten uns zugetheilt werden. Und die bittern Tropfen, die Er der Arzt unsrer Seele, in den Freuden-Becher menget, dazu brauchen, um es zu fülen daß {Hebr. 13, 14.} wir hier, noch nicht in unsrer bleibenden Wohnung sind sondern die künftige suchen. Das ist für uns Christen, Pflicht! Das ist auch unsre Ehre, und Glück!
|c507| A l l e die Angst, alles das quälende Schrecken, den ganzen Tumult in ihrer Seele, wo es ungestümer war als auf dem See der ihnen den Untergang drohete, hätten die Jünger sich erspahrt, wären sie mit den grossen Wahrheiten der Religion vertrauter gewesen, die sie {Matthäi 6, 23–Ende.} Jesus kurze Zeit vorher gelehret hatte. Sie wusten, sie glaubten sie. Aber sie hatten sich nicht in der Zeit der Ruhe, so ofte damit beschäftiget, daß sie bei ihnen gleichsam in Blut und Saft verwandelt worden. Darum wirkten sie denn auch nichts, in der Zeit der Trübsahl. – – Jezt leben wir gesund und im Irrdischen vergnügt. Jezt ist es stille und heiter in unsrer Seele. Lasset uns diese Zeit benuzen, um einen Vorrath von Muth und Stärke für das Ungewitter einzusamlen, welches vielleicht bald folgen wird. Täglich lasset uns die grossen Wahrheiten der Religion betrachten, auf allen Seiten betrachten. Sie müssen von einem ruhigen Gemüt gefasset seyn, wenn sie auf das bestürmte wirken sollen. |c507| A l l e die Angst, alles das quälende Schrecken, den ganzen Tumult in ihrer Seele, wo es ungestümer war als auf dem See der ihnen den Untergang drohete, hätten die Jünger sich erspahrt, wären sie mit den grossen Wahrheiten der Religion vertrauter gewesen, die sie {Matthäi 6, 23–Ende.} Jesus kurze Zeit vorher gelehret hatte. Sie wusten, sie glaubten sie. Aber sie hatten sich nicht in der Zeit der Ruhe, so ofte damit beschäftiget, daß sie bei ihnen gleichsam in Blut und Saft verwandelt worden. Darum wirkten sie denn auch nichts, in der Zeit der Trübsahl. – – Jezt leben wir gesund und im Irrdischen vergnügt. Jezt ist es stille und heiter in unsrer Seele. Lasset uns diese Zeit benuzen, um einen Vorrath von Muth und Stärke für das Ungewitter einzusamlen, welches vielleicht bald folgen wird. Täglich lasset uns die grossen Wahrheiten der Religion betrachten, auf allen Seiten betrachten. Sie müssen von einem ruhigen Gemüt gefasset seyn, wenn sie auf das bestürmte wirken sollen.
{Psalm 91, 7.} T a u s e n d fallen zu deiner Rechten, und zehntausend zu deiner Linken. Aber zu dir soll sich kein U n g l ü c k nahen. – Oder mit Pauli Worten, {Römer 8, 28.} den Freunden Gottes muß alles zum Besten dienen. Diese Zusage gehet noch alle Tage, bei jedem ächten Freunde Gottes in Erfüllung. Was von Jesu gesagt wird, {v. 26.} Er geboth dem Winde und Meer und so gleich war alles Stille; das thut Gott täglich. Jeden Augenblick sind wir von dem ganzen schrecklichen Heere der Krankheiten, von tausend, und Millionen Unfällen umringt. Gleichwohl darf |c508| kein einziger sich zu uns nahen. Und wer thut dies? – E r, der dem Meere, Sand zum Bollwerk gesezt, und dem Ocean gebeut, – hier sollen sich legen deine stolze Wellen!{Psalm 91, 7.} T a u s e n d fallen zu deiner Rechten, und zehntausend zu deiner Linken. Aber zu dir soll sich kein U n g l ü c k nahen. – Oder mit Pauli Worten, {Römer 8, 28.} den Freunden Gottes muß alles zum Besten dienen. Diese Zusage gehet noch alle Tage, bei jedem ächten Freunde Gottes in Erfüllung. Was von Jesu gesagt wird, {v. 26.} Er geboth dem Winde und Meer und so gleich war alles Stille; das thut Gott täglich. Jeden Augenblick sind wir von dem ganzen schrecklichen Heere der Krankheiten, von tausend, und Millionen Unfällen umringt. Gleichwohl darf |c508| kein einziger sich zu uns nahen. Und wer thut dies? – E r, der dem Meere, Sand zum Bollwerk gesezt, und dem Ocean gebeut, – hier sollen sich legen deine stolze Wellen!
E r thut es nicht durch Wunder. Sondern durch natürliche Mittel, die Seine Vorsehung gerade in dem schicklichen Augenblick aufstellt und verbindet. Dies macht nun freilich bei Unbedachtsamen, nicht so viel Aufsehen und Erstaunen, als wenn Jesus hier dem Sturm und Meer gebeut. Aber es ist doch nicht weniger, oder vielmehr, es ist noch mehr Grund für uns, zur Anbetung der Unendlichen Majestät! So viel grösser die Kunst ist, den Knoten aufzulösen, als ihn zu zerschneiden; so viel bewundernswürdiger sind die Gänge der gewönlichen Vorsehung, als Wunder. Wunder wirken mit Einem Streich. Aber die täglichen Errettungen und Seegnungen Seiner Vorsehung, geschehen durch eine Menge von zehn, zwanzig Ursachen, davon eine jede gerade in dem Augenblick sich darstellt, und gerade auf die Art, und in der Verbindung wirkt, als es unser Wohl fordert. Hätte Gott {1 Buch Mosis 37 folg.} den Joseph durch ein Wunder zum Ersten Minister von Aegypten gemacht: das wäre lange nicht so bewundernswürdig gewesen, als da Er, seit einem Traum, eine Menge von kleinen Ursachen auf einander folgen ließ, welche alle zusammengenommen, endlich jene grosse Rettung und Erhöhung bewirkten. – Täglich lasset uns denn, gerürt und erstaunt über die Fürungen Gottes mit uns, voll Anbetung, Dank, und Liebe ausrufen, – {v. 27.} Welch ein Gott! Stürme und Meere gehorchen Ihm!E r thut es nicht durch Wunder. Sondern durch natürliche Mittel, die Seine Vorsehung gerade in dem schicklichen Augenblick aufstellt und verbindet. Dies macht nun freilich bei Unbedachtsamen, nicht so viel Aufsehen und Erstaunen, als wenn Jesus hier dem Sturm und Meer gebeut. Aber es ist doch nicht weniger, oder vielmehr, es ist noch mehr Grund für uns, zur Anbetung der Unendlichen Majestät! So viel grösser die Kunst ist, den Knoten aufzulösen, als ihn zu zerschneiden; so viel bewundernswürdiger sind die Gänge der gewönlichen Vorsehung, als Wunder. Wunder wirken mit Einem Streich. Aber die täglichen Errettungen und Seegnungen Seiner Vorsehung, geschehen durch eine Menge von zehn, zwanzig Ursachen, davon eine jede gerade in dem Augenblick sich darstellt, und gerade auf die Art, und in der Verbindung wirkt, als es unser Wohl fordert. Hätte Gott {1 Buch Mosis 37 folg.} den Joseph durch ein Wunder zum Ersten Minister von Aegypten gemacht: das wäre lange nicht so bewundernswürdig gewesen, als da Er, seit einem Traum, eine Menge von kleinen Ursachen auf einander folgen ließ, welche alle zusammengenommen, endlich jene grosse Rettung und Erhöhung bewirkten. – Täglich lasset uns denn, gerürt und erstaunt über die Fürungen Gottes mit uns, voll Anbetung, Dank, und Liebe ausrufen, – {v. 27.} Welch ein Gott! Stürme und Meere gehorchen Ihm!
|c509| D i e s e Geschichte lehre uns endlich auch, was Gottes Freunde von ihm zu erwarten, und was sie gegen Ihn zu thun haben. – Nicht Sicherheit vor allen Leiden dürfen sie erwarten. Aber Hülfe sie zu tragen, Lenkung derselben zu ihrem Wohl, und ununterbrochenes Glück in Zeit und Ewigkeit. Und dieses erwarten zu dürfen, müssen sie vor allen Dingen sich Seiner Huld durch einen an allen Tugenden reichen Glauben versichern; und sodenn, ihr Glück mit einem Herzen voll Demuth, und unwandelbahrem Vertrauen von ihm erwarten. – Sey ein Christ! und dann urtheile demütig; und hoffe fest. Erwarte den grossen Lehrer, den Todt; und bete Gott mit Dank und Vertrauen an. |c509| D i e s e Geschichte lehre uns endlich auch, was Gottes Freunde von ihm zu erwarten, und was sie gegen Ihn zu thun haben. – Nicht Sicherheit vor allen Leiden dürfen sie erwarten. Aber Hülfe sie zu tragen, Lenkung derselben zu ihrem Wohl, und ununterbrochenes Glück in Zeit und Ewigkeit. Und dieses erwarten zu dürfen, müssen sie vor allen Dingen sich Seiner Huld durch einen an allen Tugenden reichen Glauben versichern; und sodenn, ihr Glück mit einem Herzen voll Demuth, und unwandelbahrem Vertrauen von ihm erwarten. – Sey ein Christ! und dann urtheile demütig; und hoffe fest. Erwarte den grossen Lehrer, den Todt; und bete Gott mit Dank und Vertrauen an.
D a s Bild ist zwar schon alt. Aber noch immer angenehm und rürend. Wir schiffen hier auf einem ungestümen Meer. Aber – {Hebr. 6, 18–20.} der Anker des Glaubens, ausgeworfen in den Hafen der Ewigkeit, sichert uns vor allen, allen Stürmen und Ungewittern; und füret uns ruhig und glücklich ans Ziel der Reise, in – unser Vaterland!D a s Bild ist zwar schon alt. Aber noch immer angenehm und rürend. Wir schiffen hier auf einem ungestümen Meer. Aber – {Hebr. 6, 18–20.} der Anker des Glaubens, ausgeworfen in den Hafen der Ewigkeit, sichert uns vor allen, allen Stürmen und Ungewittern; und füret uns ruhig und glücklich ans Ziel der Reise, in – unser Vaterland!