|a[535]| Evangelium am ersten Fasten-Sontage.
Matthäi 4, 1–11.
und in den Parallel Stellen, beim Marcus 1, 12. 13. und Lucas 4, 1–13.
D r e y Geschichtschreiber erzälen uns hier, eben dieselbe Begebenheit, auf eine so freie, ungezwungen-verschiedene Art, daß man es fülen muß, keiner von ihnen hat den andern gelesen und abgeschrieben. Ein jeder ist also, ein für sich geltender Zeuge. Und diese Geschichte von der Versuchung Jesu um so viel zuverlässiger.D r e y Geschichtschreiber erzälen uns hier, eben dieselbe Begebenheit, auf eine so freie, ungezwungen-verschiedene Art, daß man es fülen muß, keiner von ihnen hat den andern gelesen und abgeschrieben. Ein jeder ist also, ein für sich geltender Zeuge. Und diese Geschichte von der Versuchung Jesu um so viel zuverlässiger.
{vers 1} D a – nämlich gleich nach der feierlichen Taufe Kapitel 3, 13–17 und bei Luca vers 1 – ward Jesus durch den Geist in die Wüste gefüret, damit er vom Teufel versuchet würde.{vers 1} D a – nämlich gleich nach der feierlichen Taufe Kapitel 3, 13–17 und bei Luca vers 1 – ward Jesus durch den Geist in die Wüste gefüret, damit er vom Teufel versuchet würde.
D u r c h den Geist, das ist, auf Antrieb, Eingebung des heil. Geistes, begab er sich in die Wüste. Lucas nennet ihn ausdrücklich den heiligen Geist. Und Marcus sagt, der Geist habe ihn in die Wüste getrieben. – Es ist also gar nicht, an eine Entzückung, an ein Gesicht zu denken. Die Versuchung Jesu geschahe nicht im Geist, in einem Gesicht; sondern ausser ihm; und zwar durch Einwirkungen und Reden des Teufels.D u r c h den Geist, das ist, auf Antrieb, Eingebung des heil. Geistes, begab er sich in die Wüste. Lucas nennet ihn ausdrücklich den heiligen Geist. Und Marcus sagt, der Geist habe ihn in die Wüste getrieben. – Es ist also gar nicht, an eine Entzückung, an ein Gesicht zu denken. Die Versuchung Jesu geschahe nicht im Geist, in einem Gesicht; sondern ausser ihm; und zwar durch Einwirkungen und Reden des Teufels.
|a536| D a s griechische Wort, welches hier durch, Teufel, gegeben worden, bedeutet eigentlich, wie das hebräische Satan, einen {z. E. Matthäi 25, 41} Verleumder, Ankläger. Aber auch die bösen Geister, werden mit diesem Nahmen belegt; und zwar vermuthlich, weil sie Hiob 1 und 2, als Verleumder der Tugend Hiobs vorgestellet werden. In dieser lezten Bedeutung muß man es hier nehmen; denn im 11ten vers, werden die Guten Engel entgegengesezt. Die Versuchung Christi geschahe also, von einem bösen Geist. Und das kan uns auch, aus keinem vernünftigen Grunde, Unglaublich dünken. Die Erde ist nur ein Winkel in Gottes Reich, den unzälichen Welten die wir des Nachts am Himmel glänzen sehen: es giebt also ausser uns Menschen, noch unzäliche andre Geister in Gottes Staat; davon eine Klasse in der Bibel, Engel, heißt. Unter uns Menschen giebt es Gute und böse: warum denn nicht auch unter den Engeln? Unsre Seele hat einen Körper, redet durch ihn, gehet in ihm, und handelt durch ihn. So kan ja auch ein Engel einen Körper annehmen, und dadurch wie ein Mensch, wirken.|a536| D a s griechische Wort, welches hier durch, Teufel, gegeben worden, bedeutet eigentlich, wie das hebräische Satan, einen {z. E. Matthäi 25, 41} Verleumder, Ankläger. Aber auch die bösen Geister, werden mit diesem Nahmen belegt; und zwar vermuthlich, weil sie Hiob 1 und 2, als Verleumder der Tugend Hiobs vorgestellet werden. In dieser lezten Bedeutung muß man es hier nehmen; denn im 11ten vers, werden die Guten Engel entgegengesezt. Die Versuchung Christi geschahe also, von einem bösen Geist. Und das kan uns auch, aus keinem vernünftigen Grunde, Unglaublich dünken. Die Erde ist nur ein Winkel in Gottes Reich, den unzälichen Welten die wir des Nachts am Himmel glänzen sehen: es giebt also ausser uns Menschen, noch unzäliche andre Geister in Gottes Staat; davon eine Klasse in der Bibel, Engel, heißt. Unter uns Menschen giebt es Gute und böse: warum denn nicht auch unter den Engeln? Unsre Seele hat einen Körper, redet durch ihn, gehet in ihm, und handelt durch ihn. So kan ja auch ein Engel einen Körper annehmen, und dadurch wie ein Mensch, wirken.
I n welcher Wüste aber diese Versuchung Jesu geschehen, wissen wir nicht. Gewiß ist es, daß es eine wahre, rauhe Wildniß war, wo sich wilde Thiere aufhielten. Siehe bei Marco vers 12. Und wahrscheinlich, daß sie nahe bei Jerusalem gelegen, weil Jesus vom Teufel in diese Stadt und von da wiederum zurück in die Wüste gefüret ward. Vermuthlich war es also, die Wüste von Jericho. (Siehe oben Seite 185 .) Eine |a537| fürchterliche Wildniß, mit hohen Bergen und dicken Gebüschen, wo sich Räuber und Mörder aufhielten.I n welcher Wüste aber diese Versuchung Jesu geschehen, wissen wir nicht. Gewiß ist es, daß es eine wahre, rauhe Wildniß war, wo sich wilde Thiere aufhielten. Siehe bei Marco vers 12. Und wahrscheinlich, daß sie nahe bei Jerusalem gelegen, weil Jesus vom Teufel in diese Stadt und von da wiederum zurück in die Wüste gefüret ward. Vermuthlich war es also, die Wüste von Jericho. (Siehe oben Seite 185 .) Eine |a537| fürchterliche Wildniß, mit hohen Bergen und dicken Gebüschen, wo sich Räuber und Mörder aufhielten.
H i e r nun solte Jesus, von dem Teufel versucht werden. Das Wort hat eine zwiefache Bedeutung. Von Menschen oder dem Teufel gebraucht, heißt es, zur Sünde reizen. Siehe Jacobi 1, 13–15. So muß man es auch hier verstehen: denn alles dieses, wozu der Teufel Jesum reizen will, waren Sünden. – Von Gott gebraucht aber, heißt es, auf die Probe stellen. 1 Buch Mose 22, 1. H i e r nun solte Jesus, von dem Teufel versucht werden. Das Wort hat eine zwiefache Bedeutung. Von Menschen oder dem Teufel gebraucht, heißt es, zur Sünde reizen. Siehe Jacobi 1, 13–15. So muß man es auch hier verstehen: denn alles dieses, wozu der Teufel Jesum reizen will, waren Sünden. – Von Gott gebraucht aber, heißt es, auf die Probe stellen. 1 Buch Mose 22, 1.
{vers 2} U n d nachdem er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. – Alle diese vierzig Tage hindurch, ward Jesus, wie Marcus V. 13 und Lucas V. 1. 2. ausdrücklich sagen, versucht. Es war also eine zwiefache Versuchung, die er hier ausstand. – Z u e r s t, eine I n n e r e. Diese dauerte vierzig Tage. Da ward Jesus, durch Einwirkung des Satans auf seine Seele, von allerlei sündlichen Gedanken und Trieben angefallen. Denn man muß sich erinnern, solche U n w i l l k ü r l i c h e Regungen sündlicher Begierden sind nur alsdenn Sünde, wenn man sie durch sein voriges Betragen verursacht. So sind dergleichen Anfälle des Neides, bei einem Menschen der sich vom Neide beherrschen läßt, eben darum Sünde. Und das ist bei uns Menschen, gemeiniglich der Fall. Aber bei Jesu waren jene unwillkürliche Regungen sündlicher Gedanken und Triebe, auf keine Weise selbst verursacht: |a538| folglich auch auf keine Weise, Sünde. Der Satan verursachte sie, durch seine geheime, unsichtbahre Einwirkung. Er schleuderte sie gleichsam, in die heiligste Seele Jesu. Solte dieses mit der Unsündlichkeit Jesu streiten; so hätte er, gar überall nicht können versucht werden. Gott versuchen, und den Teufel anbeten; diese sündliche Gedanken, musten doch nothwendig von der Seele Jesu gedacht werden, da ihm der Teufel diese Vorschläge that. – „Aber er wieß sie alsbald mit Unwillen ab!“ – Und das that er auch bei jenen Innern Versuchungen. – Als diese Innere Versuchungen vierzig Tage gedauert, da zeigte sich ihm der Satan in sichtbahrer Gestalt; und beschloß seine Anfälle, mit einigen Aeussern Versuchungen. vers 3 f. – In b e i d e n Arten wich Jesus nicht einen Augenblick. Alle diese Eingebungen des Teufels wies er alsbald, mit Verachtung und Unwillen ab. So zeigte er denn auch hier, daß er Heilig, ganz Unbefleckt, und Reiner als die erhabensten Geister sey. Hebräer 7, 26.{vers 2} U n d nachdem er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn. – Alle diese vierzig Tage hindurch, ward Jesus, wie Marcus V. 13 und Lucas V. 1. 2. ausdrücklich sagen, versucht. Es war also eine zwiefache Versuchung, die er hier ausstand. – Z u e r s t, eine I n n e r e. Diese dauerte vierzig Tage. Da ward Jesus, durch Einwirkung des Satans auf seine Seele, von allerlei sündlichen Gedanken und Trieben angefallen. Denn man muß sich erinnern, solche U n w i l l k ü r l i c h e Regungen sündlicher Begierden sind nur alsdenn Sünde, wenn man sie durch sein voriges Betragen verursacht. So sind dergleichen Anfälle des Neides, bei einem Menschen der sich vom Neide beherrschen läßt, eben darum Sünde. Und das ist bei uns Menschen, gemeiniglich der Fall. Aber bei Jesu waren jene unwillkürliche Regungen sündlicher Gedanken und Triebe, auf keine Weise selbst verursacht: |a538| folglich auch auf keine Weise, Sünde. Der Satan verursachte sie, durch seine geheime, unsichtbahre Einwirkung. Er schleuderte sie gleichsam, in die heiligste Seele Jesu. Solte dieses mit der Unsündlichkeit Jesu streiten; so hätte er, gar überall nicht können versucht werden. Gott versuchen, und den Teufel anbeten; diese sündliche Gedanken, musten doch nothwendig von der Seele Jesu gedacht werden, da ihm der Teufel diese Vorschläge that. – „Aber er wieß sie alsbald mit Unwillen ab!“ – Und das that er auch bei jenen Innern Versuchungen. – Als diese Innere Versuchungen vierzig Tage gedauert, da zeigte sich ihm der Satan in sichtbahrer Gestalt; und beschloß seine Anfälle, mit einigen Aeussern Versuchungen. vers 3 f. – In b e i d e n Arten wich Jesus nicht einen Augenblick. Alle diese Eingebungen des Teufels wies er alsbald, mit Verachtung und Unwillen ab. So zeigte er denn auch hier, daß er Heilig, ganz Unbefleckt, und Reiner als die erhabensten Geister sey. Hebräer 7, 26.
W a r u m aber ließ Gott zu, daß eine so heilige Person, von dem Satan, zu allerlei Sünden, Innerlich und Aeusserlich gereizet ward?“ – Paulus antwortet Hebräer 2, 17. 18. Kapitel 4, 15. 16. Damit Er ein barmherziger Hohepriester würde; und versucht in jeder Art unsündlicher Leiden wie wir, mit unserer Schwachheit sympathire. – Um Ihn also, durch eigene Empfindung des menschlichen Elendes, zu einem recht mitleidigen und güti|a539|gen Regenten der Menschen zu bilden! – – Hier, in diesen Versuchungen lernte Jesus durch eigene Empfindung, wie schwer, wie peinlich der Kampf gegen die Sünde, unserer menschlichen Seele? U n d wie angreifend, wie schmerzlich dieses Leiden, für fromme Seelen ist? – – Solche mächtige hinreissende Triebe bändigen! Einem heftigen Triebe zur Rache, zum Neid, zur Feindschaft, zur Ungerechtigkeit, zur Unzucht widerstehen. Ihn unterdrücken, ihm zuwider handeln. Das ist für eine menschliche Seele, in diesem Stande der Schwachheit und des Verfalls, sehr Peinlich. Das alles noch dazu, ohne sichtbahre Zeugen thun; ohne durch Aufsehen und Lobsprüche der Welt aufgemuntert zu werden; dies machet jenen Kampf viel schwerer als den Kampf gegen Kugeln und Schwerdter; und eben darum auch, den Sieg viel rümlicher. Eine unwürdige Lust überwinden, ist Schwerer, und Ruhmvoller, als eine Schlacht gewinnen! Fromme Menschen, das heißt, Menschen die kein grösseres, kein andres Unglück kennen, als die Sünde, denen nichts abscheulicher ist als Sündigen, haben daher auch keine peinlichere Leiden. Von solchen unwillkürlichen Regungen der Rachsucht, des Neides und anderer Sünden angefallen, und zur Sünde heftig hingetrieben werden: das macht ihnen die bittersten Stunden, das erweckt in ihnen am stärksten, die Sehnsucht nach jenem vollkomnern, ganz unbefleckten und Engel-reinen Leben. – Dies nun solte unser Mittler, selbst erfahren, so weit es ohne Sünde geschehen konte. Und Er hat es erfahren. Ohne Zweifel hat der Satan seinen |a540| Versuchungen alle die äusserste Stärke gegeben. Mit dem ganzen Gewicht, der höllischen Macht fiel er auf die Seele Jesu. Er unser Mittler und Regent weiß nun aus eigener Empfindung, wie uns dabei zu Muthe ist. {Hebräer 2, 10–Ende} Desto Gütiger und Zärtlicher ist er nun gegen uns, seine Anvertrauete geworden. Und wir können nunmehro, {Hebräer 4, 14–16} desto zuversichtlicher uns seinem Throne nähern; und von ihm desto grösseres Mitleiden, kräftigere Hülfe, und reichere Belohnung erwarten! – – So dienet ein Prinz von unten an; er steigt vom gemeinen Soldaten bis zum Feldherren hinauf; alle Beschwerden, Lasten, Gefahren des untersten Dienstes erfäret, schmecket, duldet er selbst, um sich zu einem desto bessern Befehlshaber zu bilden!„W a r u m aber ließ Gott zu, daß eine so heilige Person, von dem Satan, zu allerlei Sünden, Innerlich und Aeusserlich gereizet ward?“ – Paulus antwortet Hebräer 2, 17. 18. Kapitel 4, 15. 16. Damit Er ein barmherziger Hohepriester würde; und versucht in jeder Art unsündlicher Leiden wie wir, mit unserer Schwachheit sympathire. – Um Ihn also, durch eigene Empfindung des menschlichen Elendes, zu einem recht mitleidigen und güti|a539|gen Regenten der Menschen zu bilden! – – Hier, in diesen Versuchungen lernte Jesus durch eigene Empfindung, wie schwer, wie peinlich der Kampf gegen die Sünde, unserer menschlichen Seele? U n d wie angreifend, wie schmerzlich dieses Leiden, für fromme Seelen ist? – – Solche mächtige hinreissende Triebe bändigen! Einem heftigen Triebe zur Rache, zum Neid, zur Feindschaft, zur Ungerechtigkeit, zur Unzucht widerstehen. Ihn unterdrücken, ihm zuwider handeln. Das ist für eine menschliche Seele, in diesem Stande der Schwachheit und des Verfalls, sehr Peinlich. Das alles noch dazu, ohne sichtbahre Zeugen thun; ohne durch Aufsehen und Lobsprüche der Welt aufgemuntert zu werden; dies machet jenen Kampf viel schwerer als den Kampf gegen Kugeln und Schwerdter; und eben darum auch, den Sieg viel rümlicher. Eine unwürdige Lust überwinden, ist Schwerer, und Ruhmvoller, als eine Schlacht gewinnen! Fromme Menschen, das heißt, Menschen die kein grösseres, kein andres Unglück kennen, als die Sünde, denen nichts abscheulicher ist als Sündigen, haben daher auch keine peinlichere Leiden. Von solchen unwillkürlichen Regungen der Rachsucht, des Neides und anderer Sünden angefallen, und zur Sünde heftig hingetrieben werden: das macht ihnen die bittersten Stunden, das erweckt in ihnen am stärksten, die Sehnsucht nach jenem vollkomnern, ganz unbefleckten und Engel-reinen Leben. – Dies nun solte unser Mittler, selbst erfahren, so weit es ohne Sünde geschehen konte. Und Er hat es erfahren. Ohne Zweifel hat der Satan seinen |a540| Versuchungen alle die äusserste Stärke gegeben. Mit dem ganzen Gewicht, der höllischen Macht fiel er auf die Seele Jesu. Er unser Mittler und Regent weiß nun aus eigener Empfindung, wie uns dabei zu Muthe ist. {Hebräer 2, 10–Ende} Desto Gütiger und Zärtlicher ist er nun gegen uns, seine Anvertrauete geworden. Und wir können nunmehro, {Hebräer 4, 14–16} desto zuversichtlicher uns seinem Throne nähern; und von ihm desto grösseres Mitleiden, kräftigere Hülfe, und reichere Belohnung erwarten! – – So dienet ein Prinz von unten an; er steigt vom gemeinen Soldaten bis zum Feldherren hinauf; alle Beschwerden, Lasten, Gefahren des untersten Dienstes erfäret, schmecket, duldet er selbst, um sich zu einem desto bessern Befehlshaber zu bilden!
{E r s t e A e u s s e r e Versuchung vers 3. 4} A m Ende dieser vierzig Tage trat der Versucher zu ihm, nämlich in sichtbahrer Gestalt. Ohne Zweifel aber, hat ihn Jesus nicht gekandt. Denn sonst wäre es keine Versuchung gewesen. Er nahm Anlaß von dem Hunger, der Jesum plagte, und sprach zu ihm, bist du Gottes Sohn (der Messias) so gebeut diesen Steinen daß sie Brodte werden. Jesus aber antwortete; Es ist geschrieben, der Mensch lebt nicht bloß vom Brodt, sondern auch durch jeden Befehl Gottes. – Die Stelle ist aus 5 Buch Mose 8, 3 genommen, wo Moses die Israeliten an die Wohlthaten Gottes in der Wüste, insbesondre an das Manna erinnert. Gott, sagt er, speisete dich mit Manna, das weder du noch deine Väter kanten, um dich zu lehren, daß der Mensch nicht bloß vom |a541| Brodt lebet, sondern durch jeden Befehl Gottes. – Schon in diesem Sinn lebt der Mensch nicht bloß vom Brodt, weil Gott unsern Unterhalt nicht bloß an dieses Mittel gebunden . Unzäliche Dinge hat Er in der Natur erschaffen, die uns in Ermangelung des Brodts nären können. Das Pflanzen- und Thier-Reich biethet uns einen unermeslichen Reichthum von Kräutern, Früchten, Fischen, und andern Dingen zu unsrer Nahrung dar. Er, die Unermesliche Güte, giebt keinem Seiner Geschöpfe bloß die Nothdurft. Mit Freigebigen Händen schüttet Er, einen unermeslichen Aufwand von Pracht und Ueberfluß aus. Und wenn wir nicht eigensinnig, uns gerade an die gewönlichen Speisen binden wollen: so werden wir nie sagen dürfen, daß uns Gott verhungern lasse. – Dieser Sinn aber, scheinet hier nicht in den Zusammenhang zu passen. Das würde den Teufel nicht widerlegt, sondern ihm immer noch die Antwort übrig gelassen haben; So verwandele denn die Steine in Fische, Kräuter oder andre Nahrungs-Mittel! – „Der Mensch lebet nicht bloß vom Brodt sondern durch jeden Befehl Gottes“ das heißt hier also, Gott bedarf g a r k e i n e r M i t t e l den Menschen zu erhalten. Er darf nur S p r e c h e n, so ist der Mensch genärt! Der Satan fordert, Jesus solle bei dieser dringenden Bedürfniß, seine Wunderkraft brauchen und Steine in Brodte verwandeln. Jesus antwortet „S i c h zu erhalten muß man nicht Sündigen, und Den Gott beleidigen, von dem unser ganzes Daseyn abhängt. Ihn der nichts mehr als Ein Wort |a542| bedarf uns zu nären; und ohne dessen Willen, die Ganze Natur uns nicht nären kan!“ – So war auf einmahl die ganze Sophisterei des Versuchers zernichtet!{E r s t e A e u s s e r e Versuchung vers 3. 4} A m Ende dieser vierzig Tage trat der Versucher zu ihm, nämlich in sichtbahrer Gestalt. Ohne Zweifel aber, hat ihn Jesus nicht gekandt. Denn sonst wäre es keine Versuchung gewesen. Er nahm Anlaß von dem Hunger, der Jesum plagte, und sprach zu ihm, bist du Gottes Sohn (der Messias) so gebeut diesen Steinen daß sie Brodte werden. Jesus aber antwortete; Es ist geschrieben, der Mensch lebt nicht bloß vom Brodt, sondern auch durch jeden Befehl Gottes. – Die Stelle ist aus 5 Buch Mose 8, 3 genommen, wo Moses die Israeliten an die Wohlthaten Gottes in der Wüste, insbesondre an das Manna erinnert. Gott, sagt er, speisete dich mit Manna, das weder du noch deine Väter kanten, um dich zu lehren, daß der Mensch nicht bloß vom |a541| Brodt lebet, sondern durch jeden Befehl Gottes. – Schon in diesem Sinn lebt der Mensch nicht bloß vom Brodt, weil Gott unsern Unterhalt nicht bloß an dieses Mittel gebunden . Unzäliche Dinge hat Er in der Natur erschaffen, die uns in Ermangelung des Brodts nären können. Das Pflanzen- und Thier-Reich biethet uns einen unermeslichen Reichthum von Kräutern, Früchten, Fischen, und andern Dingen zu unsrer Nahrung dar. Er, die Unermesliche Güte, giebt keinem Seiner Geschöpfe bloß die Nothdurft. Mit Freigebigen Händen schüttet Er, einen unermeslichen Aufwand von Pracht und Ueberfluß aus. Und wenn wir nicht eigensinnig, uns gerade an die gewönlichen Speisen binden wollen: so werden wir nie sagen dürfen, daß uns Gott verhungern lasse. – Dieser Sinn aber, scheinet hier nicht in den Zusammenhang zu passen. Das würde den Teufel nicht widerlegt, sondern ihm immer noch die Antwort übrig gelassen haben; So verwandele denn die Steine in Fische, Kräuter oder andre Nahrungs-Mittel! – „Der Mensch lebet nicht bloß vom Brodt sondern durch jeden Befehl Gottes“ das heißt hier also, Gott bedarf g a r k e i n e r M i t t e l den Menschen zu erhalten. Er darf nur S p r e c h e n, so ist der Mensch genärt! Der Satan fordert, Jesus solle bei dieser dringenden Bedürfniß, seine Wunderkraft brauchen und Steine in Brodte verwandeln. Jesus antwortet „S i c h zu erhalten muß man nicht Sündigen, und Den Gott beleidigen, von dem unser ganzes Daseyn abhängt. Ihn der nichts mehr als Ein Wort |a542| bedarf uns zu nären; und ohne dessen Willen, die Ganze Natur uns nicht nären kan!“ – So war auf einmahl die ganze Sophisterei des Versuchers zernichtet!
A b e r, was war denn unrechtes in dem Vorschlage? In dieser rauhen Wildniß fand sich ja nichts, Jesum zu nären. Die Wunderkraft hatte er von Gott empfangen, so wie wir unsre Verstandes-Kräfte. Was konte denn sündliches darin seyn? Oder vielmehr, war es nicht Vernünftig und Gerecht, sie zur Erhaltung seines Lebens zu brauchen? So müssen wir ja, unsre Verstandes-Kräfte anwenden, bei einem Brodt-Mangel andre Mittel zu unsrer Nahrung auszufinden! – Allein, die Wunderkraft war Jesu nur dazu gegeben, die Wahrheit seiner Lehre und göttlichen Absendung zu beweisen. Johannis 5, 36. Sie also zu seiner Nahrung brauchen, das war, sie Gottes Absichten zuwider brauchen. Folglich Sünde. Gerade so, als wenn ein Reicher seinen Reichthum, bloß sich zu vergnügen, oder der Gelehrte seinen Verstand, zur Untersuchung rarer und ganz unnüzer Fragen anwenden wolte!A b e r, was war denn unrechtes in dem Vorschlage? In dieser rauhen Wildniß fand sich ja nichts, Jesum zu nären. Die Wunderkraft hatte er von Gott empfangen, so wie wir unsre Verstandes-Kräfte. Was konte denn sündliches darin seyn? Oder vielmehr, war es nicht Vernünftig und Gerecht, sie zur Erhaltung seines Lebens zu brauchen? So müssen wir ja, unsre Verstandes-Kräfte anwenden, bei einem Brodt-Mangel andre Mittel zu unsrer Nahrung auszufinden! – Allein, die Wunderkraft war Jesu nur dazu gegeben, die Wahrheit seiner Lehre und göttlichen Absendung zu beweisen. Johannis 5, 36. Sie also zu seiner Nahrung brauchen, das war, sie Gottes Absichten zuwider brauchen. Folglich Sünde. Gerade so, als wenn ein Reicher seinen Reichthum, bloß sich zu vergnügen, oder der Gelehrte seinen Verstand, zur Untersuchung rarer und ganz unnüzer Fragen anwenden wolte!
E h e r müssen wir also, Wunder von Gott erwarten, oder Umkommen, als eine Sünde thun um uns beim Leben zu erhalten. Wenn wir durch einen ungerechten Urtheils Spruch, wie die Richter des Naboth; oder wie Joseph durch eine unzüchtige That; oder wie Stephanus durch Verleugnung der Religion, uns von dem nahen Untergange retten, und zu ei|a543|nem ansehnlichen Glück emporschwingen können: da müssen wir eher Umkommen, als Sündigen. Im Vertrauen auf Den Gott, welcher nur Sprechen darf um uns zu erhalten, und selbst unsern Todt in Leben verwandelt! – Das ist die Lehre, die wir aus dieser Ersten Aeussern Versuchung Jesu zu lernen haben!E h e r müssen wir also, Wunder von Gott erwarten, oder Umkommen, als eine Sünde thun um uns beim Leben zu erhalten. Wenn wir durch einen ungerechten Urtheils Spruch, wie die Richter des Naboth; oder wie Joseph durch eine unzüchtige That; oder wie Stephanus durch Verleugnung der Religion, uns von dem nahen Untergange retten, und zu ei|a543|nem ansehnlichen Glück emporschwingen können: da müssen wir eher Umkommen, als Sündigen. Im Vertrauen auf Den Gott, welcher nur Sprechen darf um uns zu erhalten, und selbst unsern Todt in Leben verwandelt! – Das ist die Lehre, die wir aus dieser Ersten Aeussern Versuchung Jesu zu lernen haben!
{Z w e i t e Aeussere Versuchung vers 5–7} H i e r a u f nahm ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt, nach Jerusalem, welche der Siz des Tempels war, und darum diesen Nahmen füret. Nehemiä 11, 1. Lucä 4, 9. Der Text sagt nichts vom aufheben, und durch die Luft füren. Sie giengen beide in Gesellschaft nach Jerusalem. Hier fürete er Jesum auf einen Flügel der Tempel-Gebäude. Diese lagen auf einem so hohen Berge; daß man nicht ohne Schwindeln hinabsehen konte. Ein Sprung von dort herunter in den Abgrund, muste also natürlicher weise, Jesu das Leben kosten. – Bist du Gottes Sohn, sprach der Teufel zu ihm, so stürze dich hinab. Denn es ist geschrieben, {Psalm 91, 11} Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben. Auf den Händen werden sie dich tragen, daß du deinen Fuß an keinen Stein stossest. Jesus antwortete ihm, Hinwiederum stehet geschrieben, {5 Buch Mose 6, 16} Du solst den Herren deinen Gott nicht versuchen. {Z w e i t e Aeussere Versuchung vers 5–7} H i e r a u f nahm ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt, nach Jerusalem, welche der Siz des Tempels war, und darum diesen Nahmen füret. Nehemiä 11, 1. Lucä 4, 9. Der Text sagt nichts vom aufheben, und durch die Luft füren. Sie giengen beide in Gesellschaft nach Jerusalem. Hier fürete er Jesum auf einen Flügel der Tempel-Gebäude. Diese lagen auf einem so hohen Berge; daß man nicht ohne Schwindeln hinabsehen konte. Ein Sprung von dort herunter in den Abgrund, muste also natürlicher weise, Jesu das Leben kosten. – Bist du Gottes Sohn, sprach der Teufel zu ihm, so stürze dich hinab. Denn es ist geschrieben, {Psalm 91, 11} Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl geben. Auf den Händen werden sie dich tragen, daß du deinen Fuß an keinen Stein stossest. Jesus antwortete ihm, Hinwiederum stehet geschrieben, {5 Buch Mose 6, 16} Du solst den Herren deinen Gott nicht versuchen.
U n d warum war denn dieses eine Versuchung Gottes? Vielmehr scheinet ein solcher Sprung im Angesicht der Stadt, ein sehr feierlicher und starker Beweis seines Messianischen Ansehens und |a544| göttlichen Sendung zu seyn. – – So scheint es. In der That aber, war dieses der Würde eines göttlichen Gesandten Unanständig. Luft-Sprünge thun, Wettermachen, und änliche Gaukeleien treiben; das schickt sich für einen Taschen-Spieler. Ein Gesandter Gottes muß Wunder thun, die in allen ihren Umständen Ernsthaft, Anständig, Ehrwürdig, Wichtig sind. Kranke durch einen Machtspruch gesund machen, Aussäzige durch ein, Sey Rein! auf der Stelle heilen, Todte mit einem, Stehe auf! ins Leben zurückrufen. Solche Wunder schicken sich für einen Gesandten der Gottheit! Und nur solche hat Jesus gethan! – „M a n muß[“], so wieß er die Forderung des Teufels ab, „man muß auf den Wegen seiner Pflicht seyn, wenn man den Schuz der Allmacht mit Grunde erwarten will![“] – – – Also, sich ohne Noth in Gefahr stürzen, Dinge wagen wozu man keine Pflicht hat, Mittel vernachlässigen die man brauchen solte; das heißt Gott versuchen; Ihn gleichsam auf die Probe stellen, ob Er Allmächtig, Allweise, Allgütig sey? Das ist – Thörichtes Vertrauen auf Gott.U n d warum war denn dieses eine Versuchung Gottes? Vielmehr scheinet ein solcher Sprung im Angesicht der Stadt, ein sehr feierlicher und starker Beweis seines Messianischen Ansehens und |a544| göttlichen Sendung zu seyn. – – So scheint es. In der That aber, war dieses der Würde eines göttlichen Gesandten Unanständig. Luft-Sprünge thun, Wettermachen, und änliche Gaukeleien treiben; das schickt sich für einen Taschen-Spieler. Ein Gesandter Gottes muß Wunder thun, die in allen ihren Umständen Ernsthaft, Anständig, Ehrwürdig, Wichtig sind. Kranke durch einen Machtspruch gesund machen, Aussäzige durch ein, Sey Rein! auf der Stelle heilen, Todte mit einem, Stehe auf! ins Leben zurückrufen. Solche Wunder schicken sich für einen Gesandten der Gottheit! Und nur solche hat Jesus gethan! – „M a n muß[“], so wieß er die Forderung des Teufels ab, „man muß auf den Wegen seiner Pflicht seyn, wenn man den Schuz der Allmacht mit Grunde erwarten will![“] – – – Also, sich ohne Noth in Gefahr stürzen, Dinge wagen wozu man keine Pflicht hat, Mittel vernachlässigen die man brauchen solte; das heißt Gott versuchen; Ihn gleichsam auf die Probe stellen, ob Er Allmächtig, Allweise, Allgütig sey? Das ist – Thörichtes Vertrauen auf Gott.
{D r i t t e Aeussere Versuchung vers 8–11} A b e r m a h l s fürete ihn der Teufel auf einen sehr hohen Berg; in die Wüste zurück vers 1. Matthäus bezeichnet auch die Zeit-Ordnung dieser drei Versuchungen. Zuerst die Forderung, Steine in Brodte zu verwandeln. Alsdenn vers 5; die Versuchung auf der Tempelhöhe. Wiederum vers 8, die auf dem Berge. Lucas versezet sie, weil es ihm nur um die Sache, |a545| nicht um die Zeit-Ordnung zu thun war – Auf diesem Berge zeigete er ihm alle die mächtigen Reiche der Welt; indem er nämlich, sie nannte, und ihre Lage mit der Hand bezeichnete. „Hier[“], sprach er etwa, – „gegen Mittag liegt das fruchtbahre Aegypten. Dort gegen Morgen, das goldreiche Arabien. Da gegen Mitternacht, das schöne Syrien. Dort das mächtige Rom. Alle diese Reiche sind mein; mir von Gott gegeben, ohne daß Er Sich ferner darum bekümmert (Siehe bei Luca vers 6)“ – Er fuhr fort, diese alle will ich dir geben, wenn du niederfälst und mich anbetest. – Durch diese höchst unverschämte Forderung eines förmlichen Gözendienstes, verrieth sich der Teufel. Jesus merkte nun, wer sein Gesellschafter sey. Daher folgte auch die muthige Antwort, – Weg von mir Satan! Denn es ist geschrieben, {5 Buch Mose 6, 13} Den Herren, deinen Gott solst du anbeten, und Ihn allein verehren. – D a, nach allen diesen vierzigtägigen Innern und Aeussern Versuchungen, da verließ ihn der Teufel. Die Engel aber (nämlich die heiligen) brachten ihm Speise. vergl. vers 2 und Matthäi 8, 15.{D r i t t e Aeussere Versuchung vers 8–11} A b e r m a h l s fürete ihn der Teufel auf einen sehr hohen Berg; in die Wüste zurück vers 1. Matthäus bezeichnet auch die Zeit-Ordnung dieser drei Versuchungen. Zuerst die Forderung, Steine in Brodte zu verwandeln. Alsdenn vers 5; die Versuchung auf der Tempelhöhe. Wiederum vers 8, die auf dem Berge. Lucas versezet sie, weil es ihm nur um die Sache, |a545| nicht um die Zeit-Ordnung zu thun war – Auf diesem Berge zeigete er ihm alle die mächtigen Reiche der Welt; indem er nämlich, sie nannte, und ihre Lage mit der Hand bezeichnete. „Hier[“], sprach er etwa, – „gegen Mittag liegt das fruchtbahre Aegypten. Dort gegen Morgen, das goldreiche Arabien. Da gegen Mitternacht, das schöne Syrien. Dort das mächtige Rom. Alle diese Reiche sind mein; mir von Gott gegeben, ohne daß Er Sich ferner darum bekümmert (Siehe bei Luca vers 6)“ – Er fuhr fort, diese alle will ich dir geben, wenn du niederfälst und mich anbetest. – Durch diese höchst unverschämte Forderung eines förmlichen Gözendienstes, verrieth sich der Teufel. Jesus merkte nun, wer sein Gesellschafter sey. Daher folgte auch die muthige Antwort, – Weg von mir Satan! Denn es ist geschrieben, {5 Buch Mose 6, 13} Den Herren, deinen Gott solst du anbeten, und Ihn allein verehren. – D a, nach allen diesen vierzigtägigen Innern und Aeussern Versuchungen, da verließ ihn der Teufel. Die Engel aber (nämlich die heiligen) brachten ihm Speise. vergl. vers 2 und Matthäi 8, 15.
{Lucä 3 und 4} M i t diesem vierzigtägigen Fasten und Entfernung in die Einsamkeit einer Wildniß, eröfnete Jesus sein Lehramt. – Die Fasten war etwas Wundertätiges. Vierzig Tage und vierzig Nächte enthielt er sich aller Speise. Sie war also ein Stück seines Mittler Amtes. Man kan folglich daraus gar nicht schliessen, daß auch wir Christen fasten, oder vierzig Tage fasten müssen. – Fa|a546|sten, eine gänzliche Enthaltung aller Nahrung auf einige Zeit, um den Handlungen der Andacht obzuliegen, waren zwar unter den Juden sehr gewönlich, und wurden auch von den Aposteln, so wie andre jüdische Gebräuche beibehalten. Nie aber sind sie von Christo, oder sonst im N. T. anbefohlen worden. Unser Heiland fastete gewönlich nicht. Matthäi 11, 18. 19. Er spricht vielmehr sehr geringe von dieser ganzen Handlung. Matthäi 9, 14–17. Und in der That, hat es auch ganz und gar keinen Nuzen für die Seele. Bei einem mässigen Genuß der Nahrung, sind wir weit besser zum Gebet und andern Handlungen der Andacht aufgelegt, als beim Fasten, welches immer einige Unordnungen im Körper verursacht, und dadurch auch die Geschäfte der Seele störet . Der Schwelger welcher den Magen so geschwächt, daß er einer Ruhe bedarf; der Kranke dessen Körper in Unordnung gerathen, die mögen fasten, um ihre Gesundheit wieder herzustellen. Aber aus Andacht fasten, ist unnüz und der Andacht vielmehr nachtheilig. Fasten, so daß man sich nur einiger Arten von Speise enthält, und mit andern den Magen desto stärker anfüllt, ist lächerlich. 1 Cor. 10, 25. 26. 1 Timoth. 4, 3–5. Fasten um etwas bei Gott zu verdienen, ist Aberglaube. Jesaiä 1 und 58. Fasten um sich zu peinigen und seinem Körper wehe zu thun, ist Beschimpfung Gottes. Colosser 2, 16 – Kapitel 3, 4. 1 Timotheum 4, 1–8. – – Mit einem Wort! Verordnung des Fastens, gehöret in das Gebieth des Arztes; aber nicht in das Gebieth des Sitten-Lehrers, und noch weniger der Obrigkeit. |a547| Denn, als Arzenei eines kranken Körpers, ist es sehr nüzlich. Für die Seele aber, ganz unnüz nicht allein, sondern auch hinderlich. – An Buß- und andern feierlichen Tagen, Fasten verordnen, das heißt in der That, verordnen daß sie ohne Andacht, mit Zerstreuung und Schwäche des Gemüts gefeiert werden.{Lucä 3 und 4} M i t diesem vierzigtägigen Fasten und Entfernung in die Einsamkeit einer Wildniß, eröfnete Jesus sein Lehramt. – Die Fasten war etwas Wundertätiges. Vierzig Tage und vierzig Nächte enthielt er sich aller Speise. Sie war also ein Stück seines Mittler Amtes. Man kan folglich daraus gar nicht schliessen, daß auch wir Christen fasten, oder vierzig Tage fasten müssen. – Fa|a546|sten, eine gänzliche Enthaltung aller Nahrung auf einige Zeit, um den Handlungen der Andacht obzuliegen, waren zwar unter den Juden sehr gewönlich, und wurden auch von den Aposteln, so wie andre jüdische Gebräuche beibehalten. Nie aber sind sie von Christo, oder sonst im N. T. anbefohlen worden. Unser Heiland fastete gewönlich nicht. Matthäi 11, 18. 19. Er spricht vielmehr sehr geringe von dieser ganzen Handlung. Matthäi 9, 14–17. Und in der That, hat es auch ganz und gar keinen Nuzen für die Seele. Bei einem mässigen Genuß der Nahrung, sind wir weit besser zum Gebet und andern Handlungen der Andacht aufgelegt, als beim Fasten, welches immer einige Unordnungen im Körper verursacht, und dadurch auch die Geschäfte der Seele störet . Der Schwelger welcher den Magen so geschwächt, daß er einer Ruhe bedarf; der Kranke dessen Körper in Unordnung gerathen, die mögen fasten, um ihre Gesundheit wieder herzustellen. Aber aus Andacht fasten, ist unnüz und der Andacht vielmehr nachtheilig. Fasten, so daß man sich nur einiger Arten von Speise enthält, und mit andern den Magen desto stärker anfüllt, ist lächerlich. 1 Cor. 10, 25. 26. 1 Timoth. 4, 3–5. Fasten um etwas bei Gott zu verdienen, ist Aberglaube. Jesaiä 1 und 58. Fasten um sich zu peinigen und seinem Körper wehe zu thun, ist Beschimpfung Gottes. Colosser 2, 16 – Kapitel 3, 4. 1 Timotheum 4, 1–8. – – Mit einem Wort! Verordnung des Fastens, gehöret in das Gebieth des Arztes; aber nicht in das Gebieth des Sitten-Lehrers, und noch weniger der Obrigkeit. |a547| Denn, als Arzenei eines kranken Körpers, ist es sehr nüzlich. Für die Seele aber, ganz unnüz nicht allein, sondern auch hinderlich. – An Buß- und andern feierlichen Tagen, Fasten verordnen, das heißt in der That, verordnen daß sie ohne Andacht, mit Zerstreuung und Schwäche des Gemüts gefeiert werden.
I n Absicht des Fastens also, kan uns diese Geschichte weder Belehrung, noch Beispiel seyn. Desto mehr ist sie es aber, in andern Stücken. Wir lernen daraus die drei grossen Lebens-Regeln, welche die Summe der ächten Weisheit sind. – 1) T h u e deine Pflicht, und sodenn überlasse dein Glück der Vorsehung. vers 3. 4. und 6. Deine Pflicht, in jeder Absicht. Denn {Jacobi 2, 10. 11} das Eine Gesez Gottes thun und ein Andres übertreten, das heißt sie alle übertreten. Thun wir aber unsre ganze Pflicht: so sind wir unter Gottes Beifall. Und sodenn wird die Ganze Natur, für uns Schuzengel. Denn Gott darf nur Sprechen, um uns zu nären, zu erhalten, zu beglücken. – 2) B r a u c h e jedes rechtmässige Mittel der Klugheit, um der Gefahr auszuweichen. – Denn die vorsäzliche Vernachlässigung dieser Klugheits Mittel, ist Ungehorsam gegen Gott, der sie uns gegeben, und damit auch den Befehl sie zu brauchen ertheilet. Ist Versuchung Gottes. vers 5. 6. – – 3) G o t t e s Gnade gehe dir über Alles. vers 8–10. Ohne sie hast du Nichts. Mit ihr hast du Alles. Matthäi 6, 19–Ende.I n Absicht des Fastens also, kan uns diese Geschichte weder Belehrung, noch Beispiel seyn. Desto mehr ist sie es aber, in andern Stücken. Wir lernen daraus die drei grossen Lebens-Regeln, welche die Summe der ächten Weisheit sind. – 1) T h u e deine Pflicht, und sodenn überlasse dein Glück der Vorsehung. vers 3. 4. und 6. Deine Pflicht, in jeder Absicht. Denn {Jacobi 2, 10. 11} das Eine Gesez Gottes thun und ein Andres übertreten, das heißt sie alle übertreten. Thun wir aber unsre ganze Pflicht: so sind wir unter Gottes Beifall. Und sodenn wird die Ganze Natur, für uns Schuzengel. Denn Gott darf nur Sprechen, um uns zu nären, zu erhalten, zu beglücken. – 2) B r a u c h e jedes rechtmässige Mittel der Klugheit, um der Gefahr auszuweichen. – Denn die vorsäzliche Vernachlässigung dieser Klugheits Mittel, ist Ungehorsam gegen Gott, der sie uns gegeben, und damit auch den Befehl sie zu brauchen ertheilet. Ist Versuchung Gottes. vers 5. 6. – – 3) G o t t e s Gnade gehe dir über Alles. vers 8–10. Ohne sie hast du Nichts. Mit ihr hast du Alles. Matthäi 6, 19–Ende.
|a548| D i e s e Geschichte beruhiget auch fromme Seelen bei den unwillkürlichen Regungen sündlicher Gedanken und Begierden. Denn sie lehret uns in Jesu Beispiel, daß sie ganz und gar nicht Sünde sind. Unwillkürliche, das heißt solche Regungen und Antriebe, die von uns nicht verursacht, sondern verbannet; nicht geheget, mit Lust unterhalten, sondern verabscheuet werden. Sonst sind sie nicht Unwillkürlich; sondern unsre Schuld. Aber wenn sie das wirklich sind, da dürfen wir uns nicht darüber ängstigen. Nicht uns quälen und schrecken, daß Gedanken gegen Gott, Triebe zum Neide, zur Rache, zur Unzucht, ohne unsre vorhergegangene Verschuldung, plözlich, als in die Seele geworfen, sich in uns regen. Denn {vers 1} Jesus ward vierzig Tage lang, mit dergleichen unwillkürlichen Regungen und Antrieben bald zu dieser, bald zu jener Sünde versucht. Und dennoch war, und blieb er, der Allerheiligste, den nie eine Sünde befleckt Hebräer 4, 15. 7, 26.|a548| D i e s e Geschichte beruhiget auch fromme Seelen bei den unwillkürlichen Regungen sündlicher Gedanken und Begierden. Denn sie lehret uns in Jesu Beispiel, daß sie ganz und gar nicht Sünde sind. Unwillkürliche, das heißt solche Regungen und Antriebe, die von uns nicht verursacht, sondern verbannet; nicht geheget, mit Lust unterhalten, sondern verabscheuet werden. Sonst sind sie nicht Unwillkürlich; sondern unsre Schuld. Aber wenn sie das wirklich sind, da dürfen wir uns nicht darüber ängstigen. Nicht uns quälen und schrecken, daß Gedanken gegen Gott, Triebe zum Neide, zur Rache, zur Unzucht, ohne unsre vorhergegangene Verschuldung, plözlich, als in die Seele geworfen, sich in uns regen. Denn {vers 1} Jesus ward vierzig Tage lang, mit dergleichen unwillkürlichen Regungen und Antrieben bald zu dieser, bald zu jener Sünde versucht. Und dennoch war, und blieb er, der Allerheiligste, den nie eine Sünde befleckt Hebräer 4, 15. 7, 26.
S i e zeiget uns ferner – ein zwiefaches sicheres Mittel zum Siege über alle Versuchungen an. – 1) G o t t U n w a n d e l b a h r vertrauen. vers 4. Gott darf nur Sprechen so ist uns geholfen. Und Er Wird, Er Kan uns nimmermehr sinken lassen. Dieses Vertrauen auf Gott flösset Muth ein. Muth aber, ist schon der halbe Sieg. – 2) U n s einige K e r n - S p r ü c h e der Bibel so einheimisch machen, daß wir sie stets in Bereitschaft haben.K e r n - S p r ü c h e, sind solche Stellen, die eine vorzüglich wichtige Wahr|a549|heit, Kurz, und auf eine Angenehme oder Nachdrückliche Art lehren. Die durch irgend ein angenehmes Bild unsre Einbildungkraft interressiren, durch Kraft in Gedanken und Ausdruck unsre Affecten in Bewegung sezen, durch Kürze das Gedächtniß erleichtern, und durch Schärfe im Ausdruck, tief die Seele durchdringen. Mit solchen Kern Sprüchen wieß {vers 4. 7. 10} Jesus jede Versuchung ab. Und diese werden auch uns gleiche Dienste thun. Sie erhalten uns unsre Pflicht stets im Andenken; und machen uns die grossen Bewegungs-Gründe dazu empfinden. Und dergestalt geben sie uns, beides Licht und Kraft. Ein Solcher Spruch der Bibel über jede unsrer Pflichten, und jede unsrer Tröstungen, dem Gedächtniß übergeben, ist gleichsam ein beständiger Wächter unsrer Tugend. Hundert Menschen sind durch einen einzigen Kern Spruch der Bibel, der ihnen zur rechten Zeit einfiel, schon an dem Rande des Verderbens gerettet; aus einem Abgrunde von Laster und Elend gerissen worden.S i e zeiget uns ferner – ein zwiefaches sicheres Mittel zum Siege über alle Versuchungen an. – 1) G o t t U n w a n d e l b a h r vertrauen. vers 4. Gott darf nur Sprechen so ist uns geholfen. Und Er Wird, Er Kan uns nimmermehr sinken lassen. Dieses Vertrauen auf Gott flösset Muth ein. Muth aber, ist schon der halbe Sieg. – 2) U n s einige K e r n - S p r ü c h e der Bibel so einheimisch machen, daß wir sie stets in Bereitschaft haben.K e r n - S p r ü c h e, sind solche Stellen, die eine vorzüglich wichtige Wahr|a549|heit, Kurz, und auf eine Angenehme oder Nachdrückliche Art lehren. Die durch irgend ein angenehmes Bild unsre Einbildungkraft interressiren, durch Kraft in Gedanken und Ausdruck unsre Affecten in Bewegung sezen, durch Kürze das Gedächtniß erleichtern, und durch Schärfe im Ausdruck, tief die Seele durchdringen. Mit solchen Kern Sprüchen wieß {vers 4. 7. 10} Jesus jede Versuchung ab. Und diese werden auch uns gleiche Dienste thun. Sie erhalten uns unsre Pflicht stets im Andenken; und machen uns die grossen Bewegungs-Gründe dazu empfinden. Und dergestalt geben sie uns, beides Licht und Kraft. Ein Solcher Spruch der Bibel über jede unsrer Pflichten, und jede unsrer Tröstungen, dem Gedächtniß übergeben, ist gleichsam ein beständiger Wächter unsrer Tugend. Hundert Menschen sind durch einen einzigen Kern Spruch der Bibel, der ihnen zur rechten Zeit einfiel, schon an dem Rande des Verderbens gerettet; aus einem Abgrunde von Laster und Elend gerissen worden.
E n d l i c h giebt uns auch diese Geschichte von der Versuchung unsers Heilandes und Regenten, – T r o s t, mächtigen Trost, bei allen Kämpfen, Gefahren und Leiden. – Selbst vom |a550| Satan ward Jesus versucht. Auf die schrecklichste Art also, und vierzig Tage nach einander. Dennoch siegete er. So schüzet Gott seine treuen Verehrer! – Und Er, unser Regent weiß nun, aus eigener Empfindung, wie uns Menschen im Leiden zu Muthe ist. Er hat durch eigene Leiden gelernt, an den unsrigen ein desto zärtlicheres Antheil nehmen. So können wir denn, mit aller Freudigkeit, mit aller Zuversicht, zu seinem Thron gehn, um Hülfe zu empfangen, für alles, wo wir Hülfe bedürfen. Hebräer 4, 14–16.E n d l i c h giebt uns auch diese Geschichte von der Versuchung unsers Heilandes und Regenten, – T r o s t, mächtigen Trost, bei allen Kämpfen, Gefahren und Leiden. – Selbst vom |a550| Satan ward Jesus versucht. Auf die schrecklichste Art also, und vierzig Tage nach einander. Dennoch siegete er. So schüzet Gott seine treuen Verehrer! – Und Er, unser Regent weiß nun, aus eigener Empfindung, wie uns Menschen im Leiden zu Muthe ist. Er hat durch eigene Leiden gelernt, an den unsrigen ein desto zärtlicheres Antheil nehmen. So können wir denn, mit aller Freudigkeit, mit aller Zuversicht, zu seinem Thron gehn, um Hülfe zu empfangen, für alles, wo wir Hülfe bedürfen. Hebräer 4, 14–16.