|a[685]| Anhang.
Predigt am Feste der Himmelfarth Christi.
Apostel-Geschicht 1, 1–11. verbunden mit Colosser 3, 1. 2.
Vom himlischen Sinn der Christen.
H i e r, Meine Andächtigen Zuh. lehret uns Paulus die gebürende Anwendung, den einzig-heilsahmen Gebrauch der Geschichte, die ich euch vorhin vorgelesen, und deren feierlichem Andenken das heutige Fest gewidmet worden!H i e r, Meine Andächtigen Zuh. lehret uns Paulus die gebürende Anwendung, den einzig-heilsahmen Gebrauch der Geschichte, die ich euch vorhin vorgelesen, und deren feierlichem Andenken das heutige Fest gewidmet worden!
S c h o n in dem Augenblick der Vollendung des grossen Werks, welches das Heil der Menschen, und die Anbetung der unermeslichen Geister-Welt Gottes ist, nahm die Verherrlichung unsers Heilandes ihren Anfang! Als Er, die Unschuld selbst, der eingebohrne Sohn Gottes, am Creuze unter solcher Schmach und Marter, seinen Geist aufgab: da schon kündigten furchtbahre Begebenheiten der Natur, die Hoheit und Majestät des am Creuze sterbenden Welt-Heilandes an. Die Sonne verlohr drei Stunden lang ihren Schein. Der Vorhang im Tempel zerriß. Die Erde bebete. Felsen zersprungen. Gräber eröfneten sich, aus welchen bald hernach, Todte Lebendig hervorgiengen. Aber nachdem nun alles zur Erlösung der Menschen gänzlich vollbracht war, {Philipp. 2.} nachdem Jesus seinem Vater bis zum Creuzes-Tode gehorsahm gewesen: da nun ward er auch von Gott erhöhet. |a686| Am dritten Tage gieng er, durch die Allmacht Gottes des Vaters auferwecket, glorreich aus dem Grabe hervor. Fuhr nach einem vierzigtägigen Umgange mit seinen Aposteln, vor ihren Augen sichtbahr gen Himmel. Ward da zum Herrn über die Welt erhaben. Und herrschet nun im Himmel. Und betet für seine Erlösete. Und sorget mit aller der zärtlichen Liebe für seine Menschen: mit welcher Er für sie, am Creuze unter Schmach und Quaal sein wohltätiges Leben hingab.S c h o n in dem Augenblick der Vollendung des grossen Werks, welches das Heil der Menschen, und die Anbetung der unermeslichen Geister-Welt Gottes ist, nahm die Verherrlichung unsers Heilandes ihren Anfang! Als Er, die Unschuld selbst, der eingebohrne Sohn Gottes, am Creuze unter solcher Schmach und Marter, seinen Geist aufgab: da schon kündigten furchtbahre Begebenheiten der Natur, die Hoheit und Majestät des am Creuze sterbenden Welt-Heilandes an. Die Sonne verlohr drei Stunden lang ihren Schein. Der Vorhang im Tempel zerriß. Die Erde bebete. Felsen zersprungen. Gräber eröfneten sich, aus welchen bald hernach, Todte Lebendig hervorgiengen. Aber nachdem nun alles zur Erlösung der Menschen gänzlich vollbracht war, {Philipp. 2.} nachdem Jesus seinem Vater bis zum Creuzes-Tode gehorsahm gewesen: da nun ward er auch von Gott erhöhet. |a686| Am dritten Tage gieng er, durch die Allmacht Gottes des Vaters auferwecket, glorreich aus dem Grabe hervor. Fuhr nach einem vierzigtägigen Umgange mit seinen Aposteln, vor ihren Augen sichtbahr gen Himmel. Ward da zum Herrn über die Welt erhaben. Und herrschet nun im Himmel. Und betet für seine Erlösete. Und sorget mit aller der zärtlichen Liebe für seine Menschen: mit welcher Er für sie, am Creuze unter Schmach und Quaal sein wohltätiges Leben hingab.
S i n d wir nun aber mit Christo auferstanden, wollen wir die göttlichen Früchte seines Lebens, Leidens, Todes, Auferstehung und Himmelfarth, uns mit Grund und Recht, zueignen: so müssen wir Suchen was droben ist, wo Christus ist, sizend zu der Rechten Gottes.S i n d wir nun aber mit Christo auferstanden, wollen wir die göttlichen Früchte seines Lebens, Leidens, Todes, Auferstehung und Himmelfarth, uns mit Grund und Recht, zueignen: so müssen wir Suchen was droben ist, wo Christus ist, sizend zu der Rechten Gottes.
So müssen wir trachten nach dem, das droben ist, nicht nach dem, das auf Erden ist. – S o müssen wir, Theureste Christen! einen ganzSo müssen wir trachten nach dem, das droben ist, nicht nach dem, das auf Erden ist. – S o müssen wir, Theureste Christen! einen ganz
H i m l i s c h e n S i n n
annehmen! Einen Sinn, der unsre Seele über Sünde, Erde und Zeit erhebet, und uns zu himlischen, Gott und der Ewigkeit ganz-gewidmeten Menschen machet.annehmen! Einen Sinn, der unsre Seele über Sünde, Erde und Zeit erhebet, und uns zu himlischen, Gott und der Ewigkeit ganz-gewidmeten Menschen machet.
Mit diesen Betrachtungen werde ich heute unter Gottes Beistand unsre Andacht zu nären, und einen christlichen Sinn und Wandel, bei uns zu erwecken und zu beleben suchen.Mit diesen Betrachtungen werde ich heute unter Gottes Beistand unsre Andacht zu nären, und einen christlichen Sinn und Wandel, bei uns zu erwecken und zu beleben suchen.
{vers 1–6} N o c h immer beherrschte und verblendete, der Welt-Sinn, die Apostel Jesu. Alle seine viele und klare Reden; auch der vierzigtägige Umgang mit ihnen nach der Auferstehung, wo er sie |a687| vom Reiche Gottes; von der Natur und Zweck seiner Religion belehrete, hatten dennoch ihre irrdischen Vorurtheile nicht zerstreuen, und ihre vereitelten Begierden nicht aufheben können. Noch an dem lezten Tage, als Jesus ihnen den Befehl gab, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern daselbst, die Verheissung seines Vaters, die Taufe mit dem heiligen Geist, das heißt, die Ertheilung der wundertätigen Kentnisse und Kräfte des heiligen Geistes, zu erwarten: – da noch träumeten sie von Gründung eines Irrdischen Reiches, und glänzenden Ehren-Posten welche sie als Vertraute Jesu, darin bekleiden würden. Herr, sagten sie, wirst du etwa zu dieser Zeit, das Reich Israel aufrichten?{vers 1–6} N o c h immer beherrschte und verblendete, der Welt-Sinn, die Apostel Jesu. Alle seine viele und klare Reden; auch der vierzigtägige Umgang mit ihnen nach der Auferstehung, wo er sie |a687| vom Reiche Gottes; von der Natur und Zweck seiner Religion belehrete, hatten dennoch ihre irrdischen Vorurtheile nicht zerstreuen, und ihre vereitelten Begierden nicht aufheben können. Noch an dem lezten Tage, als Jesus ihnen den Befehl gab, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern daselbst, die Verheissung seines Vaters, die Taufe mit dem heiligen Geist, das heißt, die Ertheilung der wundertätigen Kentnisse und Kräfte des heiligen Geistes, zu erwarten: – da noch träumeten sie von Gründung eines Irrdischen Reiches, und glänzenden Ehren-Posten welche sie als Vertraute Jesu, darin bekleiden würden. Herr, sagten sie, wirst du etwa zu dieser Zeit, das Reich Israel aufrichten?
M i t der gewohnten Nachsicht, und einer nicht zu ermüdenden Geduld und Freundlichkeit trug Jesus diese Schwäche; und hieß sie den Empfang der Gaben des heiligen Geistes ruhig abwarten. Dieser werde schon, alle ihre Verblendungen und irrdischen Wünsche nach glänzenden Ehrenstellen zerstreuen; sie mit göttlicher Weisheit und Kraft ausrüsten; und zu einem, zwar vor der Welt verachteten, aber doch weit erhabenern Posten; dem Posten eines Gesandten Gottes geschickt machen. {vers 7. 8} Es gebüret, war seine Antwort auf jene Frage, euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat; Sondern ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfahen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen seyn zu Jerusalem, und in ganz Judäa |a688| und Samaria, und bis an das Ende der Erden.M i t der gewohnten Nachsicht, und einer nicht zu ermüdenden Geduld und Freundlichkeit trug Jesus diese Schwäche; und hieß sie den Empfang der Gaben des heiligen Geistes ruhig abwarten. Dieser werde schon, alle ihre Verblendungen und irrdischen Wünsche nach glänzenden Ehrenstellen zerstreuen; sie mit göttlicher Weisheit und Kraft ausrüsten; und zu einem, zwar vor der Welt verachteten, aber doch weit erhabenern Posten; dem Posten eines Gesandten Gottes geschickt machen. {vers 7. 8} Es gebüret, war seine Antwort auf jene Frage, euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat; Sondern ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfahen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen seyn zu Jerusalem, und in ganz Judäa |a688| und Samaria, und bis an das Ende der Erden.
N a c h dieser lezten freundschaftlichen Erinnerung und Zusage, da ward er, wie Lucas weiter erzälet, {vers 9} aufgehaben zusehens, und eine Wolke nahm ihn auf, vor ihren Augen weg.N a c h dieser lezten freundschaftlichen Erinnerung und Zusage, da ward er, wie Lucas weiter erzälet, {vers 9} aufgehaben zusehens, und eine Wolke nahm ihn auf, vor ihren Augen weg.
D e n Ort wo diese Himmelfarth Jesu geschehen, nennet Lucas hier nicht. Denn dies hatte er schon in dem ersten Theile seiner Geschichte, im 24 Kapitel des Evangelii, gethan! Bethanien nämlich, ein Flecken der am Fuß des Oelberges nahe bei Jerusalem lag; dieser Ort wo Jesus wenige Wochen vorher durch Auferweckung des schon verweseten Körpers Lazari, eine solche Probe seiner Macht und Hoheit gegeben, dies war auch der Schauplaz seiner glorreichen Erhöhung in den Himmel!D e n Ort wo diese Himmelfarth Jesu geschehen, nennet Lucas hier nicht. Denn dies hatte er schon in dem ersten Theile seiner Geschichte, im 24 Kapitel des Evangelii, gethan! Bethanien nämlich, ein Flecken der am Fuß des Oelberges nahe bei Jerusalem lag; dieser Ort wo Jesus wenige Wochen vorher durch Auferweckung des schon verweseten Körpers Lazari, eine solche Probe seiner Macht und Hoheit gegeben, dies war auch der Schauplaz seiner glorreichen Erhöhung in den Himmel!
H i e r nun ward Jesus, am vierzigsten Tage nach seiner Auferstehung, – Vor den Augen seiner versamleten elf Apostel; – Nicht plözlich, etwa in einem Sturm Winde und Gewitter, sondern Allmälich, Langsahm von der Erde aufgenommen! Und Immer höher, und höher erhaben. – – Bis endlich eine Wolke ihn, gleich der Sonne, überschattete, und vor den Augen der nachsehenden Apostel verbarg. Er ward aufgehaben zusehens! Und eine Wolke nahm ihn weg vor ihren Augen.H i e r nun ward Jesus, am vierzigsten Tage nach seiner Auferstehung, – Vor den Augen seiner versamleten elf Apostel; – Nicht plözlich, etwa in einem Sturm Winde und Gewitter, sondern Allmälich, Langsahm von der Erde aufgenommen! Und Immer höher, und höher erhaben. – – Bis endlich eine Wolke ihn, gleich der Sonne, überschattete, und vor den Augen der nachsehenden Apostel verbarg. Er ward aufgehaben zusehens! Und eine Wolke nahm ihn weg vor ihren Augen.
W i e, – wenn ein Herzens-Freund den andern verlassen, der zurückgebliebene, ob er gleich, ihn nicht mehr sehen kan, noch immer an die Gegend, wo er sich von ihm schied, gedankenvoll, bange und schmachtend seine Blicke heftet; gleich |a689| als könte sein Sehnen, den entfernten Freund wiederum zurücke hohlen: – so sahen auch die verlassenen Apostel, als Jesus bereits durch die Wolke bedecket war, noch immer sehnsuchtsvoll nach dem Himmel. Und plözlich stunden zwey Engel, Männer in weissen Kleidern, ihnen zur Seite: ermunterten ihre Untätigkeit und Betäubung; und richteten sie mit dem Trost auf, Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird wieder kommen, so wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren.W i e, – wenn ein Herzens-Freund den andern verlassen, der zurückgebliebene, ob er gleich, ihn nicht mehr sehen kan, noch immer an die Gegend, wo er sich von ihm schied, gedankenvoll, bange und schmachtend seine Blicke heftet; gleich |a689| als könte sein Sehnen, den entfernten Freund wiederum zurücke hohlen: – so sahen auch die verlassenen Apostel, als Jesus bereits durch die Wolke bedecket war, noch immer sehnsuchtsvoll nach dem Himmel. Und plözlich stunden zwey Engel, Männer in weissen Kleidern, ihnen zur Seite: ermunterten ihre Untätigkeit und Betäubung; und richteten sie mit dem Trost auf, Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird wieder kommen, so wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren.
H i e r war nun kein Irrthum und Betrug möglich! – Elf Augen-Zeugen, nebst der Versicherung zweier Engel, sezen es ausser allen vernünftigen Zweifel, daß die Apostel hiebei; weder von ihrer Einbildung getäuschet worden; noch auch mit Fabeln und Lügen, die Welt und Nachwelt täuschen wollen! – Daß unser Heiland, der sich durch so viele, unläugbahre göttliche Wunderwerke, und durch solche göttlich-edle und wohltätige Lehre und Leben, als ein Gesandter Gottes bewiesen, – am vierzigsten Tage nach seiner Auferstehung, vor den Augen der Apostel sichtbahrlich, in den Himmel, in eine Welt-Gegend die von unsrer Erde verschieden, und wo Gott auf eine ganz besondre Art wirksahm ist, erhaben worden. – Dies ist eine unläugbahre Geschichte, eine untrügliche Wahrheit unsers christlichen Glaubens!H i e r war nun kein Irrthum und Betrug möglich! – Elf Augen-Zeugen, nebst der Versicherung zweier Engel, sezen es ausser allen vernünftigen Zweifel, daß die Apostel hiebei; weder von ihrer Einbildung getäuschet worden; noch auch mit Fabeln und Lügen, die Welt und Nachwelt täuschen wollen! – Daß unser Heiland, der sich durch so viele, unläugbahre göttliche Wunderwerke, und durch solche göttlich-edle und wohltätige Lehre und Leben, als ein Gesandter Gottes bewiesen, – am vierzigsten Tage nach seiner Auferstehung, vor den Augen der Apostel sichtbahrlich, in den Himmel, in eine Welt-Gegend die von unsrer Erde verschieden, und wo Gott auf eine ganz besondre Art wirksahm ist, erhaben worden. – Dies ist eine unläugbahre Geschichte, eine untrügliche Wahrheit unsers christlichen Glaubens!
A b e r, Meine Theuresten! Nicht eine blosse Geschichte, zur Belustigung unsrer Neugier! Nicht eine trockene, müssige Wahrheit; die wir nur bewundern, zum Inhalt einer glänzenden Rede-Uebung machen, worüber wir gelehrt sprechen |a690| und disputiren sollen! Sondern eine Geschichte, eine Wahrheit, die unsre Seele bessern und heiligen, uns zu Guten, Gott-änlichen Menschen bilden soll! Ihr Männer von Galiläa, so redeten die Engel, die über die Himmelfarth Jesu erstaunten, und immer in den Himmel schauenden Apostel an, Was stehet ihr müssig da, und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren; „wird dereinst als euer, und eurer Nebenmenschen Richter wiederkommen.“ – So rufet auch uns, an dem Gedächtniß Tage jener Himmelfarth, Paulus zu. „Ihr Christen! Was verweilet ihr euch, mit Untersuchungen über die Welt-Gegend wohin Jesus gegangen, und mit dieser blossen Geschichte, daß er gen Himmel gefahren? – Nicht, in den Himmel sehen, den Himmel betrachten: sondern, euch dem Himmel gemäß bilden, euch für die richterliche Zukunft Jesu vom Himmel vorbereiten; das ist der Zweck jener Geschichte!“A b e r, Meine Theuresten! Nicht eine blosse Geschichte, zur Belustigung unsrer Neugier! Nicht eine trockene, müssige Wahrheit; die wir nur bewundern, zum Inhalt einer glänzenden Rede-Uebung machen, worüber wir gelehrt sprechen |a690| und disputiren sollen! Sondern eine Geschichte, eine Wahrheit, die unsre Seele bessern und heiligen, uns zu Guten, Gott-änlichen Menschen bilden soll! Ihr Männer von Galiläa, so redeten die Engel, die über die Himmelfarth Jesu erstaunten, und immer in den Himmel schauenden Apostel an, Was stehet ihr müssig da, und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren; „wird dereinst als euer, und eurer Nebenmenschen Richter wiederkommen.“ – So rufet auch uns, an dem Gedächtniß Tage jener Himmelfarth, Paulus zu. „Ihr Christen! Was verweilet ihr euch, mit Untersuchungen über die Welt-Gegend wohin Jesus gegangen, und mit dieser blossen Geschichte, daß er gen Himmel gefahren? – Nicht, in den Himmel sehen, den Himmel betrachten: sondern, euch dem Himmel gemäß bilden, euch für die richterliche Zukunft Jesu vom Himmel vorbereiten; das ist der Zweck jener Geschichte!“
S e y d ihr mit Christo auferstanden: so suchet was droben ist wo Christus ist! So trachtet nach dem was droben ist, und nicht nach dem was auf Erden ist!S e y d ihr mit Christo auferstanden: so suchet was droben ist wo Christus ist! So trachtet nach dem was droben ist, und nicht nach dem was auf Erden ist!
A l s o himlisch-Gesinnet, muß uns die Himmelfarth Jesu machen, wenn wir anders Christen seyn, und an seinem Verdienst uns einen sichern Antheil verschaffen wollen!A l s o himlisch-Gesinnet, muß uns die Himmelfarth Jesu machen, wenn wir anders Christen seyn, und an seinem Verdienst uns einen sichern Antheil verschaffen wollen!
J e s u s, unser Heiland und Herr, befindet sich nun sichtbahr im Himmel: dem Orte wo Gott auf die allerbesonderste Art, gegenwärtig ist, und wo |a691| die Seeligkeiten jenes ewigen Lebens sollen genossen werden! – Himlisch-Gesinnt seyn, das heißt folglich: – „Menschen seyn, welche sich ganz und gar, mit allen ihren Kräften des Leibes und der Seele, Gott und der Ewigkeit widmen.“ Oder mit Pauli Worten in unserm Text, welche Das suchen, nach Dem trachten, was droben ist, wo Christus ist, sizend zur Rechten Gottes.J e s u s, unser Heiland und Herr, befindet sich nun sichtbahr im Himmel: dem Orte wo Gott auf die allerbesonderste Art, gegenwärtig ist, und wo |a691| die Seeligkeiten jenes ewigen Lebens sollen genossen werden! – Himlisch-Gesinnt seyn, das heißt folglich: – „Menschen seyn, welche sich ganz und gar, mit allen ihren Kräften des Leibes und der Seele, Gott und der Ewigkeit widmen.“ Oder mit Pauli Worten in unserm Text, welche Das suchen, nach Dem trachten, was droben ist, wo Christus ist, sizend zur Rechten Gottes.
D e r ganze Zweck der Auferstehung, Himmelfarth, oder der gesamten Erlösung Jesu, bestehet darin, – uns sündigen Menschen Einen gnädigen Gott ; und ein ewig-seeliges Leben im Himmel, zu erwerben . Und dieses, Gottes Beifall und Gnade, nebst der seeligen Ewigkeit, dies muß nun auch das höchste, lezte Ziel aller Wünsche, Hofnungen und Bestrebungen eines wahren Christen seyn. – Der Christ muß, Gottes Beifall und Gnade, als sein einziges und allerhöchstes Gut, worohne er nichts, und wobei er alles hat; Den Himmel wo Jesus ist; als sein Vaterland: Jenes ewige Leben daselbst, als seine rechte Bestimmung, sein rechtes Leben, Ansehen und Begehren. Diesem, nämlich Gott und der Ewigkeit, diesem muß alles andre unterworfen. Diesem muß alles andre, was es auch immer sey, wenn es damit streitet, ganz aufgehoben werden. Kurz, dahin müssen die vornehmsten Wünsche, Hofnungen und Bestrebungen des Christen gerichtet seyn; daß er sich allenthalben, in allen seinen Handlungen und Umständen, den Beifall und Gnade Gottes; und die Aufnahme in die Seeligkeiten seines Himmels versichre!D e r ganze Zweck der Auferstehung, Himmelfarth, oder der gesamten Erlösung Jesu, bestehet darin, – uns sündigen Menschen Einen gnädigen Gott ; und ein ewig-seeliges Leben im Himmel, zu erwerben . Und dieses, Gottes Beifall und Gnade, nebst der seeligen Ewigkeit, dies muß nun auch das höchste, lezte Ziel aller Wünsche, Hofnungen und Bestrebungen eines wahren Christen seyn. – Der Christ muß, Gottes Beifall und Gnade, als sein einziges und allerhöchstes Gut, worohne er nichts, und wobei er alles hat; Den Himmel wo Jesus ist; als sein Vaterland: Jenes ewige Leben daselbst, als seine rechte Bestimmung, sein rechtes Leben, Ansehen und Begehren. Diesem, nämlich Gott und der Ewigkeit, diesem muß alles andre unterworfen. Diesem muß alles andre, was es auch immer sey, wenn es damit streitet, ganz aufgehoben werden. Kurz, dahin müssen die vornehmsten Wünsche, Hofnungen und Bestrebungen des Christen gerichtet seyn; daß er sich allenthalben, in allen seinen Handlungen und Umständen, den Beifall und Gnade Gottes; und die Aufnahme in die Seeligkeiten seines Himmels versichre!
|a692| H a t nun aber eine solche Denkungs-Art und Gesinnung, den Menschen eingenommen, ist mit Paulo zu reden, seine Seele wirklich zu Gott und in den Himmel empor geschwungen; – so wird er nun auch, ganz sicherlich, sich über S ü n d e und E r d e erheben! Trachtet nach dem was droben ist, und nicht nach dem was auf Erden ist! und gleich darauf in dem folgenden 5 vers, wird dies ferner also erkläret. So tödtet nun eure Glieder die auf Erden sind, das heißt, die sündlichen Begierden, die sich hier noch, bei euch regen, Hurerei, Unreinigkeit, Geiz samt allen sündlichen Lüsten!|a692| H a t nun aber eine solche Denkungs-Art und Gesinnung, den Menschen eingenommen, ist mit Paulo zu reden, seine Seele wirklich zu Gott und in den Himmel empor geschwungen; – so wird er nun auch, ganz sicherlich, sich über S ü n d e und E r d e erheben! Trachtet nach dem was droben ist, und nicht nach dem was auf Erden ist! und gleich darauf in dem folgenden 5 vers, wird dies ferner also erkläret. So tödtet nun eure Glieder die auf Erden sind, das heißt, die sündlichen Begierden, die sich hier noch, bei euch regen, Hurerei, Unreinigkeit, Geiz samt allen sündlichen Lüsten!
D i e Einwohner des Himmels, wo Jesus ist, sind heilige Menschen, reine Geister; und G o t t s e l b s t, die Urquelle aller Heiligkeit, und Tugend. Die Seeligkeiten des Himmels wo Jesus ist, sind nicht sinnliche Wollüste, träger Müssiggang , Gastmahle und Wohlleben: sondern nichts anders, als die aus den beiden ewigen Quellen, W a h r h e i t und T u g e n d, entspringende, sich stets ergiessende Freuden. Ein, durch die vollkommenste und immer, mächtig-fortschreitende Andacht und Tugend, vollkommen glückliches Leben! Und Gottes Beifall und Gnade, kan nicht anders erlanget, ja ohne Gotteslästerung nicht anders gehoffet werden, als durch einen, Herz- und Leben vereinigenden, bessernden, heiligenden Glauben an Jesu Verdienst: durch einen solchen Glauben der sich in einer ungetheilten, ernstlichen, bis an den Todt fortwärenden, und fortwachsenden Tugend-Uebung wirksahm zeiget!D i e Einwohner des Himmels, wo Jesus ist, sind heilige Menschen, reine Geister; und G o t t s e l b s t, die Urquelle aller Heiligkeit, und Tugend. Die Seeligkeiten des Himmels wo Jesus ist, sind nicht sinnliche Wollüste, träger Müssiggang , Gastmahle und Wohlleben: sondern nichts anders, als die aus den beiden ewigen Quellen, W a h r h e i t und T u g e n d, entspringende, sich stets ergiessende Freuden. Ein, durch die vollkommenste und immer, mächtig-fortschreitende Andacht und Tugend, vollkommen glückliches Leben! Und Gottes Beifall und Gnade, kan nicht anders erlanget, ja ohne Gotteslästerung nicht anders gehoffet werden, als durch einen, Herz- und Leben vereinigenden, bessernden, heiligenden Glauben an Jesu Verdienst: durch einen solchen Glauben der sich in einer ungetheilten, ernstlichen, bis an den Todt fortwärenden, und fortwachsenden Tugend-Uebung wirksahm zeiget!
|a693| I h r sehet also, wenn ein Mensch wirklich nach Gottes Beifall und Seeligkeit über alles strebet: so muß und wird auch diese Gesinnung ganz unausbleiblich, seine Seele über Sünde und Welt erheben. – Da wird ihm nun, jede Sünde; die Unmässigkeit, Unkeuschheit, Neid, Ungerechtigkeit, jede Sünde wird ihm nun verhaßt und abscheulich seyn; wird von ihm als seine einzige und alleräusserste Schande, als sein einziges und alleräusserstes Unglück bekämpfet und vermieden werden. Da werden nun, die sonst erlaubten Begierden nach den schäzbahren Gütern der Erde, der Ehre, Macht, Geld, Ruhm, Beifall, von ihrer Herrschaft herabgestossen; zum uneingeschränkten Gehorsahm gegen Gottes Willen, angewönet; und jenen Unendlich-Bessern Gütern, der Gnade Gottes und der seeligen Ewigkeit, schlechterdings unterwürfig gemacht. Da werden nun auch, alle seine Kräfte dahin angestrenget, in allen Gesinnungen und Handlungen Immer mehr so zu werden, wie jene reine Geister des Himmels, wie der Herr des Himmels Gott selbst ist. Und durch stete Andachts- und Tugend-Uebung, sich einen immer grössern Geschmack an jenen erhabenen Seeligkeiten des Himmels zu verschaffen.|a693| I h r sehet also, wenn ein Mensch wirklich nach Gottes Beifall und Seeligkeit über alles strebet: so muß und wird auch diese Gesinnung ganz unausbleiblich, seine Seele über Sünde und Welt erheben. – Da wird ihm nun, jede Sünde; die Unmässigkeit, Unkeuschheit, Neid, Ungerechtigkeit, jede Sünde wird ihm nun verhaßt und abscheulich seyn; wird von ihm als seine einzige und alleräusserste Schande, als sein einziges und alleräusserstes Unglück bekämpfet und vermieden werden. Da werden nun, die sonst erlaubten Begierden nach den schäzbahren Gütern der Erde, der Ehre, Macht, Geld, Ruhm, Beifall, von ihrer Herrschaft herabgestossen; zum uneingeschränkten Gehorsahm gegen Gottes Willen, angewönet; und jenen Unendlich-Bessern Gütern, der Gnade Gottes und der seeligen Ewigkeit, schlechterdings unterwürfig gemacht. Da werden nun auch, alle seine Kräfte dahin angestrenget, in allen Gesinnungen und Handlungen Immer mehr so zu werden, wie jene reine Geister des Himmels, wie der Herr des Himmels Gott selbst ist. Und durch stete Andachts- und Tugend-Uebung, sich einen immer grössern Geschmack an jenen erhabenen Seeligkeiten des Himmels zu verschaffen.
A l s o Meine Fr. noch einmahl! Sich ganz und gar, Gott und der Ewigkeit widmen; und über alle Sünde und Erde, zur Uebung der Tugend und Nachahmung Gottes sich erheben: – dies ist der himlische Sinn des Christen!A l s o Meine Fr. noch einmahl! Sich ganz und gar, Gott und der Ewigkeit widmen; und über alle Sünde und Erde, zur Uebung der Tugend und Nachahmung Gottes sich erheben: – dies ist der himlische Sinn des Christen!
S c h o n aus dieser kurzen Beschreibung, muß es jedermann bei einem mässigen Nachdenken einleuchten, daß dieser himmlische Sinn, den uns |a694| Christi Himmelfarth so wie seine ganze Lehre und Leben, einflössen soll, nicht eine Müssige, oder gar finstre Mürrische und ungesellige Gesinnung ist. Sondern vielmehr, uns so recht in die Mitte der Welt; und alle unsre Begierden und Neigungen, für unsre Nebenmenschen aufs heilsahmste in Geschäftigkeit sezet.S c h o n aus dieser kurzen Beschreibung, muß es jedermann bei einem mässigen Nachdenken einleuchten, daß dieser himmlische Sinn, den uns |a694| Christi Himmelfarth so wie seine ganze Lehre und Leben, einflössen soll, nicht eine Müssige, oder gar finstre Mürrische und ungesellige Gesinnung ist. Sondern vielmehr, uns so recht in die Mitte der Welt; und alle unsre Begierden und Neigungen, für unsre Nebenmenschen aufs heilsahmste in Geschäftigkeit sezet.
D e n n und wenn, hie und da; besonders wenn es uns in der Welt, nicht nach Wunsche gehet, einige flüchtige Gedanken und Wünsche auf Gott und die Ewigkeit richten, die am folgenden Tage nichts mehr sind: dies ist Unzufriedenheit mit der Welt; oder höchstens flüchtige gute Regung, nicht aber himmlischer Sinn. – A l l e Freuden der Welt scheuen, finstere traurige Gestalten annehmen; mit niedergeschlagenen Augen und steten Seufzern unter den Menschen umhergehen! Dies ist Aberglaube oder Schwarzblütigkeit, nicht aber himlischer Sinn. – A l l e Geschäfte und Umgang mit Menschen fliehen; sich in sein Zimmer verschliessen, um da stets die Bibel in der Hand, unaufhörlich an Gott und die Ewigkeit zu denken; oder, wenn man mit Menschen umgehet, von nichts anders als diesen Wahrheiten sprechen. Dies ist abermahls nicht himlischer Sinn – sondern übel verstandene Andacht! – Das Christenthum befiehlet uns nicht, den Himmel anzusehen, sondern, uns für den Himmel durch christliche Tugenden besonders die Menschenliebe, vorbereiten. Nicht, ihn bloß zu betrachten, und davon zu reden; sondern ihn deswegen zu betrachten; um hier in der Welt, unter den Menschen, himlisch zu leben.D e n n und wenn, hie und da; besonders wenn es uns in der Welt, nicht nach Wunsche gehet, einige flüchtige Gedanken und Wünsche auf Gott und die Ewigkeit richten, die am folgenden Tage nichts mehr sind: dies ist Unzufriedenheit mit der Welt; oder höchstens flüchtige gute Regung, nicht aber himmlischer Sinn. – A l l e Freuden der Welt scheuen, finstere traurige Gestalten annehmen; mit niedergeschlagenen Augen und steten Seufzern unter den Menschen umhergehen! Dies ist Aberglaube oder Schwarzblütigkeit, nicht aber himlischer Sinn. – A l l e Geschäfte und Umgang mit Menschen fliehen; sich in sein Zimmer verschliessen, um da stets die Bibel in der Hand, unaufhörlich an Gott und die Ewigkeit zu denken; oder, wenn man mit Menschen umgehet, von nichts anders als diesen Wahrheiten sprechen. Dies ist abermahls nicht himlischer Sinn – sondern übel verstandene Andacht! – Das Christenthum befiehlet uns nicht, den Himmel anzusehen, sondern, uns für den Himmel durch christliche Tugenden besonders die Menschenliebe, vorbereiten. Nicht, ihn bloß zu betrachten, und davon zu reden; sondern ihn deswegen zu betrachten; um hier in der Welt, unter den Menschen, himlisch zu leben.
|a695| A l s o Meine Theuresten! S u c h e n müssen wir, t r a c h t e n, s t r e b e n müssen wir, nach dem was droben ist. Die Begierde nach Gottes Gnade und der seeligen Ewigkeit, und einem tugendreichen Glauben als dem einzigen Wege dahin, muß uns ganz einnehmen und durchdringen; allmälich in unsrer Seele einwurzeln. Muß alle unsre Wünsche und Neigungen beherrschen, und sich in unserm ganzen Leben ausdrücken! Bei unserm Beruf und Stande in der Welt; bei unsern Ergözungen; bei unsern Leiden; in unsrer Einsamkeit und Gesellschaft; in unserm ganzen geheimen und öffentlichen Leben: da muß es sich zeigen zu welcher Parthei wir gehören; ob wir für Gott und die Ewigkeit, oder für die Sünde und Zeit arbeiten?|a695| A l s o Meine Theuresten! S u c h e n müssen wir, t r a c h t e n, s t r e b e n müssen wir, nach dem was droben ist. Die Begierde nach Gottes Gnade und der seeligen Ewigkeit, und einem tugendreichen Glauben als dem einzigen Wege dahin, muß uns ganz einnehmen und durchdringen; allmälich in unsrer Seele einwurzeln. Muß alle unsre Wünsche und Neigungen beherrschen, und sich in unserm ganzen Leben ausdrücken! Bei unserm Beruf und Stande in der Welt; bei unsern Ergözungen; bei unsern Leiden; in unsrer Einsamkeit und Gesellschaft; in unserm ganzen geheimen und öffentlichen Leben: da muß es sich zeigen zu welcher Parthei wir gehören; ob wir für Gott und die Ewigkeit, oder für die Sünde und Zeit arbeiten?
B e i unserm Beruf und Stande in der Welt: da muß die herrschende ernstliche Begierde nach Gottes Beifall und der seeligen Ewigkeit, der himlische Sinn, uns antreiben: mit unermüdetem Fleiß, uneingeschränkter Treue, und uneigennüzigem grosmütigem Geiste, unsre Zeit in heilsahmen Geschäften, in geflissentlicher Sorge für das gemeine Beste hinzubringen. Alle Beschwerden und Müseeligkeiten dabei gerne und willig zu tragen. Unser Daseyn nach allem Vermögen, der menschlichen Gesellschaft, dem Reiche Gottes auf Erden, nüzlich zu machen. Bei dem allen, nicht bloß für den Ruhm und Lohn der Welt, sondern vornehmlich für Gottes Beifall und seine seelige Ewigkeit, zu arbeiten. Und auf solche Art, durch eine Menge frommer und menschenfreundli|a696|cher Arbeiten und Geschäfte, uns einen ewig bleibenden Schaz, im Himmel einzusamlen.B e i unserm Beruf und Stande in der Welt: da muß die herrschende ernstliche Begierde nach Gottes Beifall und der seeligen Ewigkeit, der himlische Sinn, uns antreiben: mit unermüdetem Fleiß, uneingeschränkter Treue, und uneigennüzigem grosmütigem Geiste, unsre Zeit in heilsahmen Geschäften, in geflissentlicher Sorge für das gemeine Beste hinzubringen. Alle Beschwerden und Müseeligkeiten dabei gerne und willig zu tragen. Unser Daseyn nach allem Vermögen, der menschlichen Gesellschaft, dem Reiche Gottes auf Erden, nüzlich zu machen. Bei dem allen, nicht bloß für den Ruhm und Lohn der Welt, sondern vornehmlich für Gottes Beifall und seine seelige Ewigkeit, zu arbeiten. Und auf solche Art, durch eine Menge frommer und menschenfreundli|a696|cher Arbeiten und Geschäfte, uns einen ewig bleibenden Schaz, im Himmel einzusamlen.
S o auch bei unsern Ergözungen, muß sich die herrschende ernstliche Begierde nach Gottes Beifall und der seeligen Ewigkeit, dieser himlische Sinn äussern. Wir müssen sie von allen sündlichen Ausschweifungen, aller Verlezung der christlichen Arbeitsamkeit, Keuschheit, Gerechtigkeit, Wohltätigkeit und Menschenliebe reinigen. Sie mit Dankbahrkeit gegen Gott, den liebreichen Geber, und öfterm Andenken an die unendlich-bessern Freuden, dort in unserm Vaterlande, im Himmel, geniessen.S o auch bei unsern Ergözungen, muß sich die herrschende ernstliche Begierde nach Gottes Beifall und der seeligen Ewigkeit, dieser himlische Sinn äussern. Wir müssen sie von allen sündlichen Ausschweifungen, aller Verlezung der christlichen Arbeitsamkeit, Keuschheit, Gerechtigkeit, Wohltätigkeit und Menschenliebe reinigen. Sie mit Dankbahrkeit gegen Gott, den liebreichen Geber, und öfterm Andenken an die unendlich-bessern Freuden, dort in unserm Vaterlande, im Himmel, geniessen.
B e i unsern Leiden, da besonders wird es sich zeigen, ob wir diesen himlischen Sinn an uns haben. Wenn wir sie insgesamt, mit gehorsahmer, demütiger Unterwerfung unter Gott, und dankbahrer Zufriedenheit tragen. Und zu unsrer immer grössern Reinigung, Besserung, und Vorbereitung für jenes rechte Leben gebrauchen.B e i unsern Leiden, da besonders wird es sich zeigen, ob wir diesen himlischen Sinn an uns haben. Wenn wir sie insgesamt, mit gehorsahmer, demütiger Unterwerfung unter Gott, und dankbahrer Zufriedenheit tragen. Und zu unsrer immer grössern Reinigung, Besserung, und Vorbereitung für jenes rechte Leben gebrauchen.
In unsrer Einsamkeit, und in unsern Gesellschaften, da wird sich jene herrschende ernstliche Begierde nach Gottes Beifall und der seeligen Ewigkeit, der himlische Sinn dadurch äussern: daß wir die Gelegenheiten zur Andacht, diesem feierlichen Umgange mit Gott und der Ewigkeit; recht fleissig, haushälterisch benuzen. – Daß wir durch Aufrichtigkeit, Liebesvolle Beurtheilung, und Behandlung unsrer Nebenmenschen; gelegentliche dankvolle Lobpreisung unsers Heilandes und seiner Religion; und treuen Gebrauch der Vergehungen, Thorheiten und Laster unsrer Nebenmenschen zu unsrer und ihrer Besserung, unsre Reden |a697| und gesamtes Betragen heiligen; Gott und der Ewigkeit weihen.In unsrer Einsamkeit, und in unsern Gesellschaften, da wird sich jene herrschende ernstliche Begierde nach Gottes Beifall und der seeligen Ewigkeit, der himlische Sinn dadurch äussern: daß wir die Gelegenheiten zur Andacht, diesem feierlichen Umgange mit Gott und der Ewigkeit; recht fleissig, haushälterisch benuzen. – Daß wir durch Aufrichtigkeit, Liebesvolle Beurtheilung, und Behandlung unsrer Nebenmenschen; gelegentliche dankvolle Lobpreisung unsers Heilandes und seiner Religion; und treuen Gebrauch der Vergehungen, Thorheiten und Laster unsrer Nebenmenschen zu unsrer und ihrer Besserung, unsre Reden |a697| und gesamtes Betragen heiligen; Gott und der Ewigkeit weihen.
S o muß der himlische Sinn, unser ganzes Leben reinigen; und allenthalben, einen uneingeschränkten willigen Gehorsahm gegen Gott, eine ungeheuchelte herzliche Liebe zu Ihm, zu allen Seinen Gebothen, und allen Seinen Menschen wirksahm machen!S o muß der himlische Sinn, unser ganzes Leben reinigen; und allenthalben, einen uneingeschränkten willigen Gehorsahm gegen Gott, eine ungeheuchelte herzliche Liebe zu Ihm, zu allen Seinen Gebothen, und allen Seinen Menschen wirksahm machen!
S e h e t hier, Meine Christl. Zuh[.]! eine so leichte, als sichre zuverlässige Probe unsers wahren Christenthums! Und unsers Antheils an Gottes Gnade und seinem Himmel! „Was begehre, wornach trachte ich am meisten und stärksten? Denke ich täglich an Gottes Gnade, und die Seeligkeit seines Himmels? Bin ich darum so recht herzlich besorgt? Ruft mir das Gewissen, bei meinen Handlungen und Reden ofte zu: wie schickt sich dieses für die Ewigkeit? Wie kan das mit Gottes Gnade bestehen? Oder ist es Ansehen, Reichthum, Macht, Titel, Pracht, Beifall, Würde, worauf ich am öftersten sinne, und wornach ich, nicht selten mit Ungeduld strebe? – – B e s c h ä f t i g e ich mich, mehr und ernstlicher damit, die Geseze meines Schöpfers, das Vorbild meines Heilandes, die Gesinnungen der Einwohner des Himmels kennen zu lernen? Als die Mittel, reich, geehrt und mächtig in der Welt zu werden?“ – – Niemand ist unter uns, der sich nicht diese Fragen vorlegen; und darauf gar bald, die klare und zuverlässige Antwort seines Gewissens hören könte.S e h e t hier, Meine Christl. Zuh[.]! eine so leichte, als sichre zuverlässige Probe unsers wahren Christenthums! Und unsers Antheils an Gottes Gnade und seinem Himmel! „Was begehre, wornach trachte ich am meisten und stärksten? Denke ich täglich an Gottes Gnade, und die Seeligkeit seines Himmels? Bin ich darum so recht herzlich besorgt? Ruft mir das Gewissen, bei meinen Handlungen und Reden ofte zu: wie schickt sich dieses für die Ewigkeit? Wie kan das mit Gottes Gnade bestehen? Oder ist es Ansehen, Reichthum, Macht, Titel, Pracht, Beifall, Würde, worauf ich am öftersten sinne, und wornach ich, nicht selten mit Ungeduld strebe? – – B e s c h ä f t i g e ich mich, mehr und ernstlicher damit, die Geseze meines Schöpfers, das Vorbild meines Heilandes, die Gesinnungen der Einwohner des Himmels kennen zu lernen? Als die Mittel, reich, geehrt und mächtig in der Welt zu werden?“ – – Niemand ist unter uns, der sich nicht diese Fragen vorlegen; und darauf gar bald, die klare und zuverlässige Antwort seines Gewissens hören könte.
W i e sehr wünschte ich, daß einem jeden unter uns sein Gewissen das Erstere bezeugen möchte! |a698| Wie recht, so recht herzlich wünschte ich, allen und jeden die mich hören, diesen himlischen Sinn einflössen zu können! Denn, Meine Theuresten! es giebt für uns schlechterdings keinen andern Weg, hier und dort glücklich zu seyn. Nimmermehr werden und können wir gute, Gott änliche Menschen werden, wofern wir nicht jenen himlischen Sinn an uns nehmen. – Nimmermehr können wir darohne, selbst das Irrdische Glück uns sichern. Denn Gott ist ja, der einzige Gebiether auch dieser irrdischen Güter. Und bei seinem Beifall und Vaterliebe muß uns auch davon, das heilsahme Maaß zu Theil werden, wenn gleich die ganze Macht und List der Welt sich dawider vereinigte. – Nimmermehr können wir darohne, zu einer dauerhaften Ruhe, Heiterkeit und Freude gelangen. Denn diese kan uns nichts, nichts in der ganzen Welt geben, als die aus den Früchten unsers Glaubens an Jesum geschöpfte Versicherung, daß wir, h i e r, unter der Regierung eines Gottes stehen, der uns mit Beifall und väterlicher Liebe zugethan ist; und d o r t, ein ewig-seeliges Leben gewiß zu erwarten haben!W i e sehr wünschte ich, daß einem jeden unter uns sein Gewissen das Erstere bezeugen möchte! |a698| Wie recht, so recht herzlich wünschte ich, allen und jeden die mich hören, diesen himlischen Sinn einflössen zu können! Denn, Meine Theuresten! es giebt für uns schlechterdings keinen andern Weg, hier und dort glücklich zu seyn. Nimmermehr werden und können wir gute, Gott änliche Menschen werden, wofern wir nicht jenen himlischen Sinn an uns nehmen. – Nimmermehr können wir darohne, selbst das Irrdische Glück uns sichern. Denn Gott ist ja, der einzige Gebiether auch dieser irrdischen Güter. Und bei seinem Beifall und Vaterliebe muß uns auch davon, das heilsahme Maaß zu Theil werden, wenn gleich die ganze Macht und List der Welt sich dawider vereinigte. – Nimmermehr können wir darohne, zu einer dauerhaften Ruhe, Heiterkeit und Freude gelangen. Denn diese kan uns nichts, nichts in der ganzen Welt geben, als die aus den Früchten unsers Glaubens an Jesum geschöpfte Versicherung, daß wir, h i e r, unter der Regierung eines Gottes stehen, der uns mit Beifall und väterlicher Liebe zugethan ist; und d o r t, ein ewig-seeliges Leben gewiß zu erwarten haben!
D i e s e n himlischen Sinn können wir, in die Sinnlichkeit und Eitelkeit ganz versunkene Menschen, uns durch eigene Kräfte freilich nicht geben. Gott ist es, der in uns beides das Wollen und Vollbringen wirket. – Aber Theureste Freunde! Gott wirket es nicht im Schlaf, oder durch Zwang seiner Allmacht. Sondern nicht anders, als vermittelst der vernünftigen Belehrungen seines Wortes! Lasset demnach, dies euer tägliches ernstliches Geschäfte seyn, euch mit den grossen |a699| Wahrheiten der Bibel, von Gott, dem einzigen Geber alles unsers Glücks, von dem ewig-seeligen Leben, das uns Jesus erworben, von dem Himmel wohin Er unser Heiland und Herr vorangegangen, uns die Wohnung daselbst zu bereiten, von dem tugendhaften Sinn und Leben, worohne niemand Gott änlich werden, und in den Himmel eingehen kan; mit diesen Wahrheiten, euch immer vertrauter; sie euch so recht einheimisch, gleichsahm zur andern Natur zu machen! Stellet ofte, in der Einsamkeit, unter lebhaftem Andenken an Gottes heilige Gegenwart, folgende Betrachtungen an: „Dieser Ruhm und Beifall, der mich jezo so sehr beschäftiget, dieser Ueberfluß, dieser grosse Gewinn, wornach ich strebe, was wird mir der, was werden mir alle Güter der ganzen Welt helfen, wenn ich nun krank da liege? Wenn ich nun aus der Welt gehe? – Wie wird es mich, in Trübsahlen, bei Krankheiten, auf dem Todtbette, wie in der Ewigkeit quälen, wenn ich bloß für diese Güter der Welt, oder für meine sündlichen Begierden gelebet! – Meine Eltern, Kinder, Ehegatten, Freunde, diese edelsten unter den irrdischen Gütern, wie kan ich mir diese anders als dadurch erhalten; daß ich mich und sie, des Himmels versichre, wo wir uns wiederfinden und ewig-glücklich, beisammen leben werden!“ – Diese und änliche Betrachtungen stellet ofte und ernstlich an! Erfüllet damit eure ganze Seele! Und traget sodenn, die Wirkungen davon, in den gehörigen Bekenntnissen, Demütigungen, Gebeten, Seufzern, oder Danksagungen, eurem Gott vor!D i e s e n himlischen Sinn können wir, in die Sinnlichkeit und Eitelkeit ganz versunkene Menschen, uns durch eigene Kräfte freilich nicht geben. Gott ist es, der in uns beides das Wollen und Vollbringen wirket. – Aber Theureste Freunde! Gott wirket es nicht im Schlaf, oder durch Zwang seiner Allmacht. Sondern nicht anders, als vermittelst der vernünftigen Belehrungen seines Wortes! Lasset demnach, dies euer tägliches ernstliches Geschäfte seyn, euch mit den grossen |a699| Wahrheiten der Bibel, von Gott, dem einzigen Geber alles unsers Glücks, von dem ewig-seeligen Leben, das uns Jesus erworben, von dem Himmel wohin Er unser Heiland und Herr vorangegangen, uns die Wohnung daselbst zu bereiten, von dem tugendhaften Sinn und Leben, worohne niemand Gott änlich werden, und in den Himmel eingehen kan; mit diesen Wahrheiten, euch immer vertrauter; sie euch so recht einheimisch, gleichsahm zur andern Natur zu machen! Stellet ofte, in der Einsamkeit, unter lebhaftem Andenken an Gottes heilige Gegenwart, folgende Betrachtungen an: „Dieser Ruhm und Beifall, der mich jezo so sehr beschäftiget, dieser Ueberfluß, dieser grosse Gewinn, wornach ich strebe, was wird mir der, was werden mir alle Güter der ganzen Welt helfen, wenn ich nun krank da liege? Wenn ich nun aus der Welt gehe? – Wie wird es mich, in Trübsahlen, bei Krankheiten, auf dem Todtbette, wie in der Ewigkeit quälen, wenn ich bloß für diese Güter der Welt, oder für meine sündlichen Begierden gelebet! – Meine Eltern, Kinder, Ehegatten, Freunde, diese edelsten unter den irrdischen Gütern, wie kan ich mir diese anders als dadurch erhalten; daß ich mich und sie, des Himmels versichre, wo wir uns wiederfinden und ewig-glücklich, beisammen leben werden!“ – Diese und änliche Betrachtungen stellet ofte und ernstlich an! Erfüllet damit eure ganze Seele! Und traget sodenn, die Wirkungen davon, in den gehörigen Bekenntnissen, Demütigungen, Gebeten, Seufzern, oder Danksagungen, eurem Gott vor!
|a700| M e i n e Theuresten Freunde! bei solchen täglichen Andachts-Uebungen, werdet ihr unausbleiblich die sanften, seeligen Einflüsse der göttlichen Kraft jener Wahrheiten, an euch erfahren. Ihr werdet es bald befinden, daß, so wie gehörig genossene Speise unsern Leib erquicket und stärket, also auch dieser tägliche, einsahme andächtige Umgang mit Gott und seinem Wort, euch den Neigungen und Sitten der Bewohner des Himmels änlich bilden, und dadurch schon hier, zu einem innigen Vorschmack ihres Glückes füren wird! In dem Maasse als ihr eure Begierden, auf Gott und die Ewigkeit heftet, und eure Seele und Wandel dem gemäß bildet: in dem Maasse, werden auch, alle eure Leiden den Stachel verliehren; jede eurer irrdischen Freuden sich verdoppeln; die Schrecken des Todes verschwinden; hingegen Ruhe und Freude, sich über euer Leben, Leiden und Sterben verbreiten. In dem Maasse, als ihr, dem Muster eures Heilandes änlich, in dem Maasse werdet ihr auch, seiner Schicksahle theilhaftig werden. Gott wird euch, so wie Ihn, an Seiner Vaterhand leiten! Durch seinen allmächtigen und allweisen Rath füren! Es euch niemahls an Ruhe und Freude gebrechen lassen! Auch die bittersten Trübsahle euch zu Freuden versüssen! Und denn am Ende, wenn die Erde nebst allem was drauf ist, euch auf ewig verlassen muß, alsdenn euch mit Ehre und Freude, zu Sich in den Himmel aufnehmen! Amen.|a700| M e i n e Theuresten Freunde! bei solchen täglichen Andachts-Uebungen, werdet ihr unausbleiblich die sanften, seeligen Einflüsse der göttlichen Kraft jener Wahrheiten, an euch erfahren. Ihr werdet es bald befinden, daß, so wie gehörig genossene Speise unsern Leib erquicket und stärket, also auch dieser tägliche, einsahme andächtige Umgang mit Gott und seinem Wort, euch den Neigungen und Sitten der Bewohner des Himmels änlich bilden, und dadurch schon hier, zu einem innigen Vorschmack ihres Glückes füren wird! In dem Maasse als ihr eure Begierden, auf Gott und die Ewigkeit heftet, und eure Seele und Wandel dem gemäß bildet: in dem Maasse, werden auch, alle eure Leiden den Stachel verliehren; jede eurer irrdischen Freuden sich verdoppeln; die Schrecken des Todes verschwinden; hingegen Ruhe und Freude, sich über euer Leben, Leiden und Sterben verbreiten. In dem Maasse, als ihr, dem Muster eures Heilandes änlich, in dem Maasse werdet ihr auch, seiner Schicksahle theilhaftig werden. Gott wird euch, so wie Ihn, an Seiner Vaterhand leiten! Durch seinen allmächtigen und allweisen Rath füren! Es euch niemahls an Ruhe und Freude gebrechen lassen! Auch die bittersten Trübsahle euch zu Freuden versüssen! Und denn am Ende, wenn die Erde nebst allem was drauf ist, euch auf ewig verlassen muß, alsdenn euch mit Ehre und Freude, zu Sich in den Himmel aufnehmen! Amen.
|a[701]| D i e s ist der Anfang der Erklärung und Entwickelung der Sontags-Evangelien, die ich meinen Zuhörern stückweise, wöchentlich vorzulegen denke. Ich werde nun in meinen Predigten kürzer seyn können, damit desto mehr Zeit zum Gebet, als einem Hauptstück des öffentlichen Gottesdienstes übrig bleibe. Auch erhalte ich dadurch Gelegenheit, selbst alsdenn wenn ich am Predigen gehindert werde, zu meinen Zuhörern zu reden. – Welch ein Glück für mich, wenn diese Abhandlung, nebst dem Gebet das ich beygefügt, dazu dienen, die reinen Kentnisse und erhabenen Tugenden des Christentums immer weiter, unter meinen Zuhörern, und in der Welt zu verbreiten! Göttingen den 17 Junius 1775.|a[701]| D i e s ist der Anfang der Erklärung und Entwickelung der Sontags-Evangelien, die ich meinen Zuhörern stückweise, wöchentlich vorzulegen denke. Ich werde nun in meinen Predigten kürzer seyn können, damit desto mehr Zeit zum Gebet, als einem Hauptstück des öffentlichen Gottesdienstes übrig bleibe. Auch erhalte ich dadurch Gelegenheit, selbst alsdenn wenn ich am Predigen gehindert werde, zu meinen Zuhörern zu reden. – Welch ein Glück für mich, wenn diese Abhandlung, nebst dem Gebet das ich beygefügt, dazu dienen, die reinen Kentnisse und erhabenen Tugenden des Christentums immer weiter, unter meinen Zuhörern, und in der Welt zu verbreiten! Göttingen den 17 Junius 1775.
G o t t f r i e d L e ß.