|a157| |b187| |c168| Zweyterc1 Abschnitt.
Philosophie.

c1: Zweiter

166.

Man kanc1 über allesc2 philosophiren, wovon sich erkennen läßt, wie es mit etwas andermc3 zusammenhängt (§. 2.), es mag die Frage das woher?ac4 oder /cwozu?c\c6 Ursachen oder Mittel, Wirkungen oder Absichten, /cbetreffen; und in so fernc\c7 eine Disciplin innerlich zusammenhängt, findet Philosophie beyc8 derselben /cstatt; es kana9 c\c10 eine Philosophie der Sprachen, der Geschichte, der Theologie und anderer Wissenschaften geben. Wenn aber Philosophie eine besondere Wissenschaft seyn soll:c11 so muß sie einen gewissen bestimmten Gegenstand haben, wodurch sie sich von andern Wissenschaften unterscheidet; und eben darüber, oder vielmehr über die Gränzen, die man ihr stecken soll, sindc12 die Meinungen /cso sehrc\c13 getheilt.

  • c14 c Sextus Empiricus im 7ten Buch wider die Logiker,a15 oder im ersten Buch περι φιλοσοφιας, gleich im Anfang.
  • /cAlex. Gottl. Baumgarten Philosophia generalis, Halae 1770. 8.c\
  • J. A. Eberhard von dem Begriffe der Philosophie und ihren Theilen, Berlin 1778. gr. 8.
  • cc J. F. Parrol Untersuchung über den Begriff der Philosophie. Greifswalde 1795.c
c1: kann c2: Alles c3: Anderm ac4: woher (a); Woher? (c) c6: Wozu? mag c7: betreffen. Insofern c8: bei a9: kann c10: statt. Es kann c11: soll, c12: waren c13: von jeher c14: Anm. Man vergl. a15: Logiker

|a158| |b188| 167.

/cNatürlich. Denn manc\c1 hatte längst und viel philosophirt,a2 ehe man an eine besondere Wissenschaft dieses Namens dachte. Man hatte allmählichc3 durch Beobachtung und Nachdenken über /cdas menschlichec\c4 Leben und /cHandlungen *), beyc\c5 den sich stets aufdringenden Fragen: |c169| woher und wozu? das Allgemeine und Beständige, was sich beyc6 mehreren einzelnena7 Dingen und ihren steten Veränderungen wahrnehmen läßt, bemerkt,a8 und von andern Kenntnissen abgesondert, und war, nach dieser Absonderung, auf die Natur der Dinge gekommen, aus der sich allein Rechenschaft geben ließ, wie eines mit dem andern zusammenhänge. So entstand nach und nach eine besondere Wissenschaft, die nur allgemeine und nothwendige Wahrheiten zum Gegenstand hatte, welche man hauptsächlich in Rücksicht auf den Menschen und auf allesc9 betrachtete, was in seine Beschaffenheit und Veränderungen einen Einfluß hatte, so wie diese ganze Wissenschaft aus der Betrachtung des Menschen und der gedachten Dinge geschöpft worden war. Wie sich indessen die Menge der gemachten Entdeckungen über die Natur der Dinge vervielfältigte, und man also für nöthig fand, selbst allgemeine und nothwendige Wahrheiten verschiedener Art von einander abzusondern,c10 und sie in besondere Wissenschaften zu vertheilen; wie man bemerkte, daß es unter diesen allgemeinen und nothwendigen Wahrheiten einige gäbe, welche die Beschaffenheit, andere, welche das Maaß oder |b189| die Quantität der |a159| Dinge beträfen:a11 so sonderte man, nach diesem Unterschied, diese allgemeinec12 Wahrheiten von einander ab, überließ das, was die Quantität anging, der Mathematik, /cundc\ behielt c13 der Philosophie bloß die allgemeine Beschaffenheit der Dinge vor. /a**)c14 a\

/c*)c\c15 S. die schöne Stelle vom Ursprung des Namens der Philosophie beyc16 Cicero Tuscul. Quaest. V, 3.
/a/c**) Freylichc\c17 ist der Kantische Begriff (in der Kritik der reinen Vernunft S. 724 f. nach der zweytenc18 Aufl.) noch genauer, wonach, wegen der ganz verschiedenen Art, |c170| wie beydec19 Wissenschaften ihre Gegenstände behandeln, die Philosophie eine Vernunftwissenschaft aus Begriffen, und die Mathematik eine Vernunftwissenschaft aus Construction der Begriffe ist, oder die den Begriff entsprechende Anschauung a priori, d. i. so darstellt, daß diese allgemeingültig für alle mögliche Anschauungen ist, die unter denselben Begriff gehören. Aber, weil sich doch nur der Begriff von Größen construiren, oder a priori in der Anschauung darstellen läßt;c20 so kanc21 auch nur die Quantität ein Gegenstand der Mathematik seyn; und so fern kanc22 gar wohl Philosophie und Mathematikc23 auch nach Verschiedenheit der Gegenstände, die sie behaltenc24, unterschieden werden.a\
c1: Dieß darf nicht befremden. Man a2: philosophirt c3: allmählig c4: menschliches c5: menschliche Handlungen, 1) bei c6: bei a7: einzlen a8: bemerkt c9: Alles c10: abzusondern a11: beträfen, c12: allgemeinen c13: dagegen c14: 2) c15: Anm. 1. c16: bei c17: Anm. 2. Freilich c18: zweiten c19: beide c20: läßt, c21: kann c22: kann c23: Mathematik, c24: behandeln

168.

Und auch so schien noch immer der Umfang der Philosophie zu groß;c1 so wie man auf einer andern Seite fand, daß er sich noch mehr erwei|b190|terte, je nachdem man den Menschen, der doch eigentlich zu aller Philosophie Gelegenheit gegeben hatte, in verschiedenem Zusammenhange und c2 allgemeinern Beziehungen betrachtete. Man bemerkte, daß er /cseinemc\ einem Theil c3 nach, in die Classec4 der Körper, dem andern nach aber, in die Classec5 der /cvorstellungsfähigen und verständigenc\ Wesen /cgehörtec\c6; daß beydec7 Arten der Dinge, Körper und /cvorstellungsfähige Wesen oderc\ Geister, /czu eingeschränktenc\c8 Wesen gehörten, die man zusammen Welt nenntec9; daß es auch ein uneingeschränktesc10 Wesen, eine Gottheit, geben könnte,a11 und sich ohne diesesc12 das Daseyn der eingeschränktenc13 und zufälligen Wesen nicht begreifen ließe; daß man beyc14 der Seele des Menschen Vorstellungen und Neigungen unterscheiden könntea15, wovon jene das Wahre oder Falsche, diese das Gute oder Böse zum Gegenstand hätten; daß man eben sowohl die |c171| Natur von beydenc16 untersuchen, als darnach Regeln c17 be|a160|stimmen könnteac18, das Wahre und Gute c20 zu finden und auszuüben; daß /cman den Menschen vor sich undc\c21 in natürlicher Verbindung mit verschiednenc22 Arten von Gesellschaften betrachten könnte.ac23 Je nachdem man dieses alles von einander unterschied, und jeder Art solcher allgemeinen Wahrheiten eine /cbesondre Wissenschaftc\c25 widmete: je nachdem mußten /cverschiedne Theile der Philosophie, und es mußte, weilc\c26 man /cschonc\ einmal gewisse Arten von allgemeinen Wahrheiten von eigentlicher Philosophie ausgeschlossen hatte, /cdie Frage entstehenc\c27, ob c28 nicht noch mehrere dergleichen Wahrheiten ganz von der Philosophie /c/akönnten |b191| abgesondert,a\a29 undc\c30 der Name der Philosophie c31 nur auf /ceinige Artenc\c32, und auf /cwelche? eingeschränktc\c33 werden c34?

c1: groß, c2: in c3: seines Wesens c4: Klasse c5: Klasse c6: gehörte, die verständig, d. i. fähig sind, Vorstellungen zu bilden c7: beide c8: in die Klasse endlicher oder eingeschränkter c9: nannte c10: uneingeschränktes a11: könte c12: diese c13: endlichen c14: bei a15: könte c16: beiden c17: zu ac18: könte (a); vermöchte (c) c20: theils c21: sich endlich der Mensch theils für sich, theils c22: verschiedenen ac23: könte. (a); lasse. – (c) c25: besondere Wissenschaft c26: verschiedene Theile der Philosophie entstehen. Und da c27: konnte ferner gefragt werden c28: sich a29: könten abgesondert c30: absondern ließen, c31: aber c32: einige Arten c33: welche, beschränkt c34: müsse

169.

Diese Verschiedenheit der Meinungen über den /cBegriff der Philosophiec\c1 wird dadurch noch mehr befördert, daß einige nichts darin aufgenommen wissen wollen, als sogenannte reine Vernunfterkenntniß, oder nur diejenigen allgemeinen Begriffe, diec2 die menschliche Seele aus sich selbst, aus der Betrachtung ihrer Eigenschaften und Veränderungen schöpfen kanc3, und was sich nach diesen Begriffen streng beweisen läßt. Hiedurchc4 würde das Gebiet der Philosophie sehr beschränkt werden, und man müßte alsdann, – weil man doch Ursach hat, überall, wo sich nur Zusammenhang denken läßt, zu philosophiren, und weil die meisten so nützlichena5 Kenntnisse der Natur keine solche Evidenz |a161| und strenge Herleitung allgemeiner Wahrheiten zulaßenac6 – wieder neue besondere Wissenschaften einführen, die danna7 doch größtentheils nur in der Methode von der eigentlichen Philosophie unterschieden /awärena\a8.

c1: Begriff der Philosophie, c2: welche c3: kann c4: Hierdurch a5: nützliche ac6: zulassen a7: denn a8: wären; so wie noch immer die Frage ist, ob nicht zuletzt, wo nicht fast alles, doch das meiste, was man zur reinen Vernunftskenntniß rechnet, sich in bloß moralische Gewißheit auflöse

|c172| 170.

Da nun der Sprachgebrauch über den Begriff der Philosophie nicht entscheidend ist, /cund in dem gegenwärtigen Buchec\c1 die meiste Rücksicht auf die Gestalt der Wissenschaften /cgenommen werden mußc\c2, wie sie unter uns und beyc3 dena4 akademischen |b192| Studien genommen werden:c5 so scheint es das sicherstec6, die Philosophie nach dem Umfang und c7 Gränzen zu /cnehmen, diec\c8 man ihr seit dem Ursprung der wolfischenc9 Philosophie angewiesen hat; und sonach möchte die Erklärung,a10 oder, wenn man will, Beschreibung der Philosophie /cdurch – diec\c11 Wissenschaft der Natur oder der allgemeinen Eigenschaften der Dinge überhaupt, und der geistigen, hauptsächlich der menschlichen, insbesondere,c12 – alle dazu gerechnetenc13 Theile und ihre allgemeine Absicht am bestimmtesten in sich fassen.

/cHiedurchc\c14 würde zugleich die sogenannte Naturwissenschaft oder Physik im engern Verstande, welche sich bloß mit Körpern beschäftigt, von der Philosophie, wie jetzt /anocha\ gemeiniglich geschieht, ausgeschlossen; obgleich die allgemeinsten Eigenschaften der Körper, oder was an ihnen |a162| unveränderlich ist, immer noch zur Philosophie gehören, und die Naturwissenschaft im weitern Verstande ausmachen.
c{Daß sich die Ansicht hiervon in den neuern Zeiten sehr geändert hat, ist bekannt. Aber etwas Festes ist selbst für die Schulsprache noch nicht daraus hervorgegangen. A. d. H.}c
c1: hier aber am zweckmäßigsten ist, c2: zu nehmen c3: bei a4: dem c5: werden; c6: Sicherste c7: den c8: betrachten, welche c9: Wolfischen a10: Erklärung c11: als der c12: insbesondere c13: gehörigen c14: Anm. Hierdurch

171.

Der Nutzen c1 der Philosophie ist augenscheinlich. Denn da sie uns über die Natur aller Dinge belehrt;a2 da sie den rechten Gebrauch aller unsrerc3 Kräfte zeigt;a4 da sich endlich alle Fragen, über die sich etwas Entscheidendesa5 sagen läßt, in die allgemeinen Begriffe und |c173| Grundsätze auflösen, die sie enthält: so ist sie der Grund aller andern Wissenschaften, in welchen ohne sie keine deutliche Gewißheit/a, so wie in Gesinnungen und Handlungen, |b193| die ja von Erkenntniß abhängen, keine rechte Vollkommenheit,a\ statt findet. Mit Recht heißt sie daher die Königin aller Wissenschaften; und sie verachten, heißt, alle Vernunft und Sicherheit im Denken und Handeln verachten. Ihr vielfältiger Nutzen wird sich noch mehr beyc6 ihren einzelnena7 Theilen angeben laßenac8.

c1: des Studiums a2: belehrt, c3: unserer a4: zeigt, a5: entscheidendes c6: bei a7: einzlen ac8: lassen

/a172.

Schon der ungemein große Umfang der Philosophie macht es nothwendig, die verschiedenen Hauptarten der Gegenstände, die sie untersuchen soll, von einander abzusondern, und nach Verschiedenheit solcher Hauptarten ihr verschiedene Theile zu geben, d. i. sie in besondrec1 Wissenschaften einzutheilen. Fast noch mehr sollte die verschiedene Art, wie wir zur Kenntniß dieser Gegenstände gelangen können, mit zu einer solchen Absonderung bewegen. Denn je nachdem diese Kenntniß entweder aus der Vernunft (im engsten Verstande) oder aus der Erfahrung geschöpft werden kann: je nachdem /ckan unsrec\c2 Erkenntniß von der Natur der Dinge allgemeiner und zuverläßigerc3 werden oder nicht. Soll nun vollends die Philosophie der Grund zu allen andern Arten von Kenntnissen und Wissenschaften werden (§. 171):c4 so ist es noch nothwendiger, das Allgemeine von dem, was dergleichen nicht ist, und das Gewisse oder Nothwendige von dem minder Zuverläßigenc5 zu trennen, damit nicht das Letztere, darum, weil man es willkührlich mit dem Erstern verbunden |b194| hat, für eben so gewiß und allgemein gehalten werde, als jenes, oder das Ansehnc6 jener vollkommnern |c174| Erkenntniß darunter leide, wenn man einsieht, daß die angebliche Allgemeinheit und Gewißheit andrerc7 damit in Verbindung gesetztenc8 Behauptungen ungegründet seyc9.

c1: besondere c2: kann unsere c3: zuverlässiger c4: 171.), c5: Zuverlässigen c6: Ansehen c7: anderer c8: gesetzter c9: sei

173.

Es läßt sich also alle Erkenntniß, und folglich auch alle, welche die Philosophie ausmacht, 1) nach den verschiednenc1 Quellen abtheilen, aus welchen sie geschöpft werden kanc2; und hiedurchc3 ensteht der Unterschied zwischen Erkenntniß /ca prioric\c4, oder Vernunfterkenntniß, Rationalkenntnißc5, und zwischen der /ca posterioric\c6, aus der Erfahrung, oder /cempirischen Erkenntniß;c\c7 ein Unterschied, beyc8 dem so viel Mißverstand herrscht, mit dem so schwankende Begriffe verknüpft werden, der selbst eine Quelle so mancher Irrthümer und falschenc9 Voraussetzungen wordenc10 ist, daß er wohl,c11 auch hierc12 wegen des Folgenden, genauer angegeben zu werden verdient.

c1: verschiedenen c2: kann c3: hierdurch c4: a priori c5: Rationalerkenntniß c6: a posteriori c7: empirische Erkenntniß: c8: bei c9: falscher c10: geworden c11: wohl c12: hier,

174.

Wenn wir auf die Geschichte unsrerc1 Vorstellungen und Erkenntnisse, d. i. darauf Acht geben, wie wir sie erlangt haben: so ists immer die Erfahrung, /cunsre eignec\c2 oder fremde, aber uns mitgetheilte, Erfahrung,c3 (Wahrnehmung), die uns den Stoff, oder das, was wir erkennen, gegeben hat; und selbst alsdann, wenn man an|b195|nimmt, daß gewisse Vorstellungen schon in unsrerc4 Seele liegen, die uns nicht erst brauchen durch die Erfahrung zugeführt c5 werden: so können doch diese nie Erkenntnisse werden, nie zu unserm Bewußtseyn kommen, nie können sie klar seyn, d. i. nie können wir das, was wir uns vorstellen (die bestimmten Gegenstände unsrerc6 Vorstellung) von der Vorstellung selbst unterscheiden, die wir uns davon machen, wenn nichts |c175| vorhanden ist, das auf unsrec7 Seele einen Eindruck gemacht (sie afficirt, Veränderungen in ihr hervorgebracht) hat. Alle unsrec8 Erkenntniß fängt also mit der Erfahrung an, und in so fern könnte man sagen:c9 daß alle unsrec10 Erkenntniß empirisch (oder a posteriori erlangt) wäre. Aber dieses berechtigt uns so wenigc11 sie so zu nennen, als wenn man alle Erkenntniß darum Erfahrungserkenntniß nennen wollte, weil wir sie als Handlung oder Veränderung in unsrerc12 Seele wahrnehmen. Allgemein wird doch ein Unterschied zwischen Erfahrungs- und Vernunftkenntniß, zwischen der a posteriori und c13 priori, anerkannt; es ist nur genau zu bestimmen, worin er bestehe.

c1: unserer c2: unsere eigene c3: Erfahrung c4: unserer c5: zu c6: unserer c7: unsere c8: unsere c9: sagen, c10: unsere c11: wenig, c12: unserer c13: a

175.

Der Deutlichkeit wegen setzen wir hier voraus:c1 daß alle unsrec2 Vorstellungen entweder aus und durch einen Gegenstand unmittelbar erzeugt werden, der sich unsrerc3 Seele (unserm innern Sinn oder den äussernc4 Sinnen) darstellt, /coder nicht unmittelbarc\c5. Jene, die sich unmittelbar auf den |b196| Gegenstand beziehen, der beyc6 uns die Vorstellung hervorbringt, nennen wir Eindrücke (Impressionen), oder, wie Andere lieber wollen, Anschauungen, welche innere oder äusserec7 sind, je nachdem sie vermittelst des innern Sinnes oder der äussernc8 Sinne entstehen,c9 und das Vermögen, dergleichen Anschauungen zu empfangen, c10 die Sinnlichkeit. Die andern, welche nicht unmittelbar durch unsrec11 Sinne hervorgebracht werden, heissenc12 mittelbare Erkenntisse oder Begriffe, die anders nichts sind, als Vorstellungen von Merkmalen der durch die Sinne erkannten Gegenstände:c13 sie mögen nun bloße Wiederholungen oder Nachbildungen der gehabten Anschauungen, also Werkec14 der Einbildungskraft, /coderc\c15 Vorstellungen von solchen Merkmalen seyn, die wir /cbey mehrernc\c16 Gegenständen erkannt, von ihnen abgezogen, und in Einen Begriff vereinigt haben, also allgemeine Begriffe, die ein Werk des Verstandes sind; von dem auch alle Urtheile, d. i. die Einsicht des Verhältnisses mehrerer Begriffe gegen einander, abhängen. – Ob nun gleich alle diese Erkenntnisse – sie mögen einzelne, d. i. Anschauungen,c17 oder Begriffe, oder verbundnec18, d. i. Urtheile, seyn – Wahrnehmungen oder Erfahrungen voraussetzen, /cwobey vorhandnec\c19 Gegenstände uns zu den Vorstellungen geleitet haben: so sind doch diese Erkenntnisse keinesweges alle aus solchen Gegenständen, sondern aus dem ursprünglichen Vermögen der Seele selbst entstanden, so daß /cdiese Erkenntnissec\c20 nicht c21 durch vorhandnec22 Gegenstände in die Seele hineingekommen, sondern |b197| von der Seele /cmit ihrem eignenc\c23 Vermögen entwickelt sind. Es giebt 1) Erkenntnisse, zu deren Erzeugung in uns schlechterdings erfordert wird, daß wir uns ein wirklich vorhandnesc24 Object vorstellen, z. B. einen Baum, ein Thier, ein Metall, Schmerz oder Lust, ja selbst ganze Sätze, als: daß die Bäume vom Frühling an grün sind, das Gold gelb und glänzend ist, daß alle Menschen sterben /cu. d. gl.c\c25 und, weil alsdann die Erkenntniß später ist als der Gegenstand:c26 so nennt man dieses,c27 Erkenntniß /ca posterioric\c28, empirische oder Erfahrungserkenntniß. Es giebt aber auch 2) Erkenntnisse, wozu eine Vorstellung von einem wirklich vorhandnenc29 Object, auf das sich unsrec30 Vorstellung bezieht, nicht erfordert wird, die also von aller Erfahrung schlechterdings unabhängig ist, z. B. der Begriff von Ursache, Nothwendigkeit,c31 und allen nicht sinnlichen Gegenständen, als Gott, Geist /cu. d. gl.c\c32 oder das Urtheil:c33 daß jede Wir|c177|kung oder jede Verändrungc34 eine Ursachc35 hat. Weil nun hier die Erkenntniß da seyn kanc36, ohne daß man sich ein wirklich vorhandnesc37 Object gedenktc38, und ehe man noch weiß, ob ein solches Object auch wirklich ist: so nennt man diese, Erkenntnisse /ca prioric\c39, oder auch Vernunfterkenntnisse, weil Vernunft das Vermögen ist, etwas aus Principien, /cd. i.c\c40 das Besondere aus dem Allgemeinenc41 zu erkennen, und eben diese Erkenntnisse a priori Gesetze oder Bedingungen sind, die aus der Natur unsersc42 Erkenntnißvermögens fliessenc43, ohne welche keine Erkenntniß der Objecte möglich ist.

|b198| c44 Da uns Erfahrung nur lehrt, daß Etwas so und so beschaffen seyc45, aber nicht, daß es nicht anders seyn könnte, und sie uns nur einzelne Fälle vorstellt: so sieht man, daß sie weder zu allgemeinen noch zu nothwendigen Sätzen (beydenc46 im strengsten Verstande) führe. Nothwendigkeit und Allgemeinheit eines Begriffs oder Urtheils ist also ein sichresc47 Kennzeichen einer Kenntniß a priori.
c1: voraus, c2: unsere c3: unserer c4: äußeren c5: oder daß es nicht unmittelbar geschieht c6: bei c7: äußere c8: äußern c9: entstehen; c10: heißt c11: unsere c12: heißen c13: Gegenstände, c14: Erzeug|c176|nisse c15: und der c16: bei mehreren c17: Anschauungen c18: verbundene c19: wobei vorhandene c20: dieselben c21: sowohl c22: vorhandene c23: durch ihr eigenes c24: vorhandenes c25: u. dergl., c26: Gegenstand, c27: dieses c28: a posteriori c29: vorhandenen c30: unsere c31: Nothwendigkeit c32: u. dergl., c33: Urtheil, c34: Veränderung c35: Ursache c36: kann c37: vorhandenes c38: denkt c39: a priori c40: das ist, c41: Allgemeinen, c42: unsres c43: fließen c44: Anm. c45: sei c46: (beiden c47: sicheres

176.

Diese Erkenntniß a priori enthält entweder ganz und gar nichts Wahrgenommnesc1; es ist darin ganz von allen sinnlichen Merkmalen abgesehnc2, z. B. beyc3 dem Begriff von Zahlen an sich (nicht den Tönen oder Zeichen, wodurch sie ausgedrucktc4 werden), von Möglichkeit, von Gott etc. oder beyc5 dem Satz: jeder Körper ist ausgedehnt; oder es ist in ihr doch etwas /cWahrgenommnes (empirisches)c\c6 enthalten, wovon wir ohne Empfindung keinen Begriff haben. In jenem Fall nennt man sie reine Vernunfterkenntniß (Erk.c7 die schlechterdings a priori ist)c8; in diesem Fall aber vergleichungsweise oder vermischte Erkenntniß a priori. – Ist die Philosophie, oder ein Theil derselben, durchaus |c178| aus reinen Anschauungen oder Begriffen geschöpft, enthält sie lauter reine Vernunftsätze: so verdient sie den Namen einer eigentlichen Wissenschaft im strengsten Verstande. Stützt sie sich aber zugleich auf empirische Begriffe, wenn sie gleich nach reinen Vernunftgesetzen verknüpft sind: so ist sie eine empirische oder Erfahrungsphilosophie.

|b199| /cBeyc\c9 allen bisher erwähnten Erklärungen sind die Kantischen Bestimmungen in der Kritik der reinen Vernunft, zweytec10 Aufl. Riga /c1787 inc\c11 gr. 8. zum Grunde gelegt, woraus man weitere Aufklärung derselben schöpfen kanc12.
⌇⌇c Die reine Philosophie, oder die philosophische Wissenschaftc13 beschäftigt sich also bloß mit dem, was gar kein Gegenstand der Sinne ist, es mögen nicht sinnliche Objecte oder dergleichen Eigenschaften sinnlicher Objecte seyn. Es sollte daher beyc14 allen Theilen der Philosophie das, was wirklich reine Erkenntniß ist, ganz von allem Empirischen geschieden werden, wenn man auch dieses Letztere, wegen der oben §. /c169 angegebnenc\c15 Ursach, mit in eine philosophische Wissenschaft aufnehmen wollte. Indessen giebt es Theile der Philosophie, die ganz reine Erkenntnisse enthalten, oder wenigstens ganz rein seyn können. Welche Theile diesc16 sind oder nicht, wird im Folgenden bemerkt werden.

cAnm. 2. Folgende Eintheilung des ganzen Gebiets der Philosophie dürfte zur verständigen Uebersicht ihrer einzelnen Theile nicht undienlich seyn. In der Hauptsache trifft sie mit den Ansichten des Verfassers des Werks zusammen.

    Philosophie.

  • I. Reine Philosophie.
    • A. Formale:
      • 1. reine allgemeine Logik.
      • 2. reine allgemeine Aesthetik.
    • |c179| B. Materielle:
      • A. Vorbereitende. – Kritik,
        • a. des Erkenntnißvermögens,
        • b. des Gefühlsvermögens,
        • c. des Anschauungsvermögens.
      • B. Abhandelnde.
        • a. Gegenstände des Erkennens:
          • α. allgemeine, trascendentale Philosophie,
          • β. besondere, Metaphysik.
            • aa. Metaphysik der Natur als
              • rationale Körperlehre,
              • rationale Seelenlehre.
            • bb. Metaphysik der Sitten,
              • allgemeine,
              • besondere,
                • Tugendlehre,
                • Naturrecht,
        • b. Gegenstände des Vernunftglaubens, Religionslehre.
  • II. Angewandte Philosophie.
    • A. Formale:
      • 1. angewandte allgemeine Logik.
      • 2. angewandte allgemeine Aesthetik.
    • B. Materiale:
      • 1. Angewandte Metaphysik der Natur.
        • a. Körperlehre. Physik.
        • b. Seelenlehre. Empirische Psychologie.
      • 2. Angewandte Metaphysik der Sitten.
        • a. Angewandtes Naturrecht,
          • α. Privatrecht,
          • β. Staatsrecht,
          • γ. Völkerrecht.
        • b. Angewandte Tugendlehre.
          • |c180| α. entwickelnd die Kräfte des heranwachsenden Menschen zum Ziele der Sittlichkeit. Pädagogik.
          • β. fördernd die fortschreitende Bildung des Erwachsenen. Ethik.

Uebrigens stellt fast jede Schule eine andere Classification auf. Der akademische Unterricht bleibt jedoch in der Regel bei den, besonders seit Wolf's Zeiten, beliebten Abtheilungen, und bringt das Ganze unter die Haupttitel: Logik, empirische Psychologie, Metaphysik, Naturrecht, Ethik oder Moral, Aesthetik. A. d. H.c a\

c1: Wahrgenommenes c2: abgesehen c3: bei c4: ausgedrückt c5: bei c6: Wahrgenommenes (Empirisches) c7: (Erkenntniß, c8: ist[)] c9: Anm. 1. Bei c10: zweite c11: 1787. c12: kann c13: Wissenschaft, c14: bei c15: 169. angegebenen c16: dieß

a172.

Man kann die Philosophie entweder nach den verschiedenen Gegenständen betrachten, mit welchen sie sich beschäftigt, oder nach der Art, wie darinn die Untersuchung derselben geschieht. – In jener (objectiven) Rücksicht theilt man sie in die theoretische oder, wie andere sagen, speculative, und in die praktische Philosophie. Denn, weil unsre Absicht bey aller Untersuchung und bey allem Gebrauche der Vernunft, Beförderung der menschlichen Glückseligkeit seyn muß, und die Philosophie eigentlich nur auf geistige Glückseligkeit abzielt, |a163| wozu die Kenntniß der Natur und besonders des Menschen gebraucht werden soll: so muß sie sowohl die Entdeckungen über die allgemeine natürliche Beschaffenheit der Dinge enthalten, als auch die Anwendung zur geistigen Glückseligkeit der Menschen zeigen; sie muß uns die Natur der Dinge kennen lehren und uns anweisen, wie wir der Natur folgen müssen.

Anm. 1. Die Zweydeutigkeit, die in den Worten geistige Glückseligkeit und Befolgung der Natur liegt, läßt es unentschieden, ob man diejenigen philosophischen Wissenschaften, die den Gebrauch unsrer Erkenntnißkräfte betreffen, zur theoretischen oder praktischen Philosophie rechnen solle. Eigentlich gehören sie zu der letztern, weil sie die rechte Anwendung der Erkenntnißkräfte zeigen, so wie die moralischen Wissenschaften die rechte Leitung unsers Willens. Weil man aber gewöhnlich nur die moralischen Wissenschaften zur praktischen Philosophie rechnet: so müßte man, wenn man sich an diesen Sprachgebrauch halten wollte, die Dialektik mehr mit den Alten für das Organon der Philosophie annehmen, und sie noch von beyden Arten der Philosophie unterscheiden.
Anm. 2. Nimmt man das was gut oder recht ist, als den Gegenstand des Willens an: so könnte man die moralischen Wissenschaften, wenn man auf sie die praktische Philosophie einschränken wollte, diejenigen nennen, welche sich mit dem, was nach der Natur gut oder recht ist, so wie die theoretischen die, welche sich mit dem, was nach der Natur wahr ist, beschäftigen.

|a164| 173.

Beyderley Philosophie muß unzertrennlich verbunden werden. Die praktische Philosophie ist ohne die theoretische unsicher und ungründlich; die theoretische ohne jene, kein Mittel zur menschlichen Glückseligkeit, und befriedigt bloß die Wißbegierde, die nicht einmal genugsamen Reitz hat, wenn sie nicht durch den zu hoffenden Einfluß des Gefundenen auf unsre Glückseligkeit immer zur Untersuchung ermuntert wird.a

/a177.

Wenn man aber 2) (§. 173c1) die Philosophie nach der Verschiedenheit der Gegenstände, oder vielmehr der Begriffe von diesen Gegenständen, abtheilen will, welche sie untersucht: so beschäftigt sie sich entweder mit der Materie oder mit der Form des Verstandes, /cd. i.c\c2 sie betrachtet entweder die Objecte des Denkens, oder sie sieht von allen diesen ab, und untersucht bloß die Art und Weise, wie sich Objecte denken laßenc3, die nothwendigen und allgemeinen Regeln des Denkens überhaupt. |b200| Jenen Theil der Philosophie kanc4 man daher den materiellen, diesen den formellen nennen, oder von jenem den Namen der Metaphysik (mit Kant, im engern Sinn) brauchenc5, so wie dieser Theil die Logik oder Vernunftlehre ist, die auch beyc6 den Alten /cDialektik genenntc\c7 wurde.

Anm.c8 1. Metaphysik nennt Kant (Kritikc9 der reinen Vernunft S. 869c10) im weitesten Verstande die ganze reine Philosophie, selbst die Propädevtikc11 dazu, oder die Kritik der reinen Vernunft, mit einbegriffen;c12 im engern Sinn aber, und noch unterschieden von der Kritik der reinen |c181| Vernunft, das System der reinen Vernunft, oder die ganze, wahre sowohl als scheinbare, philosophische Erkenntniß aus /cR. V. im systematischenc\c13 Zusammenhange. Bekanntlich wird Metaphysik auch, sofern sie von Logik unterschieden ist, von der theoretischen Philosophie im Unterschiede von der praktischen genommen, wie man unten (§. 182c14) sehen /cwird; diesc\c15 wäre denn die dritte und engste Bedeutung des Worts.
Anm.c16 2. Die Logik heißt auch die Instrumentalphilosophie c17; aber dieser /cletztrec\ Name begreift mehr in sich. Denn wir haben eben sowohl ein Vermögen, gewisse Eindrücke von Gegenständen zu empfangen, als ein Vermögen, das Mannichfaltigec18, also gewisse Merkmale eines Gegenstandes, in Eine Vorstellung, mehrere Eindrücke in Einen Begriff, mehrere Begriffe zu Einem höhern oder allgemeinern Begriff, oder in Ein Urtheil, und mehrere Urtheile in Einemc19 Schluß, zu verbinden, mit einenc20 Wort, zu denken. Jenes Vermögen ist die Sinnlichkeit |b201| (unternc21 Kräfte der menschlichen Seele), dieses der Verstand (obernc22 Kräfte), und wir bedürfen eben sowohl einer Wissenschaft der Regeln für jene, als für diesenc23. Aber die Logik ist nur eine Wissenschaft der letzternc24; hingegen die erstere müßte die Aesthetik enthalten, /cin so fernc\c25 sie c26 nicht, wie man sie seit /cAlex. Gottl. Baumgartenc\c27 nimmt, /csichc\ auf /cSchönheitc\c28 einschränkt, oder Philosophie /cfür diec\c29 schönen Wissenschaften ist, die doch nur empirische Regeln begreifen würde, sondern /ceine transcendentalec\c30 Aesthetik genenntc31 werden könnte. – Selbst die allgemeinec32 Grammatik gehört mit Recht zur Instrumentalphilosophie, da wir ohne Zeichen und Wörter nicht denken können, und Mängel oder Fehler der Sprachec33 selbst dergleichenc34 im Denken nach sich ziehen. Allein noch erwartet diese eine möglichst systematische Bearbeitung, wozu wir, seitdem Harris (1751c35) mit seinem /cvortreflichen Hermesc\c36 vorgegangen ist (Hermes, oderc37 philosophische Un|c182|tersuchung über die allgemeine Grammatik, von Jakobc38 Harris, übersetzt von C. G. Ewerbeck, Halle /c1788 inc\c39 gr. 8.) nurc40 manche Beyträgec41 erhalten haben.
c⌇⌇c Diese Beiträge sind nicht unwichtig, namentlich:
  • J. M. Meiner's Versuch einer an die Sprache angebildeten Vernunftlehre, oder philosophische allgemeine Sprachlehre, Leipzig 1781.
  • A. Ed. Bernhard allgemeine Sprachlehre, 2 Theile. Berlin 1800–1803., und desselben Anfangsgründe der Sprachwissenschaft. Ebend. 1805.
  • J. S. Vater's Versuch einer allgemeinen Sprachlehre, Halle 1801., nebst dem Auszug: Lehrbuch der allgemeinen Grammatik für Schulen Halle 1806.
  • A. J. Sylvester de Sacy Grundsätze der allgemeinen Sprachlehre, bearbeitet von Vater. Halle 1804.c a\
c1: 173. c2: d. i., c3: lassen c4: kann c5: gebrauchen c6: bei c7: Dialekt genannt c8: Anm. c9: (Kritik c10: 869. c11: Propädeutik c12: einbegriffen c13: reiner Vernunft in systematischem c14: 182. c15: wird. Dieß c16: Anm. c17: (Organon) c18: Mannigfaltige c19: Einen c20: Einem c21: (untere c22: (obere c23: diese c24: letzteren c25: insofern c26: sich c27: Alex. Gottl. Baumgarten c28: die Theorie des Schönen c29: der c30: zu einer transcendentalen c31: erhöht c32: allgemeine c33: Sprache, c34: Fehler c35: (1751. c36: vortrefflichen Hermes c37: oder c38: Jacob c39: 1788. c40: noch c41: Beiträge

a174.

Gemeiniglich pflegt man jetzt zu der theoretischen Philosophie die Logik, (Vernunftlehre, Philosophiam rationalem) und die unter dem unbequemen Namen der Metaphysik zusammengefaßten Wissenschaften zu rechnen, auch beyderley Wissenschaften mit dem Namen der Philosophiae primae zu belegen, weil sie bey den praktischen Wissenschaften zum Grunde liegen. Die erstre heißt auch, aus dem §. 172. Anm. 1. angegebnen Grunde, die Instrumentalphilosophie.

Zwar sollte diese Instrumentalphilosophie nicht bloß auf die Logik eingeschränkt werden. Denn, weil diese sich eigentlich nur mit Leitung des Verstandes oder der obern Kräfte der Seele beschäftigt, die untern Kräfte aber eben sowohl einer richtigen Leitung bedürfen, und der rechte Gebrauch von beyderley Seelenkräften nebst der Mittheilung unsrer Gedanken sehr vom richtigen Gebrauch der Sprache abhängt: so gehörte die Aesthetik und die allgemeine Grammatik mit eben so vielem Recht zur Instrumental|a165|philosophie. Aber die letzte ist noch nicht so bekannt, wie sie es verdiente, sie ist daher auch noch nicht zu den Rang einer besondern Wissenschaft erhoben worden. Und was man unter dem Namen der Aesthetik hat, schränkt sich auf Schönheit ein, ist Philosophie für die schönen Wissenschaften; nach dem Sprachgebrauch aber zählt man die strengern Wissenschaften zur eigentlichen Philosophie, und was die Leitung der untern Seelenkräfte zur Beförderung der Wahrheit angeht, wird, wie das wenige Allgemeine von Sprache, so weit beydes wissenschaftlich behandelt ist, in der Logik erwehnt, weil es bey rechten Gebrauch des Verstandes zur Grundlage dient.a

/a178.

Da die /cLogik 1)c\c1 die allgemeinenc2 Regeln, und zwar /c2)c\ des /cDenkens überhauptc\c3, enthalten soll (§. 177):c4 so muß man darin 1) von allen besondern Arten der Gegenstände absehen, auf die das Denken gerichtet ist, und bloß die Form des Denkens in Anschlag nehmen; sie muß eine allgemeine |b202| oder Elementar-Logik seyn, die den allgemeinen Gebrauch des Verstandes lehrec5; 2) müßtec6 sie, ohne Rücksicht auf diesen und jenen Verstand, nur die schlechthin nothwendigen Gesetze des Denkens in sich fassen, ohne die gar kein Gebrauch des Verstandes möglich ist,c7 sie müßtec8 also gar nicht auf Gründen unsrerc9 Erfahrung, sondern auf lauter Grundsätzen a priori beruhen, /cd. i.c\c10 eine reine Logik seyn. Indessen soll sie doch eigentlich den menschlichen Verstand in Erkenntniß der Wahrheit leiten, und daher unsernc11 Bedürfnissen angemessen seyn. Zu diesem Zweck muß sie also Vieles aufnehmen, was wir von unsern |c183| Kräften und den Regeln, wodurch diese geleitet werden, von deren Einschränkungen, von den in uns und unsernc12 Umständen liegenden Hindernissen der Erkenntniß der Wahrheit, von den uns möglichen Mitteln, Wahrheit zu finden und Irrthum zu vermeiden, nur aus der Erfahrung wissen, und daher Manches aus der Psychologie, und überhaupt aus der Anthropologie, entlehnen. Weil nun alsdann die allgemeinen reinen Verstandesgesetze auf den menschlichen Verstand, nach dessen Einschränkungen und Hindernissen, angewendet werden, dergestalt, daß gezeigt werden soll, wie unser Verstand auch beyc13 diesen Einschränkungen richtig denken solle: so nennen Manche, nach Kant (Kritik der reinen Vernunft S. 77) diese Anweisung, die sich auch mit auf empirische Grundsätze gründet, imc14 Unterschiede von der reinen Logik, die allein nur eine Wissenschaft im strengsten Verstande ist, diec15 angewandte Logik, welche alsdann noch |b203| immer eine allgemeine Logik ist, /cso fernc\c16 sie den rechten Gebrauch des Verstandes, ohne Rücksicht auf besondrec17 Gegenstände, lehrt, ob sie gleich, ausserc18 den allgemeinen Gesetzen des Denkens, auch die besondern für den menschlichen Verstand in sich faßt. – Der reinen und angewandten Logik /czusammen genommen (beydec\c19 mögen übrigens besonders vorgetragen oder vermischt werden), könnte man den Namen der Logik im weiternc20 Verstande geben.

Anm.c21 1. Billig sollte indeß beyc22 dem Vortragc23 der Logik die reine von dieser angewandten geschieden, und erst jene besonders, alsdann diese vorgetragen, /cd. i.c\c24 es sollten erst hinterdreinc25 die allgemeinen Gesetze des Denkens auf den Gebrauch des menschlichen Verstandes angewendet werden. Einen Versuch findet man davon gemacht in dem Grundriß der allgemeinen Logik und kritischen Anfangsgründe der allgemeinen Metaphysik, |c184| von /cLudw. Heinr.c\c26 Jakob, zweytec27 umgearbeitete Auflage, Halle /c1791 inc\c28 8.
Anm.c29 2. Mit dem Namen der angewandten Logik belegen auch Manche das, was sie, im Unterschiede von der allgemeinen Logik, die besondere Logik nennen, oder die Methodenlehre (nehmlichc30 die besondrec31, nicht transcendentellec32, welche letztrec33 einen Haupttheil der Kritik der reinen Vernunft ausmacht), worin Regeln zum rechten Gebrauch des Verstandes, in Rücksicht auf besondrec34 Arten von Gegenständen, vorgetragen werden. Diese bleibt eben hierdurch von der allgemeinen angewandten |b204| Logik, die in dem §. beschrieben ist, verschieden. Das meistec35, was zu dieser letzternc36 allgemeinen gehört, macht den Inhalt desjenigen aus, was man gemeiniglich praktische Logik nennt, und darunter gewisse Uebungen nach den Regeln der Logik, z. B. im Bücherlesen, Disputiren, Vortragc37 überhaupt u. s. f. begreift.
Anm.c38 3. Die Logik soll also eben sowohl den rechten Gebrauch des Verstandes lehren, als den unrechten verhindern, folglich auch in dieser letztern Absicht verhüten, daß man nicht das für wahr halte, was nur wahr scheint,c39 (das heißt nicht: was wahrscheinlich ist,c40 denn dies /cletztre ist wahr, und nur eine mangelhafte Erkenntnißc\c41, sondern: was trüglich ist). Da nun die Dialektik der Alten auch lehrte, scheinbar etwas darzustellen, oder Blendwerken den Anstrich der Wahrheit zu geben, diesc42 aber unanständig ist; da es sich hingegen sehr der Mühe verlohnt, zu zeigen, wie man Schein von Wahrheit unterscheiden solle: so nennt Kant (/cK. d. R. V.c\c43 S. 85 f. 249 f.) den Theil der Logik, der eine Kritik des Scheins der Wahrheit enthält, die Dialektik (im engern Verstande also; vergl. §. 177c44) oder die Logik des Scheins, und den Theil derselben, welcher den rechten Gebrauch der Vernunft zeigt, die Analytik (Logik der Wahrheit), weil sie das formale Geschäftec45 des Verstandes in seine Elemente /cauflöst. –c\c46
c1: Logik c2: allgemeinen c3: Denkens überhaupt c4: 177.), c5: lehrt c6: muß c7: ist; c8: darf c9: unserer c10: d. i., c11: unseren c12: unseren c13: bei c14: zum c15: die c16: sofern c17: besondere c18: außer c19: zusammengenommen (beide c20: weiteren c21: Anm. c22: bei c23: Vortrage c24: d. i., c25: nachher c26: Ludwig Heinrich c27: zweite c28: 1791. c29: Anm. c30: (nämlich c31: besondere c32: transcendentelle c33: letztere c34: besondere c35: Meiste c36: letzteren c37: Vortrage c38: Anm. c39: scheint c40: ist; c41: Letztere kann wahr seyn c42: dieß c43: Krit. d. reinen Vern., c44: 177. c45: Geschäft c46: auflößt.

|c185| 179.

Wenn uns die Logikc1 die allgemeinen und nothwendigen Regeln des Denkens überhauptc2 und |b205| ihre Anwendung auf den menschlichen Verstand lehren soll (§. 178):c3 so muß sie erstlich jene Regeln selbstc4 vortragen. Sie muß daher 1) zeigen, wie und nach welchen Gesetzen der Verstand verfährt (Logische Elementarlehre), und zu dem Ende theils den Unterschied des Verstandes von der Sinnlichkeit (§. 177c5 Anm. 2.), die verschiednenc6 Arten der Vorstellungen, und der Erkenntnisse insbesondre,c7 mit ihren verschiednenc8 Vollkommenheiten darstellen, theils die besondern Wirkungen des Verstandesc9 und dessen Wirkungen in Bildung und Beurtheilung der Begriffe, Urtheile und Schlüsse, mit den Regeln, wonach er dabeyc10 richtig verfährt, darstellen; und 2) lehren, wie diese einzelnen Wirkungen, Begriffe u. s. w. aufs deutlichste gemacht, und in eine solche Vereinigung gebracht werden, daß daraus ein möglichst vollkommnesc11 Ganze oder System der Erkenntniß entstehe (Logische Methodenlehre). – Hernach muß sie diese Regeln in Hinsicht auf die mannigfaltigen Einschränkungen des menschlichen Verstandes vorlegen, soc12 in der angewandten Logik oder in dem Theile derselben geschieht, worin sie, neben jenen allgemeinen Regeln, Erfahrungssätze zu Hülfe nehmen muß. Sie muß diese Einschränkungen selbst erklären, sie mögen von der Sinnlichkeit, welche die Gegenstände dem Verstande zuführt, oder von den Mängeln und Fehlern unsrerc13 Einbildungskraft und unsers Gedächtnisses, oder von der Unvollkommenheit unsrerc14 Aufmerksamkeit, |c186| oder den Mängeln und Fehlern der Sprache, und überhaupt der Zeichen, ohne die |b206| wir nicht denken können, oder von äusserlichenc15 Umständen herrühren. Sie muß die verschiednenc16 Arten und Quellen des bloßen Scheins der Wahrheit, der Irrthümer und des Mangels der Ueberzeugung, aufdecken, und zeigen, wie diese Fehler zu entdecken, oder wie ihnen abzuhelfen seyc17. Sie muß zugleich die Mittel angeben, wie man die Erkenntniß der Wahrheit erweitere;c18 was für Eigenschaften man selbst dazu mitbringen, und wie man einen richtigen Gebrauch von den Quellen der Wahrheit, sowohl der eignenc19 und fremden Erfahrung, als auch der Vernunft, machen müsse. Endlich muß sie auch lehren, wie man beyc20 Mittheilung der erkannten Wahrheit an Andere, zu verfahren habe.a\

c1: Logik c2: überhaupt, c3: 178.), c4: selbst c5: 177. c6: verschiedenen c7: insbersondere c8: verschiedenen c9: Verstandes, c10: dabei c11: vollkommenes c12: was c13: unserer c14: unserer c15: äußerlichen c16: verschiedenen c17: sei c18: erweitern, c19: eigenen c20: bei

a175.

Die Logik ist eine Wissenschaft von dem rechten Gebrauch der Vernunft. Weil dieser aber richtige Empfindungen und deren rechten Gebrauch voraussetzt, und er sich, eben sowohl in Ueberzeugung Andrer von erkannter Wahrheit, als in Auffindung der Wahrheit selbst, äussert: so bekommt sie dadurch einen weitern Umfang, als es nach jenem Begriff scheinen möchte. Sie sollte demnach zeigen: wie wir zu verschiednen Arten von Begriffen gelangen, daraus Urtheile bilden, und daraus Schlüsse herleiten; wie wir Wahrheit finden, und sie von dem, was falsch ist, oder nur wahr scheint, unterscheiden; wie wir überhaupt das Erkannte richtig ausdrücken, und auch Andern die erkannte Wahrheit so mittheilen sollten, daß sie davon überzeugt, und von falschen oder blendenden Vorstellungen zurückgebracht würden. Sie sollte also auch die |a166| verschiednen Arten der menschlichen Erkenntniß, ihre guten Eigenschaften und Fehler vorstellen, die Ursachen von beyden entdecken und die Mittel angeben, wie jene erhalten und befördert, diese verhütet, gehoben, oder doch vermindert werden können.a

180a1.

Dera2 Nutzen /adieser Wissenschafta\ ist /agar nicht zu verkennen, /cso baldc\c3 man nur weiß, was sie istc4 und leisten kanc5, und den Werth dessen, was sie leistet, zu schätzen weißc6a\a7. /a– Was ist der Mensch, der keinen Verstand hat, oder, welches ohngefähr einerleyc8 ist, c9 ihn nicht recht zu /cbrauchen weiß?c\c10 Wie unendlich vielen Verirrungen im Denken, und, da hievon auch die Verderbnisse des Herzens oder Willens nebst allen Ausschweifungen abhängen, die aus Fehlern in Begriffen, Urtheilen und Schlüssen entstehen,c11 wie sehr der Macht böser Neigungen und Eindrücke ist er ausgesetzt?c12 oft und alsdann unvermeidlich ausgesetzt, wenn er den Schein falscher Vorstellungen nicht von Wahrheit zu unterscheiden weiß.c13 Die Ursachen dieser |b207| Mängel, Verirrungen und Blendwerke kennen, und wissen, wie man sie entdecken und vermeiden soll, ist denn doch schonc14 der halbe Weg zur c15 Glückseligkeit, auf denc16 man wenigstens nie sicher fortschreiten kanc17, ohne von richtigen Regeln des Verstandes geleitet zu werden. – |c187| Und sind diese Regeln der Probierstein aller Wahrheit; giebts keine Wissenschaft, wo sie nicht müßten zum Grunde liegen, um allesc18 danach zu prüfen,c19 und richtig zu verbinden; so bleibt die Logik zu jeder Wissenschaft, wozu sie die Vorbereitung enthält, wie zu aller Untersuchungc20 unentbehrlich. – Man hat es auch mit Recht als merkwürdig anerkannt, daß sie – wenn man allenfalls die Wegräumung einiger entbehrlichenc21 Subtilitäten, oder die Verbannung dessen, was andernc22 Wissenschaften angehört, oder einige genauere Bestimmungen und mehrere Regelmäßigkeit im Vortrag,c23 abrechnet – seit Aristotelesc24 Zeit keinen Schritt weder /chabec\ vor- noch rückwärts c25 thun dürfen, undc26 also eine fast vollendete Wissenschaft zu seyn schienec27. – Nur muß man nicht mehr von ihr fordern, oder ihr mehr zuschreiben, als sie ihrer Natur nach /cliefern kanc\c28. Denn sie betriftc29 doch nur die Form der Erkenntniß (§. 177c30), und in ihr kommt die Materie oder c31 Stoff zur Erkenntniß gar nicht in Anschlag (§. 178c32); dieser muß ihr also erst anderwärtsher gegeben werden, und sie prüft und verbindet ihn nur; auch gehört zur richtigen Erkenntniß eben sowohl Untersuchung ihres Inhalts, als ihrer Form. Ohne Kenntniß und Beobachtung der Regeln des /cVerstandes kanc\c33 also zwar |b208| keine sichrec34 Erkenntniß je erhalten werden; aber allein führt diese Kenntniß zur Wahrheit nicht; und wer es darauf anlegen wollte, ohne anderweitige Erkundigung nach den Gegenständen selbst, bloß mit der Logik die Gegenstände zu beurtheilen, oder gar neue Wahrheit zu erfinden, der würde sich und Andrec35 sehr betrügen, und höchstens die armselige Kunst zur Ausbeute bekommen, was er wollte, mit einigen Schein zu behaupten oder zu bestreiten.a\

a1: 176 a2: Ihr c3: sobald c4: ist, c5: kann c6: versteht a7: sonach augenscheinlich, und man kan sie zu keiner Art gründlicher Kenntnisse in den Wissenschaften entbehren c8: einerlei c9: der c10: gebrauchen weiß! c11: entstehen: c12: ausgesetzt, c13: weiß! c14: selbst c15: wahren c16: dem c17: kann c18: Alles c19: prüfen c20: Untersuchung, c21: entbehrlicher c22: anderen c23: Vortrag c24: Aristoteles c25: habe c26: sie c27: scheine c28: leisten kann c29: betrifft c30: 177. c31: der c32: 178. c33: Verstandes, kann c34: sichere c35: Andere

|c188| /a181.a\

Legta1 man /ahingegen dieser Wissenschaft nicht mehr beyc2, als bisher gesagt worden ist:c3 so wird man ihr auch nicht mit Recht die Vorwürfe machen /ckönnen: –c\c4 a\a5 daß sie, wenigstens so wie wir sie in den gewöhnlichen Lehrbüchern haben, das nicht leiste,a6 was sie sollte; /cc\ daß sie hingegen mit vielen Spitzfündigkeitenac7 und unnützen Dingen angefüllt /csey; –c\c8 daß sie nur Gelegenheit gebe, Armuth an Kenntnissen durch den Schein tieferer Einsichten zu bedecken; /cund – daßc\ eine natürliche Logik c9 weit mehr werth /cseya10 c\c11 als /aeine kunstmäßige. /cc\ Der dritte Vorwurf triftc12 doch diese Wissenschaft selbst so wenig, als diejenigen, welche ihren vorhin bestimmten eingeschränkten Zweck und Werth erkennen; er triftc13 nur die, welche sich von ihr überspannte Begriffe machen, oder, anstatt die Regeln dieser Wissenschaften zu nutzen, um Wahrheit von Schein sorgfältig zu unterscheiden, geflissentlich darauf ausgehnc14, Blendwerke statt gegründeter Wahrheit unterzuschieben. – Aus |b209| den Lehrbüchern, diec15 diese Wissenschaften vortragen, ist doch schon vieles Entbehrliche und Fremde verbannt, in sie mehr Bestimmtheit und Ordnung gebracht, selbst reine und empirische Logik mehr von einander gesondert worden; und man hätte wohl Ursach, erst genau zu untersuchen, ob das, was noch von leerer /cSpitzfündigkeit sollc\c16 zurück geblieben seyn c17, diesen Namen auch wirklich verdiene, ehe man etwas für unnütz oder für leeres Spielwerk erklärt. – Endlich, eine natürliche Logik, die von einer künstlichen unterschieden seyn soll, kanc18 doch anders nichts seync19 als eine Sammlung von richtigen Gesetzen des Denkens, die man sich nur nicht deutlich, oder nicht als Theile eines wohl zusammenhängenden Ganzen, denkt; so wie die kunstmäßige, wenn man sie nicht, aus Unwissenheit, oder um |c189| sie nur verächtlich zu machen, anders sich oder Andern vorstellt, als wie sie wirklich ist, nichts anders seyn kanc20, als ein wirkliches System der Regeln des Verstandes. Und alsdann übertriftc21 letztere die erstrec22 eben so sehr, als deutliche und zusammenhängende Erkenntniß die undeutliche und fragmentarische. Eine solche Logik macht uns nicht nur auf Vieles aufmerksam, was wir sonst wohl übersehen hätten, sondern sie sichert uns auch fürc23 der Gefahr, Schein für Wirklichkeit zu nehmen; sie führt zu allgemeinen Sätzen, die beyc24 jeder Art von Erkenntnißc25 und in allen Fällen, wo wir denken und untersuchen, unentbehrlich sind; sie erspart uns also auch Umwege, und macht unsrec26 Tritte sicherer.a\

adie kunstmäßige: so sollte man 1) so gerecht seyn und ihr das nicht zum Vorwurf machen, was man gegen alle menschliche Kenntniß und Wissenschaften sagen kan, daß sie eines steten Wachsthums fähig sind, und nach und nach erst sich der Vollkommenheit nähern; sich eben diese Mängel dazu ermuntern lassen, ihre Gränzen und deren Cultur, wenn man es vermöchte, nach den weitaussehenden Begriffen zu erweitern, die man sich mit Recht von dem macht, was sie leisten sollte; und, könnte man dieses nicht selbst, wenigstens das dankbar brauchen, worin sie unsern Bedürfnissen zu Hülfe kommt.a

cAnm. Unter einer Menge Lehrbüchern der Logik, welche wir in neueren Zeiten erhalten haben, zeichnen sich aus:
  • I. Kant's Logik. Königsberg 1806.
  • J. G. E. F. Kiesewetter's Grundriß einer allgemeinen Logik, 2 Bände. Berlin 1802.
  • J. F. Frieß System der Logik. Heidelberg 1811.
  • F. E. Maaß Logik. Halle 1800.c
a1: ⌇⌇a Wirft c2: bei c3: ist, c4: können, a5: ihr dagegen vor: – a6: leiste ac7: Spitzfindigkeiten c8: sei; c9: uns ac10: sey, (a); seyn müsse, (c) c12: trifft c13: trifft c14: ausgehen c15: welche c16: Spitzfindigkeit c17: soll c18: kann c19: seyn, c20: kann c21: übertrifft c22: erstere c23: vor c24: bei c25: Erkenntniß, c26: unsere

/a|b210| 182.

Indessen istc1 die Logikc2 doch nur eigentlich der Vorhofc3 zur Philosophie, oder sie rüstet den Verstand, der die Natur der Dinge untersuchen will, nur mit den Regeln aus, ohne welche er nicht richtig und sicher verfahren kanc4. Die eigentliche Philosophie hingegen enthält die Kenntniß der Natur selbst, oder beschäftigt sich mit Begriffen, die nicht auf die Form des Verstandes, sondern auf die Dinge oder Objecte selbst gehnc5. Diese materielle Philosophie (§. 177.) nennen einige:c6 Metaphysik im engern Verstande, weil sie ebendenselben Namen im weitern Verstande, aller |c190| reinen Philosophie, die Logik also mit einbegriffen, geben; und sie würde dann eben sowohl das in sich fassen, was man zur praktischen, als was man zur theoretischen Philosophie,c7 zu rechnen pflegt. Gemeiniglich aber nimmt man Metaphysik so, daß man sie noch eben sowohl von der praktischen Philosophie, als von der Logik,c8 unterscheidet. Diesc9 wäre also der engste Sinn des Worts (§. 177c10 Anm. 1.), der noch eine weitere Erläuterung verdient.

c1: bleibt c2: Logik c3: Vorhof c4: kann c5: gehen c6: Einige c7: Philosophie c8: Logik c9: Dieß c10: 177.

183.

Alle vernünftige Wesen haben, als solche, das Vermögen, sich in ihren Handlungen unmittelbar nach der Vernunft zu bestimmen,c1 und darin besteht eben, was man praktische Freyheitc2 oder Freyheitc3 des Willens nennt, so wie sittlich, moralisch, praktisch, allesc4 was sich auf |b211| diese Freyheitc5 bezieht. /cSo fernc\c6 sich die Philosophie mit diesem Sittlichen beschäftigt, oder mit dem, was nach der Vernunft seyn und geschehen soll, heißt sie /cdiec\ praktische /cPhilosophie, so fernc\c7 sie aber davon absieht, und das untersucht, was ist oder seyn kanc8, heißt sie die theoretische oder speculative. Soll beyderleyc9 Philosophie eine eigentliche Wissenschaft im strengsten /cSinn seyn:c\c10 so muß sie sich nur auf Begriffe des reinen Verstandes stützen, und nur reine Vernunftsätze enthalten (§. 176c11). Dergleichen theoretische Philosophie heißt, /cbey Kant *),c\c12 Metaphysik der Natur, und dergleichen praktische, Metaphysik der Sitten.

/c*)c\c13 Kritik /cder R. V.c\c14 S. 868 f.c15 und in der Vorrede zur Grundlegung der Metaphysik der Sitten, Riga 1785. /cinc\ gr. 8.c16
/cAnm. 1.c\ ⌇⌇c Die gedachte Metaphysik der Natur ist eben das, was sonst gewöhnlich Metaphysik |c191| oder Metaph.c17 im engsten Verstande heißt (§. 182); nur daß Kantc18 der Metaphysik, wie sie in den gewöhnlichen Lehrbüchern erscheint, diesec19 Eigenschaft abspricht, daß sie durchaus reine Vernunft enthalte. Ein Versuch, die reinen Begriffe darin von den empirischen ganz abzusondern, ist schon §. 178c20 Anm. 1. angeführt worden. Uebrigens können manche Theile der Philosophie, der Erfahrungsgrundsätze gar nicht entbehren, und nie Wissenschaften im strengsten Verstande werden. Was dieses für Theile der Philosophie seync21, wird sich in der Folge zeigen.
|b212| /cAnm. 2.c\ ⌇⌇c Diejenigen, welche theoretische und praktische Philosophie von einander scheiden, und die Logik zu jener rechnen, begreifen unter dem Namen der theoretischen, Logik und Metaphysik zugleich; sie nennen auch beydec22 Wissenschaften zusammen,c23 die Philosophiam primam, weil beydec24 vor der praktischen Philosophie vorhergehen, und beyc25 ihr zum Grunde liegen.a\
c1: bestimmen; c2: Freiheit c3: Freiheit c4: Alles c5: Freiheit c6: Sofern c7: Philosophie; sofern c8: kann c9: beiderlei c10: Sinne seyn, c11: 176. c12: bei Kant, *) c13: Anm. S. c14: d. rein. Vern. c15: f., c16: 8. – c17: Metaphysik c18: Kant c19: die c20: 178. c21: seyen c22: beide c23: zusammen c24: beide c25: bei

a|a167| 177.

Man sollte 2), zumal wenn man noch kaum selbst zu denken angefangen hat, sich sehr hüten, nichts als unnütz oder als leere Spitzfindigkeit zu verachten, ehe man nicht, durch lange Uebung und Aufmerksamkeit in genauer Untersuchung, den rechten Werth aller Bestimmungen und Regeln, die diese Wissenschaft giebt, schätzen gelernt hätte. Man würde ohnehin, bey mehrerer Bekanntschaft mit verschiedenen Schriftstellern, welche diese Wissenschaft bearbeitet haben, bald finden, daß manches nur durch die Bedürfnisse gewisser Zeiten nothwendig gemacht würde, und daß Vorwürfe überflüßiger Spitzfindigkeiten jene Schriftsteller nicht so treffen, wie andre sonst grosse Köpfe, die in der ersten Dämmerung dieser Wissenschaft eben bey zu angestrengten Blicken manchen Dunst für etwas Wirkliches ansahen, den ihre Nachfolger hätten für das ausgeben sollen, was es war, und es zum Theil auch wirklich gethan haben.

178.

Zur Decke armseliger Kenntnisse wird 3) niemand diese Wissenschaft brauchen, wer sie nur für das nimmt, wofür sie jeder Vernünftiger ausgiebt, für Werkzeug oder vielmehr für eine Wegweiserin auf dem dornichten Wege gründlicher Untersuchungen. Je mehr man seine Kenntnisse zu erweitern sucht, und je mehr man dadurch überzeugt wird, daß sich kein Werkzeug brauchen läßt, wo es an genugsamen Stoff fehlt, den man be|a168|arbeiten kan, und daß selbst eine lange achtsame Uebung dazu gehöre, um zu lernen, wo man gewisse Werkzeuge anwenden kan oder nicht: je weniger wird man in Versuchung seyn, diese schätzbare Wissenschaft am unrechten Orte oder gar als Spiel der Eitelkeit zu gebrauchen.

179.

Und wenn es gleich wahr ist, daß Kunst ohne Natur nichts vermag: so ist es doch 4) eben so wahr, daß Natur durch Kunst unterstützt, weiter kommen und sichrer gehen kan, als wenn sie dieser Unterstützung entbehren muß. Die Vernunftlehre als Kunst betrachtet, folgt keinen andern Regeln als die natürliche Logik. Aber diese verhält sich zu jener fast wie blosse Empfindung zu bedächtigem Nachdenken. Das letztere macht uns erst auf vieles aufmerksam, was wir sonst übersehen hätten; es berichtigt die Empfindung, die zu leicht in Gefahr ist Schein für Wirklichkeit zu nehmen; es führt mehr zu allgemeinen Sätzen, die untentbehrlich sind, wo man in ähnlichen Fällen ähnlich verfahren soll; es erspart uns also auch Umwege, und macht unsre Tritte sicherer.a

184a1.

Unter dem a2 Namen der /aeigentlich sogenannten Metaphysik (§. 183c3 Anmerk. 1c4)a\a5 begreift /aman,a\a6 seitdem a7 Wolf /asiea\ bearbeitet hat, die Ontologie, Kosmologie, Psychologie und a8 natürliche /aTheologie; und wie diese Wissenschaften zusammenkommen, desgleichen wie sie von einander verschieden sind, läßt sich auf folgende Art fassen. Die Metaphysik beschäftigt sich entweder mit Begriffen von Dingen überhaupt, oder mit Begriffen von besondern Dingen. Jenem Theilc9 oder Wissenschaft hat man deswegen den Namen der Ontologie, auch der Transscendentalphilosophie, zugeeignet; hingegen diesen Theil, der die dreyc10 letztgenannten Wissenschaften unter einem gemeinschaftlichen Namen zusammenfassen könnte, nennt Kant rationale Physiologie.a\

aTheologie. Warum man diese so |a169| verschiedne Wissenschaften in Eine gezogen habe, läßt sich aus dem abnehmen, was oben §. 172 gesagt worden ist. Wird die Logik von der theoretischen Philosophie getrennt (§. 172 Anm. 1): so ist die Metaphysik eben das, was vorhin theoretische Philosophie hieß. Schwerlich wird man eine bestimmtere Erklärung von dieser Wissenschaft geben können; es sey denn, daß man die Philosophie in so enge Gränzen einschlösse, als §. 169 erwähnt worden ist, oder nur das angeben wollte, worin sich alle Theile der Metaphysik vereinigen, nicht aber, wodurch sie sich zusammen von allen andern Wissenschaften unterscheiden. Um so nöthiger ist es, von jedem ihrer Theile besonders zu reden.a

a1: 180 a2: sehr zufälligen c3: 183. c4: 1. a5: Metaphysik a6: man nach dem jetzigen Zustand dieser Wissenschaft a7: sie a8: die c9: Theile c10: drei

|c192| 185a1.

Alles was ist, oder alle Dinge, haben /aManchesa\a2 mit einander gemein. Wenn man /a/cdiesesc\c3 allen Dingen /cGemeine absondertec\c4, und die |b213| allgemeinsten Begriffe und Gesetze in Eine Wissenschaft vereinigtec5: so würdec6 daraus die /cOntologie entstehen, und sie würdec\c7 mit Recht die Grundwissenschaft und Mutter aller Wissenschaften heissenc8, weil dieses Allgemeine beyc9 allem Besondern zum Grunde liegen muß, ohne sie also eine eigentliche Wissenschaft nicht einmal nöthigc10 ist.a\

adiese von dem absondert, wordurch sich verschiedne Dinge von einander unterscheiden, und diese allgemeinen Eigenschaften sowohl, als die daraus fliessende allgemeine Sätze, in Eine Wissenschaft verbindet: so entsteht die Ontologie, (Philosophia prima) die daher, durch die Wissenschaft der allgemeinen Eigenschaften der Dinge und der daraus abzunehmenden allgemeinen Sätze, erklärt werden könnte.
So bald man Dinge vergleicht, um zu sehen was sie gemein haben, so setzt man voraus, daß sie verschieden sind, und aus ihrer Verschiedenheit entstehen Verhältnisse gegen einander. Da|a170|her gehört der Begriff der Verschiedenheit und des Verhältnisses, in so fern beydes allen Dingen zukommt, mit unter die allgemeinen Eigenschaften der Dinge, und die Ontologie muß daher von der allgemeinen Verschiedenheit der Dinge und den allgemeinen Verhältnissen derselben, die keinen andern Begriff als den von einem Dinge voraussetzen, eben sowohl als von dem handeln, was ganz eigentlich allen Dingen gemein ist.
182.
Weil also die Ontologie die allgemeinen Begriffe und Grundsätze enthält, die bey aller menschlichen Kenntniß zum Grunde liegen, daher sie auch die Grundwissenschaft heißt: so verdient sie mit Recht die Mutter aller Wissenschaften genannt zu werden.a
– Beyc11 jeder recht sichernc12 Erkenntniß müssen die Begriffe und Sätze so weit wieder in andrec13 aufgelöset werden, bis man auf solche stößt, die keiner weitern Auflösung fähig oder bedürftig sind; a14 und es ist daher leicht zu begreifen, wie die Ontologie, /cwelchec\c15 dergleichen unauflösbare Begriffe und Sätze /aenthalten müßtec16a\a17, die Sicherheit der Erkenntniß /abegründen würde. – Eben so: jea\a18 weiter Zweifel getrieben /cwerden:a19 jec\c20 nöthiger wird es, um ihren Grund oder Ungrund zu entdecken, bis auf die einfachsten Begriffe und solche Sätze zurück zu gehen, die keines weitern Beweises bedürfen, und die eben den Inhalt der Ontologie ausmachen /asolltena\. /cc\ Und kommt es auf die Frage von Allgemeinheit eines Satzes an:c21 so läßt /csich diec\c22 weder aus der |a171| Inductionc23 noch aus der Analogie, sondern bloß aus allgemeinen Begriffen darthun, dergleichen die Ontologie entweder enthält oder unterstützt. /cc\ Gewiß ists auch kein geringer Vortheil, den man von /adem Studiuma\ dieser Wissenschaft hat, daß /cman,a24 c\c25 ohne ihre Kenntniß nicht nur Vielesa26 nicht verstehen noch beurtheilen kanc27, was aus ihr in andre Wissenschaften, namentlich in die Theologie, übergetragen worden /cist –c\c28 sondern daß man auch eine Menge |b214| sehr be|c193|stimmter Begriffe, Sätze und Ausdrücke kennen lernt, die, eben wegen dera29 Allgemeinheit, einen großena30 Einfluß auf alle wissenschaftliche Kenntniß haben.

a1: 181 a2: manches, haben gewisse Eigenschaften, c3: nun das, was c4: gemein ist, absondert c5: vereinigt c6: entsteht c7: Ontologie. Sie wird c8: genannt c9: bei c10: möglich c11: Bei c12: sicheren c13: andere a14: sonst ist man in Gefahr durch Schein hintergangen zu werden; c15: wenn sie c16: sollte a17: enthält a18: begründe. – Je a19: werden, c20: werden, desto c21: an, c22: sie sich c23: Induction, a24: man c25: man a26: vieles c27: kann c28: ist; a29: ihrer a30: grossen

186a1.

Zu verwundern ists indessen nicht, daß diese Wissenschaft so viele ungerechte Verachtung erfahren /achat. Dennac\ac2 keine Wissenschaft /aliegta\ von den gemeinnützigen Kenntnissen so weit entfernt a4, und /aziehta\ sich so weit auf die einfachsten Begriffe und Sätze zurück a5, als /adiese. Die wenigsten Menschen besitzen Fähigkeit oder Geduld genug,a\a6 sich bis zu diesen feinsten und ganz unsinnlichen Vorstellungen zu /aerheben. /cUnd manchec\c7 Verehrer der Ontologie c8 habena\a9 sich so sehr von anschauenden Vorstellungen /aentwöhnt;c10 haben sicha\a11 um andrec12 Gegenstände der menschlichen Erkenntniß /aso wenig bekümmert;a\a13 oder gar sich im Stande zu seyn eingebildet a14, über Allesa15 zu entscheiden, weil sie sich im Besitz einer Erkenntniß der allgemeinen |a172| Beschaffenheit aller Dinge zu seyn /aglaubten; oder sie haben in dieser Wissenschaft so Vielesc16 zu leisten übernommen, was sie weder wirklich leisteten, noch zu leisten vermochten, daß hinterher diesec17 Wissenschaft selbst das entgelten mußte, was c18 ihre Verehrer verschuldet /chatten *).c\c19 So wahr es indessen ist, daß man sich nirgends leichter, als /cbey dieser Wissenschaftc\c20,a\

aglaubten. Die Verachtung dieser Thoren berechtigt uns zu keiner Ungerechtigkeit gegen die Wissenschaft selbst.
184.
Wahr ists, man kan sich leichta
in unfruchtbare Untersuchungen verlieren /akanc21a\, wenn man entweder zu wenig Sachen kennt,a22 und zu wenig Stoff hat, aus welchen sich das Allgemeinea23 abziehen läßt, oder |b215| nicht die Gränzen wahrnimmt, wo der menschliche Verstand stillec24 stehen /amuß:c25 so hängt docha\a26 von der fortgesetzten Zergliederung gewisser Begriffe oder Sätze unsre Gemüthsruhec27 oder die weitrec28 Entdeckung der Wahrheit /aso sehr ab, und der rastlose Trieb denkender Menschenc29 über die |c194| Gräntzenc30 des Sinnlichen hinaus zu gehnc31, ist ihnen so wenig umsonst gegeben, daß selbst die Befriedigung dieses Triebes ihnen die Pflicht auferlegt, wenigstens zu versuchen, wie weit der menschliche Geist in das Gebiet übersinnlicher Dinge eindringen könne, ohne die ihm von der Natur gesetzten Gränzen zu überschreiten.a\
aabhängt; und wenn wir sowohl Fähigkeit als Data genug zur Untersuchung haben; wenn man zugleich immer die Regeln befolgt, die weiter unten über das vorsichtige und bescheidene Studium der Philosophie gegeben werden sollen: warum soll es unnütz und nicht sogar Pflicht seyn, auch die Begriffe und Sätze bey unsern Untersuchungen bis zu den ersten Grundstoffe, wohin wir dringen können, zu verfolgen?a

/ac32 *) Ob die Vorwürfe, welche Kantsc33 Kritik der reinen Vernunft den bisherigen Versuchen der Ontologen und Metaphysiker gemacht hat, gegründet sind, und ob ihm sein Versuch in einer so höchst nöthigen Wissenschaft, wie diese Kritik, als Propädevtikc34 der Philosophie, seyn soll, besser gelungen seyc35, darüber hier urtheilen zu wollen, würde ganz und gar dem Zweckc36 des gegenwärtigen Buchs nicht angemessen seyn, wo alles dieses nur /cbrauchtc\ historisch angegeben /czu werden.c\
cwerden kann. {Daß der unstreitig viel zu sichere Glaube der Vorzeit an die Lehrsätze der Ontologie, und überhaupt die Metaphysik, durch die Kantsche Kritik sehr gemäßigt ist, ist unläugbar, und die Zweifel daran gehen wenigstens nicht bei Allen von Verachtung oder Unbekanntschaft mit ihrem Inhalt aus. A. d. H.}c a\
a1: 183 ac2: hat; da (a); hat; denn (c) a4: liegt a5: zieht a6: diese; da die Wenigsten c7: Manche c8: aber a9: erheben, Fähigkeit oder Geduld haben; und da manche ihrer Verehrer c10: entwöhnt, a11: entwöhnt, und, ohne sich um die Zwischenursachen zwischen diesen abgezogensten Sätzen und den sinnlichsten Erscheinungen, oder c12: andere a13: zu bekümmern, die grosse Lücke zwischen beyderley Gegenständen übersprungen, a14: haben a15: alles c16: vieles c17: die c18: nur c19: hatten. *) c20: auf diesem Gebiet c21: kann a22: kennt a23: Geistige c24: still c25: muß; a26: muß. Aber, wenn c27: Gemüthsruhe, c28: weitere c29: Menschen, c30: Gränzen c31: gehen c32: Anm. c33: Kant's c34: Propädeutik c35: sei c36: Zwecke

/a187.

Die übrigen dreyc1 Wissenschaften, welche §. 184c2 zur theoretischen Philosophie gerechnet wurden, und darin mit einander übereinkommen, daß sie sich nicht mit Begriffen von Dingen überhaupt, sondern mit Begriffen von besondern Dingen beschäftigen, bekommen eine ganz andere Gestalt, |b216| je nachdem man diese Theile der Philosophie entweder zu strengen Wissenschaften erheben, d. i. nur reine Anschauungen, Begriffe und Sätze darin aufnehmen, oderc3 auch mit auf Erfahrungen und Erfahrungssätze bauen will (§. 176c4). – In jenemc5 Fall laßen sich vierc6 verschiedene Wissenschaften denken. Denn entweder sind die Gegenstände dieser Wissenschaften Dinge, welche /ckönnenc\ |c195| wahrgenommen oder erfahren /cwerden,c\c7 (sie sind uns, um mit Kantc8 zu reden, immanent, und gleichsam einheimisch), oder sie können dies gar nicht, sondern gehen über alle uns mögliche Erfahrung hinaus,c9 (sie sind transscendent). – Im erstern Fall bauet man nicht etwa auf Erfahrung,c10 (denn so wären es ja nicht reine Begriffe), man nimmt nur aus dieser Erfahrung einen Gegenstand des äussernc11 oder innernc12 Sinnes, mit dessen Untersuchung sich die Wissenschaft beschäftigt, ohne noch etwas Mehreres ausserc13 den bloßen Begriff, aus der Erfahrung zu entlehnen. Und da allesc14, was wir durch Erfahrung kennen, entweder Materie, etwas Ausgedehntes, oder Geist, etwas Denkendes, ist, und jenes, d. i. die körperliche Natur, durch die äussernc15 Sinne erkannt wird, dieses aber, nemlichc16 die denkende Natur, durch innern Sinn: so entsteht eine Wissenschaft der körperlichen Natur, d. i. die Physik, oder vielmehr rationale Physik, oder metaphysische Naturwissenschaft, und eine andere Wissenschaft der denkenden Natur, d. i. rationale Pnevmatologiec17, worunter die Wissenschaft unsrerc18 denkenden Natur, oder unsrerc19 Seele, unter dem Namen /cder |b217| rationalenc\c20 Psychologie, mit begriffen ist. – Wenn hingegen, in dem vorhinerwähnten zweytenc21 Fall, der besondrec22 Gegenstand, der in der Metaphysik untersucht werden soll, ausserc23 den Gränzen aller Erfahrung liegt:c24 so begreift dieser zum Grunde liegende Begriff entweder Alles, was sich als existirend denken läßt, als ein Ganzes betrachtet, das man daher das Universum oder die Welt nennt, oder das Wesen, welches man sich als den absoluten Grund der Welt denkt. Jene Wissenschaft würde die Kosmologie oder transscendentalec25 Welterkenntniß; |c196| diese, die rationale Theologie, oder transscendentale Gotteserkenntniß seyn.

c26 So findet man überhaupt die Begriffe von dieser Wissenschaft in Kantsc27 Kritik der reinen Vernunft geordnet S. 873 f., womit noch seine Vorrede zu den metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaft, Riga 1786. gr. 8. zu vergleichen ist; in welchem Buche selbst er einen Versuch gemacht hat, eine metaphysische Naturwissenschaft zu liefern, die keinesweges mit dem zu verwechseln ist, was man gewöhnlich Physik nennt, als welche Erfahrungsbegriffe und dergleichen Gesetze aufnimmt. – Uebrigens zeigt §. 170c28, warum wir in dem Folgenden auch die metaphysische Naturwissenschaft übergehen.
c{Auch sehe man
  • L. Bendavids Vorlesungen über die metaphysischen Anfangsgründe der Naturwissenschaft. Wien 1789.
  • F. M. J. Schelling's Ideen zu einer Philosophie der Natur, 2 Theile. Leipzig 1797.
  • F. Bouterweck Anleitung zur Philosophie der Naturwissenschaft. Göttingen 1803.}c
c1: drei c2: 184. c3: oder c4: 176. c5: jenem c6: hier c7: werden können c8: Kant c9: hinaus c10: Erfahrung c11: äußeren c12: inneren c13: außer c14: Alles c15: äußeren c16: nämlich c17: Pneumatologie c18: unserer c19: unserer c20: rationale c21: zweiten c22: besondere c23: außer c24: liegt, c25: transcendentale c26: Anm. c27: Kant's c28: 170.

188.

So wahr es indessen ist, daß nur reine Philosophie eine eigentliche strenge Wissenschaft giebt, |b218| und so nützlich es daher bleibt, wenn man Wissenschaften in einem weitern Verstande so abhandelt, daß der bloß reine Theil derselben von dem Theile abgesondert werde, der empirische Kenntnisse zu Hülfe nehmen muß: so würde doch der Inhalt der Philosophie alsdann, wenn man ihn nur auf reine Kenntnisse einschränken wollte, gar zu dürftig seyn, und für das menschliche Leben zu wenig brauchbar werden (§. 169c1); und wohin anders sollte man den reichen Schatz von Kenntnissen, den uns die Erfahrung über die Natur darbietet, schlagen, |c197| als zur Philosophie? Wir werden also im Folgenden auch immer dieses Empirische mit zu den einzelnen Theilen der Philosophie rechnen.

cAnm. Ich gestehe, daß ich in dem, was §. 183–188. über den Inhalt der Philosophie und der Beziehung ihrer Theile enthalten ist, dem Ideengange des Verfassers nicht überall habe folgen können. Um so weniger aber möchte ich mir erlauben, hierin etwas abzuändern. A. d. H.c a\
c1: 169.

a185.

Auch muß man wenig mit dieser Wissenschaft und den Werth bestimmter Begriffe und Ausdrücke bekannt seyn, wenn man sie für nicht viel mehr als ein Wörterbuch hält und deswegen geringschätzt. Dies ist sie nicht, denn sie enthält auch die allgemeinsten Grundsätze der menschlichen Erkenntniß. |a173| Und, da sie eben die Begriffe aufklären muß, worin sich endlich alle andre auflösen lassen, hierauf aber die Deutlichkeit und Sicherheit der menschlichen Erkenntniß beruht: so ist ihr Verdienst um diese, eben durch diese sorgfältige Erklärung der Begriffe, unstreitig, und sie deswegen so wenig verächtlich, als diese Haupttugenden der Erkenntniß selbst; behagt aber denenjenigen nicht, die weder diese wichtigern Eigenschaften schätzen, noch sich über das Sinnliche erheben können. Wie wohl würde es um die menschliche Erkenntniß stehen, wenn sie sich immer auf so bestimmte Begriffe gründete, und man der Ontologie die Genauigkeit auch in dem Gebrauch der Wörter ablernte!a

189a1.

Weil in der /aPhilosophie über unsrec2 Seele und über Gott Vielesa\a3 nicht recht deutlich erklärt werden kanc4, wenn nicht der Begriff von der Welt, d. i. c5 dem Inbegriffa6 aller zu einem Ganzen vereinigten endlichen Dinge, die wirklich sind oder seyn köntenc7, vorher entwickelt ist, und ihre Eigenschaften und Gesetze bestimmt sind: so fand Wolf für gut, dieses in eine besondere Wissenschaft zu ziehen, die daher den Namena8 der allgemeinen Kosmologie bekam, weil sie das, was allen Welten gemein seyn muß, und nichta9 wie die besondere Kosmologie, nur das, was wir aus Beobachtung der wirklichen Welt erkennen, enthalten sollte. Ihr Nutzen ergiebt sich aus ihrem Verhältniß gegen die eben genannten beydenc10 Theile |b219| der /cMetaphysik von Gottc\c11 und der /cSeele des Menschenc\c12.

a1: 186 c2: unsere a3: Psychologie und natürlichen Theologie vieles c4: kann c5: von a6: Inbegrif c7: könnten a8: Nahmen a9: nicht, c10: beiden c11: Metaphysik von Gott c12: Seele des Menschen

|a174| 190a1.

Einen viel /cweit reichendernc\c2 Nutzen würde die Seelenlehre (Psychologie) selbst haben, da /csichc\ kein Theil der theoretischen Philosophie c3 unsern Bedürfnissen näher /candringtc\ als sie c4. Zu ihrer Kenntniß kanc5 man auf zweyc6 Wegen gelangen. Man kanc7 zuerst die verschiedenen Veränderungen in der Seele beobachten, diese Beobachtungen sammlenc8, mit |c198| einander vergleichen, dadurch deutliche Begriffe davon gewinnen, ihre Kräfte, oder vielmehr die verschiednenc9 Arten, wiec10 sich die einzige Kraft der Seele äussertc11, und die allgemeinen Gesetze zu entdecken suchen, nach welchen unsrec12 Seele beyc13 jeder Art ihrer Wirkungen verfährt. So entstünde eine Naturgeschichte der Seele, welche man die empirische Seelenlehre nennt, weil sie aus der Erfahrung c14 geschöpft worden ist. Hätte man jene Kräfte und Gesetze entdeckt, und gefunden, daß sich alle wahrgenommene verschiedene Kräfte derselben auf die einzige Vorstellungskraft zurückbringen laßenac15: so könnte man hernach wieder aus diesem Begriff und den entdeckten Gesetzen, nach welchen sie verfährt, neue Entdeckungen über die Seele herleiten,a16 und daraus eine Wissenschaft bilden, welche den Namena17 der wissenschaftlichen oder erklärenden Seelenlehre (Psychologiaec18 rationalis) bekommt.

/a/cUnsrec\c19 Seele, die Vollkommenheit ihrer Kräfte,c20 und ihre Veränderungen hängen, nach allen unsern |b220| Wahrnehmungen, so sehr von unserm Körper ab, daß ohne Kenntniß dieses Letztern keine rechte und zuverläßigec21 Erklärung dessen, was in unsrerc22 Seele vorgeht, möglich ist. Verbände man daher diese Kenntniß des Körpers, so weit sie zur Aufklärung der Erscheinungen in unsrerc23 Seele dient, mit der Psychologie, so würde daraus eine Wissenschaft entstehen können, die den Namen einer philosophischen (theoretischen) Anthropologie eher verdiente, als die empirische Psychologie, welche einigec24 mit diesem Namen belegen. ⌇⌇c Ein treflicherc25 Versuch davon ist Ernst Platnersc26 Neue Anthropologie für Aerzte und Weltweise, wovon c27 der erste Bandc28 Leipzig /c1790 inc\c29 gr. 8. erschienen ist.
c⌇⌇c {Außerdem verdienen verglichen zu werden:
  • |c199| J. Ith's Versuch einer Anthropologie oder Philosophie des Menschen nach seinen körperlichen Anlagen, 2 Theile. Bern 1794.
  • I. Kant's Anthropologie in pragmatischer Hinsicht. Königsberg 1800.
  • Bernoulli Grundriß der Naturlehre des erwachsenen Menschen, nach den neuern Ansichten, 2 Theile. Halle 1804.
  • J. K. Wetzel Versuch über die Kenntniß des Menschen, 2 Theile. Leipzig 1784–1785.
  • J. G. Cabanis über die Verbindung des Physischen und Moralischen im Menschen. Aus dem Französischen von Jakob, 2 Theile. Halle 1804.}c a\
a1: 187 c2: weiter reichenden c3: mit c4: zusammenhängt c5: kann c6: zwei c7: kann c8: sammeln c9: verschiedenen c10: wie c11: äußert c12: unsere c13: bei c14: (ἐμπειρία) ac15: lassen a16: herleiten a17: Nahmen c18: (Psychologia c19: Anm. Unsere c20: Kräfte c21: zuverlässige c22: unserer c23: unserer c24: Einige c25: trefflicher c26: Platner's c27: leider nur c28: Band, c29: 1790.

191a1.

Die Glückseligkeit des Menschen beruht auf der Kenntniß seiner selbst, seiner Kräfte, des Verhält|a175|nisses andrerc2 Dinge gegen ihn, und der nützlichen oder schädlichen Wirkungen, welche aus dem verschiednenc3 Gebrauch seiner Kräfte und dem Einfluß andrerc4 Dinge /aauf ihna\a5 entstehen. Diese Kenntniß belehrt ihn über das, was er zu seinem Besten vermag oder nicht; über seine Mängel und Fehler; über seine Fähigkeiten und Vorzüge; unda6 die Mittel jenen vorzubauen, sie zu heben, zu vermindern oder ihnen doch die unschädlichste und vortheilhafteste Richtung zu geben, seine Fähigkeiten hingegen zu verstärken, wirksamer zu machen, und sie zur Erreichung seiner höchst möglichsten Vollkommenheit zu lenken; über den |b221| Werth aller Dinge für ihn, der anders nicht als nach ihrem mehrern oder mindern Einfluß auf seine Glückseligkeit bestimmt werden kanc7; endlich über die Mittel, /calles ausserc\c8 sich zu seinem Besten zu verwenden. /cc\ Alle unsrec9 Kenntniß der Wahrheit und der wirklichen Beschaffenheit der Dinge sowohl, als die Verschiedenheit des |c200| Grades von Deutlichkeit, Gewißheit und Wirksamkeit gewisser Begriffe und Sätze, gründet sich auf die besondrec10 Beschaffenheit unsrerc11 Seele, auf die Gesetze unsersc12 Denkens und Wollens, und auf die größerea13 oder geringere Fähigkeit, nach demselbena14 unsrec15 Seelenkräfte zu gebrauchen. /cIn so fernc\c16 hängen alle theoretische und praktische Wissenschaften von nichts so sehr ab, als von der rechten Bekanntschaft mit unsrerac17 Seele; diejenigen am meisten, die sich mit dem Menschen und dessen Regierung, mit Beförderung seiner Gemüthsruhe und seiner Besserung beschäftigen. /cc\ Für den Lehrer der Religion /cinsbesondrec\, der eben durch die Religion Andreac19, |a176| ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen nach, aufs weiseste leiten soll, ist sie ganz vorzüglich nöthig, wenn er diese wohlthätige Absicht, wozu er arbeiten muß, erreichen will.

a1: 188 c2: anderer c3: verschiedenen c4: anderer a5: in ihm a6: über c7: kann c8: Alles außer c9: unsere c10: besondere c11: unserer c12: unsres a13: grössere a14: denselben c15: unsere c16: Insofern ac17: unser (a); unserer (c) ac19: andre (a); Andere (c)

192a1.

Um so mehr muß man stets darnach trachten, die Schwierigkeiten zu überwinden, die sich beyc2 Erforschung der menschlichen Seele in den Weg legen, und eben deswegen sie auch kennen zu lernen suchen; zumala3 /cc\ da der Mensch gemeiniglich in dem Wahn steht, nichts besser als sich selbst zu |b222| /ckennen, –c\c4 da die Einbildung, ein Menschenkenner zu seyn, immer weiter,a5 und am meisten beyc6 denen um sich greift, die sichs bewußt sind,a7 daß sie wenig Kenntniß der Dinge ausserc8 den Menschen /cbesitzen, –c\c9 und dac10 die, welche am ersten Gelegenheit und Aufforderung hätten, Menschen kennen zu lernen, d. i. die, welche sich mit dem praktischen Leben und mit gleich anwendbaren Untersuchungen beschäftigen, mehrentheils nicht die Geduld haben, erst die Erfahrungen zu zergliedern oder zu läutern, und zu sehr gewohnt /asind, Allesa\a11, was sie beobachtet haben, gleich anzuwenden, als daß sie |c201| sich nicht mit oben abgeschöpften, einseitigen und halbwahren Beobachtungen begnügen sollten.

a1: 189 c2: bei a3: zumahl c4: kennen; a5: weiter c6: bei a7: sind c8: außer c9: besitzen; c10: endlich a11: sind alles

193a1.

Diese Schwierigkeiten zeigen sich entweder beyc2 der Beobachtung selbst, oder beyc3 ihrer Ent|a177|wickelung und Anwendung. Zu jener Art gehört unter /candern: –c\c4 daß entweder gewisse Veränderungen unsrerc5 Seele zu selten und zu unerwartet sind, als daß man sie anhaltend und wiederholt beobachten könnte, zumal da sie eben wegen des Ausserordentlichenc6 mehr betäuben, als ein stilles und bedächtiges Anschauen erlauben, oder zu gewöhnlich, als daß sie unsrec7 Aufmerksamkeit genug /creitzten; –c\c8 daß viele Veränderungen und Zustände unsrerc9 Seele sich kaum beobachten laßenac10, weil es uns entweder zu der Zeit, wo sie vorgehen und da sind, am Bewußtseyn, wenigstens am deutlichen Bewußtseyn, fehlt,c11 oder weil sie so |b223| schnell auf einander folgen, vorübergehnc12, und unter einander abwechseln, daß man sie nicht genug festfassen kanc13, oder weil selbst durch die angestrengte Aufmerksamkeit ihr Zusammenhang oder doch die Bemerkung desselben unterbrochen /cwird; –c\c14 daß insbesondrec15 die dunkeln Vorstellungen der Seele, und alle dadurch bestimmte Neigungen und Abweichungen, sowohl als ihr Zusammenhang mit dem Körper, so ganz oder zum Theil im Dunkeln liegen, und eine so unsichtbare Gewalt über andere Vorstellungen ausüben, daß sich weder sie selbst, noch ihr Zusammenfluß, noch ihre wechselseitig mitgetheilte Stärke, noch die Gesetze, wonach die Seele dabeyc16 wirkt, entdecken /claßena17; –c\c18 daß endlich /cbeyc\c19 den Veränderungen der Seele so viele und oft ganz kleine und unmerkbare Ursachen zusammen kommen und in einander fließena20, die sich unserm Blick entziehen, und die keine Scheidungskunst völlig sondern kanc21.

a1: 190 c2: bei c3: bei c4: andern: 1) c5: unserer c6: Außerordentlichen c7: unsere c8: reitzten; 2) c9: unserer ac10: lassen c11: fehlt; c12: vorübergehen c13: kann c14: wird; 3) c15: insbesondere c16: dabei a17: lassen c18: lassen; c19: 4) bei a20: fliessen c21: kann

|a178| |c202| 194a1.

Ließea2 sich aber auch dieses aufs Reine bringen, und man hätte allen Stoff von Wahrnehmungen beysammenc3, der nur noch verarbeitet, und dennc4 gebraucht werden dürfte: so würden wieder beyc5 dieser Behandlung des Gesammletenc6 neue Schwierigkeiten entstehen. /cc\ Sind uns c7 alle beyc8 einer Veränderung der Seele zusammenstoßende Umstände, wenn wir sie auch kennen gelernt hätten, beyc9 der einzelnena10 Betrachtung und beyc11 der nachmaligen /cWiederzusammensetzung gleich gegenwärtig?c\c12 selbst nach ihrem Unterschied, nach ih|b224|rem wechselseitigen Einfluß, nach ihrem eingeschränkten Beytragc13 zur Hervorbringung einer bestimmten /cWirkung? und laßena14 c\c15 sich die einzelnena16 verschlungenen Fäden so aus einander wickeln, daß nicht dadurch das Ganze zerrissen, oder die Einsicht in die Totalwirkung vertilgt wird? /cc\ Läßt sich c17 da, wo allesc18 nach mechanischen Gesetzen zu erfolgen scheint, und nichts von der eignenc19 Mitwirkung der Seele bemerkt wird, auch die Thätigkeit der Seele /cdabey leugnen? –c\c20 Läßt sich c21 auch beyc22 einer Menge von gleichscheinenden Fällen abnehmen, was beyc23 den Ursachen und Wirkungen einer Veränderung wesentlich, und was bloß zufällig /csey? –c\c24 wie weit man allgemeinec25 Schlüsse daraus ziehen könne?

a1: 191 a2: Liesse c3: beisammen c4: dann c5: bei c6: Gesammelten c7: 1) c8: bei c9: bei a10: einzeln c11: bei c12: Wiederzusammensetzung, c13: Beitrag a14: lassen c15: Wirkung gleich gegenwärtig? Lassen a16: einzlen c17: 2) c18: Alles c19: eigenen c20: dabei läugnen? c21: 3) c22: bei c23: bei c24: sei, und c25: allgemeine

195a1.

/cMit alle dem müssen unsc\c2 diese Schwierigkeiten c3 nicht muthlos machen; es ist doch ein großera4 Gewinnstc5, wonach wir ringen, und schon der bisherige, |a179| selbst die Erwartung beyc6 so großena7 Schwierigkeiten übersteigende,c8 glückliche Fortgang solcher Untersuchungenc9 muß uns ermuntern. Je mehr man derc10 Natur /cauflaurenc\c11, und ihr /cbey verschiednenc\c12 Menschen, in sehr verschiednenc13 Lagen, besonders in noch |c203| ungebildeten Kinderseelen, nachspüren wird; je mehr der Reichthum, die Bestimmtheit und die wirklich philosophische Behandlung der Wissenschaften überhaupt, besonders der Physiologiec14, der Vernunftlehrec15, und, was hier am meisten übersehen wird, der Sprachenc16 und ihrer allmähligen Bildung, zunehmen wird; je |b225| mehr die, welche sich mit Menschenkenntniß abgeben wollen, sich zur anhaltenden Aufmerksamkeit, zur langsamen, bedächtigen und geduldigen Untersuchung sowohl, als zur Vorsichtigkeita17 und Bescheidenheit gewöhnen; und je mehrerec18 auf diese Art an der Erweiterung der Seelenlehre arbeiten: /cje einc\c19 weiteres Feld wird sie gewinnen, /cund jec\c20 sicherer ihr Eigenthum werden.

a1: 192 c2: Doch alle c3: dürfen uns a4: grosser c5: Gewinn c6: bei a7: grossen c8: übersteigende c9: Untersuchungen, c10: die c11: gleichsam beschleichen c12: bei verschiedenen c13: verschiedenen c14: Physiologie c15: Vernunftlehre c16: Sprachen a17: Fürsichtigkeit c18: Mehrere c19: ein desto c20: desto

196a1.

Ein guter Theil der Mängel und Schwierigkeiten in der Seelenlehre kanc2 durch die Art der Behandlung gehoben werden, die in der erklärenden Psychologie (§. 190ac3) herrscht, und diese dadurch von der empirischen unterscheidet. Denn da sie die Veränderungen der Seele aus dem mit Hülfe ontologischer Grundsätze entdeckten Begriffa5 der Seele und den Gesetzen der Vorstellungskraft erklärt:c6 so ersetzt sie nicht nur die Kenntnisse, die sich nicht aus der Erfahrung ableiten laßen,ac7 z. B. |a180| die, welche ihr künftiges Schicksal betreffen: sondern sie setzt auch das, was die Beobachtung entdeckt, mehr ausserc9 Zweifel, bestimmt die Allgemeinheit desselben, und bringta10 dadurch die Seelenlehre /aeiner eigentlichena\a11 Wissenschaft /anähera\. Freylichc12 ist selbst der Begriffa13 der Seele erst aus Beobachtungen abgeleitet, und es läßt sich nichts bearbeiten, wo kein Stoff dazu vorhanden ist, den die Beobachtung giebt; es läßt sich auch nicht leugnenc14, daß man diese letztrec15, zumal ehedem, zu wenig |c204| brauchte, und daß man leicht in Versuchung kommen kanc16, das, was an bewährten |b226| Grundsätzen abgeht, durch Hypothesen zu ersetzen, oder die großea17 Kluft zwischen den höhern Grundsätzen und einzelnena18 Veränderungen der Seele zu überspringen. Aber diese Fehler sind doch vermeidlich, die wohlthätige Einschränkung und Leitung der Phantasie durch jene höhere Grundsätze doch unleugbarc19, und die Verbindung der Beobachtung mit deren Läuterung durch allgemeine Grundsätze kanc20 nicht anders als beydenc21 sehr vortheilhaft seyn.

c22 Einer besondern Wissenschaft unter dema23 Namen der Geisterlehre (/cPnevmatica, Pnevmatologia,c\c24) bedarf es nicht; es wäre auch sehr unzeitig, daran zu denken. Nur von Gott und unsrer Seele können wir /ceiniges zuverläßigc\c25 wissen; von andern läßt sich weder aus dem Begriffa26 eines Geistes, noch aus ihren Wirkungen, noch /aanderwärts hera\a27 etwas Bestimmtes oder Zuverläßigesc28 erkennen, und wir haben beyc29 den Lücken und Dunkelheiten der Seelenlehre hohe Ursach, sie nicht durch Schwärmereyc30 noch mehr verdunkeln zu laßenac31.
c⌇⌇c {Das eigene Studium des Menschen, wobei man mit der Beobachtung unstreitig immer am sichersten von sich selbst ausgeht, ist zwar mehr werth, als was man aus bloßen Lehrbüchern der Psychologie schöpft. Ja, diese selbst sind oft nicht so reich als andere Schriften, in welchen der Mensch und das menschliche Herz in allen seinen Gestaltungen geschildert wird. Selbst die Dichter, besonders die dramatischen, enthalten einen Schatz von Beobachtungen. Fielding, Richardson und Shakespeare, Göthe, Schiller, J. P. Richter u. A. haben unfehlbar tiefer in den Menschen geblickt, als viele Psychologen, die ihn bloß aus Büchern kannten, oder die Seelenvermögen registrirten und classificirten. Aber selbst um seine Beobachtungen besser auffassen, gebrauchen und ordnen zu können, und um zu wissen, worauf vorzüglich zu ach|c205|ten, auch worüber man hinsichts der Gesetze geistiger Veränderungen schon im Reinen sei, ist es doch sehr zu empfehlen, die empirische Psychologie bald im Anfange seines akademischen Cursus zu hören, und die besten Lehrbücher zu studieren. Zu diesen gehören, außer den Werken von Wolf und andern ältern metaphysischen Schriftstellern, desgleichen den oben angeführten Anthropologieen:
  • K. C. F. Schmidt's empirische Psychologie. Jena 1796.
  • C. H. Jacob's Grundriß der Erfahrungsseelenlehre. Halle 1810.
  • J. C. Hoffbauer's Naturlehre der Seele, in Briefen. Halle 1796.
  • F. A. Carus Psychologie in den nachgelassenen Werken, 1ster, 2ter und 3ter Band. Leipzig 1808.

Nicht minder und fast noch lehrreicher, sind die Abhandlungen über einzelne Materien der Psychologie, welche zum Theil in Journalen und Magazinen für die Seelenkunde zerstreut liegen. Man findet davon vollständige Nachweisungen in Ersch Handbuch der deutschen Literatur, Bd. 1. Abth. 1. S. 207–219. A. d. H.[}]c
a1: 193 c2: kann ac3: 187. (a); 190. (c) a5: Begrif c6: erklärt, ac7: lassen (a); lassen, (c) c9: außer a10: verwandelt a11: in eine eigentliche c12: Freilich a13: Begrif c14: läugnen c15: letztere c16: kann a17: grosse a18: einzeln c19: unläugbar c20: kann c21: beiden c22: Anm. a23: den c24: Pneumatica, Pneumatologia c25: Einiges zuverlässig a26: Begrif a27: anderwärtsher c28: Zuverlässiges c29: bei c30: Schwärmerei ac31: lassen

/a197.

Unter allen Geistern oder denkenden Wesen ist doch /ckeines, ausserc\c1 uns selbstc2, dessen Erkenntniß so viel Anziehendes hätte, und zu dessen Untersuchung, ob und was es sey?c3 vornehmlich ob und in welcher Verbindung es mit uns /cstehe? unsrec\c4 Vernunft c5 ein so dringendes /cBedürfniß fühltec\c6, als der /callervollkommenste Geistc\c7, den wir /cuns unterc\c8 dem Namen Gottes vorstellenc9. Es ist ei|b227|nem jeden Menschen, der über sich, sein Schicksal und sein Verhalten nachdenkt, und, vermöge des Dranges, den er als ein vernünftiges Wesen fühlt, /cnie eher zu ruhen, als bis er dahin gekommen ist, wo ihm keine Frage nach dem Grundec\c10 der Dinge /cmehr dringend scheint, einem solchen, sag' ich, istsc\c11 natürlich, mit seinen |c206| Untersuchungen bis auf irgend ein Wesen /cfort zu gehen, beyc\c12 dem seine Vernunft mit Fragen /cstill stehenc\c13 muß, beyc14 dem er voraussetzen kanc15, daß es nicht wieder von einem andern Wesen abhänge, sondern schlechthin der Grund von allen andern wirklichen Wesen seyc16, und daß es solche Eigenschaften habe, ohne deren Voraussetzung sich die Eigenschaften und Veränderungen, die er an sich und in der Welt wahrnimmt, nicht befriedigend erklären laßenc17. Diese Vorstellung von Gott, die allein ihn in Absicht auf seine vernünftige Erkenntniß befriedigt, hat eben so natürlich ein großes Interesse für ihn, und wirkt auf seinen Willen. Er sieht bald ein, daß zum Theil seine Glückseligkeit in seiner Gewalt stehe; /cin so fernc\c18 ihm seine Vernunft gewisse Gesetze zu erkennen giebt, nach welchen er handeln soll, und denen er auch gemäß /czu handelnc\c19 für nothwendig (für seine Pflicht) erkennt; /cin so fernc\c20 er eben sowohl ihnen folgen, als das Gegentheil thun kanc21 (d. i. freyc22 ist); und /cin so fernc\c23 er, wenn er ihnen folgt, gewiß wohl, und, wenn ers nicht thut, übel fährt. Er findet aber /ceben sowohlc\c24, daß er nicht ganz Herr über seine Glückseligkeit seyc25, da diese so oft von den Umständen abhängt, die er |b228| nicht ändern kanc26, sondern sie nehmen muß, wie sie sind. In dieser letztern Hinsicht ist es dem Menschen gar nicht gleichgültig, ob das, was in der Welt vorgeht, und besonders sein Schicksal, vom bloßen Zufall, oder von Nothwendigkeit, gegen welches beydesc27 Vernunft und Gefühl eines freyenc28 Willens so laut spricht, oder von einem eben so höchst weisen und gütigen als allmächtigen Wesen abhängt. Eben so wenig ist es ihm gleichgültig, in Rücksicht auf das erstrec29, ob, beyc30 der Einsicht seiner Pflicht und dem Drangc31 dazu, Pflicht und Glückseligkeit in stetem richtigen Verhält|c207|niß stehe, oder nicht; /cob, beyc\c32 dem, oft wenigstens scheinbaren, Widerspruch der Pflicht und Glückseligkeit, jene durchaus zu befolgen, und beyc33 aller alsdann nothwendigen Aufopferung gewisser Ersatz zu hoffen seyc34; ob beyc35 den unzählichenc36 Hindernissen der Befolgung unsrer Pflicht und den mannichfaltigenc37 Reitzen, ihr untreu zu werden, durchaus hinlängliche Bewegungsgründe zur Tugend vorhanden sind, wenn wir fürchten müssen, daß unsrec38 ganze Existenz nur auf dieses Leben eingeschränkt seyc39, und nicht versichert seyn können, daß es ein über alle Veränderungen der Welt waltendes Wesen gebe, welches auch da, wo es nicht scheint, ganz gewiß für die stete Verknüpfung unsres Wohls mit der Ausübung unsrer Pflicht sorgen werde.

c1: keines {außer c2: selbst} c3: sei, c4: stehe, unsere c5: von jeher c6: Bedürfniß, ein so hohes Interesse gefühlt hätte c7: allervollkommenste Geist c8: mit c9: bezeichnen c10: den Grund c11: zu erforschen, c12: fortzugehen, bei c13: stillstehen c14: bei c15: kann c16: sei c17: lassen c18: insofern c19: zuhandeln c20: insofern c21: kann c22: frei c23: insofern c24: nicht minder c25: sei c26: kann c27: Beides c28: freien c29: Erstere c30: bei c31: Drange c32: ob bei c33: bei c34: sei c35: bei c36: unzähligen c37: mannigfaltigen c38: unsere c39: sei

198.

Dieses Gefühl der Bedürfnisse unsrerc1 Seele, wenn es auch mehr geahndet als erkannt wurde, |b229| mehr auf dunkeln oder verwirrten als auf entwickelten Vorstellungen beruhete, hat den nachdenkenden Menschen /cimmerc\c2 gedrungen, an eine Gottheit zu glauben, und, beyc3 reifer gewordnenc4 Vernunft, Gründe aufzusuchen, sich zu überzeugen, daß ein solches Wesen vorhanden seyc5, und die Eigenschaften haben müsse, ohne welche sich weder die Erscheinungen und Veränderungen in der Welt erklären ließen, noch eine wahre Beruhigung wegen unsersc6 Schicksals, und eine durchgängige Rechtschaffenheit in Gesinnungen und Handlungen Statt fände. Dadurch ist nach und nach die Wissenschaft entstanden, die man mit dem Namen der natürlichen oder Vernunft-Theologie belegt, /cso fernc\c7 sie bloß aus der Natur, und nicht aus einer sogenannten nähern Offenbarung der Gottheit selbst geschöpft wird. Soll die letztere eine |c208| sichere Quelle der Erkenntniß des höchsten Wesens für uns seyn:c8 so müssen wir doch erst zuverläßigc9 wissen, daß dasjenige, was wir für offenbart halten, wirklich von Gott geoffenbart sey,c10 daß es nicht nur dem, was wir aus der Natur von Gott wissen, nicht widerspreche, sondern dem auch gemäß seyc11. Wer also die natürliche Erkenntniß Gottes heruntersetzt und verdächtig macht, oder dagegen gleichgültig ist, der untergräbt ohne sein Denken selbst die Zuverläßigkeitc12 der Offenbarung, oder beraubt sich oder Andrec13, wenigstens da, wo es zweifelhaft wird, ob etwas eine göttliche Offenbarung seyc14, oder ob sie eine gewisse Entscheidung enthalte, der so nöthigen Gewißheit von der Erkenntniß Gottes. Diesc15 und |b230| was §. 197c16 gesagt worden ist, setzt die Nothwendigkeit der natürlichen Theologie und ihres sorgfältigen Studiums ausserc17 allem Zweifel.

cAnm. Je einleuchtender das ist, was über die Unentbehrlichkeit der Anwendung der Vernunft, zur Prüfung der Offenbarung gesagt ist, wenn nicht jede Schwärmerei uns als Offenbarung Gottes aufgedrungen werden soll, desto unbegreiflicher ist es, wie noch immer Bestreitungen und fast Bestürmungen der Vernunft versucht werden können, wobei man sich mit sich selbst in unaufhörliche Widersprüche verwickelt. Es ist ja ganz etwas anders, die Gränzen der Vernunft anerkennen, und die Aussprüche der Vernunft innerhalb ihrer Gränzen achten, und überhaupt jemandem zumuthen, das für gewiß zu halten, was er nicht entweder mit seiner Vernunft fassen, oder in seiner Vernunft überzeugende Gründe finden kann, es für glaubwürdig zu halten. Die bloße Ahndung, von welchen bei manchen neueren philosophischen (z. B. Frieß) und theologischen Schriftstellern (z. B. de Wette) die Rede ist, kann, meinem Bedünken nach, nie in die Reihe der Erkenntniß|c209|quellen gestellt werden, wenn sie gleich auf Vermuthungen und Wahrscheinlichkeiten führen kann. A. d. H.c
c1: unserer c2: zu allen Zeiten c3: bei c4: gewordener c5: sei c6: unseres c7: sofern c8: seyn, c9: zuverlässig c10: sei; c11: sei c12: Zuverlässigkeit c13: Andere c14: sei c15: Dieß c16: 197. c17: außer

199.

Wenn diese Erkenntniß Gottes den gedachten Nutzen erreichen, und unsern Bedürfnissen ein Genüge thun soll:c1 so muß sie nicht nur die Ueberzeugung gewähren, daß Gott die Ursache der Welt und das seiner Natur nach nothwendige und ganz unabhängige Wesen, sondern daß er auch der höchste Geist seyc2, und den allervollkommensten Verstand und Willen besitze. Jene Theologie, die Gott nur als Weltursache betrachtet, nennt Kant (Crit.c3 der /cR. V.c\c4 S. 660) transscendentale Theologie, weil darin nur reine Vernunft zum Grund gelegt wird, es seyc5, daß die Ueberzeugung auf den bloßen Begriff des möglichen allerrealsten Wesens (auf Ontologie), oder auch auf Erfahrung überhaupt von irgend etwas /cExistirenden (meinerc\c6 selbst oder der Welt) gebaut werde (auf Kosmologie). Diese hingegen, die einen Welturheber und Regierer aufsucht, heißt beyc7 ihm natürliche Theologie (also in einem engern Verstande), und würde sich von jener darin unterscheiden, daß dabeyc8 schon der Begriff von einem Geiste oder denkenden Wesen vorausgesetzt werdec9, den wir nur aus der Erfahrung von uns selbst näher angeben, und also erst aus eigner Erfahrung schließen können, wie die Gott beygelegtenc10 Vollkommenheiten, nach der Analogie mit uns, mit Absonderung aller Einschränkung, |b231| näher bestimmt werden müssen. Sie bauet also unsrec11 Ueberzeugung und Kenntniß von Gott auf die Kenntniß /cunsrer eignenc\c12 Natur, und, da wir beyc13 uns dasjenige, was da ist, von dem, was da seyn |c210| soll (§. 183c14), oder eigentliche Natur und Freyheitc15, unterscheiden können, so schließt sie aus beydenc16, also aus Psychologie und Moral, sowohl auf die Existenz als auf die Beschaffenheit Gottes. /cSo fernc\c17 sie Gott als den vorstellt, auf welchem alle natürliche Vollkommenheit unsrer selbst und der Welt beruht, nennt sie /cKant Physicotheologie, so fernc\c18 sie ihn aber als den Grund aller sittlichen Vollkommenheit darstellt, Moraltheologie, die mit theologischer Moral nicht zu verwechseln ist,c19 (welche Gott als Weltregierer voraussetzt), sondern sein Daseyn und c20 Kenntniß seiner Eigenschaften auf sittliche Gesetze gründet. /cc\

cAnm. Die Physicotheologie, welche aus dem Daseyn und der Vollkommenheit der Welt auf das Daseyn und die Vollkommenheiten, und die Teleologie, welche von der Zweckmäßigkeit ihrer Einrichtung besonders auf die höchste Vernunft und Weisheit ihres Urhebers schließt, ist unter der ersten Benennung besonders vom Engländer Derham, deutsch, Hamburg 1764., dann von dem Holländer B. Nieuwentyt, deutsch von J. A. Segner, Jena 1747. 4., ferner französisch von C. Bonnet in den Betrachtungen über die Natur, übers. von Titius, 5te Ausg., Leipzig 1783., bearbeitet worden. In Deutschland gehören dahin die Schriften von H. Sander über die Güte und Weisheit Gottes in der Natur, Zürich 1790. Ueber das Große und Schöne der Gottheit in der Natur, 2 Th., Leipz. 1791. K. F. Dieterich Schöpfung und Schöpfer, Erfurt 1788. J. G. Hellmuth Anleitung zur Kenntniß des großen Weltbaues. Braunschweig 1798. Manche dieser Schriftsteller haben nur den Fehler, daß sie sich in teleologischen Beobachtungen und Vermuthungen verlieren, und der Gottheit ihre oft sehr kleinlichen Ansichten unterlegen. A. d. H.c
c1: soll, c2: sei c3: (Krit. c4: rein. Vern. c5: sei c6: Existirendem (unserer c7: bei c8: dabei c9: wird c10: beigelegten c11: unsere c12: unserer eigenen c13: bei c14: 183. c15: Freiheit c16: beiden c17: Sofern c18: Kant die Physicotheologie; sofern c19: ist c20: die

|c211| 200.

In der /cnatürlichen Theologiec\c1 im gewöhnlichsten Verstande (§. 198c2) werden alle diese verschiednenc3 Arten, auf die Erkenntniß des Daseyns und der Eigenschaften Gottes zu kommen, mit einander verbunden. Dies ist auch nothwendig. Denn 1) die /ctransscendentale Theologie,c\c4 (um uns, der Kürze wegen, dieses Ausdrucks zu bedienen) – gesetzt auch, daß diese eine wirklich apodiktische Gewißheit mit sich führec5, welches doch wenigstens bezweifelt, /chier aberc\c6 nicht untersucht werden kanc7 – leitet doch nur auf die Wirklichkeit Gottes und die ihm beyzulegendenc8 Eigenschaften überhaupt; es bedarf aber noch der Kenntniß unsrer |b232| selbst, um zu wissen, wie wir uns Gottes geistige Eigenschaften, in Vergleichung mit den unsrigen, vorstellen, und zur Erklärung der Beschaffenheit und Veränderungen in der Welt anwenden sollen (§. 199c9). Auch wird durch Hülfe der Beobachtung über uns selbst und die Dinge in der Welt, ihre Einrichtung und ihre Veränderungen, alle Erkenntniß und Ueberzeugung von Gott anschaulich, sonach wenigstens ihr Eindruck sehr verstärkt; und unsre Ueberzeugung praktisch, welches beyc10 einer solchen Kenntniß, wie die von Gott ist, die auch zu unserm rechten Betragen gegen Gott kräftig und wirksam seyn muß, höchst nöthig ist. Nicht zu gedenken, daß, weil nur Wenige im Stande sind, bloß speculative Vorstellungen zu fassen, und sich zu reinen Begriffen zu erheben, für diese und ihre Bedürfnisse durch reine Philosophie wenig oder gar nicht würde gesorgt werden. 2) Hinwiederum können strengere ontologischec11 und kosmologischec12 Untersuchungen, neben denen, welche die Erfahrung zu Hülfe nehmen, große Dienste thun. Denn,c13 wenn auch die Untersuchungen dieser Art wirklich |c212| nicht zu /cstrengen Beweisenc\c14 der Wirklichkeit und c15 Eigenschaften Gottes führen sollten:c16 so zeigt doch eben dieselbe Kritik, welche diese Beweise als unbündig darstellt, damit auch, daß die vermeinten Gegenbeweise eben so unbündig und ungegründet sind, benimmt dadurch allen speculativen Gründen der Atheisten, Skeptiker etc. alle Kraft, und gründet zugleich die Sicherheit unsers Glaubens an Gott, dem die Gegner nicht nur nichts Vernünftigeres an |b233| die Seite stellen können, sondern auch, mit Verleugnungc17 aller Vernunft, selbst alle Begriffe von Sittlichkeit aufgeben müssen. /cUeber diesc\c18 sind alle sogenannte natürliche Eigenschaften Gottes (im Unterschiede von den geistigen, und besonders von den moralischen), als Nothwendigkeit, Ewigkeit, Allmacht /cu. s. f.c\c19 solche Eigenschaften, welche selbst die reine Vernunft erkennen, und die Begriffe davon reinigen kanc20, um alle Beymischungc21 der Unvollkommenheit eingeschränkter Wesen zu verhüten. Ja überhaupt kanc22 sie dieses in Absicht auf alle göttliche Eigenschaften, wenn erst deren Kenntniß anderswoher geleitet ist, wo sie alsdann nicht nur unsre Begriffe davon mehr verdeutlicht und berichtigt, sondern sie auch in einen größern Zusammenhang bringt, und dadurch die Ueberzeugung davon befestigt.a\

c1: natürlichen Theologie c2: 198. c3: verschiedenen c4: transscendentale Theologie c5: führte c6: wiewohl hier c7: kann c8: beizulegenden c9: 199. c10: bei c11: ontologische c12: kosmologische c13: Denn c14: strengen Beweisen c15: der c16: sollten, c17: Verläugnung c18: Ueberdieß c19: u. s. f., c20: kann c21: Beimischung c22: kann

a|a181| 194.

Unausprechlich wichtig ist der letzte Theil der Metaphysik, der unter dem Namen der natürlichen Theologie bekannt ist, und, im weitern Verstande genommen, alles in sich faßt, was von Gott oder dem allervollkommensten Wesen aus der Natur erkannt werden kan. – Giebt es einen solchen Gott, so hängt alles, so hängt auch alle unsre Glückseligkeit von ihm ab, sie mag auch mit zum Theil von unsern freyen Entschliessungen und Handlungen oder von seinem Willen, ohne Dazwischenkunft unsers Willens, abhängen. Im letztern Fall gründet sich unsre Gewißheit von unserm höchst möglichen Glück und die daraus fliessende wahre Gemüthsruhe lediglich darauf, daß ein solches Wesen vorhanden sey, welches alle unsre Bedürfnisse, alle Arten des Glücks und Elendes, alle Mittel, jenes zu bewirken und dieses abzuwenden, kenne, alles zu bewirken vermöge, und nur das Beste und für uns Heilsamste bewirken wolle. Im erstern Fall aber, darauf, daß die Entschliessung und das Betragen, welches in unsrer Gewalt steht, Gottes Willen allezeit entspreche, daß wir also auch dieses göttlichen Willens kundig seyn, nicht nur in sofern, als er an uns befolgt werden soll, sondern auch, sofern wir die seligsten Folgen davon, oder das uns vortheilhafteste Verhalten Gottes gegen uns ohnfehlbar erwarten können; wer Gott dienen will, der muß glauben, daß er sey, und daß er denen, die sich nach ihm richten, ein Vergelter seyn werde, Ebr. 11, 11. – Wenn denn auch |a182| das, was wir von Gott wissen können, nicht bloß aus der Natur erkennbar wäre, sondern auf einer nähern Offenbarung beruhen sollte: so müßte doch erst zuverläßig bekannt seyn, daß, was wir für die letztere halten, wirklich von Gott geoffenbart, nicht nur dem, was wir aus der Natur von Gott wissen, nicht widerspreche, sondern dem auch gemäß sey. Wer also die natürliche Erkenntniß Gottes heruntersetzt und verdächtig macht, oder dagegen gleichgültig ist: der untergräbt ohne sein Denken selbst die Zuverläßigkeit der Offenbarung, oder beraubt sich oder Andre, wenigstens da, wo es zweifelhaft wird, ob etwas eine göttliche Offenbarung sey, oder ob sie eine gewisse Entscheidung enthalte, der so nöthigen Gewißheit von der Erkenntniß Gottes.

195.

Diese Gewißheit ist von zweyerley Art, und danach kan man auch eine zwiefache Art der natürlichen Theologie annehmen. Die eine beruht bloß auf übersinnlichen Begriffen, auf nothwendig wahren Sätzen. Diese ist die natürliche Theologie im engsten Verstande, und gehört ganz eigentlich, als ein Theil, zur Metaphysik. Sie entwickelt den Begriff von Gott aus dem Begriff eines Wesens (Dinges) und Geistes, und setzt ihn aus allen Realitäten, die ihn in beyderley Absicht zukommen, zusammen: schließt alsdenn aus diesem Begriff der höchsten Vollkommenheit, oder aus der Zufälligkeit jedes andern Dinges, wenigstens aus unsrer eignen |a183| Wirklichkeit, daß ein allervollkommenstes Wesen nothwendig wirklich seyn müsse; und leitet daraus die einzlen Eigenschaften Gottes, und alles andre von Gott, her, was aus denselben nothwendig gefolgert werden kan.

196.

Zwar ist diese Wissenschaft so wenig für jeden zur Ueberzeugung von Gott nothwendig, so wenig jeder fähig ist, sich zu so reinen Begriffen zu erheben; sie wird auch nur Wenigen eine praktische Ueberzeugung gewähren, die doch zu einer solchen Erkenntniß, wie die von Gott ist, welche auch zu unserm rechten Betragen gegen Gott kräftig und wirksam seyn muß, erfordert wird. Aber sie ist allein einer eigentlichen Evidenz fähig, und daher für den nöthig, der seine Ueberzeugung von Gott aufs unerschütterlichste sichern will, oder der mit feinen und verwickelten Zweifeln zu kämpfen hat; und so schätzbar, ja in ihrer Art vorzüglich, andere nicht so demonstrative Beweisarten für Gottes Wirklichkeit und Eigenschaften sind: so unentbehrlich ist doch diese, wo Wirklichkeit eines allervollkommensten Wesens und die unumschränktesten Eigenschaften desselben ausser Zweifel gesetzt werden sollen.

  • Abhandlung über die Evidenz in metaphysichen Wissenschaften, von Moses Mendelsohn, Berlin 1764. in 4. dritter Abschnitt.
  • Vorbereitung zur natürlichen Theologie, von J. A. Eberhard, Halle 1781. 8.a

|a184| 201a1.

/aWas hier von der Nothwendigkeit gesagt ist, reine und Erfahrungserkenntniß in dieser besondern Wissenschaft zu /cverbinden: diesc\c2 gilt, auch ausserc3 derselben, von dem ganzen Bestreben nach der Kenntniß Gottes aus der Natur.a\

aIndessen muß man ja die andre Art, durch die Natur zur Erkenntniß Gottes zu gelangen (§. 185.), welche nicht aus vorausgesetzten nothwendigen Begriffen, oder durch keine nothwendige Schlüsse folgert, und nur eine moralische Gewißheit gewährt, besonders die Beweisarten aus der unleugbaren Ordnung und Absichten in der Natur, nicht nur nicht gering achten, sondern sie auch immer mehr aufzuklären und zu benutzen suchen.a
– Alle Erkenntniß ist doch nur in sofern /arechta\ nützlich, als sie uns mehr Kräfte und Ermunterungc4, Gutes zu thun und zufrieden zu seyn, giebt, und dadurch unsre und Andrer |c213| Glückseligkeit erweitert und befestigt; die Erkenntniß Gottes ist daher auch nur in dem Grade etwas werth, in welchem sie uns tiefe Ehrfurcht, herzliche Liebe, Vertrauen, Folgsamkeit gegen ihn, Eifer, /cihn nachzuahmen,a5 c\c6 |b234| und seine allezeit besten Absichten zu befördern, mittheilt. Hiezuc7 ist anschauende, lebhafte Erkenntniß nöthig; und jede Vorstellung, wenn sie gleich nur eine beredende Kraft hätte, und eine unvollendete Gewißheit erzeugte, vermehrta8 doch die Stärke des Eindrucks, und muß uns schon deswegen nie gleichgültig seyn. /cc\ Diese Wirksamkeit der Erkenntniß kanc9 auch der Deutlichkeit und strengen Gewißheit mehrentheils entbehren, ja diese letztere beschäftigeta10 gemeiniglich die Aufmerksamkeit so sehr, und gewöhnt so sehr an Speculation oder dürre und nur auf eine entferntere Art nutzbare Untersuchungen, daß sie leicht Kälte gegen die Anwendung und gegen prak|a185|tische Untersuchungen hervorbringt, und daher um so mehr nöthig hat, durch lebhafte Eindrücke erfrischt,c11 und in Verbindung mit der Thätigkeit erhalten zu werden. /cc\ Die Lebhaftigkeit der Erkenntniß giebt selbst, indem sie uns den Gedanken von Gott werther macht, mehr Reitz, tiefer einzudringen, und unserea12 Ueberzeugung durch strengere Beweise zu befestigen,c13 und die Gewohnheit, Gott überall, auch in seinen kleinsten Anstalten, gleich groß, gütig und weise zu finden, erhebt unsern Verstand und unser Herz zu einer ungewöhnlichen Stärke und Aehnlichkeit mit ihm. /cc\ Wollen wir vollends /cAllen Alles werden, undc\ die seligen Eindrücke von Gott /cüberall befördern:c\c14 so ist nicht nur dieser Weg, zur Erkenntniß Gottes zu führen, jedem, auchc15 von den gemeinsten Fähigkeiten, offen, sondern auf diesem kanc16 auch jeder am leichtesten, eindrücklichsten, und überall zur Ueberzeugung kommen, weil |b235| allesc17, was ihn umgiebt, Gott und seine Ei|c214|genschaften verkündigt, und den Gedanken an Gott unmittelbar an das eignec18 Interesse eines Jeden anknüpft, so wie ihm, wenn er sich nur erst einmal gewöhnt, allesc19 auf Gott zu beziehen, diese überall zu findenden Spuren Gottes sich mehr aufdringen, als erst mit Mühe aufgesucht zu werden /abrauchen. /cc\a\
abrauchen.
198.a
⌇⌇a Also studiere man mit allem Fleiß auch die sichtbare, jedem vor Augen liegende,c20 /aNatur. Man studiere, recht eigentlich in dieser Absicht, diea\a21 Geschichte a22, in der sich,c23 wenn man beyc24 den Veränderungen der Welt auf den Zusam|a186|menhang, die Ursachen und Folgen der Dingea25 aufmerksam ist, so unverkennbare Spuren der göttlichen /aVorsehung darbieten. Mana\a26 nehme so viele treflichec27 Bücher zu Hülfe, worin dergleichen Beobachtungen /aaus dem Reiche der Natur und der Geschichtea\ gesammletc28, und die Gesichtspunctec29 angegeben wordena30, woraus diese Spuren am leichtesten zu bemerken sind, und der Uebergang von diesen Veränderungen zu denc31, der Alles regiert, erleichtert wird. /cc\ Lehrer der Religion sollten eben deswegen, weil diese Artc32 Gott zu erkennenc33 die gemeinfaßlichste, gemeinnützigste, und zur Beförderung der praktischen Ueberzeugung nothwendigste ist, sie vorzüglich kennen lernen,c34 und /abrauchen. Siea\a35 sollten aber auch, weil sie andrec36 selbst in der Gewißheit der Erkenntniß übertreffen, und sie eigentlich, was nur wenige Andrec37 können, auch scharfsinnigere und spitzfindige Zweifel aufzulösen im Stande seyn müßtenc38, die demonstrativere Erkenntniß von Gott, so viel sie es vermöchtenc39, in ihre Gewalt zu bekommen suchen.

cAnm. Hülfsmittel sind alle Schriften über natürliche Theologie überhaupt, und einzelne Materien derselben (Daseyn Gottes, Vorsehung, Unsterblichkeit), insonderheit. Mit Uebergehung der letztern, welche man |c215| in den vollständigen literarischen Werken, z. B. Ersch Handbuch, Th. 1. S. 255 f., desgleichen der Bibliothek für Prediger, Th. 1. S. 325 und Th. 4. S. 184 nachgewiesen findet, bemerken wir unter den allgemeinen, außer C. W. Wolf Theologia naturali methodo scientifica pertractata, P. I. II. Francf. et Lips. 1736–1737. 4. Deutsch: Wolf's natürliche Gottesgelahrtheit, übersetzt von H. E. H., 5 Bände. Berlin 1742–45.

  • H. S. Reimarus Abhandlung von den vornehmsten Wahrheiten der Religion, 6te Ausg. Hamburg 1791.
  • J. Forster's Betrachtungen über die vornehmsten Stücke der natürlichen Religion. Aus dem Englischen. 3 Bände. Leipzig 1751.
  • Villaume, Philothee oder die ersten Lehren der Religion, 5 Theile. Berlin 1788.
  • K. H. Heydenreich Betrachtungen über die Philosophie der natürlichen Religion, 2 Bände. Leipzig 1790. 91.

Auch von Jerusalem's Betrachtungen über die vornehmsten Wahrheiten der Religion, enthält der 1ste Theil bloß die Grundlehren der natürlichen Theologie.c

a1: 197 c2: verbinden, das c3: außer c4: Ermunterungen a5: nachzuahmen c6: ihm nachzuahmen c7: Hierzu a8: vermehrte c9: kann a10: beschäftigt c11: erfrischt a12: unsre c13: befestigen; c14: auch bei Andern befördern, c15: selbst c16: kann c17: Alles c18: eigene c19: Alles c20: liegende a21: Natur; man spüre der a22: nach c23: sich c24: bei a25: Dinge, a26: Fürsehung darbieten; man c27: treffliche c28: gesammelt c29: Gesichtspunkte a30: werden c31: dem c32: Art, c33: erkennen, c34: lernen a35: brauchen; sie c36: Andere c37: Andere c38: müssen c39: vermögen

/a|b236| 202.

Ein jedes vernünftiges Wesen hat nicht nur Vernunft, /cin so fernc\c1 es aus dem erkannten Allgemeinen (oder aus Principien) das Besondre zu erkennen vermag,c2 (theoretische Vernunftc3 §. 175c4), sondern auch /cso fernc\c5 es nach Principien, d. i. nach Vorstellung der Gesetze, handeln kanc6. Dieses Vermögen ist die praktische Vernunft, die mit dem Willen einerleyc7 ist, welcher in /cso fern freyc\c8 heißt, als er sich in seinen Handlungen unmittelbar, d. i. unabhängig von allem Sinnlichen, nach Vorstellung /cder Gesetze (allgemeiner Sätze)c\c9 bestimmen kanc10 (§. 183c11). Derjenige Theil der Philosophie, der sich mit Bestimmung freyerc12 Handlungen, oder des |c216| praktischen, sittlichen,c13 Verhaltens beschäftigt, heißt die praktische Philosophie /c(ebendaselbst)c\, Moral, /cEthik (beyde letztern Wörterc\c14 im weitermc15 Verstande genommen).c16 a\

c1: insofern c2: vermag c3: Vernunft, c4: 175. c5: sofern c6: kann c7: einerlei c8: sofern frei c9: allgemeiner Sätze oder Gesetze c10: kann c11: 183. c12: freier c13: sittlichen c14: Ethik, beide letzteren Benennungen c15: weitern c16: genommen.

a199.

Wie die bisher erwehnte theoretische Philosophie uns die Natur kennen lehrt: so zeigt uns die praktische, wie wir der Natur folgen, oder davon den besten Gebrauch zur höchstmöglichsten Glückseligkeit des Menschen machen müssen (§. 172.); und weil sich die eigentliche Philosophie nur auf die geistigen Eigenschaften der Dinge einschränket (§. 170.): so kan die praktische Philosophie auch nur eine Anweisung zur höchstmöglichsten Verbesserung und Ge|a187|brauch unsrer Geisteskräfte enthalten. Diese sind entweder Vorstellungen oder Neigungen. Man hat aber diejenigen Theile der Philosophie, welche die beste Bildung und Anwendung unsrer Vorstellungen betreffen, bereits zur theoretischen Philosophie geschlagen (§. 172. Anm. 1. und §. 174.); also muß sich auch die praktische Philosophie nur auf Bildung und Lenkung unserer Neigungen oder unsers Willens, nur auf die moralischen Wissenschaften, einschränken.

Moralisch nennt man bey dem Menschen alles, was von der Freyheit seines Willens abhängt, diese Freyheit aber das Vermögen des menschlichen Willens sich nach der Einsicht des Besten, d. i. desjenigen, zu bestimmen, was die meiste und größte Glückseligkeit befördert; und da das Beste nicht anders sicher bestimmt werden kan, als nach Vergleichung des verschiednen Werthes der Dinge, wozu deutliche Einsicht nöthig ist: so setzt man die Freyheit des menschlichen Willens in das Vermögen, etwas nach deutlicher Einsicht des Besten zu wollen. Es läuft also auf eines hinaus, man mag die moralischen Wissenschaften erklären, durch solche, die eine Anweisung zur besten Einrichtung unsers freyen Verhaltens geben, oder durch eine Anweisung zur Beförderung der höchst möglichsten menschlichen Glückseligkeit, so fern sie von unserm Willen abhängt. Es versteht sich übrigens von selbst, daß, da die moralischen Wissenschaften hier als ein Theil der Philosophie angesehen werden, alles dieses nur so weit genommen werde, als es aus der Natur erkennbar ist.a

|a188| 203a1.

An der Wichtigkeit dieser Wissenschafta2 zweifeln, /awäre eben so viela\a3, als zweifeln, a4 ob der Mensch /aund ein jedes vernünftiges Wesen, immer vernünftig handeln müsse. – Keine Fähigkeiten und keine Umstände haben eigentlichen Werth und machen glücklich, als /cso fernc\c5 sie recht gebraucht werden; nur der gute Wille ist ohne Einschränkung gut, und kanc6 mit Recht das höchste Gut genannt /cwerden *).c\c7 – Es ist auch so offenbar, daß wahre, ungetrübte, dauerhafte Glückseligkeit nur davon, nur von stetem vernünftigen |b237| Handeln und der Neigung dazu abhängt, daß man entweder gegen seine höchst möglichste Glückseligkeit gleichgültig seyn, oder glauben müßte, sie ohne vernünftigen Gebrauch seiner Kräfte oder Umstände erreichen zu können, wenn es uns /cgleich vielc\c8 wäre, ob unser Wille gut seyc9 oder nicht, oder wenn wir um alle Kenntniß der Beschaffenheit eines wahrhaftig guten Willens, und der Mittel ihn zu erlangen, unbekümmert blieben.a\

anach der höchst möglichsten Glückseligkeit trachten müßte, oder ob er sie ohne Ueberlegung des Besten und dem Gebrauch seiner Kräfte dazu, erreichen könne. Alle Bedenklichkeiten gegen den grossen Werth der moralischen Wissenschaften müssen demnach auf blossen Mißverstand beruhen. *) – Da aber die moralischen Handlungen von der Gesinnung abhängen, und diese erst jenen ihren Werth giebt, auch der Begriff der Glückseligkeit nicht nach äusserlichen sehr zufälligen und veränderlichen Umständen, sondern nach dem Wachsthum der innern Vollkommenheit des Menschen, gewürdigt werden kan: **) so müssen diese Wissenschaften nicht nur auf Beförderung guter Handlungen, sondern auch und vornehmlich guter Gesinnungen, nicht nur auf die beste Lenkung, sondern auch auf die Verbesserung des menschlichen Willens, arbeiten; überhaupt aber – den grossen Umfang der Pflichten richtig und bestimmt darstellen – sie durch die dringensten Gründe empfehlen – und die Mittel angeben, wodurch gute Gesinnungen und Handlungen am wirksamsten hervorgebracht, erhalten und vermehrt werden können.a

/a*) S. Kant's Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, S. 1 flg.c10 a\
a*) Ueber den Werth der Moral etc. von J. A. Nösselt, zweyte Auflage, Halle 1783. 8.
**) Philosophische Anmerkungen und Abhandlungen zu Cicero's Büchern von den Pflichten, von Christian Garve, zum ersten Buche S. 28. folgg.a
a1: 200 a2: Wissenschaften a3: hiesse nichts anders a4: entweder c5: sofern c6: kann c7: werden. *) c8: gleichviel c9: sei c10: fg.

/a204.

Wenn man die hieher gehörigen Kenntnisse, welche uns die Natur darbietet, in eine Wissenschaft bringen will:c1 so kanc2 sie entweder bloß auf Begriffe und Sätze der reinen Vernunft oder auch auf Erfahrungssätze gebaut werden. Nur in jenem Fall entsteht eine eigentliche Wissenschaft, die Kant inc3 eigentlichen und engern Verstande (§. 202c4) Moral oder praktische Philosophie, und mit einem besondern Namen Metaphysik der Sitten nennt |c217| (§. 183c5); in diesem Fall aber, d. i. wenn sie empirisch ist, praktische Anthropologie (§. 190c6 Anmerk.). Jene würde lediglich /cmüssenc\ aus dem allgemeinen Begriff eines vernünftigen Wesens hergeleitet werdenc7, und Gesetze enthalten, die nicht bloß für den Menschen, sondern für alle vernünftige Wesen gälten, auch allen andern Gesetzen für den Willen zum Grunde lägen. Daß wir einer solchen reinen Moral |b238| bedürfen, ist leicht einzusehen. – Denn woraus kanc8 man sonst beweisen, daß etwas gut oder böse, Pflicht seyc9 oder nicht? Beruft man sich deswegen auf Gefühle, oder auf menschliche oder göttliche Gesetze, oder Beyspielec10, oder erkannte nützliche Folgen, oder was man sonst als verpflichtend anführen mag:c11 so sind ja diesc12 immer subjective Gründe, wobeyc13 stets die Frage entstehen kanc14: ob es nicht Täuschung seyc15, ob nicht das Urtheil durch Gründe des Angenehmen oder Nützlichen, statt des Rechtmäßigen, ob es nicht durch Eigennutz, durch Gewohnheit, durch Temperament gestimmt werde? ob die guten Folgen nothwendig aus der Handlung oder aus zufälligen Umständen entspringen? ob die Handlungen also wirklich Lob oder Tadel verdienen? ob jemand das Recht hatte, gewisse Gesetze zu geben, oder sich auf solche, als Gesetze, einzulaßenc16? selbst beyc17 vorgegebenen göttlichen Gesetzen, ob es wirklich göttliche sind? welche Frage /canders nicht kanc\c18 bejahet werden, als /cso fernc\c19 dergleichen angeblich göttliche Gesetze mit dem, was ursprünglich recht ist, übereinstimmen; so wie nicht einmal eine Verbindlichkeit, sie zu beobachten, überzeugend erkannt werden kanc20, wenn man nicht voraussetzt, daß Gottes Wille höchst heilig seyc21, welche Heiligkeit wieder in der durchgängigen Uebereinstimmung seines Willens und der daher fließenden Gesetze, mit jenen Urbegriffen vom Recht- und Unrechtmäßigen besteht. – Wie |c218| anders, als durch solche aus dem Begriff eines vernünftigen Wesens geschöpfte Begriffe und Gesetzec22 läßt sich |b239| auch der nothwendige Unterschied zwischen Recht und Unrechtc23 und der wahre Werth sowohl als die Möglichkeit der Tugend darthun,c24 oder wie kanc25 man sonst hinlänglich dem Eigendünkel und der Zweifelsucht dererjenigenc26 begegnen, die überall an keine Tugend noch an einen solchen sittlichen Unterschied glauben, zumal wenn sie durch die Uneinigkeit der Menschen über diese Gegenstände, durch viele schlimme Erfahrungen, und durch scharfsichtige Beobachtung der menschlichen Schwäche und Scheintugenden, gegen alle Tugend eingenommen sind? – Und wie sehr ist der Mensch geneigt, wenn er seine Pflichten mit seinen /cBedürfnissen undc\ Neigungen vergleicht, und in ihrer Befriedigung seine Glückseligkeit zu finden glaubt, entweder Pflicht nicht für Pflicht zu halten, weil sie seiner Glückseligkeit im Wege zu stehen scheint,c27 oder sich Ausnahmen zu erlauben, und diese damit zu rechtfertigen, daß sie nicht allgemein verbindlich sey,c28 oder sie mit seinen Neigungen und Wünschen zu vereinigen, und dadurch Pflicht und Gesetze zu entkräften! undc29 was kanc30 ihn dagegen sichern, oder seinem hinc31 und /cher schwankendenc\c32 Gewissen mehr Festigkeit geben, als die Ueberzeugung von ihrer Allgemeinheit, die nur durch reine Vernunft erwiesen werden kanc33? – Ueberhaupt aber erfordert wahre Tugend, daß man nicht nur das Gute thue, sondern auch eben darum, weil es gut ist, und nicht bloß den Gesetzen gemäß, sondern auch aus Achtung gegen die Gesetze handle. Hiezu dient denn eben die Ueberzeugung von der Verbindlichkeit dieser Gesetze an sich, |b240| ohne Rücksicht auf andrec34 (subjective) Gründe, die aber freylichc35 nicht anders, als,c36 unabhängig von diesen, aus reiner Vernunft bewiesen werden kanc37.

|c219| c38 Es wäre also höchst nöthig, diese bloß auf reine Vernunft gegründete Moral von aller empirischen getrennt, als einen besondrenc39 Theil oder Wissenschaft vorzutragen. Die sehr nützliche Wissenschaft, welche Wolf, und nach ihm Andere, unter dem Namen einer allgemeinen praktischen Philosophie aufgestellt haben, untersucht zwar den Willen überhaupt mit den daraus fließenden allgemeinen Grundsätzen; sie schränkt sich aber nicht auf bloß reine Vernunftbegriffe ein, sondern nimmt vielmehr Erfahrungsgrundsätze zu Hülfe. Ganz eigentlich aber hat Kant, sowohl vorläufig in der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, als noch vielmehr in der Kritik der praktischen Vernunft, Riga /c1788 inc\c40 gr. 8.c41 dieses /cbeabsichtigt.c\
cbeabsichtigt, worauf mehrere Schriften dieser Art, zum Theil übereinstimmend, zum Theil abweichend von Heydenreich, Bendavid u. A. gefolgt sind, womit auch F. Schleyermacher's Kritik der bisherigen Sittenlehre, Berlin 1803., zu vergleichen ist.c
c1: will, c2: kann c3: im c4: 202. c5: 183. c6: 190. c7: müssen c8: kann c9: sei c10: Beispiele c11: mag; c12: dieß c13: wobei c14: kann c15: sei c16: einzulassen c17: bei c18: nicht anders kann c19: sofern c20: kann c21: sei c22: Gesetze, c23: Unrecht, c24: darthun; c25: kann c26: derer c27: scheint; c28: sei; c29: Und c30: kann c31: hin- c32: herschwankenden c33: kann c34: andere c35: freilich c36: als c37: kann c38: Anm. c39: besondern c40: 1788. c41: 8.,

205.

Betrachtet man die moralischen Gesetze in Rücksicht auf den menschlichen Willen insbesondrec1, mit allec2 dem, was in der Natur des Menschen die Ausübung jener Gesetze begünstigt, oder erschwert und hindert: so entsteht daraus die praktische Philosophie in dem gewöhnlichern Sinn, die (nach §. 204c3) auch praktische Anthropologie heissenc4 könnte. Diese gründet sich sowohl auf Grundsätze der reinen Moral, daher sie auch Einige angewandte Moralphilosophie |b241| nennen, als auf die Seelenlehre. Es mag nun diese Wissenschaft die allgemeinen Grundsätze der Sitten mit aufnehmen, oder, wenn sie diese einer allgemeinen praktischen Philosophie oder der Metaphysik der Sitten überläßt, sich auf die menschlichen Sitten einschränken: so muß sie – die wahre Natur der den Menschen |c220| möglichen Tugend und den großen Umfang der Pflichten darstellen, die aus der Natur und den Verhältnissen der Menschen /centstehen –c\c5 sie mit überzeugenden Beweisen und dringenden Empfehlungsgründen unterstützen /cc\ und ihre Ausführbarkeit klar machen, d. i. sowohl die Hindernisse angeben, die ihrer Ausübung im Wege stehen, und die rechte Art, sie zu überwinden, lehren, als auch zugleich die Mittel vorlegen, wodurch gute Gesinnungen und Handlungen am wirksamsten hervorgebracht, erhalten und vermehrt werden können. – Diese auf Menschenkenntniß gegründete praktische /cPhilosophie kanc\c6 weit Mehreren faßlich und einleuchtend dargestellt werden, als die sogenannte reine,c7 und selbst diese letztere wird durch jene erst anschaulich. Durch diese Behandlungsart wird allen praktischen Grundsätzen und Lehren weit mehr Nachdruck gegeben und mehr Eingang verschafft. Hier kanc8 man recht eigentlich praktischen Vorurtheilen /centgegen arbeitenc\c9, die selbst der überzeugendsten Einsicht unsrerc10 Pflichten beyc11 der Ausübung so sehr im Wege stehen. Hier hat man besonders die beste Gelegenheit, die Trägheit und Muthlosigkeit aufzumuntern, indem man zeigt, wie gar wohl möglich und wie vortreflichc12 |b242| die Tugend, und wie ausführbar unsrec13 Pflichten seync14. Hier läßt sich die Anwendung der Pflichten aufs Leben und auf besondrec15 Fälle näher zeigen, und dadurch das Studium und die Ausübung der Pflichten sehr erleichtern. – Alles dies sind sehr große Vortheile, die dieser Art der Moral selbst einen gewissen Vorzug vor der reinen geben; wenn nur nicht, über /cdas Bestrebenc\c16 faßlich zu werden, die Bestimmtheit, und über /cdie Bemühungenc\c17 Eindruck zu machen, die Gründlichkeit im Vortrage vernachläßigtc18 wird.a\

c1: insbesondere c2: allem c3: 204. c4: heißen c5: entstehen; c6: Philosophie, kann c7: reine; c8: kann c9: entgegenarbeiten c10: unserer c11: bei c12: vortrefflich c13: unsere c14: seyen c15: besondere c16: dem Bestreben, c17: den Bemühungen, c18: vernachlässigt

a|a189| 201.

Unter diesen moralischen Wissenschaften läßt sich zuförderst eine denken, welche bey den übrigen eben so zum Grunde läge, wie die Ontologie bey den Theilen der theoretischen Philosophie. Man könnte sie die allgemeine praktische Philosophie nennen. Sie müßte die Natur der Sittlichkeit deutlich bestimmen, den in der Natur gegründeten Unterschied von Recht oder Unrecht, Guten oder Bösen, klar machen, die allgemeinsten moralischen Begriffe und Grundsätze entwickeln und ausser Zweifel setzen, die gute Gesinnung und den moralischen Charakter bilden, die allgemeinsten Mittel angeben und empfehlen, wodurch der Mensch zum Guten gelenkt werden kan.

202.

Ohne sie giebts keine recht deutliche Gewißheit von Pflichten und Tugenden, die um so unentbehrlicher ist, je mehr die Anzahl leichtsinniger oder halbkluger Sophisten und Schwärmer überhand nimmt, welche mit der natürlichen Sittlichkeit die Glückseligkeit der Menschen untergraben, oder sie auf so schwankende Begriffe gründen, daß wichtige Pflichten verkannt und verdrängt, oder ein Spiel des Gutdünkens und höchstens des äusserlichen Wohlstandes werden. – Ueberdies sind alle gut heissende Handlungen, ohne gute Gesinnung, daraus sie fliessen, bloß mechanisch, und ein wahres Puppenspiel; der Selbstbetrug aber ist um so gefährlicher, je mehr er Thaten und Verdienste vor |a190| sich zu haben scheint. Wo also nicht durch diese allgemeinere Wissenschaft das Herz und der Charakter gebildet, und der Grund zu einer wahren und beständigen Tugend gelegt wird, da kan höchstens nichts als eine bloß äusserliche und sehr unzuverläßige Glückseligkeit begründet werden.a

|c221| 206a1.

aDiese Anmerkung scheint desto nöthiger, da selbst der eingeführte Unterschied zwischen dem Recht der Natur und der Sittenlehre nicht selten eine Gleichgültigkeit gegen die innere Güte des Menschen, ja selbst gegen die Pflichten erweckt hat, die nicht gerade Pflichten gegen Andre sind.a
Wenn man sich den Menschen im Stande der /aNatur denkt, das heißt,a\a2 als bloßena3 Menschen, /avorc4 sich oder im Verhältniß gegen /cAndre, als bloßec\c5 Menschen, und in einem Zustande, wo er noch keine andrec6 Verbindungen mit ihnen, ausserc7 denen, die die Natur selbst gemacht hat, eingegangen ist: so darf er, nach dem Zweck seines Daseyns,a\a8 seine Kräfte bestmöglichst /abrauchenc9, und allesc10, was er dadurch hervorbringt oder erlangt, ist als das Seinige anzusehen; nur mit der Einschränkung, daß, weil ein jeder andrer Mensch eben dieses darf, kein andrer an dem ebenmäßigen Gebrauch seiner Kräfte und dem Genuß desjenigen, was er dadurch bewirkt oder erworben hat, gehindert werden muß. Jeder Mensch hat also zu dem gedachten Gebrauch und Genußa\a11 ein Recht a12, und /ain dieser Rücksicht entstehta\ für jeden Andern a13 die Pflicht, ihn in dem, was seina14 ist, |b243| das heißt,a15 in dem Gebrauch seiner Kräfte, des dadurch Erworbenen,a16 und der Güter, ohne welche er jene nicht brauchen, dieses nicht /agenießen könntea\a17, nicht zu beeinträchtigen. Dergleichen natürliche Rechte und Pflichten /anennt mana\a18 vollkommene Rechte und Pflichten, weil und sofern sie die Natur mit sich bringt, ohne daß es erst der Einwilligung eines Andern /abedarfa\a19; auch heissenc20 sie erzwingliche Rechte und Zwangs|a291[!]|pflichten, weil der, so /adiese Rechtea\a21 hat, siea22 dadurch behauptena23 darf, daß er den Andern zwingetc24, siea25 unbeeinträchtigt zu laßenac26. Alle andrec27 Rechte und Pflichten /cheissen unvollkommnec\c28 oder unerzwingliche, auch bloßea29 Gewissenspflichten. Jene Zwangsrechte und Pflichten machen das Naturrecht, diese Gewissenspflichten die Moral oder Sittenlehre im engern Verstande aus. /a/cBeyde gehören zu der oben (§. 204 und 5) erwähnten praktischen Anthropologie.c\a\
cWenn man sich |c222| statt einzelner Menschen ganze Völker, und diese als moralische Personen gegen einander, denkt: so entsteht aus dem Begriff eines solchen Volks, auf welches der Inhalt des Naturgesetzes angewendet wird, das sogenannte Völkerrecht.c

  • c30 J. G. Sulzersc31 vermischte philosophische Schriftenc32 S. 389 /cflgg.c\c33
  • c M. /cMendelssohns Jerusalemc\c34 I. S. 29 f.

Sonst nenntec35 man auch Naturrecht den Inbegriff aller aus der Natur fließendena36 Pflichten und Rechte, und verwies in die Moral /a(im engsten Verstande)a\ oder in /adiea\ Ethik /a(im engern Sinn §. 202c37)a\ bloß die Mittel zur moralischen Bildung und Ausübung der Pflichten. Eine sehr unbequemec38 Trennung, die auch hier nicht in Anschlag kommt.

c⌇⌇c Das Völkerrecht gehört nicht in unsern Plan.c

a1: 203 a2: Natur, d. i. a3: blossen c4: für c5: andere, in eben diesem Naturstande gedachte c6: andere c7: außer a8: und vor aller freywilligen Uebereinkunft mit Andern, denkt: so darf er nach den Gesetzen der Vollkommenheit – c9: gebrauchen c10: Alles a11: brauchen – um sich glücklich zu machen, d. i. er hat a12: dazu a13: entsteht a14: seine a15: heißt: a16: Erworbenen a17: geniessen konnte a18: heissen a19: bedarf, und dadurch die nehmlichen Rechte des Andern nicht gekränkt werden c20: heißen a21: das Recht a22: es a23: erhalten c24: zwingt a25: es ac26: lassen c27: andere c28: heißen unvollkommene a29: blosse c30: Anm. Siehe c31: Sulzer's c32: Schriften, c33: fgg. und c34: Mendelssohn's Jerusalem, c35: nannte a36: fliessenden c37: 202. c38: bequeme

|b244| 207a1.

Es hat allerdings seinen großena2 Vortheil für die weise Bestimmung und Handhabung der bürgerlichen Gerechtigkeit, wenn die gedachten vollkommnenc3 und unvollkommnenc4 Pflichten von einander unterschieden werden; und /cdac\ alle positive Rechte um so gegründetera5 sind, je mehr sie mit dem Naturrecht übereinstimmen, sie auch eigentlich durch dieses letztere ihre Festigkeit bekommen: so bleibt das /cRecht der Naturc\c6 immer eine sehr wichtige Wissenschaft, auch für den, der sich der Theologie widmet; zumal wenn damit, wie von Manchena7, zugleich im |a192| Vortrag die allgemeine praktische Philosophie verbunden wird. Allein da a8 sich /adas Naturrechta\ nur auf Pflichten gegen Andrec9, und noch dazu nur auf Zwangspflichtena10 einschränkt, folglich nur Beleidigungen abwehrena11, und äusserlichec12 Sicherheit, also einen zwar sehr schätzbaren, aber doch nur sehr kleinen Theil der mensch|c223|lichen, und nur der äusserlichenc13, Glückseligkeit, befördern soll; auch in der /aeigentlichena\ Moral eben dieselben Pflichten, nur nicht mit so besondrerc14 Anwendung auf die in der menschlichen Gesellschaft sich ereignenden Umstände, vorgetragen werden;a15 und /ain der eigentlichen Morala\ noch dazu mehr auf Liebe und Achtung gegen Andrec16 gearbeitet wird, ohne welche die wahre Gerechtigkeit sehr oft nicht erkannt oder nicht ausgeübt werden möchte: so scheint es für den künftigen Lehrer der Religion räthlicher, beydec17 Wissenschaften /a(§. 206c18)a\ /cin der Erlernungc\c19 nicht zu trennen.

/c|b245| Anm.a20 Wenn man sich statt einzelnera21 Menschen ganze Völker, und diese als moralische Personen gegen einander, denkt: so entsteht aus dem Begriff eines solchen Volks, auf welches der Inhalt des Naturgesetzes angewendet wird, das sogenannte Völkerrecht; das aber hier zu unsrer Absicht nicht gehört.c\
cAnm. Leidet es irgend die Zeit, so dürfte es doch rathsam seyn, auch das Naturrecht als Vorbereitung auf die philosophische Moral, oder neben derselben zu hören, oder sich wenigstens mit einigen Hauptschriften, wären es auch anfangs nur kurze Lehrbücher, bekannt zu machen. Die ältern wichtigen Werke von Grotius und Puffendorf, auch Wolf, behaupten noch immer einen hohen Werth. Unter den neuern verdienen vorzügliche Beachtung: L. F. E. Höpfner's Naturrecht, 7te Ausg. Gießen 1806. G. Hufeland's Lehrsätze des Naturrechts. Jena 1795. J. C. Hoffbauer's Naturrecht. Halle 1804., desgleichen die Lehrbücher von Kant, Abicht, Jakob, Fichte, Weise, Maaß, Krug, Fries und Meister.c
a1: 204 a2: grossen c3: vollkommenen c4: unvollkommenen a5: besser c6: Recht der Natur a7: manchen a8: es c9: Andere a10: Zwangspflichten, a11: abwähren c12: äußerliche c13: äußerlichen c14: besonderer a15: werden, c16: Andere c17: beide c18: 206. c19: im Studium a20: Anm. a21: einzler

208a1.

Die philosophische Moral also, wenn sie a2 von der allgemeinen praktischen /aund von der reinen praktischena\ Philosophie (§. /a204c3 Anm.), aber nicht von dem Naturrecht (§. 206c4a\a5) unterschieden wird, faßt den ganzen Umfang aller besondern Pflichten des Menschen in sich, sofern sie aus der Natur erkennbar sind, und schränkt sich beyc6 Vorstellung der Gründe, womit |a293[!]| sie sie empfiehlt, so wie der Mittel, |c224| die sie zur Beförderung guter Gesinnungen und Handlungen vorschlägt, auf keine besondrec7 Arten derselben, wie das Naturrecht, ein, wenn nur jene Gründe und diese Mittel aus der Natur erkannt werden können. Sie dehnt sich auch über die Pflichten der Gerechtigkeit aus,c8 – dies hat sie mit dem Recht der Natur gemein –; aber sie begnügt sich nicht mit äusserlicherc9 Gerechtigkeit, sie dringt auch auf innerliche; sie fügt noch die Pflichten des Wohlthuns hinzu, und alle Pflichten, die wir Gott und uns selbst schuldig sind, oder die c10 irgend aus allen diesen Verhältnissen entstehen. Sie bearbeitet alle diese Pflichten /azugleich und eigentlicha\ als Gewissenspflichten, und begnügt sich nicht mit guten Handlun|b246|gen, sondern arbeitet auch und vornemlichc11 auf gute Gesinnungen. Kurz, sie bildet den Menschen nicht bloß zum unschädlichen und ehrlichen Mann, sondern sucht ihn auch nützlich oder wohlthätig, redlich und religiösa12 zu machen. /cc\ Da sie so den Menschen eigentlich veredelt,c13 und zu seiner wahren Bestimmung führt:c14 so muß jedem die Nothwendigkeit einleuchten, sie ganz vorzüglich zu treiben. Am meisten müßte der künftige Lehrer der Religion sie sich zu eigen zu machen suchen, da er ganz eigentlich dazu bestimmt ist, Andrerc15 Gewissen zu leiten.

c16 Durch den Eintritt in die häusliche und bürgerliche Gesellschaftc17 geht zwar der Stand der Natur in einen conventionellen, d. i. in einen solchen über, der auf freywilligenc18 Vertrag und Uebereinkunft beruht; aber es entstehen doch theils |a194| schon aus der Natur und a19 Absicht eines solchen Standes gewisse neue Pflichten, theils bleiben darin alle natürliche Rechte, und eben so alle natürliche Pflichten, /cso fernc\c20 man jenen nicht durch den Vertrag freywilligc21 entsagt hat. Man hat daher auch die natürlichen Rechte und Pflichten der häuslichen und bürgerlichen Ge|c225|sellschaft in /czwey besondrec\c22 Wissenschaften gebracht, die als Theile der praktischen Philosophie behandelt werden. Jene, die erstere, welche sich mit der häuslichen Gesellschaft beschäftigt, nennetc23 man die Oekonomik; die andrec24, so auf die bürgerliche Gesellschaft geht, die Politik. Nach Verschiedenheit der Gesellschaften ließena25 sich dergleichen Wissenschaften noch mehr vervielfältigen, und nach |b247| ihren mannichfaltigenc26 Gegenständen und besondrenc27 Theilen /cdieser Wissenschaftenc\c28 wieder besondrec29 neue Wissenschaften bilden.
c⌇⌇c {Die philosophische Moral ist eine vortreffliche Vorbereitung auf die christliche. Diese ist nun, besonders seit sie durch Calixtus zu einer von der Dogmatik getrennten Wissenschaft erhoben ward, selbst fast ganz philosophisch geworden. Dieß beweiset wenigstens, daß die vorzüglichsten Lehrer der Moral fühlten, wie die tiefe Ergründung der Vorschriften des Christenthums, Philosophie voraussetze und fordere. Zu dem ersten Studium sind vorzüglich empfehlungswerth:
  • J. A. Eberhard's Sittenlehre der Vernunft. Berlin 1781. (nach dem Grundsatze der Wolfschen Schule);
nach dem System der kritischen Philosophie:
  • I. Kant's Metaphysik der Sitten. Königsberg 1801.
  • K. C. E. Schmidt's Versuch einer Moralphilosophie. Jena 1802.
  • L. H. Jakob's philosophische Sittenlehre. Halle 1794.;
nach den Principien der Wissenschaftslehre:
  • J. G. Fichte's System der Sittenlehre. Jena 1798.

Hiermit werden auch die moralischen Schriften der Alten, namentlich die von Plato, Plutarch, Epictet, Arian, Simplicius, Marc Aurel, Cicero, Seneca, desgleichen die trefflichen Engländer Hutcheson, Shaftesbury, Smith, Ferguson, Paley u. s. w. zu vergleichen seyn. A. d. H.[}]c
a1: 205 a2: noch c3: 204. c4: 206. a5: 201. c6: bei c7: besondere c8: aus c9: äußerlicher c10: nur c11: vornehmlich a12: religiöser c13: veredelt c14: führt, c15: Anderer c16: Anm. c17: Gesellschaft, c18: freiwilligen a19: der c20: sofern c21: freiwillig c22: zwei besondere c23: nennt c24: andere a25: liessen c26: mannigfaltigen c27: besondern c28: derselben c29: besondere

a206.

So wie man die Philosophie nach den verschiedenen Sachen abgetheilet hat, die man darin untersucht: so auch nach der verschiednen Art der Untersuchung (§. 172). Es läßt sich eine Wissenschaft der allgemeinen Eigenschaften der Dinge denken, die lauter nothwendig wahre Sätze enthält, wo also die Beweise nur aus Begriffen geführt, und diese so lange entwickelt werden müssen, bis man auf Sätze kommt, deren Gegentheil undenkbar ist. Dies ist, was man wissenschaftliche oder scientifische, systematische oder auch speculative Philosophie nennt, die den Namen einer Wissenschaft im strengsten Verstande verdient, und deren eigentlicher Zweck völlige Gewißheit ist. |a195| Eine jede andre Philosphie würde mehr oder weniger gemeine oder populäre Philosophie seyn, je nachdem sie sich mehr oder weniger mit sinnlichen Dingen beschäftigte, mehr oder weniger sich der Induction oder der Analogie bediente, mehr oder weniger die Begriffe entwickelte.

Zu dieser letztern Art gehört das, was einige die Philosophie der gesunden Vernunft, oder des schlichten Menschenverstandes nennen, welche denn keine andere Sätze oder Urtheile enthalten könnte, als solche, deren Wahrheit oder Richtigkeit unmittelbar, d. i. ohne weitere Entwickelung der Begriffe eines Satzes und ihres Verhältnisses, klar ist; denn was ist der gemeine Menschenverstand (sensus communis, richtiger: der gemeine Wahrheitssinn) anderes, als das Vermögen oder vielmehr die Fertigkeit der Seele, die Richtigkeit eines Satzes unmittelbar zu erkennen?

207.

Man sollte gegen keine dieser Arten der Philosophie und gegen den unstreitigen Nutzen ungerecht seyn, welchen die eine wie die andere leisten kan. Man hat 1) Ursach, das Studium der Philosophie immer allgemeiner zu machen, und den Gebrauch des Nachdenkens bey jedermann zu befördern. Nachdenken kan jeder lernen, aber zur eigentlichen Speculation sind nur wenige fähig und aufgelegt. 2) Auch giebt es nur wenig Sätze, die streng demonstrirt werden können; der allergrösseste Theil unserer Kenntnisse beruhet auf Vermuthung, Wahrscheinlichkeit, höchstens auf morali|a196|scher Gewißheit, und wir bedürfen dieser weit häufiger als der ganz eigentlich allgemeinen Wahrheiten; wenigstens vertritt bey den nothwendigsten allgemeinen Sätzen der Wahrheitssinn hinlänglich die Stelle der reinen Vernunft. 3) Je abgezogner ein Satz ist: je weniger lassen sich aus ihm besondre Erfindungen erklären, und je mehr man sich an Speculation und Vereinfachung der Begriffe gewöhnt: je schwerer hält es, aus dieser höhern Gegend sich wieder zu den gemeinen menschlichen Angelegenheiten herabzulassen, sich an die Entdeckung der Mit- und Zwischenursachen zu gewöhnen, und überhaupt seine Kenntnisse anwendbar zu machen: je leichter verfällt man auch auf die Einbildung, Dinge erklären zu können, die man nicht erklären kan, und bekümmert sich zu wenig um das Besondere oder Eigenthümliche einer Sache, ohne dessen Kenntniß keine wirkliche Erklärung derselben möglich ist.

Auf dieses letzte gründet sich der gar nicht ungerechte Vorwurf, welchen man denjenigen gemacht hat, die sich ganz der speculativen Philosophie widmeten, daß sie oft auf ganz unbeträchtliche und unfruchtbare Fragen verfielen, und sich oder Andre mit leeren Wörtern abspeiseten; daß sie sich zu sehr zur Zweifelsucht oder im Gegentheil zur Demonstrirsucht neigten; und überhaupt mit ihren Kenntnissen zu unfruchtbar für das gemeine Leben, und zu unfähig zu eigentlichen Geschäften würden.

|a197| 208.

Wenn sich denn nun auch 4) viele Sätze nicht bis zur vollkommnen Evidenz oder zur reinen Vernunftkenntniß erheben liessen: so verdienen sie deswegen nicht aus dem Gebiete der Philosophie verbannt zu werden. Man hat Beyspiele genug, daß manche unevidente Sätze mit der Zeit bis zur Evidenz gebracht worden sind. Man gönne ihnen also einen kleinen Platz in der Philosophie, bemerke es nur, daß sie mit evidenten Sätzen nicht gleichen Rang haben, und hebe sie für künftige Untersuchung auf, wodurch sie vielleicht in der Zukunft klärer werden können. 5) Bedarf es denn auch überall der demonstrativen Gewißheit? In den meisten Fällen kommen wir mit Wahrscheinlichkeit aus, in den wichtigsten Angelegenheiten fehlt es an moralischer Gewißheit dem nicht, wer sie mit Fleiß sucht, und bey dieser und jener ist für unsre Glückseligkeit so gut, wie durch den gemeinen Wahrheitssinn, gesorgt, der, wo uns reine Vernunft abgeht, ihre Stelle vertritt, und uns selten irre führt. Bey Dingen, wo es auf moralisches Verhalten ankommt, ist moralische Gewißheit und Gefühl der Wahrheit immer zureichend. Moralische Uebungen erfordern sogar unevidente Kenntnisse. *) Laßt uns endlich nicht vergessen, daß wir hier im Stande der Kindheit leben, und als gute Kinder des besten Vaters, mit unsern Umständen zufrieden seyn, nicht klagen, wenn er uns unsre unzeitige Fragen nicht beantwortet, so weit gehen, als wir kommen können, und, wo wir nicht |a198| weiter können, uns an das halten, was wir wissen, mit aller Treue auch seinen blossen Winken folgen, versichert, daß, wenn er unsern Fleiß jetzt nicht durch Erfüllung unsrer Wünsche belohnte, unser Wünschen thöricht war, und es unser Unglück gewesen seyn würde, wenn er sie uns jetzt gewährt hätte.

*) S. J. G. Töllner wahre Gründe, warum Gott die Offenbarung nicht mit augenscheinlichen Beweisen versehen hat, S. 154 f.

209.

So schätzbar übrigens auch Gewißheit ist, eben so unentbehrlich ist zu unserer Glückseligkeit 6) der Eindruck, den unsre Erkenntniß macht, oder die Wirksamkeit der Erkenntniß. Dazu ist keine vollkommene Evidenz nöthig, bey der ohnehin das Herz sehr kalt bleiben kan, sondern anschauende, also sinnliche Erkenntniß. Weil nun populäre Philosophie sich weit weniger vom Sinnlichen entfernt, und mehr auf Empfindung und Einbildungskraft wirkt, als speculative, die sich mit Bearbeitung des Verstandes und übersinnlicher Erkenntniß beschäftigt: so befördert jene weit mehr, oder sie eigentlich allein, das Leben und die Thätigkeit der Erkenntniß. – Dieses gilt besonders 7) bey Geschäften des menschlichen Lebens, wo Weisheit und Klugheit mehr werth ist, als eigentliche Wissenschaft. Jene erfordern praktischen Beobachtungsgeist, d. i. Fähigkeit oder Fertigkeit, die Umstände, unter welchen man zu handeln, |a199| und die Menschen, die man zu lenken hat, durchzuschauen, und praktische Beurtheilungskraft d. i. Fähigkeit oder Fertigkeit, in den einzlen Vorfällen das Rathsamste gleich zu erkennen und anzuwenden. Diesen ist speculative Philosophie nicht günstig. Denn sie beschäftigt sich mehr mit dem Möglichen als Wirklichen, und zieht den Blick zu sehr vom Gegenwärtigen und der wirklichen Lage der Sachen, und von der so mannichfaltigen individuellen Menschenkenntniß ab; sie sucht Einen Gegenstand, oft nur Eine Seite desselben, zu ergründen, anstatt mehrere Sachen auf einmal, und sie zugleich von mehrern Seiten anzuschauen; gewöhnt zu sehr an Beschäftigung mit dem gegenwärtigen Gegenstand der Betrachtung, als daß sie lebhafte Vorstellung des Künftigen, welches die Weisheit und Klugheit immer mit in Anschlag nehmen muß, befördern sollte; gewöhnt zu langsamen Entwickeln und Zergliedern, und hindert also den schnellen Blick und die augenblickliche Entschliessung, macht verlegen und unentschlüßig.

Man hat oft darauf gedrungen, die Philosophie zur Philosophie des Lebens oder der Welt zu machen. Wenn das so viel heißt, sie, unbeschadet ihrer Gründlichkeit, immer brauchbarer für das menschliche Leben und für die geschickteste Art des Betragens, auch in einzeln Fällen, zu machen: so ist dagegen nichts einzuwenden. Auch ist es die Pflicht eines jeden, sich Weisheit und Klugheit zu erwerben, d. i. die Fertigkeit, das Beste, was in einzeln Fällen zu thun, und wie es aufs beste auszuführen sey, zu finden. Aber dieses kan in keine Wissenschaft gebracht wer|a200|den, weil sich ganz allgemeine Sätze nicht aus blosser Beobachtung herleiten lassen, und weil die einzle Umstände die Lage, in der man zu handeln hat, zu mannichfaltig, und ein sehr verschiedenes Verhalten nothwendig machen. Ohnehin kommt das Meiste bey Weisheit oder Klugheit auf Uebung unsrer Fähigkeiten und auf das Hinlenken unsrer Aufmerksamkeit und unsers Verstandes auf menschliche Angelegenheiten an. Eine Sammlung von praktischen Maximen würde nicht nur keine zusammenhängende Wissenschaft seyn, sondern auch zu viel Halbwahres enthalten, das im Handeln selbst oft genug keine Anwendung litte.

210.

Die bisher erwehnten grossen Vorzüge der populären Philosophie, nebst der Anwendung der wissenschaftlichen Philosophie da, wohin sie nicht gehörte, ihrem Mißbrauch zur Bestreitung mancher dem Menschen theuern Grundsätze, und die Allgenügsamkeit metaphysischer Pedanten, haben der populären Philosophie, vornemlich zu unsrer Zeit, grosse Achtung erworben, und der wissenschaftlichen eine zu schnöde Verachtung zugezogen. Unsere Zeitumstände tragen das Ihrige dazu bey. Man wird sich darüber nicht wundern, wenn man weiß, wie sehr sich zu unsrer Zeit der Fleiß in Untersuchung der sichtbaren Natur und die Vorliebe zu diesem Studium ausgebreitet habe; wie allgemeiner, auch unter Unstudierten, Begierde nach Aufklärung und Leserey worden sey, und wie sehr, bey dieser Menge derer, die auch mitreden wollen, bey der Seltenheit spe|a201|culativer Köpfe, und bey dem Gefühl der mehrern Leichtigkeit und des grössern Bedürfniß des Raisonnements über vorkommende Dinge, als tiefsinniger Untersuchung, der Geschmack an dem habe zunehmen müssen, was gemeinnützig scheint, und unmittelbaren Nutzen zeigt; wie sehr endlich der französische Geschmack und Literatur auf unsre Nation gewirkt habe. – Alles dieses muß die Besorgniß erregen, ob nicht diese an sich sehr gerechte Liebe zur populären Philosophie in Gleichgültigkeit gegen Wahrheit und Gewißheit menschlicher Erkenntniß, gegen das Unsichtbare überhaupt, und somit gegen das, was nicht unmittelbar Nutzen zeigt, ausarten möchte.

211.

Und doch verdient die wissenschaftliche Philosophie eine solche Gleichgültigkeit, oder gar Verachtug, gewiß nicht. 1) Schon das, was den Menschen über die Thiere erhebt, was ihn allein für den Mangel mancher feinen Empfindung entschädigt, darin ihn viele Thiere übertreffen, und ihn gegen die Gefahr sichert, der ihn seine sinnliche Vorstellungen und Begierden aussetzen, nemlich das Vermögen, seine Vorstellungen zu verdeutlichen, und in ihre feinere Bestandtheile ausfzulösen, auch seine Wahl bis nach deutlicher Untersuchung aufzuschieben, zeigt, daß seine Erkenntniß der Natur um so vollkommner sey, je deutlich entwickelter sie ist, und empiehlt eine Wissenschaft, die ganz eigentlich ihn dahin führen soll. 2) So |a202| fern man in der Philosophie allgemeine Grundsätze aufsucht, die wir hernach in einzlen Fällen mit Sicherheit anwenden können, giebt die populäre Philosophie keine durchgängige Sicherheit. Völlige Allgemeinheit kan nur aus Begriffen erkannt werden, Induction und Analogie zeigt nicht das ganz Allgemeine; gleichwohl nimmt die populäre Philosophie diesen letztren Weg, so wie die wissenschaftliche sich stets an Begriffe hält, und darauf die Allgemeinheit ihrer Sätze gründet. Ueberdies, da jeder, der auf jene Art philosophiret, seine Beobachtungen aus dem Kreise herausnimmt, der ihn am meisten anzieht, und mit dem er am meisten bekannt ist, und da die Absicht bey dieser Art von Philosophie Gemeinnützigkeit ist: so gewöhnt man sich, die Dinge zu einseitig oder nur nach besondern Verhältnissen, insbesondre den Menschen nur, oder doch am meisten nach der Lage, in der wir ihn sehen, oder die uns eigentlich intereßirt, zu betrachten, und daher vieles zu übersehen oder gar zu verachten, was doch zur allgemein richtigen Beurtheilung erfordert wird.

Um sich von der Richtigkeit dieser letztern Bemerkung zu überzeugen, darf man nur, besonders bey der sogenannten Philosophie des Lebens und des gemeinen Menschenverstandes, auf die sehr verschiedenen Begriffe des Staatsmannes, des Gelehrten und des gemeinen Mannes von dem, was zur Glückseligkeit des Menschen gehört, und von dem Werth der Dinge, Acht geben. Daher die Zufriedenheit mit unbestimmten Sätzen, das Halbwahre in so vielen moralischen Maximen, die allgemeinen Machtsprüche, vor|a203|nemlich derer, die sich vorzüglicher Menschenkenntniß rühmen, die allgemeine Abfertigung gewisser Behauptungen oder Handlungen mit Urtheilen, die nur gemeiniglich wahr sind.a

|c226| 209a1.

/aMan spricht c2 öfters von einer Philosophie der gesunden Vernunft, oder, etwas bestimmter ausgedrucktc3, des bloßen Menschenverstandes, und von einer Philosophie des Lebens, oder der Welt, und empfiehlt sie so, als wenn sie das Studium der eigentlichen bisher beschriebenen Philosophie entbehrlich machte, oder wenigstens ihren Abgang gar wohl ersetzen könnte. – Wenn man sich die Begriffe davon deutlich zu machen sucht, um nur erst zu wissen, was diese Empfehlung eigentlich sagen solle:c4 so kanc5 doch der gemeine Menschenverstand (sensus communis), c6 richtiger: der gemeine Wahrheitssinn, anders nichts seyn, als das Vermögen, oder vielmehr die Fertigkeit der Seele, die Richtigkeit eines Urtheils unmittelbar, d. i. ohne weitere Entwickelung der Begriffe eines Satzes und ihres Verhältnisses, zu erkennen; und alsdann könnte eine solche Philosophie keine andrec7, als soc8 erkannte Sätze,c9 enthalten. Würde dann dieses Vermögen in Absicht auf praktische Sätze und beyc10 Bestimmung dessen, was rechtmäßig ist, betrachtet:c11 so würde es das seyn, was man moralisches Gefühl oder Gewissen, als bloße Empfindung genommen, zu nennen pflegt. Alleina\

aAugenscheinlich zeigt sich 3) der grosse Werth der wissenschaftlichen Philosophie, wenn man auf Gewißheit der Erkenntniß ausgeht, ohne welche die Philosophie eine sehr unzuverläßige Führerin bey Untersuchungen und Handlungen ist. Gewiß ist das, wovon das Gegentheil (schlechthin oder unter gewissen Voraussetzungen) undenkbar ist; aber eben die Denkbarkeit oder Möglichkeit ist der Gegenstand der wissenschaftlichen Philosophie. Ob etwas denkbar sey, kan anders nicht als durch Entwickelung der Begriffe gefunden, und der Zweifel nicht völlig gehoben werden, ehe nicht der streitige Satz bis auf solche Sätze und Begriffe zurückgeführt ist, die keine weitere Entwickelung leiden. Wenn denn auch die Untersuchung sich, wie in den meisten Fällen, nicht bis zu nothwendig wahren Sätzen treiben läßt: so kan doch die verschiedene Abstufung der Wahrheit, oder die mehrere und wenigere Annäherung eines Satzes an das Undenkbare, mit einem Wort, das Wahrscheinlichere, anders nicht beurtheilt werden, als nach der möglichsten Verdeutlichung der Begriffe von den streitigen Sachen.
Anm. 1. Wer dieses leugnen wollte, der müßte auch leugnen, daß man mit bewafneten Augen mehreres in einer Sache und ihre wahre Gestalt |a204| besser sehen könne, als mit blossen Augen; daß man nach einem deutlich abgetheilten Maaßstab sicherer messen könne, als nach dem blossen Augenschein; daß ein Scheidekünstler mehr von den Bestandtheilen und der wahren Natur der Mineralien entdecken könne, als ein Andrer durch das blosse Beschauen.
Anm. 2. So sicher uns in vielen Fällen der Gemeinsinn, (§. 206 Anmerk.) und bey Bestimmung dessen, was Recht ist, das moralische Gefühl, leitet,a
so sehr wir Ursach habenc12 gegen die Speculation mißtrauisch |b248| zu werden, wenn sie einem von beydenc13 widerspricht;a14 so großea15 Dienste uns /ader Wahrheitssinn und das moralische Gefühl leisteta\a16, wenn wir nicht lange untersuchen können, oder,a17 wenn es uns unmöglich ist, auf deutliche Begriffe zu kommen: so haben sie doch 1) nur einen sehr eingeschränkten Nutzen, nemlichc18 nur in den Fällen, wo das Verhältniß des einen Begriffs in einem Satz gegen den andern Begriff sehr nahe ist, oder auf unsern beständig /ceinerleyenc\c19 Erfahrungen be|c227|ruht, oder wo zwischen einander gerade entgegengesetzten oder sehr einfachen Sätzen, nicht aber, wo zwischen vielerleyc20 oder zwischen sehr zusammengesetzten Sätzen entschieden werden soll.a21 /c2)c\ Unda22 dennoch c23 können sie beydec24 trügen, theils,a25 weil sie zwar auf beständigen, aber oft nur einartigenc26 Erfahrungen beruhen,c27 (wie z. B. beyc28 Einwohnern der heissestenc29 Erdstriche, die nie die Verdichtung des Wassers durch Kälte wahrgenommen haben,)ac30 theils, weil sich unvermerkt Vorurtheile des Temperaments, der Erziehung /cu. d. gl.c\c31 einmischen. Natürlich kanc32 dieser Fehler nur durch Verdeutlichung der Begriffe entdeckt, und ihm abgeholfen werden, wodurch sich danna33 auch zeigt, wie das Wahrheits- oder moralische Gefühl auf Abwege gerathen /csey; jenerc\c34 Fehler aber ergiebt sich nur aus neuen Erfahrungen, die zwar von dem Irrthum zurück|a205|bringen, aber doch noch auf keine vollständige Induction /aschließen laßenc35. 3) Ueberhaupt aber führt dieser Sinn und dieses Gefühl auf keine allgemeinen Sätze, die wir in der Philosophie nöthig haben, es seyc36 denn daß es analytische |b249| Sätze, d. i. solche wären, wo das Prädicat schon in dem Subject eingewickelt liegt.a\a37

a1: 212 c2: auch c3: ausgedrückt c4: solle; c5: kann c6: oder c7: andere c8: so c9: Sätze c10: bei c11: betrachtet, c12: haben, c13: beiden a14: widerspricht, a15: grosse a16: beyde thun a17: oder c18: nämlich c19: sich gleichbleibenden c20: vielerlei a21: soll; a22: und c23: 2) c24: beide a25: theils c26: einseitigen c27: beruhen c28: bei c29: heißesten ac30: haben), c31: u. dergl. c32: kann a33: denn c34: sei. Jener c35: lassen c36: sei a37: schliessen lassen.

/a210.

Eine ähnliche Bewandnißc1 hat es mit der Philosophie des Lebens oder der Welt. Heißt diese so viel als Erfahrungsphilosophie, im Unterschiede von der Philosophie der reinen Vernunft, oder /cheißt siec\c2 gar nur derc3 Inbegriff von solchen allgemeinen Sätzen, die unmittelbar im Handeln /ckönnenc\ angewendet werden c4: so muß beyc5 Beurtheilung ihres Werthes und ihrer Unzulänglichkeit dasjenige in Anschlag kommen, was oben hin und wieder über den Werth und c6 Nothwendigkeit der reinen sowohl als aller theore|c228|tischen Philosophie gesagt worden ist; nicht zu gedenken, daß diese Lebensphilosophie im letztern Sinne gar keine Wissenschaft seyn kanc7, sondern eine bloße Sammlung ohngefehrc8 zusammengeschichteter Sätze, die weder Haltung haben, noch allgemeine Sicherheit in der Ueberzeugung geben. – Soll aber Philosophie des Lebens eine Anweisung zur Weisheit und Klugheit seyn:c9 so ist es zwar die Pflicht eines jedenc10, sich beydec11 zu erwerben, d. i. die Fertigkeit, das Beste zu finden, was in einzelnen Fällen zu thun, und wie es aufs bestec12 auszuführen seyc13. Aber dieses kanc14 in keine Wissenschaft gebracht werden, weil sich allgemeine Sätze nicht aus bloßer Beobachtung abziehen laßenc15, und weil die einzelnen Umstände, die Lage, in der man zu handeln hat, zu mannichfaltig c16, und ein sehr verschiednesc17 Verhalten |b250| nothwendig machen. Eine Sammlung von praktischen Maximen würde nicht nur keine zusammenhängende Wissenschaft seyn, sondern auch zu vieles Halbwahre enthalten, das im Handeln selbst oft keine Anwendung litte. Weisheit und Klugheit erfordern vielmehr praktischen Beobachtungsgeist, d. i. Fähigkeit oder Fertigkeit, /cdie Umstände,c\ unter welchen man zu handeln, und die Menschen, die man zu seinen Absichten zu lenken hat, durchzuschauenc18, und praktische Beurtheilungskraft, d. i. Fähigkeit oder Fertigkeit, in den einzelnen Vorfällen die besten Mittel gleich zu erkennen und anzuwenden. Dazu wird Anlage, Fleiß und Uebung erfordert, ohne die selbst alle Wissenschaft uns nichts zu unsrerc19 wirklichen Glückseligkeit hilft; /clehren läßtc\ sie /csich,c\ als eine eigentliche /cWissenschaft, nichtc\c20.

cAnm. Da indeß viele, selbst unter den Studierenden, zur Speculation und tiefern Ergründung selbst moralischer Materien nicht geeignet sind, auch außerdem gerade die moralischen Wahrheiten ein sehr allgemeines Interesse haben, |c229| so sind auch populäre Bearbeitungen der Moral, wenn sie nur von richtigen Principien ausgehen und eine reine Sittenlehre predigen, nicht zu verachten, und mehrere derselben enthalten, namentlich für den praktischen Religions- und Sittenlehrer, reiche Materialien. Dieß gilt z. B. von Werken, wie J. B. Basedow's praktische Philosophie für alle Stände. Leipzig 1777. C. F. Gellert's moralische Vorlesungen. Leipzig 1770. K. F. Bahrdt's Moral für alle Stände. Berlin 1797., desgleichen viele der besten Wochenschriften, namentlich der Zuschauer, a. d. Engl., und solche Schriften, welche auf einzelne Stände, auf Geschlecht und Alter Rücksicht nehmen. A. d. H.c a\
c1: Bewandtniß c2: meint man c3: den c4: können c5: bei c6: die c7: kann c8: ohngefähr c9: seyn, c10: Jeden c11: beide c12: Beste c13: sei c14: kann c15: lassen c16: sind c17: verschiedenes c18: zu durchschauen c19: unserer c20: Wissenschaft zu lehren, minder unmöglich seyn

a213.

Wenn denn nun gleich diese wissenschaftliche Philosophie nicht alles ins Reine bringen und beantworten kan, was man von ihr völlig aufgeklärt wünschen möchte: so hat sie doch auch, wenn man sie gehörig treibt, 4) einen grossen Einfluß auf die Bildung unsrer Denkungsart und Characters. Sie gewöhnt zur bedächtigen und reifen Ueberlegung, auch der Kleinigkeiten, die ins Ganze sehr wichtig werden können, und ist in so fern ein Zaum der so gern ins Wilde gehenden Imagination und der Flüchtigkeit im Denken, sie kan selbst den Geschäftmann (τον πραγματικον ἀνδρα) zur Genauigkeit im Denken (justesse d'Esprit), und zu nüchterner Untersuchung bilden. Sie gewöhnt an Beschäftigung mit unsichtbaren Dingen, mit Religion, Tugend, innerer Kenntniß des Menschen, und hemmt den Hang zur Sinnlichkeit. Sie befördert, indem sie an bedächtige Untersuchung und Verdeutlichung der Begriffe gewöhnet, eine gewisse Ruhe des Geistes. Und, wenn man ihr vorwirft, sie führe auf unnütze, unentscheidbare Fragen, und zuletzt auf leere Wörter, so vergißt man dabey, daß dieses Urtheil nur denn erst wahr gemacht werden kan, wenn man sich an Verdeutlichung der Begriffe gewöhnt hat, und daß eben sie durch Auflösung der Fragen in ihre einfachsten Theile zeige, ob |a206| eine Frage unstatthaft und unbeantwortlich sey. *)

*) S. Moses Mendelssohns Morgenstunden S. 115 folgg. und in den Zusätzen S. XX folgg.
Es läßt sich aus dem bisherigen erklären, warum, bey Verachtung dieser Philosophie, Genügsamkeit an seichter Erkenntniß und oben abgeschöpfter Menschen- und Weltkenntniß, der Hang wegzulachen, was man nicht wegbeweisen kan, Schwärmerey allerley Art, zum Theil auch Eckel an ernsthaften Untersuchungen, und besonders an der Religion, überhand nehme, und wie allen diesen Ausschweifungen durch fleißiges Studium der wissenschaftlichen Philosophie vorgebeugt werden könne.a

/a/c§.c\ 211a\a1.

/a/cEsc\c2 läßt sich auchc3 nicht philosophiren, wenn man nicht den nöthigen Stoffc4 hat, den man läutern und verarbeiten will. Daher /cwäre es sehr gut, wennc\c5 a\

aWägt man die Vortheile unpartheyisch gegen einander ab, welche die wissenschaftliche und populäre Philosphie gewährt: so findet man gewiß, daß beyderley Philosphie mit einander verbunden zu werden verdiene; jene, vornemlich wenn es um Wahrheit und um bündige Ueberzeugung davon zu thun ist, diese, wenn die Ueberzeugung anschaulich und wirksam auf Herz und Leben, und das Erkannte recht anwendbar werden soll. Man kan den Stoff nicht läutern und verarbeiten, wenn man ihn nicht zuvor gesammlet hat, und man kan ihn nicht gehörig anwenden, wenn man ohne Regeln verfährt. Es wäre daher rathsam, daßa
junge Studierende /afrühzeitig, besonders auf Schulen,a\a6 auf Beobachtung der physischen und |a207| moralischen Natur, auf den Menschen,a7 und die Vorfälle in der Welt, auf Ursachen und Folgen der /cDingec\c8 aufmerksam gemacht, zur Reflexion gewöhnt a9, und dazu /abesonders beyc10 dema\a11 Lesen classischerac12 Schriftsteller und dema14 Studium der Geschichte /ageleitet würdenc15a\a16. Hättenc17 sie so sich geübtc18, und einen guten Vorrath von Kenntnissen |b251| /cgesammlet, alsdenn müßtenc\c19 sie zu den Regeln des Denkens angeführt, und durch bedächtiges Fortschreiten von dem Einfachern zum Zusammengesetztern, zu deutlicher Untersuchung gewöhnt werden. /aHättec20 man ihnen nachhera\a21 zugleich eine /agutea\ zusammenhängende /aallgemeinea\ Uebersicht der wissenschaftlichen Philosophie /abeygebrachtc23a\a22, so wüßtenc24 sie nicht nurc25 was die gründlichsten Forscher /causgekörnt,a26 undc\ bewährt |c230| befunden /chätten,c\c27 sondern sie würdenc28 auch, was sie selbst /anachgehendsa\ durch Nachdenken oder beyc29 den besten Schriftstellern untersucht gefunden, /cgehörig anreihen,c\ mit mehrerer Sicherheit prüfen, und bestimmter ausdruckenac30 lernen.

c31 Wenn man nach diesem Vorschlage 1) nicht eher /cwissenschaftliche Philosophiec\c32 treibt, als bis man einen guten Vorrath von Begriffen gesammletc33, und schon Vorübungen angestelletc34 hat: so wird man beyc35 jener weniger auf unfruchtbare Untersuchungen verfallen, /aaber auch,c36 a\ trockne Begriffe und Untersuchungen,a37 aus Unwissenheit weniger für unnütz halten, und selbst durch diese weniger ermüdet werden. 2) Macht man sich alsdann ein wohl zusammenhängendes und methodisches System bekannt:c38 so erspart man sich nicht nur manche unnöthige eignec39 Untersuchungen, und lernt, was bereits vorgearbeitet, und was noch zurück ist, sondern man verfällt auch weniger |a208| auf die Thorheit derer, die, unter dem Vorwande des Selbstdenkens und einer freyenc40 Philosophie,a41 nur Streifereyenc42 in dieses ihnen noch zu wenig bekannte Land thun, und es nie zu einem |b252| rechten Ganzen bringen, worina43 alle Theile einander Licht und Befestigung geben, und Eines durch das Andere bestimmt und berichtigt wird. Vollends schön philosophiren wollen, ehe man gründlich philosophiren gelernt hat, und an die Verzierung des Gebäudes a44 denken, ehe man an einen festen Grund gedachtc45 hat, ist der sicherste Weg,a46 ein seichter Schwätzer zu werden. Es versteht sich aber von selbst, daß ein System, welches jene Dienste leisten soll, methodisch seyn, und nicht eher weiter fortrücken müsse, als bis der Weg zum Folgenden erst durch deutliche Begriffe gebahnt worden ist. Wer dazu keine Geduld, und, worin gemeiniglich dieser Fehler liegt, keinen Kopf zu deutlichen und bestimmten Begriffen, oder keinen Geschmakac47 an Gründlichkeit der Untersuchungen hat, thut freylichc48 besser,a49 daß er sich mit gemeiner Philosophie begnügt, wenn er nur so viel Bescheidenheit hat, sich nicht in Sa|c231|chen mischen zu wollen, die durch bloß gemeine Philosophie nicht a50 können /aentschieden werdena\.
a1: 214 c2: Was übrigens die Methode des philosophischen Studiums betrifft, so c3: überall c4: Stoff c5: sollten a6: erst a7: Menschen c8: Dinge, beim Sprachstudium aber auf die Formen des Denkens und die Verhältnisse und Begriffe a9: würden c10: bei a11: das ac12: claßischer (a); classischen (c) a14: das c15: werden a16: besonders angewendet werden möchte c17: Haben c18: vorgeübt c19: gesammelt, so müssen c20: Hat a21: Wenn sie so ac22: bekommen hätten (a); beigebracht (c) c24: wissen c25: nur, a26: ausgekörnt c27: haben, gehörig anzureihen, c28: werden c29: bei ac30: ausdrücken c31: Anm. c32: wissenschaftliche, vornehmlich speculative Philosophie c33: gesammelt c34: angestellt c35: bei c36: auch a37: Untersuchungen c38: bekannt, c39: eigene c40: freien a41: Philosophie c42: Streifereien a43: worinn a44: zu c45: gelegt a46: Weg ac47: Geschmack c48: freilich a49: besser a50: entschieden werden

212a1.

/a/cUebrigens möchtenc\c2 die Haupterfordernisse zu einem wahrhaftig nützlichena\a3 Studium der Philosophie /c/awohl folgende seyn.a\a4 c\c5 Hinlänglicher Vorrath von Kenntnissen der Sache, die man untersuchen will. – /aStetes Trachten allein nach Wahrheit, ohne Rücksicht auf Neues, Berühmtes, Gangbares, oder was unsern Leidenschaften schmeichelt. –a\ Beständiges Streben nach deutlichen und bestimmten Begriffen. – Nicht /aschnell |b253| zum Ziele einer Untersuchung eilen, und bald nach Resultaten haschen.c6 – Vielmehrc7 nichta\ eher weiter gehen, c8 bis man von dem deut|a209|lich überzeugt ist, was beyc9 der weitern Untersuchung zum Grunde liegen muß. – /aIm Untersuchen stetea\a10 Verbindung der wirkenden und Endursachen. – Stete Rücksicht auf Anwendung zum Handeln und zu Aufklärung anderera11 Wissenschaften, vornemlichc12 derer, denen wir uns vorzüglich widmen. – Bescheidenheit, da stehen zu bleiben, wo wir wegen der Natur der /aSache,a\a13 wegen unsrer eingeschränkten Erkenntniß/a, und wegen Mangel vonc14 Vorerkenntnissen,a\ nicht weiter können; ohne weder das zu verwerfen, was wir, jetzt wenigstens, nicht durchzuschauenc15 vermögen, noch schlechthin an deren Aufklärung zu verzweifeln. – Zufriedenheit mit moralischer Gewißheit, wo es uns an höherer Evidenz fehlt, und, wo uns auch /anicht einmala\ jene zu erhalten a16 möglich ist, in praktischen Sachen, mit Wahrscheinlichkeit, und überhaupt mit möglichster Annäherung an Gewißheit. – Treue Benutzung aller Winke von Andern, zu weiterer Untersuchung.

cAnm. Methodologische Winke und Anleitungen findet man in K. H. Heydenreich's encyklopädischer Einleitung |c232| in das Studium der Philosophie, nach dem Bedürfniß unsers Zeitalters. Leipzig 1793. u. J. H. G. Heusinger's Versuch einer Encyklopädie der Philosophie, nebst einer praktischen Anleitung zum Studium der kritischen Philosophie, 2 Theile. Weimar 1796. A. d. H.c
a1: 215 c2: Demnach sind a3: In dem, was bisher über wissenschaftliche und populäre Philosophie gesagt worden ist, liegt auch das, worauf man hauptsächlich bey dem a4: zu sehen hat. c5: folgende: c6: haschen; c7: vielmehr c8: als c9: bei a10: Stete a11: der c12: vornehmlich a13: Sache oder c14: an c15: zu durchschauen a16: nicht

213ac1.

Die c3 vornehmsten Schriftsteller, welche sich um die Aufklärung der Philosophie verdient gemacht haben, und ihre Schriften, kanc4 man c5 einigermaßena6, wenigstens ihrer Existenz nach, /ckennen lernen ausc\

caus vorbenannten geschichtlichen Werken kennen; zum Theil ist sie aber auch in mehrern neuern Werken bearbeitet worden. Selbst die philosophischen Wörterbücher sind voll von Notizen dieser Art.
Anm. Früherhin bediente man sich dazuc
der c Bibliotheca philosophica /cStruviana - -c\c7 aucta a Lud. Mart. Kahlio, Goetting. 1740. |b254| /cinc\ 2 Tomm. /cinc\ gr. 8. /a/cnoch mehrc\c8, zumal in Absicht auf neuere Litteraturc9 und bessere Wahl der Bücher,a\a10 /caus derc\c11 c Anleitung zur Kenntniß der auserlesenen Litteraturac12 in allen Theilen der Philosophie, von Michael Hißmann, Göttingen 1778. 8. c welche fortgesetzt zu werden verdient; /cdie |a210| merkwürdigsten aber in Absicht auf einzelnea13 Lehrsätze und Streitigkeiten darüber aus: Philosophia rationalis, auctore Sam. Christ. Hollmanno, Edit. auct. Goetting. 1767. 8. Desselbena14 Prima Philosophia multum aucta, ebendaselbst, 1747. 8. Institutiones Pnevmatologiae et Theologiae naturalis, das. 1741. 8. Jurisprudentiae naturalis primae lineae, das. 1751. 8. und Philosophiae moralis,a15 s. Ethices primae lineae, das. 1768. 8; /aaus den anthropologischena\a16 und pnevmatologischena17 Aphorismen, (von Just. Christ. Hennings) Halle 1777. 8. und Desselben Sittenlehre der Vernunft, Altenburg 1782. gr. 8., nebst den Federschen Lehrbüchern und den Platnerischen Aphorismen, auch den philosophischen Bibliotheken /aund Magazinena\ von Windheim, Hennings, Lossius,a18 c\
cdann
J. H. M. Ernesti's encyklopädisches Handbuch einer allgemeinen Geschichte der Philosophie und ihrer Literatur. Lemgo 1807.
desgl. die oben S. 231 angeführte Heydenreichsche Schrift. Die neueste Literatur liefern zum Theil nur die philosophischen Bibliotheken und Magazine, dergleichenc
/aCäsar, Eberhard, Feder,a\ /c/aMeinersa\ und andern.c\
cMeiners, |c235| Abicht, Grollmann, Niethammer, Buhle und Bouterweck herausgegeben haben.
Unter den philosophischen Wörterbüchern bemerken wir:
  • J. C. Lossius neues philosophisches Reallexicon, 4 Bände. Erfurt 1803–1807.
  • G. S. A. Mellin's allgemeines Wörterbuch der Philosophie, 2 Bände, 1805–1807., und
  • Dessen Wörterbuch der kritischen Philosophie, 1. bis 6. Bd. Züllichau 1797 fg. A. d. H.c

ac1: 216 (a); 215[!] (c) c3: philosophische Literatur, oder Kenntniß der c4: lernt c5: schon a6: einigermassen c7: Struvianac8: ⌇⌇c Vollständiger aber ist c9: Literatur a10: noch besser c11: die ac12: Literatur a13: einzle a14: desselben a15: moralis a16: Anthropologische a17: pnevmatologische a18: Loßius

214ac1.

Billig /amüßte abera\a3 /cniemand, werc\c4 die Philosophie studierena5 will, unterlaßenac6, sich c7 mit der Geschichte der Philosophie bekannt zu machen. Sie ist eigentlich die Geschichte des menschlichen Verstandes und seiner fortgeschrittnenc8 Bildung, und die Kenntniß derselben hat sonach den größe|b255|stenac9 Einfluß in die Kenntniß der Geschichte und der Veränderungen aller andern Wissenschaften, namentlich der Theologie und der verschiednenc11 Vorstellungen über die Lehrsätze der Religion, die stets von der jedesmaligen Gestalt und den Veränderungen der Philosophie mit abgehangen haben. Sie /akanc12 uns belehrena\a13, wie weit man in der Philosophie, auch in Aufklärung einzelnera14 Lehrsätze, fortge|a211|rückt, und was noch zu leisten übrig seyc15, und die Ursachen der Verwirrungena16 nebst den Mitteln und Hindernissen des weitern Fortschritts begreiflich machen. Sie würde wenigstens auf einer Seite den allesc17 anstaunenden Dünkel, oder den Sectengeist verhindern und niederdrücken helfen, und auf der andern die Billigkeit in der Beurtheilung verschiednerc18 Meinungen befördern.

ac1: 217 (a); 213[!] (c) a3: aber müßte c4: keiner, der a5: studiren ac6: unterlassen c7: auch c8: fortgeschrittenen ac9: grössesten (a); größten (c) c11: verschiedenen c12: kann a13: könnte lehren a14: einzler c15: sei a16: Verirrungen c17: Alles c18: verschiedener

215ac1.

Wenn sie diesen Nutzen recht leisten sollte:c3 so müßtec4 sie freylichc5 auf richtige Kritik der Quellen, auf genaue Kenntniß und Studium des philosophischen Sprachgebrauchs, nicht nur überhaupt, sondern auch /cbey einer jeden Parteya6, Zeitc\c7 |c233| und einzelnerac8 Philosophen, folglich auf sehr feine Sprachkenntniß und Bekanntschaft mit der Geschichte anderer Wissenschaftenc10 gebauet seyn, und die Ursachen, Fortgänge und Folgen aufgeklärter Begriffe und Lehrsätze deutlich darlegen, also auch gewissermassenc11 mehr Geschichte der innerlichen Bildung der philosophischen Wissenschaften und einzelnera12 Lehrsätze, als der Personen und |b256| Schriften seyn. An diesen Eigenschaften scheintc13 es /aden meistena\a14 bisherigenc15 Versuchen, die das Ganze dieser Geschichte umfassen sollen, mehr oder /cweniger zu fehlen, und nur wenige Versuche über einzelnea16 Stücke dieser Geschichte, z. B. das §. 139 angeführte Meinerssche Werk, nähern sich dieser Vollkommenheit. – Bis jetzt sind noch immerc\c17 c Jacob Bruckersc18 kurze Fragen aus der philosophischen Historie, /cUlm 1731–|a212|1735 in 7 Theilen in 12c\c19, nebst einem Bande Neuer Zusätze, ebendas. 1737. 12. /cund Ebendesselbenc\c20 Historia critica Philosophiae, Lipsiae /c1742–44. inc\c21 4 Tomisc22 oder 5 /cBänden in 4c\c23, mit einem Appendix, als dem 6stenc24 Bande,a25 1767. /c(jedes Werk in seiner Art vorzüglich);a26 c\c27 für Anfänger /caber Desselbenc\c28 Institutiones historiae philosophicae, Edit. /a3,c29 auctior et emendatior, curavit Frid. Gottl. Born,a\a30 Lipsiae /c/a1790 ina\a31 gr.c\c32 8. /acund (Joh. Christoph Adelung) Geschichte der Philosophie für Liebhaber, Leipz. 1786 und 87 in 3 Bänden in 8, die besten.ac\

aoder Anton Friedr. Büschings Grundriß einer Geschichte der Philosophie, Berlin 1771–74. in 2 Theilen in 8. die besten.a
c⌇⌇c In neuern Zeiten empfehlen sich als größere allgemeine Werke:
  • J. G. Buhle Lehrbuch der Geschichte der Philosophie, 8 Theile. Göttingen 1796–1804., und
  • Desselben Geschichte der neuern Philosophie, 6 Bände. 1800–1805.
nicht minder:
  • W. G. Tennemann Geschichte der Philosophie, 1ster bis 8ter Band, 1798–1810.,
  • M. Tiedemann's Geist der speculativen Philosophie, 6 Bde. Marburg 1791–1797, und
  • |c234| Joh. Christoph Adelung's Geschichte der Philosophie für Liebhaber, 3 Bde. 8. Leipzig 1786 und 1787.
als kürzere Lehrbücher:
  • J. A. Eberhard's allgemeine Geschichte der Philosophie. Halle 1796., wozu des Verfassers Geist des Urchristenthums, 3 Theile, eine Art von Commentar ist.
  • J. G. Gurlitt's Abriß der Geschichte der Philosophie. Leipzig 1786., und ganz vorzüglich:
  • Tennemann's Grundriß der Geschichte d. Philos. Leipz. 1812.c

ac1: 218 (a); 214[!] (c) c3: soll, c4: muß c5: freilich a6: Parthey c7: jeder einzelnen Partei, Zeitperiode ac8: einzlen (a); einzelnen (c) c10: Wissenschaften, c11: gewissermaßen a12: einzler c13: fehlt a14: allen c15: frühern a16: einzle c17: weniger; aber auch hierin hat die neuere Literatur sehr bedeutende Fortschritte gemacht. ⌇⌇c Anm. Früherhin waren c18: Brucker's c19: 7 Theile, 12. Ulm 1731–1735. c20: c ein Hauptwerk. Noch immer ist's c Ebendesselben c21: 1742–1744. c22: Tomi c23: Bände 4. c24: 6ten a25: Bande a26: vorzüglich,) c27: c und c28: c Desselben c29: 3. a30: 2. a31: 1756. c32: 1790.