|a727| |b153| |c138| Vierter Theil.
Von den Fähigkeiten eines künftigen Lehrers der Religion, und von den allgemeinena1 Uebungen, wodurch er zu einenc2 solchen gebildet werden kanac3.

a1: allgemeinern c2: einem ac3: kann

91a1.

Beyc2 allen Schritten, die ein Mensch mit Ueberlegung thut, und vorzüglich beyc3 der Wahl eines Berufs oder einer Beschäftigung, der er ganz eigentlich seine ersten Kräfte widmen will, wird er sich allezeit zweyc4 Fragen vorlegen, wenigstens eher nicht wählen, als bis er von diesen /czwey Punctena5 c\c6 gewiß ist. Erstlich: Wenn ichc7 eine gewisse Absicht habec8, was wird erfordert, wenn sie erreicht werden soll? /cHernach: Bin ichc\c9 der, der diesc10 leisten kanc11? oder wie /cwerde ichc\c12 es c13? – Wir haben bisher von dem Zweck der Religion und des zu ihrer Förderung bestimmten Lehrstandes sowohl, als von den dazu nöthigen Wissenschaften, und der zu jenem Zweck diensamen Anwendung derselben,a14 geredet, und dadurch den, |a728| der sich diesem |b154| Berufe widmen will, in den Stand zu setzen gesucht, dasc15 überzeugend einzusehnc16, was zur würdigen Bekleidung desselben erfordert werde. Noch ist also nur die zweytec17 Frage übrig, die eine sehr ernstliche Untersuchung verdient.

a1: 593 c2: Bei c3: bei c4: zwei a5: Punkten c6: zwei Punkten c7: er c8: hat c9: Sodann: Ist er auch c10: dieß c11: kann c12: kann er c13: werden a14: derselben c15: daß c16: ein|c139|zusehen c17: zweite

92a1.

Denn,c2 gesetzt, ichc3 hätte die Fähigkeiten nicht, die zur Erfüllung meinerc4 Pflichten, als eines Lehrers der Religion, erforderlich sind; ichc5 hätte auch keine gegründete Hoffnungc6 sie durch gehörige Uebung meinerc7 Kräfte zu erlangen; oder ichc8 nähme mirc9 nicht einmal die Mühe, reiflich zu überlegen, ob ichc10 sie hätte oder erlangen könnte:a11 was würden die Folgen davon seyn? – In Absicht auf /cmichc\c12, – und wenn ichac13 selbst keinen Geschmack an diesen Beschäftigungen fände, – daß ichc15 dann die Pflicht meinesc16 Berufs entweder gar nicht, oder mit Widerwillen oder /cGleichgültigkeit, erfülletec\c17, und /cmir allesc\c18, was mirc19 das Vornehmste und Liebste seyn sollte, eine stete Quaal und elende Sclavenarbeitc20 würde; – wenn ichc21 aber doch noch diese Beschäftigungen liebte – daß ichc22 dann auf die größtentheils vergeblich verwendete Mühe und Zeit, die ichc23 hätte nützlicher und nutzbarer brauchen können, mit Reue zurück, so wie mit Gram in die Zukunft hinsehen müßte. /aa\ In Absicht auf Andrec24 aber, wie muß mirc25 zu Muthe seyn, /cwenn ich bedenke:c\c26 daß ichc27 die Erwartung derer, die michc28 zu diesem Stande berufen, mirc29 ihre wichtigste Angelegenheit, die |a729| Sorge für die Religion, für ihr Gewissen, für |b155| ihre Gemüthsruhe, anvertraut haben, die /cmichc\c30 selbst deswegen von ihrem Vermögen erhalten, und /cmichc\ von andern bürgerlichen Beschäftigungen lossprechen, wenn ichc31 also diese und meinec32 Hauptabsicht nicht, wenigstens nicht mit gebührendenc33 Fleiß, erfüllte noch erfüllen könnte; wenn ichc34 ihnen zur großena35 Last fiele;ac36 und Andern |c140| hinderlich gewesen wäre, die weit würdiger diesen Beruf würden bekleidet /chaben? Wiec\c37 sehr müßte dieses alles meinc38 Leben verbittern, mirc39 selbst noch im Tode die angenehme Rücksicht auf ein bestmöglichst angewendetes Leben, und die süßea40 Aussicht auf die Zukunft rauben?c41

a1: 594 c2: Denn c3: er c4: seiner c5: er c6: Hoffnung, c7: seiner c8: er c9: sich c10: er a11: könnte? c12: ihn selbst ac13: ich, (a); er (c) c15: er c16: seines c17: Gleichgültigkeit erfüllte c18: ihn Alles c19: ihm c20: Sklavenarbeit c21: er c22: er c23: er c24: Andere c25: dem c26: der bedenkt, c27: er c28: ihn c29: ihm c30: ihn vielleicht c31: er c32: seine c33: gebührendem c34: er a35: grossen ac36: fiele, c37: haben? – wie c38: sein c39: ihm a40: süsse c41: rauben!

93a1.

Unumgänglich nothwendig also, ehe man sich dem Berufc2 eines Lehrers der Religion widmet, ist: einmal, zu wissen: ob man diesem Stande und den darinnc3 zu erfüllenden Pflichten gewachsen sey;c4 folglich wohl zu untersuchen:c5 welche Fähigkeiten dieser Beruf und dessen ganzer Umfang erfordert? und woraus man es abnehmen könne, daß man sie besitze oder nicht? damit man im Stande seyc6, sich vernünftig und gewissenhaft zu prüfen. Hernachc7, zu untersuchen: durch welche Mittel oder Uebungen man diese Fähigkeiten, nebst den /cbey diesena8 c\c9 Beruf nöthigen Kenntnissen, erlangen und vermehren, und wie man diese Mittel aufs vortheilhafteste dazu anwenden könne.

|a730| |b156| c10 Diese Wahl kanc11 eigentlich dann erst recht geschehen, wenn man die Jahre des Verstandes erreicht, und diesen schon durch mancherleyc12 zusammenhängende Kenntnisse und Uebungen, überhaupt zu Wissenschaften, gebildet hat;c13 und sie wird gemeiniglich zu der Zeit vollzogen, wo man die Schule verläßt, um sich nun näher zu einer bestimmten Lebensart vorzubereiten. Aber nur sehr wenigec14 können zu dieser Zeit schon vernünftig und bestimmt genug /awählen; –a\a15 weil die Wenigsten rechte Vorerkenntnisse von den sogenannten höhern Wissenschaften, ihrem Umfangc16 und ihren Erfordernissen besitzen; /aa\ weil die Meisten ihren Verstand nicht genug gebildet haben, und zu sehr gewohnt sind, nach sinnlichen Eindrücken und dem /cäusserlichen Reitzc\c17 eines gewissen Standes zu urtheilen; und /aa\ weil nur |c141| Wenige so vorzüglich zu gewissen Beschäftigungen und Wissenschaften aufgelegt sind, daß beyc18 ihnen die Natur selbst unwidersprechlich für die ihnen angemessenste Beschäftigung entschieden hätte. /aa\ Daher sollte man schon auf Schulen,c19 denen, beyc20 welchen man wirkliche Anlage zu Gelehrten bemerkte, eine allgemeine vorläufige Idee von allen Wissenschaften und dem, was dazu erfordert wird, /cetwa nach der Meineckschen Synopsis eruditionis vniuersae a21,c\c22 geben; beyc23 allem Schulunterricht ja auf eignesc24 Denken junger Leute, auf Uebung ihres Verstandes, und auf Hervorbringung einer zusammenhängenden Erkenntniß sehen; ihnen in Zeiten richtige Begriffe von der wahren Gestalt und dem eigentlichen /cWerth äusserlicherc\c25 Dinge in der Welt, so wie von dem |b157| rechten Zweck verschiednerc26 Stände, beybringenc27, und sie,c28 Rechtschaffenheit und Gewissen über allesc29 schätzena30 lehren; endlich, wenn man beyc31 ihnen nicht ganz entscheidende Talente für eine besondrec32 Wissen|a731|schaft bemerkte, durch öftere Unterredungen und aufgegebene Versuche,a33 besondrec34 Gegenstände in gewissen Wissenschaften zu bearbeiten, zu entdecken suchen, wozu sie sich am besten schickten, und ihre Neigung besonders darauf leiten.
a1: 595 c2: Berufe c3: darin c4: sei, c5: untersuchen, c6: sei c7: Sodann a8: diesem c9: bei diesem c10: Anm. c11: kann c12: mancherlei c13: hat: c14: Wenige a15: wählen, c16: Umfange c17: äußerlichen Reitze c18: bei c19: Schulen c20: bei a21: (§. 255) c22: ja eine recht zweckmäßige Schulencyklopädie c23: bei c24: eigenes c25: Werthe äußerlicher c26: verschiedener c27: beibringen c28: sie c29: Alles a30: schätzen, c31: bei c32: besondere a33: Versuche c34: besondere