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|a295||b9||c8| Erster Abschnitt. Exegetische Theologie.
5.
Es ist für den künftigen Lehrer der Religion nichts weniger als überflüßig, sich zu überzeugen, wie nothwendig es sey, die Bibel mit dem angestrengtesten Fleisse zu studieren, und bey der Erforschung ihres Verstandes, und alles dessen, was dazu erfordert wird, mit eignen Augen zu sehen. Wenn es noch, selbst unter denen, die Lehrer seyn wollen, so viele giebt, die sie gar nicht einmal, als in einzelnen Fällen Amts wegen, lesen; die ihre Theologie lieber aus den Cisternen oder den trüben Wassern der Compendien und Systeme, als aus der Quelle selbst schöpfen wollen; die zufrieden sind, hergebrachte Texte der Bibel, worüber sie die Religion vortragen sollen, nothdürftig zu verstehen, ohne sich um den übrigen Inhalt der heil. Schrift zu bekümmern, oft auch mit noch wenigerm, mit jedem guten Gedanken, sich begnügen, der ihnen bey einen solchen Text beyfällt, ohne sich zu fragen, ob dies gerade das sey, was in dem Text liege; die, wenn sie ja auch das Uebrige in der Bibel lesen, statt eignen Fleisses, auf den bloßen Uebersetzun|a296|gen oder Commentarien Andrer ausruhen; die ihre Zuhörer lieber mit ihren eignen|b10| Einfällen, als mit dem Inhalt der Bibel unterhalten; die selbst gegen die zügellosesten Mißhandlungen der Bibel gleichgültig,|c9| selbst in die unredlichsten Vorstellungen ihres Inhalts verliebt sind, wenn diese nur ihrer Einbildungskraft ein angenehmes Spiel geben: so dürfte doch wohl jene Ueberzeugung von der Pflicht, die heilige Schrift, und zwar mit eignem Fleisse, zu studieren, selten genug, es dürften doch wohl der Vorurtheile nicht wenig seyn, welche die Lust zu dieser Beschäftigung ersticken, und denen man jene Ueberzeugung entgegen zu setzen nöthig finden möchte.
6.
Wenn die Bibel auch nur als ein bloß menschliches Werk betrachtet wird: so muß sie doch jedem, der unbefangen den Werth eines Buchs zu schätzen weiß, höchst respectabel seyn. Ein Werk, das, so häufig, wie kein andres in der Welt, gelesen worden ist; das mehr als irgend ein andres gewirkt, c√ Jahrtausende hindurch ganze Nationen, und gerade die aufgeklärtesten und gesittetsten, gebildet hat; das in einigen Theilen eine Geschichte enthält, dergleichen es in Absicht auf Alterthum, Nachrichten von sonst ganz unbekannten Theilen, zumal der ältesten Geschichte des menschlichen Geschlechts, und zugleich c√ Glaubwürdigkeit, sonst gar nicht giebt; das in andern seiner Bücher zu erst Aufschlüsse von Reli|a297|gion und Sittenlehre ertheilt, wie sie vor diesen Büchern nirgends waren, Aufschlüsse, die, bey |b11| alle dem, was sie von dem Gepräge der Zeit und der Nation, in der sie zuerst gegeben wurden, tragen, doch so sehr alle Merkmale der reinsten Gotteswürdigen Lauterkeit haben, und mit einer unübertreffbaren Einfalt, Faßlichkeit, Fruchtbarkeit und Würde ausgedruckt sind – sollte nicht die größte Aufmerksamkeit, sollte nicht vor allen andern studiert zu werden verdienen? – Ist nun die Bibel gerade das Werkzeug, dessen sich die göttliche |c10|Vorsehungbedienet hat, jene reine Religionsbegriffe auszubreiten, und dadurch erweislich zuerst die allgemein herrschende und unüberwindlich scheinende Macht des Aberglaubens und Götzendienstes zu stürzen; kan man also die so besondre Fürsorge Gottes bey ihrer Veranstaltung und Erhaltung nicht leugnen; bekennen wir uns für überzeugt, daß das Christenthum von Gott, daß es der zuverläßigste Weg sey, der zu ihm und zur wahren Seligkeit führt; und ist die Bibel das einzige Werk, woraus wir, was Christenthum sey, allein mit Sicherheit lernen können: so ist unbegreiflich, wie einem verständigen und ehrlichen Mann, der dieses alles glaubt, wie zumal einem Lehrer des Christenthums, das Studium der Bibel gleichgültig, oder unwichtiger als irgend etwas anders, seyn könne; man mag diese Sache in Absicht auf die Erkenntniß ansehen, die er vor sich haben, oder die er Andern mittheilen soll.
|a298||b12|7.
Ist die Bibel die Quelle, woraus die christliche Lehre allein sicher geschöpft werden kan, und enthält sie die Anzeige, wie und wodurch Gott selbst die Menschen nach und nach zu reinern Religionskenntnissen und göttlichen Gesinnungen erzogen hat; so müßte schon deswegen jeder, der auch nur vorerst wissen wollte, ob er sich für oder wider das Christenthum zu erklären habe, und bey dieser Frage ehrlich verfahren wollte, selbst die Bibel studieren. Weit mehr müßte er es also noch, wenn er sie für das Archiv hält, darin Gott seine Belehrungen der Menschen über die wahre Religion niedergelegt hat, und noch mehr, wenn er ein Lehrer dieser Religion seyn will, auf dessen Untersuchungen und Treue sich Andre sollen verlaßen können. (1 Kor. 4, 1. 2.)
|c11|8.
Zwar könnte er sich auf Andre verlaßen, die bereits diesen Unterricht und c√ Lehre aus der heiligen Schrift gezogen, oder den Sinn der Bibel sorgfältig untersucht haben. Aber doch nur alsdann, wenn er selbst keine Fähigkeit beydes zu thun, oder wichtigere Beschäftigungen, als diese, hätte, und wenn er völlig sicher seyn könnte, daß diese Andern nichts übersehen, keine Fehler dabey begangen hätten. Mit jenenkan er sich nicht entschuldigen; denn was kan für ihn wich|a299||b13|tiger seyn, als vorerst Gottes Willen aus den reinsten, ächtesten Urkunden seines Willens zu schöpfen? und wer nicht einmal die Kenntnisse erwerben kan oder will, die zur überzeugenden Einsicht des wahren Verstandes dieser Urkunden nöthig sind, mit welchem Recht will der sich Andern zum Wegweiser anbieten? Sicher, ohne eigne Untersuchung, kan er eben so wenig seyn, daß die, denen er folgen will, ihn vollständig und richtig von dem Christenthum belehrt haben. Denn jeder, der, bey dem Gebrauch der dazu dienlichen Hülfsmittel, selbst forscht, findet gewiß Manches in der Bibel, was Andre nicht gesehen haben; findet, wo nicht neue Aussichten über ihren richtigern Verstand und die darin enthaltenen Sachen, doch neue Beweise, neue Beziehungen der Lehren, neue Arten sie faßlicher und eindrücklicher zu machen. Und wäre auch alles dies nicht: so kan er sich doch Andern, die ihm vorgearbeitet haben, eher nicht sicher anvertrauen, als bis er geprüft hat, ob sie mit hinlänglicher Einsicht und Unpartheylichkeit dabey verfuhren. Dies kan er bey Menschen, die fehlen, Manches nicht wissen, Manches übersehen können, schlechterdings nicht mit Gewißheit annehmen, wenn er die Kenntnisse nicht selbst mit allem Fleiß zu erlangen |c12| sucht, oder nicht aufs gewissenhafteste braucht, die zur Bestimmung des Verstandes der heiligen Schrift und zur Prüfung der verschiedenen Meinungen darüber nöthig sind; kan am allerwenigsten dann entscheiden, wenn die Ausleger der Bibel über den Verstand gewisser |a300||b14| Stellen oder über gewisse Puncte, welche die Bibel angehn, unter sich uneins sind.
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
1. Der Wahn, daß es irgend einen oder mehrere Menschen gebe, die in Bestimmung des Sinnes der heiligen Schrift untrüglich wären, verdient weder Aufmerksamkeit noch Widerlegung. Er stößt zu sehr gegen den schlichten Menschenverstand und gegen die allgemeine Erfahrung an; ist Widerspruch gegen die göttliche Weisheit, die nichts vergeblich thut, und geradezu solchen Menschen Aufschluß in der Religion geben könnte, ohne erst durch einen Umweg Aufschluß über den Verstand eines Buchs zu geben, das Aufschluß über die Religion enthalten soll; und noch hat seit den Zeiten, da das Christenthum zuerst schriftlich in diesen Büchern verfaßt wurde, keiner, der sich dieser untrüglichen Erklärungen rühmte, den Beweis für diese seine Einbildung führen, oder das göttliche Creditiv dazu aufweisen können.
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
2. Daß jeder, der die Bibel und ihren Verstand untersuchen soll, eben so, wie Andre, irren könne, ist freylich wahr. Aber es bleibt doch jedem kein andres Mittel, möglichst sicher zu gehn, als eigne Untersuchung, und deswegen möglichstes Streben nach den Mitteln, die ihn dazu in den Stand setzen können (Röm. 14, 12. 22. 4. 5.). Mehr, als das Mögliche thun, mehr, als alle Mittel wozu sich bekannt machen, und treu brauchen, fordert Gott nicht. Wenn uns unser Herz, auch hierin, nicht verdammt, so haben wir Freudigkeit vor Gott, und was wir bitten, werden wir von |b15| ihm empfangen, denn wir thun was vor ihm recht ist (1 Joh. 3, 22.).
|a301||c13|9.
Dieser eigne Fleiß in Forschung der heiligen Schrift ist zwar zunächst und vornemlich wegen der darin enthaltenen Lehren nöthig, aber nicht minder wegen der darin enthaltenen Geschichte und der historischen Kenntnisse, welche zur Einsicht in den Verstand der Bibel nothwendig sind, aber oft deswegen, wie die biblische Geschichte selbst, verachtet, oder für entbehrlich gehalten werden, weil sie keinen Theil des Christenthums selbst ausmachten, und die Geschichte mehr zur zufälligen Einkleidung, als zum Wesen des biblischen Unterrichts gehöre; weil, durch die fleißige Beschäftigung damit, die Aufmerksamkeit von dem Wichtigern, von der Lehre selbst, abgelenkt, oder diese historischen Umstände wichtiger, als die Lehre selbst, gemacht würden; weil der größte Theil dieser Geschichte die Christen, wenigstens die jetzigen, gar nichts angehe; weil endlich der Lehrer des Christenthums das Volk nur in den Lehren, nicht in den beyläufig erzählten Geschichten, zu unterrichten habe. – Allein, von auswärtigen historischen Kenntnissen, d. i.
Abkürzungsauflösung von "d. i.": das ist
von solchen, welche zur Kritik, zur Sprach- und Geschichtkunde gehören, welche zum voraus da seyn müssen, ehe man sich an die Erklärung der Bibel wagen kan, von diesen ist hier die Rede noch nicht; davon wird sich hernach bey den |b16|einzelnen Kenntnissen, die ein Ausleger der Bibel mitbringen muß, besser reden laßen. Diese gehören zwar in den Unterricht des Volks nicht; |a302| aber sie gehören zum Unterricht und c√ Ueberzeugung des Lehrers selbst; ohne sie kan er weder den Verstand der heiligen Schrift, noch die Aechtheit und Göttlichkeit der Bibel, mit eigner Ueberzeugung einsehen.
|c14|10.
Aber die historischen Stellen selbst, die einen großen Theil des Inhalts der biblischen Bücher ausmachen, verdienen eben auch, und zum Theil eben so sehr, Aufmerksamkeit und Untersuchung des Lehrers, als die eigentlichen Lehrstellen. Wahr ists, die einzelnen Theile der biblischen Geschichte sind weder im gleichen Grade beglaubt noch wichtig; die Geschichte ist um der Lehren willen aufgezeichnet, und diese also der wichtigste Theil der Bibel; bey dieser ganzen Geschichte muß man sich mehr an den Geist als an den Buchstaben halten, d. i.
Abkürzungsauflösung von "d. i.": das ist
mehr an Handlungen als an Ereignisse, mehr an Gottes Absichten bey dem Geschehenen als an das Geschehene selbst, mehr an das Allgemeine, was für uns darin liegt, als an einzelne Umstände der Begebenheiten. Schon dadurch fallen die meisten Vorurtheile wider diese Geschichte (§. 9. ) weg, und der Mißbrauch wird, wenn man dieses immer vor Augen hat, verhütet. Noch mehr, wenn man Folgendes erwegt, was den großen Werth der biblischen Ge|b17|schichte und die Nothwendigkeit begreiflich machen kan, sie mit aller Sorgfalt zu studieren.
|a303|11.
Einmal müssen wir doch 1) die Bibel so nehmen, wie sie ist, und in der Gestalt, wie sie uns Gott hat zukommen laßen. Gesetzt, die Geschichte in derselben hinge mit den Lehren darin gar nicht zusammen, welches freylich von einigen Begebenheiten nicht zu leugnen ist: so nimmt sie doch einen beträchtlichen Theil der Bibel ein, ist entweder aus eben der Feder, wie das Uebrige, geflossen, oder, so weit unsre Kenntniß von der Geschichte einzelner Bücher, oder dieser ganzen Sammlung reicht, durch einerleyKanal|c15| zu uns gekommen. Und, da es, wie bey einer jeden sehr alten Schrift oder Text, wo nicht unmöglich, doch sehr schwer fällt, die Gränzlinie zwischen dem mehr oder minder Avthentischen zu ziehen, oder sie Andern fühlbar zu machen: so kan man in Absicht auf die allermeisten, auch unter nachdenkenden Lesern der Bibel, annehmen, daß sie dieselbe als ein Ganzes ansehen werden, welches in dem Maaß ihnen verdächtig und zweifelhaft wird, in welchem man Schwierigkeiten und Einwürfe gegen einzelne Theile nicht zu ihrer Befriedigung auflösen kan. Selbst die Geschichte der feindseligen Angriffe auf die Bibel lehrt es zur Genüge, daß, wenn man ihre Lehre umzustoßen verzweifeln mußte, man es für das wirksamste hielt, seine Angriffe auf ihre Geschichte zu richten, in der |b18| Absicht, indem man diese verdächtigte, um jene, und überhaupt das Ansehen der Bibel, zu stürzen, oder wenigstens verdächtig zu machen; der Er|a304|folg hat auch gezeigt, daß man diese Wirkung nicht übel berechnet habe. Wenn also Fälle genug vorkommen, wo der Lehrer des Christenthums über historische Schwierigkeiten in der Bibel entweder von nachdenkenden, redlichen und mit Zweifeln kämpfenden Lesern, die Ruhe und Ueberzeugung suchen, befragt wird, oder sich in die Nothwendigkeit versetzt sieht, feindselige Einwürfe dagegen zu beantworten: wäre es denn da und deswegen nicht Pflicht, auch diese Geschichte genau zu studieren, um selbst das Ansehen der Bibel und der darauf sich gründenden Lehre zu retten?
12.
Und verdient denn 2) diese Geschichte nicht den darauf verwendeten Fleiß, da sie zum Theil in die älteste Zeiten |c16| hinein reicht, wo uns alle andre Denkmale und Urkunden entgehen, und sich alle andre Nachrichten in ein undurchdringliches Dunkel verlieren, oder in die abgeschmacktesten Fabeln übergehen? Verdient nicht wenigstens die Geschichte der Religion und der göttlichen Vorsehung in der nach und nach veranstalteten Entwickelung wahrer Religionsbegriffe, verdienen nicht wenigstens die so unverkennbar wahren Züge der Sitten und Begriffe aus Zeiten, wo selbst Cultur noch wenig verdorben hatte, die Achtung und den Fleiß des Freundes der Menschen- und |b19| Religionskenntniß? Mags doch seyn, daß diese Geschichte, daß selbst der Vortrag der Lehren, die Farbe roher jüdischer Begriffe trage: so |a305| wäre doch diese so oft verachtete Geschichte schon darum der Untersuchung werth, damit man sichre Spuren finden könnte, um dieses Nationelle von dem allgemein Wahren und Brauchbaren absondern, um einsehen zu lernen, ob sich der Vortrag der Lehren bloß nach diesen jüdischen Begriffen und Bedürfnissen gerichtet habe, oder ob sich bey diesem, zwar in vieler Absicht rohen, aber gewiß in Absicht der Religion weit mehr, als andre gleichzeitige, aufgeklärtem Volke, Religionsbegriffe fänden, die werth wären, ihm abgelernt zu werden?
13.
Halten wir uns 3) an die Lehrart, welche fast durchaus in der Bibel bey dem Vortrage der Lehre herrscht, und trauen es der Weisheit Gottes zu, daß er diese als die beste bey dieser einzigen Ertheilung seiner nähern Aufschlüsse befunden habe: so ist augenscheinlich, daß im alten und neuen Testament, bey Mose , David , den Propheten und Aposteln, Lehre an Geschichte geknüpft, daß sogar die eigentliche christliche Lehre durchaus und so auf die Geschichte |c17| Jesu gebaut ist, daß die Apostel behaupten, es werde jene und die Ueberzeugung davon wanken, wenn diese verkannt würde, 1 Kor. 15, 1 f.
Abkürzungsauflösung von "f.": folgend
Joh. 20, 30. 31. Apostelg. 4, 9 f.
Abkürzungsauflösung von "f.": folgend
18–20 etc.
Abkürzungsauflösung von "etc.": et cetera
etc.
Abkürzungsauflösung von "etc.": et cetera
Und wirklich ist 4) die Geschichte in der Bibel Beleg zu den |b20| Lehren. Beruht das, was wir christliche Lehre nennen, darauf, daß Jesus Christus |a306|dies und nichts anderes, als Gottes Gesandter, gesagt hat, daß nach ihm seine vertrauten Schüler eben dies und noch mehr gesagt haben: woher wissen wir dieses anders zuverläßig, woher, daß sie, indem sie diese Lehre für göttlich ausgeben, glaubwürdig, dieser Lehre kundig, in Ueberlieferung derselben aufrichtig waren, als eben aus der biblischen Geschichte? Und was erweckt ein gegründeteres Vorurtheil, daß die Bücher, die wir unter ihrem Namen haben, ächt sind, als eben die Uebereinstimmung des Inhalts ihrer Bücher mit dem, was wir aus andern Büchern der Bibel von ihrer und ihrer Zeitgenossen Geschichte wissen?
14.
Ist denn nicht auch 5) Geschichte gerade das, was bey dem Menschen die meiste Aufmerksamkeit erregt und unterhält, allgemeine Wahrheiten, vornehmlich moralische, am deutlichsten macht, und aufs anschaulichste darstellt? Allgemeine moralische Sätze wirken nicht nur an sich bey weiten so stark nicht als Erfahrungen und Beyspiele, sie wirken eigentlich gar nicht auf Herz und Leben, als so fern wir das, was sie ausdrucken, mit dessen seligen oder unseligen Folgen, an uns oder andern, als wirklich vorhanden, als jetzt, oder vorhin, oder künftig vorhanden, denken.
Geschichte ist Moral in Wirklichkeit verwandelt; von wirklichen, nicht von möglichen,|b21| Dingen hängt unser körperliches und |c18| geistiges Le|a307|ben ab. Darum spricht Gott in der Natur zu uns durch Thaten, dadurch hält er uns gleich weit von Grübeley und Empfindeley, vom Unglauben und von Schwärmerey, ab; darum sprachen Jesus und seine Schüler, nachdem heidnische und jüdische Weisen lange genug dogmatisirt, und damit so wenig zur wirklichen Besserung und vernünftigen Gemüthsruhe gewirkt hatten, so viel sie konnten, durch Beyspiele; sie predigten aufs wirksamste Besserung, indem sie nach ihren Grundsätzen handelten, Gemüthsruhe und fröliche Aussicht in die Zukunft, indem sie für den Glauben und die Hoffnung ihrer Lehre mit Ruhe und Freudigkeit litten. Und dies ihr Betragen, die Geschichte der Folgen ihrer Lehre, sollte weniger Aufmerksamkeit verdienen, als ihre Lehre selbst? ihre vortrefliche Art, durch Geschichte zu lehren, sollte nicht Muster für uns, nicht eben so werth seyn, studiert und nachgeahmt zu werden?
15.
Endlich ist ja doch 6) die in der heil.
Abkürzungsauflösung von "heil.": heilig
Schrift vorgetragne Lehre immer von Jesu , den Propheten und Aposteln, unter dem Charakter göttlicher Gesandten, vorgetragen; fast nie, höchstens nur bey ungelehrigen Zuhörern oder hartnäckigen Widersprechern, führen sie Beweise; sie rechtfertigen ihren Charakter nur durch Thaten, und sonach verlangen sie Glauben. Beruhet also der Glaube, den sie fordern, auf dem Ansehen des|b22|jenigen, und auf dem Vertrauen zu dem, dem |a308| man glauben soll: so ist die Geschichte derselben, die uns die heil. Schrift liefert, von großer Wichtigkeit, da sie nur uns lehren kan, ob und wie viel Glauben sie verdienen, wie überschwenglich viel sie, namentlich und vornehmlich Jesus , der Stifter des Christenthums, |c19| zum Besten der Menschen gethan und gelitten, wie viel sie Liebe und Nachahmung verdienen; und es ist daher sehr zu fürchten, daß sie in dem Maaß aufhören, uns werth und unser Muster zu seyn, in welchem wir gleichgültig gegen ihre Geschichte sind.
Vergl.
Abkürzungsauflösung von "Vergl.": Vergleiche
auch
Joh.A. Christoph. Döderlein 4Abhandl.
Abkürzungsauflösung von "Abhandl.": Abhandlungen
de historiae Jesu tenendae tradendaeque necessitate in dessen Opusculis theologicis, Jenae 1789
ingr.
Abkürzungsauflösung von "gr.": groß
8. S.
Abkürzungsauflösung von "S.": Seite
1 folgg.
Abkürzungsauflösung von "folgg.": folgende
16.
Eben so sehr, als um sein selbst willen, sollte der Lehrer des Christenthums die Bibel um seiner Zuhörer willen, (§. 6 ) mit ganz eignem Fleiß, studieren. 1) Ueberzeugen könnte er sie von den Lehren auch wohl durch andre Gründe, als durch das Ansehn der Bibel, und freylich ist jede Wahrheit Gottes Wort, sie stehe in der Bibel, und werde aus ihr genommen, oder nicht. Aber, wenn wir als Christen glauben, daß die heilige Schrift gewiß Gottes Wort enthalte, so haben wir es nicht weit zu suchen, und wir brauchen dabey weniger besorgt zu seyn, daß wir unsere eignen Einfälle, die nicht gleich Gottes Gedanken sind, |b23| statt dieser unterschieben möchten; es bedarf weiter nichts, als uns vorher durch Fleiß und gebrauchte rechte Hülfsmittel zu überzeugen, daß wir den rechten Sinn der Stellen, woraus wir schöpfen, getroffen haben, und ihnen hernach diesen so faß|a309|lich und einleuchtend zu machen, als es die Kenntnisse, die sie haben, oder, ohne Gelehrsamkeit, bekommen können, erlauben. – Und da Zweifel der Zuhörer an diesem richtigen Sinn diese ihre Ueberzeu|c20|gung aus der Bibel hindern, also die Pflicht des Lehrers seyn würde, diesen, wo er sie fürchten muß, zuvor zu kommen, oder, wenn sie sie ihm entdecken, zu heben: so versteht sich von selbst, daß er deswegen fleißig und mit eignem Nachforschen die Bibel gelesen haben müsse.
17.
Soll er zugleich 2) die göttlichen Lehren zu ihrer Besserung und Beruhigunganwenden: so hat es auch da seine großen Vortheile, die Bibel zu diesem Zweck zu benutzen. Ansehen wirkt bey den meisten Menschen aufs kürzeste und kräftigste, und hat einmal jemand die Ueberzeugung, daß Gott in der Bibel redet, daß sie die Lehren Jesu Christi enthält: so wirkt dieses: Gott, Christus hats gesagt, es wirkt die Liebe, das Vertrauen, zu dem, der so viel für uns gethan hat, der Wunsch, ihm ähnlich zu werden, gewiß stärker als alle andre Gründe. Solche kurze, kräftige, fruchtbare Aussprüche, wie die Bibel enthält, behalten sich leicht, bleiben der Seele ge|b24|genwärtiger, fallen uns wieder leicht da ein, wo wir sie brauchen, erinnern leicht wieder an das Gute, was man darüber gehört, an die seligen Erfahrungen, die man darnach gemacht hat. Durch öftere, mannigfaltigere Anwendungen die|a310|ser Aussprüche auf das Beste der Zuhörer, bekommt die Bibel für sie einen großen Werth, weil sie immer darin die Geschichte ihres Herzens lesen, ihren Bedürfnissen gerathen, immer Belehrung, Ermunterung und Trost über die Angelegenheiten ihres Herzens finden. Was könnte man doch, da die wenigsten Menschen über unsichtbare Dinge selbst zu denken, und Weisheit aus sich selbst zu schöpfen, verstehen, und auch die, welche dieses können, Veranlaßung zum Nach|c21|denken, Hülfe da brauchen, wo sie oft nicht zu Gedanken kommen, sie sich nicht interessant und eindrücklich machen können, was könnte man da ihnen für ein besseres immer offen liegendes Handbuch empfehlen, als die Bibel? – Daß der Lehrer, ihnen dazu die Bibel nutzbar zu machen, c√ mit ihr sehr bekannt seyn müsse, um, nach jedes Bedürfnissen, mit ihnen zu rechter Zeit zu reden, das Allgemeine in der Bibel auf die besondern Umstände der Zuhörer anzuwenden, und das Besondre in ihr ins Allgemeine, mit Weisheit, zu verwandeln, bedarf keiner Erinnerung.
18.
Und sollte denn der Lehrer 3) nicht Jesu und den übrigen Lehrern in der Bibel Herablas|b25|sung, Klugheit, Herzlichkeit bey seinem Vortrage ablernen können, worin diese so große Muster sind? Wo herrscht selbst eine einfältigere, würdigere, so ganz den Lehren und seligen Eindrücken von Gott angemessnere Sprache, mehr|a311| als in der Bibel, und wie viel trägt ein solcher Ausdruck zur Erregung wahrhaftig göttlicher Empfindungen bey? Freylich nur, wenn man ihn versteht. Aber eben darum müßte der Lehrer ihren Sprachgebrauch studieren; darum lernen, ihn, wo er dunkel oder zweydeutig ist, gegen deutlichere Ausdrücke, die sich diesem so sehr als möglich nähern, zu vertauschen; gelegentlich den Zuhörern dieses Dunkle im biblischen Ausdruck erklären; und so könnte er, ohne Unsinn oder Mißverstand zu besorgen, alsdann selbst diese biblischen Arten zu reden behalten, die darum beybehalten zu werden verdienten, weil c√ die Idee des durch die Bibel geheiligten Gebrauchs daran hängt, c√ solche zu diesen religiösen Vorstellungen ganz eigen gewidmete und sonst nicht von gleichgültigen oder gar schlech|c22|ten Dingen gebrauchten Ausdrücke mehr Würde behalten, und leichter wieder die guten Gedanken und Empfindungen c√ erwecken, die man ehedem bey dem Gebrauch der biblischen Aussprüche gehabt hat.
c√ Ueber einige gewöhnliche Vorurtheile gegen die Nothwendigkeit des eignen Fleisses bey dem Studium der Bibel, nebst Empfehlungen desselbens.
4.) in der vorgesetzten Rede de barbarie und in dem ersten Buche.
|b26|19.
Die Nothwendigkeit der fleissigen Beschäftigung mit der Bibel, einer gründlichen Kennt|a312|niß der Hülfmittel zur Entdeckung ihres wahren Verstandes, und eines treuen Gebrauchs derselben, wie zu diesem Zweck, so zur Herleitung der Religionslehren aus ihr, wird durch die Geschichte bestätigt, welche augenscheinlich zeigt, daß die Lauterkeit der christlichen Lehre immer mit diesem gelehrten und gewissenhaften Fleiß gleichen Schritt gehalten, daß Steigen und Fallen dieses Fleisses immer den Fort- oder Rückgang des wahren Christenthums nach sich gezogen habe. Unkunde des wahren biblischen Sprachgebrauchs; Vorliebe zu einer schwärmenden Philosophie; einreissende Gewohnheit, die christliche Wahrheit mehr nach dem Herkommen und den Meinungen angesehener Gemeinen und Lehrer, als nach der Bibel, und wenn man ja die letztere brauchte, den Werth ihrer Erklärung mehr nach der Uebereinkunft eines zufälligen Sinnes mit gewissen herrschenden Lieblingsideen, oder nach dem Ansehen einer Erklärung, zu entscheiden, gab dem menschlichen Ansehen, in Sachen des Christenthums, das erste Uebergewicht über die Bibel, und die Entscheidung |c23| der angesehensten Bischöfe und Concilien befestigte dieses. Mehr bekannt mit der Sprache des neuen Testaments, waren die ältern griechischen Ausleger bis ins 5te Jahrhundert den lateinischen unleugbar in der Erklärung überlegen; das Gute der letzteren, wenige ausge|b27|nommen, war entweder errathen, oder von jenen entlehnt. Selbst da man seitdem in der griechischen Kirche sich mit Sammlungen ältrer Erklärungen behalf, blieb immer durch die Catenen ei|a313|ne bessere Erklärungsart herrschender als in der lateinischen, die, eben wegen Unbekanntschaft mit der Sprache, von jeher fruchtbarer an neuen Dogmen war, welche die übrige Kirche weder kannte noch billigte. So lange diese noch nicht in die Erklärung eingemischt wurden, so lange man nur noch die Bibel erklärte ohne zu allegorisiren, und noch einiges Gute der ältern Ausleger benutzen konnte, blieb in den Abendländern die Auslegung noch erträglich; so bald aber jene Gewohnheiten die Oberhand gewonnen,
Augustins Ansehen die andern verdunkelte, und die
Glossa ordinaria des 9ten Jahrhunderts alles andre verschlang, so war sie so gut als verlohren. Jetzt trat menschliches Ansehn und angebliche Tradition ganz an die Stelle der Bibel; von Rom aus entschied man statt der heiligen Schrift, man sprach sogar gegen sie, und diese Aussprüche schlugen die nieder, welche nach der Bibel entscheiden wollten. Die
Scholastiker, mehr darauf bedacht, Kirchenmeinungen zu befestigen, und sie durch Philosophie aufzuklären, verlohren die Bibel fast ganz aus dem Gesichte; die Mystiker suchten Licht in sich, statt es in der Bibel zu suchen; immer zwangen die
Paulizianer,
Katharer,
Waldenser und ähnliche, mehr einfältig die Bibel, als |c24| die Kirche, befragende Parteyen, selbst ihren Gegnern das Bekenntniß ab, daß sie, bey allen Irr|b28|thümern, reicher am thätigen Christenthum wären. Mit der
Auferstehung der Wissenschaften seit dem 15ten Jahrhundert, und noch mehr mit der Reformation in dem folgenden, wachte die |a314| Liebe zur Bibel, und der Fleiß sie zu forschen, wieder auf, und das menschliche Ansehen fing an zu sinken; letzteres erhob sich unter den
gereinigtern Kirchen wieder, so wie gegen das Ende des 16ten Jahrhunderts Kenntniß der Sprachen und Nachfragen in der Bibel ab-, menschliche Grübeley zunahm; sank wieder, als
einige trefliche Sprachkundige, gegen die Mitte des 17ten, die richtige Art der Bibelerklärung, und,
gegen das Ende desselben, die hallische Theologen mit ihren Schülern, Liebe zur Bibel durch ihr Beyspiel empfahlen. Der
Eifer, die Bibel zu forschen, und die exegetische Theologie nach allen ihren Theilen zu bearbeiten, stieg sichtbar seit der Mitte des 18ten Jahrhunderts; neben ihm eine gründlichere Kenntniß der Kritik, der Grundsprachen, der alten Geschichte und der Morgenländer; zugleich mehr Geschmack und Drang, die biblische Auslegung von hineingetragnen Begriffen zu reinigen, sicherlich auch, – bey allem Verfall auf Extremen, wovon keine Zeit frey ist – die Reinigkeit der christlichen Lehre mit einer vernünftigern und fruchtbarern Anwendung.
c√ Wer blind gegen die Fortschritte der Wissenschaften in unsrer Zeit, oder undankbar gegen Gottes allezeit weise Vorsehung, dieses letzte leugnen will, sieht gewiß nicht, wie sehr c√ schnöde Verachtung der Reli|b29|gion und des Christenthums zu unsrer Zeit, Gleichgültigkeit oder Haß gegen die Bibel, und Unkunde gründlicher Kenntnisse eines biblischen Auslegers zur |c25| Seite haben; wie die, welche die Bibel jetzt verstellen, nicht aus den Erzählungen und dem Vortrage der |a315| biblischen Schriftsteller überhaupt lernen, sondern die Bibel, bey dem Mangel gründlicherKenntnisse, und c√Unfähigkeit, sich in sie hinein zu denken, durch eine andre Einkleidung nach ihrer Phantasie umschmelzen; und daß eben jene unleugbare Fortschritte in exegetischen Hülfsmitteln c√ ein Damm sind, den die göttliche Vorsehung solchen Mißhandlungen der Bibel und der Religion vorzieht.
20.
Der bisher empfohlne angelegentliche und eigne Fleiß ist um so nöthiger, je mannichfaltiger die Kenntnisse und Beschäftigungen sind, c√ die heilige Schrift recht verstehen und brauchen zu lernen, und je mit mehrern Schwierigkeiten man dabey zu kämpfen hat. – Bey allen den Wissenschaften, wo es auf vielerley und ausgebreitete Kenntnisse ankommt, wo der Fleiß sehr ins Kleine gehen muß, und wo Vieles auf einem sichern Gefühl beruht, das erst durch lange Uebung erworben oder befestigt wird, ist es gar nicht zu verwundern, daß der Unwissende oder Anfänger sie sich leichter vorstellt, als sie sind, und als er sie hinterher findet. Wenn man auch weiß, daß zu einer Wissenschaft viel gehöre, daß man dies eben nur lernen, nicht selbst erfinden, oder nur als|b30|dann erfinden könne, wo man erst Vieles vorher a√ Andern abgelernt und gesammlet hat – wie dieses der Fall bey allen historischen Wissenschaften ist –: verläßt man sich gar zu leicht auf Andrer Vorarbeit, forscht nicht selbst nach, und beruhigt sich ohne Prüfung bey dem, was man vorfindet. |a316| Dieses sind wohl einige Hauptursachen, die das Vorurtheil erzeugen, als wenn bey dem exegetischen Studium wenig von uns selbst zu thun, oder alles leicht zu er|c26|lernen sey, so wie man sich auf der andern Seite die Schwierigkeiten oft zu groß vorstellt, wenn und weil man so viele auswärtige nöthige Kenntnisse bey sich vermißt, oder nicht weiß, wo man sie hernehmen soll.
21.
Bey der heiligen Schrift kommen noch manche besondre Umstände dazu, welche das Vorurtheil verstärken, daß, sie zu verstehen, so gar schwer nicht seyn könne. Man hat sie von Jugend auf gelesen, und erläutern gehört, und glaubt, weil uns ihre Geschichte und Lehren, den Worten und Sachen nach, geläufig sind, so wäre sie uns auch verständlich genug. Man hat selbst gehört, daß unsre Theologen gegen die römische Kirche die
Deutlichkeit der heiligen Schrift, als eine Unterscheidungslehre, vertheidigen und beweisen. Wie sollten auch, denkt man, Bücher schwer zu verstehn, die Aechtheit derselben nicht ausgemacht seyn, worin Gott seinen Willen für jedermann, selbst deutlicher als durch die Natur, geoffenbart |b31| hat?
Man dürfe sich nur an den ersten einfältigsten Sinn halten, der sich uns darin darstellt, mit Einfalt und Lernbegierde lesen, und Gott um Erleuchtung bitten. Wenn man denn auch in einzelnen Stellen nicht gerade den eigentlichen Sinn treffe: so stoße man doch gewiß auf Wahrheiten, die zu unsrer Er|a317|bauung dienten. Und wo uns irgend Schwierigkeiten aufstießen über welches Buch in der Welt sey mehr geschrieben, mehr gedacht, mehr Nutzbares schon ausgezogen, und ausser Zweifel gesetzt worden? Nach so vielen und zum Theil vortreflichen Arbeiten könne schwerlich noch etwas unserm eignen Fleiß überlaßen seyn.
|c27|22.
Geräth aber, auf der andern Seite, jemand über die verschiedenen Folgen und Lehren, die aus der heiligen Schrift gezogen seyn sollen, und welche bey verschiedenen Parteyen und Menschen einander so sehr widersprechen; merkt er die Abweichungen der Ausleger von einander, und wird verlegen, was er unter so verschiedenen Erklärungen als das Wahre wählen soll; befriedigen sie oder ihre Gründe ihn nicht; fällt er selbst auf einen Sinn, der ihm einleuchtend scheint, den er aber zu beweisen nicht genug Kenntnisse hat; oder ist er zu ängstlich, um seinen eigenen Einsichten zu trauen, um einen Sinn annehmlich zu finden, der von herrschenden Erklärungen abgeht, oder gegen Meinungen anzustoßen scheint, die er für wahre Religionslehren hält; oder zu gewissenhaft in |b32| göttlichen Dingen, als daß er mit einem Sinn, der sich hören läßt, ohne überzeugende Beweise zufrieden seyn sollte; oder hat jemand auf Schulen durch eine schlechte und ihm durch manche Nebenumstände verleidete Erklärungsart der Bibel oder alter Schriftsteller, einen Widerwillen gegen |a318| alle Auslegung gefaßt, oder er ist zu sehr versäumt, als daß er hoffen sollte, das viele Versäumte noch nachholen zu können, und hat er nach und nach mehr Geschmack an sogenannten Realkenntnissen bekommen, und sich an solche gewöhnt; oder hält er die für weit wichtiger, als daß er die darauf zu verwendende Zeit noch sogenannten Wortkenntnissen und Beschäftigungen des Gedächtnisses aufopfern sollte; und wird c√ vollends in seinem Eckel dagegen und in dem Wahn von ihrer Entbehrlichkeit durch Andre bestärkt, die ihm Sprache, Bibel und die Geschichte in derselben verächtlich machen, seinen Stolz auf die Fähigkeit selbst zu denken nähren, oder ihn bereden, |c28| daß das Wesentliche der Bibel in sehr Wenigem bestehe, und schon ganz aufs Reine gebracht sey: so ist c√ sehr begreiflich, wie leicht er dadurch und durch das Gefühl der mancherley Schwierigkeiten, dahin gebracht werden könne, das Studium der Bibel selbst, oder doch eignen, ausharrenden Fleiß, ganz aufzugeben.
23.
Beyden Vorurtheilen entgegen zu arbeiten, und auf der einen Seite die Trägheit, auf der anderen Muthlosigkeit zu verhüten, ist es sehr noth|b33|wendig, sich frühzeitig theils den großen Umfang und die Nutzbarkeit der bey dem Studium der Bibel nöthigen Kenntnisse, theils die Mittel bekannt zu machen, wie man die Schwierigkeiten dabey heben, erleichtern, und sich eine Fertigkeit erwerben könne, die heilige |a319| Schrift und ihren Sinn gründlich zu erforschen. Den Werth der Bibel vorausgesetzt, kan man sie anders nicht benutzen, als wenn und sofern man überzeugt ist, daß, was man daraus zieht, wirklich darin enthalten sey. Diese Ueberzeugung erfordert, wie bey jedem Gesetz oder c√ Urkunde, daraus man etwas lernen will, zweyerley: erstlich, daß man mit Ueberzeugung wisse, was man zur heiligen Schrift rechne, sey wirklich, wenigstens im Wesentlichen, dasselbe, was die Verfasser niedergeschrieben haben; hernach, daß man den Sinn gefunden, und Grund angeben könne, daß und warum der Sinn, den wir gefunden haben, der einzige wahre, oder doch wahrscheinlichste sey. Der Inbegriff der Kenntnisse, die die Aechtheit der biblischen Bücher und des biblischen Textes betreffen, ist die biblische Kritik (Critica sacra), so wie der Inbegriff dererjenigen, welche die Auslegung desselben angehn, die eigentliche Exegetik.
|c29|Bey beyden Wissenschaften soll im Folgenden zugleich von ihrem Umfang, c√ Nothwendigkeit, Schwierigkeit, und Mittelndiese zu heben, oder gründliche Kenntnisse und Fertigkeiten darin zu erlangen, überhaupt gehandelt werden. Dadurch werden die Vorurtheile von dem zu Leichten oder zu Schweren bey dem biblischen Studium von selbst wegfallen, daß sie c√ keiner besondern Widerlegung bedürfen.
|b34|24.
So sehr diese Kritik von jeher der Verachtung und noch mehr der Verleumdung der |a320| Unwissenden ausgesetzt gewesen ist, die solche kritische Versuche selbst oft für Anfälle auf Gottes Wort angesehen haben, ohne zu bedenken, daß c√ Kritik nur eine Revision des auf uns gekommnen geschriebnen oder gedruckten Textes der Bibel, nicht der Bibel selbst, ist: so ist sie doch nicht nur eine unschuldige, sondern c√ auch nothwendige Wissenschaft. Soll 1) eine Lehre oder Begebenheit aus einem Zeugniß der heiligen Schrift dargethan, oder eine Redensart als schriftmäßig gerechtfertigt werden, (wie bey 1 Joh. 5, 7. oder 1 Tim. 3, 16. bey Joh. 7, 53.–8, 11. und bey Apostelgesch. 20, 28): so muß bewiesen werden können, daß das Buch, die Stelle und der Ausdruck ächt sey, die man als ein Zeugniß anführt (Th.
Abkürzungsauflösung von "Th.": Theil
1. §. 74 ), und so bodenlos sonst der Beweis seyn würde, so vergeblich wäre die Erklärung einer Stelle oder eines Ausdrucks, um einen Schluß daraus zu ziehen, ehe noch ausgemacht wäre, daß sie von den heiligen Schriftstellern c√ herrührten, und sich daraus etwas, als von ihnen gesagt, ziehen ließe.
25.
Sehr oft werden 2) gewisse Bücher, Stellen und Lesearten der Bibel bestritten, und müssen, wenn sie können, |c30|gerechtfertiget werden; es ist auch unwidersprechlich, daß von jeher an der Aechtheit einiger Bücher gezweifelt worden, und |b35| der Text in verschiednen Handschriften, Uebersetzungen und Anführungen, mit vieler Verschiedenheit durch Nachläßigkeit oder willkührliche Aen|a321|derungen, zu uns gekommen ist. Anders als nach sichern Regeln und Gründen kan doch jene Rechtfertigung nicht geführet, willkührliche Aenderung c√ anders nicht entdeckt und abgelehnt, und überhaupt keine Fehler in diesem Text anders klar gemacht werden. Und ist es eben so unverantwortlich, etwas zu der heil.
Abkürzungsauflösung von "heil.": heilig
Schrift hinzu, als davon zu thun, etwas Unächtes gelten zu laßen, als etwas Aechtes zu verwerfen: so bleibt schlechterdings kein anderes Mittel sich gegen diese zwey Abwege zu verwahren, als kritische Untersuchung.
c√ Es ist also widersinnig, zu behaupten, durch die Kritik würde die heilige Schrift dem Willkühr und c√ Muthwillen der Menschen Preis gegeben; da eben die Kritik das Mittel ist, um zu entdecken, ob hiebey etwas willkührlich und widerrechtlich geschehen sey oder nicht, und um diesem zu steuern, oder es zu Schanden zu machen.
26.
Selbst 3) von den Vorwürfen der erlittnen Verfälschung, die man so oft der heiligen Schrift gemacht, und dadurch ihr Ansehen zu schwächen gesucht hat, kan sie auf keine andere Art befreyet werden. Wer der wahren Kritik kundig ist, erschrickt für allen solchen Beschuldigungen nicht. Er findet sie, nach angestellter Untersuchung, entweder gegründet oder nicht; verlangt, in jenem Fall, |b36| das nicht zu vertheidigen, was nicht zu den heiligen Büchern gehört, und schneidet so die Ge|a322|legenheit ab, das Ansehn der Bibel zu |c31| erschüttern; weiß hingegen, in dem andern Fall, zu zeigen, wie sehr dergleichen Angriffe auf Unwissenheit oder falschen Schlüssen beruhen. Wer aber bey diesen Vorwürfen von Verfälschung ängstlich thut, und seine Furcht für Gefahr verräth, die der Bibel bevorstehe, bestätigt die Gegner in ihrem Verdacht; er könnte es ja sonst nur der ruhigen Untersuchung überlaßen.
27.
Zu besorgen ist auch nicht, daß 4) durch kritische Untersuchungen die Bibel ungewiß und zweifelhaft gemacht werde, und manches trefliche Zeugniß aus derselben wegfalle. So lange nichts untersucht wird, kan Zweifel und Verdacht nie gehoben werden; die bloße Entdeckung der Verschiedenheit aber, macht so wenig die Bücher und ihren Text zweifelhaft, als die Verschiedenheit der Erklärungen einer Stelle den Sinn ungewiß macht; Gründe müssen in beyden Fällen zeigen, auf welcher Seite die Wahrheit sey. Wenn diese die Aechtheit eines Buchs, einer Stelle oder Leseart darthun, so bleibt ihr Zeugniß erhalten; beweisen sie hingegen, sie sey untergeschoben: so verlieren wir weiter nichts als einen falschen Beweis, durch den die Wahrheit nie gewinnt, sondern unwiderleglichen Angriffen ausgesetzt wird; und darüber sich beschweren, was wäre das anders, als mit Gott rechten, daß er uns nicht |b37| mehr Bücher und Beweise für eine Wahrheit gegeben habe? – |a323| Kurz, alle Klagen und Besorgnisse bey der Kritik selbst – nicht bey ihrem Mißbrauch, den eben sichre Regeln und Gründe verhüten müssen – beruhen entweder auf Unwissenheit, wenn man Verschiedenheit in den Meinungen und Zeugnissen, die Bücher und den Text der Bibel betreffend, ableugnet, oder |c32| keine kritischen Grundsätze und Entdeckungen gelten laßen will, oder,bei aller Einbildung von Liebe und Eifer für die Bibel, auf Gleichgültigkeit gegen sie; wodurch man nicht nur selbst die ihr schuldige Untersuchung vernachlässigt, sondern auch die Arbeiten andrer, die mehr Kenntnisse und besseren Willen haben, unbenutzt läßt, oder sie gar abschreckt, sie an unsrer Stelle zu unternehmen.
c√ Erasmi Apologia und dessen Capita argumentorum contra morosos quosdam ac indoctos, vor der 2ten Ausgabe seines griechischen neuen Testamentes (1519)
, und in dessen folgenden Ausgaben, nebst verschiednen seiner Apologien im 9ten Bande seiner Werke nach le Clerc Ausgabe;
Rich. Bentley Anmerkungen über das Buch: Freyheit zu denken, nach der deutschen Uebersetzung, Halle 1745
in 8. S.
Abkürzungsauflösung von "S.": Seite
200 f.
Abkürzungsauflösung von "f.": folgend
; und in bündigster Kürze die
Griesbachische Vorrede zum zweyten Bande seiner Ausgabe des neuen Testaments, sind sehr dienlich, um gleich im Anfang diese Vorurtheile niederzuschlagen.
28.
Und diesen Fleiß in der biblischen Kritik sollte man um so weniger schwächen, da diese Kri|a324|tik |b38| ein überaus schweres Studium ist, und nur äusserstWenige wahren Beruf dazu haben. Zuerst hält es schon sehr schwer, die beyden Abwege hiebey, Aengstlichkeit und Verwegenheit, zu vermeiden; der Kranke befindet sich gleich übel dabey, wenn der Arzt alles, und wenn er nichts wagt, nach gar keinen festen Grundsätzen verfährt, oder auch nicht einmal nach solchen etwas unternimmt. Auch der aufgeklärteste Mann, wenn er gewissenhaft ist, rührt das ungern an, was einmal das, gegründete oder ungegründete, Vorurtheil des Göttlichen c√ vor |c33| sich hat; und wer einmal einzureissen anfängt, reißt, wenn er im Reissen ist, oft auch das Gute und Haltbare mit ab, und braucht, verleitet vom Gefühl seiner Kraft, nur zu oft gewaltsame und verzweifelte Mittel. Wahrer Muth und wahre Bescheidenheit sind gleich selten.
29.
Wenn aber auch jemand hiebey mit der größesten Vorsicht und Entschlossenheit, also mit wahrer Gewissenhaftigkeit, verführe: so wird er doch bey der Unternehmung selbst ausnehmende Schwierigkeiten finden, sowohl in Wegräumung der Hindernisse, welche die Unwissenheit, Vorurtheile und Irrthümer in diesem Fach gelegt haben, als in Aufführung des Bessern. Denn erstlich müßte man sichreRegelnhaben, wonach man verführe – und diese c√ setzen sichre Kenntnisse von den Büchern und deren Text sowohl, als von |a325| den Hülfsmitteln, voraus, die man zur Berich|b39|tigung des Streitigen nöthig hat. – Wäre beydes denn auch sichrer als es meistens nicht ist, so würden sich in der Anwendung der Grundsätze noch immer neue Schwierigkeiten zeigen.
30.
Wie viel einigermaßen Sicheres wissen wir 1) von den vorläufigen Kenntnissen? von der Geschichte der biblischen Bücher, der Sammlung ihrer Theile, (z. B.
Abkürzungsauflösung von "z. B.": zum Beispiel
der Psalmen, der einzelnen Weissagungen in den Propheten etc.
Abkürzungsauflösung von "etc.": et cetera
etc.
Abkürzungsauflösung von "etc.": et cetera
) und der Sammlung dieser Bücher in ein Ganzes? von der Geschichte ihres Textes, und der oft so unerklärlichen Art, wie die Verschiedenheit des Textes in den Quellen entstanden ist? von der Geschichte der Handschriften und der al|c34|ten Uebersetzungen, des Textes in beyden und dessen Veränderungen? von der Fähigkeit, den Hülfsmitteln und der Treue, welche diejenigen hatten oder bewiesen, die uns Stücke dieses Textes in ihren Büchern aufbehalten haben? selbst von der Geschichte der Ausgaben, und der Art des Verfahrens dabey? Wie vieler feinen historischen, literarischen und philologischen Kenntnisse und Bemerkungen bedarf es, um nur erst einiges Land zu gewinnen, und wie wenig ist das, was wir hier mit einiger Sicherheit kennen, gegen das, was wir noch erst entdecken sollten, um die hiebey vorkommende Lücken auszufüllen, und alle Schwierigkeiten befriedigend zu beantworten.
|a326||b40|c√
Was hier und in dem Folgenden gesagt ist, fühlt schwerlich jemand, wer nicht bey Untersuchungen dieser Art hergekommen ist, und selbst Versuche gemacht hat. Die wunderbaren Erscheinungen in der alexandrinischen Uebersetzung des A. Test.
Abkürzungsauflösung von "A. Test.": Altes Testament
und in griechisch-lateinischen Handschriften des neuen, können hier zu einigen Beyspielen dienen, und wer die kritische Literatur kennt, wie sie sich ohngefehr seit den nächsten dreyßig Jahren gebildet hat, kan einigermaßen sehen, wie viel sich in diesem noch so unbekannten Lande, durch Aufsuchung bisher verborgen gewesener Hülfsmittel und durch regelmäßigen Fleiß, entdecken laße, und noch zu entdecken übrig sey. Traurig ists nur immer, daß, wenn man einigen Schutt weggeräumt hat, um diese verborgnen Schätze zu entdecken, so manche unberufne Arbeiter wieder neuen Schutt aufhäufen, und, unter Vorspiegelung einer höhern Kritik, die guten Gänge zuwerfen, um andre zu graben, die statt des Erzes nur Kolen enthalten. c√
|c35|31.
Nach diesen großentheils noch so unvollständigen Kenntnissen können 2) schwerlich Grundsätze entworfen werden, die allgemein und sicher genug wären. Wenn es nicht schon gewissermaßen die meisten bisherigen Versuche solcher Regeln bewiesen, die entweder auf ganz falsche Einbildungen gegründet sind *) , oder sich durch ihre Unbestimmtheit selbst zerstören **) : so müßte es die Natur der Sache selbst lehren. Manche |b41| Regeln sind noch viel zu früh; weil uns die Geschichte der Quellen oder Zeugen fehlt, wonach |a327| man erst ihr Ansehn beurtheilen könnte, und weil das Ansehen dieser Zeugen meistens erst durch fleißige Untersuchung der Art ihres Textes, und durch sorgfältige Zusammenhaltung desselben mit dem Text anderer Handschriften, Uebersetzungen u. s. w.
Abkürzungsauflösung von "u. s. w.": und so weiter
erkannt werden kan †) . Wo man es aber auch so weit gebracht hat, daß man den Werth gewisser Handschriften u. s. w.
Abkürzungsauflösung von "u. s. w.": und so weiter
kennt: so können ja die Regeln, theils, wenn sie allgemeine Regeln seyn sollen, nur erst nach Vergleichung mehrerer solchen Handschriften etc.
Abkürzungsauflösung von "etc.": et cetera
etc.
Abkürzungsauflösung von "etc.": et cetera
unter einander und mit andern Quellen gemacht, mit einem Wort, nur aus mehrern uns gleich gut bekannten Quellen zusammen, abgezogen werden, ††) theils, zeigen sich dabey so viele einander entgegenlaufende Erscheinungen, die für und wider einen angenommenen Grundsatz streiten, daß sich etwas ganz Allgemeines, ohne viele feinere Bestimmungen, nicht festsetzen läßt. †††)
*)Z. B.
Abkürzungsauflösung von "Z. B.": Zum Beispiel
die Regeln: welche Leseart die meisten Zeugnisse vor sich hat, ist die beste; die lateinischen Lesearten sind der Verfälschung verdächtig u. d. gl.
Abkürzungsauflösung von "u. d. gl.": und dergleichen
**)Z. B.
Abkürzungsauflösung von "Z. B.": Zum Beispiel
wennallesgleich ist, ist die ältere Leseart |c36| der neuern vorzuziehen; die schwierigere oder ungewöhnlichere Leseart ist ächter als die leichtere etc.
Abkürzungsauflösung von "etc.": et cetera
etc.
Abkürzungsauflösung von "etc.": et cetera
†) So ist das allerdings gewiß, was ehedem niemand sahe, daß es verschiedne sogenannte Recensionen oder Arten des Textes im neuen Testament giebt, und daß unter diesen eine alexandrinische ist; aber |b42| welche Handschriften, |a328| Uebersetzungen und dergleichen diese Recension enthalten, kan man zum Theil wohl aus äusserlichen Umständen, z. B.
Abkürzungsauflösung von "z. B.": zum Beispiel
dem Texte, wie er bey ägyptischen Kirchenvätern, in der koptischen Version etc.
Abkürzungsauflösung von "etc.": et cetera
etc.
Abkürzungsauflösung von "etc.": et cetera
vorkommt, schließen, noch weit mehr aber aus Vergleichung solcher Lesearten, die gewisse Handschriften vor andern auszeichnen. Und doch hält es wieder schwer, den allgemeinen Charakter dieser Recension zu bestimmen, da manche Handschriften in einigen Büchern dieser, in andern einer andern folgen, wie z. B.
Abkürzungsauflösung von "z. B.": zum Beispiel
die sogenannte alexandrinische in den Briefen Pauli , nicht so in den Evangelisten; auch noch bis jetzt kein Text in irgend einer solchen Handschrift aufgefunden ist, der nicht auch Lesearten enthielte, die einer andern Recension eigen sind.
††) Und wenn also nicht die Geschichte aller dieser Quellen bekannt ist, können die Regeln unmöglich richtig oder bestimmt genug werden; ein Fehler, dessen sich bey dem hebräischen Text diejenigen eben sowohl schuldig machen, die den sogenannten masorethischen Text schlechthin verwerfen, als die, so ihn geradezu vorziehen.
†††) So sind es sehr gute Regeln bey den griechischen Text des neuen Testaments: Unter mehrern Lesearten ist diejenige wahrscheinlicher, die mit der sonstigen Art zu reden ebendesselben Schriftstellers am meisten übereinstimmt; ein härterer, ungriechischer Ausdruck ist weniger verdächtig, als der leichtere und sonst gewöhnlichere, und: die Leseart ist die verdächtigere, deren Ursprung aus der andern |b43| gezeigt werden kan. Aber eben sowohl kan der Parallelismus zur Veränderung einer Leseart verführt haben: der ungriechische Ausdruck kan aus einem Schreibfehler solchen Abschreiber herrühren, |a329| die des Griechischen unkundig waren; |c37| und die eine Leseart läßt sich bisweilen eben sowohl aus der andern, wie diese aus jener ableiten.
32.
Die Hauptsache kommt also 3) immer auf den selbst an, der das Aechte von dem Unächten unterscheiden will, und selbst die sichersten Regeln helfen nichts, wo es an der geschickten und vorsichtigen Anwendung fehlt. Fleissiges Nachforschen auch nach Kleinigkeiten, welche die Geschichte und den Charakter der Quellen aufklären können, viele feine Sprachkenntniß der Grundsprachen überhaupt und des Charakters eines biblischen Schriftstellers insbesondre; Vorsichtigkeit in der Vergleichung und Anwendung aller solcher Kenntnisse; und ein feines Gefühl oder kritisches Genie, das erst durch lange Uebung reif und sicher wird, müssen beysammen seyn. Denn es kommen hiebey so unendlich viele Collisionen gemachter Bemerkungen und abgezogner Regeln vor, und diese Collisionen werden nicht einmal bemerkt, vielweniger mitbenutzt, wo nicht sehr viele feine Beobachtungen vorhergegangen sind, daß von der Geschicklichkeit und Gewissenhaftigkeit des Kritikers selbst zuletzt alles abhängen muß. Selbst da, wo in allen jetzt bekannten Quellen ein sehr alter Feh|b44|ler allgemein ist – ein sehr möglicher und glaublicher Fall – könnte nur das feinere Gefühl ihn entdecken, ob es gleich, um nicht nach bloßem Willkühr zu ver|a330|fahren, durch irgend einige Spur in den bekannten Quellen geleitet werden müßte.
c√ So möchte z. B.
Abkürzungsauflösung von "z. B.": zum Beispiel
Valkenar in den Adnott. crit. in loca quaedam libr. novi foederis, hinter Ti. Hemsterhusii Orationibus (Lugd. Bat. 1784.
8.) p.
Abkürzungsauflösung von "p.": pagina
365 seq.
Abkürzungsauflösung von "seq.": sequens
wohl recht haben, daß Luc. 19, 38 statt εἰρήνη ἐν οὐρανῷ, |c38| zu lesen sey,
εἰρ. ἐν ἀνθρώποις. Denn die gemeine Leseart hat keinen schicklichen Sinn; die ähnliche Stelle Kap.
Abkürzungsauflösung von "Kap.": Kapitel
2, 14. erforderte ἐν ἀνθρώποις, oder etwas Aehnliches; die alexandrinische Handschrift hat οὐρανοις, aus der Abkürzung ανοις (ἀνθρώποις) konnte leicht ουνοις (οὐρανοῖς) entstehen, wie Apocalyps. 16, 18. wirklich geschehen ist, und dies in das gewöhnlichere οὐρανῷ frühzeitig übergehen.
33.
Diese großen Schwierigkeiten, welche mit der biblischen Kritik verknüpft sind, beweisen, daß es nicht jedem, der sich auf das gelehrte Studium der Bibel legt, zur Pflicht gemacht werden könne, sich selbst auf diese Kritik einzulaßen; welches aber keinesweges die Pflicht ausschließt, sich mit den nothwendigsten Kenntnissen, die dazu gehören, bekannt zu machen, und das zu benutzen, was uns Kenner darin vorgearbeitet haben. Denn wer 1) gar keine Kenntniß davon hat, kan ja nicht beurtheilen, wie weit sie und die Uebungen in dergleichen Arbeiten ihm doch nöthig seyn möch|b45|ten, und wie weit er Fähigkeit dazu habe, oder erlangen könne? als woraus er erst abnehmen kan, ob und wie weit es für ihm|a331| Pflicht sey, sich damit zu beschäftigen. Er kan 2) sonst gewisse oft sehr herrschende und scheinbare Vorurtheile nicht vermeiden, die ihm in der rechten Auslegung sowohl als in dem Gebrauch, den er von der Bibel macht, ungemein hinderlich fallen, und auf Irrthümer führen; wovon die
bekannte Streitigkeit über das Alterthum und die Avthentie der Puncte und Accente im hebräischen Texte des alten Testaments, und die oben (§. 24 ) angeführten Stellen der Bibel zum Beyspiel dienen können. Er kan 3) viele Schwierigkeiten bey der heil.
Abkürzungsauflösung von "heil.": heilig
Schrift nicht a√|c39| auflösen, und viele Angriffe auf dieselbe nicht widerlegen, die aus der fälschlich angenommnen Aechtheit gewisser Bücher, oder deren Stellen und Lesearten, entstehen, oder hergenommen werden, noch das, was ächt ist, gegen ungegründete Vorwürfe oder Eingriffe vertheidigen. Und 4) selbst in die Erklärung des Sinnes der heil.
Abkürzungsauflösung von "heil.": heilig
Schrift hat diese Kritik so vielen Einfluß, daß oft weder der rechte, noch auch einmal ein erträglicher Sinn gefunden werden kan, wenn man der Kritik ganz unkundig ist. Es ist doch ein großes Glück, wenn wir bey eignem Unvermögen uns auf Kenner und ihre Untersuchungen verlaßen können. Nur die unverzeihlichste Gleichgültigkeit kan solche Vorarbeiten unbenutzt laßen, und nur der einfältigste Stolz kan sich den Trotz auf Dinge zu gut halten, die man nie gründlich untersucht hat, oder auch nur untersuchen kan, oder |b46| das verachten, was über unsre Fähigkeiten und Begriffe ist.
|a332|34.
Es sollte daher jeder, der, als Gelehrter, die heilige Schrift studieren will, wenigstens 1) bey solchen biblischen Untersuchungen eine Ausgabe des Grundtextes zum Grunde legen, die einen mit kritischem Fleiß und Gewissenhaftigkeit behandelten Text enthält, zumal wenn die, wenigstens erheblichen, Lesearten mit ihren Zeugnissen beygefügt sind, wovon wir
im neuen Testamente ein vortrefliches Muster an der Griesbachischen c√ Ausgabe haben; c√ 2) sich die besten Bücher bekannt machen, welche theils historische Kenntnisse sowohl von der Geschichte der biblischen Bücher als von den allgemeinern Ver|c40|änderungen ihres Textes und von den Quellen, woraus ihre Kenntniß geschöpft werden kan, theils bewährte Regeln der biblischen Kritik, oder doch geprüfte Vorschläge von dem rechten und vorsichtigen Verfahren bey Beurtheilung des biblischen Textes, enthalten. Noch fehlt es uns freylich zum Theil an solchen, die für den Anfänger oder den brauchbar wären, der sich auf keine tiefere Untersuchungen einlaßen kan, worin auch nur das alles gesammlet und wohl geordnet wäre, was man bis jetzt in diesem Felde entdeckt hat. Bey dem alten Testament könnte man die
Eichhornische Einleitung ins alte Testament, verglichen mit der
Carpzovschen Introductione und Critica S. V. T., bey dem neuen die
Michaelische Einleitung, |b47| nach der 4ten
Auflage, als die bis jetzt besten Handbücher, brauchen, so weit man die Angaben |a333| darin bewiesen findet. Die übrigen (in der
Anweisung zur Kenntniß der besten allgemeinern Bücher in der Theologie §. 26 und 27. 30–32. 34 flgg.
Abkürzungsauflösung von "flgg.": folgende
60–64 erwähnten) Schriften sind mehr zum Theil schätzbare Beyträge zur Beförderung dieser Kritik. Was man in den genannten Handbüchern, zumal in Absicht auf verschiedne Lesearten des biblischen Textes, sonderlich im alten Testament, nicht findet, das müßte man von den gelehrten und vorsichtigsten Auslegern lernen, die bey Erklärung biblischer Bücher auch die wichtigsten Lesearten mit erwähnt und geprüft haben.
c√
35.
Fände man nun bey dem c√ Studium der Bibel selbst Geschmack an kritischen Untersuchungen; fühlte sich dazu vorzüglich aufgelegt – welches man daraus abnehmen könnte, wenn man, bey angestellten eignen Versuchen in der Kritik sähe, daß unser Urtheil über Lesearten, und die Art, wie wir dabey verfahren, mit dem Urtheil und Verfahren der besten Kenner übereinträfe; – hätte man Gelegenheit, die hier nothwendigen Hülfsmittel und Sammlungen, (die in gedachten Stellen der eben §. 34. genannten Anweisungetc.
Abkürzungsauflösung von "etc.": et cetera
angeführt sind), bey dem alten Testament wenigstens die beyden Hauptsammlungen von
Kennicott und de Roßi , bey dem neuen die
Millischen ,Wetsteinischen , Griesbachischen , |b48| auch des Letztern Symbolas criticas (Tom.
Abkürzungsauflösung von "Tom.": Tomus
prior. Halae 1785.
8.), nebst den alten Uebersetzun|a334|gen des A.
Abkürzungsauflösung von "A.": Alt
und N.
Abkürzungsauflösung von "N.": Neu
T.
Abkürzungsauflösung von "T.": Testament
mit genugsamer Kenntniß ihrer Sprache, zu brauchen; und würde man durch dergleichen Untersuchungen nicht von wichtigern, weit näher zu unserm Beruf gehörigen, Beschäftigungen abgehalten: so könnte man sich schon auf nähere Untersuchungen in diesem Fach legen, und man wird, wo alle genannte Voraussetzungen da sind, aus der bisherigen Aufmerksamkeit auf die besten Kritiker dieser Art und aus eigner Beobachtung hinlänglich finden, was bey diesem weitern Fleiß zu thun sey.
c√ Wer schon, auch mit kritischem Auge, die Werke der alten griechischen und lateinischen Schriftsteller|c41| gelesen hat, wird viel zuverläßiger urtheilen können, ob er auch Beruf zur Kritik des biblischen Textes habe; nur versteht sichs, daß er bey der letztern sich vorher mit der eigenthümlichen Sprache desselben, die von jener sehr abgeht, und zum Theil auch andre kritische Regeln erfordert, und mit der Geschichte der Bücher und des Textes wohl bekannt gemacht haben müsse. Je schwerer die biblische Kritik ist, und je wichtiger der Inhalt der Bibel, desto weniger sollte man sich an jene wagen, wenn man nicht dazu schon durch das kritische Lesen der sogenannten Profanscribenten wäre gebildet worden.
c√
36.
Unentbehrlicher als die Kritik ist freylich die biblische Exegetik, oder der Inbegriff der zur Ein|b49|sicht in den Verstand der heiligen Schrift nöthigen Kenntnisse, und alles desjenigen, was dazu |a335| dient, eine Fertigkeit in Anwendung dieser Kenntnisse auf die Erklärung der heiligen Schrift zu erlangen (§. 23 ). Eine jede Schrift, welche nicht bloß allgemeine Sätze, sondern auch Geschichte enthält, oder welche jene in Rücksicht auf die Denkungsart, Kenntnisse, Bedürfnisse und besondern Umstände gewisser Leser vorträgt – und dies ist augenscheinlich der Fall bey den biblischen Büchern –: erfordert nicht nur, wenn sie |c42| recht verstanden werden soll, Kenntniß der Sprache, worin sie abgefaßt ist, sondern auch historische Kenntnisse, und, wie jede Beschäftigung, wovon man sich oder Andern Rechenschaft geben soll, Regeln, wonach man in ihrer Anwendung verfährt, um den Sinn zu finden, und ihn Andern überzeugend mitzutheilen, so wie fleissigeUebung, nach diesen Regeln zu verfahren, um die nöthige Fertigkeit in der Erklärung zu erlangen.
37.
Wie nothwendig es sey, gute Kenntnisse in Sprachen mitzubringen, ehe man zur Erklärung der heiligen Schrift schreiten will, und in welchen Sprachen? dies ist schon oben gezeigt worden (Th.
Abkürzungsauflösung von "Th.": Theil
1. §. 113 –120. §. 150 flgg.
Abkürzungsauflösung von "flgg.": folgende
). Wer sie nicht schon, wenigstens nothdürftig
Editorische Korrektur von: nothdürfig (a)
, mitbringt, wenn er sich auch der Anweisung eines Andern in wirklicher Erklärung der heiligen Schrift bedient, der wird ihm wohl nachsprechen lernen, wird al|b50|lenfalls die Gründe
Editorische Korrektur von: Günde (b)
fassen, womit jener die Er|a336|klärung unterstützt; aber selbst ein Ausleger wird er nie werden, er wird ohnehin alles, wozu nicht bloßes Nachdenken zureicht, bloß auf Credit seines Vorgängers annehmen müssen; es sey denn, daß er nun noch erst anfange, sich auf die bisher versäumten Sprachen mit einem Fleiß zu legen, der kaum zu erwarten ist, wenn man so lange dieses Sprachstudium c√ anstehen laßen, und der Geschmack an andern unterhaltenderen Kenntnissen, den Geschmack an jenem kaum noch aufkommen läßt. Setzt sein Lehrer ohnehin billig jene Kenntnisse und einige Fertigkeit in solchen Sprachen voraus, als etwas, das man schon auf Schulen sollte erworben haben, und hält sich nur bey dem Schwerern, sonderlich in Absicht |c43| der in der Bibel vorkommenden Sachen, auf: so muß ein solcher versäumter Zuhörer vollends zurückbleiben, und das Studium der Bibel wird ihm eben dadurch verleidet werden, weil er, wegen Unwissenheit des Bekannten, nirgends fortkommen kan. – Worauf übrigens zu sehen sey, wenn man die heil.
Abkürzungsauflösung von "heil.": heilig
Schrift so fern verstehen lernen will, als sie durch Sprachkenntniß aufgeklärt wird, ist auch oben (Theil 1. §. 77. –81 ) bemerkt worden; das übrige muß eine gute Hermenevtik der heil.
Abkürzungsauflösung von "heil.": heilig
Schrift lehren.
Von den Büchern zur eigenthümlichen Kenntniß des Sprachgebrauchs s.
Abkürzungsauflösung von "s.": siehe
die
Anweisung zur Kenntniß der besten Bücher in derTheologie §. 95–98. 100–107. c√
|a337||b51|38.
Ein Schriftsteller, der, wie die biblischen, zunächst für seine Zeitgenossen und c√ Nation schreibt, kan bey Erzählungen und einem nach dieser Leser Umständen c√ eingerichteten Lehrvortrag, vieles als ihnen bekannt voraussetzen, das er bloß zu berühren braucht, oder worauf er anspielt, was sich aber mit der Zeit ändert, oder vergessen wird, oder den Lesern späterer Zeiten und Ausländern unbekannt ist. Die heiligen Schriftsteller beziehen sich, wie vorhin schon gesagt worden ist, sehr oft auf dergleichen zufällige Umstände, und der Ausleger kan sie daher gar nicht ganz verstehen, oder sich in diese Umstände hinein denken, wenn er sich nicht eine möglichst genaue Kenntniß dieser historischen Umstände erworben hat.
|c44|c√ Diese Kenntniß hat ausser dem, daß sie den Sinn der heiligen Schrift aufklärt, noch einen andern Nutzen, nemlich die Ueberzeugung von der Aechtheit und Glaubwürdigkeit der biblischen Bücher besser zu bewirken. Denn diese Ueberzeugung hängt sehr davon ab, daß die Denk- und
Editorische Korrektur von: nnd (b)
Schreibart in diesen Büchern, und die darin vorkommenden Umstände, dem Charakter der Zeit, des Landes, der nächsten Leser, für die sie bestimmt waren, der Personen, welche für die Verfasser gehalten werden, und den übrigen Umständen, gemäß sind, die darin vorkommen. Doch dieser Nutzen betrifft mehr die Kritik der biblischen Bücher.
|b52|39.
Zu diesen historischen Kenntnissen gehört 1) die Kenntniß der alten Geographie, so weit sie |a338| in der heiligen Schrift vorkommende Sachen betrifft. Diese müßte sich 1) auf die Lage, die Beschaffenheit, die Abtheilung und das natürliche oder durch Revolutionen der Völker entstandne Verhältniß der Oerter und Länder gegen einander erstrecken, und zwar nach verschiedenen Zeiten, wohinein die biblischen Nachrichten gehören, welche Zeiten oft nicht genug pflegen unterschieden zu werden c√. Sie müßte zugleich auch Kenntniß der natürlichen Producte dieser Oerter, nach den verschiedenen Naturreichen, und der aus der natürlichen Beschaffenheit dieser Oerter entstehenden Zufälle, als der Witterung, der Krankheiten u. d. gl.
Abkürzungsauflösung von "u. d. gl.": und dergleichen
seyn. Eine solche Kenntniß würde 2) sehr ins Kleine gehn müssen, und viele feine Bemerkungen erfordern, weil sich die heilige Schrift auf dergleichen sehr besondre und kleine Umstände bezieht. Eben daher ist dieses Studium 3) mit großen Schwierigkeiten verknüpft, weil es sehr ausgebreitete und genaue Kenntnisse erfordert, weil es sich, wegen Ungewißheit der Sprache, und besonders der bestimmten Bedeutung der Namen und Wörter, |c45| wegen Entfernung der Zeiten und Oerter und Mangel der Nachrichten, sonderlich in Absicht auf Topographie, in große Dunkelheit verliert, und weil man selbst erst durch eine fleißige Beschäftigung mit der Bibel lernen muß, was hier einer Untersuchung bedarf oder nicht.
c√
|b53|40.
Noch wichtiger wären 2) die Kenntnisse derjenigen Sachen, die man gemeiniglich unter dem |a339| Namen der Alterthümer begreift, wohin man alles rechnen kan, was die Verfassung der Völker und ihrer verschiednen Stände, nebst dem auf Convention beruhendem Verhältniß derselben gegen einander angeht, als Religions- bürgerliche und militärische Verfassung, häusliches Leben, Handel und Gewerbe, Abhängigkeit und Bündnisse von und mit einander, und die bey allem diesen eingeführte Gewohnheiten. Ein wieder sehr weitläufiges und schweres Studium, weil es so mannichfaltige in der Bibel erwehnte Völker, aus sehr verschiedenen Zeiten, umfassen muß, deren Einrichtungen und Gewohnheiten, eben weil sie auf Willkühr beruheten, und sich darum auch leicht veränderten, zumal aus den ältern Zeiten, schwerer zu entdecken sind, als natürliche Einrichtungen, die in jedem Lande sich weit seltner ändern, und sich meistens bis auf unsre Zeit erhalten haben. Eben da|c46|durch wird das Eindringen in den Geist solcher Verfassungen und in die Ursachen derselben, die in dem Klima und den daraus entstehenden Bedürfnissen, in gewissen politischen Revolutionen, oft auch in der Begierde nachzuahmen, oder gar in einem bloßen Zufall, liegen können, erschwert, oder gar unmöglich gemacht, wenn auch derer mehr wären, als sie nicht sind, die mit so vielfältiger Gelehrsamkeit und philosophischem Blick jene Ursachen und Ab|b54|sichten untersuchen, als
Spencer ,
Goguet ,
Michaelis und
Gatterer , bey den Einrichtungen der Israeliten und einiger andern Völker versucht haben. Und doch hat diese philosophi|a340|sche Behandlung solcher Verfassungen und Einrichtungen ihren unentbehrlichen Nutzen, selbst bey Erklärung der heiligen Schrift. Sie macht diese Einrichtungen begreiflich, hebt das Befremdliche derselben, und befestigt dadurch die Glaubwürdigkeit der Bibel. Sie zeigt die Weisheit Gottes und seiner Vorsehung in Einführung gewisser Anstalten unter seinem Volk, die sich auf jene Verfassung und Gewohnheiten gründete, oder diese einführte, um dadurch wahre Religion, nach den Bedürfnissen solcher Menschen, zu befördern. Sie beschämt dadurch viele Vorwürfe gegen die heilige Schrift, und falsche Vorstellungen von ihrem Inhalt, die auf Unbekanntschaft mit diesen Einrichtungen, auf Unkunde ihrer Ursachen und Absichten, und auf einer übel angebrachten Philosophie, beruhen, welche, unerleuchtet durch das Licht der Geschichte, sich über den Kreis unsrer Sitten und Verfassungen nicht hinausdenken kan.
c√
41.
Dieses Eigene der Völker und Personen, die in der heil. Schrift erwähnt werden, an welche die biblischen Bücher gerichtet, oder von welchen sie verfertigt sind, richtete sich ohne Zweifel 3) nach ihrer Denkungsart, c√Kenntnissen und Meinungen, nach ihrem Charakter und c√Sit|b55|ten, und hatte umgekehrt wieder in diese einen nothwendigen Einfluß. Danach bildeten sich auch ihre Künste und Wissenschaften, die wieder jene bildeten, ihnen ihre Richtung gaben, Einrichtungen und Gewohnheiten veranlaßten. Ganz |a341| vorzüglich nothwendig ist also auch diese Art von Kenntnissen, sowohl zu richtiger Erklärung der heiligen Schrift, als zur richtigern Beurtheilung der darin vorkommenden Sachen, und des Werthes der Bibel selbst. Zu beyden Absichten ist es unumgänglich nothwendig, sich in jene Art zu denken, in jene Meinungen, Sitten u. d. gl.
Abkürzungsauflösung von "u. d. gl.": und dergleichen
zu versetzen; sonst muß man offenbar den rechten Gesichtspunct verfehlen, so gewiß wie man den Sinn verfehlt, wenn man ihn nach unserm, nicht nach dem biblischen Gebrauch, bestimmen will. Denn jeder Schriftsteller schreibt zunächst und eigentlich für seine Zeit, nach den Bedürfnissen, Fähigkeiten und Meinungen derer, an die er schreibt, nach seiner Denkungsart, c√ Begriffen und c√ Charakter; kandann auch, wenn er wahr erzählen will, seine Personen anders nicht aufführen, als sie wirklich waren.
|c48|42.
Es ist fast unglaublich, was die an sich sehr wahre Vorstellung von der Bibel, als einer Sammlung göttlicher Bücher, durch Mißverstand und eine höchst verkehrte Anwendung, für Schaden gestiftet hat; wie sehr man sich dadurch um den Nutzen, den man daraus schöpfen könnte, gebracht; wie sehr sie c√ der Verachtung und |b56|Spöttereyen ausgesetzt hat. Als göttliche Bücher sollen sie, sagt man, nicht wie irgend ein vernünftiges menschliches Buch, verstanden und gebraucht werden; Gott soll sie durchaus für alle Zeiten und Menschen, nicht zum Theil allein für |a342| die ersten Leser, haben aufzeichnen laßen; sie sollen aufhören allgemein nützlich zu seyn, und sollen zu Irrthümern verleiten, wenn man annähme, daß sich darin Sätze und Wörter befänden, welche auf damalige Meinungen oder gar Vorurtheile und Irrthümer gingen. – Alle diese Einbildungen entspringen 1) aus der üblen Gewohnheit, nicht Gott aus seinen Werken abzulernen, was gewiß das Beste gewesen seyn muß, sondern aus einer vorausgesetzten Idee, den Plan auszuspinnen, den Gott nach unsrer Meinung habe befolgen müssen, wenn er es hätte recht machen wollen; eine Thorheit, von der und von deren Schaden uns schon die Wahrnehmung des wirklich Bösen in der Welt überzeugen könnte, das, nach unsrer Voraussetzung, auch nicht in der Welt seyn sollte, und das wir so schwer mit Gottes allgemeiner Weisheit und Güte zu reimen wissen. 2) Man spanne denn bey der Bibel den Begriff von einem göttlichen Buch so hoch als man will – ihn hier zu bestimmen ist der Ort nicht –: so muß er doch nicht den Augenschein gegen sich haben. Denn gegen diesen kan keine Theorie bestehn, und man treibt sonst Andre noth|c49|wendig dahin, daß sie, zu Folge unsrer falschen Begriffe von den Erfordernissen eines göttlichen Werks, der Bibel diese Ehre absprechen |b57| müssen, wenn sie gleichwohl darin das wahrnehmen, was man mit einem göttlichen Werke unverträglich hält. Der Augenschein zeigt es aber, daß Jesus und die heiligen Schriftsteller, in unzählichen Stellen, Redensarten und Sätze brau|a343|chen, die sich auf menschliche, selbst irrige, Vorstellungen und Gewohnheiten dererjenigen gründen, mit welchen sie zu thun hatten, wie z. B.
Abkürzungsauflösung von "z. B.": zum Beispiel
Hiob 1, 6 flgg.
Abkürzungsauflösung von "flgg.": folgende
Matth. 12, 43–45. vergl.
Abkürzungsauflösung von "vergl.": vergleiche, verglichen
mit Tob. 8, 3. Gal. 4, 24 f.
Abkürzungsauflösung von "f.": folgend
und die sie selbst in vielen Fällen brauchen mußten, wenn sie allgemeiner, aber, vor der Hand wenigstens, unschädlicher Volksglaube waren, wollten sie anders verstanden werden, ihre Glaubwürdigkeit nicht verdächtig machen, ihre Zuhörer oder Leser, nach deren Fähigkeiten und Bedürfnissen, überzeugen, oder ihnen etwas anschaulich darstellen. – Mindestens muß da, wo sie erzählen, oder, wie Matth. 12, 27. und Luc. 24, 37–40, den Meinungen andrer widersprechen, auch der eingenommenste Leser Anspielungen auf besondere menschliche Meinungen anerkennen, die denn doch von dem Ausleger verständlich gemacht werden müssen.
43.
Und warum soll denn 3) alles, was in den biblischen Büchern vorkommt, für alle Leser geschrieben, warum schlechterdings allgemeinnützlich seyn? Kan es je ein Buch geben, das diese Eigenschaft hätte, ohne alsdann manchen Lesern entbehrlich, oder nicht unterhaltend genug zu seyn? Ists |b58| denn nicht oft wohlthätiger gegen Alle, Mannichfaltigkeit hinein zu bringen, und einen Theil des Inhalts für |c50| Alle oder Manche, einen andern c√ nur für Einige oder Andre zu bestimmen, um Allen, nach ihrem Bedürfniß, Alles zu wer|a344|den? Ists nicht in den heiligen Büchern wirklich so? Könnten Weissagungen wohl für die ersten Leser, die jüdischen Geschlechtregister für uns, bestimmt seyn, die mosaischen Gesetze Andre unter den Christen, als die Gelehrten interessiren? Wenn aber 4) in der heiligen Schrift nicht
Allen Alles gleich nützlich und verständlich seyn mußte: so war es schon natürlicher, mehr für die ersten, als für die spätern Leser zu sorgen, sich also nach deren, auch noch c√ rohen und selbst irrigen, Begriffen c√ zu richten. Eben dieses giebt einem Buch den Charakter der Zeit, woher es ist, des Schriftstellers, der es geschrieben hat, der nächsten Bestimmung, wozu es aufgesetzt wurde; auf diesen unverkennbaren Merkmalen beruht die Ueberzeugung, daß es avthentisch und glaubwürdig sey; und auf diese Ueberzeugung gründet sich alles andre, die also bey Gott ein wichtigerer Zweck seyn mußte, als die Befriedigung unsrer eigensüchtigen Forderungen.
44.
Mit alle dem können 5) Bücher, die zunächst und hauptsächlich für die ersten Leser geschrieben sind, es kan selbst das, was in denselben auf besondre Zeit- und Volksmeinungen geht, a√ immer auch uns, in unsrer Art, nützlich werden, so daß, wegen jenes nächsten eingeschränk|b59|ten Zwecks, die Bücher selbst oder diese Theile derselben keineswegsunsre Geringschätzung oder Gleichgültigkeit verdienen. Es ist doch wenigstens schätzbarer Beytrag zur Ge|a345|schichte des menschlichen Geistes und der Religion. Je mehr wir diese besondre Vorstellungen studieren, die zu der Zeit herrschten, |c51| wo die biblische Bücher geschrieben wurden, oder wo die darin enthaltnen Begebenheiten und Reden vorfielen, und uns auch um anderweitige Spuren derselben bekümmern:je mehr wächst die Ueberzeugung von ihrem Alter, Aechtheit und Glaubwürdigkeit. Man lernt alsdann auch tiefer in die weisen Anstalten Gottes zur
Erziehung des menschlichen Geschlechtes eindringen; öfnet sich neue Quellen der Zufriedenheit mit den Wegen Gottes, der für jeden nach seinen Bedürfnissen sorgt, das Unvollkommne allmählich reifen läßt, und auch das Schlechtere zu seinen guten Absichten zu wenden weiß; man lernt das Glück mehr schätzen, in aufgeklärtern Zeiten zu leben, und weitere, nähere Aufschlüsse zu haben, die ehemaligen Zeiten versagt, oder durch Vorurtheile und Irrthümer erschwert waren. Und liegt denn, bey allem Eignen gewisser Beyspiele in der heiligen Schrift, in allen, nach den Umständen jener Zeiten und Völker, eingekleideten Lehren, nichts allgemein Lehrreiches für uns, das nur bey jenen Menschen durch ihre Umstände eine nähere Bestimmung für sie bekam? das der Verständigere wie Gold aus den Schlacken zu schmelzen weiß? woraus er, wie aus allen Beobachtungen in der Welt, das Allgemeine herausziehen, |b60| und sich für seine besondre Umstände nutzbar machen kan?
Es sey Paulus , oder Kephas , oder Apollos , oder die Welt – alles ist unser! 1 Kor. 3, 22. – Aber 6) scheiden müssen wir es lernen, |a346| und eben darum das näher kennen lernen, was zu jenen Ort- und Zeitkenntnissen gehört, was Hülle und nicht Wesen ist, was Gott in der Bibel nach bloßer Herablaßung, und was er nach strengster Wahrheit hat sagen laßen. Dafür muß es sowohl Regeln geben als für das Aechte oder Unächte in Lesearten, für den wahren oder falschen Sinn der heiligen Schrift; und alsdann wird |c52| auch die Besorgniß wegfallen, daß man durch solche eingemischte Vorstellungen nothwendig müßte auf Irrthümer geleitet werden.
45.
Wenn man diese aus bloßem Mißverstande herrührende Vorurtheile von dem Nutzen der Bibel, der vermindert werden, und von dem Schaden, der ihrem richtigen Verstand und Anwendung drohen würde, bey Seite setzt: so wird man sich bald überzeugen können, wie unumgänglich nothwendig es sey, sich, so viel man immer kan, ganz in die Lage hinein zu denken, welche die Bibel voraussetzt
Editorische Korrektur von: vorausetzt (b)
, und sich dazu die §. 41. erwähnten Kenntnisse mit möglichstem Fleisse zu erwerben. Nur dadurch werden wir verhüten, – daß wir nicht nach dem Maaßstab unsrer, oder überhaupt späterer, Kenntnisse und Meinungen, die in der heiligen Schrift liegenden, abmessen, und dadurch |b61| uns den Gesichtspunct verrücken, wonach wir alles nehmen müssen, wenn wir von ihr lernenwollen – nicht die darin liegenden Begriffe, wider die Wahrheit, ausdehnen oder einschrän|a347|ken, – nicht Dinge darin suchen und finden, an welche die heiligen Schriftsteller oder die darin aufgeführten Personen nie haben denken können – nicht ihre Beweise falsch beurtheilen – oder eine Ordnung, oder einen Zusammenhang, oder Künste erdichten, wonach sie sollten verfahren haben,– kurz, nicht den wahren Sinn derselben verfehlen.
46.
Nur dadurch würde zugleich der falschen Beurtheilung und Anwendung der heiligen Schrift vorgebeugt, oder beydes berichtigt werden. Denn nur durch die Kenntniß desjenigen, was in ihr jeder erwähnten Zeit, jedem Ort |c53| und jedes Umständen gemäß ist, ergiebt sich die hohe Glaubwürdigkeit, das Alterthum und die Aechtheit ihrer Bücher. – Nur dadurch entsteht wahre Ueberzeugung von der göttlichen Weisheit des darin gebrauchten Vortrags und der gemachten Anstalten, wenn beydes gerade den jedesmaligen Umständen angemessen ist. Nur dann wird man den Character und die Handlungen der darin aufgestellten Personen richtig würdigen, ungegründete Kritiken darüber ablehnen, und unrichtige Nachahmung derselben verhindern können, wenn man sie nach der Lage kennt und nimmt, worin sie handelten, und verfahren konnten. Alsdann auch |b62| nur im Stande seyn, das, was von der Zeit und Lage herrührte, mit einem Wort, das Zufällige, von dem Wesentlichen, und bey dem Vortrage |a348| der Bibel, die den Zeitumständen und Bedürfnissen entsprechende Einkleidung von den Lehren selbst, bey den aufgeführten Beyspielen das ihnen Eigenthümliche von dem auch c√ uns Lehrreichen, abzusondern, und sie so wirklich unsern Bedürfnissen gemäß zu brauchen.
47.
Da die verschiednen Veränderungen der in der heiligen Schrift erwähnten Völker, oder vorzüglich merkwürdiger Personen unter ihnen, sehr viele Veränderungen nicht nur der Länder selbst, sondern noch mehr der Denkungsart, der Sitten, der Verfassung und Einrichtungen unter ihnen und andern nach sich gezogen haben: so ist schon deswegen
4) die Kenntniß ihrer Geschichte nothwendig, um diese letztre Veränderungen, nebst ihren Ursachen und Absichten, einzusehen. Sie würde es schon an sich seyn, in so fern ein großer Theil der Bibel theils diese wirkliche Geschichte, theils Anspielungen darauf, theils Weissagungen enthält, |c54| die sonst schlechterdings das nöthige Licht nicht bekommen können. Für den Ausleger der Bibel gehört freylich nur diese Kenntniß so weit, als sie zur Erklärung der Bibel nöthig ist, aber eben dazu wird auch eine sehr oft in kleine und dunkle Umstände eindringende Kenntniß erfordert.
c√
|a349||b63|48.
Viel trägt dazu 5) die Kenntniß der biblischen Zeitrechnungbey, die doch auch wieder das unentbehrliche Licht aus der Geschichte erhält. Sie hat hier nicht nur den Nutzen, wie in der Geschichte überhaupt, daß sie ihr Ordnung mittheilt, ihre Wahrheit befestigt, und den Geschichtsforscher auf den Zusammenhang der Begebenheiten, also zur kritischen und pragmatischen Behandlung der Geschichte, führt. Sie ist auch unentbehrlich, um den scheinbaren Widerspruch mancher Stellen der heiligen Schrift gegen einander und gegen die Zeitrechnung der auswärtigen Geschichte zu heben, der so oft zu Vorwürfen gegen sie gedient hat; um auf wahre oder vorgebliche Fehler in einigen Stellen des biblischen Textes und deren richtige Beurtheilung zu leiten; und selbst, um falsche Erklärungen zu verhüten, oder zu entdecken, die sich auf eine unrichtig angenommene Zeitrechnung gründen, und durch Hülfe einer richtiger bestimmten Chronologie neues Licht über manche Schriftstellen auszubreiten.
c√ Man kan sich von diesem zuletzt angegebnen Nutzen aus der Bemerkung überzeugen, daß man sehr oft den Erzählungen bey den Evangelisten, auch manchen Weissagungen, eine falsche Deutung gegeben hat, weil man nicht bedachte oder |c55|einsahe, daß die heiligen Schriftsteller in ihrer Stellung nicht immer eine genaue Zeitordnung beobachtet haben, und daß bey Sammlung solcher Bücher, die aus einzelnenWeissa|a350|gungen bestehn, im Jeremias z. B.
Abkürzungsauflösung von "z. B.": zum Beispiel
, |b64|unleugbar, wenigstens in verschiednen Abschriften, Versetzungen derselben vorgegangen sind. Es ist eben so gewiß, daß eine falsche Bestimmung der Zeit, wo gewisse biblische Bücher, als Hiob, die Psalmen, die Briefe des neuen Testaments, u. a.
Abkürzungsauflösung von "u. a.": und andere
geschrieben seyn sollen, zu falschen Erklärungen verleitet hat, und manches heller wird, wenn man ihnen ihren rechten Platz in der Geschichte anweisen kan. S.
Abkürzungsauflösung von "S.": Siehe
meine beyden Versuche über den Brief an die Hebräer und den Brief Jacobi in den Opusculis Fasc. I. und II.
49.
Zur Erwerbung aller bisher erwähnten historischen Kenntnisse gehörte freylich, wenn sie von eignem Fleiß abhängen sollte, ein sehr sorgfältiges Studium sowohl der heiligen Schrift selbst, wo oft gering scheinende und kaum bemerkte Spuren zu wichtigen Entdeckungen führen können, als auch anderer alten Schriftsteller und Denkmahle, die uns irgend etwas davon aufbehalten haben. Und weil auch in spätern morgenländischen Schriftstellern viele Ueberbleibsel dieser Art übrig sind, überhaupt aber sich alte Meinungen und Sitten, selbst aus den ältesten Zeiten, nirgends so lange und unverändert, als in den Morgenländern, erhalten haben: so ist das Nachforschen in solchen morgenländischen Schriftstellern und in genauen und von wirklichen Kennern herrührenden Reisebeschreibungen in jene Gegenden, von ungemeinem Nutzen. Viel ist auch bereits hierin von einigen |b65| gelehrten Männern, theils in besondern |a351| Werken über gewisse Arten dieser historischen Kenntnisse, theils bey Erklärung der heiligen Schrift, geleistet worden, woran man sich, |c56| in Ermanglung der nöthigen Hülfsmittel und Fähigkeiten, halten muß, von ihnen wenigstens schon vieles Vorgearbeitete, die dabey brauchbaren Quellen, und die rechte Art sie zu benutzen, ablernen kan.
c√ Von den hier gemeinten Schriftens.
Abkürzungsauflösung von "s.": siehe
die
Anweisung zurKenntniß der Bücheretc.
Abkürzungsauflösung von "etc.": et cetera
§. 66–92.
50.
Aber, wenn man sich nicht bloß auf die Benutzung des Vorgearbeiteten einschränken, höchstens, in Absicht der Quellen, bloß an Reisebeschreibungen halten will, deren Werth, zumal beyeinzelnen Nachrichten, nicht einmal gründlich beurtheilt, vielweniger vorsichtig und reichlich genug benutzt werden kan, ohne gründliche Kenntniß alter Sprachen und mehrerer Theile der alten und morgenländischen Geschichte: so hat dieses eigne Studium so viele Schwierigkeiten, und erfordert so viele zum Theil seltne Hülfsmittel, Kenntnisse, Geduld, Scharfsichtigkeit und Gabe, sich in fremde Lagen recht hinein zu denken, und aus einer Menge von Kleinigkeiten ein Ganzes zusammen zu setzen, daß nur wenige etwas Beträchtliches in diesem Fache leisten können. Ein Anfänger zumal muß sich mit den Vorarbeiten Andrer begnügen; kan, aus Mangel der Zeit und der Hülfsmittel, auch dies nicht einmal; |a352||b66| würde sich wenigstens glücklich zu schätzen haben, wenn er auch nur das Nothwendigste in ein Handbuch zusammengetragen fände, was ihm zu einem allgemeinen Wegweiser bey Erlangung dieser Kenntnisse vorläufig dienen könnte.
|c57|51.
Ohne Zweifel ist dieses einigermaßen die Absicht bey solchen Büchern oder Vorlesungen gewesen, die man unter dem Namen der Einleitungin das alte und neue Testament und der sogenannten Kirchengeschichte des alten Testaments, oder (der ältern) jüdischen Geschichtehat, wenn sie c√ allezeit und genugsam dieser Absicht entsprächen. Allein bis jetzt schränken sich jene Einleitungen fast bloß auf die Geschichte der biblischen Bücher selbst und ihres Textes ein, und fügen allenfalls Einiges über die Verfassung einiger in der heiligen Schrift erwähnten Völker hinzu; wonach solche Bücher, wenn sie nicht durch besondre neue Entdeckungen, und dieses doch mehr für den Gelehrten als für den Anfänger, wichtig werden, mehr nicht leisten, als was Ausleger ohnehin zur Einleitung bey Erklärung einzelner biblischen Bücher, oder andre schon in Anweisungen zur Erklärung der heiligen Schrift,
Ernesti z. B.
Abkürzungsauflösung von "z. B.": zum Beispiel
in der Institut. interpretis N. T., oder die Verfasser der sogenannten hebräischen und christlichen Alterthümer, oder der Bücher über die biblische Kritik, gethan haben.
Noch haben wir kein in seiner Art vollständiges|b67| Handbuch, |a353| wodurch man eine kurze, aber in ihrer Art zweckmäßig-vollständige, Uebersicht zugleich von der biblischen Geographie und Chronologie, der im Zusammenhang mit der auswärtigen gebrachten Geschichte in der Bibel, und vornehmlich von der Denkungsart, den Kenntnissen, Meinungen, Sitten und c√ Verfassung der Völker oder Gesellschaften, die in der heil. Schrift vorkommen, oder zum Grunde liegen, auch des ganzen Tons bekäme, der in der heil. Schrift herrscht; gesetzt daß man auch nur das bisher darüber Entdeckte zusammentrüge, gut auswählte, |c58| und in eine gute Ordnung brächte. *) So lange dieses nicht geschieht, muß sich der Anfänger an den Ausleger halten, dem er sich anvertraut, oder an diejenigen Hauptbücher, welche am besten einzelne hier in Anschlag kommende Stücke aufgeklärt haben. S.
Abkürzungsauflösung von "S.": Siehe
§. 49 in der Anmerkung.
c√ *) Einen Anfang eines solchen Handbuchs haben wir an dem
Handbuch der biblischen Literatur, von Joh. Joach. Bellermann , das, einst vollendet, für den Anfänger eine gute Encyclopädie dieser Art von Kenntnissen seyn wird. Bis jetzt sind erst zwey Theile, Erfurt 1787 und 90
in 8. erschienen. c√
52.
Die sogenannte Kirchengeschichte des alten Testaments, die mit einer kritischen Geschichte der Bibel selbst nicht verwechselt werden muß, ist gewöhnlich die in einigen Zusammenhang gebrachte, und zum Theil mit der benach|b68|barten Völkergeschichte verbundene Geschichte der |a354| Juden und ihrer Vorfahren, bis auf Christi Geburt, und verdient mehr den Namen eines erläuterten Auszugs aus der Geschichte des alten Testamentes, ist mehr Sammlung von Erläuterungen schwerer historischen Stellen des A. T. die sich nur zu oft auf unnütze und in eine Volksgeschichte gar nicht gehörige Untersuchungen (über die
redende Schlange in dem Paradies, über Dudaim und Kikajon, das Begräbniß Mose u. d. gl.
Abkürzungsauflösung von "u. d. gl.": und dergleichen
) erstrecken, als eine Handleitung zu dieser Geschichte selbst, wodurch diese, mit den Weissagungen auch auswärtige Völker betreffend, aufgeklärt, pragmatisch gemacht, und das andern Stellen der Bibel oder der Profangeschichte Widersprechende gehoben werden könnte. In der That verdiente sie eine solche Be|c59|arbeitung, und würde sehr nützlich erweitert werden können, wenn sie zugleich als Geschichte der stufenweise erfolgten nähern göttlichen Offenbarung und des Volks Gottes, d. i.
Abkürzungsauflösung von "d. i.": das ist
derjenigen Menschen, eingerichtet würde, welchen sie, bis zu ihrer letzten Vollendung, mitgetheilet worden ist. Auf diese Art könnte sie die ganze biblische Geschichte A. und N. T. in sich fassen, und eine nützliche Vorbereitung auf die Lesung der heiligen Schrift selbst werden.
c√
53.
Um die bisher erwähnten philologischen und historischen Kenntnisse bey Erklärung der heiligen |b69| Schrift recht zu brauchen, sind sowohl gewisse |a355|Regeln,als eine Uebung nöthig, um nach diesen Regeln jene Kenntnisse zur Entdeckung und Mittheilung des Sinnes der heiligen Schrift wohl anzuwenden (§. 36 ). Der zusammenhängende Inbegriff jener Regeln, oder die Wissenschaft, welche eine Anweisung zur gründlichen Einsicht und Darstellung dieses Sinnes giebet, ist die biblischeHermenevtik.
54.
In Würdigung dieser Wissenschaft muß man sich c√ hüten, ihren Werth so wenig herunter zu setzen als zu übertreiben. Regeln muß man einmal haben, wenn man bey der heil. Schrift mit eignen Augen sehen, nicht |c60| willkürlich handeln, und sich in ähnlichen Fällen gleich bleiben will. Auch wenn man von dem besten Ausleger geleitet wird, der seine Erklärungen durch Gründe unterstützt, kan man nicht einmal beurtheilen, mit welchem Recht er nach solchen Gründen verfahre, wenn man nicht vorher feste Regeln kennt, wonach man sein Verfahren beurtheilt; und wer sich sogleich einen Wegweiser, den Sinn der heiligen Schrift zu finden, wählt, findet gemeiniglich diese Vorarbeit so bequem, daß er sich um das eigne Aufsuchen und die dazu nöthigen Regeln wenig bekümmert. Indessen könnte a√ ein guter Kopf, dem es so wenig an obigen Kenntnissen als an Beobachtungsgeist fehlte, sich durch fleissiges Studium der heiligen Schrift, selbst diese |b70| Regeln abziehn, und, wenn er sich an Philosophie |a356| gewöhnt hätte, selbst seine Beobachtungen verdeutlichen, und c√ in allgemeine, bestimmte, und mit andern Grundsätzen zusammenhängende Sätze verwandeln. Auch versteht sichs von selbst, daß Regeln allein, ohne Genie, Sprach- und historische Kenntnisse und Uebung, keinen Ausleger bilden. Aber dieses alles mit vorausgesetzt, ist es, zumal für den Anfänger, sehr nützlich, einen wissenschaftlichen Unterricht über richtige Grundsätze zur Auslegung der heiligen Schrift zu erhalten.
55.
Denn 1) jene vorausgesetzte Eigenschaften kan man bey den wenigsten annehmen, die den Sinn der heiligen Schrift selbst finden wollen. Man müßte schon vorher eine sehr gute Anweisung und Uebung in recht genauer Erklärung alter Schriftsteller gehabt haben, die allerdings die treflichste Vorbereitung zur Auslegung der Bibel a√, aber doch |c61| allein nicht zureichend, ist, weil bey dem Eigenthümlichen des Ausdrucks und der Denkart, die in diesen ganz morgenländischen Schriften der Bibel herrscht, noch zugleich andre Grundsätze erfordert werden, welche aus der Natur des biblischen Sprachgebrauchs und der eigenthümlichen Art ihres Vortrages müssen abgezogen werden c√. 2) Auch alsdann, wenn sich jemand mit jenen Eigenschaften dem Studium der heiligen Schrift näherte, würde vieles von den Grundsätzen oder Vorurtheilen abhän|b71|gen, die er mitbrächte. Sind diese falsch, so werden alle seine Beobachtungen eine falsche Richtung nehmen, eher zur Bestärkung seiner Irrthümer, als zu ihrer Berichtigung angewendet werden; sind sie aber auch wahr, nur nicht auf |a357| deutliche Gründe gebauet, so ist die ganze Art, wie er bey der Auslegung verfährt, sehr unzuverläßig. Um beydes zu verhüten, müßte er doch schon vorher, ehe er sich sichre Regeln abziehen wollte, feste Grundsätze haben, die ihn bey diesem Geschäfte leiteten. Eben diese soll die Hermenevtik geben und klar machen, die uns schon dadurch große Dienste leisten kan, daß sie uns für schädlichen Vorurtheilen bey der Auslegung bewahrt, oder sie ausrottet, ehe sie zu feste Wurzeln schlagen. 3) Und wenn nun vollends Andre uns unsre Regeln oder deren Gültigkeit ableugnen: so bleibt doch kein andrer Weg übrig, sie zu überzeugen, als der, wo man die bestrittnen Regeln und Grundsätze auf solche zurückführt, die auch der Gegner nicht ableugnen kan, die sich also auf deutliche Begriffe von der Natur der Auslegung, der Sprachen überhaupt, und derjenigen Sprachen insbesondre, gründen, in welchen die heilige Schrift abgefaßt ist. (z. B.
Abkürzungsauflösung von "z. B.": zum Beispiel
ob und wiefern man die eigentliche Bedeutung der Wörter verlassen dürfe? ob und wiefern die hebräische |c62| Bedeutung der gutgriechischen vorzuziehen sey? wie die bestimmte Bedeutung derselben zu finden sey?) 4) Auf Manches wird man gar nicht einmal aufmerksam werden, um sich daraus Regeln zu ziehen, wenn man nicht vorher durch guten |b72| Unterricht daran erinnert worden ist, oft z. B.
Abkürzungsauflösung von "z. B.": zum Beispiel
nicht einmal an die Möglichkeit einer Erklärung denken, die gerade die richtigste seyn kan, oft an der Bedeutung der Wörter hängen bleiben, und sich daraus einen Sinn zusammensetzen, aber dar|a358|über den wahren Sinn ganzer Sätze verlieren. Ueberhaupt aber 5) ist das eigne Auffinden richtiger und fester Regeln eine so mühsame Beschäftigung, und die dazu nöthigen Eigenschaften (§. 54 ) sind so selten beysammen, und erfordern so viele Kenntnisse, Scharfsinn und Fleiß in unendlich kleinen Dingen, daß der gewiß Dank und Aufmerksamkeit verdient, wer uns diese Beschäftigung durch Mittheilung erprobter Regeln erleichtert, und uns für Ab- und Nebenwege bewahrt, wobey wir spät oder gar nicht zum Ziel kommen würden.
56.
Wie schwer es überhaupt, und wie unmöglich es für den Anfänger sey, ohne diese Anweisung bey der Bibel sicher fortzukommen, lehret schon die Erwegung der Kenntnisse, die bey sichern Grundsätzen und Regeln zum Grunde liegen müssen. Denn die biblischen Bücher sind – vernünftige Schriften, und in einer verständlichen Sprache abgefaßt – welche aber, wie jede Sprache, ihr Eignes hat – und die heiligen Schriftsteller hatten eben so ihre eigenthümliche Denkart, Begriffe, und Art sich auszudrucken, wie sie sich in allen diesen auch nach ihren Lesern |b73| richten mußten. Daher beruhen die c√ Grundsätze und |c63| Regeln bey Erklärung der Bibel 1) auf der Natur des vernünftigen Denkens und der Sprache überhaupt, worüber die Logik Aufschluß geben muß a√, und in so fern ist die bibli|a359|sche Hermenevtik von der allgemeinen nicht verschieden; 2) auf der Natur der in der heiligen Schrift gebrauchten Grundsprachen; und 3) auf der Kenntniß desjenigen, was die heiligen Schriftsteller und die Leser, für die sie zunächst schrieben, Eignes hatten. Wenn auch das Erste leicht sollte zu erkennen seyn: so erfordert doch das Zweyte und Dritte, wie bisher gezeigt worden, sehr ausgebreitete und feine Kenntnisse, die um so schwerer
Editorische Korrektur von: schw rer (b)
zu erwerben, um so schwerer mit Ueberzeugung zu fassen sind, je größre Vorurtheile von der ganz eignen Art göttlicher Bücher sich hier in den Weg legen (§. 42 –44. ).
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
1. Man sieht hieraus 1) daß die Kenntniß der allgemeinen Hermenevtik, allenfalls durch Beyspiele von Schriftstellen erläutert, bey weitem nicht allein zureichend sey, da sie nur den kleinsten und leichtesten Theil der Regeln für die Erklärung der heil. Schrift enthält; 2) daß sich schon deswegen die biblische Hermenevtik nicht, wie manche Wissenschaften, aus Einem allgemein brauchbaren Grundsatz herleiten laße, weil sie auf so vielem beruht, das der Bibel eigen ist; und 3) daß, weil die Bücher des neuen Testaments in einer ganz andern Zeit und Sprache, von ganz andern Schriftstellern, nach ganz verschiednen Absichten, und an |b74| ganz andre Leser geschrieben sind, als die Bücher des alten, es weit besser sey, für jedes eine besondre Hermenevtik abzufassen, als für beyde eine gemeinschaftliche. (Für das neue Testament insbesondre haben wir nur Ein vortrefliches BuchJo. Aug. Ernesti Institutio interpretis N. T. (Edit.
Abkürzungsauflösung von "Edit.": Editio
3. Lips. 1775.
8.); für das alte aber noch gar keines.) Die allgemeinern |a360|hermenevtischen Anweisungen undschätzbarenBeyträge dazu s.
Abkürzungsauflösung von "s.": siehe
in der
Anweisung zur Kenntniß derc√Bücher in der Theol. angeführt §. 94–108.
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
2. Aus andern, als den angegebnen Quellen, können keine Grundsätze und Regeln für die Erklärung hergeleitet werden. Man muß also die biblischen Bücher wie andre menschliche Bücher erklären, und kan sie anders nicht verstehen lernen als durch rechtmäßigen Gebrauch der hermenevtischen Hülfsmittel. Denn ob sie gleich göttliche, d. i.
Abkürzungsauflösung von "d. i.": das ist
durch Gottes Veranstaltung a√geschriebne Bücher sind: so ändert doch dieses in der Natur der Bücher nichts; weil Gott darin die heiligen Schriftsteller hat als Menschen mit Menschen und in verständlichen menschlichen Sprachen c√ reden laßen. – Die durchgängige Weisheit, Wahrheit und Untrüglichkeit, welche in diesen Büchern herrscht, betrift nur die sichre Anwendung des entdeckten Sinnes, hat aber in die Entdeckung des Sinnes selbst keinen Einfluß. Selbst die Folge daraus, daß kein Sinn einer Stelle, welcher unleugbaren Sätzen widerspricht, der wahre seyn könne, kan nur dienen, manche falsche Erklärungen zu verwerfen, aber |b75| nicht die wahren zu treffen. – Und so wahr es ist, daß die frömmre Gesinnung, mit der man den Sinn der heil. Schrift nachforscht, allerdings auch Einfluß in die Auffindung des richtigen Sinnes haben kan: so ists doch nur in so fern wahr, als sie zu gewissenhaftern Gebrauch der natürlichen Hülfsmittel zur Erklärung der Bibel antreibt. – Irgend einen unmittelbaren Einfluß Gottes bey Entdeckung des gedachten Sinnes annehmen, hieße ja Gott beschuldigen, daß er durch unnütze Umwege dem Menschen entdecke, was er ihm |a361| geradezu entdecken könnte, ohne daß er erst die Bibel brauchte verstehen |c65| zu lernen. Es ist dieses auch eine eitle Einbildung, die eben so zur Verachtung und Gleichgültigkeit gegen jene einzigen Hülfsmittel verführt, wie falsche Begriffe von dem Göttlichen der Bibel zu den Einbildungen vom
vielfachen Sinn einer Schriftstelle, vom natürlichen und übernatürlichen Verstand der heil. Schrift u. dgl.
Abkürzungsauflösung von "u. dgl.": und dergleichen
verführt haben.
57.
Zu der Bekanntschaft mit den Grundsätzen und Regeln der Auslegung heiliger Schrift muß nothwendig noch Uebung in dieser Erklärung selbst kommen (§. 36 und 53 ). Denn 1) ohne diese sind die Regeln bald vergessen; durch sie wird erst ihr Nutzen mehr klar, und die Ueberzeugung von ihrer Wahrheit anschaulich; oder, wenn uns falsche oder unnütze Regeln sollten beygebracht seyn, so kan uns die versuchte Anwendung der|b76|selben bey der Erklärung selbst, bald belehren, ob jene unbrauchbar oder unrichtig, oder einer Einschränkung, und welcher? sie bedürftig sind. 2) Bey dieser Uebung können wir immer mehrere Regeln entdecken, entweder so, daß wir selbst durch fleissiges Studieren der Bibel darauf stoßen, oder daß wir sie guten Auslegern, bey Wahrnehmung der Art, wie sie verfahren, ablernen, und dadurch den hermenevtischen Unterricht vervollständigen. 3) Nur erst durch die Uebung machen wir uns diese Grundsätze zu eigen, lernen selbst, aus eigner Ueberzeugung, |a362| die heilige Schrift verstehen, und gewöhnen uns zum exegetischen Gefühl, das einem Ausleger so nöthig ist. Es kan auch alsdann 4) bey anhaltendem Fleiß nicht fehlen, daß wir nicht, indem wir die Schrift mit sich selbst und allen unsern anderweitigen Sprach- und historischen Kenntnissen vergleichen, Manches in derselben sollten besser, oder |c66| doch überzeugender verstehen lernen, was der Fleiß Andrer zurückgelaßen oder verfehlet hat.
58.
Zu diesen Uebungen gehören: – der Gebrauch guter Vorlesungen über die heil. Schrift, wenn man Gelegenheit dazu hat – guter Ausleger, die sie in Schriften erklärt haben – und c√ eigene Versuche. Man thut wohl, wenn es seyn kan, sich erst richtige Grundsätze und Regeln der Auslegung bekannt zu machen (§. 55 ), und alsdann sogleich zu den Uebungen fortzuschreiten, |b77| oder letztere gleich mit dem Unterricht in der Hermenevtik zu verbinden (§. 57 ). Es ist auch rathsam, die gedachten Uebungen in der angegebenen Ordnung vorzunehmen.
59.
Denn, eben so, wie die Hermenevtik eine sehr nützliche Vorbereitung zum Studium der heiligen Schrift ist, so ist es viel besser, erst andre gute Ausleger zu hören oder zu lesen, als schon selbst Versuche in der Auslegung anstellen zu wol|a363|len. Jenes ist unstreitig leichter. – Bey andern guten Auslegern kan man eher mehr Bekanntschaft mit den Hülfsmitteln der Auslegung und den Entdeckungen Andrer, so wie mehr Uebung und Fertigkeit voraussetzen, als bey dem Anfänger. – Dieser übersieht zu viel, ist entweder auf Manches nicht aufmerksam, oder bildet sich ein, Manches zu verstehen, was er wirklich nicht versteht; durch Vergleichung der Ausleger lernt er erst, daß Manches ganz anders erklärt werden könne, Manches nicht so sicher sey, als er glaubte, und daß er auf Vieles Acht geben müsse, woran er nicht dachte.
|c67|c√ Selbst denken soll freylich ein jeder, d. i.
Abkürzungsauflösung von "d. i.": das ist
alles prüfen, und selbst aufsuchen. Aber er kan es doch nicht eher, als bis er die nöthigen Kenntnisse dazu hat;kan auch allein so weit nicht sehen, als wenn er Andre mit zu Hülfe nimmt. Schon von der Kindheit an müssen wir erst von Andern geleitet werden, und lernen, ehe wir selbst gehen oder entdecken |b78| können. Dies ist bey solchen Kenntnissen, wie zur Auslegung der Bibel gehören, unumgänglich nöthig, diesich nicht aus bloßem Nachdenken schöpfen lassen, und wo selbst die Beobachtung nicht auf natürliche, sondern, wie Sprachen und Geschichte, auf willkührliche oder zufällige Dinge geht.
60.
Eben so ist es besser, wenn man es haben kan, Vorlesungen guter Ausleger zu benutzen, als gleich anfangs sich an Schriften der Ausleger, zumal an mehrere zugleich, zu halten. Denn, |a364|ausser dem daß der größte Theil der sogenannten Commentarien schlecht, oder unsern jetzigen Bedürfnissen und den eines Anfängers nicht angemessen ist, und dieser c√ nicht immer die Ausleger kennt, welche für ihn die besten sind, oder sie nicht immer haben kan: so befördert schon der mündliche Vortrag mehr die Aufmerksamkeit; man kan eher bey dem Docenten weitern Unterricht über das einziehn, was man nicht verstanden, oder was uns nicht überzeugt hat; man erspart sich mehr Zeit und Mühe, und wird durch die Abweichungen der Ausleger von einander weniger verwirrt; der mündliche Lehrer kan seinen Vortrag mehr für das besondre Bedürfniß der Zuhörer einrichten, die er vor sich hat; und, wenn der Docent Geschicklichkeit, Fleiß und Untersuchungsgeist genug hat, kan man von ihm eher erwarten, daß er das Beste, und selbst das Neueste, was über die Bibel geleistet wor|c68|den, benutzt, und |b79| selbst maches Gute entdeckt haben werde, was man in den Commentarien nicht antrift.
61.
Vorlesungen und schriftliche Arbeiten über die heilige Schrift sind entweder kürzer, und halten sich bloß bey Vorstellung des Wortverstandes auf, oder sie sind weitläufiger, und zeigen entweder durch die Erklärung näher die Art, wie man die Bibel auslegen müsse, oder sie weisen die Anwendung des gefundenen Verstandes zur Bestimmung desjenigen, was wir nach der heili|a365|gen Schrift zu glauben, oder zu thun, oder zu vermeiden haben. Die erstern nennt man cursorische Vorlesungen, oder Scholien; die letztern exegetische Vorlesungen, oder Commentarien.
62.
In jenenmüßte der Verstand der heiligen Schrift deutlich dargestellt, durch eine möglichst genaue und treue Uebersetzung, und, wo diese nicht möglich, oder nicht zureichend ist, durch dergleichen Umschreibung ausgedruckt; derselbe aus dem Sprachgebrauch der Bibel, und, wo mehrere Erklärungen möglich sind, aus andern Gründen zugleich einleuchtend gemacht; es müßten die historischen Erläuterungen
Editorische Korrektur von: Erläuterungeu (b)
, wo sie nöthig sind, beygebracht, die anscheinende Widersprüche oder andre Schwierigkeiten des Verstandes gehoben; merkwürdigere Lesearten, zumal wo sie den |b80| Sinn ändern, erwähnt, geprüft, und die gewählte kurz gerechtfertigt; und, wo die Wahl unter mehrern Auslegungen schwerer ist, oder gewisse falsche Erklärungen sehr herrschend sind, und diese nicht schon durch richtige Vor|c69|legung des Sprachgebrauchs wegfallen, sie gegen einander gehalten, und abgezogen werden, um den Vorzug des wahrscheinlichsten Sinnes zu zeigen. Auch könnten noch einige Winke über die Anwendung wichtiger Stellen und über den großen Werth der Bibel und ihrer Belehrungen hinzukommen. – So eingerichtet sind solche Erläuterun|a366|gen sehr nützlich, und haben – nach ihrem Zweck, den Sinn der heiligen Schrift aufzuklären – einen weit größern Nutzen, als weitläufigere Commentarien. Man erspart sich dadurch mehr Zeit, meist unnütze Weitläufigkeit und Zerstreuung, der man in den letztern so sehr ausgesetzt ist. Man wird, bey dem langsamen Eilen, mehr mit dem Ton, Inhalt und Geist der heiligen Schrift bekannt. Man bekommt eine schnellere und mehr dem Geiste gegenwärtige bessere Uebersicht des Ganzen, zumal wenn man die ganze Bibel so durchgehen kan; dadurch zugleich eine trefliche Grundlage der ganzen Theologie; und hat, weil die meisten und besten Ausleger der Bibel in dieser Art der Erklärung gearbeitet haben, den Kern des Besten beysammen, was zur Erläuterung derselben gesagt worden ist.
c√ Wenn man gute Vorlesungen dieser Art zu hören keine Gelegenheit hätte: so könnten unter den |b81| in der
Anweisungetc.
Abkürzungsauflösung von "etc.": et cetera
§. 110 flgg.
Abkürzungsauflösung von "flgg.": folgende
erwähnten Büchern, in Absicht auf das neue Testament, für den Anfänger, die
Rosenmüllerschen Scholia in N. T. (3te Auflage, Nürnberg 1788–90
in 5 Bänden in gr.
Abkürzungsauflösung von "gr.": groß
8.) hernach aber vorzüglich
Bezä und noch vielmehr
Grotii Annott. in N. T. oder das
neue Testam.
Abkürzungsauflösung von "Testam.": Testament
mit den Koppischen Anmerkungen, wenn sie dereinst von irgend einen eben so geschickten Ausleger möchten vollendet worden seyn, in Verbindung mit
Erasmi Paraphrasibus, dienen; so wie bey dem alten Testament, nebst
Franc. Vatabli Anmerkungen,
Jo. Christ. Frid. Schulzii und Ge.Laur. Baueri Scholia in V. T. (Norimb. 1783–91,
bis jezt in 5 Bänden in gr.
Abkürzungsauflösung von "gr.": groß
8.),oder
Ern. Frid. Car. Rosenmülleri Scholia in V. T., wovon erst 2 Tomi, Lips. 1788 und 90 herausgekommen sind, verbun|c70|den mit der
Dathischen lateinischen Uebersetzung und Anmerkungen über alle Bücher des A. T.
Abkürzungsauflösung von "A. T.": Altes Testament
in 6 Bänden in gr.
Abkürzungsauflösung von "gr.": groß
8. und weiterhin der
Michaelischen deutschen Uebersetzung und c√ Anmerkungen zum A. T.
Abkürzungsauflösung von "A. T.": Altes Testament
c√ Was über einzelne Bücher noch dienlicher |a367| zu der hier gemeinten Absicht ist, kan hier nicht angegeben, sondern muß einer nähern Anweisung zur theologischen Bücherkenntniß überlaßen werden. c√
63.
Wenn bey den gemeiniglich sogenannten exegetischen Vorlesungen und weitläufigern Commentarien (§. 61 ) die Absicht wäre, die rechte Anwendung der hermenevtischen Grundsätze und Regeln zu zeigen; so müßte diese deutlich genug gemacht werden, besonders durch Prüfung und |b82| Gegeneinanderhaltung verschiedner Erklärungen. Nützlich genug würde dieses, zumal für den seyn, der sich nicht selbst zu helfen wüßte; aber doch sehr aufhalten, und bald ermüden; man könnte sich daher mit Proben bey einigen kürzern Büchern oder schwerern Stellen verschiedner Arten begnügen. – Wollte man aber, ohne doch die Untersuchung des Wortverstandes zu vernachläßigen, zum rechten Gebrauch der heiligen Schrift Anweisung geben; so müßte gezeigt werden, wie die Beweise für Grundsätze des Glaubens und Lebens ungezwungen aus der vorgetragnen Erklärung flössen, und diese müßten mit andern klaren biblischen Lehren verglichen werden, um den Grund zu einer wahrhaftig biblischen Theologie zu legen. Es könnten auch die in der heiligen Schrift entdeckten Sachen angewendet werden, falsche Vorstellungen zu beurtheilen, wenn sie in das Praktische einen Einfluß hätten, oder herrschend, und dadurch verführerisch wä|a368|ren. Vornehmlich müßteman an |c71|Beyspielenzeigen, wie man die aus der Bibel geschöpften Kenntnisse recht praktisch, und zur eigentlichen Erbauung für unsanwendbar, zu machen hätte; und c√ wie fruchtbar und lehrreich sowohl die
historischen als die Lehrbücher der heiligen Schrift sind, um, bey dem rechten Nachdenken darüber und bey sorgfältiger Zusammenhaltung der biblischen Belehrungen mit unsern Bedürfnissen, uns hinlänglich zur Gottseligkeit zu unterrichten. Dies könnte zugleich eine recht gute Anweisung zu
analytischen Predigten werden.
|b83|Bey einer andern Einrichtung sind solche weitläufige Erklärungen der Bibel unnütz, und dienen mehr zur Zerstreuung und Befestigung in hergebrachten Vorurtheilen. – Uebrigens gehören dergleichen Erläuterungen der Bibel nicht eigentlich zur exegetischen Theologie, die nur Aufsuchung und Darstellung des Sinnes der heiligen Schrift zur Absicht hat, sondern mehr zur Bildung des künftigen Lehrers nach der heiligen Schrift. c√
64.
Nach den bisher angegebenen Eigenschaften biblischer Vorlesungen und Erläuterungsschriften kan man beurtheilen, ob und wie weit man sich einem solchen Führer anvertrauen könne. Je mehr er sich zur eigentlichen Untersuchung des Verstandes hält, ohne sich bey dem aufzuhalten, was keiner Erklärung bedarf, den Sinn nichts angeht, und zu dessen Aufklärung nichts thut; – je mehr |a369||c72| er sich des biblischen Sprachgebrauchs kundig zeigt, und diesen, durch Hülfe genauer Kenntnisse der Grundsprachen und des feinern Parallelismus der Bibel, deutlich zu machen, und ihn bestimmt anzugeben weiß; – je mehr er sich, mit Hülfe wirklich historischer Kenntnisse, in die wahre Lage derer hinein zu denken versteht, mit und von welchen die heiligen Schriftsteller reden; – je mehr er selbst denkt und untersucht – und nichts zurückläßt, um seinen Lesern oder Zuhörern klare Begriffe von dem Verstande der Bibel, sonderlich bey Erklärung uneigentlicher und der heili|b84|gen Schrift eigenthümlicher Ausdrücke, zu geben; – je bescheidner er sich zeigt, vornemlich in Rücksicht auf den verschiednen Grad der Gewißheit des Sinnes: desto sichrer kan man ihn, obgleich mit steter Prüfung der von ihm angegebnen Gründe, so weit sie uns möglich ist, folgen. – Und alles dieses Gute, die rechte Art der Schrifterklärung, ihm abzulernen, dies muß eigentlich und weit mehr unser Bestreben seyn, als den jedesmaligen Sinn der einzelnen Stellen zu lernen; weil wir uns ohne dieses Ablernen nie selbst zu guten Auslegern bilden.
65.
Wenn man durch Hören oder Lesen guter Ausleger so weit gekommen ist, daß man theils die heilige Schrift, und deren Sprachgebrauch sowohl, als die nöthigsten historischen Kenntnisse zur Einsicht ihres Sinnes, überhaupt versteht, |a703[!]| theils solchen Auslegern die rechte Art sie zu erklären, abgelernt hat: so schreite man zur eignen Uebung fort, um sich selbst zur Entdeckung oder Anwendung des Sinnes der Bibel zu gewöhnen. Man kan diese |c73| Uebungen vor sich allein, oder, wenn man es haben kan, in Gesellschaft mit andern, vornehmen. Letzteres ist sehr zu rathen, – weil es zum anhaltenden Fleiß und Wetteiferung ermuntert – weil man durch andrer Erinnerungen und Beyspiele mehr von der Einbildung, etwas zu verstehen, was man nicht versteht, von Uebereilungen, seichten und ungegründeten Erklärungen und andern Fehlern, zurückgebracht |b85| wird – und weil Andere uns auf Manches, den Sinn und dessen Bestätigung betreffend, helfen, woran wir nicht gedacht hatten. Am sichersten und nützlichsten wird man es unter Aufsicht eines guten Auslegers thun, der Abschweifungen von dem Zweck dieser Uebungen, und andre diese Absicht zerstörende oder verhindernde Vorfälle, verhüten, uns auf Vieles aufmerksam machen, auch Manches noch gelegentlich mittheilen kan.
66.
Studiert man die Bibel, um immer mehr ihren wahren Verstand zu entdecken: so ist 1) vor allen Dingen nöthig, mit dem Schriftsteller recht vertraut zu werden, dessen Schrift man erklären will, und man thut daher sehr wohl, ehe man sich auf eine nähere Untersuchung des Sinnes eines Buchs einläßt, dieses hinter einan|a371|der durchzulesen, so ununterbrochen als man kan, und ohne sich mit einzelnen schweren Stellen oder Ausdrücken aufzuhalten, die man fürs Künftige anzeichnen mag; damit uns die ganze Absicht, der ganze Ton des Buchs, und die dem Schriftsteller
Editorische Korrektur von: Schriftstller (a)
eigne Art des Ausdrucks, geläufig werde, und aus frischer Lectüre recht gegenwärtig bleibe. Aus dem, was man darüber ehedem mit Aufmerksamkeit gehört oder gelesen hat, wird man schon so viel behalten haben, daß uns das, was |c74| zur allgemeinern Einsicht des Verstandes nothwendig ist, schwerlich entgehen wird. 2) Man zeichne sich dabey gleich bey jeder Stelle die Stel|b86|len (etwa am Rande seines Exemplars) c√ an, die, in Gedanken oder Worten, jener ähnlich sind. 3) Wenn man bey dem Lesen, wenigstens der eigentlich zusammenhängenden Bücher, wie die Briefe des neuen Testamentes sind, gefunden hat, was zusammen zu Einem Hauptgedanken gehört: so mache man sich einen kurzen Entwurf der Haupttheile des ganzen Buchs, um das Ganze hernach besser übersehen, und bey Erklärungen einzelner Stellen wissen zu können, wohin sie gehören, und nach welcher Absicht man sie erklären müsse.
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
1. Diese gefundenen Haupttheile laßen sich hernach leicht wieder abtheilen, wenn man zu diesen besondern Theilen kommt. Die Abtheilung derselben bis auf einzelne Sätze, oder gar Worte, ist, schwere oder verwickelte Stellen ausgenommen, ganz unnütz, und das ins Kleine gehende Zerstückeln hindert, den ganzen Ge|a372|danken deutlich aufzufassen, und das Ganze eines Buchs recht vor Augen zu behalten.
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
2. Freylich muß man vom Leichtern zum Schwerern schreiten, und deswegen scheint es zuträglicher, mit einzelnen Stellen anzufangen, alsdann zu ganzen Abschnitten und so zu ganzen Büchern fortzugehn. Dieses thut man auch bey dem ersten allgemeinern Durchlesen eines Buchs. Aber nähereinzelne Stellen recht c√ zu verstehn, muß man sie doch im Zusammenhang mit ihrem Abschnitt, und diesen im Zusammenhange mit dem ganzen Buch ansehen. – Eben so könnte |b87| es rathsamer scheinen, leichter geschriebne Bücher eher als schwerere,
historische z. B.
Abkürzungsauflösung von "z. B.": zum Beispiel
eher als Lehrbücher, zu lesen. Aber erstre geben auch dem eignen Fleiß weniger Beschäftigung und Uebung; sie bekommen ihr Licht mehr durch nach und nach gemachte Entdeckungen erläuternder Umstände, als durch fleißiges Betrachten des Buchs |c75| selbst; Lehrbücher hingegen werden durch ihren Zusammenhang und Theile deutlicher, sind also zur Uebung im Auslegen vortheilhafter.
67.
Kommt man nach allgemeiner Durchlesung eines biblischen Buchs, 4) auf einzelneStellen: so suche man sich ja vornehmlich zu überzeugen, ob man wirklich die Stelle verstehe? Denndies bildet man sich gar zu leicht ein, – wenn man einen Ausdruck, oft bloß nach der Etymologie, eine Redensart nach ihren einzelnen Wörtern, übersetzenkan, – wenn uns gewisse Wörter und Formeln sonst geläufig sind; |a373|– oder wenn ein aufgefaßter Sinn möglich und denkbar scheint, und man nicht weiß, daß und was für andre Bedeutungen eben derselbe Ausdruck hat, – oder wenn man den eignen Sprachgebrauch eines Schriftstellers nicht genau kennt.
Beyspielesind vom ersten Fall: Phil. 2, 12μετὰ φόβου
κ. τρόμουτὴν ἑαυτῶν σωτηρίαν κατεργάζεσθε, d. i.
Abkürzungsauflösung von "d. i.": das ist
nicht: schaffet eure Seligkeit mit Furcht und Zittern, sondern: „arbeitet an Andrer Wohl, doch mit Be|b88|scheidenheit (ohne euch über sie zu erheben);“ wo auch ἑαυτῶν statt ἀλλήλων steht;vergl.
Abkürzungsauflösung von "vergl.": vergleiche, verglichen
mit v.
Abkürzungsauflösung von "v.": Vers
3. 4. 13. 14. – vom zweyten Fall, der Ausdruck ὑιοὶ τοῦ Θεοῦ, der ganz anders 1 Joh. 5, 1. und Philem. 10, als Matth. 5, 45. und als 1 Joh. 3, 2. steht, aus welchen mit einander verglichenen Stellen sich der allgemeine Sinn leicht abziehen läßt, – vom dritten Fall, σταυρὸς τοῦ Χριστοῦ, ganz anders (von Bedruckungen) Gal. 5, 11. vergl.
Abkürzungsauflösung von "vergl.": vergleiche, verglichen
mit Kap.
Abkürzungsauflösung von "Kap.": Kapitel
6, 12, als 1
Editorische Korrektur von: 1, (b)
Kor. 1, 17 und 18. – vom vierten, das so mißverstandne ἁμαρτίανοὐποιεῖν 1 Joh. 3, 9. sichfürSünden zu hüten suchen, nach
Johannis eigner Erklärung Kap.
Abkürzungsauflösung von "Kap.": Kapitel
5, 18.
|c76|68.
Um zu verhüten daß uns diese so schädliche falsche Einbildung nicht, ohne daß wir es selbst denken, verführe, muß man sich immer fragen: erstlich, kan ich etwas deutlicheres, es sey durch Uebersetzung, oder Paraphrase, oder Beschreibung, an dessen Stelle setzen? Kan ich dieses nicht, so verstehe ich es gewiß nicht: kan ich es |a374| aber, so folgt noch nicht, daß ich es verstehe; ich kan wenigstens nicht gewiß seyn, daß ich den Sinn getroffen habe; weil Mancher viel über eine Sache sagen kan, was gar c√zur Sache nichtgehört; weil es höchstens beweiset, daß jemand etwas bey einem Ausdruck denkt, ohne daß er dasdabey denkt, was der Schriftsteller damit sagen wollte; und weil ich den Sinn kanerrathen haben, ohne daß ich ihn mir oder Andern begreiflich machen kan. Ich muß also hernach Grund angeben können, warum ich es so verste|b89|hen müsse, d. i.
Abkürzungsauflösung von "d. i.": das ist
zeigen, es schicke sich kein andrer Sinn, oder doch keiner besser hieher, als der, den ich annehme, und diesen muß ich zugleich schlechterdings aus der Sprache rechtfertigen können. Denn ein Sinn kan zwar schicklich, aber nach der Sprache unmöglich, also gewiß nicht der seyn, den der Schriftsteller ausdrucken wollte; auch wird der Sinn weit gewisser, wenn er die Sprache vor sich hat, †) bleibt hingegen immer etwas zweifelhaft, wenn er nach der Sprache unbegreiflich ist ††) . Nicht zu gedenken, daß eine solche Aufklärung aus der Sprache noch den Vortheil gewährt, daß dadurch zugleich ähnliche dunkle Ausdrücke aufgeklärt werden können †††) .
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
†) So sehe ich zwar, daß ἐκένωσε Phil. 2, 7. durch ἐταπείνωσεV.
Abkürzungsauflösung von "V.": Vers
8. erklärt wird, und daß
Gal. 4, 13. die στοιχεῖα τοῦΚόσμου das Judenthum oder das mosaische Gesetz seyn müssen, vergl.
Abkürzungsauflösung von "vergl.": vergleiche, verglichen
V.
Abkürzungsauflösung von "V.": Vers
9. mit Ebr. 9, 9. Aber |c77| nun muß ich noch jenes aus der Sprache rechtfertigen, in|a375|dem die Ebräer leer (κενὸν) statt arm setzen, Luc. 1, 53. Richt. 11, 3; und dieses στοιχεῖα eben so, daß ich klar mache,
στοιχ. bedeute Bilder, und Κόσμος sey Gegensatz gegen das Christenthum, vergl.
Abkürzungsauflösung von "vergl.": vergleiche, verglichen
K. 2, 20. So sollte man auch 1 Kor. 1, 18. σωζομένους von Christen und ἀπολλυμένους von Ungläubigen verstehen, weil jene V.
Abkürzungsauflösung von "V.": Vers
21. πιστεύοντεςheissen; aber man müßte auch
σωζ. als das consequens pro antecedente aus Jes. 10, 21. 22. erläutern, wo σώζεσθαι, ἀναστρέφειν und πεποιθέναι ἐπὶ τὸν Θεὸν für einerley gebraucht werden; und
ἀπολλ. daraus, daß es 2 Kor. 4, 3. mit ἀπίστοιςV.
Abkürzungsauflösung von "V.": Vers
4. vertauscht wird, und 1 Kor. 8, 11. jeden bedeutet, der ohne Gewissen handelt.
|b90|⌇⌇a††) So δυνάμεις τοῦ μέλλοντος αἰώνος
Ebr. 6, 6. man verstehe es wie man wolle. Sollte es nicht die christlichen Lehren bedeuten, und mit dem
καλ. τοῦ Θεοῦῥήματι, vielleicht auch mit der δωρεᾷἐπουρανίῳ und dem πνεύματι ἁγίῳeinerley seyn? in sofernαἰὼν ὁ μέλλων, nach jüdischen Sprachgebrauch, das Christenthum ist, (vergl.
Abkürzungsauflösung von "vergl.": vergleiche, verglichen
c√Kap.
Abkürzungsauflösung von "Kap.": Kapitel
2, 5. und da die Ausleger) und δύναμις wie Röm. 1, 16. eine kräftige Lehre heissen kan.
⌇⌇a†††) So werde ich, wenn ich Kol. 3, 5. τὰ μέλη, nach Pauli eigner Erklärung, von sinnlichen Neigungen verstehe, und es aus dem jüdischen Sprachgebrauch Matth. 5, 29. 30. aufkläre, alsdann auch das σῶμα
τ.ἁμαρτίας
Editorische Korrektur von: ἀμαρτίας (c)
Röm. 6, 6. und das θνητὸν σῶμαV.
Abkürzungsauflösung von "V.": Vers
12. daselbst oder Kap.
Abkürzungsauflösung von "Kap.": Kapitel
8, 11. nicht von dem Leibe, sondern von sinnlichen Neigungen
Editorische Korrektur von: Neiguugen (b)
verstehn, die uns ins Verderben (θάνατον) stürzen. c√
69.
Hiedurch kan man sich sehr deutlich von der Nichtigkeit mancher allgemeinen sehr scheinbaren Vorur|c78|theile überzeugen, für die man nicht |a376| genug warnen kan, und wogegen sich 5) der angehende Ausleger der heiligen Schrift gleich Anfangs wohl verwahren muß. Es ist erstlich ein sehr thörichter Wahn, daß man die Bibel ohne alle Gelehrsamkeit verstehen, und ihren Sinn gleichsam aus ihr selbst entziffern könne †) . Legt man dabey nicht einmal den Grundtext, sondern eine bloße Uebersetzung, zum Grunde: so ist vor sich klar, wie ungegründet diese Hoffnung sey, weil ja in der Uebersetzung der Sinn verfehlt seyn |b91|kan; oder in ihr Ausdrücke vorkommen können, die zweydeutig sind, und zu falschen Nebenbegriffen verführen, welche im Original nicht liegen; manches sich auch in einer bloßen Uebersetzung gar nicht ausdrucken läßt; und alle Dunkelheit des Originals, die nicht bloß in den Idiotismen der Grundsprachen liegt, (als welche freylich manchmal durch eine freye Uebersetzung kan gehoben werden,) mit in die Uebersetzung übergeht. Hält man sich aber, wie billig, an den Grundtext: so ists ja eben so unmöglich, diesen in fremden und ausgestorbenen Sprachen aufgesetzten Text ohne gelehrte Hülfsmittel zu verstehen, als ohne diese die historischen Kenntnisse zu erlangen, die, wie oben gesagt ist, überall darin zum Grunde liegen; zumal, da diese Sprachen, selbst die griechische des neuen Testaments, so wie die Sprache fast eines jeden biblischen Schriftstellers, wieder ihr Eigenes haben, und sich die ganze Sprache der Bibel c√ so sehr auf morgenländische und jüdische Begriffe, selbst auf Begriffe sehr roher Völker, bezieht, die nothwen|a377|dig von unsern ungleich weiter aufgeklärten Begriffen sehr verschieden seyn müssen, und daher ein sehr sorgfältiges, sehr ins Kleine gehende Studium der Geschichte erfordern.
†)Nach dieser höchstens nur halb wahren Meinung sind die
Philosophischen Vorlesungen über das sogenannte neue |c79|Testament - - von K. K. S. Leipzig 1785
f.
Abkürzungsauflösung von "f.": folgend
eingerichtet. c√
|b92|70.
Eben so falsch und unbestimmt ist daher zweytens die Einbildung: man brauche sich nur immer an den Buchstaben zu halten,
weil der leichteste Sinn, der sich gleich bey dem Lesen darstellt, sicherlich der beste sey †) . Man gesteht doch a) selbst zu, daß sehr oft der sich zuerst darstellende Sinn ungereimt sey, (wie z. B.
Abkürzungsauflösung von "z. B.": zum Beispiel
in den Stellen, die Gott scheinen zur Ursach des Bösen zu machen,) man bekennt dadurch, daß die Regel trüglich sey; ist also nicht die Gefahr, durch diese Regel verführt zu werden, noch leichter, wenn der Sinn nicht ungereimt, aber doch falsch, von den heiligen Schriftstellern erweislich nicht gemeint ist? Man kanb) nicht leugnen, daß die heiligen Schriftsteller, für uns wenigstens, sich hätten deutlicher ausdrucken können; also ist die Einfalt und Leichtigkeit des gefundnen Sinnes kein Kennzeichen, daß er der wahre sey. Und wenn c) in jeder Sprache etwas Charakteristisches liegt, weil jedes Volk seine Sprache nach seinen besondern Begriffen formt: so kan unmöglich der wahre bestimmte Begriff, der mit solchen Aus|a378|drücken verknüpft ist, uns, die wir in unsrer Sprache an andre Begriffe gewöhnt sind, der leichteste oder gleich zuerst zu treffende seyn
Editorische Korrektur von: sey (a)
. Er muß also erst durch Kunst, d. i.
Abkürzungsauflösung von "d. i.": das ist
durch den regelmäßigen Gebrauch |c80| mancher erst zu erwerbenden Hülfsmittel, gefunden werden, daher er, weil diese Einsicht kunstmäßig erworben ist, von Unwissenden für gekünstelt gezwungen, oder weit hergeholt |b93| gehalten, und deswegen verworfen wird, ohne zu bemerken, daß, je ungelehrter und unbekannter jemand mit dem Eignen der Sprachen, der fremden Sitten, Denkungsart u. d. gl.
Abkürzungsauflösung von "u. d. gl.": und dergleichen
ist, je ungewöhnlicher ihm auch der richtigste Sinn scheinen müsse.
†)
Abhandlungen über wichtige Gegenstände der Religion, von Joh. Friedr. Jacobi , Zelle 1772
in Octav, dritte Abhandlung.
71.
Eben dieses Eigene, das den Ungelehrten so sehr befremdet, recht kennen zu lernen, ist 6) – ausser dem, was schon oben gesagt worden ist (§. 36 ) – nichts unentbehrlicher, als die Bibel mit sich selbst zu vergleichen, um zu sehen, ob und wie die heiligen Schriftsteller sich selbst, entweder ausdrücklich, oder so erklären, daß man aus fleißiger Vergleichung einer Stelle mit andern, ihren Sinn abnehmen kan. Wo dieses ist, da geht man freylich am sichersten, nur daß man nicht die philologischen und historischen Hülfsmittel vernachläßige (§. 67 –70 ). Ei|a379|nige Erinnerungen hierüber und Beyspiele sind schon oben Theil 1. §. 77 –80 gegeben worden, und die Hermenevtik muß das Mehrere lehren.
72.
Weil aber die christliche Religion, wie sie Jesus und seine Apostel vorgetragen haben, auf die jüdische gegründet, und den damaligen Be|b94|griffen meist jüdischer oder aus dem |c81| Judenthum kommenden Leser, auch angeschmiegt ist, a√ die Ausdrücke aus dem alten Testamente entlehnt sind, und dadurch der Vortrag
hebräisch-griechischworden ist: so ist 7) nöthig, auch das alte Testament, dessen Uebersetzungen, besonders die
alexandrinische, fleißig zu studieren, und sich sowohl das Eigne des Ausdrucks, als die Begriffe bekannt zu machen, die in dem alten Testament liegen, und ins neue übergegangen, nachgeahmt, oder nach der Lehre des Christenthums umgekleidet worden sind. S.
Abkürzungsauflösung von "S.": Siehe
Theil 1. §. 162 –64.
Editorische Korrektur von: 162–,64. (b)
73.
Ueberhaupt aber – um, auf einer Seite, sich für allem Gekünstelten zu hüten, und, auf der andern, die in der Bibel wirklich da liegenden Ideen, in der mehrern oder mindern Bestimmtheit zu finden, die ihnen die heiligen Schriftsteller gegeben haben, – lese man sie 8) mit dem einfältigen, unbefangnen Kindersinn, der nur lernen will, was sich uns bey aller angewendeten Aufmerksamkeit darstellen wird. Man |a380| gewöhne sich immer mehr –
alle unzeitig angebrachte Gelehrsamkeit, d. i.
Abkürzungsauflösung von "d. i.": das ist
die nicht zur Aufklärung der Dunkelheit des Textes und zur nothwendigen Ueberzeugung von ihrem wahren Sinn erfordert wird, – alles Hinschielen auf theologische Theorie, auf geheimnißvolle Mystik, auf philosophische Hypothesen, – alle Verschönerung der Bibel nach alter und neuer Aesthetik und Dialektik
Editorische Korrektur von: Dialetik (b)
– alle |b95| Sichtung und romanhafte Umkleidung der wirklich da erzählten Geschichte, zu entfernen. Man nehme alles für das, was es ist, und lese es als Briefe, als planlose, einfältige Erzählungen, als Fragmente von übriggebliebnen gelegentlichen Reden der göttlichen Gesandten, als fromme Ausbrüche des von Gotteswahrheit vollen Her|c82|zens, und reinige diese Antiquen nicht von dem Rost, der sie eben zu so ehrwürdigen Antiquen macht, glätte nicht das Rauhe, das sie als Denkmale ihrer Zeit und ihres Volks tragen, oder vernichte nicht die natürliche Schönheit und die edle Einfalt, die dem unverdorbnen Gefühl so sehr gefällt. Wer für alles Wahre, Gute und Schöne offen ist, es sey von welcher Art es wolle, wird es gern annehmen, wo und wie er es findet.
74.
Mit eben diesem Vorsatz, nur zu suchen, was man finden wird, und das Gefundne so anzunehmen, wie man es gefunden hat, müßten auch die eignenUebungen(§. 58 ) unternommen werden, wodurch man eine Fertigkeit erlangen will, |a381| die heilige Schrift zur Erbauung anzuwenden, d. i.
Abkürzungsauflösung von "d. i.": das ist
ihren Inhalt sich und Andern recht nützlich zu machen. Besondere Regeln darüber zu geben ist hier der Ort so wenig, als zu besondern Regeln der Auslegung, die der Hermenevtik müssen überlaßen werden c√. Vielleicht laßen sich darüber gar nicht einmal bestimmte Regeln geben, weil hiebey so vieles auf das besondre Be|b96|dürfniß eines jeden ankommt, nach dem die Anwendung sehr verschieden ausfallen muß; wenigstens sind der guten Muster dieser Anwendung, nach wirklich festen und wohlüberdachten Grundsätzen, noch so wenig vorhanden, und eine eigentliche Theorie dieser Anwendung noch gar nicht, so höchst nutzbar sie auch zur Bildung eines christlichen Religionslehrers seyn würde. Hier also nur einige allgemeinere Erinnerungen über diese Sache.
|c83|75.
Wer sich c√ in dieser rechten Anwendung c√ üben wollte – und dieses wird auch hier am vortheilhaftesten auf die §. 65 erwähnte Art geschehen können – der müßte 1) sich schlechterdings nicht hiebey durch seinen bloßen guten Willen, Willkühr und Phantasie leiten laßen, sondern stets auf eine richtige Auslegung der heiligen Schrift bauen, und daher auf die Grundsätze, die oben berührt worden sind; sonst lernt er nicht würklich aus der heiligen Schrift, und ist in Gefahr, Gedanken, die durch Lesen der Bibel allenfalls veranlaßt worden sind, mit |a382| den Belehrungen aus der Bibel selbst, zu verwechseln. 2) Er müßte daher nicht über seine besondre Angelegenheiten die Bibel gleichsam als ein Orakel befragen, und finden wollen was er wünschte; denn,
was das Herz wünscht, glaubt der Verstand leicht auch gefunden zu haben, glaubt Manches zu sehen, woran die heiligen Schriftsteller nicht gedacht haben; sondern er müßte, in Rücksicht auf sein |b97| Bedürfniß überhaupt, d. i.
Abkürzungsauflösung von "d. i.": das ist
auf Belehrung zu seinem Trost und zu seiner Besserung, die heilige Schrift und deren Theile studieren, in festem Vetrauen auf Gott, er werde ihm, bey wahrer Begierde, sich belehren zu laßen, und bey angewendeten gewissenhaften Gebrauch der rechten Hülfsmittel, gewiß das, und so viel aufstoßen laßen, was und wie er es zu seinem Bedürfniß jedesmalbraucht und tragen kan. Eben dieses gefühlte Bedürfniß macht gerade bey Lesung eines Buchs auf das am aufmerksamsten, was man c√ am meisten braucht.
76.
Eben deswegen müßte er 3) sich, wenn er diese Absicht hat, weder bey den Stellen aufhalten, die er nicht ver|c84|steht, noch bey irgend einer Sache, die nicht zu der eben genannten allgemeinern Erbauung dient, sondern bloß Neugier oder vielmehr Vorwitz befriedigt; c√ 4) stets den großen Unterschied vor Augen behalten, zwischen seinen oder den Umständen derer, die er aus der heiligen Schrift erbauen will, und zwi|a383|schen den Umständen dererjenigen, an welche, oder für deren Bedürfniß, zunächst die biblischen Bücher geschrieben sind, oder die in der heiligen Schrift als redend oder handelnd aufgeführt werden; so wie den Unterschied der so sehr stufenweise in der Bibel bekannt gemachten Offenbarung Gottes; und hienach müßte er die Anwendung mit Discretion machen; auch deswegen 5) die Bücher der heiligen Schrift und die Theile derselben am |b98| meisten studieren, welche das Allgemeine, für jedermann Nutzbare, enthalten, oder für ihn und Andre, die er aus der Bibel belehren will, die deutlichsten, lehrreichsten und eindrücklichsten sind, ohne deswegen die andern ganz bey Seite zu legen, aus welchen man, wie z. B.
Abkürzungsauflösung von "z. B.": zum Beispiel
aus den historischen oder nach der Denkungsart damaliger Leser eingerichteten Stellen, nach der Analogie Lehrreiches genug herausziehen kan, oder worin der Gelehrtere Manches noch Lehrreichere für sich zu finden weiß, als in andern allgemeiner erbauenden Büchern und deren Stellen. Aus eben dieser Ursach müßte er sich 6) nicht an jedes Wort, Bild oder c√ Gedanken in der Bibel halten – den Fall ausgenommen, wo dergleichen keine besondre Beziehung auf damalige Leser und deren besondre Umstände verräth, und wo es etwas für uns besonders Lehrreiches und Eindrückliches enthält – noch weniger ganze allgemeine Lehrsätze oder Theorie darauf bauen; sondern mehr auf die Hauptvorstellung, welche in einer Stelle liegt, und auf das Verhältniß, in welchem dieses |c85|Einzelne mit |a384| dem ganzen göttlichen Unterricht in der Bibel steht; und 7) nach dem, worauf ihn der Unterricht der Bibel aufmerksam gemacht hat, sich und alle Veränderungen, die er in der Welt wahrnimmt, fleißig beobachten, um einen Schatz von Erfahrungen zu sammlen, wodurch die Ueberzeugung von der Wahrheit und Nutzbarkeit der biblischen Belehrungen befestigt, und dieser biblische Unterricht immer mehr erweitert, und fühlbarer gemacht werden kan.
|b99|77.
In Absicht auf die Herleitung des christlichenLehrbegriffs aus der heiligen Schrift müßte man nicht nur auf das sehen, was zur Erweiterung unsrer Kenntnisse davon, und zu mehrerer Berichtigung, Bestätigung und näherer Bestimmung unsrer Begriffe von demselben dienlich ist, sondern auch stets darüber nachdenken, wie fern er zu unsrer wahren Beruhigung, sowohl als zur Ueberzeugung von unsern Pflichten, und der rechten Art, sie auszuüben, auch zur kräftigsten Ermunterung dazu, irgend etwas beytragen kan. – Bey allen Uebungen aber, sie mögen die Entdeckung des Sinnes der heiligen Schrift oder ihre Anwendung betreffen, müssen wir stets gegen immer weitere und bessere Belehrung offen, und sie anzunehmen willig bleiben, und daher auch Andrer Bemühungen zu beyderley Zweck aufs möglichste und unparteyischte zu benutzen suchen.
c√
Geschichte ist Moral […] studiert und nachgeahmt zu werden
Die griffige Formel, Geschichte sei in Wirklichkeit verwandelte Moral, lässt sich nicht nachweisen, erinnert aber an die sog. pragmatische Geschichtsschreibung (vgl. I § 225).
Joh. A. Christoph. Döderlein 4 Abhandl. […] S. 1 folgg.
Im Inhaltsverzeichnis ist De historiae Iesu tenendae tradendaeque necessitate ac modo (aaO 1–58) näher als Scripta IV. programmatibus in Festo Nativitatis Christi, Ienae annis 1783–1786 bestimmt. Dieser Text zerfällt in zwei Teile: De necessitate tenendae historiae Christi et tradendae (aaO 6–21) und De modo historiae Iesu tenendae et tradendae (aaO 22–58). Eine Initiale A. ist für den Autor nicht nachzuweisen.
Hessischen Schriften über die biblische Geschichte
Gemeint sind die Schriften des Zürcher Theologen Johann Jakob Hess (1741–1828). Zu nennen ist v.a. die Geschichte der drei letzten Lebensjahre Jesu (1768–1773 aus Angst vor Zensur ohne Angabe des Verfassers und des Druckortes erschienen), die später, um die 1773 veröffentlichte Jugendgeschichte Jesu ergänzt, zur mehrfach aufgelegten, nachgedruckten und übersetzten Lebensgeschichte Jesu in drei Bänden (81822–1823) ausgearbeitet wurde. Die aus dem göttlichen Geschichtsplan abzuleitenden Konsequenzen für die Dogmatik sind etwa in Von dem Reiche Gottes. Ein Versuch über den Plan der göttlichen Anstalten und Offenbarungen (1774), das unter dem Titel Kern der Lehre vom Reiche Gottes. Nach Anleitung des biblischen Geschichtinhalts (1819) in kürzerer Überarbeitung erschien, sowie in der Bibliothek der heiligen Geschichte. Beyträge zur Beföderung des biblischen Geschichtstudiums, mit Hinsicht auf die Apologie des Christenthums (1791/1792) dargestellt.
Augustins Ansehen
Der aus dem nordafrikanischen Thagaste stammende spätere Bischof Augustin von Hippo (354–430) gehört, an der Schwelle zum Mittelalter stehend, zu den bedeutendsten Theologen und Philosophen der Alten Kirche sowie der christlich-abendländischen Tradition überhaupt (Augustinismus) und hat die christliche Theologie (v.a. im Hinblick auf die Trinitäts-, Prädestinations-, Erbsünden- und Gnadenlehre) über das Mittelalter hinaus entscheidend geprägt (vgl. II § 115).
Glossa ordinaria des 9ten Jahrhunderts
Unter Glossa ordinaria versteht man Glossen (der Zusatz ordinaria ist nicht vor dem 14. Jh. belegt) zur Vulgata, die den Kirchenvätern und späteren Autoren entnommen waren, zusätzlich aber auch Bemerkungen der Glossatoren selbst enthielten. Längere Glossen waren an den Rand (glossa marginalis), kürzere zwischen die Zeilen (glossa interlinearis) des biblischen Textes geschrieben. Die Glosse wurde so zum normativen Bestandteil des Schriftstudiums, Bibeltext und Glosse bildeten graphisch wie sachlich eine Einheit und wurden grundsätzlich zusammen betrachtet. Neben der Theologie spielten Glossen auch in den Rechtswissenschaften (hier zum Corpus Iuris Civilis) eine bedeutende Rolle, die Rechtsgeschichte bezeichnet das 12. und 13 Jh. gar als Glossatorenzeit. In theologiegeschichtlicher Perspektive ist v.a. Anselm von Laon (ca. 1050–1117) zu nennen, dessen Glossa ordinaria gemeinhin als erstes Werk dieser Art angesehen werden, rechtsgeschichtlich sei auf die Glossa ordinaria des italienischen Rechtsgelehrten Accursius (1185–1263) mit ihren knapp 100.000 Glossen verwiesen. Die Entstehungsgeschichte der Glossa ordinaria ist zwar noch nicht abschließend rekonstruiert, doch finden sich voneinander durchaus abweichend glossierte Handschriften einzelner biblischer Bücher bereits in der Karolingerzeit.
Scholastiker, mehr darauf bedacht, Kirchenmeinungen zu befestigen, und sie durch Philosophie aufzuklären, verlohren die Bibel fast ganz aus dem Gesichte
Unter Scholastik (Schulwissenschaft) wird vielfach lediglich die Theologie und Philosophie des Mittelalters verstanden, streng genommen meint sie jedoch eher eine Denkform, die im Mittelalter jedwede Wissenschaft umfasst und sich als solche auch später (s.u.) findet. Als Grund für die Herausbildung der mittelalterlichen Scholastik ist der immense Rationalitätsschub im 12. Jh. anzuführen (vgl. II § 115). Wie die Sentenzenwerke, insbesondere das des Petrus Lombardus (vgl. II § 115), zeigen, nahm die lehrbuchartige Aufbereitung theologischer Themen zu. Die Tendenz, über die Bibel hinaus autoritative philosophische Texte (Augustin, Aristoteles etc.) für die ausholende Klärung von theologischen Sachfragen heranzuziehen, schlägt sich in spezifischen literarischen Formen wie Kommentaren oder Summen, am bekanntesten die des Thomas von Aquin (vgl. II § 115), nieder. Insgesamt ist die Scholastik, deren wichtigste Phase zwischen 1250 und 1350 anzusetzen ist, in sehr hohem Maße von formalen Betrachtungsweisen geprägt und aus diesem Grund später nicht selten negativ konnotiert.
Paulizianer
Die erstmals im 7. Jh. im armenischen Raum auftretenden und bald über ganz Kleinasien verbreiteten Paulizianer (Paulikianer) waren eine dualistische Glaubensgemeinschaft, die immer wieder mit der Gnosis, dem Manichäismus (vgl. II § 113) oder Marcion von Sinope (gest. vor 160) in Verbindung gebracht wurde. Im Neuen Testament bezogen sie sich v.a. auf Paulus (im 18. Jh. wurde aus der Hochschätzung des Apostels auch der Name abgeleitet); das Alte Testament wurde, wie etwa auch die Bilder- und Kreuzesverehrung und die bestehende kirchliche Hierarchie, abgelehnt. Während der Zeit des Ikonoklasmus im byzantinischen Reich (vgl. II § 83) wohl noch toleriert, wanderten am Ende des 9. Jh.s zahlreiche Paulizianer nach Syrien, Süditalien und auf den Balkan aus. Vor ihrem Verschwinden ab dem 11. Jh. scheinen sie auf dem Balkan die Bogomilen und über diese die Katharer beeinflusst zu haben.
Katharer
Die Katharer oder auch die Reinen (griech. καθαρός) sind eine ab dem 11. Jh. nachzuweisende, v.a. in Südfrankreich (vgl. II § 113), dann aber auch in Italien und Deutschland verbreitete dualistische Glaubensgemeinschaft mit eigener Kirchenorganisation, die ebenfalls mit der Gnosis und dem Manichäismus (vgl. II § 113) in Verbindung gebracht wurde und wie die Waldenser im Kontext der Laien- und Armutsbewegung zu sehen ist. Äußeres Kennzeichen war eine zumindest in Teilen (die sog. perfecti bzw. perfectae) streng asketische Lebensführung und ein durch das Gebet bestimmter Tagesablauf. Nach dem in mehreren Phasen geführten Albingenserkreuzzug (1209–1229) waren die Katharer zwar grundsätzlich militärisch besiegt, verschwanden jedoch erst im 14. Jh. endgültig.
Waldenser
Die auf den zu einem Leben in Armut bekehrten Lyoner Kaufmann (Petrus) Valdes (gest. vor 1218) zurückgehenden und bis heute existierenden Waldenser (das 18. Jh. kennt jedoch über zwanzig weitere Bezeichnungen) wurden auf dem Konzil von Verona (1184) erstmals als Häretiker verurteilt und seitdem immer wieder teils massiv verfolgt. Nach ihrer Vertreibung aus Lyon breiteten sich die auch als Arme von Lyon bekannten Anhänger Valdes', die ein asketisches Leben anstrebten und im Gegensatz zu den Katharern an den Lehren der römischen Kirche festhielten, sich dann jedoch zunehmend von allem distanzierten, was ihrer Meinung nach nicht im Evangelium begründet war, von Südfrankreich u.a. nach Norditalien aus. Dort wurden sie auch als Lombardische Arme bezeichnet. Die weitere Ausbreitung in Europa (u.a. in den deutschsprachigen Raum) verlief regional unterschiedlich, und auch die Anschauungen der einzelnen Gruppen konnten durchaus voneinander abweichen. Gemeinsames Kennzeichen blieb jedoch ein intensiver biblizistischer Schriftbezug.
Auferstehung der Wissenschaften seit dem 15ten Jahrhundert
Gemeint ist der die Antike wiederbelebende Renaissance-Humanismus im Allgemeinen und der Bibelhumanismus – zu nennen sind etwa Melanchthon und Erasmus von Rotterdam, aber auch Hebraisten wie Johannes Reuchlin (1455–1522) – im Besonderen.
Nachdem die Lehre der gereinigteren, d.h. reformatorischen, Kirchen festgelegt war und im Vergleich zu den mittelalterlichen Summen dem Umfang nach massiv reduziert werden konnte (vgl. v.a. Melanchthons Loci Communes [1521]), ging man in der Orthodoxie des ausgehenden 16. Jh.s dazu über, diese Lehre methodisch und systematisch zu entfalten. Die Darstellungen führender orthodoxer lutherischer Theologen wie Johann Gerhards (1582–1637) neunbändige Loci theologici (1610–1622) und Abraham Calovs (1612–1686) unvollständiges zwölfbändiges Systema locorum theologicorum (1655–1677) wurden so wieder kleinteiliger und nahmen dem Umfang nach zu. Bisweilen wird dieses Phänomen als protestantische Scholastik (s.o.) bezeichnet.
einige trefliche Sprachkundige, gegen die Mitte des 17ten, die richtige Art der Bibelerklärung
Zu den Vorreitern einer freieren Exegese, die die biblische Überlieferung im 17. Jh. philologisch und historisch, d.h. im Wesentlichen wie jede antike Quelle, erschlossen, gehören der reformierte Theologe Hugo Grotius (vgl. I § 207 c) sowie der Katholik Richard Simon (1638–1712). Während die freiere Bibelauslegung im protestantischen Bereich nach und nach zur Durchsetzung kam (Clericus, Turrettini, Wettstein u.a.), fand der mit Richard Simon im katholischen Bereich auf den Weg gebrachte historisch-kritische Ansatz keine Verbreitung. V.a. in Gestalt Marie-Joseph Lagranges (1855–1938) änderte sich dies erst gegen Ende des 19. Jh.s, Theologen wie etwa Johann Leonhard Hug (vgl. II § 34 c) waren zuvor eher die Ausnahme geblieben.
gegen das Ende desselben, die hallische Theologen mit ihren Schülern, Liebe zur Bibel durch ihr Beyspiel empfahlen
Gemeint ist die Behandlung der Bibel innerhalb des maßgeblich von August Hermann Francke (1663–1727) geprägten halleschen Pietismus (vgl. II § 98) und seiner auf Philipp Jakob Spener zurückgehenden Collegia biblica (vgl. II § 63 c). Durch die Beschränkung auf Halle bleibt eine Autorität wie Johann Albrecht Bengel an dieser Stelle unberücksichtigt (vgl. II § 35 c).
Eifer, die Bibel zu forschen, und die exegetische Theologie nach allen ihren Theilen zu bearbeiten, stieg sichtbar seit der Mitte des 18ten Jahrhunderts
Am Ende des in diesem Paragraphen gebotenen exegesegeschichtlichen Abrisses stehen Theologen wie Johann Salomo Semler (vgl. II § 104), Johann David Michaelis (vgl. I § 157), Johann Gottfried Eichhorn (1752–1827) (vgl. II § 34 bzw. II § 34 c) oder Johann August Ernesti (vgl. I § 136), die allesamt zu den Bahnbrechern einer kritischen Exegese und bedeutendsten Vertretern der Aufklärungstheologie zu rechnen sind und mit ihren Arbeiten in der Anweisung immer wieder angeführt werden.
Deutlichkeit der heiligen Schrift, als eine Unterscheidungslehre
Im Hintergrund steht die von Luther in De servo arbitrio (1525) formulierte Grundannahme von der claritas (externa bzw. interna) scripturae (vgl. WA 18 [1908], [551] 600–787, 606–609). Diese wurde in der Folgezeit ausgebaut und gehört als Lehre von der Klarheit (claritas bzw. perspicuitas) der Schrift im Rahmen der sog. affectiones scripturae primariae zum festen Bestand der altprotestantischen Dogmatik. Dagegen bleibt die Schrift nach katholischer Auffassung ohne kirchliches Lehramt dunkel und für Laien unverständlich.
Man dürfe sich nur an den ersten einfältigsten Sinn halten, der sich uns darin darstellt
Vgl. II § 70; II § 143.
Rich. Bentley Anmerkungen […] S. 200 f.
Richard Bentleys (unter dem Pseudonym Phileleutherus Lipsiensis veröffentlichte) Remarks upon a late Discourse of Free-Thinking (1713) wurden mehrfach aufgelegt (81743) und übersetzt. Die deutsche Übersetzung Richard Bentleys […] Anmerckungen über das Buch Freyheit zu dencken (1745) besorgte der hallesche Theologe Friedrich Eberhard Rambach (1708–1775). Die hier angeführte zwey und dreißigste Anmerckung (aaO 200–263) behandelt John Mills Ausgabe des Neuen Testaments (vgl. II § 35) und verteidigt trotz der in dieser Edition festgestellten etwa 30.000 Textvarianten die prinzipielle Glaubwürdigkeit der neutestamentlichen Überlieferung.
Griesbachische Vorrede zum zweyten Bande seiner Ausgabe des neuen Testaments
Der während des Studiums in Halle u.a. von Semler und Nösselt und in Leipzig von Ernesti beeinflusste Johann Jakob Griesbach (1745–1812) wurde 1773 außerordentlicher Professor der Theologie in Halle, wechselte dann jedoch als Ordinarius nach Jena und prägte die dortige Universität maßgeblich. Griesbach zählt zu den führenden Textkritikern des 18. Jh.s und ist für seine Ausgabe des Neuen Testaments (vgl. II § 34) bekannt. Nach ihm benannt ist die Griesbach-Hypothese, nach der das Lukas- vom Matthäusevangelium abhängig ist und das Markusevangelium eine Kurzfassung beider darstellt. Ein bedeutendes neologisches Werk (vgl. BdN III) ist seine Anleitung zum Studium der populären Dogmatik (1779; 41789).
Was hier und in dem Folgenden gesagt ist, fühlt schwerlich jemand, wer nicht bey Untersuchungen dieser Art hergekommen ist, und selbst Versuche gemacht hat
In seiner Biographie (vgl. Vorrede Hg. c XIf.) betont Niemeyer, dass Nösselt nicht zuletzt aufgrund seiner exegetischen Arbeiten zu den führenden Theologen seiner Zeit gezählt werde (aaO I 252), dass auf dem Gebiet der Exegese nichts Großes oder Kleines geschehen sei, was Nösselts Aufmerksamkeit entgangen wäre (vgl. aaO I 156), und weiß von Nösselts Plan, eine eigene Ausgabe des Neuen Testaments zu besorgen (vgl. aaO I 157). Dass die exegetische Theologie zu Nösselts Interessenschwerpunkten gehörte, wird auch an der relativen Häufigkeit seiner diesbezüglichen Vorlesungen deutlich.
Valkenar in den Adnott. crit. […] p. 365 seq.
Der hier angeführte Band beinhaltet Reden des niederländischen Philologen Tiberius Hemsterhuis und seines Schülers Lodewijk Caspar Valckenaer (vgl. I § 90). Den Reden Valckenaers sind die Schediasma, specimen exhibens Adnotationum Criticarum in loca quaedam Librorum Sacrorum Novi Foederis (aaO 324–412) angehängt. Hier findet sich seine in der Anweisung nachfolgend wiedergegebene Auseinandersetzung der unterschiedlichen Lesarten in Lk 19,38; 2,14; Offb 16,18 (vgl. aaO 365f.).
εἰρ.
D.i. erneut εἰρήνη.
bekannte Streitigkeit […] im hebräischen Texte des alten Testaments
Vgl. I § 165.
im neuen Testamente ein vortrefliches Muster an der Griesbachischen Ausgabe haben
Nach den Ausgaben Mills, Bengels und Wettsteins (vgl. II § 35) stellt Johann Jakob Griesbachs Novum Testamentum Graece (1775/1777; 21796/1806; 31803/1807) den Höhepunkt der wissenschaftlichen Editionen des Neuen Testaments im 18. Jh. dar. Auch wenn der bis auf Erasmus von Rotterdam zurückgehende textus receptus bereits zuvor immer wieder in Frage gestellt wurde, gilt Griesbach als der erste, der diesen an gleich mehreren hundert Stellen abänderte. Seine Edition wurde zum Vorbild nachfolgender Ausgaben, sein Text fand im 19. Jh. weite Verbreitung und wurde letztlich erst durch die Ausgabe (1898) Eberhard Nestles (1851–1913) abgelöst. In der dritten Auflage der Anweisung ist zusätzlich das Novum Testamentum Graece (1797; 31824) Georg Christian Knapps (1753–1825) angeführt, der als Sohn des Pietisten und Direktors der Franckeschen Stiftungen Johann Georg Knapp (1705–1771) in Halle studiert und nach einer Stelle als Lehrer an der Waisenhausschule und einer Studienreise seit 1782 ebenda eine ordentliche theologische Professur innehatte. Zudem wurde er wenig später Kondirektor der Franckeschen Stiftungen. Gemeinsam mit Nösselt und Niemeyer gehörte Knapp – häufig als letzter Repräsentant des halleschen Pietismus bezeichnet – zu den prägenden Gestalten des theologischen Seminars. Knapps griechischer Text des Neuen Testaments war so geschätzt, dass Johann Severin Vater (1771–1826) 1824, in demselben Jahr, in dem auch die dritte Auflage der Knappschen Ausgabe erschien, auf Grundlage Griesbachs und Knapps eine eigene Handausgabe besorgte.
Döderlein-Meisnersche Besorgung der Ausgabe von Reineccius
Gemeint ist die ursprünglich von Christian Reineccius (1667–1752) (vgl. I § 160) besorgte und von Johann Christoph Doederlein und Johann Heinrich Meisner (1755–1813) durch die Berücksichtigung der Varianten Kennicotts und de Rossis (vgl. II § 35) verbessert herausgegebene Biblia hebraica Veteris Testamenti (1793).
Eichhornische Einleitung ins alte Testament
Aufgrund seiner dreibändigen Einleitung ins Alte Testament (1780–1783), die Johann David Michaelis' unvollendet gebliebene Einleitung in die göttlichen Schriften des Alten Bundes (1787) überragte und die in der vierten Auflage (1823–1824) auf fünf Bände angewachsen war, wird der bedeutende, theologisch der Neologie zuzurechnende Historiker, Orientalist und Philologe Johann Gottfried Eichhorn (1752–1827) nicht selten als Begründer der kritischen Einleitungswissenschaft angesprochen. In diesem Zusammenhang sei auch Eichhorns Einleitung in die apokryphischen Schriften des Alten Testaments (1795) erwähnt.
Carpzovschen Introductione und Critica S. V. T.
Gemeint sind die dreiteilige Introductio in libros canonicos bibliorum Veteris Testamenti omnes (1714–1721; 41757) und die ebenfalls dreiteilige Critica sacra Veteris Testamenti (1728; 21748) des Leipziger Extraordinarius und späteren Lübecker Superintendenten Johann Gottlob Carpzov (1679–1767), der als Vertreter der lutherischen Orthodoxie die zunehmend in Frage gestellte Verbalinspiration des Alten Testaments verteidigte.
Michaelische Einleitung, nach der 4ten Auflage
Beide Bände der vierten und letzten von Johann David Michaelis besorgten Auflage der Einleitung in die göttlichen Schriften des Neuen Bundes stammen aus dem Jahr 1788, die in der ersten Auflage der Anweisung angeführte dritte Auflage aus dem Jahr 1777. Als Zusätze und Veränderungen der vierten Ausgabe sind die gegenüber der dritten Auflage vorgenommenen Neuerungen 1788 auch separat erschienen. Aufgrund seiner richtungsweisenden Einleitung zählt Michaelis wie sein Göttinger Nachfolger Johann Gottfried Eichhorn (1752–1827) (s.o.) zu den Begründern der biblischen Einleitungswissenschaft.
Anweisung zur Kenntniß der besten allgemeinern Bücher in der Theologie
Vgl. I § 43.
Eichhornsche und die kürzere Bauersche
Anders als die mehrbändige Einleitung Eichhorns (s.o.) ist der für seine Vorlesungen konzipierte Entwurf einer Einleitung in die Schriften des alten Testaments (1794; 31806) Georg Lorenz Bauers in nur einem Band erschienen. In der Vorrede zur ersten Auflage stellt Bauer die Bedeutung der Eichhornschen Einleitung nicht nur für seinen eigenen Entwurf heraus, wehrt sich jedoch dagegen, dass man ihn für einen bloßen Epitomator halte. Exegesegeschichtlich wird Bauer immer wieder eine Eigenständigkeit gegenüber Eichhorn attestiert.
Michaelisische mit Marsh Zusätzen
Die vierte Auflage von Michaelis' Einleitung in die göttlichen Schriften des Neuen Bundes (s.o.) ist von dem späteren Bischof Herbert Marsh (1757–1839), der u.a. bei Michaelis studiert hatte, ins Englische übersetzt und mit umfangreichen Anmerkungen versehen worden (1793). Diese vielbeachteten Anmerkungen sind von Ernst Friedrich Karl Rosenmüller (1768–1835), 1817 mit der Ehrendoktorwürde der Universität Halle bedacht, unter dem Titel Herbert Marsh's Anmerkungen und Zusätze zu Joh. David Michaelis Einleitung in die Göttlichen Schriften des Neuen Bundes (1795/1803) ins Deutsche übersetzt und mit Michaelis' Korrekturen aus dessen eigenem Handexemplar angereichert worden.
Hänleinsche
Heinrich Karl Alexander Hänlein (1762–1829) hat sich mit seinem Handbuch der Einleitung in die Schriften des neuen Testaments (1794; 21801–1809) an Michaelis' maßgeblicher Einleitung (s.o.) abgearbeitet und diese formal und inhaltlich modifiziert, so dass dem Handbuch – ähnlich wie bei Bauer und Eichhorn (s.o.) – nicht selten eine grundsätzliche Eigenständigkeit zugesprochen wird. 1802 ist zudem Hänleins auf dem Handbuch fußendes Lehrbuch der Einleitung in die Schriften des neuen Testamentes für Akademien und Gymnasien erschienen.
Eichhornsche
Johann Gottfried Eichhorn (1752–1827) hat neben seiner bahnbrechenden Einleitung ins Alte Testament (s.o.) auch eine fünfbändige Einleitung in das Neue Testament (1804–1827) verfasst, in der etwa die bereits zuvor in Aufsatzform vertretene Urevangeliumshypothese, nach der die drei synoptischen Evangelien auf eine griechische Übersetzung eines aramäischen Urevangeliums zurückgehen, ausgeführt und begründet wird.
Hugsche
Die Einleitung in die Schriften des Neuen Testaments (1808; 41847) des katholischen Theologen und Orientalisten Johann Leonhard Hug (1765–1846), in Freiburg zunächst Professor für orientalische Sprachen und Altes Testament, später auch für das Neue Testament, zeichnet sich durch konsequente Anwendung der historisch-kritischen Methode aus, wie sie in der katholischen Exegese durch Richard Simon (1638–1712) auf den Weg gebracht wurde (vgl. II § 19).
Einleitungen von Berthold und de Wette
Gemeint ist die eigentümlich angeordnete und nicht selten als umständlich empfundene sechsteilige Historischkritische Einleitung in sämmtliche kanonische und apokryphische Schriften des alten und neuen Testaments (1812–1819) des Erlanger Theologen Leonhard Bertholdt (1774–1822) sowie Wilhelm Martin Leberecht De Wettes Lehrbuch der historisch kritischen Einleitung in die Bibel Alten und Neuen Testaments. Der erste Teil (Altes Testament) ist 1817 (81869) erschienen, der zweite Teil (Neues Testament) erst 1826 (61860).
Kennicott und de Roßi
Der Geistliche und Hebraist Benjamin Kennicott (1718–1783) hat mit seinem Vetus Testamentum hebraicum cum variis lectionibus (1776–1780) die bis dahin umfassendste Kollation hebräischer Manuskripte geliefert (unter Mithilfe zahlreicher Gelehrter wurden insgesamt 615 hebräische Manuskripte, 16 Handschriften des samaritanischen Pentateuch sowie 52 Editionen verglichen). Trotz einiger Mängel ist diese Sammlung noch immer als Meilenstein in der Geschichte der Textüberlieferung des Alten Testaments anzusprechen. Der in Parma lehrende Hebraist Giovanni Bernardo de Rossi (1742–1831) führte Kennicotts Arbeit mit den vierbändigen Varia lectiones Veteris Testamenti (1784–1788) und einem dazugehörigen Supplementband (1798) weiter und erhöhte die Gesamtzahl der kollationierten Manuskripte auf etwa 1500. Beide Werke finden bis heute Beachtung, ihr Wert für die Textkritik des Alten Testaments war und ist jedoch umstritten.
Millischen, Wetsteinischen, Griesbachischen, auch des Letztern Symbolas criticas (Tom. prior. Halae 1785. 8.)
In chronologischer Reihenfolge werden maßgebliche NT‐Editionen des 18. Jh.s aufgezählt: John Mills (1645–1707) in Oxford erschienenes Novum Testamentum Graecum (1707), das später von Ludolf Küster neu besorgt wurde (Rotterdam 1710; Leipzig 1723; Amsterdam 1746) (vgl. II § 27), dann das sowohl aufgrund des textkritischen (s.u.) als auch aufgrund des Annotationenapparates berühmte Novum Testamentum Graecum (1751/1752) Johann Jakob Wettsteins und schließlich die bahnbrechende Ausgabe Johann Jakob Griesbachs (vgl. II § 34). Griesbachs zweibändige Symbolae criticae (1785/1793), die eine Nachlese des v.a. von Wettstein zusammengetragenen textkritischen Materials nebst eigenen Vergleichen darstellen, sind zwar nach der Erstauflage seines Novum Testamentum Graece (1775/1777) erschienen, können jedoch als Vorarbeit zu dieser Ausgabe verstanden werden.
Clerici ars critica
Die 1697 in zwei Bänden erschienene und 1700 um einen dritten Band erweiterte Ars Critica des aus Genf stammenden und nach seinem Übertritt zum Arminianismus am Amsterdamer Remonstrantenseminar lehrenden Jean Le Clerc (Clericus) (1657–1736) war als Standardwerk der Textkritik bis weit in das 18. Jh. hinein in Gebrauch.
Bauer
Nach dem Studium in Altdorf war Georg Lorenz Bauer (1755–1806) zunächst zehn Jahre als Frühprediger an der Nürnberger Schloßkapelle tätig. 1786 wurde er ebenda Lehrer und ein Jahr später Konrektor an der Schule bei St. Sebald, 1789 als Nachfolger seines Altdorfer Lehrers Johann Andreas Michael Nagel (1710–1788) Professor für Beredsamkeit, morgenländische Sprachen und Moral, bevor er ein Jahr vor seinem Tod eine Professur für morgenländische Literatur und biblische Exegese in Heidelberg übernahm. Bauer gilt innerhalb der Aufklärungstheologie als bedeutender Vertreter einer streng historisch verfahrenden theologia biblica, im Titel seiner Einleitung in das Alte Testament (1794) hat er den Begriff historisch-kritisch erstmals programmatisch verwendet. Hervorzuheben ist zudem seine Arbeit zu Mythos und Mythologie. An dieser Stelle ist Bauers Critica sacra Veteris Testamenti (1795) im Blick, die aus der Bearbeitung der Philologia Sacra des Salomon Glaß (vgl. I § 161) hervorgegangen ist.
Wettstein
Der in Basel geborene und nach massiven Auseinandersetzungen in seiner Heimatstadt (Wettsteinhandel) als Nachfolger Le Clercs am Seminar der Remonstranten in Amsterdam lehrende Johann Jakob Wettstein (1693–1754) gehört zu den bedeutendsten Textkritikern nicht nur des 18. Jh.s. Die seiner zweibändigen Ausgabe des Neuen Testaments (s.o.) beigegebenen Prolegomena ad Novi Testamenti Graeci editionem accuratissima waren anonym bereits 1730 erschienen und können als bis dahin gründlichste Studie zur neutestamentlichen Textkritik gelten, der textkritische Apparat seiner Ausgabe übertraf alles bisher Dagewesene. Dass die variae lectiones zu Wettsteins wissenschaftlichem Lebensthema werden würden, deutete sich bereits mit der in der Disputatio (1713) vertretenen These integritatem scripturae per lectionum diversitatem non labefactari an, mit der Wettstein sein Studium in Basel abschloss. Wettsteins Prolegomena wurden später von Semler erneut herausgegeben (s.u.).
Griesbach
Theoretische Äußerungen zur Textkritik finden sich in den Vorreden zu Griesbachs (vgl. II § 27) Ausgaben des Neuen Testaments (vgl. II § 34).
Semler
Seit seiner Magisterdisputation 1750 hat sich Johann Salomo Semler immer wieder eingehend mit textkritischen Fragen beschäftigt. Besonders hervorzuheben ist seine Neuausgabe (1764) der Prolegomena Johann Jakob Wettsteins (s.o.). Ursprünglich finden sich innerhalb der Prolegomena auch die Animadversiones et cautiones ad examen variarum lectionum N.T. necessariae, die in Wettsteins NT-Edition (s.o.) in den Anhang gewandert sind. In Semlers Ausgabe der Prolegomena finden sich die Animadversiones nicht, stattdessen hat er sie gemeinsam mit dem ebenfalls im Anhang der NT-Edition abgedruckten Stück De interpretatione libri Apocalypseos unter dem Titel Libelli ad crisin atque interpretationem Novi Testamenti (1766) erneut herausgegeben.
Bengel
Nach dem Studium an der Universität Tübingen wurde Johann Albrecht Bengel (1687–1752) zunächst Stiftsrepetent und Vikar und nach einer Studienreise mit dem Hauptziel Halle im Jahre 1713 Lehrer an der neugegründeten Klosterschule Denkendorf. In dieser Position prägte Bengel als große Gestalt des württembergischen Pietismus (vgl. II § 98) wenigstens zwei Generationen von Schülern und damit nachhaltig die gesamte Landeskirche. Da die erhoffte universitäre Karriere ausblieb, wurde er 1741 Prälat von Herbrechtingen, ab 1747 Mitglied des Landtages und 1749 Abt von Alpirsbach mit Sitz in Stuttgart, ein Jahr vor seinem Tod verlieh ihm die Tübinger Universität ehrenhalber den theologischen Doktortitel. Bengel hat ein umfangreiches Werk und eine reichhaltige Korrespondenz hinterlassen und gehört mit seiner (mit Ausnahme der Johannesapokalypse) den textus receptus bietenden und mit einem umfangreichen textkritischen Apparat versehenen Ausgabe des Neuen Testaments (1734) zu den maßgeblichen Wegbereitern der neutestamentlichen Textkritik. Es fällt auf, dass Bengel in der Ausgabenabfolge der ersten beiden Auflagen der Anweisung fehlt (vgl. II § 19).
Matthäi
Gemeint ist Christian Friedrich von Matthäi (1744–1811), der sich nach dem Studium der klassischen Philologie in Leipzig 1770 ebenda habilitierte. Auf Empfehlung Ernestis wurde Matthäi 1772 zunächst Gymnasialdirektor in Moskau, wenige Jahre später außerordentlicher und schließlich ordentlicher Professor der klassischen Philologie an der dortigen Universität. 1782 wurde er zudem zum Kollegienrat ernannt. Nachdem ihn seine Gesundheit während eines Heimaturlaubes an der Rückreise nach Russland gehindert hatte, übernahm Matthäi 1785 das Rektorat der Meißener Fürstenschule und 1789 eine Professur für Griechisch in Wittenberg. Neben den Klassikern galt sein Interesse dem Neuen Testament, das er zuvor in griechisch-lateinischer Ausgabe (1782–1788) besorgt hatte. In Wittenberg erschien dann u.a. auf Grundlage Moskauer Handschriften sein heute kaum noch bekanntes zweibändiges Novum Testamentum Graece (1803/1804). Kurz darauf kehrte Matthäi nach Moskau zurück, wo er, inzwischen zum Kaiserlich-russischen Hofrat ernannt, starb.
Anweisung zur Kenntniß der besten Bücher in der Theologie §. 95–98. 100–107
Vgl. I § 43.
hebräische von Gesenius
Der ab 1810 als Professor in Halle wirkende Wilhelm Gesenius (1786–1842) zählt bis heute zu den bedeutendsten Hebraisten, sein zweibändiges Hebräisch-deutsches Handwörterbuch über die Schriften des Alten Testaments (1810/1812) ist nach mehreren Überarbeitungen und einer Vielzahl von Auflagen (zuletzt 182013) noch immer ein bibelwissenschaftliches Standardwerk. In der dritten Auflage der Anweisung sind darüber hinaus weitere hebraistische Arbeiten Gesenius' berücksichtigt.
griechische von Schleußner
Nach dem Studium in seiner Heimatstadt Leipzig wurde Johann Friedrich Schleusner (1759–1831) Professor in Göttingen und wechselte 1794 nach Wittenberg. Im Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit stand das hellenistische Griechisch, im Blick ist hier sein Novum lexicon Graeco-latinum in Novum Testamentum (1792; 41819).
Hug hat sie in der Einleitung in das Neue Test.
Vgl. II § 34 c.
Bochart
Der reformierte Theologe Samuel Bochart (1599–1667) wurde nach dem Studium in Frankreich, England und den Niederlanden 1625 zunächst Pfarrer in Caen. Daneben festigte sich jedoch auch sein Ruf als versierter Kenner der orientalischen Sprachen, so dass er 1652 zum Studium arabischer Handschriften von Königin Christina von Schweden (1626–1689) nach Stockholm eingeladen wurde. Durch das Hierozoicon (1663) ist Bochart im Zusammenhang der biblischen Tierkunde hervorgetreten, daneben zählt die biblische Geographie zu seinen Hauptarbeitsgebieten. Seine zweiteilige Geographia sacra (1646) ist mehrfach aufgelegt worden und hat in Johann David Michaelis' Spicilegium geographiae Hebraeorum exterae post Bochartum (1769/1780) ein Nachfolgewerk.
Bachiene
Der niederländische Geistliche und Geograph Willem Albert Bachiene (1712–1783) war nach dem Theologiestudium in Utrecht als Prediger, zuletzt in Maastricht, tätig. 1764 wurde Bachiene, der die Geographie seit frühester Jugend in seiner Freizeit betrieben hatte, ebenda Professor für Astronomie und Geographie am reformierten Gymnasium Illustre, dessen Lehrkörper v.a. aus ansässigen Geistlichen bestand. Zu Bachienes wichtigsten Werken zählt die Historische und Geographische Beschreibung von Palästina, nach seinem ehemaligen und gegenwärtigen Zustande (1766–1775). Die Übersetzung des Originals Heilige Geographie of aardrykskundige Beschryving van alle de Landen, enz. in de H. S. voorkommende (1758–1768) stammt von dem Gymnasialkonrektor Gottfried Arnold Maas (ca. 1734–1810), mehr als zehn Jahre nach Bachienes Tod ist unter dem Titel De Geographie der Heilige Schrift (1796) ein weiterer, von Samuel van Emdre (1746–1816) besorgter Teil erschienen.
Ysbrand von Hamelsfeld
Nach dem Studium in seiner Heimatstadt Utrecht übernahm Ijsbrand van Hamelsveld (1743–1812) zunächst unterschiedliche Predigtstellen, privatisierte jedoch 1779 aufgrund von Konflikten mit einem Amtskollegen und wandte sich in Utrecht eigenen Studien zu. Dort wurde er 1784 zum Professor der Theologie berufen, jedoch wenige Jahre später aus politischen Gründen des Amtes enthoben. Daraufhin immatrikulierte er sich 1789 in Leiden. Als ihm nach Gründung der Batavischen Republik erneut eine Professur in Utrecht angeboten wurde, lehnte van Hamelsveld ab und war stattdessen als Mitglied der Nationalversammlung politisch tätig. Im Zuge der Gegenrevolution wurde van Hamelsveld schließlich gefangengesetzt und zog sich nach seiner Entlassung bis zu seinem Tod von allen Ämtern zurück. Wissenschaftlich ist van Hamelsveld insbesondere auf dem Gebiet der Kirchengeschichtsschreibung der Niederlande hervorgetreten, im europäischen Ausland war er v.a. durch die von dem Hamburger Pastor Rudolph Jänisch (1750–1826) ins Deutsche übersetzte dreiteilige Biblische Geographie (1793–1796) bekannt.
E. K. Rosenmüller's altes und neues Morgenland, Leipzig 1818., bis jetzt 1ster und 2ter Band
Ernst Friedrich Karl Rosenmüllers (1768–1835) Das alte und neue Morgenland; oder Erläuterungen der heiligen Schrift aus der natürlichen Beschaffenheit, den Sagen, Sitten und Gebräuchen des Morgenlandes ist in insgesamt sechs Bänden (1818–1820) erschienen.
Verfassers Anweisung zur theologischen Bücherkenntniß
Vgl. I § 43.
Niemeyer-Wagnitzischen Bibliothek für Prediger. 2te Ausgabe. 1ster und 4ter Theil
Vgl. I § 43 c.
Spencer
Der englische Theologe John Spencer (1630–1693) erwarb nach dem Studium am Corpus Christi College in Cambridge 1665 den theologischen Doktorgrad und war zunächst als Universitätsprediger tätig. Nach weiteren Stellen in Gemeinde und Schule wurde Spencer 1667 zum Master seines Colleges gewählt, im akademischen Jahr 1673/1674 war er Vizekanzler der Universität. 1667 wurde er zum Archdeacon in Sudbury und zehn Jahre später zum Dean an der Kathedrale von Ely bestellt. Bekannt ist Spencer v.a. für sein bedeutendes Werk De legibus Hebraeorum ritualibus et earum rationibus (1685), das in mehreren Auflagen u.a. auch in Deutschland erschien. Entgegen der Annahme, das Judentum sei die älteste Religion der Menschheitsgeschichte, stellt Spencer hier die Bedeutung des alten Ägypten für die Entwicklung des Judentums heraus und zählt damit zu den frühen Vertretern eines dezidiert religionsgeschichtlichen Ansatzes.
Goguet
Der französische Historiker Antoine-Yves Goguet (1716–1758) war nach dem Studium der Rechte als Parlamentsrat in seiner Heimatstadt Paris tätig, sein eigentliches Interesse galt jedoch der Altertumskunde. Goguets Untersuchungen von dem Ursprung der Gesezze, Künste und Wissenschaften werden in der ersten Auflage der Anweisung noch explizit angeführt (vgl. I § 262 a), Jahrzehnte später hat der Nürnberger Gymnasialprofessor Johann Paul Sattler (1747–1804) einen Auszuge nach dem Französischen des Herrn Goguet, zum gemeinnüzigen Gebrauch für studierende Jünglinge und andere Leser (1796) besorgt.
Michaelis
Angespielt ist auf Johann David Michaelis' berühmtes sechsteiliges Mosaisches Recht (1770–1775; 21775–1803), in dem die Gesetze des Pentateuch vor dem Hintergrund der geschichtlichen Bedingungen ihrer Entstehungszeit und nicht in ihrer Bedeutung für die christliche Dogmatik interpretiert werden und für das Carsten Niebuhrs (1733–1815) Arabien-Berichte (vgl. I § 157) umfangreiches Vergleichsmaterial lieferten, sowie auch auf die zuvor in zwei Auflagen erschienene Abhandlung von den Ehe-Gesetzen Mosis (1755; 21768).
Gatterer
Der bedeutende Historiker Johann Christoph Gatterer (1727–1799) übernahm nach dem Studium in Altdorf und Tätigkeiten als Gymnasiallehrer in Nürnberg und Professor am dortigen Aegidianum 1759 einen Lehrstuhl für Geschichte in Göttingen und prägte die deutsche Geschichtswissenschaft über die Grenzen seiner Universität hinaus. Besondere Verdienste erwarb sich Gatterer im Bereich der historischen Hilfswissenschaften (v.a. der Genealogie und der Diplomatik) sowie der Universalgeschichte. Darüber hinaus ist die Gründung des Königliche[n] Historische[n] Institut[s] und die in diesem Zusammenhang entstandene Allgemeine historische Bibliothek (1767–1771) hervorzuheben. An dieser Stelle sind die aus Gatterers Lehrtätigkeit hervorgegangenen universalhistorischen Werke, v.a. der erste, bis zum Jahr 500 reichende Band des Handbuch[s] der Universal-Historie (1761; 21765), der Abriß der Universalhistorie (vgl. I § 235) sowie die Weltgeschichte in ihrem ganzen Umfange (vgl. I § 235), gemeint.
Heeren
Arnold Hermann Ludwig Heeren (1760–1842) wurde nach dem Studium in Göttingen und anschließender Studienreise 1787 ebenda außerordentlicher, 1794 ordentlicher Professor der Philosophie und 1801 ordentlicher Professor der Geschichte. Gemeinsam mit Friedrich August Ukert (1780–1851) gab Heeren die ab 1828 erscheinende Reihe Geschichte der europäischen Staaten heraus und übernahm nach dem Tode Eichhorns im Jahre 1827 die Redaktion der Göttingische[n] Gelehrte[n] Anzeigen. Gedacht ist hier an Heerens Hauptwerk Ideen über Politik, den Verkehr und den Handel der vornehmsten Völker der Alten Welt (1793/1796), in dem sich sein Interesse an den konkreten Lebensbedingungen der Antike dokumentiert, sowie das Handbuch der Geschichte der Staaten des Altertums (1799). Beide Werke erlebten weitere Auflagen und wurden in mehrere europäische Sprachen übersetzt.
Alterthümer (Anthologie)
Hier ist nicht Anthologie, sondern Archäologie gemeint. Darauf deuten nicht zuletzt auch die Titel der Darstellungen Jahns oder De Wettes (s.u.) sowie John Potters Griechische Archäologie oder Alterthümer Griechenlandes (vgl. I § 142) hin.
Warnekroß
Nach dem Studium in Göttingen wurde Heinrich Ehrenfried Warnekros (1752–1807) 1776 in Greifswald promoviert, war danach als Rektor des städtischen Gymnasiums tätig, setzte jedoch gleichzeitig seine Vorlesungstätigkeit an der Universität fort. Neben einer Arbeit zu Shakespeare ist Warnekros v.a. durch den Entwurf der hebräischen Alterthümer (1782) hervorgetreten, der 1794 in zweiter, verbesserter und vermehrter Auflage erschien.
Jahn
Der katholische Theologe Johann Jahn (1750–1816) studierte Philosophie in Olmütz und Theologie am Prämonstratenserstift Bruck, 1774 folgte das Ordensgelübde. Nach der Erlangung des theologischen Doktorgrades wurde Jahn zunächst Professor in Olmütz, ehe er 1789 als Professor für orientalische Sprachen, biblische Archäologie und Dogmatik nach Wien berufen wurde. Aufgrund seiner Lehrpositionen kam es hier zu massiven Auseinandersetzungen mit der kirchlichen Obrigkeit, in wissenschaftlichem Kontext fand Jahn, dessen philologische Werke auch in der Anweisung mehrfach angeführt werden, dagegen zunehmend Anerkennung. An dieser Stelle ist seine fünfbändige Biblische Archäologie (1797–1805) zu nennen, die auch in zweiter Auflage (1807–1815) und in Form der Archaeologia biblica in compendium redacta (1805) erschien.
Bauer
Gedacht ist an Georg Lorenz Bauers Kurzes Lehrbuch der hebräischen Alterthümer des Alten und Neuen Testaments (1797) sowie die zweibändige Beschreibung der gottesdienstlichen Verfassung der alten Hebräer (1805/1806), die dem Untertitel nach als erläuternder Commentar über den dritten Abschnitt der hebräischen Archäologie (d.i. das Kurze Lehrbuch) dienen soll. In Frage kommt auch das Handbuch der Geschichte der hebräischen Nation (1800/1804).
de Wette
Aus dem umfangreichen Werk Wilhelm Martin Leberecht De Wettes ist an dieser Stelle auf das Lehrbuch der Hebräisch-Jüdischen Archäologie nebst einem Grundriss der Hebräisch-Jüdischen Geschichte (1814; 31842) angespielt.
Nößeltsche Bücherkenntniß
Vgl. I § 43.
Bibliothek für Prediger, 1ster und 4ter Theil
Vgl. I § 43 c.
Hezel's biblisches Reallexicon
Der Theologe und Orientalist Wilhelm Friedrich Hezel (1754–1824), ab 1786 Professor in Gießen, ab 1801 in Dorpat, ist als Verfasser unterschiedlicher exegetischer und grammatischer Arbeiten hervorgetreten, auf die auch in der Anweisung mehrfach verwiesen wird. Sein dreibändiges Biblisches Real-Lexicon (1783–1785) ist ab dem zweiten Band fast vollständig von Hermann Friedrich Köcher (1747–1792) ausgearbeitet worden.
Leun's biblische Encyklopädie
Die vierbändige Biblische Encyklopädie oder exegetisches Realwörterbuch über die sämmtlichen Hülfswissenschaften des Auslegers, nach den Bedürfnissen jetziger Zeit (1793–1798) geht laut Titelblatt auf eine Gesellschaft von Gelehrten zurück. Hinter dieser verbirgt sich jedoch der Gießener Theologe Johann Georg Friedrich Leun (1757–1823). Er stand in freundschaftlichem Verhältnis zu dem zuvor genannten Wilhelm Friedrich Hezel, der für Leuns Handbuch zur kursorischen Lektüre der Bibel A. B. (vgl. I § 160) eine Vorrede verfasste.
Allen Alles
Vgl. 1Kor 9,22.
Erziehung des menschlichen Geschlechtes
Hier greift Nösselt den Titel von Lessings Erziehung des Menschengeschlechts (1777/80) auf.
Es sey Paulus, oder Kephas, oder Apollos, oder die Welt – alles ist unser! 1 Kor. 3, 22
Hier handelt es sich um eine freie und verkürzte Wiedergabe von 1Kor 3,22, die Reihenfolge der Namen lautet eigentlich Paulus, Apollos, Kephas (vgl. 1Kor 1,12). Apollos ist ein im Neuen Testament erwähnter Mitstreiter des Paulus (vgl. Apg 18,24–19,1; 1Kor 3,4–22; 16,12); Kephas ist der Apostel Petrus, dessen aus dem Griechischen stammender Name (vgl. Mk 3,16) wie der aus dem Aramäischen stammende Name Kephas Stein bzw. Fels (vgl. Mt 16,18) bedeutet.
4)
Hier schließt Nösselt an II § 41 an.
Shuckford
Der akademisch am Gonville and Caius College (Cambridge) beheimatete Geistliche Samuel Shuckford (1693–1754) erwarb 1720 den Magister-, später auch den Doktorgrad (Lambeth) und hatte danach verschiedene kirchliche Ämter inne. Ab 1732 diente er wohl als persönlicher Chaplain Georges II., sein Grab befindet sich in der Canterbury Cathedral. Wissenschaftlich ist Shuckford auf dem Gebiet der Altertumskunde hervorgetreten, sein Hauptwerk ist die zweibändige Sacred and Profane History of the World Connected. From the Creation of the World to the Dissolution of the Assyrian Empire at the Death of Sardanapalus, And to the Declension of the Kingdom of Judah and Israel Under the Reigns of Ahaz and Pekah (1728), die mehrfach neu aufgelegt und 1731 auch ins Deutsche übersetzt wurde.
Prideaux
Nach dem Studium in Christ Church (Oxford) hatte Humphrey Prideaux (1648–1724) eine Vielzahl von kirchlichen Ämtern inne, wurde 1679 Hebräischprofessor in Christ Church und erhielt 1686 den theologischen Doktorgrad. Nach dem Tode Edwards Pocockes war er als dessen Nachfolger vorgesehen, lehnte jedoch ab. In den letzten beiden Jahrzehnten seines Lebens zunehmend gesundheitlich angegriffen, starb Prideaux als Dean von Norwich und wurde in der dortigen Kathedrale beigesetzt. Hier ist an das mehrfach aufgelegte und auch ins Französische übersetzte Werk The Old and New Testament Connected in the History of the Jews and Neighbouring Nations (1715–1718) zu denken. Mit A Connection of Sacred and Profane History. From the Death of Joshua to the Decline of the Kingdoms of Israel and Judah (1827) legte Michael Russell (1781–1848), der spätere erste Bischof von Glasgow und Galloway, ein Werk vor, das dem Untertitel nach die Darstellungen Shuckfords und Prideauxs vervollständigen sollte.
Heß Geschichte der Israeliten bis auf die Zeit Christi
Die Geschichte der Israeliten vor den Zeiten Jesu (1776–1788) des Schweizer Theologen Johann Jakob Hess (1741–1828) ist in insgesamt zwölf Bänden erschienen.
Bücherkenntniß
Vgl. I § 43.
Predigerbibliothek 1sten und 4ten Theil
Vgl. I § 43 c.
meine beyden Versuche über den Brief an die Hebräer und den Brief Jacobi in den Opusculis Fasc. I. und II
Nösselts Abhandlung De tempore quo scripta fuerit Epistola Paulli ad Ebraeos deque Ebraeis quibus scripserit nebst corollarium findet sich in Opusculorum ad interpretationem Sacrarum Scripturarum fasciculus I (21785), 269–328 (X.), die Coniecturae ad historiam catholicae Iacobi Epistolae sind in Opusculorum ad interpretationem Sacrarum Scripturarum fasciculus II (1787), 297–332 (XII.) abgedruckt.
Anweisung zur Kenntniß der Bücher etc. §. 66–92
Vgl. I § 43.
Predigerbibliothek, 1ster und 4ter Theil
Vgl. I § 43 c.
Ernesti z. B. in der Institut. interpretis N. T.
Johann August Ernesti kann als spiritus rector neologischer Exegese und Hermeneutik angesprochen werden, seine mehrfach aufgelegte Institutio interpretis Novi Testamenti (1761) (vgl. BdN II), in der ein ausschließlich grammatisch-historisches Verständnis des Neuen Testaments vertreten wird, als das epochemachende Werk neutestamentlicher Hermeneutik (vgl. II § 56).
Noch haben wir kein in seiner Art vollständiges Handbuch […] gut auswählte, und in eine gute Ordnung brächte
In nuce leistet dies der Annotationenapparat der von Johann Jakob Wettstein besorgten Ausgabe des Neuen Testaments. Allerdings wird Wettstein in der zweiten Hälfte des 18. Jh.s ausschließlich im Zusammenhang der Textkritik wahrgenommen (vgl. II § 35); Rezensionen zeigen, dass die im Annotationenapparat geleistete Arbeit als Ausdruck barocker Polymathie (vgl. I § 4) verstanden und eher negativ aufgenommen wurde.
Lowth Praelectt. de sacra poesi Hebr. mit Michaelis Zusätzen
In den mehrfach aufgelegten und 1787 ins Englische übersetzten Praelectiones de sacra Poesi Hebraeorum (1753) des anglikanischen Bischofs, Philologen und Exegeten Robert Lowth (1710–1787) wird die Betrachtung alttestamentlicher Texte als Poesie grundgelegt. Johann David Michaelis, während eines Aufenthaltes in Oxford von Lowth beeindruckt, hat diesem Werk notas et epimetra beigegeben (Göttingen 1758/1761; Oxford 1763; Göttingen 21770).
Handbuch der biblischen Literatur, von Joh. Joach. Bellermann […] Bis jetzt sind erst zwey Theile, Erfurt 1787 und 90 in 8. erschienen
Von Johann Joachim Bellermanns (1754–1842) Handbuch sind lediglich vier Bände (1787–1799) erschienen. Diese umfassen mit der biblischen Archäologie und Geographie nur zwei der insgesamt zehn angedachten Abteilungen, hinzukommen sollten Chronologie, Genealogie, Geschichte, Naturlehre und Naturgeschichte, Mythologie und Götzengeschichte, Altertümer, Kunstgeschichte sowie Nachrichten von den biblischen Schriftstellern. In der dritten Auflage der Anweisung wird noch mit weiteren Bänden gerechnet, das Erscheinungsjahr des vierten Bandes ist fehlerhaft angegeben.
redende Schlange in dem Paradies, über Dudaim und Kikajon, das Begräbniß Mose u. d. gl.
Zur Schlange im Paradies vgl. Gen 3,1ff.; die in Gen 30,14–16 (vgl. Hld 7,14) erwähnten Dudaim (דודאים) sind die Früchte der Alraune, denen in alttestamentlicher Zeit aphrodisierende Wirkung zugeschrieben wurde (Liebesäpfel), bei dem von Luther mit Kürbis übersetzten Gewächs Kikajon (קיקיון) (vgl. Jona 4,6) dürfte es sich eher um die Rizinusstaude handeln; zu Tod und Begräbnis des Mose vgl. Gen 34.
neuen Bearbeitung von Glassii Philol. sacra von Bauer, eine Hermeneutica V. T.
Gemeint ist Georg Lorenz Bauers aus der Bearbeitung der Philologia Sacra des Salomon Glaß (vgl. I § 161) hervorgegangene Hermeneutica sacra Veteris Testamenti (1797). Zu nennen wäre auch Bauers Entwurf einer Hermeneutik des Alten und Neuen Testaments (1799).
Meyers eine Hermeneutik des A. T.
Hier handelt es sich um den zweibändigen Versuch einer Hermeneutik des Alten Testaments (1799/1800) von Gottlob Wilhelm Meyer (1768–1816), anführen ließe sich auch dessen Grundriß einer Hermeneutik des Alten und Neuen Testamentes (1801).
Mori acroasibus super hermeneut. N. T. nach Eichstädt's Ausgabe
Besorgt wurden Samuel Friedrich Nathanael Morus' zweibändige, die Institutio seines Lehrers Ernesti (vgl. II § 51) kommentierende Super hermeneutica Novi Testamenti acroases academicae (1797/1802) von Heinrich Carl Abraham Eichstaedt (1772–1848), einem Schüler Morus' und bedeutenden Philologen. Gewidmet ist dieses Werk u.a. Nösselt.
Keil's Lehrbuch der reinen Hermeneutik des N. T.
Karl August Gottlieb Keil (1754–1818), ein Schüler Morus', ist mit seinem Lehrbuch der Hermeneutik des neuen Testamentes nach Grundsätzen der grammatisch-historischen Interpretation (1810), 1811 unter dem Titel Elementa hermeneutices Novi Testamenti auch auf Latein erschienen, ebenfalls im Zusammenhang der neutestamentlichen Hermeneutik hervorgetreten.
Anweisung zur Kenntniß der Bücher in der Theol. angeführt §. 94–108
Vgl. I § 43.
vielfachen Sinn einer Schriftstelle
Im Hintergrund steht die im Kern auf Origenes zurückgehende Lehre vom vierfachen Schriftsinn (Literal- oder historischer Sinn, allegorischer Sinn, tropologischer Sinn, anagogischer Sinn), wie sie bündig in dem berühmten mittelalterlichen Merkvers Littera gesta docet, quid credas allegoria, moralis quid agas, quo tendas anagogia (Der Buchstabe lehrt, was geschehen ist; die Allegorie, was zu glauben ist; der moralische Sinn, was zu tun ist; der anagogische Sinn, was zu hoffen ist) zusammengefasst ist. Luther und nach ihm die grammatisch-historische Auslegung der Aufklärungstheologie erhebt dagegen den Literalsinn (sensus litteralis bzw. historicus) als einfachen oder wörtlichen Sinn zum Grundsinn der Schrift.
Anweisung etc. §. 110 flgg. erwähnten Büchern
Vgl. I § 43.
Rosenmüllerschen Scholia in N. T. (3te Auflage, Nürnberg 1788–90 in 5 Bänden
Hier sind Johann Georg Rosenmüllers (1736–1815) Scholia in Novum Testamentum gemeint (vgl. I § 161 c), die in der ersten Auflage der Anweisung angeführte zweite Auflage ist zwischen 1785 und 1788 erschienen.
Bezä
Nach seinem 1548 im Zuge einer persönlichen Krise erfolgten Übertritt zur reformierten Kirche und der damit verbundenen Ausweisung aus Frankreich war Theodor Beza (de Bèze) (1519–1605) zunächst als Griechischlehrer an der Akademie in Lausanne tätig und avancierte in dieser Zeit zu einem bedeutenden Mitstreiter Calvins. Nach Auseinandersetzungen mit dem Berner Magistrat siedelte er 1558 nach Genf über und wurde für Jahrzehnte eine der prägenden Gestalten der Stadt. Neben fünf kleineren Ausgaben mit kurzen annotationes minores dogmatischen Inhalts hat Beza zwischen 1557 und 1598 fünf Folioausgaben des Neuen Testaments publiziert, denen umfangreiche, immer wieder überarbeitete exegetisch-philologische annotationes maiores beigegeben waren. Diese wurden als Annotationes maiores in Novum Dn. Nostri Iesu Christi Testamentum (1594) auch separat gedruckt und zur Grundlage der reformierten Dogmatik des 17. Jh.s.
Grotii Annott. in N. T.
Vgl. I § 207 c.
neue Testam. mit den Koppischen Anmerkungen
Das grammatisch-historisch ausgerichtete Novum Testamentum graecum perpetua annotatione illustratum ist zwischen 1778 und 1821 in insgesamt zehn Bänden erschienen. Der Göttinger Professor, Universitätsprediger und Direktor des Predigerseminars (vgl. III § 31 [c]) Johann Benjamin Koppe (1750–1791), später als Generalsuperintendent u.a. von Hoya-Diepholz und erster Hofprediger in Hannover im kirchlichen Dienst, hat mit der Kommentierung des Corpus Paulinum begonnen, nach seinem Tod wurde sein Hauptwerk, wie in der dritten Auflage der Anweisung bemerkt, u.a. von Johann Heinrich Heinrichs (1765–1850) und David Julius Pott (1760–1838) vollendet.
Erasmi Paraphrasibus
Bei Erasmus von Rotterdams sich durch eine komplizierte Publikationsgeschichte auszeichnenden Paraphrases (1517–1524) handelt es sich um philologisch und erbaulich kommentierende Nacherzählungen des Neuen Testaments mit Ausnahme der Johannesapokalypse. Zu der von Johann Friedrich Sigismund Augustin (1739–1818) besorgten dreibändigen Ausgabe der Paraphrasen (1777–1780) hat Nösselt als Vorrede eine Historia Paraphraseon beigesteuert (vgl. aaO III, III–XLIV). Augustin hatte zuvor unter Nösselts Vorsitz De Catenis Patrum Graecorum in novum Testamentum observationes (1762) verteidigt.
Franc. Vatabli Anmerkungen
Vgl. I § 161.
Jo. Christ. Frid. Schulzii und Ge. Laur. Baueri Scholia in V. T. (Norimb. 1783–91, bis jezt in 5 Bänden in gr. 8.)
Vgl. I § 161.
Ern. Frid. Car. Rosenmülleri Scholia in V. T., wovon erst 2 Tomi, Lips. 1788 und 90 herausgekommen sind
Vgl. I § 161 c.
Dathischen lateinischen Uebersetzung und Anmerkungen über alle Bücher des A. T. in 6 Bänden
Johann August Dathe (1731–1791), 1762 außerordentlicher, dann ordentlicher Professor der morgenländischen Sprachen in Leipzig, ist nicht nur als Bearbeiter der Philologia Sacra des Salomon Glaß (vgl. I § 161), sondern auch durch seine sechsbändige lateinische Übersetzung des Alten Testaments einschließlich philologisch-historischer Anmerkungen bekannt. Es erschienen der Pentateuchus ex recensione textus hebraici et versionum antiquarum latine versus notisque philologicis et criticis illustratus (1781), die Libri historici (1784), Jobus, Proverbia Salomonis Ecclesiastes et Canticum Canticorum (1789), die Psalmi (1787), die Prophetae maiores (1779) und die Prophetae minores (1773). Einige Teile wurden erneut aufgelegt.
Michaelischen deutschen Uebersetzung und Anmerkungen zum A. T.
Gemeint ist Johann David Michaelis' [D]eutsche Uebersetzung des Alten Testaments, mit Anmerkungen für Ungelehrte (1769–1783). Bemerkt sei, dass 1778 zudem auch eine Übersetzung des ersten Makkabäerbuchs erschien und dass Michaelis ein vergleichbares Werk zum Neuen Testament (1790–1792) folgen ließ.
Bibliothek für Prediger, 1ster und 4ter Th.
Vgl. I § 43 c.
historischen als die Lehrbücher der heiligen Schrift
Der Kanon des Alten und Neuen Testaments wird gemeinhin in drei Teile untergliedert: Als historische Bücher werden im Alten Testament die fünf Bücher Mose (Tora) sowie die Bücher von Josua bis Ester und im Neuen Testament die Evangelien und die Apostelgeschichte bezeichnet, als Lehrbücher werden im Alten Testament die Bücher von Hiob bis zum Hohelied Salomos und im Neuen Testament sämtliche Briefe angesprochen, und als prophetische Bücher gelten im Alten Testament die Bücher von Jesaja bis Maleachi und im Neuen Testament die Offenbarung des Johannes. Die alttestamentlichen Apokryphen (vgl. I § 163) lassen sich diesen drei Teilen zuordnen. Die fünf Bücher Mose können jedoch auch gesondert als Gesetzesbücher zusammengefasst werden, für die alttestamentlichen Lehrbücher findet sich auch die Bezeichnung poetische Bücher.
analytischen Predigten
Vgl. III § 54.
Collegia biblica, welche die Spenersche Schule stiftete
Der lutherische Theologe Philipp Jakob Spener (1635–1705) erwarb nach dem Studium in Straßburg 1653 den Magistergrad und wurde nach Stellungen am Straßburger Münster, in Frankfurt am Main und in Dresden 1691 Propst und Konsistorialrat an St. Nikolai zu Berlin. Kurz darauf wirkte er an der Gründung der Universität Halle mit. Durch sein Hauptwerk Pia desideria (1675) gilt Spener als Gründungsfigur des lutherischen Pietismus (vgl. II § 98), zu seinen wichtigsten Schülern und Mitstreitern zählt August Hermann Niemeyers Urgroßvater August Hermann Francke (1663–1727). Zu den Besonderheiten der von Spener initiierten Frömmigkeitspraxis zählen die als collegia pietatis bezeichneten Konventikel oder Hauskreise, die als Erbauungsversammlung neben dem Gottesdienst erstmals 1670 abgehalten wurden und sich, wenn auch nicht unter diesem Namen, auch in dem in den Pia desideria grundgelegten Kirchenreformprogramm wiederfinden. Im Mittelpunkt stand in gut reformatorischer Tradition die vertiefte Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift. Daneben sollte auf akademischer Ebene in sog. collegia biblica die urtextliche Exegese gefördert werden. In diesen Zusammenhang gehören das 1686 von Francke und Paul Anton (1661–1730) in Leipzig gegründete collegium philobiblicum sowie die exegetisch-erbaulichen Kollegs eines Johann Kaspar Schade (1666–1698). Nach der ersten persönlichen Begegnung mit Spener und seinem Erweckungserlebnis hielt Francke ab 1689 in Leipzig mit großem Erfolg collegia biblica in deutscher Sprache ab, an denen auch Laien teilnahmen. Diese Kollegien sorgten jedoch bald für Unwillen und wurden bereits kurz darauf wieder verboten.
historische z. B. eher als Lehrbücher
Vgl. II § 63.
κ.
Phil 2,12 liest καὶ (vgl. II § 152).
Johannis eigner Erklärung Kap. 5, 18
Gemeint ist wohl Joh 5,19.
Gal. 4, 13
Gemeint ist Gal 4,3 (vgl. die erste Auflage der Anweisung).
στοιχ.
D.i. erneut στοιχεῖα.
σωζ.
Wie kurz zuvor ist der Akkusativ σωζομένους zu lesen.
ἀπολλ.
Wie kurz zuvor ist der Akkusativ ἀπολλυμένους zu lesen.
Ebr. 6, 6
Gemeint ist Hebr 6,5 (vgl. die erste Auflage der Anweisung).
καλ.
Mit Hebr 6,5 (s.o.) und hier im Dativ ist καλῷ zu lesen.
τ.
Röm 6,6 liest τῆς.
Philosophischen Vorlesungen über das sogenannte neue Testament - - von K. K. S. Leipzig 1785 f.
Die Philosophische[n] Vorlesungen sind in insgesamt sechs Bänden (1785–1789) erschienen, zugeschrieben wird dieses Werk dem reformierten Theologen Johann Konrad Pfenninger (1747–1792), einem Vertrauten Johann Caspar Lavaters (1741–1801).
weil der leichteste Sinn, der sich gleich bei dem Lesen darstellt, sicherlich der beste sey
Vgl. II § 21; II § 143.
Abhandlungen über wichtige Gegenstände der Religion, von Joh. Friedr. Jacobi, Zelle 1772 in Octav, dritte Abhandlung
Die Abhandlungen bestehen aus insgesamt vier Teilen (1773–1778). Wie in der ersten Auflage der Anweisung korrekt bibliographiert, stammt der erste Teil aus dem Jahr 1773, eine zweite Auflage ist 1776 erschienen.
hebräisch-griechisch
Vgl. I § 162.
alexandrinische
Vgl. I § 163.
alle unzeitig angebrachte Gelehrsamkeit […] alles Hinschielen auf theologische Theorie, auf geheimnißvolle Mystik, auf philosophische Hypothesen
Die besonders auf Jean-Alphonse Turretini (1671–1737) zurückgehende, mit den Begriffen leerer Kopf, tabula rasa und vacuum pectus zum Ausdruck gebrachte methodische Forderung einer von theologischen und philosophischen Vorannahmen befreiten Bibellektüre, die die neutestamentliche Überlieferung einzig vor dem Hintergrund ihrer Entstehungszeit verstanden wissen will, ist in der nachfolgenden Generation von Johann Jakob Wettstein aufgegriffen worden. Großen Anteil an der Durchsetzung dieser hermeneutischen Grundannahme hatten als Wettstein-Herausgeber (vgl. II § 35 c) Johann Salomo Semler sowie Wilhelm Abraham Teller mit seinem Joh. Alph. Turretini de Sacrae Scripturae interpretatione tractatus bipartitus (1776), einer Neuausgabe von Turretinis Methodenbuch aus dem Jahr 1728.
was das Herz wünscht, glaubt der Verstand leicht auch gefunden zu haben
Georg Friedrich Meier (1718–1777), einer der akademischen Lehrer Nösselts in Halle, formuliert in den Beyträge[n] zu der Lehre von den Vorurtheilen des menschlichen Geschlechts (1766), 54: „Was das Herz wünscht, glaubt der Verstand, aber aus Uebereilung“ (vgl. ders., Philosophische Sittenlehre IV [1758], 382). In der antiken Literatur findet sich mit quae volumus et credimus libenter (Caes. civ. II 27,2) eine vergleichbare Formel.
Nösselt sich selbst in einem eignen Programm bestimmt gegen sie erklärt hatte
Gemeint sind die in Nösselts Exercitationes ad Sacrarum Scripturarum interpretationem (1803), 275–320 (X.) abgedruckten Animadversiones in sensum Librorum Sacrorum moralem.
Plutarch de audiendis poetis
Dem griechischen Titel nach handelt es sich bei De audiendis poetis um eine Anweisung, wie ein junger Mensch Dichtung lesen soll. Dichtung ist für Plutarch unvollkommene Philosophie, die zwar leicht zu lesen, jedoch mit Fabelhaftem vermischt sei. Bei richtiger Herangehensweise könne man jedoch trotzdem einen philosophischen Gewinn aus den Dichtern ziehen (vgl. Plut. mor. 2,15F). Konkret geht es v.a. um das Problem, dass die göttlichen oder menschlichen Akteure oftmals nicht als moralische Vorbilder dargestellt würden, ihre Handlungen mithin zur Nachahmung ungeeignet seien. Mittels moralischer Allegorese könne das Anstößige jedoch zum Ausgleich gebracht werden.
Was man neuerlich auch von einer hievon noch verschiedenen religiösen Auslegung geäußert hat […] so verstehe ein religiöses Gemüth einen religiösen Autor am besten
Die für die Schriftauslegung geforderte Geistesverwandtschaft (Kongenialität) mit den biblischen Autoren wurde gegen den aufkommenden Primat der historisch-grammatischen Auslegung in Anschlag gebracht und erinnert an die theologia regenitorum früherer Jahrzehnte. Auch die Hermeneutik Schleiermachers rechnet mit der Kongenialität des Auslegers (divinatorische Methode).
a:
292
c:
überflüssig
c:
sei
c:
Fleiße
c:
bei
c:
eigenen
a:
einzeln
ac:
heiligen
c:
bei einem
c:
Texte beifällt
c:
sei
c:
Texte
c:
eigenen Fleißes
c:
Anderer
c:
eigenen
c:
gleichgültig sind, sich
c:
ø
c:
gefallen lassen
c:
eigenem Fleiße
c:
entgegenzusetzen
a:
293
c:
wird,
c:
achtungswerth
c:
häufiger als irgend ein anderes
c:
ist,
c:
anderes
c:
indem es
c:
der
c:
zuerst
c:
waren –
c:
bei allem
c:
tragen –
c:
ø
a:
ausgedrückt
a:
Fürsehung
c:
bedient
c:
reinen
c:
kann
c:
besondere
c:
bei
c:
läugnen
c:
zuverlässigste
c:
sei
c:
sei
c:
Manne
c:
Alles
c:
Christenthums
a:
anders
c:
selbst besitzen
a:
andern
a:
294
c:
kann
a:
hat:
c:
bei
c:
hat;
a:
Untersuchungen, ein Ausspender derselben, auf dessen
a:
andre
c:
Andere
ac:
verlassen
a:
295
a:
verlassen
c:
Andere verlassen
c:
diese
c:
haben; aber
a:
alsdenn
c:
Fähigkeit, Beides
c:
dabei
a:
jenem
c:
kann
c:
kann
c:
echtesten
c:
Und
c:
kann
c:
eigene
c:
kann
c:
bei
c:
Andere
a:
haben,
a:
Arten,
c:
nicht,
c:
kann
c:
Unparteilichkeit dabei
c:
kann
c:
bei
c:
anwendet
a:
zu
a:
zu
c:
kann
c:
Punkte
c:
angehen
ac:
Anm.
c:
untrüglich
ac:
Anm.
c:
Andere
c:
freilich wahr; aber
c:
anderes
c:
gehen
c:
eigene
c:
können.
c:
5.)
c:
dazu
c:
gebrauchen
c:
Gott;
c:
ist.
c:
22.)
a:
296
c:
eigene
c:
vornehmlich
c:
beiläufig
c:
Geschichtskunde
c:
kann:
c:
bei
a:
einzlen
ac:
lassen
c:
zur
c:
kann
c:
Echtheit
c:
Bibel
c:
eigener
a:
297
a:
grossen
a:
einzlen
c:
in gleichem
c:
bei
c:
bei
a:
einzle
a:
296 )
c:
erwägt
a:
grossen
c:
kann
a:
298
ac:
lassen
c:
freilich
c:
läugnen
a:
übrige
c:
unsere
a:
einzler
c:
einerlei
a:
Canal
a:
gekommen; und
c:
bei
c:
Authentischen
c:
kann
a:
einzele
c:
kann
a:
umzustossen
a:
müßte
c:
Wirksamste
c:
verdächtig machte
a:
Bibel
c:
machen. Der
c:
Bibel,
a:
299
c:
ältesten
c:
andere
c:
andere
a:
Fürsehung
c:
Vorsehung,
c:
Kultur
c:
Mag's
c:
Lehren
c:
sichere
c:
bei
c:
andere
c:
aufgeklärten
a:
300
c:
bei
a:
Vortrag
c:
bei
c:
bei
a:
1.
c:
dieß
c:
dieß
c:
zuverlässig
a:
und
a:
ihren
c:
besitzen, echt
c:
derselben
c:
Theilen
a:
301
c:
bei
c:
bei weitem
c:
Beispiele. Sie
c:
sofern
c:
Andern
c:
möglichen
c:
Thaten. Dadurch
c:
Grübelei
c:
Empfindelei
c:
Schwärmerei ab. Darum
c:
Beispiele
c:
fröhliche
c:
dieß
c:
Ihre vortreffliche
c:
studirt
a:
302
c:
vorgetragene
c:
bei
c:
soll,
a:
heilige
a:
grosser
c:
kann
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
Man vergl.
Abkürzungsauflösung von "vergl.": vergleiche
Ioh.
c:
Vier
c:
Iesu
c:
Ienae 1789.
c:
folgg[.]; desgleichen die
Hessischen Schriften über die biblische Geschichte.
a:
ø
a:
303
c:
willen
a:
293
c:
6.
c:
eigenem Fleiß studiren
c:
andere
c:
Ansehen
c:
Bibel;
c:
freilich
c:
dabei
c:
eigenen
c:
zuvorzukommen
c:
eigenem
a:
304
c:
anwenden,
a:
grosse
c:
bei
c:
kräftigste;
c:
enthält,
c:
hat's
c:
andere
a:
öftre, mannichfaltigere
a:
grossen
c:
Rath für ihre Bedürfnisse,
c:
ihre innersten
c:
ø
c:
schöpfen
ac:
Veranlassung
c:
können:
c:
besseres,
c:
Lehrer nur auf diese Art
c:
selbst
c:
Jedes
c:
Jedem
c:
Besondere
a:
305
c:
bei
a:
grosse
a:
angemeßnere
c:
angemeßnere Sprache mehr,
c:
Bibel;
c:
bei? Freilich
c:
muß
c:
studiren
c:
zweideutig
c:
erklären:
c:
kann
a:
alsdenn
c:
beibehalten
c:
theils
c:
theils
c:
auch
c:
ø
c:
wieder
c:
bei
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
c:
eigenen Fleißes bei
c:
desselben,
a:
vermehrten
a:
306
ac:
fleißigen
a:
das
c:
Fleißes
c:
Fortgang
c:
einreißende
c:
Gemeinden
a:
Lieblingsideen
a:
Erklärung
c:
Ansehn
a:
Testaments
c:
unläugbar
c:
Letztern
c:
älterer
c:
Catenen, wie man diese Sammlungen von Excerpten aus mehrern frühern Exegeten nannte,
a:
beßre
c:
sobald
a:
Andern
c:
Andere
c:
verloren
c:
Ansehen
c:
befestigen
c:
verloren
a:
Partheyen
c:
Parteien
c:
bei
c:
Wiederbildung
a:
Bibel
a:
forschen
c:
als
c:
Nachforschen
c:
der wieder zunehmenden dogmatischen Grübelei weichen mußte. Es gewann aber wieder Boden,
c:
treffliche
a:
Bibelerklärung
c:
hallischen Theologen
c:
Wort und Beispiel
c:
daneben
c:
des Morgenlandes
c:
hineingetragenen
c:
bei
c:
Extreme
c:
frei
c:
und deren vernünftigere
c:
fruchtbarere
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
c:
unserer
a:
Fürsehung
c:
läugnen
c:
die hier und da nicht zu läugnende
c:
Religion
c:
Christenthums, gewöhnlich, wo nicht
c:
doch
c:
einer gründlichen Auslegung derselben
c:
eben
c:
ø
c:
dazu nothwendiger
a:
Kenntnisse
c:
aus
a:
Unfähigkeit
c:
den alterthümlichen Geist derselben
c:
fremde
c:
umschmelzen. Eben
c:
unläugbaren
c:
sind dagegen
c:
ø
a:
Fürsehung
a:
307
c:
empfohlene
c:
eigene
c:
welche erfordert werden, um
c:
gebrauchen
c:
mit je
c:
dabei
c:
Bei
c:
vielerlei
a:
vieles
c:
Manches sogar
a:
sind
c:
dieß
a:
alsdenn
a:
vieles
a:
von
c:
gesammelt
c:
bei
c:
ist: – da
c:
Anderer
c:
bei
c:
bei
c:
Alles
c:
sei
c:
subsidiarische
c:
bei
a:
308
c:
Bei
c:
besondere
c:
gelesen
c:
Geschichten
c:
unsere
c:
Deutlichkeit
c:
verstehen
c:
Echtheit
c:
man
a:
einzeln
c:
treffe,
a:
stosse
c:
unserer
a:
aufstiessen,
c:
aufstießen:
c:
sei
c:
ausgezogen
c:
außer
c:
vortrefflichen
c:
eigenen
ac:
überlassen
a:
309
c:
bei
a:
Partheyen
c:
Parteien
a:
anzustossen
c:
gefaßt;
c:
ist er
a:
glauben
c:
können;
c:
diese
c:
er
c:
Ekel
c:
Andere
a:
Sprachen
c:
Fähigkeit,
c:
denken,
c:
bestehe
c:
sei
c:
es
c:
mancherlei Schwierigkeiten
c:
eigenen
a:
310
c:
Beiden
ac:
andern
a:
grossen
c:
für das
c:
dabei
a:
sie
c:
kann
c:
sei
c:
bei
c:
jeder
c:
zweierlei
c:
sei
c:
sei
a:
Inbegrif
c:
welche
c:
Echtheit
a:
Inbegrif
c:
angehen
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
Bei beiden
c:
ihrer
c:
den Mitteln,
a:
sie
c:
bei
c:
dann
c:
weitern
a:
311
c:
die
a:
je her
c:
alle
c:
wohl gar
c:
biblische
c:
gekommenen geschriebenen
a:
Textes
a:
ø
c:
unschädliche
c:
sogar
a:
heil.
c:
werden
c:
bei
c:
bei
c:
bei
c:
echt sei
a:
ø
c:
74. );
c:
selbst
a:
liesse
a:
312
c:
gerechtfertigt werden. Es
a:
je her
c:
Echtheit
c:
verschiedenen
c:
Nachlässigkeit
c:
willkürliche
c:
kann
c:
geführt, willkürliche
c:
können
c:
Unechtes
ac:
lassen
c:
Echtes
a:
bleibet
c:
Mittel,
c:
beiden
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
c:
der Willkür
c:
dem
c:
hierbei
c:
willkürlich
c:
sei
a:
313
c:
erlittenen
ac:
kann
c:
befreiet
c:
vor
c:
Ansehen
c:
Falle
c:
bei
c:
vor
c:
Verdacht. Er
ac:
überlassen
a:
314
c:
treffliche
c:
kann
a:
blosse
c:
aber
c:
beiden
c:
sei
c:
Echtheit
c:
sei untergeschoben,
c:
wird:
c:
bei
c:
bei
c:
sichere
c:
abläugnet
ac:
lassen
c:
oder
a:
bey
a:
vernachläßigt
c:
Anderer
a:
beßren
c:
unserer
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
c:
Testaments (1519.)
c:
verschiedenen
c:
Apologieen
c:
Clerc's
c:
Freiheit
c:
1745.
a:
f
c:
zweiten
a:
315
a:
niederschlagen
c:
äußerst
a:
wenige
c:
beiden
c:
hierbei
c:
vermeiden. Der
c:
dabei
c:
Alles
c:
das –
c:
ungegründete –
c:
oder auch nur durch das Alterthum Geheiligten
c:
einzureißen
c:
ø
a:
316
c:
Doch selbst der, welcher hierbei
c:
größten
c:
verfährt,
c:
ø
c:
bei
a:
selbst,
c:
ø
c:
in den Weg legen
c:
bedarf
c:
sicherer
c:
ø
c:
zu verfahren hat; –
c:
aber
c:
sichere Kenntnisse,
c:
sowohl
c:
ø
c:
unentbehrlich sind
c:
Beides
c:
sicherer
c:
in den meisten Fällen
a:
317
a:
einigermassen
c:
wenig
c:
Von
c:
Theile
a:
einzeln
c:
beiden
c:
dabei
a:
litterarischen
c:
gewinnen;
c:
müßten
c:
hierbei vorkommenden
a:
beantworten!
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
c:
der
c:
bei
c:
Beispielen dienen;
c:
ungefähr
a:
zwanzig
c:
letzten dreißig
a:
einigermassen
c:
kann einigermaaßen
c:
Fleiß
ac:
lasse
c:
sei
c:
verborgenen
c:
unberufene
c:
andere
ac:
Kohlen
c:
⌇⌇c{Was würde der selige Verfasser erst gesagt haben, wenn er erlebt hätte, wie wenig zuletzt diese sogenannte höhere Kritik noch als echt an den biblischen, besonders den Schriften des neuen Testaments, möchte gelten lassen! A. d. H.
Abkürzungsauflösung von "A. d. H.": Anmerkung des Herausgebers
}
a:
318
a:
grossentheils
c:
Kenntnissen,
c:
denen man eine absolute Allgemeinheit
c:
Sicherheit zuschreiben könnte
a:
gewissermassen
c:
sind, 1)
c:
zerstören: 2)
c:
Ansehen
c:
kann. 3)
c:
solcher
c:
Einem
c:
werden; 4)
c:
dabei
a:
ø
c:
5)
c:
1)
c:
beste; –
c:
2)
c:
Alles
c:
echter
c:
3)
c:
sah
c:
verschiedene
c:
kann
c:
äußerlichen
c:
bei
a:
Kirchvätern
a:
schliessen
a:
diese
c:
4) Wenn
c:
werden –
c:
bei
c:
5)
c:
bei dem
c:
„Unter
c:
kann.“
c:
kann
a:
haben;
c:
kann
ac:
solcher
a:
ø
a:
319
c:
Echte
c:
Unechten
c:
will;
ac:
Fleißiges
a:
viel
c:
insbesondere
c:
beisammen
c:
hierbei
c:
abgezogener
c:
mit benutzt
c:
Alles
a:
blossem
c:
bloßer Willkür
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
c:
Valkenaer
a:
libri
c:
Tib.
c:
Recht
c:
sei
a:
Sinn,
c:
οὐρανοῖς
c:
ανοις
c:
οὐνοις
c:
Apokalyps.
c:
dieß
a:
320
a:
grossen
ac:
einzulassen
c:
kann
a:
habe
c:
kann
c:
ihn
c:
sei
c:
kann
c:
Authentie
c:
Punkte
a:
311
c:
24.
a:
Bibel,
c:
Beispiel
c:
kann
c:
bei
a:
überzeugend
c:
angenommenen Echtheit
c:
echt
c:
kann
a:
grosses
c:
bei eigenem
c:
verlassen
a:
verlassen können; nur
c:
kann
ac:
lassen
c:
kann
c:
kann
c:
unsere
a:
321
c:
bei
a:
erheblichsten
c:
beigefügt
a:
Testament
c:
vortreffliches
c:
und Knappischen
c:
so wie die
Döderlein -Meisnersche Besorgung der Ausgabe von Reineccius dieß für das alte Testament leistet;
c:
kann
c:
bei
a:
einlassen
a:
Testament
a:
3ten
a:
Anweisung zur Kenntniß der besten allgemeinen Bücher in der Theologie
a:
erwehnten
a:
erwehnt
c:
ø
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
{Von den Untersuchungen über die Echtheit oder Unechtheit der biblischen Bücher, findet man in den Einleitungen die beste Auskunft. Unter denen über das alte Testament, zeichnet sich die
Eichhornsche und die kürzere Bauersche , über das neue Testament die
Michaelisische mit Marsh Zusätzen, die
Hänleinsche , daß gleiche die
Eichhornsche , und vorzüglich auch die
Hugsche aus. Ueber die sämmtlichen biblischen Schriften verbreiten sich die
Einleitungen von Berthold und de Wette .}
a:
322
c:
Findet
c:
bei
c:
eigenen
c:
kritischen
c:
fühlt man
c:
kann
c:
man bei
c:
eigenen
c:
fühlt
c:
sein
c:
man dabei verfährt
c:
übereintrifft; – hat
c:
Gelegenheit
c:
Hülfsmittel
a:
321.
a:
etc.
a:
Wettsteinischen
a:
letztern
a:
Test.
Abkürzungsauflösung von "Test.": Testament
c:
Sammlungen
c:
gebrauchen
c:
wird
c:
zum
c:
gehörigen
c:
mag
c:
diesem Studium auch recht eigentlich hingeben und auf der Bahn der glücklichsten Vorgänger fortschreiten.
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
1.
c:
ø
c:
Auge
c:
griechischen
c:
lateinischen Schriftsteller
c:
zuverlässiger
a:
Beruf auch
c:
sich's
c:
bei
a:
jenem
c:
andere
c:
Profanskribenten
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
2. Für allgemeine Kritik, ohne besondere Rücksicht auf die biblische, bleibt
Clerici ars critica ein schätzbares Werk. Die biblische (critica sacra) ist theoretisch von
Bauer ,
Wettstein ,
Griesbach ,
Semler behandelt. Die Hauptsammlungen der Lesearten aus den Handschriften und Uebersetzungen sind bei dem alten Testament von Kennicot und de Rossi , bei dem neuen Testament von Mill ,
Bengel ,Wettstein ,Griesbach ,
Matthäi veranstaltet worden. A. d. H.
Abkürzungsauflösung von "A. d. H.": Anmerkung des Herausgebers
a:
323
c:
Kritik
c:
freilich
a:
Inbegrif
c:
erlangen.
a:
310 ).
c:
23. )
c:
dieß
c:
bei
c:
Büchern –,
ac:
fleißige
a:
324
c:
sei
a:
ø
c:
Sprachen, dieß
c:
worden.
a:
ø
c:
fgg.
Abkürzungsauflösung von "fgg.": folgende
)
c:
besitzt
a:
heil.
c:
ø
c:
werden. Er
c:
vielmehr Alles
a:
blosses
c:
Glauben
c:
sei
c:
Fleiße
c:
hat
c:
lassen
a:
Kenntnissen
c:
bei
c:
kann
c:
sei
a:
ø
a:
77 –81
c:
77. –81.
c:
Uebrige
c:
Hermeneutik
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
Die Hauptschriften
c:
Sprachgebrauchs, hat der Verfasser in seiner
c:
Theologie,
c:
angeführt. Für den angehenden Ausleger reichen die besten Wörterbücher, wie das
hebräische von Gesenius, das
griechische von Schleußner, nebst den besten homiletischen Commentaren über die einzelnen Schriften, völlig aus.
a:
325
c:
seine
c:
kann bei
c:
den
c:
damaliger Leser
a:
daß
c:
ø
c:
aus späteren
c:
Ländern
c:
kann
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
c:
außer
a:
ausserdem
c:
nämlich,
c:
Echtheit
a:
die
c:
{
Hug hat sie in der Einleitung in das Neue Test.
Abkürzungsauflösung von "Test.": Testament
trefflich benutzt.}
a:
326
a:
betrift
c:
muß
c:
entstandene
a:
wohin
c:
in welche
c:
ø
c:
pflegen
c:
muß
a:
Naturreichen
c:
Länder
c:
umfassen
c:
wird
c:
gehen
c:
besondere
a:
grossen
a:
grosse
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
Die allgemeinen Hauptwerke sind im ersten Theil §. 140. bereits genannt. Ueber biblische Geographie sind die Hauptschriftsteller
Bochart ,
Bachiene ,
Ysbrand von Hamelsfeld , und neuerlich
E. K. Rosenmüller's altes und neues Morgenland, Leipzig 1818.,
bis jetzt 1ster und 2ter Band. Die nähere Anzeige findet man in des
Verfassers Anweisung zur theologischen Bücherkenntniß, und in der
Niemeyer -Wagnitzischen Bibliothek für Prediger. 2te Ausgabe. 1ster und 4ter Theil.
A. d. H.
Abkürzungsauflösung von "A. d. H.": Anmerkung des Herausgebers
a:
327
c:
Nicht minder wichtig ist
c:
Kenntniß alles dessen, was
c:
Alterthümer
c:
Alles
c:
kann
c:
verschiedenen
c:
Religions-,
c:
bei
c:
eingeführten
c:
erwähnte
c:
Willkür
a:
blossen
c:
wirklich
c:
Michaelis,Gatterer,
Heeren , bei
c:
bei
a:
Fürsehung
c:
unserer
c:
hinaus denken kann
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
Die biblischen
Alterthümer (Anthologie) haben in neuern Zeiten besonders
Warnekroß ,
Jahn ,
Bauer ,
de Wette am glücklichsten bearbeitet. S.
Abkürzungsauflösung von "S.": Siehe
die
Nößeltsche Bücherkenntniß und die
Bibliothek für Prediger, 1ster |c47| und 4ter Theil. Eine allgemeine Uebersicht der Realkenntnisse giebt
Hezel's biblisches Reallexicon;
Leun's biblische Encyklopädie. A. d. H.
Abkürzungsauflösung von "A. d. H.": Anmerkung des Herausgebers
a:
328
a:
Eigne
c:
heiligen
a:
erwehnt
c:
ihren
c:
ihren
a:
Einfluß; danach
a:
richtigen
c:
beiden
a:
versetzen,
c:
Gesichtspunkt
c:
seinen
c:
nach seinem
c:
kann
a:
ø
a:
329
a:
ø
c:
sich
c:
Spöttereien
ac:
lassen
c:
aufhören,
a:
übeln
c:
wollen:
c:
unserer
c:
bei
c:
Buche
c:
bestimmen,
a:
haben, denn
c:
kann
c:
bestehen
c:
Andere
c:
unserer
a:
Schriftsteller
ac:
Stellen
c:
fgg.
Abkürzungsauflösung von "fgg.": folgende
c:
f.,
a:
27
c:
37–40.
c:
Anderer
a:
330
c:
Alles
c:
Kann
a:
alsdenn
c:
werden
c:
doch Viele
c:
Theil
c:
Andere
a:
alles
c:
Weißagungen
ac:
Geschlechtsregister
c:
seyn? Können
c:
alle
c:
oder vielmehr nur
a:
Gelehrteren intereßiren
a:
alles
c:
mußte,
c:
den
c:
so
c:
irrigen
c:
derselben
c:
Buche
c:
aus der
c:
wurde. Auf
c:
authentisch
a:
sey,
c:
sei;
c:
Andere. Sie mußte
c:
ø
c:
ø
c:
unserer
a:
331
c:
kann
a:
und
c:
besondere
a:
kan
c:
unserer
a:
ohne daß deswegen
a:
ø
c:
unsere
a:
verdienten
c:
Beitrag
c:
besondere
c:
biblischen
c:
enthaltenen
a:
bekümmern,
c:
desto
c:
ihrer Echtheit
a:
alsdenn
c:
Geschlechts
c:
öffnet
c:
Unvollkommene
a:
kehren
a:
ø
c:
bei
c:
Eigenen
c:
Beispielen
c:
allen
c:
Völker
c:
Lehren
c:
bei
c:
besonderen
c:
kann
c:
sei
c:
Alles
c:
Herablassung
a:
blosser Herablassung
ac:
lassen
c:
Echte
c:
Unechte
a:
alsdenn
c:
{nothwendig
c:
werden.}
a:
332
a:
blossem
c:
bei
c:
sei
c:
kann
c:
hineinzudenken
a:
328 erwehnten
c:
Fleiße
c:
Meinungen
c:
liegenden
c:
Gesichtspunkt
c:
Alles
c:
wollen,
c:
ø
c:
können,
c:
beurtheilen,
a:
haben
c:
ø
a:
333
c:
wird
c:
Beides
a:
erwehnten
c:
Jedes
c:
Echtheit
c:
Beides
ac:
Charakter
c:
handelten
a:
Alsdenn
c:
konnten; alsdann
c:
Einem
c:
Zufällige
c:
bei
c:
Bibel
c:
bei
c:
Beispielen
c:
für
c:
Lehrreichen
c:
gebrauchen
a:
334
c:
verschiedenen
a:
erwehnten
c:
Veränderungen,
c:
Andern,
c:
letzteren
c:
insofern
a:
grosser
c:
Weißagungen
c:
freilich
c:
ist;
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
{Die Hauptwerke sind
Shuckford ,
Prideaux und
Heß Geschichte der Israeliten bis auf die Zeit Christi . Man sehe d.
Abkürzungsauflösung von "d.": die
Bücherkenntniß, und der
Predigerbibliothek 1sten und 4ten Theil.[}]
a:
335
c:
bei
c:
verhüten
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
c:
kann
c:
angegebenen
c:
bei
c:
Weißagungen
c:
einsah
c:
bei
a:
einzeln
c:
Weißagungen bestehen
c:
unläugbar
c:
verschiedenen
c:
Testaments u. a.,
c:
Manches
c:
kann
c:
beiden
a:
Ebräer
c:
Opusculis,
a:
336
a:
erwehnten
c:
würde freilich
c:
eigenem
a:
vom eignen
a:
alter
c:
haben, erforderlich seyn. Da
c:
bei
c:
Ermangelung
c:
dabei
c:
Art,
c:
kann
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
c:
Schriften, alten und neuen, insonderheit den Reisen und Beobachtungen des Orients,
c:
Bücherkenntniß,
c:
66–92., und
Predigerbibliothek, 1ster und 4ter Theil.
a:
337
c:
Aber
c:
bei
a:
einzlen
c:
kann
c:
hineinzudenken
c:
zusammenzusetzen
c:
Wenige
c:
Anderer
c:
kann
c:
dieß
c:
bei
a:
338
a:
einigermassen
c:
bei
c:
wir
c:
Einleitungen
c:
besitzen. Möchten
c:
nur
c:
entsprechen!
a:
heil.
a:
erwehnten
c:
in welchem Fall
c:
ø
c:
Gelehrten,
c:
bei
a:
einzler
c:
Andere
a:
heil.
a:
immer fehlt es an einem
c:
zweckmäßig-vollständige Uebersicht, theils
c:
ø
c:
ø
c:
Zusammenhang gebrachten biblischen
c:
der
c:
heiligen
c:
vorkommen
c:
heiligen
c:
gesetzt,
a:
ø
a:
einzle
c:
49.
a:
haben, z. B.
Abkürzungsauflösung von "z. B.": zum Beispiel
in Absicht auf Kenntniß der biblischen Poesie an
Lowth Praelectt. de sacra poesi Hebr. mit Michaelis Zusätzen, und an Herders noch treflicheres, aber nicht ganz geendigtes Werk vom Geist der ebräischen Poesie, Dessau 1782 und 83.
in 2 Theilen in gr.
Abkürzungsauflösung von "gr.": groß
8.
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
c:
vier
c:
1787–1790.
c:
Man sehe auch die oben bei §. 40. angeführten Schriften.
a:
ø
a:
339
c:
Testaments
c:
historischer
c:
alten Testaments,
c:
Paradiese
c:
u. dergl.
Abkürzungsauflösung von "u. dergl.": und dergleichen
c:
Weißagungen
c:
mitgetheilt
c:
alten
c:
neuen Testaments
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
Weit mehr als in den frühern Werken, welche unter dem unbequemen Titel der Kirchengeschichte des alten Testaments erschienen, ist dieß von den neuern Bearbeitern der jüdischen Geschichte, namentlich den bei §. 47. angeführten geschehen. Auch die bessern Commentatoren der Geschichtsbücher des alten Testaments haben viele Beiträge hierzu geliefert. A. d. H.
Abkürzungsauflösung von "A. d. H.": Anmerkung des Herausgebers
a:
340
a:
erwehnten
c:
bei
c:
theils
a:
Regeln
c:
theils fast
c:
Aufklärung
c:
anzuwenden.
a:
323 ).
c:
36. )
c:
giebt
c:
Hermeneutik
a:
341
c:
eben so sehr
c:
zu niedrig
c:
hoch anzuschlagen
c:
bei
c:
heiligen
c:
eigenen
c:
kann
a:
verfährt
a:
gleich
c:
eigene
a:
sich
c:
fleißiges
ac:
Schrift
c:
abziehen
c:
sie
a:
ø
a:
mitvorausgesetzt
a:
342
c:
vorausgesetzten
c:
kann
c:
bei
c:
Wenigsten
a:
wollen; man
a:
ø
c:
trefflichste
a:
ist
c:
zureichend
c:
bei
a:
ø
c:
andere
a:
immer wieder neue
a:
ø
c:
ø
c:
müssen
a:
alsdenn
c:
Vieles
c:
bei
c:
unzuverlässig
c:
Beides
c:
sichere
a:
will
c:
bei
c:
Hermeneutik
a:
grosse
c:
kann
a:
wenn
c:
vor
c:
bei
c:
ø
c:
3) Andere
c:
die
c:
der von uns befolgten Regeln abläugnen,
c:
anderer
c:
bestrittenen
c:
abläugnen kann
a:
der
c:
insbesondere
c:
ist,
a:
wie fern
c:
ø
c:
sei
c:
darin
c:
kann
c:
ist 5)
c:
eigene
c:
Grundsätze
a:
341
c:
54.
c:
beisammen
c:
der
c:
vor Abwegen
c:
Verirrungen
c:
wobei
a:
343
c:
sei
c:
bei
c:
lehrt
c:
Erwägung
c:
allen
c:
ø
c:
Eigenes
c:
hermeneutischen
c:
bei
a:
(§. 174 Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
)
c:
Hermeneutik
a:
Grundsprachen,
c:
Eigenes
c:
Zweite
c:
größere
c:
eigenen
c:
eine besondere Behandlung heiliger aus Eingebung geflossener
ac:
legen.
a:
329 –331. )
c:
42 –44. )
a:
Anmerk.
Abkürzungsauflösung von "Anmerk.": Anmerkung
c:
Anm.
c:
allgemeinen Hermeneutik
c:
Beispiele
c:
bei
c:
sei
ac:
heiligen
a:
enthält.
a:
Daß
a:
ø
c:
Hermeneutik
ac:
lasse
c:
verschiedenen
c:
andere
c:
sei
c:
besondere Hermeneutik
c:
beide
c:
Für das alte Testament
a:
Buch,
c:
in der
neuen Bearbeitung von Glassii Philol. sacra von Bauer , eine Hermeneutica V. T., desgleichen von
Meyers eine Hermeneutik des A. T., für das N. T.
Abkürzungsauflösung von "N. T.": Neues Testament
noch |c64| immer ein vortreffliches Buch an
c:
verglichen mit
Mori acroasibus super hermeneut. N. T. nach Eichstädt's Ausgabe, und
Keil's Lehrbuch der reinen Hermeneutik des N. T.
c:
hermeneutischen
c:
oder doch
a:
schätzbare
c:
Beiträge
c:
meiner
c:
besten
a:
[(]§. 94–108.)
a:
Anmerk.
Abkürzungsauflösung von "Anmerk.": Anmerkung
c:
Anm.
a:
angegebenen
c:
andere
c:
kann
c:
lernen,
c:
hermeneutischen
c:
verehren wir
c:
als
a:
oder Eingebung
c:
geschriebene Bücher,
c:
nichts,
c:
ø
c:
hat
ac:
lassen
c:
Glaubwürdigkeit
c:
Wahrheit
c:
betrifft
c:
sichere
c:
dieses
c:
unläugbaren
c:
kann
c:
frömmere
a:
heiligen
c:
kann
c:
gewissenhafterm
c:
bei
a:
hiesse
ac:
heiligen
a:
u. d. gl.
Abkürzungsauflösung von "u. d. gl.": und dergleichen
a:
344
c:
Schrift,
c:
kommen.
c:
36.
c:
53. )
a:
323 ).
a:
vergessen,
a:
anschaulich,
c:
beigebracht
c:
kann
c:
bei
c:
Bei
ac:
fleißiges
a:
stossen
c:
bei
c:
hermeneutischen
c:
eigener
c:
kann
c:
bei
a:
zurückgelassen
c:
Anderer zurückgelassen
c:
verfehlt
a:
345
c:
gehören: 1)
ac:
heilige
c:
hat; 2)
c:
haben;
c:
3)
c:
kann
a:
342
c:
55.
a:
alsdenn
c:
Hermeneutik
c:
verbinden.
a:
344 ).
c:
57. )
a:
346
c:
Denn
a:
so
c:
Hermeneutik
c:
andere
c:
sogleich
c:
Bei
c:
kann
c:
Anderer
c:
bei
a:
verstehn
a:
kan
a:
ist
c:
sei
a:
muß
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
c:
freilich
c:
Alles
c:
kann
a:
hat,
c:
kann
c:
Andere
a:
werden
c:
Dieß
c:
bei
c:
indem sie
a:
ø
a:
durch blosses
a:
zu entdecken sind
c:
bei denen
c:
willkürliche
a:
347
c:
Gelegenheit finden, Vorlesungen
c:
Schriften
a:
ausserdem
c:
Denn außer dem,
c:
wenigstens denen
c:
ø
c:
auch
c:
kann
c:
kann
c:
bei
c:
einziehen
c:
verwirrt. Der
c:
kann
c:
besondere
c:
besitzt, kann
ac:
antrifft
a:
348
c:
Schrift,
c:
bei
c:
zeigen
a:
349
c:
muß
a:
ausgedrückt
a:
gemacht:
c:
müssen
c:
beigebracht
c:
anscheinenden
c:
andere
a:
erwehnt
c:
gehalten
c:
können
c:
Stellen,
a:
grossen
a:
grössern
c:
so wie
a:
ist; man
c:
bei
a:
bekannt; man
a:
ø
c:
kann
c:
treffliche
a:
diesem Stil
c:
beisammen
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
c:
haben sollte,
c:
110. fgg.
Abkürzungsauflösung von "fgg.": folgende
a:
erwehnten
a:
(2te
a:
1785 f.
Abkürzungsauflösung von "f.": folgend
c:
N. T.,
c:
Grotii
c:
Testam[.]
a:
ø
a:
sind
c:
dem von Koppe angefangenen, von Heinrich und Pott fortgesetzten Commentario perpetuo
c:
bei
c:
Ge[.]
a:
ø
a:
1783 f.
Abkürzungsauflösung von "f.": folgend
in 8.)
c:
ø
c:
ø
a:
ø
a:
ø
c:
Bänden,
a:
Anmerkungen,
c:
ø
a:
die Michaelische deutsche
c:
den
c:
von Michaelis .
a:
einzle
c:
kann
ac:
überlassen
c:
M. s.
Abkürzungsauflösung von "M. s.": Man siehe
auch hier die
Bibliothek für Prediger, 1ster und 4ter Th.
Abkürzungsauflösung von "Th.": Theil
a:
350
c:
Ist aber dagegen bei
c:
biblisch-exegetischen
a:
348
c:
61.
c:
Hauptabsicht
c:
hermeneutischen
c:
zeigen:
a:
müßten
c:
muß
c:
verschiedener
c:
aufhalten
a:
an
c:
bei
c:
verschiedener
c:
Will
c:
vernachlässigen
a:
geben:
c:
muß
a:
was
c:
vorgetragenen
a:
folgten
c:
fließen
a:
ø
c:
müssen
c:
können
c:
sofern
c:
haben
c:
werden
c:
muß
a:
ø
c:
Beispielen
a:
gezeigt werden
c:
anwendbar
c:
habe
c:
darthun,
c:
bei
a:
ø
c:
bei
c:
Dieß
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
Bei
c:
exegetischen
a:
nach
c:
{Gewiß aber würden solche Vorlesungen mehr als die bloße Theorie der Hermeneutik nützen, wenigstens den Namen einer praktischen Homiletik verdienen. Die
Collegia biblica, welche die Spenersche Schule stiftete und empfahl, hatten diese Bestimmung; und mag auch dabei in manchen Stücken gefehlt seyn, so bleibt die Idee doch vortrefflich. A. d. H.
Abkürzungsauflösung von "A. d. H.": Anmerkung des Herausgebers
[}]
a:
351
c:
Erläuterungsschriften, kann
a:
Verstandes
c:
bei
c:
biblischen Sprachgebrauchs
c:
historischer Kenntnisse
c:
selbst denkt
c:
bei
c:
Ausdrücke
c:
bescheidener
ac:
vornehmlich
c:
verschiedenen
c:
sicherer kann
c:
angegebenen
c:
dieß
a:
einzlen
c:
lernen,
a:
352
c:
Hören
c:
Lesen guter Ausleger
c:
Art,
c:
eigenen
c:
kann
c:
für
c:
kann
c:
Andern
c:
zum Wetteifer
c:
die Ansichten Anderer, ihre
c:
Beispiele
a:
verstehn
c:
Fehlern
c:
andere
c:
Vorfälle
c:
kann
a:
353
c:
kann
a:
einzlen
c:
eigene
c:
Lektüre
c:
dabei
c:
bei
c:
ø
c:
die Stellen
c:
bei
c:
bei
a:
einzler
ac:
Anm.
a:
gefundene
ac:
lassen
a:
einzle
ac:
Anm.
c:
Freilich
a:
einzlen
a:
alsdenn
c:
fortzugehen
c:
bei
c:
um
a:
einzle
c:
sicher
c:
verstehen
c:
geschriebene
c:
erstere
a:
354
a:
man,
c:
Buchs
a:
einzle
c:
Stellen,
a:
denn
c:
dieß
a:
einzlen
c:
kann
a:
oder –
c:
andere
a:
hat.
c:
eigenen
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
Beispiele
a:
ø
c:
12.
a:
Fall sind:
a:
Phil. 2, 12.
a:
V.
Abkürzungsauflösung von "V.": Vers
3. 4. und 14; desgleichen die Redensart Luc. 21, 19. die gewiß nichts anders heißt, als: rettet oder erhaltet euch durch Standhaftigkeit, vergl.
Abkürzungsauflösung von "vergl.": vergleiche, verglichen
mit V.
Abkürzungsauflösung von "V.": Vers
19. und dem vorhergehenden Zusammenhang, auch Matth. 10, 22. und, der Sprache nach, mit Matth. 10, 39. und 1 Thess. 4, 4.
c:
V.
Abkürzungsauflösung von "V.": Vers
3, 4, 13, 14.;
c:
zweiten
a:
ø
a:
läßt
c:
läßt;
c:
Bedrückungen
a:
ø
a:
12.
c:
12.,
c:
17.
c:
18.;
c:
οῦ
c:
vor
a:
355
c:
verhüten,
c:
kann
a:
Deutlichers
c:
Deutlicheres
c:
sei
c:
Kann
c:
kann
c:
kann
a:
seyn
c:
kann
c:
nicht
c:
ø
a:
gehört,
c:
bei
c:
dabei
c:
kann
c:
kann
c:
anderer
c:
hierher
c:
annehme;
c:
kann
a:
ausdrücken
c:
1)
c:
ist; 2) nicht
a:
unschickliche
a:
†††) [.]
c:
können. 3)
a:
Anm.
c:
Anm. 1.
a:
3.
c:
κόσμου
a:
leer
a:
3.
c:
indem
c:
κόσμος sei
a:
Kol.
c:
heißen
a:
σωζεσθαι
c:
einerlei
a:
wird,
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
2.
a:
5.
c:
es,
a:
ῥῆματι
ac:
δωρεᾶ
c:
einerlei
c:
insofern
c:
jüdischem
c:
ist
c:
bei
c:
ø
c:
heißen kann
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
3.
a:
alsdenn
c:
verstehen
c:
⌇⌇c{Ich lasse die Beispiele des Verfassers unverändert, wiewohl mich die Erklärung nicht überall überzeugt hat.}
a:
356
c:
Hierdurch kann
c:
nicht sorgfältig genug zu vermeidenden
c:
vor welchen besonders
a:
anfangs
c:
sich
c:
könne. *)
c:
dabei
a:
blosse
c:
für
c:
sei
c:
kann
c:
zweideutig
c:
Manches
a:
blossen
a:
ausdrücken
c:
freilich
c:
freie
c:
kann
c:
werden),
a:
ø
c:
ja
c:
Sprachweise
c:
sich
c:
mehr
c:
gehendes
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
c:
philosophischen
a:
Philosophische
c:
Testament,
c:
S.,
c:
f.,
a:
bisher 3 Bände in groß Octav
c:
{Natürlich ist von einer gelehrten Erklärung der heiligen Schrift, nicht von einer populären die Rede. Denn sehr vieles kann allerdings der bloße gesunde Menschenverstand fassen; ja er hat gewiß den Sinn der biblischen Schriftsteller oft besser gefaßt, als Manche, die ihn vor lauter Gelehrsamkeit nicht finden konnten, und lieber das Unnatürlichste wählten, um ihre Sprachkenntniß geltend zu machen.}
a:
357
c:
zweitens
c:
bei
c:
sei. *)
a:
ø
c:
sei
c:
machen). Man
a:
also
c:
sei:
a:
ø
c:
dennoch
c:
kann
a:
ø
c:
läugnen
a:
ausdrücken
c:
gefundenen
c:
sei
a:
ø
c:
kann
c:
unserer
c:
andere
c:
erwerbender
ac:
gekünstelt,
c:
Eigenen
c:
desto
c:
Anm.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung
*) M. s.
Abkürzungsauflösung von "M. s.": Man siehe
in den
a:
1773,
c:
1772. die dritte
a:
358
c:
außer
a:
323
c:
36.
c:
kann
c:
freilich
c:
vernachlässige.
a:
354 –57 ).
c:
67 –70. )
c:
Beispiele
a:
ø
c:
77. –80.
c:
Hermeneutik
c:
ein Mehreres darüber
a:
359
a:
ø
a:
ø
a:
selbst
a:
ebräisch-griechisch
c:
geworden
c:
Alexandrinische
c:
Eigene
c:
Testamente
a:
ø
c:
162. –64.
a:
360
c:
um
c:
der einen Seite
c:
vor
c:
und doch
c:
unbefangenen
c:
bei
c:
mehr,
a:
die
a:
die nothwendige
a:
heischt
c:
Dialektik,
c:
darin
c:
Alles
a:
Erzählung
c:
übriggebliebenen
c:
Antiken
c:
Antiken
a:
Denkmahle
c:
unverdorbenen
c:
sei
a:
361
c:
Gefundene
c:
eigenen
c:
58.
a:
ø
c:
geben,
a:
überlassen
c:
Hermeneutik überlassen
c:
müssen
ac:
lassen
c:
hierbei
c:
besondere
a:
Grundsätzen
c:
diesen Gegenstand
a:
362
c:
also
c:
rechter
c:
der heil.
Abkürzungsauflösung von "heil.": heilig
Schrift
c:
65.
a:
352 erwehnte
c:
hierbei bloß
a:
blossen
c:
frommen Sinn, seine Willkür
ac:
lassen
c:
wirklich
c:
besonderen
c:
wünschte; –
c:
haben; –
c:
bei
c:
Begierde
ac:
lassen
c:
bei stets angewendetem
a:
auftossen lassen
c:
wahrnehmen lassen
a:
dermalen
c:
gebraucht
c:
kann
c:
bei
c:
gerade
c:
nöthig hat
a:
363
c:
bei
c:
bei
c:
müßte
a:
grossen
c:
Bedürfniß
a:
werden,
a:
stuffenweise
a:
Gottes,
c:
Gottes, um danach
c:
Vorsicht und Weisheit zu
c:
Andere
c:
bei
c:
kann
c:
ø
c:
jeden
c:
besondere
c:
besondere
c:
ø
c:
ganze Theorieen
a:
Einzle
c:
sammeln
c:
erweitert
c:
kann
a:
364
a:
Lehrbegrifs
c:
Schrift,
c:
unserer
c:
unserer
c:
unserer
c:
Beruhigung
c:
beitragen kann. – Bei
c:
für
c:
Anderer
c:
beiderlei
a:
unpartheyischte
c:
möglichst unparteiisch
c:
|c86| Zusatz des Herausgebers.
Vielleicht erwarteten manche Leser, in diesem Abschnitt über die rechte Art und Weise der Schriftauslegung, um so mehr Einiges über die durch Kant vorgeschlagene, und von Vielen allzuschnell ergriffene, ja selbst häufig mißverstandene moralische Interpretation, da der selige
Nösselt sich selbt in einem eignen Programm bestimmt gegen sie erklärt hatte. Da er sie gleichwohl hier unberührt gelassen hat, so dürften folgende kurze Bemerkungen darüber nicht überflüssig seyn.
Kant – überall bemüht, sein System mit dem von ihm hochgeachteten christlichen System nicht nur der Moral, sondern auch der Dogmatik, in Harmonie zu bringen – versuchte in seiner „Religion innerhalb der Gränzen der bloßen Vernunft“ unter andern auch, manche Aussprüche der heiligen Schrift auf eine solche Art zu deuten, daß dadurch eine wenigstens scheinbare Harmonie mit seinen philosophischen Begriffen und Lehren entstünde. Da es auch scheinen könnte, als ob Manches in der Bibel den Aussprüchen der Vernunft, und selbst einer strengern Moral widerspräche, so stellte er den Satz auf, über dem grammatischen Interpreten stehe der moralische Schriftausleger bei jedem Buch, das für eine göttliche Offenbarung gelten solle. Es lasse sich a priori annehmen, daß eine Offenbarung nichts enthalten könne, was der Vernunft oder der Moral zuwider sei. Dieß sei ein unumstößliches Postulat. Wenn also auch der Philologe in einer Schriftstelle einen Sinn, den dieser Vorwurf treffe, finden sollte, so könne dieß in einer heiligen Schrift nicht der wahre Sinn seyn, und unter zwei möglichen Erklärungen müsse stets die, welche am |c87| meisten moralisch sei, vorgezogen werden. (Röm. 12, 20. würden also die Worte: „so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln“ schon darum richtiger von der Beschämung des großmüthig Behandelten, oder von der Wärme der Liebe, als „von dem Herabziehen der göttlichen Strafen“ erklärt werden, weil jenes ein reineres Motiv und eine edlere Handlungsweise bezeichne.)
Man that Kanten Unrecht, wenn man ihn hiernach als einen Verächter der gelehrten Schriftauslegung betrachtete. Er drückte sich nur, nach seiner Weise, etwas paradox aus. Auch wollte er ja nur da so verfahren wissen, wo man die Bibel zu praktisch-religiösen Zwecken benutzte. Darin that er nichts anders, als was so viele Kirchenväter, und besonders alle allegorischen Schriftausleger gethan hatten. Wo ihnen der buchstäbliche Sinn nicht fruchtbar, wohl gar anstößig erschien, da legten sie einen andern Sinn den Worten unter, vergeistigten gleichsam das zu Sinnliche, und ahmten hierin die ältern Weltweisen nach, die auch die alten Dichter auf diesem Wege praktisch zu benutzen, und verständlich zu machen suchten. (M. s.
Abkürzungsauflösung von "M. s.": Man siehe
viele Beispiele bei
Plutarch de audiendis poetis.)
Gleichwohl hat man eine solche moralische Schriftinterpretation eigentlich nicht nöthig. Sie führt doch nur zur Verwirrung, und kann nie ein festes Princip haben. Sie trägt in die Schriftstellen eigne Gedanken hinein. Sie ist höchstens erbauliche Anwendung, nicht Interpretation. Diese beruht allein auf Sprache, Logik und dem Historischen, sofern es den Sinn eines Autors erläutern kann.
Was man neuerlich auch von einer hievon noch verschiedenen religiösen Auslegung geäußert hat, scheint nichts |c88| anders, als den unbestrittenen Satz auszudrücken, daß, je mehr der Ausleger Geistesverwandter seines Schriftstellers sei, desto besser werde er ihn auch verstehen und fassen. – Wie eine dichterische Natur einen Dichter, so verstehe ein religiöses Gemüth einen religiösen Autor am besten. Soll etwas anders damit gesagt werden, so öffnet es aller Schwärmerei die Thür, und jeder Fanatiker kann sich dann – wie sie pflegen – anmaßen, am tiefsten in die Geheimnisse einer heiligen Schrift einzudringen, deren Sinn den Gelehrten verborgen sei. Vor einem solchen Princip wird uns der bessere Geist der Zeit bewahren, wie sehr auch das Zeitalter sich hier und da zur Geringschätzung der Vernunft hinneigen mag.
Abkürzungsauflösung von "Anm.": Anmerkung