Wie wird der Christ /abdurch seine Religionab\ab1 zu seiner grossenab2 Bestimmung /adgeführt? *)ad\ad4

ab1: durch seine Religion ab2: grosen (a); großen (b) ad4: geführet? (a); geführt *) ? (d)
/a*) Bey diesem Abschnitte ist /da) nicht zu vergessend\d1, daß hier nur von Christenb2, nicht aber davon die Rede sey, welche Mittel Gott den Nichtchristenb3 zur Erlangung der Seligkeit darreiche. /db) Durch blosse noch so oft wie|b167*| derhohlte Ermahnungen, sich zu bessern, wird der Religionslehrer bey dem Sünder nichts ausrichten. Er muß vielmehr deutlich und ausführlich zeigen, wieb4 der Mensch es anzufangen habe, um besser zu werden, was zur vollständigen christlichen Besserung gehöre, und aus was für Gründen dasjenige, was die Bibel dazu erfordert, nöthig sey. Nur ein Unterricht dieser Art kann bewirken, daß der Mensch das Geschäft seiner Besserung mit Einsicht und Ueberlegung be|c219*| treibe; daß er erkenne, er müsse Busseb5 thun nicht um Gottes willen oder um die begangenen Sünden gleichsam abzubüssen, sondern um sein selbst und seines eignen wahren Vortheils willen; daß er sich überzeuge, Gott habe nicht nach despotischer Willkühr, sondern nach seiner höchsten Weisheit und Güte den in der Bibel vorgezeichneten Weg zur Besserung vorgeschrieben, weil es wirklich der kürzeste und sicherste ist, gut und glücklich zu werden; und daß der Mensch das Vorurtheil ablege, die Bekehrung sey eine höchst lästige Sache, die man also natürlich so lange als möglich aufschiebe. Um nun einen zu diesen Zwecken eingerichteten vollständigen |b168*| Unterricht über die wahre Beschaffenheit der christlichen Besserung zu geben, c) kann der Lehrer entweder /bvon dem Zieleb\b6, zu welchem der Mensch durch die Besserung geführet werden soll, ausgehen, und immer weiter rückwärts bis zum Anfange des Weges, der eingeschlagen werden muß um dorthin zu gelangen, zurückgehen:b7 (§. 154.) oder er kann seinen Standpunkt /bbey dem Anfange des Wegesb\b8 nehmen und zeigen, wie dieser Weg sicher zum Ziele führe. (§. /b156. bis 158.b\b9) Beide Methoden haben ihren Nutzen, und können daher beide zu verschiedenen Zeiten und zu verschiedenen Absichten gebraucht werden. d) Ob aber gleich sowohl der Zweck der Besserung bey allen Christen eben derselbe ist, als auch die Mittel dazu einerley sind, und, wenn sie ange|c220*| wendet werden, nach einerley psychologischen Gesetzen wirken: so macht es doch die grosseb10 Verschiedenheit der physischen und moralischen individuellen Beschaffenheit der Besserungsbedürftigen und der Umstände, unter welchen ihre Besserung angefangen und fortgesetzt wird, unmöglich, alle an /beinerley Methodeb\b11 und Form und an eben dieselbe Folge der zur Sinnes|b169*| änderung zusammengehörigen Theile genau zu binden, wodurch nur zu liebloser Beurtheilung anderer, zu Heucheley, zu Aengstlichkeit, zum Aufenthalt im Fortschritt in der Besserung etc. Gelegenheit gegeben werden würde. Allein dem ungeachtet e) soll der Lehrer die natürliche und gewöhnlichsteb12 Ordnung, in welcher die zur vollständigen Besserung gehörigen Veränderungen in den Menschen zu erfolgen pflegen, nicht nur für sich fleißig durchdenken, sondern auch dem Volkeb13 vortragen, um es vor Selbstbetrug zu verwahren und es zu richtigen, deutlichen und bestimmten Begriffen, was christliche Sinnesänderung eigentlich sey und wie sie bewirkt werde, anzuleiten. Dem möglichen Schaden aber, der aus einer solchen methodischen Anweisung sonst entstehen könnte, wird der Lehrer theils durch ausdrückliche Erklärungen, theils dadurch leicht vorbeugen, wenn er die zusammengehörigen Theile nicht immer in einer und ebenderselben Folge und Verbindung vorstellt. f) Besonders ist auch gründli|c221*| che Belehrung über den /bWerth lebhafter Gefühleb\b14 bey dem |b170*| Geschäfte der Besserung nöthig. g) Uebrigens bedient man sich billig, wenn man von der Sinnesänderung reden will, /beigentlicher Redensarten,b\b15 erklärt aber doch auch die in der Bibel vorkommenden bildlichen, und zeigt, wie sie alle im Grunde einerley bedeuten. h) Mit den Spitzfindigkeiten des Systems und den darauf sich beziehenden Streitigkeiten in der Lehre von der Gnadeb16 und den Gnadenwirkungenb17, werden Nichttheologen billig verschont. Was davon wirklich praktisch und gemeinnützig ist, läßt sich kurz zusammenfassen. i) Eben das gilt auch von der Lehre von der Rechtfertigungb18, welche, wenn man nur polemische Rücksichten bey Seite gesetzt seyn läßt, ganz simpel und leicht ist. k) Den Beschluß dieses Abschnitts macht, wie ich glaube, nicht unschicklich die Lehre vom /bheil. Abendmalb\b19. Gottlob, daß die ehemalige Streitsucht darüber sich allmählich verlohren hat, und daß man daher desto weniger Bedenken zu haben braucht, die Christen allein auf das hinzuweisen, was ihnen wahrhaft nützlich und tröstlich seyn kann.d\d20 a\
d1: wohl zu merken b2: Christen b3: Nichtchristen b4: wie b5: Buße b6: von dem Ziel b7: zurückgehen; b8: bey dem Anfange des Weges b9: 156–158. b10: große b11: einerley Methode b12: gewöhnlichste b13: Volk b14: Werth lebhafter Gefühle b15: eigentlicher Redensarten b16: Gnade b17: Gnadenwirkungen b18: Rechtfertigung b19: heil. Abendmal d20: Vergl. §. 130.

152. Die Erfarungb1 lehrt, daß die mehresten Glieder der Kirche, oder getaufte Christen, welche zum Gebrauch ihrer Vernunft |c219| gelanget sind, nicht diejeni|a107|ge moralische Beschaf|b167|fenheit an sich haben, welche nach |c220| der Vorschrift der göttlichen Gesetze und zu Erreichung ihrer erhabenen Bestimmung (§. 90. 94.) erfor|d220|derlich ist, und ohne welche sie der |c221| durch Christum erworbenen Begnadigung (§. 142. B.a2 143.) nicht theilhaftig werden können. (§. 129.) Einige leben in offenbaren Sünden und Lastern; Röm. 6, 12. 16. 17. 1.abd3 29–32. 1 Cor. 6, 9. 10. Gal. 5, /abd19 bis 21.abd\abd4 1 Tim[.]abd5 1, 9. 10. andere unterdrücken die äusserenab6 Ausbrüche des Lastersab7 und nehmen wohl gar einen heuchlerischen Schein der |c222| Tugend an, Matth. 6, 2,abd8 5. 16. 23, 13. /afolgg.d9 27. 28.a\ da doch die Lie|b168|be zum Laster in ihnen herrschend ist; andere thun zwar manches Gute und haben einen Abscheu für dem Laster und einige Liebe zur Tugend, aber nicht /aima\a10 ganzen Umfange /aderselbena\, oder doch nicht aus den gehörigen Bewegungsgründen, nicht aus freudigem Gehorsam gegen unsernd11 durch Christum versöhnten Vater. (§. 127. f. 116.) Einige betrügen sich selbst und halten sich für besser als sie sind; Matth. 19, 20. Luc. 18, 11. 12. andere ängstiget von Zeit zu Zeit das Bewußtseynab12 ihres schlechten moralischen Zustandes, ohne daß sie es zu einer gründlichen und dauerhaften Besserung kommen lassen; Röm. 7, 15. ff. noch andre leben |b169| ganz sorgenlos, ohne auf den Zustand ihres Gemüths aufmerksam zu seyn, oder die Gefahr desselben ernstlich zu erwägen; Ps. 50, 21. ja einige scheinen durch lange Gewohnheit im Sündigen und durch stete Leichtsinnigkeit bey dem Gebraucheab13 der Besserungsmittel so fühllos geworden zu seyn, daß kaum noch irgend etwas einen |d221| Eindruck auf ihr Gemüth machen kanna14. Matth. 13, 15.

b1: Erfahrung a2: b. abd3: 1, abd4: 19–21. abd5: Tim. ab6: äuseren ab7: Lasters, abd8: 2. d9: folg. a10: in ihrem d11: unserm ab12: Bewustseyn ab13: Gebrauch a14: kan

153. Alle diese Christen /aa)a\ bedürfen einer Besserung, Luc. 5, 31. 32. ohne welche sie, nach den klaren Aussprüchen der Bibel, einer ewigen Seligkeit nicht empfänglich sind. Matth. 7, |b170| 21. Marc. 16, 16. Joh. 3, |c223| 5. 6. 18. Röm. 2, 13. 1 Cor. 6, 9. 10. |a108| Gal. 5, 19. 21. Eph. 5, 3–6. Jac. 1, 22. 25. indem es nicht auf das /abäussere Bekenntnißab\ab1 der Religion, /aHebr. 4, 2.a\ sondern auf einen durch Liebe thätigen Glauben, Gal. 5, 6. 6, 15. und auf Uebereinstimmung der Gesinnungen und Handlungen mit den göttlichen Vorschriften /aJoh. 15, 14.a\ ankommt. Diese Besserung /ab)a\ nennt die heiligeab2 Schrift eine Sinnesänderung (Busseab3) Matth. 3, 2. Act. 2, 38. 3, 19. /a26. 8, 22.a\ und verbindet mit ihr den Glauben, Marc. 1, 15. Act. 20, 21. begreifet zuweilen aber auch alles,a4 was dazu gehöret,a5 unter dem Glauben an Christum:a6 Marc. 16, 16. Joh. 3, |b171| 15. 16. 18. Röm. 1, a7 16. /a17.a\ 3, 22. 24. 28. 30. 4, 5. 5, 1. Eph. 2, 8. welcher

aallerdings, wenn er rechter Art ist, alles dieß theils voraussezt, theils in sich schließt, theils zur unausbleiblichen Folge hat, und welcher,a
im weitläuftigern Verstandea8 (vergl. §. 157.) in der Annahme /a1 Thess. 2, 13.a\ der ganzen Lehre Christi nach allen ihren /aTheilena\a9 (Lehren, /a1 Cor. 15, 3.a\ Verheisungen,d10 /aHebr. 4, /b1. 2.b\b11 vergl. Röm. /b4, 16. 5, 1.b\b12 und Geboten, 1 Joh. 3, 3. 23. 14.bd13a\a14) bestehet. Hebr.a15 11, 1. ff. /aUnd da dieser Glaube, wenn er rechter Art ist, nicht ein todes Wissen oder ein |d222| kalter Beifall, sondern eine lebendige Ueberzeugung und herzliche Annahme der gesammten Lehre Christi ist, so setzt er allerdings alles, was zur vollständigen Besserung des Menschen gehöret, theils voraus, theils schließt er es in sich, theils hat er es zur unausbleiblichen Folge.a\ Eben diese |c224| Sinnesänderung /ac)a\ beschreibt die Bibel auch häufig mit uneigentlichen Ausdrücken, als eine Bekehrung des Menschen zu Gott, (Jer.a16 31, 18. 19.)a17 Joel 2, 12. 13. Matth. 13, 15. a18 Act. 3, 19. /a26, 20.a\ eine neue Geburt oder Geburt aus Gott, Joh. 3, 3. 1 Joh. 3, 9. 5, 1. 1 Petr. 1, 22. Schaffung eines neuen Herzens, Ps. 51, 12. Ez.d19 36, 26. neue Schöpfung nach dem Bilde Gottes, Eph. 4, /ab22.ab\ 24. Col. 3, /ab9.ab\ 10. Ablegung des alten und Anlegung des neuen Menschen, Eph. 4, 22. 24. Col. 5ab20, 9. 10. Anziehen Christi, Röm. 13, 14. u. s. w. Den dadurch hervorgebrachten Zustand aber nennt sie den Geist, oder die göttliche, christliche, heilige Gesinnung, Röm. 8, 1. ff. Gal. 5, 17. 22. /a1 Joh. 4, 13. vergl. 3, 9.a\ den neuen Menschen, Eph. 4, 24. eine neue Kreatur, Gal. 6, 15. u. s. f. /aDoch werden einige dieser Redensarten zuweilen /bauchb\ vom blossenbd21 Uebergang zum Christenthume gebraucht.a\

ab1: äusere Bekenntnis ab2: heil. ab3: (Buße a4: alles a5: gehöret a6: Christum; a7: 15. a8: Verstande, a9: nicht von einander zu trennenden Theilen, d10: Verheisungen b11: 1–2. b12: 4, 16 – 5, 1 bd13: 24. a14: Gebote a15: Hebr[.] a16: Jer. a17: 19. a18: 26, 20. d19: Ezech. ab20: 3 bd21: bloßen

|b172| 154. Was zur Sinnesänderung erfordert werde d1, erkennet man leicht, wenn |d223| man überlegt, wie |a109| ein gebesserter Christ beschaffen seyn sollea2, und dann /ab(§. 155. /d156.d\)ab\ untersucht, |d224| was in einem Sünder vorgehen müsseab3, wenn er diese Beschaffenheit erlangen willa4. Der Christ |d225| soll nämlich a) nach allgemeiner moralischer Vollkommenheit, so wie Christus und seine Apostel sie gelehrt haben, |c225| oderd5 welches einerley ist, nach der möglichsten Aenlichkeit mit /aGotta\a6, unabläßig streben. /a(§. 127.) b)a\a7 Dieses Bestreben, wenn es stete seyn, zur Fertigkeit werden, und bis zur Würde einer christlichen Tugend sich erheben soll, muß aus einem willigen und kindlichen Gehorsam fliessenab8, c) der seinen Grund in Liebe und Vertrauen zu Gott hat. d) Soll aber Liebe und Vertrauen zu Gott in einem Sünder erweckt werden, der nicht durch Selbstbetrug geblendet ist, so muß er gewiß seyn, daß Gott ihm seine Sündena9 vergebe. e) Da nun Gott uns nur um |d226| Christi willen vergiebt, /a(§. 143.)a\ so muß der Mensch Christum als denjenigen wirklich anerkennen und mit voller Zuversicht annehmen, der durch seinen unschuldig für die Schuldigena10 erlittenend11 Tod /ab(vergl. §. 144.)ab\ uns Vergebung /ader Sündena\ und /afolglich auch /b(§. 143. d.d12)b\ diea\ Seligkeit zu Wegeab13 gebracht habe. f) Und damit er geneigt gemacht werde, auch für seine eigene Person Christum als den Grund seiner Hofnungenab14 anzunehmen, /dso mußd\d15 ein ernstliches Verlangen nach der Theilnehmung an den durch Christum erworbenen Gütern in ihm erweckt /dwerden;d\d16 g) /dwelches durchd\ /aeine lebendige Ueberzeugung vona\a17 seiner Strafwürdigkeit /dbewirkt wirdd\d18. h) Demnach muß der Mensch nicht nur Gottes Gebote kennen und darnach sicha19 |b173| prüfen, sondern es ist auch eine lebendige Erkenntnißd20 |c226| und feste Ueberzeugung von der Wahrheit dessen nöthig, was die Bibel von Christo als unserm Erlöser lehret. i) Da auch ein Christ wohl wissen kanna21 und soll, daß der Heiligste und Allgerechte unmöglich Sünden vergeben kanna22, so lange der Mensch zu sündigen fortfährt und an der Sünde ein Wohlgefallen hat, so muß er theils den ernsten Vorsatz fassen, von allen Sünden ohne Ausnahme abzulassen, den durch sie angerichteten |a110| Schaden nach Möglichkeit wieder gut zu machen, und in allen Stücken einer ächten christlichen Tugend sich zu befleißigen; theils d23 seine begangenena24 Sünden aufrichtig verabscheuen und bereuen; |d227| k)d25 welches eine richtige Kenntnis und Beurtheilung der Sünde voraussetzt; die also zum Anfang der Besserung erfordertab26 wird.

d*) a) Durch blosse noch so oft wiederhohlte Ermah|d223*| nungen, sich zu bessern, wird der Religionslehrer bey dem Sünder nichts ausrichten. Er muß vielmehr deutlich und ausführlich zeigen, wie der Mensch es anzufangen habe, um besser zu werden, was zur vollständigen christlichen Besserung gehöre, und aus was für Gründen dasjenige, was die Bibel dazu erfordert, nöthig sey. Nur ein Unterricht dieser Art kann bewirken, daß der Mensch das Geschäft seiner Besserung mit Einsicht und Ueberlegung betreibe; daß er erkenne, er müsse Busse thun nicht um Gottes willen oder um die begangenen Sünden gleichsam abzubüssen, sondern um sein selbst und seines eignen wahren Vortheils willen; daß er sich überzeuge, Gott habe nicht nach despotischer Willkühr, sondern nach seiner höchsten Weisheit und Güte den in der Bibel vorgezeichneten Weg zur Besserung vorgeschrieben, weil es wirklich der kürzeste und sicherste ist, gut und glücklich zu werden; und daß der Mensch das Vorurtheil ablege, die Bekehrung sey eine höchst lästige Sache, die man also natürlich so lange als möglich aufschiebe. Um nun einen zu diesen Zwecken eingerichteten vollständigen Unterricht über die wahre Beschaffenheit der christlichen Besserung zu geben, b) kann der Lehrer entweder von dem Ziele, zu welchem der Mensch durch die Besserung geführet werden soll, ausgehen, und immer weiter rückwärts bis zum Anfange des Weges, der eingeschlagen werden muß, um dorthin zu gelan|d224*| gen, zurückgehen: (§. 154.) oder er kann seinen Standpunkt bey dem Anfang des Weges nehmen und zeigen, wie dieser Weg sicher zum Ziele führe, (§. 156–158.) Beide Methoden haben ihren Nutzen, und können daher beide zu verschiedenen Zeiten und zu verschiedenen Absichten gebraucht werden. c) Ob aber gleich sowohl der Zweck der Besserung bey allen Christen eben derselbe ist, als auch die Mittel dazu einerley sind, und, wenn sie angewendet werden, nach einerley psychologischen Gesetzen wirken: so macht es doch die grosse Verschiedenheit der physischen und moralischen individuellen Beschaffenheit der Besserungsbedürftigen und der Umstände, unter welchen ihre Besserung angefangen und fortgesetzt wird, unmöglich, alle an einerley Methode und Form und an eben dieselbe Folge der zur Sinnesänderung zusammengehörigen Theile genau zu binden, wodurch nur zu liebloser Beurtheilung anderer, zu Heucheley, zu Aengstlichkeit, zum Aufenthalt im Fortschritt in der Besserung etc. Gelegenheit gegeben werden würde. Allein dem ungeachtet d) soll der Lehrer die natürliche und gewöhnlichste Ordnung, in welcher die zur vollständigen Besserung gehörigen Veränderungen in den Menschen zu erfolgen pflegen, nicht nur für sich fleißig durchdenken, sondern auch dem Volke vortragen, um es vor Selbstbetrug zu verwahren und es zu richtigen, deutlichen und bestimmten Begriffen, was |d225*| christliche Sinnesänderung eigentlich sey und wie sie bewirkt werde, anzuleiten. Dem möglichen Schaden aber, der aus einer solchen methodischen Anweisung sonst entstehen könnte, wird der Lehrer theils durch ausdrückliche Erklärungen, theils dadurch leicht vorbeugen, wenn er die zusammengehörigen Theile nicht immer in einer und ebenderselben Folge und Verbindung vorstellt. e) Besonders ist auch gründliche Belehrung über den Werth lebhafter Gefühle bey dem Geschäfte der Besserung nöthig. f) Uebrigens bedient man sich billig, wenn man von der Sinnesänderung reden will, eigentlicher Redensarten, erklärt aber doch auch die in der Bibel vorkommenden bildlichen, und zeigt, wie sie alle im Grunde einerley bedeuten.d
d1: *) a2: müße ab3: müße a4: soll d5: oder, a6: Gottes Urtheilen, Gesinnungen und Handlungen a7: b. ab8: fließen a9: Sünde a10: Schuldige d11: erlidtenen d12: f ab13: wege ab14: Hoffnungen d15: und d16: werden möge, muß a17: ein lebhaftes Gefühl d18: in ihm hervorgebracht werden a19: sie d20: Erkenntnis a21: kan a22: kan d23: k) a24: begangene d25: l) ab26: erfodert

155. Vergleicht man dießd1 mit dem oben §. /ab115–117.ab\ab2 beschriebenen verderbten Zustande eines noch ungebesserten Menschen, so erhellet α) daß sowohl im Verstande als im Willen eine Besserung vorgehen müsseab4; obgleich die Wirkungen auf den einen nicht von den Wirkungen auf den andern getrennt werden können, und die Besserung des Willens eben dadurch erhalten wird, wenn dem Verstande die Religionswahrheiten nahe gebracht, und der Erkenntnis derselben hinlängliches Leben oder Wirksamkeit verschafft wird. Hier|c227|aus ergiebt sich auch schon, β) daß die Sinnesänderung nicht auf eine physische oder magische, sondern auf eine moralische, der vernünftigen freien Natur des Menschen angemessene Art, vorgehe. Und |b174| dießd5 bezeuget auch die Bibel, indem sie lehret, a) daß die Besserung des Menschen vermittelst der erkannten Religionswahrheiten geschehe: Luc. 8, /abd11 bis 15.abd\abd6 Joh. 17, 3. 17. Röm. 10, 14. 1 Thess. 2, 13. Jac. 1, 18. 1 Petr. 1, 23. d7 Denn es kanna8 weder überhaupt eine religiöse Gesinnung angerichtet werden, ohne Kenntnis von Gott, von seinen Eigenschaften und Werkena9, von der moralischen Natur und Bestimmung und dem Zustande des Menschen nach dem Tode; Hebr. 11, 6. |d228| noch kanna10 das Gott Misfälliged11 in unsrer Gesinnung und unsern Handlungen eingesehen und verabscheuet, oder ein Gott wohlgefälliger Gehorsam beschlossen werden, ohne Kenntnis dessen, was die göttlichen Vorschriften von dem Menschen fordern, (des Gesetzes) und was die Bibel von dem gegenwärtigen d12 moralischen Zustande des Menschen lehret; und eben so wenig kanna13 Liebe und Vertrauen |a111| zu Gott erweckt und das aufwachende Gewissen beruhigt werden, ohne Ueberzeugung von dem, was die Schrift von den göttlichen Rathschlüssenab14 über die Beseligung der sündigenden Menschen, von Christo, von den Absichten seiner Sendung in die Welt und den Früchtend15 sei|c228|nes Todes, und von den Verheisungen und Zusicherungen, welche er den sich bessernden Sündern gegeben hat, uns saget. (des Evangelii.ab16) Weiter lehrt die Bibel, b) daß das bloßea17 historische Wissen dieser Wahrheiten nicht hinreiche, sondern daß eine lebendige Erkenntnis und eine stete Anwendung derselben auf sich selbst bey dem Menschen, wenn er gebessert werden soll, erfordert werde; Act. 16, 14. 17, 11. Jac. 1, 21. 23–25. c) daß der Mensch, auch noch nach angefangener Besserung, |b175| um immer tiefere Einsichten in die Religionslehren Gott bitten, Jac. 1, 5. Eph. 1, 16–20. /a1 Petr. 2, 1. 2.a\ und die Wahrheiten selbst fleißig wiederhohlen und andächtig betrachten müsse; Jac. 1, 25. d) daß er den Eindruck der Lehren auf sein Herz hindern, |d229| und der erkannten Wahrheit widerstreben könne; Matth. 7, 26. Luc. 8, 13. 14. Act. 18, 5. 6. 24, 25. 28, 24–27. e) daß er die Gelegenheiten, zur Sünde hingerissen zu werden, sorgfältig vermeiden, hingegen alle Gelegenheiten, die zum Fortgange seiner Besserung beförderlich seyn können, suchen und benutzen, und f) überhaupt bey dem Geschäfte seiner Besserung grossenab18 Ernst und Eifer beweisen müsse. Matth. 7, 13. 14. 1 Cor. 9, 24–27. 2 Cor. 7, 1. a20

d1: dies ab2: 115. 116. (a); 115. 116. 117. (b) ab4: müße d5: dies abd6: 11–15. d7: vergl. §. 162. g. a8: kan a9: Wercken a10: kan d11: Mißfällige d12: verderbten a13: kan ab14: Rathschlüßen d15: Wirkungen ab16: Evangelii a17: blose ab18: grosen (a); großen (b) a20: Phil. 2, 12.

|c229| 156. /aIm Allgemeinen können (vergl. §. 152.d1 Anm. /b/dd. e.d\b\d2) die zusammengehörigena\

aDie grose Verschiedenheit der individuellen Beschaffenheit der Besserungsbedürftigen Menschen macht es zwar unmöglich, alle an einerley Methode und Form, und an eben dieselbe Folge der zur Sinnesänderung zusammengehörigen Theile genau zu binden. Jedoch können mit Nutzen im Allgemeinen diea
einzelnen Stücke der Sinnesänderung in /afolgender natürlichena\a3 Ordnung beschriebena4 werden. Der Christ, a) bey |a112| welchem eine historische Kenntnis derjenigen Religionslehren, durch welche die Besserung bewirkt wird, (§. 155.) vorausgesetzt werden kanna5, oder der doch sie kennen zu lernen Gelegenheit hat, Röm. 10, 14. 17. muß b) vor allen Dingen zur Aufmerksamkeit und zum Nachdenken über diese Wahrheiten und über seinen /aeignena\ moralischen Zustand gebracht werden; Luc. 15, 17. Act. 16, 30. welches die göttliche Regierung auf sehr mannigfaltigeabd6 Art /averanstalteta\a7. c) Verweilet nun der Mensch bey der Betrachtung der Wahrheiten, ohne durch Leichtsinn oder vorsetzlicheab8 Ablenkung des Gemüths ihren Eindruck zu hindern, Luc. |b176| 8, 12. Act. 13, 46. 24, 25. und denkt er an diese Wahrheiten in |d230| Beziehung auf sich selbst; Act. 2, 37. so wird d) die Erkenntnis derselben in ihm lebendig werden. e) Sein Gewissen sagt ihm, er sey ein Sünder. Ps. 32, 5. 51, 5. Luc. 18, 13. 1 Joh. 1, 8–10. Ps.d9 19, 13. Die Vorstellung der Schändlichkeit, Strafbarkeit, und Schädlichkeit seiner bisherigen Gesinnungen und Handlungen, f) bringt in ihm ein Misfallen an sich selbst, nebst den Empfindungen der Schaam, Furcht und Reue hervor, |c230| a10 Joel 2, 12. 13.a11 Luc. 15, 17–19. /avergl.a\ 2 Cor. 7, 9–11. von welchen eine oder die andere stärker ist, je nachdem der Mensch Gott als seinen Schöpfer und Wohlthäter, /aTit. 2, 11. 12. 1 Petr. 4, 1–3. Röm. 2, 4.a\ oder als seinen Richter /aMatth[.]bd12 3, 7–10. Hebr. 10, 29–31.a\ lebhafter sich denkt, oder die Vorstellung von dem sich selbst und andern zugefügten Schaden /aLuc. 15, 17.a\ die Oberhand hat. Diese Empfindungen werden um so viel stärker oder schwächer, länger oder kürzer anhaltend seyn, je nachdem theils die Empfindsamkeit des Menschen grösserab13 oder geringer ist, theils sein Gemüth zu der Zeit gestimmt ist, theils heterogene Vorstellungen und Empfindungen die Wirkunga15 jener mehr oder weniger unterbrechen, theils die Betrachtung der zu diesem Zwecke dienlichen Religionswahrheiten fleißig fortgesetzta16 d17 wird, theils die Wahrheiten auf eine die Leidenschaften mehr oder weniger erregende Art vorgestellt werden. /aEs sind |d231| auch diese Empfindungen nicht sowohl um ihrer selbst willen nöthig, sondern es beruhet vielmehr ihr ganzer Werth auf den Wirkungen, die sie hervorbringen. Diese sollen seyn, g)a\a18 daß der Mensch |b177| nicht nur die Sünde nie begangen zu haben wünscht, und sie aufrichtig zu verabscheuen anfängt, Ez. 36, 31. /avergl.a\ 2 Cor. 7, 11. sondern daß auch h) die Ueberzeugung, er bedürfe einer Besserung, und der |c231| Wunsch, ein frommer und Gott wohlgefälliger Mensch zu werden, in den festen Vorsatz übergeht, nicht mehr zu sündigen, sondern sich zu bessern. Daß dieser Vorsatz ernstlich sey, beweiset er durch den treuen Gebrauch der zur Ausführung desselben dienlichen Mittel. Dahin gehöret die fortgesetztea19 Betrachtung der Religionswahrheiten, das Gebet um göttlichen Beistand, Ps. 51, 12. 13. die Vermeidung der Gelegenheiten zum Sündigen, die Aufmerksamkeit auf seine Gedanken, Begierden, Reden und Handlungen, der Widerstand gegen die Reize zur Sünde vermittelst der erneuerten Erinnerung an die zur Unterlassung /a/bderselbenb\b20 antreibenden a\a21 Bewegungsgründe, Bereuung der gethanen neuen Fehltritte u. s. w. Weil aber eingewurzelte Neigungen und Gewohnheiten nicht so leicht besieget und in die entgegenstehenden verwandelt werden, auch die unordentliche Stärke der Sinnlichkeit den besten Vorsätzen im Wege stehet, und es dem Menschen noch an Kräften fehlet, das Gute,ab22 das er will,ab23 zu voll|d232|bringen, und den göttlichen Gesetzen einen uneingeschränkten und willigen Gehorsam zu leisten; Röm.b24 7, 15. 18. 19. 21. 23. so bleiben die mehresten eine Zeitlang in diesem Zustande, da sie zwischen Tugend und Laster hin und her wanken. Ja /abviele führenab\ab25 die guten Vorsätze entweder gar nicht, oder nur zum Theil ausab26, weil sie ihr aufge|c232|wachtes Gewissen wieder einschläfern, es geschehe dießd27 nun durch Vorurtheile, Luc. 3, 8. |b178| (z. B. es sey mit der Besserung zu spät, es habe damit noch Zeit, wir seyen so schlimm nicht als andere, man fordere allzuschwehre ja unmögliche Dinge, Gott werde nach seiner Barmherzigkeit und um des Verdienstes Christi willen es nicht so genau mit uns nehmen, sondern den Willen für die That gel|a114|ten lassen u. d. gl.) oder durch Zerstreuungen und Leichtsinn, Matth. 13, 19. oder durch genährte Vorstellungen von den mit der Sünde verbundenen Vergnügungen und Vortheilen, denen man ungerne entsaget. Matth. 13, 20‒22. i) Fährt hingegen der Mensch in dem treuen Gebraucheab28 der schon erwähnten Mittel fort, so entstehet, neben der festen Entschliessungab29, durch eine vollständige Sinnesänderung wahrhaftig gut und christlich fromm zu werden, ein sehnliches Verlangen nach einer gründlichen Beruhigung des Herzens, Ps. 25, 6. 7. 11. 17. 18. 51, 3. 4. 9. 10. 11. 14. welches durch die Lehren von der Allgemeinheit und Grösseab30 der Liebe Gottes, von derab32 durch /abChristiab\ab33 |d233| Tod gestifteten Versöhnung, von der Bereitwilligkeit Gottes,a35 allen sich bessernden Sündern ohne Ausnahme um Christi willen zu verzeihen, ihnen die Strafen zu erlassen und die Seligkeit a36 zu schenken, (§. 128. 129. 144.) Joh. 3, 16. Matth. 18, 11. ff. Luc. |c233| 19, 10. immer mehr belebet und vergrössertab37 wird. /aVergl.a\ Ps. 25, 6‒18. k) Erkennet nun der Mensch die christlichen Religionslehren, und darunter insbesondere die nur erwähnten, für wahr und gewiß, findet er an sich bey sorgfältiger Prüfung seiner selbst die Merkmale eines sich besserndenabd39, und wendet er demnach jene Sätze auf sich |b179| selbst an/a, und eignet /derd\ sich den Inhalt derselben zua\; 1 Tim. 1, 15. so entstehet in ihm die Hoffnung, und (oft nach und unter manchen Zweifeln) das feste Vertrauen auf Gottes Zusage,ab40 und die gewisse Zuversicht, (der Glaube an Christum, in engerer Bedeutung) daß Gott auch ihm/a, und zwara\ um Christi willen,a41 seine Sünden vergebe und sein gnädiger Gott sey, zu dem er sich, wofern er seine Gnade nicht wieder muthwillig verscherze, statt der verdienten Strafen, alles Guten in Zeit und Ewigkeit gänzlich versehen könne und dürfe. Röm. 4, 5. 17‒21. 24. 25. 5, 1. 3, 22. 25. 28. 30. a42 Ebr. 10, 19‒22.

d1: 154. d2: c. d. a3: folgende natürliche a4: gebracht a5: kan abd6: mannichfalige a7: veranstalten kan ab8: vorsezliche d9: Ps[.] a10: Jer. 31, 18. 19. a11: 13 bd12: Matth. ab13: gröser (a); größer (b) a15: Wirckung a16: fortgesezt d17: oder unterbrochen a18: Folgen |a113| dieser Empfindungen sind, a19: fortgesezte b20: der Sünde a21: der Sünde antreibende ab22: Gute ab23: will b24: Rom. ab25: bey vielen werden ab26: ausgeführt d27: dies ab28: Gebrauch ab29: Entschließung ab30: Gröse (a); Größe (b) ab32: den ab33: Christum erduldeten Strafen unsrer Sünden und der durch seinem (a); Christum erduldeten Strafen unsrer Sünden und der durch seinen (b) a35: Gottes a36: ihnen ab37: vergrösert (a); vergrößert (b) abd39: Bessernden ab40: Zusage a41: willen a42: Gal. 2, 16. 3, 11. 12. 13.

|a115| 157. So bald dieses Vertrauen zu Gott in dem Menschen erweckt und also das Gewissen desselben beruhigt ist;a1 bringt die Betrachtung der /agrossenb3 a\a2 Liebe Gottes und Christi und der er|d234|haltenen unverdienten Wohlthat, /avon deren Grösseb4 der Begnadigte innigst gerühret ist, a)a\ eine aufrichtige Gegenliebe |c234| und Dankbarkeit hervor. 1 Joh. 4, 19. 2 Cor. 5, 14. Und da diese stets unterhalten und vermehret wird, (wenn gleich die Empfindungd5 der Regungen derselben eben so wenig an Stärkea6 sich immer gleich bleibet, als die d7 Empfindung der Freude über die erlangte Vergebung) /a/bsob\ ista\a8 sie die Quelle eines willigen und kindlichen Gehorsams, 2 Cor. 5, 15. 1 Cor. 6, 19. 20. Röm. 6, 11. 18. welcher ein neues Principium der moralischen Handlungen des Menschen wird, und in alles sein Thun und Lassen einen Einfluß hat. Eph. 4, 32. Tit. 2, 11‒14. Nunmehr hat der Mensch /ab)a\ Lust, Gottes Gebote zu hal|b180|ten. Denn er d9 weiß, daß er seine dankbare Liebe zu Gott anders nicht als durch Haltung seiner Gebote, /ad(von deren Vortreflichkeit und Wohlthätigkeit er innigst überzeugt ist),b10 ad\ und insbesondere durch Liebe und thätiges Wohlwollen gegen seinea11 Nebenmenschen, erweisen könneab12, 1 Joh. 2, 3‒6. 4, 20. 5, 3. und daß eben dieselbe Lehre Christi, der er seine Beruhigung und die /aGewißheit der wiederhergestelltena\a14 Gnade Gottes verdankt, auch ausdrücklich und oft bezeugeab15, daß niemand ohne stetes Streben nach moralischer Unsträflichkeit und ohne fortdauernden Eifer in der Tugend, der Gnade Gottes oder irgend ei|d235|nes durch Christum uns verschaften Guten theilhaftig seyn könne; /aMatth. 7, 21.a\ 1 Joh. 1, 6.a16 7. |c235| 3, 6‒10. Röm. 6, 1‒6. 11‒14. 18. 19. /a1 Cor. 6, 9. 10. 2 Tim. 2, 19.a\ Eph. 2, 10. Tit. 2, 11‒14. Hebr. 12, 14. 2 Petr. 1, 3‒11. welcher Theil der Lehre Jesu zugleich mit jenem, der der Grund unserer Beruhigung ist, geglaubt und mit vollem Beifall angenommen werden muß, keinesweges aber von jenem abgesondert werden kanna17 oder darf. Gal. 5, 6. /aEph. 4, 19. 20. ff. 1 Thess. 4, 7.a\ Jac. 2, 14‒16.ab18 Der Mensch hat aber auch nunmehr /ac)a\ Kräfte zur Erfüllung der göttlichen Vorschriften. Denn sein Verstand ist |a116| aufgeklärt und zur lebendigen Erkenntnisd19 der Religionswahrheiten gebracht; Eph. 1, 17‒19. 5, 8. 9. 2 Tim. 2, 25. er beschäftigt sich gern mit den Lehren der Religion, welche sowohl die Vorschriften selbst als die Bewegungsgründe zu Befolgung derselben ihm vorhält; /abeide sind ihm, da er sich in Betrachtung derselben immerfort übt, stets gegenwärtig;a\ die Macht der Sinnlichkeit, die |b181| den Menschen ehedem beherrschte, (§. /abd115 bis 117.)abd\abd20 ist durch die in ihm hervorgebrachte Liebe zu Gott, und durch die erwecktea22 überwiegende Begierde nach höhern moralischen und unsichtbaren, zum Theilab23 schon gekosteten zum Theilab24 aber mit der größtenab25 Zuversicht erwarteten Röm. 5, 8. 9. 10. 8, 14‒16. 31. ff. Gütern dergestalt geschwächt, daß die |d236| Vorstellungen von der Bestimmung und den |c236| Pflichten des Menschend26, die unregelmäßigen Begierden und Leidenschaften im Zaum zu halten vermögend sind, und daß dem Menschen der wirkliche Gebrauch seiner Freiheit wieder hergestellt ist, und der Wille der erkannten Wahrheit mit Leichtigkeit folgen kanna27. So gelangt der Mensch d28 zur wirklichen Fertigkeit in einem aus Liebe und Gehorsam gegen Gott entspringenden Bestreben nach allgemeiner moralischer Vollkommenheit.

a1: ist, ab2: so grosen (a); grosen (b) b4: Größe d5: Empfindungen a6: Starke d7: lebhaftere a8: sind d9: ist von der Vortreflichkeit und Wohlthätigkeit der göttlichen Gesetze innigst und aus eigner Erfarung überzeugt, und b10: ist,) a11: seinen ab12: kan (a); kann (b) a14: wiederhergestellte ab15: bezeuget a16: 6 a17: kan ab18: 14‒26. d19: erkenntnis abd20: 115‒117) (a); 115‒117.) (bd) a22: erwekte ab23: theil ab24: theil ab25: grösten d26: Christen a27: kan d28: d)

158. Und so wäre denn alles bewirkt, was geschehen muste, wann dem so sehr in Verfall gerathenen Menschen geholfen werden sollte, (§. 127.) und /dder Menschd\d1 wäre in einen gänzlich neuen, von dem vorigen völlig verschiedenen, glücklichen und seiner erhabnen Bestimmung gemäsend2 Zustand versetzta3. Röm. 12, 2. Gal. 2, 20. 6, 15. vergl. 5, 6. /a(§. 153. c.)b4 a\ Nun ist er geheiliget Eph. 4, 24. 1 Thess. 5, 23. Hebr. 12, 14. 1 Petr. 1, 16. und zeigt in seinem ganzen Verhalten würdige Früchte seiner Besserung. Matth. 3, 8. 7, 20. Act. 26, 20. Jede Gelegenheit zu Gottgefälligen Handlungen ergreift er gern, Gal. 5, 25. Phil. 4, 8. und übt sichd5 um Gottes willend6 in dem |a117| Kampfe gegen die zuweilen noch /aaufsteigendenb7 |b182| bösena\a8 Begierden, 2 Cor. 7, 1. Gal. 5, 16. 17. Col. 3, 5‒9. Hebr. 12, 1. und in der ununter|d237|brochenen Erfüllung aller |c237| seiner Pflichten. Röm. 12, 1. 2. Col. 1, 10. Hebr. 12, 12. 13. 1 Petr. 1, 14. 15. 2 Petr. 1, 5‒10.

d1: er d2: gemäsen, a3: versezt b4: c.). d5: sich, d6: willen, b7: aufsteigende a8: aufsteigende böse

159. /aa)a\ Aus jener Fertigkeit in einem aus kindlichem Gehorsam herrührenden Bestreben nach allgemeiner christlicher moralischer Vollkommenheit, (§. 157. d1) entspringen die einzelnen frommen /ainnern und äussernb2 a\ Handlungen eines bis zur Heiligung gebesserten Christen, oder die christlichen guten Werke; Matth. 5, 16. /aRöm. 2, 7. 10.a\ Eph. 2, 10. Col. 1, 10. Tit. 2, 14. welche /ab)a\ nur dann die im N. T. erforderte Eigenschaften haben, wenn sie nach der Vorschrift des göttlichen Gesetzes Matth. 15, 9. und aus kindlichem Gehorsam Röm. 12, 2. 2 Cor. 5, 15. Phil. 1, 11. verrichtet werden: obgleich dieser weder die einzige Triebfeder solcher Handlungen nothwendig seyn muß, noch auch es möglich ist, sich dieses Bewegungsgrundes jedesmal deutlich bewußt zu seyn. Jedoch kommt es vornehmlich, und eben so sehr als auf das Materielle der Handlung, auf den Gemüthszustand des Menschen und auf die Gesinnung, mit welcher er die That verrichtet, an; Gal. 5, 22. ob nämlich Liebe zu Gott in dem Menschen herrschend sey, und ob es sein unerschütterlicher Grundsatz sey, um Gottes willen /aund um dessen heilige und liebevolle Absichten, so |c238| viel an ihm ist, zu befördern,a\ alles erkannte |d238| Gute zu thun, und alles erkannte Böse zu meiden. Denn wo dießd3 nicht ist, da ist die pflichtmäßigsteab4 und nützlichste That keine |b183| christlich fromme Handlung oder gutes Werk, ob sie gleich übrigens /a/bsehrb\ löblich und aucha\ Gott wohlgefällig seyn /akann/b, und nicht unbelohnt bleiben wirdb\a\a5. Röm. 2, 14. 26. 27. Act. 10, 4. 34. 35. /abVergl. §. 152. Anmerk. /da.d\ab\ ‒ Gute Werke aber /ac)a\ werden von jedem gebesserten Christen, so fern sie ihm zu thun möglich sind, nothwendig erfordert; (§. 157.) /aGal. 5, 25. 1 Joh. 2, 6. 3, 7.a\ und ohnerachtet der |a118| Mensch /ad)a\ dadurch unmöglich etwas bey Gott verdienen kanna6, Röm. 11, 35. Luc. 17, 9.a7 so hat sie doch /ae)a\ Gott aus Gnaden zu belohnen verheissen,ab8 Röm. 2, 6. 7. 10. 1 Tim. 4, 8. Hebr. 6, 10. /aMatth. 25, 34. ff. wie sich dann der Grad der Belohnung nach dem Grade des Eifers den wir beweisen, keine Gelegenheit,b10 in guten Werken uns zu üben,b11 vorbeizulassen, richten wird. (§. 50. c. /dγ.d\ 103.) Matth. 25, 20‒29. Gal. 6, 7. 2 Cor. 9, 6.a\

d1: d. b2: äusern d3: dies ab4: pflichtmäsigste a5: kan a6: kan a7: 10. ab8: verheisen. (a); verheisen, (b) b10: Gelegenheit b11: üben

160. Die moralische Güte, zu welcher der Mensch nunmehr gebracht ist, bleibt indessen in diesem Leben immer /aα)a\ unvollkommen, 1 Joh. 1, 8. 2, 1.a1 Phil. 3, 12‒14. und findet sich bey den Gebesserten in sehr verschiedenen Graden. Daher ist nöthig, daß |c239| der Christ nicht nur /aβ) im Guten beharre (vergl. §. sq.) |d239| 1 Cor. 10, 12. 15, 58. Hebr. 10, 35. 36. 2 Petr. 1, 10. unda\ die /aneuena\ Fehltritte, welche er begehet, ernstlich bereue, 1 Joh. 1, 9. Vergebung derselben bey Gott täglich suche, Ps. 19, 13. und seine guten Vorsätze oft wieder erneure; sondern daß er auch /aγ)a\ im Guten immer zu wachsen und zuzunehmen, Phil.a2 3, 12‒15. Col. 1, 10. 11. /a2 Petr. 3, 18.a\ und zu einer Stärke und Festigkeit in der christlichen Tugend zu gelangen suche. Die Mittelabd3 |b184| welche die Religion Jesu uns hiezu empfiehlt, Eph. 6, /a13. 14. 1 Thess. 5, 6‒8.a\a4 sind a) Wachsamkeit über sich selbst, 1 Cor. 16, 13. /a1 Petr. 4, 7.a\ b) Gebet, Matth. 26, 41. Luc. 21, 36. Eph. 6, 18. c) fleißige Betrachtung der Religionswahrheiten, Eph. 1, 16‒20. 6, 17. Col. 1, 9. /a1 Petr. 2, 2.a\ 2 Petr. 3, 18. und d) Besuchung des öffentlichen Gottesdienstes, /aHebr. 10, 25.a\ e) nebst dem Genusseab5 des heil. Abendmahls; (Siehe §. 165.) /a1 Cor. 11, 26.a\ f) stete Uebung des Glaubens, Eph. 6, 16. Phil. 3, 8‒10. /aCol. 1, 23. Hebr. 6, 11. 12.a\ 1 Joh. 2, 1. g) öftere Erneuerung der Empfindungen der Liebe gegen Gott und Jesum, vermittelst oft wiederhohlter Vorstellung der ausserordentlichenab6 Anstalten zu unsrer Errettung, der grossenab7 uns wiederfahrnen moralischen Wohlthaten, und der unaussprechlichen |c240| Seligkeitd9 die unser wartet; /aHebr. 10, 19‒24. 12, 28.a\ 1 Petr. 1, 17‒19. h) Uebung in der Ver|d240|leugnung unsrer selbsta10 u. s. f. Auch i) kommt Gott selbst durch die Regierung der Schicksale der Menschen ihnen öfters |a119| zu Hülfe, bald durch erwiesene Wohlthaten, bald durch zugeschickte Leiden und Trübsale; /aHebr. 12, 11. Jac. 1, 2. 3.a\ daher der Christ auf diese Führungen Gottes aufmerksam seyn, und sie der Absicht gemäs zu benutzen trachten muß.

a1: 1 a2: Phil[.] abd3: Mittel, a4: 3. 4. ab5: Genuße ab6: auserordentlichen ab7: grosen (a); großen (b) d9: Seligkeit, a10: selbst,

161. Diese Uebungen in der Gottseligkeit sind um so viel nothwendiger, da der gebesserte Mensch in seinen ehemaligen verderbten Zustand wieder zurückfallen kanna1; welches geschiehet, wenn er vorsätzlich sündiget, und also /aden göttlichen Gesetzena\a2 den Gehorsam aufkündiget. Ezech. 3, 20. |b185| 1 Tim. 1, 19. Doch stehet auch einem solchen, so lange er lebt, der Weg zu einer /dabermaligen Besserungd\d3 offen. Jes. 65, 2. Luc. 22, 32. Denn die Bibel lehrt nichts von einem Zeitpunkt in dem menschlichen Leben, hinter welchem es unmöglich sey, sich zu bessern und Vergebung seiner Sünden zu erlangen. Hebr. 3, 7. 13. Ez. 18, 21‒23. /aMatth. 18, 21. 22. vergl. 6, 12.a\ Allein das ist gewißa4, daß die Besserung /dimmer schwehrerd\d5 wird, je länger man sie aufschiebt, und je öfter der auf dem Wege der Besserung schon Begriffene zu seinem vorigen sündlichen Leben |c241| wieder zurückkehrt,a6 2 Petr. 2, 20‒22. /a(Hebr. 6, 4‒9.) so wie es auch sehr unvernünftig ist, eine so wich|d241|tige Sache der höchst ungewissen Zukunft zu überlassen.a\a7

a1: kan a2: Gott d3: abermaligen Besserung a4: gewis d5: immer schwehrer a6: zurückkehrt. a7: Hebr. 6, 4–9.

162. Nach der Lehre der Bibel ist der Urheber der bisher beschriebenen Sinnesänderung d1, Gott, Ps. 51, 12. (Jer.a2 31,b3 18.)a4 Ezech. 11, 19. 36, 26. 27. Act. 16, 14. Eph. 2, 10. /a3, 16. 20.a\ Phil. /a(1, 6.)a\a5 2, 13. 1 Thess. 5, 23. /a2 Thess. 2, 17.a\ Hebr. 13, 20. 21. Jac. 1, /a17.a\ 18. 1 Petr. 1, /a3‒5. 5, 10.a\a6 und insbesondere der heil. Geist, Tit. 3, 5. 1 Cor. 6, 11. /aEph. 3, 15.b7 a\ Denn der Mensch hat in seinem ungebesserten Zustande für sich weder Lust noch Kräfte, eine solche vollständige christliche Sinnesänderung in sich hervorzubringen, als oben beschrieben worden ist. Gott muste nicht nur diejenige Religions|a120|wahrheiten bekannt machen, /aEph. 1, 9. 17. 18. 1 Joh. 2, 20. welche, wegen ihres Inhalts sowohl als wegen ihrer auf göttlicher Autorität beruhen|d242|den Zuverläßigkeitb8, kräftig und wirksam genug waren, Röm. 1, |b186| 16. 1 Cor. 1, 18. Jac. 1, 21. daß durch sie, der Grösseb9 des menschlichen Verderbens ungeachtet,a\a10 eine solche /amoralische Veränderung in den Gesinnungen und Neigungen und in der Handlungsart des Menschen bewirkt, fortgesetzt und erhalten werden konnte;a\a11 sondern Gotta12 muß auch Gelegenheiten verschaffen, theils daß |c242| der Mensch diese Wahrheiten erlernen /akann, (§. 129.)a\a13 theils daß sie Eindruck auf sein Gemüth machen können.

aUeberdieß war bey der Größe des menschlichen Verderbens nöthig, daß Gott diesen Wahrheiten eine solche Kraft ertheilte, welche den Widerstand zu heben vermögte. Röm. 1, 16. 1 Cor. 1, 18.a
Die Art und Weise aber, wie Gott durch die Lehren der Religion auf die Seelen der Menschen wirke, kanna14 der untheologische Christ ununtersucht lassen. Ihm ist es genug zu wissen, a) daß er die geschehene Besserung nicht sich selbst und seinen eignen Kräften beimessen dürfe, b) daß er Gott um seinen Beistand anrufen müsse, c) daß Gott seinen Beistand niemandena15 versage, d) daß die Besserung auf eine unsrer moralischen Natur völlig angemessene Art geschehe, Luc. 8, 10‒15. (§. 155.) folglich e) weder unwiderstehlich, Matth. 23, 37. Joh. 7, 17. a16 noch in einem Augenblicke; f) daß der Mensch dabey nicht müßig seyn, sondern die von Gott verschaftenad17 Gelegenheiten und angebotetena19 Mittel fleißig brauchen müsse; g) daß die Besserung eines Christen anders nicht als durch die christliche Religionswahrheiten geschehe. Matth. 13, 22. |d243| 23. Eph. 1, 13. 1 Thess. 2, 13. 2 Tim. 3, 16. /a2 Petr. 1, 3. 4. (§. 155. a.)a\

d*) Mit den Spitzfindigkeiten des Systems und den darauf sich beziehenden Streitigkeiten in der Lehre von der Gnade und den Gnadenwirkungen, werden Nichttheologen billig verschont. Was davon wirklich praktisch und gemeinnützig ist, läßt sich kurz zusammenfassen.d
d1: *) a2: Jer. b3: 31. a4: 18. a5: 1, 6. a6: 3. b7: 16. b8: Zuverlässigkeit b9: Größe a10: durch welche a11: Sinnesänderung bewirkt werden konnte, a12: er a13: kan, a14: kan a15: niemand a16: 2 Cor. 3, 4. ad17: verschafte (a); verschafften (d) a19: angebotene

163. Auf eben dem Wege der Sinnesänderung, auf welchem der Mensch geheiliget wird, (§. 158.) gelangt er auch zur Begnadigung |b187| und wird beglückt, welches man mit einer biblischen Redensart die Rechtfer|c243|tigung des Menschen d1 zu nennen pflegt. Röm.a2 3, 20. 21. /a(vergl. 1, 17. 18.)a\ 22. 24. 26. 28. 30. 4, 2. 3. /a5. 6. 7.a\ 22–25. |a121| 5, 1. /a2 Cor. 3, 9. 5, 18.a\ vergl. Eph. 2,b3 8. /a(vergl. Vers 5. 6. und Col. 2, 1.b4 1, 14.)a\ Das Glückd5 welches dem Menschen hierdurch zu Theil wird, /dbestehetd\d6 darin, /dα)d\ daß ihm alle bisher begangene Sünden um Christi willen (§. 143. 144.) vergeben werden, 2 Cor. 5, 21. 19,ab7 14. Röm. 4, 5–8. 3, 24. 25. Act. 13, 38. 39. so daß er von allen denjenigen Stra|d244|fen, von welchen Christus uns erlöset hat, (§. 143.) wirklich befreiet ist. /dDaherd\d8 darf der Mensch d9 alles Gute, wozu er nur eine Empfänglichkeit hat, eben so zuversichtlich von Gott erwarten, d10 als wenn er bisher nie gesündigt, Gottes Misfallen nie sich zugezogen, noch Strafen verdient hätte; Röm. 8,d11 32–34. ob es gleich gewißa12 bleibt, daß der Mensch, wenn er ohne zu sündigen von Kindheit an fromm gewesen wäre, oder weniger und minder schwehr gesündigt hätte, eine noch grössereab13 Empfänglichkeit zu /aeinem noch reineren Genusseb15 noch mehreresb16 a\a17 Guten haben würde. /dβ)d\ /aSonach hat era\a18 /dalso auchd\d19 eine sichere Anwartschaft auf die ewige Seligkeit, und die positiven Belohnungen des künftigen Lebens. (§. 102. 143.) Tit. 3, 7. Daraus /dfolgtd\d20 dann weiter, /aRöm. 5, 1.a\ daß der Begnadigteb21 a) von aller ängstigenden Furcht befreiet a22, Röm. 8, 15. |c244| 1 Joh. 3, 19–21.b23 /aund /bin seinemb\b24 a\a25 Gewissen völlig beruhigt ist, Röm. 8, 33. /ab)a\a26 daß er Gott als seinen liebevollen Vater, und sich als dessen geliebtes Kind betrachten darf, Röm. 8, 14–17. Gal. 4, |b188| 5–7. und des Wohlgefallens Gottes, so wie dessen /astetera\a27 Fürsorge (§. 77.) sich getrösten /akann; und weiß, alles was ihm begegnet, seynb28 liebreiche Schickungen seines gnädigen Vaters; Röm.d29 8, 28. 35–39. |d245| 5, 3. Hebr. 12, 4–11. c)a\a30 daß er mit kindlichem Zutrauen alle seine Anliegen Gott im Gebet vortragen darf;a31 Röm. 5, 2. 8, 15. 26. 27. Hebr. 4, 16. Jac. 1, 5. 6. Matth.b32 7, 11. d)a33 daß er /aeine fromme Freude über seinen jetzigen glücklichen Zustand empfindet; 2 Cor. 13, 11. Phil. 3, 1. 4, 4. e)a\a34 |a122| daß er mit getroster Freudigkeit die ewige Seligkeit hoffen, Röm. 5, 2. Tit. 2, 13. Hebr. 9, 28. und daher f)a35 dem Tode muthig entgegen sehen kanna36. Phil. 1, 21. 23. 2 Cor. 4, 2. 4.

d*) Wenn man bey dieser Lehre nur polemische Rücksichten bey Seite setzt, die unter den biblischen Ausdrücken liegenden Begriffe richtig entwickelt, und das, worin die sogenannte Rechtfertigung eigentlich bestehet, von dem, was unmittelbar oder mittelbar aus ihr folgt, unterscheidet, so ist die ganze Lehre simpel und leicht.d
d1: *) a2: Rom. b3: 2. b4: 17. d5: Glück, d6: α) bestehet ab7: 19. d8: Daher β) d9: von Gott, als dem Allgütigen, d10: (vergl. §. 48. a. §. 143. d. e. f.) d11: 8. a12: gewis ab13: grösere (a); größere (b) b15: Genuß b16: mehreren a17: noch mehrerem a18: Er hat d19: also auch γ) d20: δ) folgt b21: Begnadigete a22: ist b23: 10–21. b24: sein a25: b) daß sein a26: c) daß er eine fromme Freude über seinen glücklichen Zustand empfindet, 2 Cor. 13, 11. Phil. 3, 1. 4, 4. d) a27: ganz besondrer b28: seyen d29: Rom. a30: kan; e) a31: darf, b32: Matth[.] a33: f) a34: weiß, alles was ihm begegnet, seyen liebreiche Schickungen seines gnädigen Vaters Röm. 8, 28. 35–39. 5, 3. Hebr. 12, 4–11. g) a35: h) a36: kan

164. Zu dieser Begnadigung /aa)a\ gelangt der Christ /a(§. 130.)a\ anders nicht als durch den Glauben; Röm.a1 3, 20,abd2 21. 22. 25. 27. 28. 30. 4, 3. 5. 10. 11. 12. 20. 21. 22. 24. 5, 1. /aAct. 26, 18.a\ nämlich denjenigen Glauben an Christum, der §. 156. nr. k. beschrieben ward, mehrere Theile der vollständigen christlichen Sinnesänderung voraussetzt, d3 und d4 wahre Liebe zu Gott, willigen Gehorsam, |c245| Lust und Kraft die göttliche Vorschriften zu erfüllen, und ein unabläßiges Streben,ab5 Gott in allen Gesinnungen und Handlungen immer ähnlicherabd6 zu werden, d7 hervorbringt, d8 und sich in guten Werken äussertab9. d10 Denn blosserab11 historischer Glaube, oder leichtsinniges Berufen auf Christi Verdienst oder Gottes |d246| Barmherzigkeit und Verheisungen, bey einem noch ungebesserten Herzen, kanna13 niemand berechtigen, sich unter die Begnadigten, denen ihre Sünden vergeben sind, zu zählen. /ab)a\ Hingegen |b189| kanna14 man auch die Begnadigung nicht verdienen, Röm. 4, 4. 5. weder durch Bereuung der Sünden, noch durch fromme Handlungen, oder auch christlich gute Werke. /a(§. 143.)a\ Denn wenn gleich jene vorausgesetzt wird, und diese unausbleiblich erfolgen müssen Eph. 2, 9. 10. und nothwendig sind, (§. 159.) /aso daß der Begnadigte der erlangten Gnade sich selbst wieder verlustig machen würde, wenn er es am Eifer in der Ausübung guter Werke fehlen lassen wollte; wie dann auch eben dieser fromme Eifer das einzige sichere Merkmal ist, daß unser Glaube rechter Art, und wir also wahrhaftig Begnadigte seyn: Joh. 15, 10. Röm. 8, 9. 14. 16. 1 Joh. 2, 4. 5. 3, 10. 21.a\ so spricht doch Paulus ausdrücklich den Einfluß in /adie Erlangung dera\a15 Begnadigung den Werken ab, Röm.a16 3, 20. 28. 4, 2. 4. 5. Eph. 2, 9. unter welchen er /a(nach meiner d17 Einsicht)a\ nicht |c246| bloßa18 |d247| die nach den Vorschriften des Mosaischen Gesetzes, sondern auch die nach dem Natur und Mo|d248|ralgesetz verrichteten Werke verstanden haben muß, indem er theils im ganzen Zusammenhange von Uebertretungena19 dieses letzternab20 Gesetzes, |a123| deren sich Heiden d21 sowohl als Juden schuldig machten, redet, Röm. 1, 21. 24.b22 28–32. 2, 6. 7. 10. 14. 15. 21. 22. 23. 26. 27. 3, 10–21. theils auch solche Werke, dergleichen /dAbrahamd\d23 thun konnte, ausschliessetab24. Röm.a25 4, /d2–5.d\d26 Dagegen behauptet er, wir würden umsonst und ohne unser Verdienst begnadigt, Röm.a27 3, 24. 4, 4. 5. um der durch Christum geschehenen Erlösung willen, Röm. 3, 24. 4, 25. 5, 9. welche der Mensch durch den Glauben annimmt und auf sich anwendet. /ac)a\ Daß aber gerade der Glaube dasjenige ist, wo|b190|durch der Mensch der Begnadigung wirklich theilhaftig wird, ist nicht nur der Natur der Sache höchst angemessen, und zur Beförderung der christlichen Tugend, die vom ächten Glauben unzertrennlich ist, sehr geschickt, sondern scheint auch vornehmlich um deswillenab28 von Gott so angeordnet zu seyn, weil d29 Vertrauen auf Gottes d30 Verheisung unstreitig die ihm wohlgefälligste Verehrung ist. Röm.a31 4, 20. 21. 22.

d*) Es kommt alles auf den Zusammenhang des ganzen Raisonnements Pauli Röm. 1–4. an[.] Zwar hat der Apostel freilich zur nächsten Absicht, die thörichte Einbildung der Juden und ihr höchstschäd|d247*| liches Vertrauen auf ihre Abstammung, ihre Beschneidung, ihre Beobachtung der im Mosaischen Gesetz vorgeschriebenen äusserlichen Handlungen, und auf ihre vermeinte National-Heiligkeit zu bestreiten. Aber um dies nachdrücklicher thun zu können, faßt er wohlbedächtig die Sache mehr im Allgemeinen, und leugnet überhaupt, daß irgend ein Mensch, selbst Abraham nicht ausgenommen, um seiner Werke willen die Begnadigung erlangt habe, oder erlangen könne; ungefähr so, wie es auch Luther machte, als er der Verdienstlichkeit dessen, was zu seiner Zeit für gute Werke galt, und dem Vertrauen auf dergleichen eigne oder fremde Werke widersprechen mußte. Man hat auch nicht Ursach, durch den möglichen Mißbrauch dieser Lehre sich von dem Vortrage derselben abschrecken zu lassen. Denn nicht zu gedenken, daß auch andere sehr wichtige Lehren, z[.] B. von der unendlichen Güte Gottes, von der Vorsehung u. a. m. wenn sie mißverstanden werden, gröblich mißbraucht werden können; so wird allem Schaden leicht vorgebeugt werden, wenn der Lehrer der Religion nur die wahre Beschaffenheit des Glaubens, den Paulus empfiehlt, sorgfältig und deutlich auseinander setzt, und immer dabey zugleich auf die Stellen des N. T. hinweiset, in welchen die unnachläßliche Nothwendigkeit der christlichen |d248*| Rechtschaffenheit und eines ununterbrochenen redlichen Eifers in Vollbringung Gott wohlgefälliger Werke eingeschärft wird.d
a1: Rom. abd2: 20. d3: (§. 156. b–h.) d4: die übrigen, nämlich ab5: Streben abd6: änlicher d7: unausbleiblich d8: (§. 157.) ab9: äusert d10: (§. 158. 159.) ab11: bloser (a); bloßer (b) a13: kan a14: kan a15: unsre a16: Rom. d17: *) a18: blos a19: Ubertretungen ab20: leztern d21: eben b22: 24 d23: Abraham, den das Mosaische Gesetz nichts angieng, Gal. 3, 17. 18. ab24: ausschließet a25: Rom. d26: 2–5, 13. 20. 21. 22. a27: Rom ab28: deßwillen d29: unerschütterliches d30: Zusage |d249| und a31: Rom.

165. Zu den Beförderungsmitteln der christlichen Tugend (§. 160. c.a1) gehöret auch |c247| der Genuß des heiligen Abendmahls, welche religiöseab2 Handlung Christus kurz vor seinem Leiden und Sterben eingesetzet, Matth. 26, 26–28. Marc. 14,b3 22–24. Luc. 22, 19. 20. und als eine solche, welche die Christen aller folgenden Zeiten, zu oft wiederhohlten malen, begehen sollten, verordnet hat. 1 Cor. 10,b4 16. 17. 21. 11, 20–29. Sie bestehet aber darind5, daß wir nicht nur Brod sondern auch Wein, welche (durch eine gottesdienstliche Person) feierlich dazu bestimmt worden, 1 Cor. 10, 16. zur Erneuerung des Andenkens an |a124| Christum, seinen Tod, und dessen Folgen, 1 Cor. 11, 24. 26. Luc. 22, 19. /a(gemeinschaftlicha\ 1 Cor. 10, 17. 11, 20. 21. 22. 33. /a34.)a\a6 essen und trinken.

a1: e. ab2: gottesdienstliche b3: 14. b4: 10; d5: darinn a6: 34. gemeinschaftlich

166. Daß wir, indem wir Brod und Wein bey dem Abendmahle essen und trinken, zugleich dend1 für uns getödtetenab2 Leibd3, und dasd4 zur Vergebung |b191| unsrer Sünden /dvergossene Blutd\d5 Christi /dempfangend\d6, lehret Christus in den Worten der Einsetzung: dießd7 ist mein Leib, dießd8 ist mein /aBlut;b9 vergl. 2 Mos. 24, 8.a\a10 b11 und Paulus /dbestätigt esd\, wenn er sagt, daß wir im Abendmahle an dem Leibe und Blute Christi theilnehmen, 1 Cor. 10, 16. und daß man durch unwürdiges Verhalten bey dem Genusseab12 des Abendmahls sich an dem Leibe und Blute des Herrn versündige. 1 Cor. 11, 27. 29. Die Frage aber, wie d13 wir den Leib und das |c248| Blut Christi empfangen, welche zu beklagenswürdigen Spaltungen Anlaß gegeben hat, wird von den Theologen /ader verschiedenen Kirchenpartheiend14 nach verschiedenen Hypothesen, die freilich nicht von gleicher Güte sind, beantwortet.a\

aaus triftigen Gründen nach dem Lehrbegriffe unsrer Kirche so beantwortet: der Leib und das Blut Christi seyen denen, welche das Brod und den Wein genießen, selbst ihrer Substanz nach, auf eine unerklärbare und in ihrer Art einzige Weise, gegenwärtig, und werden von ihnen zugleich mit jenen sichtbaren Zeichen wahrhaftig empfangen.a
Für den Christen aber ist die Hauptsache, die Zwecke und den Nutzen dieser heiligen Handlung zu wissen, aus deren Betrachtung sich auch ergiebt, mit welcher Gemüthsfassung man dieselbe vornehmen müsse. /ad(§. 152. Anmerk. k.)ad\

d*) Gottlob, daß die ehemalige Streitsucht über diese Frage sich allmählich verlohren hat, und daß man daher desto weniger Bedenken zu haben braucht, bey den deutlichen Worten des N. T. stehen zu bleiben, und die Christen allein auf das hinzuweisen, was ihnen wahrhaft nützlich und tröstlich seyn kann. Als Theolog aber muß der Religionslehrer doch auch die Meinung seiner Kirche mit ihren Gründen kennen.d
d1: des ab2: getödeten d3: Leibes d4: des d5: vergossenen |d250| Blutes d6: theilhaftig werden d7: dies d8: dies b9: Blut, a10: Blut, deutlich, b11: deutlich, ab12: Genuße d13: *) d14: Kirchenparteien

|d251| 167. Nämlich das Abendmahl ist a) eine sinnliche und rührende Vorstellung der d1 Hauptlehre der christlichen Religion, von der durch den Tod Christi geschehenen Erlösung der Menschen, und b) ein feierliches |a125| Bekenntnis dieser grossenab2 Wahrheit. c) Wer nun dieselbe von Herzen glaubt, (§. 156.) dem werden alle durch Christi Tod uns erworbene Güter (Vergebung der Sünden, das Recht auf die künftige Seligkeit etc.) wirklich zugeeignet, und d) er hat davon jedesmal die feierlichste Versicherung im Abendmahle, e) durch welche sein Glaube gestärkt, und also auch seine Liebe zu Gott und sein williger Gehorsam unterhalten und |b192| befördert werden. f) Weil aber Christus mit seinem Blute den neuen Bund (die göttliche Zusage, daß alle, welche sich in die vorgeschriebene Ordnung begeben, §. /abd156 bis 159.abd\abd4 begnadiget werden, §. 163.) versie|c249|gelt hat, so übernimmtab6 derjenige, der im Abendmahle d7 Christi /dLeib und Blut empfängt,d\d8 die stärkste d9 Verpflichtung, in allen Stücken dieser Ordnung sich gemäs zu verhalten. /ab(§. 142. d.)ab\ Hiernächst g) kanna10 auch durch /abgemeinschaftlichen Genuß dieses Mahlesab\ab11 der gemeinschaftliche Antheil an allen Gütern, welche die Religion Jesu gewähret, vorgestellet, und das Band der brüderlichen Liebe unter den Christen enger geknüpft werden.a12 1 Cor. 10, 17.

d1: eigenthümlichen ab2: grosen (a); großen (b) abd4: 156–159 (a); 156–159. (bd) ab6: übernimt d7: des Leibes und Blutes d8: theilhaftig wird, (§. 166.) d9: und feierlichste a10: soll ab11: dieses gemeinschaftliche Mahl a12: werden

|d252| 168. Folglich a) /aist es am schicklichsten,a\a1 d2 diese religiöseab3 Handlung, wo möglich, in der öffentlichen Versammlung der Christen /avorzunehmena\a4. b) Wer sich nicht zur Religion Jesu bekennet, oder wer zur Betrachtung der im Abendmahle sinnlich vorgestellten Wahrheiten ganz unfähig ist, kanna5 an dieser Handlung nicht theilnehmen. c) Niemand hat den vollen Nutzen von derselben (welcher ganz moralisch ist, und mithin sich nicht auf den Körper bezieht), der sich nicht in der vorhin erwähnten Ordnung befindet, oder sich in sie begiebt. d) Der Kommunikant soll sich lebhaft an die grossenab6 Wahrheiten erinnern, welche das Abendmahl so rührend vorstellt; nämlich an die Lehren von der Liebe Gottes, welche er in Sendung seines Sohnes bewie|a126|sen, von der Liebe Christi gegen uns, welche ihn bewog für uns zu leiden und zu sterben, und von den |c250| grossenab8 Folgen des für uns übernommenen Todes Jesu. Andächtige Betrachtung die|b193|ser Wahrheiten, und die Erwägung der bey /abwürdigem Genusseab\ab10 des Abendmahls geschehendend11 Zueignung aller Früchte des Todes Christi, soll der Kommunikant seine Hauptbeschäftigung seyn lassen, und e) dadurch die Empfindungen des lebhaftesten Danks in sich nähren, zum Lobe Gottes und zum Preiseab12 Christi sich ermuntern, und in den Gesinnungen,ab13 welche das Christenthum fordert, besonders auchab14 |d253| in den Gesinnungen eines allgemeinen Wohlwollens gegen seine Mitchristen, sich befestigen. f) Dem allem zu Folged15 wird er zwar ohne Leichtsinn, der /ahöchst strafbara\a16 seyn würde, aber auch ohne abergläubische Furcht, mit Ehrfurcht und inniger religiöser Freude, diese Gedächtnisfeier des für ihn so wohlthätigen Todes Jesu begehen, und eine so erfreuliche und ihm so vortheilhafte Handlung gern und oft wiederhohlen.

a1: sollte billig d2: (§. 167. b. g.) ab3: Gottesdienstliche a4: vorgenommen werden a5: kan ab6: grosen (a); großen (b) ab8: grosen (a); großen (b) ab10: dem Genuße d11: geschehenen ab12: Preiße ab13: Gesinnungen ab14: aber d15: Folgen a16: höchststrafbar

169. Zur Beförderung des würdigen Genusses des Abendmahls hat die Kirche vor demselben die Beichte verordnet, in welcher denen, die ernstlich bezeugen, daß sie sich in die vorgeschriebene Ordnung begeben, die Vergebung ihrer Sünden und die Gnade Gottes von einem Prediger angekündigt wird. Diese /aHandlung, ob sie gleich von |b194| Christo nicht vorgeschrieben und mancherley Mißbrauch unterworfen ist, kann doch da, wo sie einmal |c251| eingeführt ist,a\a1 dazu /agenutzt werdena\a2, die Aufmerksamkeit der Menschen auf ihren Gemüthszustand zu befördern; ihnen eine Veranlassung zu geben, daß sie manche Anliegen ihres Herzens ihrem Lehrer freier entdecken, und von diesem einen nähern, ihren Umständen angemessenen, Unterricht bekommen können; ihnen die Anwendung der göttlichen Zusagen auf sich selbst zu erleichtern etc.

a1: Handlung kan a2: dienen

|a127| |d254| 170. Die Taufe und das Abendmahla1 belegen die Theologen mit dem gemeinschaftlichen Namen der Sakramente d2, weil diese äussereab3 religiöse Handlungen dießd4 mit einander gemein haben, daß sie nicht nur feierliche Bekenntnisse der christlichen Religion, und sinnliche Vorstellungs-a5 und Erinnerungsmittel der wichtigsten Wahrheiten derselben sind, sondern auch von Gott mit der angehängten Verheisung verordnet sind, daß denenjenigen, welche der Einsetzung gemäs diese Handlungen begehen, gewisse unsichtbare geistliche Güter /ab(§.d6 151. b. c. und §. 167. d. e.)ab\ mitgetheilt werden. – Beide, (und mehrere hat Christus, dessen Religion nicht in äussernab7 Gebräuchen bestehen sollte, nicht befohlen,) empfehlen sich durch die |b195| Leichtigkeit, mit der sie allenthalben vorgenommen werden |d255| können, durch ihre Simplicität, und durch ihre Bedeutsamkeit und Schicklichkeit zu ihrem Zwecke, nicht nur in Hinsicht auf die zur Zeit der Anordnung lebende Menschen, |c252| sondern auch in Ansehung der Christen aller folgenden Zeiten. Aus ihnen leuchtet die unermeßliche Güte und Weisheit ihres Stifters eben so /dsehrd\ hervor, als aus allen Lehrsätzen seiner Religion, die niemand, der nicht ganz verwildert ist, richtig kennen kanna8, ohne sie zu lieben, von ihrer Vortreflichkeit gerührt zu seyn, ihre Göttlichkeit einzugestehen, sie für die größteab9 Wohlthat, die ihm Gott erwiesen hat, anzuerkennen, und täglich Gott für das Glück, ein Christ zu seyn, zu dankena10. Möchten doch alle, |a128| welche /aden edlen Beruf haben,a\ das Volka11 in dieser göttlichen Religion /azua\ unterrichten a12, sie in ihrer wahren,a13 simpeln, ehrwürdigen, einnehmenden Gestalt darstellen, und nicht durch unweises Aufdringen entbehrlicher Spekulationen die Herzen vieler, zum Theil gutmeinender, Menschen von ihr entfernen.

d*) Dieser Begrif, den man in den Schulen der Theologen von dem was Taufe und Abendmahl mit einander gemein haben, abstrahiret hat, könnte in der populären Dogmatik ganz entbehret werden. Da aber schon die Katechismen das Wort und die Sache haben, so muß wohl der Religionslehrer einigen Unterricht darüber ertheilen. Nur verspare er denselben, bis er von der Taufe und dem Abendmahle einzeln gehandelt hat. Denn von dem Begrif Sakrament ausgehen, und dann ihn auf Taufe und Abendmahl anwenden, ist gegen die Regeln einer guten Methode und bedenklich.d

Ende.

a1: Abendmal d2: *) ab3: äusere d4: dies a5: Vorstellungs d6: ab7: äusern a8: kan ab9: gröste a10: dancken a11: Volck a12: sollen a13: wahren