/z|a[459]| |b437| |c487| Evangelium am dritten Sontage nach Epiphanias.
Matthäi 8, 1–13bc1

D e r Aussaz, eine sehr ekelhafte, auch schmerzliche, ansteckende, und zum Theil unheilbahre Krankheit, ist nebst der Pest die fürchterlichste Geissel des menschlichen Geschlechts. Sie war unter den Juden, welche sie vermuthlich aus Aegypten, diesem Vaterlande der Pest und des Aussazes mitgebracht, so gemein, {3 Buch Mose 13 folg.} daß auch die Geseze des Staats Verordnungen deswegenc2 machten. Den Priestern (denn diese beschäftigten sich nicht bloß mit der Religion, sondern auch mit der Geschichte, Arzeneikunde und allen Zweigen der Gelehrsamkeit) war es aufgetragen, diese Krankheit zu untersuchen; die damit Behaftetec3 aus der Gesellschaft zu entfernen; und besonders, zu erkennen ob jemand davon wirklich geheilet sey, und wiederum in den Umgang mit andern gelassen werden könne. Nach geschehener Reinigung muste der Geheilte sich dem Priester zeigen, und wenn dieser ihn für Rein erkläret, alsdenn ein Reinigungs-Opfer bringen.

{vers 1–3bc4 } E i n solcher Elendec5 war es, der sich Jesu darstellete, als er nach gehaltener Berg-Predigt Matth. 5–7., in Begleitung einer Menge Volks vom Berge herabstieg. Er fiel vor ihm |b438| |c488| nieder und sprach, Herr! Du kanst mich, wenn du wilst, gesund machen! Und Jesus streckte seine Hand aus, rürete ihn an und |a460| sprach – I c h w i l l s! S e y G e s u n d! – Wie würdig einem Gesandten Gottesc6! So zuversichtlich! Ohne alle Umwege! Mit zwei Macht-Worten! Und so Liebesvollbc7! – Und augenblicklich ward er von seinem Aussaze gesund.

{vers 4c8 } J e s u s aber sprach zu ihm. Siehe dich vor und sage es Niemand.c9 Nämlich, wie das folgende lehret, bevor er von einem Priester für wirklich geheilt erkläret worden. Sonst hätten Boshafte die Heilung verdächtig machen, auch selbst der Priester sie ableugnen können. Denn manc10 muß die Menschen nehmen wie sie sind, nicht wie sie seyn solten. Ganz vollkommen eben dieselbe Sache bekomt bei eben dem Menschen, dreyc11 ganz widersprechende Gestalten, nachdem er sie mit dem Auge eines Freundes, oder eines Feindes, oder eines Gleichgültigen betrachtet. Sondern gehe hin, und zeige dich dem Priester (zur Untersuchung) und bringe das Opfer das Moses verordnet: ihnen (den Juden) zur /cUeberzeugung. „Daßc\c12 sie, meine Feinde durch eigene Ansichtc13 von der Wahrheit der geschehenen Heilung überfüret werden.“

S o war Jesusc14 nur immer bedacht, auf allen Seiten um sich her wohlzuthun. Hier heilet er einen Aussäzigen. Da verhindert er Sünden. Dort breitet er Wahrheit und Tugend aus. – {Apostelgeschichtbc15 10, 38.} Er gieng umher, w o h l z u t h u n. Sehet da unser Muster, Christenc16!

|b439| |c489| {vers 5–12.} A l s er aber nach Capernaumc17 kam, bat ihn ein Hauptmann, (er that es, durch seine Freunde, wie Lucasc18 erzält Kapit. 7, 3.) Herr, ließ er ihm sagen, einer meiner Sclavenc19 (Sie|a461|he Lucä 7, 2) liegt in meinem Hause an der Gicht, unter grossen Schmerzen, tödtlich krank (Lucä 7, 2) Jesus antwortete, ich komme ihn gesund zu machen. Herr, erwiederte der Hauptmann durch seine Freunde, ich bin unwerth daß du dich zu mir bemühest. Du darfst ja nur b e f e h l e n, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, ein Unterthan, und habe Soldaten unter mir. Wenn ich nun zu diesem spreche, Gehe! so geht er: oder zu einem andern, komme her! so komtc20 er: oder zu meinem Sclavenc21, thue das! so thut ers. Der Sinn ist. „Mir, der ich doch nur ein Mensch, und noch dazu ein Unterthan bin, stehen meine Untergebenec22 augenblicklich zu Gebothe. So stehet auch dir, der du mehr als Mensch bist, wie ich versichert bin, die Natur zu Gebothe.“ – Schwerlich hat ein Jude so hohe und richtige Begriffe von Jesuc23 gehabt! – Als Jesus das hörete, verwunderte er sich und sprach zu denen die ihn begleiteten, Warlichc24! selbst in Israel (unter den Juden) habe ich ein solches Vertrauen nicht gefunden. Der Hauptmannb25 war zwar kein Gözendiener; sondern betete den wahren Gottc26 an, nach Lucä 7, 5. Aber er bekantec27 sich auch nicht, zur jüdischen Religion. Und alle diese nanten die Juden, nach ihrem unsinnigen und barbarischen /cSecten Stolzc\c28, verächtlicher weisec29, Heiden. |b440| |c490| Hier konten sie, hier können auch wir sehen, /bc{Apostelgeschicht 10, 34. 35 }bc\ daß bei Gott kein Ansehen der Person gilt. Sondern in jeder Nation ist /cder ihmc\c30 angenehm, der ihn fürchtet und recht thut. – |a462| J e s u s fuhr fort, ich sage euch aber, viele werden vom Morgen und Abend kommen und mit Abraham, Isaacc31 und Jacobc32 an der Tafel des Himmelreichs seyn. (d. i. „meine Religion annehmen.[“] Lucä 14, 16 f. Siehe oben Seite 13c33 f.) Hingegen die für dieses Reich bestimtec34, (die Juden, denen die Religion zuerst geprediget ward Siehe am angef. O.) werden in die Finsterniß hinaus geworfen werden, wo manc35 wehklaget und mit den Zänen klappet.bc36 (Siehe Seite 270.bc38) Der Sinn ist, „die Juden werden der Vortheile meiner Religion verlustig gehen.“ Das Bild ist von einem Gastmahl hergenommen, welches in einer külen /cJahres Zeitc\c40, des Nachts, in einem prächtigen erleuchteten Pallaste gehalten wird. Draussen, vor dem Pallast, ist es kalt, und /bcallesbc\ dunkel.

{/cvers 33c\c41 } D e m Hauptmann aber sagte Jesus; Gehe hin es geschehe was du wilst! Und sein Sclavec42 ward zur Stunde gesund.

{/cvers 10c\c43 } W i e vortheilhaft war das Vertrauen dieses Mannes! Nie wäre ihm sonst Hülfe wiederfahren. Es gereicht unsrer Religion zu grosser Ehre, daß sie allenthalben, das ganz Uneingeschränkte Vertrauen auf Gott, so dringend anempfiehlet. Sie will, wir sollen uns vornehmlich, durch einen an allen Tugenden reichen Glauben und durch treuen Gebrauch aller von Gottc44 uns ange|b441||c491|wiesenen Klugheits-Mittel, geschickt machen, Gottc45 vertrauen zu dürfen. Sodennc46 aber, wenn wir unsre Pflicht Ganz und Recht gethan: dennc47 sollen wir Gottc48, mit dem ganz unwandelbahren und uneingeschränkten Vertrauen ehren, daß Erc49 |a463| Alles wohl mache. Sodennc50 es Gottc51 zutrauen, daß wir in keiner Sache, und in keinem Augenblick, anders als Glücklich seyn können. Ein solches Vertrauen, an der einen Seite Wohlgeordnet und an der andern ganz Uneingeschränktc52 erkläret die Bibel für ein Hauptstück des Gottesdienstes. Römer 4, 20. 21. Sie leget ihm grosse Verheissungen bei, Hebräer 10, 35. Ja wir erhalten dadurch, nach ihrer Versicherung, gleichsam ein Recht auf die Erfüllung der Zusagen Gottesc53. Abraham ehrete Gott mit /cVertrauen. Undc\c54 das ward ihm als Tugend angerechnet. Römer 4, 21. 22. – Wie würdig Gottc55, und unsern Bedürfnissen angemessen ist diese Lehre? Gott würdig! Kan ein Vater zärtlicher handeln? Unsern Bedürfnissen angemessen! Ohne solches Vertrauen auf Gottc56 ist keine Ruhe in diesem Leben möglich. Was aber kan kräftiger seyn es uns einzuflössen, als jene Lehren der Bibel?

{/cvers 5–c\c57 } H e r r! mein Sclavec58 liegt zu Hause tödtlich krank; sprach der Hauptmann zu Jesu. /cc\ Ich will kommen und ihn gesund machen, war die /cAntwort.c\c59 Ein Hauptzug in dem Characterc60 Jesu! Und eines jeden ächten Schülers von Ihm! Wohlthun, und zwar, auf die gefälligste Art. Ein Herz begierig jeder Noth abzuhelfen, und jeden Menschen zu erfreuen, haben. Stets bereit seyn zu helfen und zu beglücken, da |b442| |c492| wo wir nur immer können. Und wenn wir es können, es ohne Verzug, und mit allen Beweisen einer wirklich freundschaftlichen Zuneigung thun. Das soll der Christ. Das kan auch nur der Christ. Er der Gottc61 über alles, und in jedem |a464| Menschen, /cGott selbstc\c62 liebet! Matthäi 22, 37–40. Römer 12, /bc4 –bc\bc63 Kapitel 13, 10. 1 Johannis 4, 9–21.

{vers 10–12.} I n J E D E Mc64 Menschen! Denn bei Gottc65 ist kein Ansehen der Person. Einen solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden, sagt Jesus von einem Heiden. Also in jeder Nation, und in jeder Religions-Parthei, einen jeden der ein Mensch ist, liebt Gottc66. Jeden will er beglücken. Jeder ist Seinc67 Freund, wenn er das ihm verliehene Talent wohl gebraucht. {Römer 3, 29.} Gott ist nicht bloß der Juden Gott, sondern auch der Heiden Gott. Er ist der Vater aller Geister. Hebräer 12, 9. Das {Apostelgesch.bc68 17, 26.} ganze /cMenschen Geschlechtc\c69, auf der ganzen weiten Erde, ist {Epheserc70 3, 14. 15bc71 } Seine Familie. – – V A T E R L A N D, das ist also für den Christen, nicht der Winkel wo er gebohren worden, und lebt; nicht die wenigen Menschen mit denen er in einem Lande verbunden. Sondern, die ganze weite Erde, und das Ganze Menschen-Geschlecht. Das bürgerliche Vaterland müssen wir vorzüglich lieben; denn Gottc72 hat es mit uns in nähere Verbindung gesezt. Aber es alleine lieben; alle Quellen des Glücks nur in seine Grenzen verschliessen wollen; andre Menschen gleichgültig ansehen oder gar verachtenc73, weil sie nicht von unsrer Nation, von unsrer Religion sind; eine solche Engherzigkeitc74 kan mit dem |b443| |c493| Christenthum nicht bestehen. In dem Herzen des Christen muß die ganze Welt Plaz haben!

{vers /c6 Lucäc\c75 7.} E i n S c l a v ec76 war esc77 für den wir den heidnischen Herren so besorgt sehen. Ein Sclavec78 ist ein Mensch, gerade wie der König. Dies sieht |a465| und fület schon die blosse Natur. Aber nach dem Christenthum ist er noch mehr. Völlig unsers gleichen vor Gottc79. Ein {Epheserc80 6, 9. Colosserc81 4, 1.} Unterthan Gottes wie wir. Unser Bruder. Ein Glied derc82 Familie Gottes. Hier haben wir also die deutlichste Erklärung so wie die kräftigste Empfehlung unsrer /cChristen Pflichtenc\c83 gegen unsre Dienstbothen. 1) Gerechtigkeit, und 2) Güte, Aberc84 3) Eine E r l e u c h t e t e Güte. Das ist die Anweisung wodurch das Christenthum, dieser Seegen der V ä t e r l i c h e n Gesellschaft /cistc\, (Siehe Seite /bc428 f[.]bc\bc85) es nicht weniger für die H e r r s c h a f t l i c h e wird.

T ä g l i c h siehet man eine Menge von Menschen, welche auch hier in den Ausschweifungen an beiden Seiten herumirren. Bald macht manc86 durch eine unzeitige Strenge und unchristliche Härte, sein Haus zu einer Wohnung der Zwietracht und c87 Zankes. Bald aber macht manc88 durch eine unkluge Nachsicht, die Hausgenossen, Mägde, Diener, und Bediente aller Art, zu Betrügern und Bösewichtern; sich selbst zum Thoren und Raube,c89 und sich nebst seiner Familie zum Opfer der Verschwendung und Raubsucht seiner Dienstbothen. Die Religion Jesu zeiget auch hier die Mittelstrasse, welche uns sicher und leicht zum Glück füret.

|b444| |c494| I h r Herren! Thut eben dasselbe (Treue und Güte, siehe versc90 5–8) gegen eure Dienstbothen. (Mädge, Diener, und Bediente aller Art) Leget das verdrüsliche Wesen ab. Bedenkt daß auch euer Herr im Himmel ist, bei welchem kein Ansehen der Person gilt. Epheser 6, 9.Was Gerecht und Billig ist, ihr |a466| Herrschaften! Thut gegen die Bediente, und bedenkt daß auch ihr einen Herrenc91 im Himmel habt. Colosserc92 4, 1.T r e u e, G e r e c h t i g k e i t ist das geringste, was wir unsern Hausgenossen schuldig sind. Ihnen den versprochenen Lohn richtig bezahlen. Ihn zur bestimten Zeit entrichten: denn, ihn ohne ihre Einwilligung ihnen vorenthalten, das heißt ihnen einen Theil davon rauben. Alles mit einem Wort, pünktlich erfüllen was wir ihnen versprochen. Dies sind wir ihnen im eigentlichsten Verstande schuldig. Denn dazu können sie uns durch die Macht der Obrigkeit zwingen.

G ü t e aber, dies sind wir ihnen nach bürgerlichen Gesezen nicht schuldig. Hierin muß es sich also zeigen, ob wir Christenthum, ob wir Religion haben. Haben wir diese, das heißt, lieben wir unsre Hausgenossen, als unsre Miterlösete und unsre Brüder in der Familie Gottes:c93 so werden wir 1) d i e Arbeiten ihren Kräften anmessen. Nie, und wenn auch ihr Dienst sie dazu verpflichtet, Arbeiten von ihnen fordern, die ihre Gesundheit zerstören. Nie sie unaufhörlich, ohne die nötigec94 Ruhe und Erhohlung anstrengen. Und insbesondre, den Sontag, als den von Gottc95 selbst, ihnen angewiesenen Ruhetag ihnen nicht entziehen. |b445| |c495| Ihnen an diesem Tage die Erholung von den schwerern Arbeiten, und die nötigec96 Zeit geben, die Kirche zu besuchen, die geheime Andacht abzuwarten, und sich eine anständige Ergözung zu machen. – 2) E b e n die christliche Liebe muß uns geneigt machen, ihre Fehler mit Nachsicht zu tragen. Mit Ernst und Strenge über die Abwartung des |a467| Dienstes halten; und;c97 immer mit den Untergebenen zanken, bei jeder Kleinigkeit sie mit Verweisen überschütten: das sind zwei ganz verschiedene Dinge. Jenes können, und müssen wir thun; und dennoch die Fehler in Neben-Sachen; oder die unvorsäzlichen Vergehungen in der /cHaupt Sachec\c98 gütig übersehen. Denn auch wir bei aller unsrer besserer Einsicht und Erziehung, haben ja unsre Fehler. Das beschwerliche Loos, zu dienen, welches unserm Untergebenen zugefallen, muß uns die wir in nichts, andre Menschen sind als er, ja bewegen ihm desto mehr Erleichterung zu gönnen. Und Christenc99! Blickt nur zu dem Herren im Himmel hinauf! Wie viel trägt Erc100 an uns! Trägt es täglich! Trägt es so herablassend! Matthäi 18, 21–Ende. – 3) F e r n e muß also von uns, c101 christliche Herrschaften, aller gebietherische Stolz gegen unsre Bediente und Mägde seyn! Sind Befehle zu ertheilen: gebt sie mit Gelassenheit, und Sanftmuth. Sind Verweise zu geben und Strafen zu üben: thut es nie im Zorn. Lasset die erste Hize verrauchen; um in külem Blut zu überlegen, wie weit ihr in euren Verweisen und Strafen gehen müßt. Müsset, sage ich, denn als Christen, werdet ihr doch wohl kein Vergnügen darin suchen. Und sodenn richtet euch genau nach dem, was euch |b446| |c496| jene ernstliche Ueberlegung vorgeschrieben. – 4) Die G ü t e eines Christen, belohnet, ferner, die Dienste der Untergebenen so reichlich als sie kan. Diese Dienste sind sie uns zwar schuldig; sie werden von uns bezahlt. Aber warum wollen wir ihnen nicht das Vergnügen machen, sie uns mit Lust zu leisten? Wir Christen, deren gros|a468|ser Zweck, nach Gottesc102 und unsers Heilandes Muster, Vergnügen und Wohlthun seyn muß! Lobt sie also, wenn sie es verdienen: wißt, der Bettlerbc103 der von Lumpen flattert, hat eine eben solche Seele, eben solche Ehrbegierde als wir, die wir von Seide rauschen. Danket ihnen für ihren guten Dienst, wenn ihr nicht zu besorgen habt, daß sie dadurch unverschämt werden. Vor allen Dingen aber, geizt nicht in euren Geschenken. Beschenket sie so reichlich als ihr köntc104. Gebt lieber weniger Allmosen, um euren Hausgenossen reichlicher geben zu können. Sie gehen uns noch näher an, als die Armen. Und die christliche, das heißt, wahre, erleuchtete Wohltätigkeitc105 muß nicht bloß der Armuth aufhelfen; sondern auch, welches noch wichtiger ist, Armuth verhindern. – 5) G ü t i g seyn gegen unsre Hausgenossen, fordert auch, daß wir uns ihrer in jeder Noth treulich annehmen. Sind sie krank; sind sie unvermögend ferner zu dienen; gerathen sie in irgend eine besondre Noth: stellt euch alsbald an ihren Plaz. Fragt euch „Was würde ich in diesem Fall von meiner Herrschaft wünschen?“ Und dennc106 erinnert euch der Regel unsers Herren, {Matthäi 7, 12.} was ihr wollet daß euch andre thun sollen, das thut auch ihr ihnen. Unsers Herren, |b447| |c497| der uns gelehret, daß {Apostelgeschichtbc107 20, 35bc108 } G e b e n seeliger ist denn N e h m e n. – 6) V o r allen Dingen aber müssen christliche Herrschaften, für die Seele ihrer Hausgenossen sorgen. „Ihr, sagt ihr, seyd keine Prediger! Keine Gelehrte! Ihr könnet also eure Dienstbothen, Mägde und andre Bediente nicht unterrichten!“ – Wohl! Aber ihr, und ein |a469| jeder kan auf viele andre Art für die Seele seiner untergebenen Hausgenossen sorgen. – Ueberlasset sie nicht dem Müssiggange. Haltet nie mehr Bediente, als ihr hinlänglich beschäftigen könnet: denn Müssiggang ist die schreckliche Mutter aller Laster der Dienstbothen. Wachet über ihre Sitten, ihre ganze Auffürung. Gewönet sie durch Erinnerung, Warnung, Verweise, Drohungen und auf jede andre schickliche Art, zur Mässigkeit, zur Ordnung, zur Sauberkeit, zur Eingezogenheit, Verträglichkeit u. s. f. Sprecht nicht „was geht mich das an! Was soll ich mich damit ärgern!“ Geht euch denn das nichts an, unsterbliche Seelen vom Tode retten? Jacobic109 5, 19. 20. Haltet mit /cihnen täglichc\c110, eine /cHaus Andachtc\c111: leset da mit ihnen die Bibel oder irgend ein andres gutes Andachtsbuch. Ihr seyd freilich keine Prediger. Aber ihr seyd doch, als Christen, königliche Priesterc112 Gottes. 1 Petri 2, 9. Ueber alles andre aber, gebt ihnen ein gutes Beispiel. Hier, in unserm Hause, hier, Christenc113 ist es besonders, wo wir das {Matthäi 5, 16bc114 } Licht unsrer Arbeitsamkeit, Mässigkeit, Dienstfertigkeit, Gefälligkeit, Freundlichkeit und andrer Tugenden, sollen leuchten lassen; damit unsre Bedienten, Mägde, Hausverwalter, Kammerdiener, und wie sie sonst |b448| |c498| heissen, zusamt unsern Kindern, dadurch zu eben solchen Tugenden gebracht, und auf solche Art zu glücklichen Menschen in Zeit und Ewigkeit gemacht werden. – M i t einem Worte, G ü t i g seyn müssen wir Christen gegen unsre Dienstbothen. Ihnen W o h l t h u n; als Mit-Geschöpfen und Mit-Erlöseten, die Gottc115 Selbst, uns empfoh|a470|len; deren Glück Erc116 von unsrer Güte abhängig gemacht c117.

G ü t i g seyn, Wohlthun, ihr sehet leicht, das heißt nicht, ihnen alles hingehen, sie nach ihren Einfällen schalten lassen, uns nebst den Unsrigen ihnen Preiß geben. Denn was ist das für ein Wohlthun; wenn wir um einemc118 nicht zuwider zu seyn, /cmehrere andreb119 c\c120 beleidigen? Und noch dazu den Einen damit in Laster und Unglück stürzen? Wohlthun müssen wir Christen, nach Grundsäzen und nicht nach Trieben und Einfällen. Denn Wohlthaten übel angelegt sind Uebelthaten; weil sie mehr schaden als nüzen. Es giebt Menschen die sich freiwillig zu Sclavenc121 ihrer Bedienten machen. Der Gutherzige ist zu weichlich sich ihren Anschlägen auf sein Geld mit Nachdruck zu widersezen. Der Gemächliche scheuet sich fürc122 der Mühe, dem Verdruß, den unordentlichen Hausgenossen die Wahrheit zu sagen, ihre Ränke zu entdecken und zu vereiteln. Der Eitele wird durch jedes Gespenst übler Nachrede in Schrecken gejagt; seine Bediente können nehmen so viel sie begehren, und verwirren so viel sie wollen, wenn sie ihn nur als einen guten Herrn loben. Dadurch sind nun so manche Hausgenossen, die gut waren und noch besser geworden wären bis auf die Wurzel verdor|b449||c499|ben; so viele Familien zu Grunde gegangen; eine Menge Schulden gemacht die man am Ende nicht bezahlen konte, und so viele Menschen um das Ihrige gebracht worden. – Solch ein Unterschied ist zwischen Güte und Güte! – Aechte, Erleuchtete Güte muß es seyn, die ihr gegen eure Hausgenossen übet! Güte die sie und andre zu gu|a471|ten und glücklichen, nicht aber zu bösen und unglücklichen Menschen macht. Ihr müsset daher, sie immer in einer gewissen Entfernung halten. Gesprächig und gefällig gegen sie seyn, als Bediente, nicht aber als gegen Freunde und Vertraute. Ihr verwirret sonst den Unterschied der Stände, den Gottc123 mit solcher Weisheit und Güte festgestellt. Und machet eure Dienstbothen unbescheiden, und am Ende unverschämt. – Ueberhaupt müsset ihr eure Hausgenossen kennen lernen, ihre Meinungen und Neigungen und Gemütsarten ausstudiren. Sind sie schüchtern, bescheiden, gutartig: so könnet ihr eurer Freundlichkeit freieren Lauff lassen. Findet ihr sie aber eigenwillig, herrschsüchtig und eigennüzig: so brauchet mehr Zurückhaltung und Ernst. – Gebt ihnen so viel es seyn kan, keine Gelegenheiten euch zu hintergehen. Ihr werdet sonst Verfürer eurer Bedienten: ihr stellet sie auf Proben denen die wenigsten gewachsen sind. – In allen Stücken sehet mit euren eigenen Augen. Wenn ihr mit den Augen der Bedienten sehet: so müsset ihr auch nach ihrem Willen wollen. – Ueberlegt die Befehle wohl die ihr ihnen gebet, und dennc124 haltet mit Strenge darüber. Ohne Ordnung werden sie und ihr, |b450||c500| bald zu Grunde gehen. – Mit einem Wort, /cliebt eure Hausgenossen, nichtc\c125 als blinde leibliche Väter, die lieber Thorheiten und Lasterc126 als Thränen und traurige Gesichter an ihrem Kinde sehen. Sondernc127 als der {/bcHebräer 12, 9. 10bc\} weise Vater der Geister, welcher uns bald mit Freundlichkeit lockt, bald mit Ernst züchtiget, damit wir der Heiligkeit theilhaftig wer|a472|den. – Gleicht ihr jenen irrdischen Vätern, so werden euch zwar eigenüzigec128 herrschsüchtige Dienstbothen und die ihnen gleichen, als Gute Herren loben. Aber euer Gewissen wird euch über kurz oder lang, als Uebeltäterc129 verdammen. Ja selbst diese Bediente werden am Ende, über euch als die Urheber ihrer Unordnung, Verwilderung, Laster und Elendes seufzen. – Sehet da, Christen!bc130 eure Häuser, als Tempel, wo ihr täglich Gottesdienst verrichten, täglich euch als die königlichen Priester Gottes zeigen sollet, und könnet!z\

bc1: 1–13. c2: des wegen c3: Behafteten bc4: 1–3. c5: Elender c6: Gottes bc7: liebesvoll c8: 4. c9: Niemand[.] c10: mann c11: drei c12: Ueberzeugung, d. h. „damit c13: Ansicht, c14: Jesus bc15: Apost. Gesch. c16: Christen c17: Kapernaum c18: Lukas c19: Sklaven c20: kömt c21: Sklaven c22: Untergebenen c23: Jesu c24: Wahrlich b25: Hauptman c26: Gott c27: bekannte c28: Sekten-Stolz c29: Weise c30: der, Ihm c31: Isak, c32: Jakob c33: 13. c34: bestimmte c35: mann bc36: klappet[.] (b); klappert[.] (c) bc38: 254. (b); 266 (c) c40: Jahres-Zeit c41: v. 33. c42: Sklave c43: v. 10. c44: Gott c45: Gott c46: Sodann c47: dann c48: Gott c49: Er, c50: Sodann c51: Gott c52: Uneingeschränkt, c53: Gottes c54: Vertrauen: und c55: Gott c56: Gott c57: v. 5. c58: Sklave c59: Antwort. – c60: Charakter c61: Gott c62: Gott selbst bc63: 4. c64: JEDEM c65: Gott c66: Gott c67: Sein bc68: Apost. Gesch. c69: Menschen-Geschlecht c70: Eph. bc71: 15. c72: Gott c73: verrachten c74: Engherzigkeit c75: 6. Luc. c76: S k l a v e c77: es, c78: Sklave c79: Gott c80: Eph. c81: Col. c82: der c83: Christen-Pflichten c84: aber bc85: 406 f. c86: mann c87: des c88: mann c89: Raube; c90: Vers c91: Herrn c92: Kolosser c93: Gottes; c94: nöthige c95: Gott c96: nöthige c97: und c98: Haupt-Sache c99: Christen c100: Er c101: ihr c102: Gottes bc103: Bettler, c104: könnt c105: Wohlthätigkeit c106: dann bc107: Apost. Gesch. bc108: 35. c109: Jakobi c110: ihnen, wenn es seyn kan c111: Haus-Andacht c112: Prister c113: Christen! bc114: 16. c115: Gott c116: Er c117: hat c118: Einem b119: andere c120: mehrere andere c121: Sklaven c122: vor c123: Gott c124: dann c125: liebt eure Hausgenossen, aber nicht c126: Laster, c127: Sondern, c128: eigennüzige c129: Uebelthäter bc130: Christen (b); Christen! (c)