|b960| Evangelium am fünften Sontage nach Epiphanias.
Matthäi 13, 24–30 und vers 36–43.
D i e s e s dreizehnte Kapitel Matthäi enthält eine Menge {Siehe oben S. 1. 2. } angenehmer, lehrreicher und rürender G l e i c h n i s R e d e nJesu, worin er bald die Schicksahle seiner Religion entdeckt, bald eine wichtige Lebens Regel oder andre nüzliche Lehre mit so viel Kraft als Klarheit vorträgt. In dieser von dem Weizen und After Weizen lehret er so einleuchtend und nachdrücklich, eine Wahrheit, welche Tausenden und Millionen Menschen, Wohlstand, Ruhe und Leben gesichert hätte, wenn sie gehörig befolget worden!D i e s e s dreizehnte Kapitel Matthäi enthält eine Menge {Siehe oben S. 1. 2. } angenehmer, lehrreicher und rürender G l e i c h n i s R e d e nJesu, worin er bald die Schicksahle seiner Religion entdeckt, bald eine wichtige Lebens Regel oder andre nüzliche Lehre mit so viel Kraft als Klarheit vorträgt. In dieser von dem Weizen und After Weizen lehret er so einleuchtend und nachdrücklich, eine Wahrheit, welche Tausenden und Millionen Menschen, Wohlstand, Ruhe und Leben gesichert hätte, wenn sie gehörig befolget worden!
{vers 24–30.} D a s Himmelreich, sprach er, (die christliche Kirche Siehe oben Seite 83) ist gleich einem Menschen der reine Saat auf seinen Acker aussäete. – Die Juden, als verständige Landwirthe laasen das Getraide zur Aussaat. Schon Moses hatte es ihnen befohlen, 3 Buch Mos. 19, 19. 5 Buch Mos. 22, 9. – Als man aber schlief, kam sein Feind, und streuete Afterweizen zwischen den reinen Weizen, und gieng davon. Dieser Afterweizen schlägt eben so tiefe Wurzel als der edle. Er kan, daher auch nicht ausgerottet werden, ohne der Wurzel des rei|b461|nen Weizens zu schaden. – Als nun die Pflanze grünete, und Frucht trug, da zeigte sich auch der Afterweizen. Die Knechte aber des Hausherren sprachen zu ihm, Herr, hast du nicht reine Saat auf deinen Acker gesäet? woher komt denn der Afterweizen? Er antwortete, Ein Feind hat das gethan. Die Knechte versezten, wilst du, so wollen wir hingehen und ihn ausjäten. – M i t n i c h t e n, antwortete der Hausherr. Denn ihr möchtet, indem ihr den Afterweizen ausjäten wollet, auch den reinen Weizen ausrotten. Lasset beides bis zur Erndte, zusammen wachsen. Und zur Zeit der Erndte werde ich den Schnittern befehlen, Sammlet erstlich den Afterweizen und bindet ihn in Bündel um ihn zu verbrennen. Den reinen Weizen aber bringet in meine Scheure.{vers 24–30.} D a s Himmelreich, sprach er, (die christliche Kirche Siehe oben Seite 83) ist gleich einem Menschen der reine Saat auf seinen Acker aussäete. – Die Juden, als verständige Landwirthe laasen das Getraide zur Aussaat. Schon Moses hatte es ihnen befohlen, 3 Buch Mos. 19, 19. 5 Buch Mos. 22, 9. – Als man aber schlief, kam sein Feind, und streuete Afterweizen zwischen den reinen Weizen, und gieng davon. Dieser Afterweizen schlägt eben so tiefe Wurzel als der edle. Er kan, daher auch nicht ausgerottet werden, ohne der Wurzel des rei|b461|nen Weizens zu schaden. – Als nun die Pflanze grünete, und Frucht trug, da zeigte sich auch der Afterweizen. Die Knechte aber des Hausherren sprachen zu ihm, Herr, hast du nicht reine Saat auf deinen Acker gesäet? woher komt denn der Afterweizen? Er antwortete, Ein Feind hat das gethan. Die Knechte versezten, wilst du, so wollen wir hingehen und ihn ausjäten. – M i t n i c h t e n, antwortete der Hausherr. Denn ihr möchtet, indem ihr den Afterweizen ausjäten wollet, auch den reinen Weizen ausrotten. Lasset beides bis zur Erndte, zusammen wachsen. Und zur Zeit der Erndte werde ich den Schnittern befehlen, Sammlet erstlich den Afterweizen und bindet ihn in Bündel um ihn zu verbrennen. Den reinen Weizen aber bringet in meine Scheure.
{vers 36–43.} D i e Auslegung ist, wie sie Jesus selbst giebt, folgende. Der die reine Saat säet, ist des Menschen Sohn (der Herr Jesus Siehe Seite 258.) Der Acker ist die Welt. Die reine Saat, sind die Glieder des Reichs (wahre Christen) der Afterweizen aber, die Bösen. Der Feind der ihn säete, der Teufel. Die Erndte, ist das Ende der Welt: die Schnitter aber, die Engel. So wie man nun den Afterweizen zusammensamlet und ihn verbrennet: so wird es auch am Ende der Welt geschehen. Des Menschen Sohn wird seine Engel aussenden, um aus seinem Reich alle Scandale und Lasterhafte |b462| zu samlen, damit man sie in den glühenden Ofen werfe; wo sie heulen und mit den Zänen knirschen werden. Die Tugendhaften aber werden alsdenn in dem Reiche ihres Vaters leuchten gleich der Sonne. – Wer Ohren hat zu hören, der höre!{vers 36–43.} D i e Auslegung ist, wie sie Jesus selbst giebt, folgende. Der die reine Saat säet, ist des Menschen Sohn (der Herr Jesus Siehe Seite 258.) Der Acker ist die Welt. Die reine Saat, sind die Glieder des Reichs (wahre Christen) der Afterweizen aber, die Bösen. Der Feind der ihn säete, der Teufel. Die Erndte, ist das Ende der Welt: die Schnitter aber, die Engel. So wie man nun den Afterweizen zusammensamlet und ihn verbrennet: so wird es auch am Ende der Welt geschehen. Des Menschen Sohn wird seine Engel aussenden, um aus seinem Reich alle Scandale und Lasterhafte |b462| zu samlen, damit man sie in den glühenden Ofen werfe; wo sie heulen und mit den Zänen knirschen werden. Die Tugendhaften aber werden alsdenn in dem Reiche ihres Vaters leuchten gleich der Sonne. – Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Ja! wahrlich! Verstopfen muß man vorsäzlich seine Ohren, um nicht zu hören; so laut wird hier die Duldung aller Irrgläubigen und Lasterhaften geprediget! Verschliessen muß man vorsäzlich seine Augen, um die Ungerechtigkeit, Abscheulichkeit der Intoleranz nicht zu sehen: so helle strahlt sie hier in die Augen. Alle jene Scandale, die Gefängnisse, die Scheiterhaufen, die Trauer Gerüste, die Felder und Richtpläze mit Menschenblut überschwemmet, Processionen wo man Gott, Seine Menschen opferte; Menschen, Christen, die zur Rechten und zur Linken, die Glieder der Familie Gottes an Fesseln schmieden, in dumpfige Kerker versenken, schaarenweise aus dem Lande jagen, auf die Galeeren treiben, und in ihrem und der ihrigen Blute begraben; das alles in der Meinung Gott damit einen Dienst zu thun. Johannis 16, 2. Menschen die den Acker Gottes fast von allem Weizen entblössen, in der Einbildung, daß sie lauter Afterweizen ausjäten. – E r dem die Zukunft so klar war als das Gegenwärtige, Jesus Christus der beste Freund, der gröste Wohltäter, der Erretter und Beglücker der Menschen, sahe dies alles vorher. Aus der Fülle seines Herzens das lauter Zärtlichkeit gegen die Menschen alle, als seine Kinder war, rief er daher |b463| mit lauter Stimme – – Wer Ohren hat zu hören, der höre! Ja! wahrlich! Verstopfen muß man vorsäzlich seine Ohren, um nicht zu hören; so laut wird hier die Duldung aller Irrgläubigen und Lasterhaften geprediget! Verschliessen muß man vorsäzlich seine Augen, um die Ungerechtigkeit, Abscheulichkeit der Intoleranz nicht zu sehen: so helle strahlt sie hier in die Augen. Alle jene Scandale, die Gefängnisse, die Scheiterhaufen, die Trauer Gerüste, die Felder und Richtpläze mit Menschenblut überschwemmet, Processionen wo man Gott, Seine Menschen opferte; Menschen, Christen, die zur Rechten und zur Linken, die Glieder der Familie Gottes an Fesseln schmieden, in dumpfige Kerker versenken, schaarenweise aus dem Lande jagen, auf die Galeeren treiben, und in ihrem und der ihrigen Blute begraben; das alles in der Meinung Gott damit einen Dienst zu thun. Johannis 16, 2. Menschen die den Acker Gottes fast von allem Weizen entblössen, in der Einbildung, daß sie lauter Afterweizen ausjäten. – E r dem die Zukunft so klar war als das Gegenwärtige, Jesus Christus der beste Freund, der gröste Wohltäter, der Erretter und Beglücker der Menschen, sahe dies alles vorher. Aus der Fülle seines Herzens das lauter Zärtlichkeit gegen die Menschen alle, als seine Kinder war, rief er daher |b463| mit lauter Stimme – – Wer Ohren hat zu hören, der höre!
S o höret es denn alle die ihr Christen seyn wollet; 1) G o t t a l l e i n, E r a l l e i n hat sich das entscheidende Gericht in Sachen der Religion vorbehalten. Dinge welche die bürgerlichen Rechte, Menschen und Menschen angehen, richtet der Staat, im Nahmen Gottes. Aber Sachen der Religion, Dinge die den Menschen und Gott betreffen, richtet G o t t. Ueber Irrthum also und Wahrheit in Sachen die Gott und Seinen Dienst betreffen; über Gewissenhaftigkeit und Gewissenloosigkeit! Dies k a n nur allein Gott richten: denn niemand als der Allwissende, kan über das Maaß der Talente, und über die Absichten eines Menschen, sicher und gerecht sprechen. Gott w i l l es auch nur Allein richten: E r hat es sich, als ein besonderes Majestäts Recht vorbehalten. – 2) D i e Religion muß also, schlechterdings nicht, durch irgend einige weltliche Macht und Zwang ausgebreitet werden. In Sachen der Religion, giebt es für menschliche Gerichte, kein Verbrechen; und Strafen. Da etwas zu Verbrechen machen, und mit Strafen belegen: das ist wahres Verbrechen, Verbrechen der schwärzesten Art, Majestäts-Schändung Gottes. Einen Menschen also, zur Ablegung seiner Irrtümer und zur Annehmung der Religion, durch Geld Strafen, Gefängnisse, Landes-Verweisung, und sonst durch irgend eine gröbere oder geringere weltliche Macht zwingen; das ist – – wer Ohren |b464| hat zu hören der höre! – das ist Eingriff in die Majestäts-Rechte Gottes! – Verbrechen der verlezten Majestät in Gottes Staat! – – „Herr sollen wir den Afterweizen ausjäten? – {vers 29. 30.} Mit nichten! Sondern lasset beides bis zur Erndte zusammen wachsen. Und alsdenn werde I c h den Schnittern befehlen, Samlet den Afterweizen, und bindet ihn in Bündel ihn zu verbrennen: den reinen Weizen aber bringet in meine Scheure!“S o höret es denn alle die ihr Christen seyn wollet; 1) G o t t a l l e i n, E r a l l e i n hat sich das entscheidende Gericht in Sachen der Religion vorbehalten. Dinge welche die bürgerlichen Rechte, Menschen und Menschen angehen, richtet der Staat, im Nahmen Gottes. Aber Sachen der Religion, Dinge die den Menschen und Gott betreffen, richtet G o t t. Ueber Irrthum also und Wahrheit in Sachen die Gott und Seinen Dienst betreffen; über Gewissenhaftigkeit und Gewissenloosigkeit! Dies k a n nur allein Gott richten: denn niemand als der Allwissende, kan über das Maaß der Talente, und über die Absichten eines Menschen, sicher und gerecht sprechen. Gott w i l l es auch nur Allein richten: E r hat es sich, als ein besonderes Majestäts Recht vorbehalten. – 2) D i e Religion muß also, schlechterdings nicht, durch irgend einige weltliche Macht und Zwang ausgebreitet werden. In Sachen der Religion, giebt es für menschliche Gerichte, kein Verbrechen; und Strafen. Da etwas zu Verbrechen machen, und mit Strafen belegen: das ist wahres Verbrechen, Verbrechen der schwärzesten Art, Majestäts-Schändung Gottes. Einen Menschen also, zur Ablegung seiner Irrtümer und zur Annehmung der Religion, durch Geld Strafen, Gefängnisse, Landes-Verweisung, und sonst durch irgend eine gröbere oder geringere weltliche Macht zwingen; das ist – – wer Ohren |b464| hat zu hören der höre! – das ist Eingriff in die Majestäts-Rechte Gottes! – Verbrechen der verlezten Majestät in Gottes Staat! – – „Herr sollen wir den Afterweizen ausjäten? – {vers 29. 30.} Mit nichten! Sondern lasset beides bis zur Erndte zusammen wachsen. Und alsdenn werde I c h den Schnittern befehlen, Samlet den Afterweizen, und bindet ihn in Bündel ihn zu verbrennen: den reinen Weizen aber bringet in meine Scheure!“
S o w i l l es Gott! – Und Er w i l l auch hier, wie sonst immer, nur aus Liebe zu Seinen Menschen. – {vers 29} Mit nichten! Denn ihr möchtet „indem ihr den Afterweizen ausjäten wollet, auch den Reinen Weizen ausrotten!“ Seit Saulo an, welcher {Apost. Gesch. 6–7.} Stephanum und die ersten Christen verfolgte, bis auf die geharnischte Missionarien herunter, welche unsre Brüder in Frankreich, Schaarenweise mit Schwerdtern und Kugeln ums Leben brachten, hat kein wütender Eiferer und Verfolger gelebt, so grausam, so wild, so Tyger- und Teufelmässig er auch immer wütete, der sich nicht eingebildet, – er rotte lauter Afterweizen aus. – Und wie ist es möglich, daß wir, die Untersten in Gottes Geister Staat, die wir noch dazu, erst in unserm Kinder-Standeleben, wir, in deren Köpfen neben Einer sichern Wahrheit vielleicht Zehn Irrtümer stehen; wie ist es möglich, daß wir, in jedem Fall mit völliger Sicherheit den Afterweizen von dem Reinen unterscheiden können? Jede Religions Parthei glaubt sich im Besiz der reinsten Wahrheit. Der Heuch|b465|ler sieht in den Augen der Menschen, gerade so aus als der Tugendhafte. Was der Eine für ausgemachte Wahrheit hält, das erkläret ein Andrer für Irrthum, wohl gar für verdamlichen Irrthum. Auch bei dem Besten mengen sich eigennüzige, stolze Absichten, unter der Larve der Sache Gottes, ins Spiel. Wäre nun das Bestrafungs Recht in Sachen der Religion den Menschen überlassen, so müste die Welt eine Mörder Grube werden. Der Catholik würde den Protestanten, und dieser jenen, und beide den Socinianer zum Scheiterhaufen reissen. Und angenommen, daß wir Protestanten der reine Weizen sind, so wäre es um die Religion gethan. Denn alle andre Religions Partheien, die uns für Kezer halten, würden uns anfallen und als Afterweizen ausrotten. – Darum sagt die ewige Weisheit, Mit nichten! Denn indem ihr den Afterweizen ausjäten wollet, würdet ihr den Reinen Weizen ausrotten!S o w i l l es Gott! – Und Er w i l l auch hier, wie sonst immer, nur aus Liebe zu Seinen Menschen. – {vers 29} Mit nichten! Denn ihr möchtet „indem ihr den Afterweizen ausjäten wollet, auch den Reinen Weizen ausrotten!“ Seit Saulo an, welcher {Apost. Gesch. 6–7.} Stephanum und die ersten Christen verfolgte, bis auf die geharnischte Missionarien herunter, welche unsre Brüder in Frankreich, Schaarenweise mit Schwerdtern und Kugeln ums Leben brachten, hat kein wütender Eiferer und Verfolger gelebt, so grausam, so wild, so Tyger- und Teufelmässig er auch immer wütete, der sich nicht eingebildet, – er rotte lauter Afterweizen aus. – Und wie ist es möglich, daß wir, die Untersten in Gottes Geister Staat, die wir noch dazu, erst in unserm Kinder-Standeleben, wir, in deren Köpfen neben Einer sichern Wahrheit vielleicht Zehn Irrtümer stehen; wie ist es möglich, daß wir, in jedem Fall mit völliger Sicherheit den Afterweizen von dem Reinen unterscheiden können? Jede Religions Parthei glaubt sich im Besiz der reinsten Wahrheit. Der Heuch|b465|ler sieht in den Augen der Menschen, gerade so aus als der Tugendhafte. Was der Eine für ausgemachte Wahrheit hält, das erkläret ein Andrer für Irrthum, wohl gar für verdamlichen Irrthum. Auch bei dem Besten mengen sich eigennüzige, stolze Absichten, unter der Larve der Sache Gottes, ins Spiel. Wäre nun das Bestrafungs Recht in Sachen der Religion den Menschen überlassen, so müste die Welt eine Mörder Grube werden. Der Catholik würde den Protestanten, und dieser jenen, und beide den Socinianer zum Scheiterhaufen reissen. Und angenommen, daß wir Protestanten der reine Weizen sind, so wäre es um die Religion gethan. Denn alle andre Religions Partheien, die uns für Kezer halten, würden uns anfallen und als Afterweizen ausrotten. – Darum sagt die ewige Weisheit, Mit nichten! Denn indem ihr den Afterweizen ausjäten wollet, würdet ihr den Reinen Weizen ausrotten!
K e i n e Religion kan erdacht werden, die mit dem Verfolgungs Geist aller Art, dem feineren wie dem groben, in grösserer Feindschaft steht als die christliche. Einen Menschen wegen seiner Religions Meinungen und Handlungen auf irgend eine Art verfolgen, oder hassen, ihn durch irgend eine Gewalt zur Ablegung seiner Meinungen zwingen; das ist nach ihren Grundsäzen {1 Timotheum 2, 1–6. Lucä 9, 51–56.} eine Verleugnung und Schmähung des Verdienstes Jesu, dieses allgemeinen Welt-Heilandes! Ist eine Verdammung des Göttlichen Betragens, welcher jeden der ein Mensch ist liebt, und so lange er hier lebt, zu bessern und zu beglücken sucht! Eine Ver|b466|heerung des Reiches Gottes! Eine verwegene Uebertretung so vieler und ernstlicher Befehle Gottes! Ist eine unsinnige Empörung, ein Verbrechen der beleidigten Majestät in Gottes Staat! Und dennoch, dennoch – o lasset uns die Augen von diesen schrecklichen Auftritten wegwenden, welche die Menschheit aufs äusserste beschimpfen, welche ewige Schand-Säulen jener höllischen Geister in Menschen Gestalt sind, die sich Christen nannten!K e i n e Religion kan erdacht werden, die mit dem Verfolgungs Geist aller Art, dem feineren wie dem groben, in grösserer Feindschaft steht als die christliche. Einen Menschen wegen seiner Religions Meinungen und Handlungen auf irgend eine Art verfolgen, oder hassen, ihn durch irgend eine Gewalt zur Ablegung seiner Meinungen zwingen; das ist nach ihren Grundsäzen {1 Timotheum 2, 1–6. Lucä 9, 51–56.} eine Verleugnung und Schmähung des Verdienstes Jesu, dieses allgemeinen Welt-Heilandes! Ist eine Verdammung des Göttlichen Betragens, welcher jeden der ein Mensch ist liebt, und so lange er hier lebt, zu bessern und zu beglücken sucht! Eine Ver|b466|heerung des Reiches Gottes! Eine verwegene Uebertretung so vieler und ernstlicher Befehle Gottes! Ist eine unsinnige Empörung, ein Verbrechen der beleidigten Majestät in Gottes Staat! Und dennoch, dennoch – o lasset uns die Augen von diesen schrecklichen Auftritten wegwenden, welche die Menschheit aufs äusserste beschimpfen, welche ewige Schand-Säulen jener höllischen Geister in Menschen Gestalt sind, die sich Christen nannten!
Z u n ä c h s t Christen! lasset uns nie vergessen, es uns tief einprägen, daß wir trügliche Menschen sind. Unsre Meinung, glauben wir, ist Gottes Wort. Aber dies glaubt der Catholik, der Quäker von der seinigen auch. Wer soll, wer kan nun den Streit zwischen uns entscheiden? – Der Allwissende! Er, die ewige Liebe, der einen jeden, nur nach dem Masse seiner Kräfte, und der Redlichkeit seines Betragens richtet! Gesezt also, unser Nebenmensch irret, er irret in einem wichtigen, dem allerwichtigsten Punkt. Darum ist er noch nicht bei Gott verurtheilt. Denn bei Ihm verdamt kein Irrthum, als nur der Verschuldete. Weg demnach mit den Urtheilen, „dieser Mensch, diese Religions Parthei steckt in verdammlichen Irrtümern! Ist ein Feind Gottes!“ Solch ein Urtheil schickt sich für uns nicht; und ist eben darum verwegen, liebloos, und Gott abscheulich. Bloß für den Allwissenden schickt es sich zu urtheilen, welcher Irrthum verdammlich sey oder nicht? Z u n ä c h s t Christen! lasset uns nie vergessen, es uns tief einprägen, daß wir trügliche Menschen sind. Unsre Meinung, glauben wir, ist Gottes Wort. Aber dies glaubt der Catholik, der Quäker von der seinigen auch. Wer soll, wer kan nun den Streit zwischen uns entscheiden? – Der Allwissende! Er, die ewige Liebe, der einen jeden, nur nach dem Masse seiner Kräfte, und der Redlichkeit seines Betragens richtet! Gesezt also, unser Nebenmensch irret, er irret in einem wichtigen, dem allerwichtigsten Punkt. Darum ist er noch nicht bei Gott verurtheilt. Denn bei Ihm verdamt kein Irrthum, als nur der Verschuldete. Weg demnach mit den Urtheilen, „dieser Mensch, diese Religions Parthei steckt in verdammlichen Irrtümern! Ist ein Feind Gottes!“ Solch ein Urtheil schickt sich für uns nicht; und ist eben darum verwegen, liebloos, und Gott abscheulich. Bloß für den Allwissenden schickt es sich zu urtheilen, welcher Irrthum verdammlich sey oder nicht?
|b467| V i e l m e h r müssen wir jeden Menschen, der uns scheint ein Irrender, oder gar ein Feind Gottes zu seyn; jeden noch so gröblich irrenden; jeden Juden, Heiden oder andern Nichtchristen; jeden Lasterhaften; selbst den offenbahren Feind, Verächter und Spötter der Religion – von ganzem Herzen, eben also wie unsern Glaubens Bruder lieben. – {Römer 14, 10.} I h n nie wegen seiner Religions-Meinungen verachten. Bei dem Nahmen Jude, Heide, Socinianer u. s. f. nie etwas verächtliches denken. – N o c h weniger ihn mit kränkenden, oder schimpflichen Nahmen belegen.{Römer 14, 4. 10. 13. Matthäi 5, 22. Siehe oben Seite 86 f.} E r z i t t e r n müssen wir für dem Gedanken, ihn als einen Verdamten anzusehen, oder gar dafür zu erklären. Schwachheit ist es, einem zur fremden Religions Parthei gehörigen Verstorbenen, den Titel, (denn nichts mehr als dieses ist es doch im gemeinen Rede Gebrauch) Seeliger zu verweigern. Unschicklich in dem Munde eines Christen ist es, von seiner Seligkeit geheimnisvoll reden. Abscheulich aber und Satanisch ist es, sie ihm geradezu absprechen. – L i e b e n müssen wir ihn von ganzem Herzen: seine Seligkeit liebreich hoffen; sein Glück durch alle nur mögliche Freundschafts-Dienste befördern, und dafür mit heisser Inbrunst zu Gott beten. So werden wir uns als Schüler Jesu zeigen, {Luc. 9, 56.} der nicht gekommen die Menschen zu zerstören sondern zu beglücken! So werden wir {Luc. 6, 35.} Kinder des Gottes seyn, der gütig ist auch gegen die Undankbahren und Bösen!|b467| V i e l m e h r müssen wir jeden Menschen, der uns scheint ein Irrender, oder gar ein Feind Gottes zu seyn; jeden noch so gröblich irrenden; jeden Juden, Heiden oder andern Nichtchristen; jeden Lasterhaften; selbst den offenbahren Feind, Verächter und Spötter der Religion – von ganzem Herzen, eben also wie unsern Glaubens Bruder lieben. – {Römer 14, 10.} I h n nie wegen seiner Religions-Meinungen verachten. Bei dem Nahmen Jude, Heide, Socinianer u. s. f. nie etwas verächtliches denken. – N o c h weniger ihn mit kränkenden, oder schimpflichen Nahmen belegen.{Römer 14, 4. 10. 13. Matthäi 5, 22. Siehe oben Seite 86 f.} E r z i t t e r n müssen wir für dem Gedanken, ihn als einen Verdamten anzusehen, oder gar dafür zu erklären. Schwachheit ist es, einem zur fremden Religions Parthei gehörigen Verstorbenen, den Titel, (denn nichts mehr als dieses ist es doch im gemeinen Rede Gebrauch) Seeliger zu verweigern. Unschicklich in dem Munde eines Christen ist es, von seiner Seligkeit geheimnisvoll reden. Abscheulich aber und Satanisch ist es, sie ihm geradezu absprechen. – L i e b e n müssen wir ihn von ganzem Herzen: seine Seligkeit liebreich hoffen; sein Glück durch alle nur mögliche Freundschafts-Dienste befördern, und dafür mit heisser Inbrunst zu Gott beten. So werden wir uns als Schüler Jesu zeigen, {Luc. 9, 56.} der nicht gekommen die Menschen zu zerstören sondern zu beglücken! So werden wir {Luc. 6, 35.} Kinder des Gottes seyn, der gütig ist auch gegen die Undankbahren und Bösen!
{vers 30} W e n n endlich, unser Allmächtige Hausherr will, daß hier noch, Gute und Böse gemischt bei |b468| einander leben sollen; so ist dies freilich für den Tugendhaften, die Quelle mancher schwerer Versuchungen, peinlicher Kämpfe und bitterer Leiden. Aber auch die Quelle vieler edlen Thaten und erhabenen Freuden. Schäzet Freunde Gottes und der Tugend! Schäzet das Gewicht des Postens worauf euch der Allwissende Zeuge und Gnädige Vergelter eurer Handlungen hingestellet! Traget durch bessernde Reden, und exemplarischen Wandel, alles bei, um die Bösen mit denen ihr lebet, zu bessern und zu beglücken. Rettet so viele unsterbliche Seelen als ihr könt. Und wenn ihr denn, dergestalt euren Beitrag zum Himmel geliefert: alsdenn erwartet sicher und froh, daß ihr – {vers 43} in dem himmlischen Reiche eures Vaters leuchten werdet gleich der Sonne!{vers 30} W e n n endlich, unser Allmächtige Hausherr will, daß hier noch, Gute und Böse gemischt bei |b468| einander leben sollen; so ist dies freilich für den Tugendhaften, die Quelle mancher schwerer Versuchungen, peinlicher Kämpfe und bitterer Leiden. Aber auch die Quelle vieler edlen Thaten und erhabenen Freuden. Schäzet Freunde Gottes und der Tugend! Schäzet das Gewicht des Postens worauf euch der Allwissende Zeuge und Gnädige Vergelter eurer Handlungen hingestellet! Traget durch bessernde Reden, und exemplarischen Wandel, alles bei, um die Bösen mit denen ihr lebet, zu bessern und zu beglücken. Rettet so viele unsterbliche Seelen als ihr könt. Und wenn ihr denn, dergestalt euren Beitrag zum Himmel geliefert: alsdenn erwartet sicher und froh, daß ihr – {vers 43} in dem himmlischen Reiche eures Vaters leuchten werdet gleich der Sonne!