|c42| Evangelium am 4 Sontage nach Trinitatis.
Lucä 6, v. 32−42.
M e n s c h e n - L i e b e ist unsrer Seele vom Schöpfer so nachdrücklich empfohlen; wir empfinden alle das Edle, Schöne dieser Tugend so stark; wir fülen alle so sehr, wie unentbehrlich diese Gemüts-Art zur Ruhe und Wohlfarth der Menschen ist, daß daher alle Welt, Christen und Nicht-Christen, selbst die Lieblosesten und grösten Menschen-Feinde sich zum Lobe dieser Tugend vereinigen; und ein jeder sich gerne und leicht einbildet, er besize diese rümliche, edle, grosse Eigenschaft, − die Menschen-Liebe.M e n s c h e n - L i e b e ist unsrer Seele vom Schöpfer so nachdrücklich empfohlen; wir empfinden alle das Edle, Schöne dieser Tugend so stark; wir fülen alle so sehr, wie unentbehrlich diese Gemüts-Art zur Ruhe und Wohlfarth der Menschen ist, daß daher alle Welt, Christen und Nicht-Christen, selbst die Lieblosesten und grösten Menschen-Feinde sich zum Lobe dieser Tugend vereinigen; und ein jeder sich gerne und leicht einbildet, er besize diese rümliche, edle, grosse Eigenschaft, − die Menschen-Liebe.
E b e n darum ist denn auch keine Tugend, die so gemishandelt wird als diese. Man zerstümmelt; man verfälschet sie; man verwandelt sie in Laster; man machet sie gar zu einem Freiheits-Briefe der schändlichsten Thaten. Nur gar zu viele Menschen zeiget uns die Erfahrung, welche einige Fruchtlose Empfindungen und Reden mit diesem ehrwürdigen Nahmen belegen; die gar Partheien-Geist, Unbarmherzigkeit, und Grausamkeit gegen das gemeine Beste, Menschen-Liebe nennen; und bei einer solchen zerstümmelten Tugend, ihren Stolz, Müssiggang, Betrug, Unzucht, und andre Laster für völlig entschuldiget halten.E b e n darum ist denn auch keine Tugend, die so gemishandelt wird als diese. Man zerstümmelt; man verfälschet sie; man verwandelt sie in Laster; man machet sie gar zu einem Freiheits-Briefe der schändlichsten Thaten. Nur gar zu viele Menschen zeiget uns die Erfahrung, welche einige Fruchtlose Empfindungen und Reden mit diesem ehrwürdigen Nahmen belegen; die gar Partheien-Geist, Unbarmherzigkeit, und Grausamkeit gegen das gemeine Beste, Menschen-Liebe nennen; und bei einer solchen zerstümmelten Tugend, ihren Stolz, Müssiggang, Betrug, Unzucht, und andre Laster für völlig entschuldiget halten.
|c43| E s ist daher eine sehr erhebliche Angelegenheit für uns, sicher zu wissen, ob wir diese Tugend in der That besizen. Eine äusserst wichtige Frage für einen jeden: bin ich ein wahrer Freund der Menschen? „habe ich Die Menschen-Liebe, welcher G o t t einen so hohen Werth beilegt, daß er sie für das sicherste Kennzeichen des wahren Glaubens an Jesum, und des Antheils an seinem Verdienst erkläret?“ |c43| E s ist daher eine sehr erhebliche Angelegenheit für uns, sicher zu wissen, ob wir diese Tugend in der That besizen. Eine äusserst wichtige Frage für einen jeden: bin ich ein wahrer Freund der Menschen? „habe ich Die Menschen-Liebe, welcher G o t t einen so hohen Werth beilegt, daß er sie für das sicherste Kennzeichen des wahren Glaubens an Jesum, und des Antheils an seinem Verdienst erkläret?“
Z u dieser Untersuchung giebt uns Jesus hier, eine ausfürliche Anleitung; eine Anweisung unsre Menschen-Liebe zu prüfen. Um gewiß zu werden, ob wir wahre Menschen-Liebe haben? ob das, was wir bei uns mit diesem Nahmen belegen, diese erhabene Tugend, oder eine blosse Larve und Nachäffung derselben sey? müssen wir folgende Fragen an uns thun:
  • 1) B i n ich Liebesvoll gegen diejenigen die mir zuwider sind?
  • 2) F l i e s s e t meine Güte gegen einzelne Personen, aus reiner Liebe zu Gott und Seinen Menschen?
  • 3) E n t s a g e ich jeder Begierde und Handlung die mir Gottes Gesez verbiethet?
  • und 4) N ä r e und übe ich meine Menschen-Liebe mit Demuth?
Z u dieser Untersuchung giebt uns Jesus hier, eine ausfürliche Anleitung; eine Anweisung unsre Menschen-Liebe zu prüfen. Um gewiß zu werden, ob wir wahre Menschen-Liebe haben? ob das, was wir bei uns mit diesem Nahmen belegen, diese erhabene Tugend, oder eine blosse Larve und Nachäffung derselben sey? müssen wir folgende Fragen an uns thun:
  • 1) B i n ich Liebesvoll gegen diejenigen die mir zuwider sind?
  • 2) F l i e s s e t meine Güte gegen einzelne Personen, aus reiner Liebe zu Gott und Seinen Menschen?
  • 3) E n t s a g e ich jeder Begierde und Handlung die mir Gottes Gesez verbiethet?
  • und 4) N ä r e und übe ich meine Menschen-Liebe mit Demuth?
J e d e dieser Regeln ist zugleich auch ein kräftiges Mittel, unsre Menschen-Liebe zu befestigen und zu stärken.J e d e dieser Regeln ist zugleich auch ein kräftiges Mittel, unsre Menschen-Liebe zu befestigen und zu stärken.
|c44| {Erste Regel} A u c h der gröste Bösewicht, – so tief hat G o t t den Trieb der Menschen-Liebe in unsre Seele gelegt! – hat immer noch einige Menschen, denen er wohl will; gegen die er Mitleiden, Theilnehmung an ihrem Schicksahl, Güte und Wohlwollen fület; deren Vergnügen und Glück er auch wohl mit Aufopferung mancher eigenen Vortheile befördert. Dies nun ist eine Quelle des scheinbahrsten und gefärlichsten Selbst-Betruges. – „Wie? Dort, als ich einen Menschen leiden sahe, ward ich bis zu Thränen gerürt! Da, gab ich so reiche Allmosen, unterstüzte den Nothleidenden so kräftig, freuete mich über diese Liebreiche That, und die Aufheiterung des Leidenden so herzlich! So manchem Menschen leiste ich recht beschwerliche Dienste. Ich weine mit ihm in seiner Noth, bringe bei ihm ganze Nächte zu, ihn in seiner Krankheit zu pflegen! Soll ich nun nicht Ursache haben von meinem Seelen-Zustande gut zu denken? Soll ich denn das nicht, für Menschen-Liebe halten?“ |c44| {Erste Regel} A u c h der gröste Bösewicht, – so tief hat G o t t den Trieb der Menschen-Liebe in unsre Seele gelegt! – hat immer noch einige Menschen, denen er wohl will; gegen die er Mitleiden, Theilnehmung an ihrem Schicksahl, Güte und Wohlwollen fület; deren Vergnügen und Glück er auch wohl mit Aufopferung mancher eigenen Vortheile befördert. Dies nun ist eine Quelle des scheinbahrsten und gefärlichsten Selbst-Betruges. – „Wie? Dort, als ich einen Menschen leiden sahe, ward ich bis zu Thränen gerürt! Da, gab ich so reiche Allmosen, unterstüzte den Nothleidenden so kräftig, freuete mich über diese Liebreiche That, und die Aufheiterung des Leidenden so herzlich! So manchem Menschen leiste ich recht beschwerliche Dienste. Ich weine mit ihm in seiner Noth, bringe bei ihm ganze Nächte zu, ihn in seiner Krankheit zu pflegen! Soll ich nun nicht Ursache haben von meinem Seelen-Zustande gut zu denken? Soll ich denn das nicht, für Menschen-Liebe halten?“
N e i n! Christ! – Weil du, als Christ, eine vorzügliche Kentniß hast, oder doch haben kanst, darum solst du nicht, bloß deßwegen von dir gut denken; solst du das alles, noch nicht so gleich für Menschen-Liebe halten! Einem Menschen, der von der Bibel nichts weiß, dem Heiden, Türken, mag dieses vielleicht, auch bei G o t t genug seyn, weil er nichts besseres wissen kan. Von uns Christen aber, wird bei unsrer vorzüglichen Kentniß, auch eine vorzügliche Tugend gefordert. Denn, so lehret uns unser |c45| Heiland: {v. 32.} So ihr liebet die euch lieben, oder wie er es, nach Matth. 5, 47. ausgedruckt, wenn ihr nur den liebet der euch liebet, was Danks habt ihr davon? „Das kan euch keinen Ruhm und Lohn bei G o t t verschaffen (siehe vers 35. und Matth. 5, 45. verglichen mit vers 46−48.“). Denn, die Sünder (oder, nach Matth. 5, 46. 47., die Zöllner, Menschen die solche verworfene Bösewichter sind, als die Zolleinnehmer in den Augen der Juden waren) lieben auch ihre Liebhaber. „Auch die Bösewichter lieben diejenigen, von denen sie geliebet werden.“N e i n! Christ! – Weil du, als Christ, eine vorzügliche Kentniß hast, oder doch haben kanst, darum solst du nicht, bloß deßwegen von dir gut denken; solst du das alles, noch nicht so gleich für Menschen-Liebe halten! Einem Menschen, der von der Bibel nichts weiß, dem Heiden, Türken, mag dieses vielleicht, auch bei G o t t genug seyn, weil er nichts besseres wissen kan. Von uns Christen aber, wird bei unsrer vorzüglichen Kentniß, auch eine vorzügliche Tugend gefordert. Denn, so lehret uns unser |c45| Heiland: {v. 32.} So ihr liebet die euch lieben, oder wie er es, nach Matth. 5, 47. ausgedruckt, wenn ihr nur den liebet der euch liebet, was Danks habt ihr davon? „Das kan euch keinen Ruhm und Lohn bei G o t t verschaffen (siehe vers 35. und Matth. 5, 45. verglichen mit vers 46−48.“). Denn, die Sünder (oder, nach Matth. 5, 46. 47., die Zöllner, Menschen die solche verworfene Bösewichter sind, als die Zolleinnehmer in den Augen der Juden waren) lieben auch ihre Liebhaber. „Auch die Bösewichter lieben diejenigen, von denen sie geliebet werden.“
D i e j e n i g e n lieben, denen wohlwollen, die uns lieben; die uns schüzen; die mit uns durch Bande des Bluts oder der Freundschaft verknüpft sind; wenigstens uns nie beleidiget, und zuwider gewesen: hiezu treibet uns schon die blosse Natur, so wie sie uns zum Essen, Trinken und Schlafen treibt. Auch kan dieses mit den gröbsten Lastern, den ärgsten Feindseligkeiten gegen die Welt bestehen. Selbst der fülloseste Barbar, welcher zwanzig, hundert Menschen mit kaltem Blut peiniget, zu Tode martert; liebet seine Kinder, seine Verwandten, seine Freunde. Wenn wir demnach, bloß die lieben die uns zugethan, oder wenigstens nicht zuwider sind: so ist das sicherlich nichts anders, als blinder Trieb; nicht Menschen- sondern Eigen-Liebe.D i e j e n i g e n lieben, denen wohlwollen, die uns lieben; die uns schüzen; die mit uns durch Bande des Bluts oder der Freundschaft verknüpft sind; wenigstens uns nie beleidiget, und zuwider gewesen: hiezu treibet uns schon die blosse Natur, so wie sie uns zum Essen, Trinken und Schlafen treibt. Auch kan dieses mit den gröbsten Lastern, den ärgsten Feindseligkeiten gegen die Welt bestehen. Selbst der fülloseste Barbar, welcher zwanzig, hundert Menschen mit kaltem Blut peiniget, zu Tode martert; liebet seine Kinder, seine Verwandten, seine Freunde. Wenn wir demnach, bloß die lieben die uns zugethan, oder wenigstens nicht zuwider sind: so ist das sicherlich nichts anders, als blinder Trieb; nicht Menschen- sondern Eigen-Liebe.
Vers 33. Und wenn ihr nur euren Wohlthätern wohl thut, was Danks habt ihr |c46| davon? Denn die Sünder thun dasselbige auch. „Dies kan euch keinen Ruhm und Lohn bei G o t t bringen. Denn, auch die Bösewichter thun dasselbe.“ – Die Dankbahrkeit lieget so tief in jeder menschlichen Seele, daß auch das verruchteste Herz durch anhaltende Wohlthaten kan erweichet werden. Nicht selten sind auch solche Gefälligkeiten und Liebes-Proben gegen unsre Wohlthäter, der Preiß womit wir neue Wohlthaten von ihnen erkaufen wollen. Wenn wir daher bloß unsre Wohlthäter, nicht aber unsre Beleidiger lieben: so ist das abermahls nichts anders, als ein blinder Natur-Trieb, oder gar ein feiner und niedriger Eigennuz.Vers 33. Und wenn ihr nur euren Wohlthätern wohl thut, was Danks habt ihr |c46| davon? Denn die Sünder thun dasselbige auch. „Dies kan euch keinen Ruhm und Lohn bei G o t t bringen. Denn, auch die Bösewichter thun dasselbe.“ – Die Dankbahrkeit lieget so tief in jeder menschlichen Seele, daß auch das verruchteste Herz durch anhaltende Wohlthaten kan erweichet werden. Nicht selten sind auch solche Gefälligkeiten und Liebes-Proben gegen unsre Wohlthäter, der Preiß womit wir neue Wohlthaten von ihnen erkaufen wollen. Wenn wir daher bloß unsre Wohlthäter, nicht aber unsre Beleidiger lieben: so ist das abermahls nichts anders, als ein blinder Natur-Trieb, oder gar ein feiner und niedriger Eigennuz.
Vers 34. Und wenn ihr nur denen leihet, von denen ihr hoffet zu nehmen: was Danks habt ihr davon? Denn die Sünder leihen den Sündern auch, auf daß sie gleiches wieder nehmen. – Der Geldgeizige leihet häufig aus, um mit seinem Gelde zu wuchern. Der Ehrsüchtige hilft einer sinkenden Familie mit einem Kapital, auch ohne Zinsen: denn schon im Geist belustiget ihn das Lob, womit man seine Großmuth preisen wird. Der gewissenlose Hofmann hat sich hundert Familien durch Darleihen ohne Interessen verbunden; um ihre Stimmen und Hände desto sicherer zu seiner Ungerechtigkeit bereit zu haben. – So ist denn ja das blosse Leihen, das blosse Wohlthun noch kein sicheres Zeichen unsrer Menschen-Liebe! Zuweilen kan es gar eine nichtswürdige, schlechte, niederträchtige; eine schändliche und strafbahre That bei uns seyn.Vers 34. Und wenn ihr nur denen leihet, von denen ihr hoffet zu nehmen: was Danks habt ihr davon? Denn die Sünder leihen den Sündern auch, auf daß sie gleiches wieder nehmen. – Der Geldgeizige leihet häufig aus, um mit seinem Gelde zu wuchern. Der Ehrsüchtige hilft einer sinkenden Familie mit einem Kapital, auch ohne Zinsen: denn schon im Geist belustiget ihn das Lob, womit man seine Großmuth preisen wird. Der gewissenlose Hofmann hat sich hundert Familien durch Darleihen ohne Interessen verbunden; um ihre Stimmen und Hände desto sicherer zu seiner Ungerechtigkeit bereit zu haben. – So ist denn ja das blosse Leihen, das blosse Wohlthun noch kein sicheres Zeichen unsrer Menschen-Liebe! Zuweilen kan es gar eine nichtswürdige, schlechte, niederträchtige; eine schändliche und strafbahre That bei uns seyn.
|c47| Vers 35. Aber liebet eure Feinde; thut wohl und leihet, daß ihr nichts dafür hoffet: Oder, nach Matthäi 5, 44. 45. Liebet eure Feinde, wünschet Gutes denen die euch fluchen, thut wohl denen die euch hassen, betet für die so euch schmähen und verfolgen. So werdet ihr Kinder des Allerhöchsten seyn; denn er ist gütig über die Undankbahren und Boshaftigen. – Auch die sollen wir also lieben, auch denen wohlthun, die uns nichts vergelten können: da wo wir keinen Ruhm, keinen Lohn, gar keinen Vortheil von unsrer Liebe und Wohlthun zu erwarten haben. Noch mehr! Auch unsre Beleidiger und Feinde. Auch die ärgsten und boshaftesten Feinde; die uns fluchen; uns schmähen; uns an der empfindlichsten Seite, an unsrer Ehre und gutem Nahmen angreifen; welche gar darauf ausgehen unser ganzes Glück zu Grunde zu richten. Auch diese sollen wir Christen lieben, von ganzem Herzen lieben. |c47| Vers 35. Aber liebet eure Feinde; thut wohl und leihet, daß ihr nichts dafür hoffet: Oder, nach Matthäi 5, 44. 45. Liebet eure Feinde, wünschet Gutes denen die euch fluchen, thut wohl denen die euch hassen, betet für die so euch schmähen und verfolgen. So werdet ihr Kinder des Allerhöchsten seyn; denn er ist gütig über die Undankbahren und Boshaftigen. – Auch die sollen wir also lieben, auch denen wohlthun, die uns nichts vergelten können: da wo wir keinen Ruhm, keinen Lohn, gar keinen Vortheil von unsrer Liebe und Wohlthun zu erwarten haben. Noch mehr! Auch unsre Beleidiger und Feinde. Auch die ärgsten und boshaftesten Feinde; die uns fluchen; uns schmähen; uns an der empfindlichsten Seite, an unsrer Ehre und gutem Nahmen angreifen; welche gar darauf ausgehen unser ganzes Glück zu Grunde zu richten. Auch diese sollen wir Christen lieben, von ganzem Herzen lieben.
S o wie nur das, ächtes Gold ist, was die Probe des Feuers aushält: so ist auch nur das, ächte Menschen-Liebe, welche bei den Beleidigungen und Feindseligkeiten anderer die Probe aussteht. Ist es uns also darum zu thun, uns nicht in einen Selbst-Betrug zu stürzen, der über kurz oder lang sich in Schande und Elend endiget: so müssen wir nicht bloß auf unser Betragen gegen Freunde, oder solche die uns nicht beleidigen; sondern vornehmlich auf unser Verfahren gegen die Feinde sehen, und unserm Gewissen die Frage |c48| ernstlich vorlegen: bin ich liebesvoll auch gegen diejenigen die mir zuwider sind? „Wie bin ich gegen die gesinnet, die anders denken als ich, mir widersprechen, mich tadeln? Dulde ich ihre verschiedene Meinung gern? Höre ich Widersprüche und Tadel, wenn sie auch von Unwissenden kommen und auf unbescheidene Art gemacht werden, gelassen an, um sie ruhig zu überlegen, und wenn ich sie gegründet finde, zur Besserung meiner Einsichten und Handlungen zu brauchen? Befleissige ich mich wenigstens redlich, so zu handeln? Oder kan ich dagegen, keinen Widerspruch leiden? Gerathe ich bei dem Tadel anderer sogleich in Flamme, und erlaube mir alles, um sie verächtlich und lächerlich zu machen, ihre Meinung zu unterdrücken, und die Ueberlegenheit meiner Einsichten zu zeigen? – Wie bin ich gegen die gesinnet, deren Ruhm den meinigen verdunkelt, deren Gewinn den meinigen verringert? Gegen den Amts-Gehülfen, denjenigen der mit mir auf einem Posten stehet, einerlei Handlung, Gewerbe, Profession treibet, gleiche Vortheile mit mir suchet? Sehe ich den glücklichen Fortgang seiner Arbeit und Bemühung, den Wachsthum seines Beifalls, Einnahme, Gewinns gerne? Bemühe ich mich, ihm diese Freude so viel an mir ist und mit Wahrheit geschehen kan, durch gute Urtheile und Empfehlungen zu sichern und zu befördern? Befleissige ich mich wenigstens redlich, dergestalt gegen ihn gesinnet zu seyn und zu handeln? Oder werde ich hingegen, durch jeden Vorzug dieser meiner Neben-Menschen aufgebracht; unruhig verdrüslich gemacht; zum |c49| Neid, Misgunst und Schaden-Freude, auch wohl zu hämischen Urtheilen und Handlungen gegen sie verleitet? – Wie bin ich gegen die gesint, die sich gar wider mich erklären, gegen meine Beleidiger und Feinde? Trage ich ihre Beleidigungen? Vergebe ich ihnen so gleich und von ganzem Herzen? Bete ich für ihr Wohl zu G o t t? Bemühe ich mich wenigstens redlich, dis alles zu thun? Oder erlaube ich mir Haß, Feindschaft, beleidigende Reden, und rachsüchtige Handlungen gegen meine Feinde?“S o wie nur das, ächtes Gold ist, was die Probe des Feuers aushält: so ist auch nur das, ächte Menschen-Liebe, welche bei den Beleidigungen und Feindseligkeiten anderer die Probe aussteht. Ist es uns also darum zu thun, uns nicht in einen Selbst-Betrug zu stürzen, der über kurz oder lang sich in Schande und Elend endiget: so müssen wir nicht bloß auf unser Betragen gegen Freunde, oder solche die uns nicht beleidigen; sondern vornehmlich auf unser Verfahren gegen die Feinde sehen, und unserm Gewissen die Frage |c48| ernstlich vorlegen: bin ich liebesvoll auch gegen diejenigen die mir zuwider sind? „Wie bin ich gegen die gesinnet, die anders denken als ich, mir widersprechen, mich tadeln? Dulde ich ihre verschiedene Meinung gern? Höre ich Widersprüche und Tadel, wenn sie auch von Unwissenden kommen und auf unbescheidene Art gemacht werden, gelassen an, um sie ruhig zu überlegen, und wenn ich sie gegründet finde, zur Besserung meiner Einsichten und Handlungen zu brauchen? Befleissige ich mich wenigstens redlich, so zu handeln? Oder kan ich dagegen, keinen Widerspruch leiden? Gerathe ich bei dem Tadel anderer sogleich in Flamme, und erlaube mir alles, um sie verächtlich und lächerlich zu machen, ihre Meinung zu unterdrücken, und die Ueberlegenheit meiner Einsichten zu zeigen? – Wie bin ich gegen die gesinnet, deren Ruhm den meinigen verdunkelt, deren Gewinn den meinigen verringert? Gegen den Amts-Gehülfen, denjenigen der mit mir auf einem Posten stehet, einerlei Handlung, Gewerbe, Profession treibet, gleiche Vortheile mit mir suchet? Sehe ich den glücklichen Fortgang seiner Arbeit und Bemühung, den Wachsthum seines Beifalls, Einnahme, Gewinns gerne? Bemühe ich mich, ihm diese Freude so viel an mir ist und mit Wahrheit geschehen kan, durch gute Urtheile und Empfehlungen zu sichern und zu befördern? Befleissige ich mich wenigstens redlich, dergestalt gegen ihn gesinnet zu seyn und zu handeln? Oder werde ich hingegen, durch jeden Vorzug dieser meiner Neben-Menschen aufgebracht; unruhig verdrüslich gemacht; zum |c49| Neid, Misgunst und Schaden-Freude, auch wohl zu hämischen Urtheilen und Handlungen gegen sie verleitet? – Wie bin ich gegen die gesint, die sich gar wider mich erklären, gegen meine Beleidiger und Feinde? Trage ich ihre Beleidigungen? Vergebe ich ihnen so gleich und von ganzem Herzen? Bete ich für ihr Wohl zu G o t t? Bemühe ich mich wenigstens redlich, dis alles zu thun? Oder erlaube ich mir Haß, Feindschaft, beleidigende Reden, und rachsüchtige Handlungen gegen meine Feinde?“
{Zweite Regel.} J e d o c h! auch hiebei sind wir noch nicht vor allem Selbst-Betruge gesichert! Das alles kan die Wirkung einer natürlichen Kaltblütigkeit und Schläfrigkeit; einer Einfalt; der Eitelkeit; der Heuchelei; oder gar einer ausstudirten Bosheit seyn. Jesus giebt uns daher noch die zweite Regel zur Selbst-Prüfung. Fliesset meine Güte gegen einzelne Personen, aus reiner Liebe zu Gott und seinen Menschen?{Zweite Regel.} J e d o c h! auch hiebei sind wir noch nicht vor allem Selbst-Betruge gesichert! Das alles kan die Wirkung einer natürlichen Kaltblütigkeit und Schläfrigkeit; einer Einfalt; der Eitelkeit; der Heuchelei; oder gar einer ausstudirten Bosheit seyn. Jesus giebt uns daher noch die zweite Regel zur Selbst-Prüfung. Fliesset meine Güte gegen einzelne Personen, aus reiner Liebe zu Gott und seinen Menschen?
Vers 36. S e y d barmherzig, so wie auch euer Vater barmherzig ist. Oder nach Matth. 5, 48. Seyd vollkommen, (aufrichtig in eurer Menschen-Liebe) wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist. „Seyd aufrichtige Freunde aller Menschen, so wie G o t t, euer Vater, es ist.“ – Also, Gott änlich und dankbahr zu werden: dis muß die Quelle, die Absicht unsers gütigen Sinnes und Betragens gegen andre seyn. Darum müssen wir gegen alles was Mensch ist, gütig seyn, weil Gott es ist, und wir nichts höher schäzen als nach S e i n e m |c50| Muster uns zu bilden: darum, weil Gott gütig gegen uns ist; weil wir durch die unaussprechliche Liebe, womit E r uns jeden Augenblick behandelt, inniglich beschämt und gerürt, herzlich wünschen, I h m dafür uns recht dankbahr zu bezeigen. Barmherzig, Gütig müssen wir Christen seyn, um Kinder des Allerhöchsten zu werden, welcher auch gegen die Undankbahren und Bösen gütig ist.Vers 36. S e y d barmherzig, so wie auch euer Vater barmherzig ist. Oder nach Matth. 5, 48. Seyd vollkommen, (aufrichtig in eurer Menschen-Liebe) wie auch euer Vater im Himmel vollkommen ist. „Seyd aufrichtige Freunde aller Menschen, so wie G o t t, euer Vater, es ist.“ – Also, Gott änlich und dankbahr zu werden: dis muß die Quelle, die Absicht unsers gütigen Sinnes und Betragens gegen andre seyn. Darum müssen wir gegen alles was Mensch ist, gütig seyn, weil Gott es ist, und wir nichts höher schäzen als nach S e i n e m |c50| Muster uns zu bilden: darum, weil Gott gütig gegen uns ist; weil wir durch die unaussprechliche Liebe, womit E r uns jeden Augenblick behandelt, inniglich beschämt und gerürt, herzlich wünschen, I h m dafür uns recht dankbahr zu bezeigen. Barmherzig, Gütig müssen wir Christen seyn, um Kinder des Allerhöchsten zu werden, welcher auch gegen die Undankbahren und Bösen gütig ist.
F e h l e t es uns an dieser Gesinnung und Gemüts-Art: so sind wir zu allem, was Schön, Edel und Groß ist, schlechterdings ungeschickt. Denn ein Undankbahrer, ein im höchsten Grade Undankbahrer, der sich des schändlichsten, allerschwärzesten Undanks, des Undanks gegen G o t t, schuldig macht; kan nicht anders als schlecht, niederträchtig und schändlich handeln. Fehlet es uns an dieser Gemüts-Art: so sind alle, auch noch so glänzende Handlungen nichts werth; nichts als Betrug der Welt und unsrer selbst. Denn man kan die glänzendsten Thaten aus so schändlichen Absichten verrichten, daß sie recht grobe Schandthaten werden. Man kan Beleidigungen vergeben, um den Feind desto empfindlicher zu ärgern. Man kan seine Untergebene freundschaftlich behandeln, um sie zu Werkzeugen seiner Laster zu machen. Nur eine im Herzen gegründete, die ganze Seele beherrschende Liebe zu G o t t und S e i n e n Menschen, giebt wie allen unsern Handlungen, also auch dem gütigen Betragen gegen andre allererst einen Werth; machet es zu edler That, ächter Tugend, zu wahrer Menschen-Liebe. |c51| {1 Kor. 13, 1−13.} Wenn ich mit Menschen- und Engel-Zungen redete, und hätte die Menschen-Liebe nicht: so wäre ich ein tönend Erz, oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könte, und wüste alle Geheimnisse; und hätte allen Glauben, also, daß ich Berge versetzte; und hätte der Liebe nicht: so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe, und liesse meinen Leib brennen, und hätte der Liebe nicht: so wäre mirs nichts nüze.F e h l e t es uns an dieser Gesinnung und Gemüts-Art: so sind wir zu allem, was Schön, Edel und Groß ist, schlechterdings ungeschickt. Denn ein Undankbahrer, ein im höchsten Grade Undankbahrer, der sich des schändlichsten, allerschwärzesten Undanks, des Undanks gegen G o t t, schuldig macht; kan nicht anders als schlecht, niederträchtig und schändlich handeln. Fehlet es uns an dieser Gemüts-Art: so sind alle, auch noch so glänzende Handlungen nichts werth; nichts als Betrug der Welt und unsrer selbst. Denn man kan die glänzendsten Thaten aus so schändlichen Absichten verrichten, daß sie recht grobe Schandthaten werden. Man kan Beleidigungen vergeben, um den Feind desto empfindlicher zu ärgern. Man kan seine Untergebene freundschaftlich behandeln, um sie zu Werkzeugen seiner Laster zu machen. Nur eine im Herzen gegründete, die ganze Seele beherrschende Liebe zu G o t t und S e i n e n Menschen, giebt wie allen unsern Handlungen, also auch dem gütigen Betragen gegen andre allererst einen Werth; machet es zu edler That, ächter Tugend, zu wahrer Menschen-Liebe. |c51| {1 Kor. 13, 1−13.} Wenn ich mit Menschen- und Engel-Zungen redete, und hätte die Menschen-Liebe nicht: so wäre ich ein tönend Erz, oder eine klingende Schelle. Und wenn ich weissagen könte, und wüste alle Geheimnisse; und hätte allen Glauben, also, daß ich Berge versetzte; und hätte der Liebe nicht: so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe, und liesse meinen Leib brennen, und hätte der Liebe nicht: so wäre mirs nichts nüze.
U m demnach den verfürerischen Blendwerken der Eigenliebe zu entgehen, müssen wir unsre Menschen-Liebe auch nach dieser Regel probiren; und unserm Gewissen die Frage vorlegen: Entspringet meine Güte gegen einzelne Personen, aus reiner Liebe zu Gott und Seinen Menschen?W a r u m thue ich den Armen Gutes? Warum vergebe ich die Beleidigungen? Was ist die Ursache meiner Herablassung, Gesprächigkeit, Gefälligkeit, Nachgebens, Dienstbeflissenheit? Warum behandle ich die Irrende und Lasterhafte, so nachsichtlich und schonend? Geschiehet es darum, weil mir jeder Mensch als ein Geschöpf, Erlöseter, und bestimter Freund G o t t e s theuer und lieb ist? Darum, weil ich so gerne Dem G o t t recht dankbahr und änlich werden möchte, der mir durch Christum so unermesliche Liebe erwiesen, und mich täglich mit solcher unaussprechlichen Herablassung, Nachsicht, Langmuth, Wohlthätigkeit und Freundlichkeit behandelt?“ Wohl uns! wenn unser Gewissen uns dieses Zeugniß giebt! Sodenn, aber |c52| auch nur allein alsdenn, ist, nach Jesu Versicherung, unser Lohn groß; und wir sind – Kinder des Allerhöchsten.U m demnach den verfürerischen Blendwerken der Eigenliebe zu entgehen, müssen wir unsre Menschen-Liebe auch nach dieser Regel probiren; und unserm Gewissen die Frage vorlegen: Entspringet meine Güte gegen einzelne Personen, aus reiner Liebe zu Gott und Seinen Menschen?W a r u m thue ich den Armen Gutes? Warum vergebe ich die Beleidigungen? Was ist die Ursache meiner Herablassung, Gesprächigkeit, Gefälligkeit, Nachgebens, Dienstbeflissenheit? Warum behandle ich die Irrende und Lasterhafte, so nachsichtlich und schonend? Geschiehet es darum, weil mir jeder Mensch als ein Geschöpf, Erlöseter, und bestimter Freund G o t t e s theuer und lieb ist? Darum, weil ich so gerne Dem G o t t recht dankbahr und änlich werden möchte, der mir durch Christum so unermesliche Liebe erwiesen, und mich täglich mit solcher unaussprechlichen Herablassung, Nachsicht, Langmuth, Wohlthätigkeit und Freundlichkeit behandelt?“ Wohl uns! wenn unser Gewissen uns dieses Zeugniß giebt! Sodenn, aber |c52| auch nur allein alsdenn, ist, nach Jesu Versicherung, unser Lohn groß; und wir sind – Kinder des Allerhöchsten.
{Dritte Regel.} E b e n die Liebe zu G o t t und S e i n e n Menschen, welche uns antreibet, das Eine Böse zu lassen, in dem Einen Stück liebreich zu seyn, wird uns auch sicherlich antreiben, alles andre Böse zu lassen, und in jedem andern Stück liebreich zu seyn. Dies leitet uns zur dritten Regel, der dritten Frage unsre Menschen-Liebe zu prüfen: Entsage ich jeder Begierde und Handlung, die mir Gottes Gesez verbiethet?{Dritte Regel.} E b e n die Liebe zu G o t t und S e i n e n Menschen, welche uns antreibet, das Eine Böse zu lassen, in dem Einen Stück liebreich zu seyn, wird uns auch sicherlich antreiben, alles andre Böse zu lassen, und in jedem andern Stück liebreich zu seyn. Dies leitet uns zur dritten Regel, der dritten Frage unsre Menschen-Liebe zu prüfen: Entsage ich jeder Begierde und Handlung, die mir Gottes Gesez verbiethet?
Vers 37. 38. R i c h t e t nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Durch Richten verstehet hier Jesus nicht, jedes nachtheilige Urtheil das man von andern fället. Dies ist ofte, eine obgleich dem Christen traurige, doch nothwendige Pflicht. Sondern, ein Verdammungs-Urtheil über den Nächsten fällen; ihm Gottes Gnade und die ewige Seligkeit absprechen. Die damahligen Juden, (wolte G o t t, daß mit ihnen diese Bosheit ausgestorben wäre!) giengen in ihrem Stolz und Menschen-Haß so weit, alle Nationen, ausser der ihrigen, jeden Samariter und Heiden, als G o t t-abscheuliche Menschen, als Kinder des Satans und der Hölle anzusehen. Diesem höllischen Religions-Hasse und Verdammungs-Sucht sezet sich Jesus so ofte entgegen. {Joh. 3, 17.} Des Menschen Sohn, sagt er, ist nicht gekommen, daß er die Welt richte, (verdamme) |c53| sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Und so verbiethet er hier, auch allen seinen Anhängern, das Richten, oder wie er es gleich erkläret, das Verdammen ihrer Neben-Menschen. Er will, daß wir, als Anhänger einer Religion, die jeden Menschen zum Erlöseten des Sohnes G o t t e s macht, weit entfernt von aller Verdammungs-Sucht, jedem unsrer Neben-Menschen, auch dem bösesten, auch dem gröbsten Feinde der Religion, die ewige Seligkeit von ganzem Herzen anwünschen; ihm dazu aus allen Kräften behülflich seyn; sie liebreich hoffen; und das entscheidende Urtheil darüber, lediglich dem A l l w i s s e n d e n überlassen sollen, – Richtet nicht so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Vergebet, so wird euch vergeben. Gebet, so wird euch gegeben. Ein voll, gedruckt, gerüttelt, überflüßig Maaß wird man in euren Schooß geben. Denn eben mit dem Maasse da ihr mit messet, wird man euch wieder messen. Mit andern Worten: „A l l e s was irgend einem Menschen, ohne Noth und Recht, auch nur einen misvergnügten Augenblick macht, sey euch abscheulich und verhaßt. Vergnügen und Wohlthun sey hingegen der grosse Zweck aller eurer Ueberlegungen, Reden und Handlungen. So werdet ihr auch an G o t t, einen so gütigen Richter und freigebigen Wohlthäter finden, als ihr es gegen eure Neben-Menschen zu seyn euch bemühet.“Vers 37. 38. R i c h t e t nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Durch Richten verstehet hier Jesus nicht, jedes nachtheilige Urtheil das man von andern fället. Dies ist ofte, eine obgleich dem Christen traurige, doch nothwendige Pflicht. Sondern, ein Verdammungs-Urtheil über den Nächsten fällen; ihm Gottes Gnade und die ewige Seligkeit absprechen. Die damahligen Juden, (wolte G o t t, daß mit ihnen diese Bosheit ausgestorben wäre!) giengen in ihrem Stolz und Menschen-Haß so weit, alle Nationen, ausser der ihrigen, jeden Samariter und Heiden, als G o t t-abscheuliche Menschen, als Kinder des Satans und der Hölle anzusehen. Diesem höllischen Religions-Hasse und Verdammungs-Sucht sezet sich Jesus so ofte entgegen. {Joh. 3, 17.} Des Menschen Sohn, sagt er, ist nicht gekommen, daß er die Welt richte, (verdamme) |c53| sondern daß die Welt durch ihn selig werde. Und so verbiethet er hier, auch allen seinen Anhängern, das Richten, oder wie er es gleich erkläret, das Verdammen ihrer Neben-Menschen. Er will, daß wir, als Anhänger einer Religion, die jeden Menschen zum Erlöseten des Sohnes G o t t e s macht, weit entfernt von aller Verdammungs-Sucht, jedem unsrer Neben-Menschen, auch dem bösesten, auch dem gröbsten Feinde der Religion, die ewige Seligkeit von ganzem Herzen anwünschen; ihm dazu aus allen Kräften behülflich seyn; sie liebreich hoffen; und das entscheidende Urtheil darüber, lediglich dem A l l w i s s e n d e n überlassen sollen, – Richtet nicht so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr auch nicht verdammet. Vergebet, so wird euch vergeben. Gebet, so wird euch gegeben. Ein voll, gedruckt, gerüttelt, überflüßig Maaß wird man in euren Schooß geben. Denn eben mit dem Maasse da ihr mit messet, wird man euch wieder messen. Mit andern Worten: „A l l e s was irgend einem Menschen, ohne Noth und Recht, auch nur einen misvergnügten Augenblick macht, sey euch abscheulich und verhaßt. Vergnügen und Wohlthun sey hingegen der grosse Zweck aller eurer Ueberlegungen, Reden und Handlungen. So werdet ihr auch an G o t t, einen so gütigen Richter und freigebigen Wohlthäter finden, als ihr es gegen eure Neben-Menschen zu seyn euch bemühet.“
|c54| E i n solcher Sinn aber kan schlechterdings nicht Statt finden, ohne die redliche Bestrebung allem dem zu entsagen, was uns irgend ein Gesez Gottes verbiethet, und alles das zu thun, was uns irgend ein Gesez Gottes gebeut. Denn G o t t e s Gesez ist durch und durch Wohltätig und Gemeinnüzig. G o t t verbiethet uns nichts, als was der menschlichen Gesellschaft schädlich, und befiehlet nichts, als was ihr heilsahm ist. Müßiggang, Schwelgerei, Verschwendung, Unzucht aller Art, Vernachläßigung des öffentlichen Gottesdienstes, Kälte gegen G o t t und Religion, und was es auch immer seyn mag, das uns G o t t e s Gesez untersaget; das alles vermindert die Summe des Vergnügens und Wohls unsrer Neben-Menschen; stürzet sie dagegen in Unruhe, Kummer, Traurigkeit, Schmerz, Elend, und Jammer. Hingegen Arbeitsamkeit, Sparsamkeit, Mäßigkeit, Keuschheit, äussere Ehrerbietung gegen G o t t und die Religion, und jede andere Tugend, die uns G o t t e s Gesez befiehlet, hindert Schmerz und Elend; und leitet im Gegentheil Freude, Wohlstand und Glück unter die Menschen. Menschen-Liebe ist die Erfüllung des ganzen Gesezes Gottes. Alle Geseze Gottes sind in dem Einzigen, als ihrer Summe enthalten: liebe deinen Neben-Menschen eben so wohl als dich selbst. Röm. 13, 8−10. Gal. 5, 14. |c54| E i n solcher Sinn aber kan schlechterdings nicht Statt finden, ohne die redliche Bestrebung allem dem zu entsagen, was uns irgend ein Gesez Gottes verbiethet, und alles das zu thun, was uns irgend ein Gesez Gottes gebeut. Denn G o t t e s Gesez ist durch und durch Wohltätig und Gemeinnüzig. G o t t verbiethet uns nichts, als was der menschlichen Gesellschaft schädlich, und befiehlet nichts, als was ihr heilsahm ist. Müßiggang, Schwelgerei, Verschwendung, Unzucht aller Art, Vernachläßigung des öffentlichen Gottesdienstes, Kälte gegen G o t t und Religion, und was es auch immer seyn mag, das uns G o t t e s Gesez untersaget; das alles vermindert die Summe des Vergnügens und Wohls unsrer Neben-Menschen; stürzet sie dagegen in Unruhe, Kummer, Traurigkeit, Schmerz, Elend, und Jammer. Hingegen Arbeitsamkeit, Sparsamkeit, Mäßigkeit, Keuschheit, äussere Ehrerbietung gegen G o t t und die Religion, und jede andere Tugend, die uns G o t t e s Gesez befiehlet, hindert Schmerz und Elend; und leitet im Gegentheil Freude, Wohlstand und Glück unter die Menschen. Menschen-Liebe ist die Erfüllung des ganzen Gesezes Gottes. Alle Geseze Gottes sind in dem Einzigen, als ihrer Summe enthalten: liebe deinen Neben-Menschen eben so wohl als dich selbst. Röm. 13, 8−10. Gal. 5, 14.
U m also unsre Menschen-Liebe sicher zu prüfen, müssen wir diese Frage an uns thun: entsage ich jeder Begierde und Handlung |c55| die mir Gottes Gesez verbiethet? „Bändige ich meine Spottsucht? Unterdrücke ich die Rachbegierde? Mäßige ich meinen Zorn? Schränke ich meine Begierde nach Ergözung ein? Bin ich sorgfältig in Besuchung des öffentlichen Gottesdienstes, Genuß des heiligen Abendmahls, und jeder andern Sache, die zur Empfehlung der Religion dienet? Insbesondere, hasse ich die Unzucht aller Art: nicht allein den Ehebruch, sondern auch die Hurerei und Selbst-Befleckung; nicht allein Unzucht in äussern Thaten, sondern auch in Reden, Gedanken, und bloß innern Begierden? Befleißige ich mich dagegen aus allen Kräften der unbefleckten Keuschheit in Werken, Reden und Gedanken? da diese Sünde besonders, eine Pest der menschlichen Gesellschaft, und die christliche Keuschheit zum Flor derselben so unentbehrlich ist! Ueberhaupt, {Röm. 12, 2.} strebe ich ernstlich darnach, jeden Theil des göttlichen Willens immer besser zu lernen, und immer glücklicher auszurichten? da G o t t e s Wille, durch und durch ein wohlthätiger und angenehmer Wille ist.“ – Finden wir dieses nicht bei uns, herrschet, auch nur eine einzige Sünde, sie sey welche sie wolle, mit unserm Wissen und Willen über uns: so ist es unmöglich, daß wir Freunde der Menschen sind. So ist alles, was wir Menschen-Liebe bei uns nennen, sicherlich nichts als blinder Trieb, oder Wirkung des Ehrgeizes und Eigennuzes.U m also unsre Menschen-Liebe sicher zu prüfen, müssen wir diese Frage an uns thun: entsage ich jeder Begierde und Handlung |c55| die mir Gottes Gesez verbiethet? „Bändige ich meine Spottsucht? Unterdrücke ich die Rachbegierde? Mäßige ich meinen Zorn? Schränke ich meine Begierde nach Ergözung ein? Bin ich sorgfältig in Besuchung des öffentlichen Gottesdienstes, Genuß des heiligen Abendmahls, und jeder andern Sache, die zur Empfehlung der Religion dienet? Insbesondere, hasse ich die Unzucht aller Art: nicht allein den Ehebruch, sondern auch die Hurerei und Selbst-Befleckung; nicht allein Unzucht in äussern Thaten, sondern auch in Reden, Gedanken, und bloß innern Begierden? Befleißige ich mich dagegen aus allen Kräften der unbefleckten Keuschheit in Werken, Reden und Gedanken? da diese Sünde besonders, eine Pest der menschlichen Gesellschaft, und die christliche Keuschheit zum Flor derselben so unentbehrlich ist! Ueberhaupt, {Röm. 12, 2.} strebe ich ernstlich darnach, jeden Theil des göttlichen Willens immer besser zu lernen, und immer glücklicher auszurichten? da G o t t e s Wille, durch und durch ein wohlthätiger und angenehmer Wille ist.“ – Finden wir dieses nicht bei uns, herrschet, auch nur eine einzige Sünde, sie sey welche sie wolle, mit unserm Wissen und Willen über uns: so ist es unmöglich, daß wir Freunde der Menschen sind. So ist alles, was wir Menschen-Liebe bei uns nennen, sicherlich nichts als blinder Trieb, oder Wirkung des Ehrgeizes und Eigennuzes.
{Vierte Regel.} N o c h eine Regel, unsre Menschen-Liebe zu prüfen und zugleich zu stärken, giebt uns Jesus |c56| in unserm Text. Aechte Menschen-Liebe muß mit Demuth genärt und ausgeübet werden.{Vierte Regel.} N o c h eine Regel, unsre Menschen-Liebe zu prüfen und zugleich zu stärken, giebt uns Jesus |c56| in unserm Text. Aechte Menschen-Liebe muß mit Demuth genärt und ausgeübet werden.
Vers 39−42. Und er sagte ihnen dies Gleichniß. Mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger ist nicht über seinen Meister: wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er vollkommen. (Wenn der Lehrling so geschickt ist als sein Meister: so bleibt er nicht länger Lehrling.) Der Sinn dieses Gleichnisses ist, wie der Zusammenhang Vers 37. 38. lehret, folgender: „Alle Strenge der Untersuchung und des Tadels richte auf dich selbst. Suche vor allen Dingen, dich zu bessern, deine eigene Blindheit zu heilen. Und bedenke stets, daß du von sündlichen Eltern gebohren, nichts besser als sie, ein Sünder, zu allen Lastern aufgelegt bist, wie es alle deine Vorfahren waren.“ – Was siehest du aber, einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balken in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kanst du sagen zu deinem Bruder, halt stille, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen? und du siehest selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zeuch zuvor den Balken aus deinem Auge; und besiehe dann, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest. Mit andern Worten: „verächtlich, stolz deinen irrenden und sündigenden Neben-Menschen behandeln, ist äusserst thöricht. So thöricht, als wenn ein Blin|c57|der den andern leiten; der Lehrling klüger als der Meister seyn; oder jemand mit einem unbemerkten Balken in seinem Auge, den Splitter aus dem Auge seines Neben-Menschen ziehen wolte.“Vers 39−42. Und er sagte ihnen dies Gleichniß. Mag auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger ist nicht über seinen Meister: wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er vollkommen. (Wenn der Lehrling so geschickt ist als sein Meister: so bleibt er nicht länger Lehrling.) Der Sinn dieses Gleichnisses ist, wie der Zusammenhang Vers 37. 38. lehret, folgender: „Alle Strenge der Untersuchung und des Tadels richte auf dich selbst. Suche vor allen Dingen, dich zu bessern, deine eigene Blindheit zu heilen. Und bedenke stets, daß du von sündlichen Eltern gebohren, nichts besser als sie, ein Sünder, zu allen Lastern aufgelegt bist, wie es alle deine Vorfahren waren.“ – Was siehest du aber, einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balken in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kanst du sagen zu deinem Bruder, halt stille, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen? und du siehest selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zeuch zuvor den Balken aus deinem Auge; und besiehe dann, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest. Mit andern Worten: „verächtlich, stolz deinen irrenden und sündigenden Neben-Menschen behandeln, ist äusserst thöricht. So thöricht, als wenn ein Blin|c57|der den andern leiten; der Lehrling klüger als der Meister seyn; oder jemand mit einem unbemerkten Balken in seinem Auge, den Splitter aus dem Auge seines Neben-Menschen ziehen wolte.“
S o müssen wir denn, um wahre Menschen-Freunde zu seyn, uns selbst recht kennen. Uns selbst, das heißt, unsre vielfältigen grossen Mängel und Schwachheiten kennen. Denn, ist auch der beste Mensch nicht ganz frei davon: wie zahlreich werden sie denn bei dem Schwächern, bei dem Anfänger in der Tugend seyn? Uns selbst kennen, das heißt, den Ursprung aller unsrer Gaben kennen: wissen, und lebhaft, mit Empfindung wissen, daß alles unser Gute lediglich von G o t t komt; jede gute Gesinnung, Handlung, Empfindung, Entschliessung nur ein Werk S e i n e r Kraft ist. Uns selbst kennen, das heißt auch, unsre gänzliche Unwürdigkeit und grosse Strafbarkeit vor Gott kennen: wissen, daß aller unser Werth, aller der Ruhm und Lohn, womit unser Gutes gekrönt wird, lediglich ein unverdientes Geschenk der Gnade G o t t e s durch Jesum Christum ist.S o müssen wir denn, um wahre Menschen-Freunde zu seyn, uns selbst recht kennen. Uns selbst, das heißt, unsre vielfältigen grossen Mängel und Schwachheiten kennen. Denn, ist auch der beste Mensch nicht ganz frei davon: wie zahlreich werden sie denn bei dem Schwächern, bei dem Anfänger in der Tugend seyn? Uns selbst kennen, das heißt, den Ursprung aller unsrer Gaben kennen: wissen, und lebhaft, mit Empfindung wissen, daß alles unser Gute lediglich von G o t t komt; jede gute Gesinnung, Handlung, Empfindung, Entschliessung nur ein Werk S e i n e r Kraft ist. Uns selbst kennen, das heißt auch, unsre gänzliche Unwürdigkeit und grosse Strafbarkeit vor Gott kennen: wissen, daß aller unser Werth, aller der Ruhm und Lohn, womit unser Gutes gekrönt wird, lediglich ein unverdientes Geschenk der Gnade G o t t e s durch Jesum Christum ist.
A u c h in dieser Absicht hänget also die wahre Menschen-Liebe mit dem Verdienst Jesu genau zusammen. Näre ich, so muß ein jeder, der sich nicht mit leeren Träumen täuschen will, sich hier fragen, und übe ich meine Menschen-Liebe mit Demuth? „Stehe ich in der reuvollen Kentniß und Empfindung meiner grossen Mängel und Fehler auch in diesem Stück? |c58| Fliehe ich deshalb gläubig und Besserungs-begierig, zu Jesu Verdienst? Flehe ich oft und herzlich zu G o t t, daß er mich immer mehr und mehr von dem mir noch anklebenden Neide, Stolz, Heftigkeit, Lieblosigkeit säubern, und S e i n e n Geist der Menschen-Liebe immer mehr in meine Seele ergiessen wolle? Oder brüste ich mich hingegen mit meinen menschenfreundlichen Thaten? Voll von küner Zufriedenheit mit mir selbst; und leer von Empfindung der Barmherzigkeit G o t t e s, die so viele Fehler an mir trägt und alles Gute in mir wirket!“A u c h in dieser Absicht hänget also die wahre Menschen-Liebe mit dem Verdienst Jesu genau zusammen. Näre ich, so muß ein jeder, der sich nicht mit leeren Träumen täuschen will, sich hier fragen, und übe ich meine Menschen-Liebe mit Demuth? „Stehe ich in der reuvollen Kentniß und Empfindung meiner grossen Mängel und Fehler auch in diesem Stück? |c58| Fliehe ich deshalb gläubig und Besserungs-begierig, zu Jesu Verdienst? Flehe ich oft und herzlich zu G o t t, daß er mich immer mehr und mehr von dem mir noch anklebenden Neide, Stolz, Heftigkeit, Lieblosigkeit säubern, und S e i n e n Geist der Menschen-Liebe immer mehr in meine Seele ergiessen wolle? Oder brüste ich mich hingegen mit meinen menschenfreundlichen Thaten? Voll von küner Zufriedenheit mit mir selbst; und leer von Empfindung der Barmherzigkeit G o t t e s, die so viele Fehler an mir trägt und alles Gute in mir wirket!“
I n diesem Spiegel lasset uns ofte unsre Gestalt betrachten. Auf diese Probe lasset uns das bringen, was wir bei uns Menschen-Liebe nennen! Selbst offenbahre Sklaven des Lasters, Diener der Wollust und Unzucht, Feinde der Religion sprechen von Menschen-Liebe, sprechen mit Begeisterung davon, rümen sie als den Inbegrif aller wahren Würde, alles gottgefälligen Dienstes. Auch für diesen Rest von Achtung der Tugend sey G o t t gepriesen! Aber wolten diese Menschen nur sich die Mühe geben, ihre Ansprüche auf diese Tugend genauer zu prüfen: so würden sie bald entdecken, daß es ein blosser matter guter Wille; oder eine romanhafte Schwärmerei; oder ein freigebiger Gebrauch des Geld-Kastens; oder flüchtige Anfälle von Wohlthätigkeit; oder Partheien-Liebe; oder nichts mehr als ein natürlich-gutes, weiches Herz; folglich nicht Menschen-Liebe, sondern eine blosse Larve, eine blosse Nachäffung derselben ist, was sie unter diesem Nahmen an sich schäzen.I n diesem Spiegel lasset uns ofte unsre Gestalt betrachten. Auf diese Probe lasset uns das bringen, was wir bei uns Menschen-Liebe nennen! Selbst offenbahre Sklaven des Lasters, Diener der Wollust und Unzucht, Feinde der Religion sprechen von Menschen-Liebe, sprechen mit Begeisterung davon, rümen sie als den Inbegrif aller wahren Würde, alles gottgefälligen Dienstes. Auch für diesen Rest von Achtung der Tugend sey G o t t gepriesen! Aber wolten diese Menschen nur sich die Mühe geben, ihre Ansprüche auf diese Tugend genauer zu prüfen: so würden sie bald entdecken, daß es ein blosser matter guter Wille; oder eine romanhafte Schwärmerei; oder ein freigebiger Gebrauch des Geld-Kastens; oder flüchtige Anfälle von Wohlthätigkeit; oder Partheien-Liebe; oder nichts mehr als ein natürlich-gutes, weiches Herz; folglich nicht Menschen-Liebe, sondern eine blosse Larve, eine blosse Nachäffung derselben ist, was sie unter diesem Nahmen an sich schäzen.
|c59| A l l e r d i n g s ist Menschen-Liebe bei G o t t der würdigste Nahme. {Röm. 13, 8−10. Jakobi 1, 26. 27. 1 Kor. 13, 1−7. Math. 25, 31−Ende 1 Joh. 4, 11−Ende.} Ist die Summe des göttlichen Gesezes, des wahren Gottesdienstes; die höchste Würde eines Menschen vor G o t t; die Regel S e i n e s künftigen Gerichts; das sicherste Zeichen S e i n e s göttlichen Wohlgefallens. Aber eine solche Menschen-Liebe wie sie uns Gottes Gesez vorschreibt. „Eine allgemeine Güte des Herzens, die uns antreibt, lauter liebreiche wohlthätige Gesinnungen und Handlungen zu hegen und zu üben: sie unermüdet, bis an den Todt, zu hegen und zu üben.“ Da müssen wir auch denen mit Liebe zugethan seyn, die uns zuwider sind. Da muß unser gütiges Betragen, aus reiner Liebe zu G o t t und S e i n e n Menschen fliessen. Da müssen wir jede Sache, die uns G o t t e s Gesez verbiethet, aus allen Kräften meiden; und uns jeder Tugend des göttlichen Gesezes befleißigen. Da müssen wir unsre Menschen-Liebe mit Demuth nären und ausüben. |c59| A l l e r d i n g s ist Menschen-Liebe bei G o t t der würdigste Nahme. {Röm. 13, 8−10. Jakobi 1, 26. 27. 1 Kor. 13, 1−7. Math. 25, 31−Ende 1 Joh. 4, 11−Ende.} Ist die Summe des göttlichen Gesezes, des wahren Gottesdienstes; die höchste Würde eines Menschen vor G o t t; die Regel S e i n e s künftigen Gerichts; das sicherste Zeichen S e i n e s göttlichen Wohlgefallens. Aber eine solche Menschen-Liebe wie sie uns Gottes Gesez vorschreibt. „Eine allgemeine Güte des Herzens, die uns antreibt, lauter liebreiche wohlthätige Gesinnungen und Handlungen zu hegen und zu üben: sie unermüdet, bis an den Todt, zu hegen und zu üben.“ Da müssen wir auch denen mit Liebe zugethan seyn, die uns zuwider sind. Da muß unser gütiges Betragen, aus reiner Liebe zu G o t t und S e i n e n Menschen fliessen. Da müssen wir jede Sache, die uns G o t t e s Gesez verbiethet, aus allen Kräften meiden; und uns jeder Tugend des göttlichen Gesezes befleißigen. Da müssen wir unsre Menschen-Liebe mit Demuth nären und ausüben.
W o h l uns, wenn wir eine solche Menschen-Liebe zu unserm täglichen Geschäfte machen! {1 Tim. 1, 5.} Eine Liebe aus reinem Herzen, verbunden mit durchgängig-gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben. Sodenn tragen wir das Siegel der Wahrheit unsers Glaubens, das Unterpfand des göttlichen Wohlgefallens, den Vorschmack des ewigen Lebens in uns! Sodenn wird unser Lohn groß; und unsre Würde die allererhabenste seyn. Kinder des Allmächtigen, und Seine ewige Gesellschafter im Himmel!W o h l uns, wenn wir eine solche Menschen-Liebe zu unserm täglichen Geschäfte machen! {1 Tim. 1, 5.} Eine Liebe aus reinem Herzen, verbunden mit durchgängig-gutem Gewissen und ungeheucheltem Glauben. Sodenn tragen wir das Siegel der Wahrheit unsers Glaubens, das Unterpfand des göttlichen Wohlgefallens, den Vorschmack des ewigen Lebens in uns! Sodenn wird unser Lohn groß; und unsre Würde die allererhabenste seyn. Kinder des Allmächtigen, und Seine ewige Gesellschafter im Himmel!