|c680| Anhang I.
am Feste der Himmelfarth Christi.
Apostel-Geschicht 1, 1–11. Marci 16, 19. Lucä 24, 50. 51. Johannis 20, 17. verbunden mit Colosser 3, 1–4.
D e r genannte Abschnitt der Apostel-Geschichte ist die einzige Stelle, welche uns beides von dem vierzigtägigen Auffenthalte Jesu nach seiner Auferstehung, und von seiner Himmelfarth, ausführliche Nachricht giebt.D e r genannte Abschnitt der Apostel-Geschichte ist die einzige Stelle, welche uns beides von dem vierzigtägigen Auffenthalte Jesu nach seiner Auferstehung, und von seiner Himmelfarth, ausführliche Nachricht giebt.
Z u e r s t, die Geschichte des vierzigtägigen Auffenthaltes Jesu nach seiner Auferstehung auf Erden v. 1–8.Z u e r s t, die Geschichte des vierzigtägigen Auffenthaltes Jesu nach seiner Auferstehung auf Erden v. 1–8.
{v. 1.} D i e s e s Erste Buch T h e o p h i l e habe ich nun geschrieben von Allem, beides den Reden und Thaten Jesu, {v. 2.} bis an den Tag da er hinaufgenommen ward, nachdem er den von ihm erwälten Aposteln die Aufträge wegen des h e i l i g e n G e i s t e s gethan hatte. *[1] {v. 3.} Diesen zeigte er auch durch viele |c681| zuverlässige Beweise, daß er, welcher gestorben war, lebe: indem er vierzig Tage lang mit ihnen umgieng, und vom Reiche Gottes sprach. *[2] {v. 4.} Als er aber bei ihnen wohnete, **[3] geboth er ihnen Jerusalem nicht zu verlassen, sondern die Verheissung des Vaters abzuwarten, „welche ihr von mir gehöret habt. ***[4] {v. 5.} Denn Johannes hat zwar mit Wasser getauft; ihr aber sollt nicht lange nach diesen Tagen mit dem heiligen Geiste getaufet werden.“ ****[5] {v. 6.} Sie nun die bei einander waren, fragten ihn, „Herr! wirst du jezt den Israeliten die Herr|c682|schaft wiedergeben?“ *[6] {v. 7.} Er aber sprach zu ihnen, „Es gebüret euch nicht die Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater nach S e i n e r Gewalt bestimmet hat. {v. 8.} Aber ihr werdet die Kraft des zu euch kommenden heiligen Geistes empfangen, und meine Zeugen **[7] seyn, beides zu Jerusalem, und in ganz Judäa, und Samaria, und bis ans Ende der Erde.“ ***[8] {v. 1.} D i e s e s Erste Buch T h e o p h i l e habe ich nun geschrieben von Allem, beides den Reden und Thaten Jesu, {v. 2.} bis an den Tag da er hinaufgenommen ward, nachdem er den von ihm erwälten Aposteln die Aufträge wegen des h e i l i g e n G e i s t e s gethan hatte. *[1] {v. 3.} Diesen zeigte er auch durch viele |c681| zuverlässige Beweise, daß er, welcher gestorben war, lebe: indem er vierzig Tage lang mit ihnen umgieng, und vom Reiche Gottes sprach. *[2] {v. 4.} Als er aber bei ihnen wohnete, **[3] geboth er ihnen Jerusalem nicht zu verlassen, sondern die Verheissung des Vaters abzuwarten, „welche ihr von mir gehöret habt. ***[4] {v. 5.} Denn Johannes hat zwar mit Wasser getauft; ihr aber sollt nicht lange nach diesen Tagen mit dem heiligen Geiste getaufet werden.“ ****[5] {v. 6.} Sie nun die bei einander waren, fragten ihn, „Herr! wirst du jezt den Israeliten die Herr|c682|schaft wiedergeben?“ *[6] {v. 7.} Er aber sprach zu ihnen, „Es gebüret euch nicht die Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater nach S e i n e r Gewalt bestimmet hat. {v. 8.} Aber ihr werdet die Kraft des zu euch kommenden heiligen Geistes empfangen, und meine Zeugen **[7] seyn, beides zu Jerusalem, und in ganz Judäa, und Samaria, und bis ans Ende der Erde.“ ***[8]
*[1] M i t diesen Worten schliest Lukas sein Evangelium; und gehet nun sogleich zu dem zwei|c681*|ten Theil seiner Geschichte; welchen man hernach von jenem absonderte, und als ein eignes Buch, unter dem Titel der Apostel-Geschichte abschrieb. – Siehe Evangel. 24, 50–53.
*[2] S. z. B. Evangelium 24, 44–49. Matth. 28, 18–20. Johannes 20 und 21.
**[3] D a s Wort im Text übersezen einige, als er mit ihnen aaß; und andere, nachdem er sie versammelt hatte. Aber nach sichern Gründen der Kritik muß man anstatt συναλιζομενος, das gar leicht damit zu verwechselnde, συναυλιζομενος lesen. Siehe von diesem Wort Sprüchw. 22, 24.
***[4] D . i . „nicht eher die Predigt seiner Religion anzufangen, als bis sie mit des heiligen Geistes Gaben ausgerüstet worden.“ S. Evangel. 24, 49. vergl. V. 48.
****[5] D e r Sinn ist „Johannes konte keine Wunderkräfte geben; ihr aber werdet sie nach wenig Tagen vom h e i l i g e n G e i s t reichlich empfangen.“
|c682*| *[6] „U n s e r e Nation in Freiheit sezen, und zu Herren anderer Völker machen.“ Die Juden nämlich erwarteten, wie wir aus den Evangelisten, und den Schriften der Rabbinen wissen, daß der Meßias ihrem Volke den Glanz wieder geben werde, den es zu Davids und Salomons Zeiten hatte.
**[7] Z e u g e n meiner Auferstehung, Himmelfarth, und Meßias-Würde. S. V. 22.
***[8] N a c h der Sprache kan man auch übersezen, des Landes, nämlich Palästina. Aber weder der Zusammenhang gestattet das, noch auch andere Stellen, z. E. Marci 16, 16.
Z w e i t e n s, die Himmelfarth v. 9–12.Z w e i t e n s, die Himmelfarth v. 9–12.
{v. 9.} U n d nachdem er das gesagt hatte, ward er indem sie zusahen aufgehaben, und eine {v. 10.} Wolke entnahm ihn ihren Augen. Und als sie auf den Himmel schaueten, indem er weggieng; siehe! da standen zwei Männer {v. 11.} bei ihnen in weisser Kleidung ****[9] welche |c683| auch sprachen, „Ihr Männer von Galiläa! Was stehet ihr da, und sehet in den Himmel? Dieser Jesus der von euch weg, in den Himmel *[10] hinauf genommen worden, wird auf eben die Art **[11] wiederkommen, als ihr ihn in den Himmel fahren sahet.“ {v. 12.} Hierauf kehreten sie nach Jerusalem zurück, von dem Berge, der der Oelgarten ***[12] heist, und nahe bei Jerusalem, einen Sabbather-Weg davon liegt. ****[13] {v. 9.} U n d nachdem er das gesagt hatte, ward er indem sie zusahen aufgehaben, und eine {v. 10.} Wolke entnahm ihn ihren Augen. Und als sie auf den Himmel schaueten, indem er weggieng; siehe! da standen zwei Männer {v. 11.} bei ihnen in weisser Kleidung ****[9] welche |c683| auch sprachen, „Ihr Männer von Galiläa! Was stehet ihr da, und sehet in den Himmel? Dieser Jesus der von euch weg, in den Himmel *[10] hinauf genommen worden, wird auf eben die Art **[11] wiederkommen, als ihr ihn in den Himmel fahren sahet.“ {v. 12.} Hierauf kehreten sie nach Jerusalem zurück, von dem Berge, der der Oelgarten ***[12] heist, und nahe bei Jerusalem, einen Sabbather-Weg davon liegt. ****[13]
****[9] D a ß dies Engel waren, siehet man aus der Auferstehungs-Geschichte Jesu; auch aus den Umständen dieser Begebenheit; und aus dem Inhalt der Rede.
|c683*| *[10] D . i . in eine ganz andere von unserer Erde verschiedene Welt-Gegend. Welche es sey? in welchem der unzälichen Welt-Körper sich Jesus seitdem sichtbahr befinde? bestimmt die heilige Schrift nirgends.
**[11] D . i . sichtbahr, zum Welt-Gericht Matth. 25, 1 Thessal. 4, 16. 17.
***[12] Der Berg heisset wie bekandt, der Oelberg; vielleicht sind die zwei lezten Buchstaben ος, aus dem folgenden entstanden, da Lukas schriebe ελαιων, wie Matth. 21, 1. –
****[13] D e r Fuß dieses Berges lag eine Viertel Stunde von dem alten Jerusalem an der Ostseite. Bethania der Flecken, wo Lazarus wohnete, war hier auf diesem Berge, und von da fuhr Jesus gen Himmel Evangel. 24, 50–52. vergl. Johan. 11, 18. Die Juden pflegten am Sabbath nicht über eine Meile zu reisen.
M a r k u s.
D e r Herr nun nachdem er mit ihnen geredet hatte (ihnen jenen Auftrag gegeben v. |c684| 15.) ward in den Himmel hinaufgenommen, und sezte sich zur R e c h t e n G o t t e s. (trat die Herrschaft über die Welt an Ephes. 1. Philip. 2.)D e r Herr nun nachdem er mit ihnen geredet hatte (ihnen jenen Auftrag gegeben v. |c684| 15.) ward in den Himmel hinaufgenommen, und sezte sich zur R e c h t e n G o t t e s. (trat die Herrschaft über die Welt an Ephes. 1. Philip. 2.)
L u k a s.
E r (der Herr Jesus) fürete sie (die Apostel) hinaus nach Bethanien, und hub seine Hände auf, und segnete sie. Und nachdem er sie gesegnet hatte, schied er von ihnen und ward hinauf in den Himmel gefüret.E r (der Herr Jesus) fürete sie (die Apostel) hinaus nach Bethanien, und hub seine Hände auf, und segnete sie. Und nachdem er sie gesegnet hatte, schied er von ihnen und ward hinauf in den Himmel gefüret.
J o h a n n e s.
M a r i a die Magdalerin als sie Jesum plözlich nach seiner Auferstehung erblikte, fieng an, ihm mit allen Affekt der tiefsten Ehrfurcht, ihre Ehrenbezeugungen zu erweisen. Jesus aber sprach zu ihr: Rüre mich nicht an (richtiger, „laß die Ehrenbezeugungen, verweile dich nicht mit langen Reden, und Beweisen deiner Achtung[“]) denn, noch steige ich nicht auf zu meinem Vater. Jedennoch gehe hin zu meinen Verwandten, und sage ihnen „ich steige hinauf zu meinem Vater, und zu eurem Vater, und zu meinem G o t t, und zu eurem G o t t.“M a r i a die Magdalerin als sie Jesum plözlich nach seiner Auferstehung erblikte, fieng an, ihm mit allen Affekt der tiefsten Ehrfurcht, ihre Ehrenbezeugungen zu erweisen. Jesus aber sprach zu ihr: Rüre mich nicht an (richtiger, „laß die Ehrenbezeugungen, verweile dich nicht mit langen Reden, und Beweisen deiner Achtung[“]) denn, noch steige ich nicht auf zu meinem Vater. Jedennoch gehe hin zu meinen Verwandten, und sage ihnen „ich steige hinauf zu meinem Vater, und zu eurem Vater, und zu meinem G o t t, und zu eurem G o t t.“
A u c h in ihren Briefen reden die Apostel häufig von dem Aufenthalte und Herrschaft Jesu im Himmel. P a u l u s unter andern braucht sie in der oben genannten Stelle, den Christen |c685| die erhabenen Gesinnungen der Unabhängigkeit von Welt und Menschen, und der allgemeinen Güte, und Wohltätigkeit einzuflössen.A u c h in ihren Briefen reden die Apostel häufig von dem Aufenthalte und Herrschaft Jesu im Himmel. P a u l u s unter andern braucht sie in der oben genannten Stelle, den Christen |c685| die erhabenen Gesinnungen der Unabhängigkeit von Welt und Menschen, und der allgemeinen Güte, und Wohltätigkeit einzuflössen.
E r hatte in den vorigen Theilen dieses Briefes 1) n a c h einer inbrünstigen, in der Form eines Gebets vorgetragenen, Ermahnung zu der ächten, vollkommenen Tugend, die das Christenthum lehret Kapit. 1, 1–14; 2) e i n g e s c h ä r f t, daß das Christenthum nicht wie die Mosaische Religion nur für Ein Volk, und für das Kinder-Alter der Menschen; sondern für das ganze Menschen-Geschlecht, und für das Männliche Alter der menschlichen Vernunft gegeben worden, Kap. 1, 15 bis Kap. 2, 5. – 3) H i e r a u f nun gründet er die Ermahnung Kap. 2, 6 – Ende des Kap. „So lasset euch denn nicht von der so genannten Philosophie bethören.“ Es waren nämlich damahls zweierlei Irrthümer, welche dem Christenthum den meisten Schaden droheten: die Lehre von Nothwendigkeit der Beobachtung des mosaischen Gesezes; und die finstre, strenge, mürrische, melancholische After-Philosophie der Essener, einer Sekte unter den Juden, die sich durch ein strenges Leben auszeichnete. Diese zwei Irrtümer beschäftigen Paulum in allen seinen Schriften. Allenthalben dringt er auf die Freiheit der Menschen vom Geseze Mosis; um dadurch die bisherige Absonderung und Feindschaft der Menschen desto kräftiger zu heben, und den christlichen Geist der Allgemeinen Liebe auszubreiten. Und allenthalben, besonders aber in dieser Stelle, und |c686| 1 Timoth. 4, und 6, eifert er gegen jene freudenloose und schwermütige Moral; um den andern Zweck des Christenthums, nämlich eine beständige, ununterbrochene Freude den Menschen zu sichern. Lasset euch, sagt er in unserer Stelle Kap. 2, 18. f. niemanden hinterlistig um eure Rechte bringen, welcher sich in demütiger Verehrung der Engel gefällt; auf Gesichter sich legt; von seinem fleischlichen Verstande vergebens aufgeblasen wird; und sich nicht an dem Haupte hält. – – Da ihr mit dem Weltheilande den Anfangs-Gründen des Judenthums abgestorben seyd; (da ihr durch Jesum den weit vollkommenern, den männlichen Religions-Unterricht empfangen habt) was lasset ihr euch denn, gleich als wäret ihr Juden, Dogmen vorschreiben? (jüdische Geseze aufbürden; siehe das gleich Folgende, wo er diese Dogmen so angiebt) – I ß n i c h t! K o s t e a u c h n i c h t! R ü r e d a s n i c h t a n! D a s alles (alle wohlschmeckende Speisen und Getränke, alle zärtlichere Pflege des Leibes, und alle sinnliche Ergözungen der Erde) bringt nach den Sazungen, und Systemen dieser Menschen, Untergang: (ist, wie diese Leute sagen, Sünde vergl. 1 Timoth. 4,) Aber alle diese Dogmen, welche den Schein der Weisheit haben, sind nichts als Schein-Heiligkeit, (Andächtelei) und Schein-Demuth, und Härte gegen den Leib, die ihm alle Nahrung zur leiblichen Frölichkeit versagt. (jene so genannten Philosophen vers 8, |c687| gaben dem Leibe nichts, als Brodt, Wasser und Salz; und auch dieses nur zur höchsten Nothdurft.)E r hatte in den vorigen Theilen dieses Briefes 1) n a c h einer inbrünstigen, in der Form eines Gebets vorgetragenen, Ermahnung zu der ächten, vollkommenen Tugend, die das Christenthum lehret Kapit. 1, 1–14; 2) e i n g e s c h ä r f t, daß das Christenthum nicht wie die Mosaische Religion nur für Ein Volk, und für das Kinder-Alter der Menschen; sondern für das ganze Menschen-Geschlecht, und für das Männliche Alter der menschlichen Vernunft gegeben worden, Kap. 1, 15 bis Kap. 2, 5. – 3) H i e r a u f nun gründet er die Ermahnung Kap. 2, 6 – Ende des Kap. „So lasset euch denn nicht von der so genannten Philosophie bethören.“ Es waren nämlich damahls zweierlei Irrthümer, welche dem Christenthum den meisten Schaden droheten: die Lehre von Nothwendigkeit der Beobachtung des mosaischen Gesezes; und die finstre, strenge, mürrische, melancholische After-Philosophie der Essener, einer Sekte unter den Juden, die sich durch ein strenges Leben auszeichnete. Diese zwei Irrtümer beschäftigen Paulum in allen seinen Schriften. Allenthalben dringt er auf die Freiheit der Menschen vom Geseze Mosis; um dadurch die bisherige Absonderung und Feindschaft der Menschen desto kräftiger zu heben, und den christlichen Geist der Allgemeinen Liebe auszubreiten. Und allenthalben, besonders aber in dieser Stelle, und |c686| 1 Timoth. 4, und 6, eifert er gegen jene freudenloose und schwermütige Moral; um den andern Zweck des Christenthums, nämlich eine beständige, ununterbrochene Freude den Menschen zu sichern. Lasset euch, sagt er in unserer Stelle Kap. 2, 18. f. niemanden hinterlistig um eure Rechte bringen, welcher sich in demütiger Verehrung der Engel gefällt; auf Gesichter sich legt; von seinem fleischlichen Verstande vergebens aufgeblasen wird; und sich nicht an dem Haupte hält. – – Da ihr mit dem Weltheilande den Anfangs-Gründen des Judenthums abgestorben seyd; (da ihr durch Jesum den weit vollkommenern, den männlichen Religions-Unterricht empfangen habt) was lasset ihr euch denn, gleich als wäret ihr Juden, Dogmen vorschreiben? (jüdische Geseze aufbürden; siehe das gleich Folgende, wo er diese Dogmen so angiebt) – I ß n i c h t! K o s t e a u c h n i c h t! R ü r e d a s n i c h t a n! D a s alles (alle wohlschmeckende Speisen und Getränke, alle zärtlichere Pflege des Leibes, und alle sinnliche Ergözungen der Erde) bringt nach den Sazungen, und Systemen dieser Menschen, Untergang: (ist, wie diese Leute sagen, Sünde vergl. 1 Timoth. 4,) Aber alle diese Dogmen, welche den Schein der Weisheit haben, sind nichts als Schein-Heiligkeit, (Andächtelei) und Schein-Demuth, und Härte gegen den Leib, die ihm alle Nahrung zur leiblichen Frölichkeit versagt. (jene so genannten Philosophen vers 8, |c687| gaben dem Leibe nichts, als Brodt, Wasser und Salz; und auch dieses nur zur höchsten Nothdurft.)
E n d l i c h schließt er diesen ganzen theoretischen Theil des Briefes; Kap. 3, 1–4. Seyd ihr nun mit Christo auferstanden; („seyd ihr also wahre, ächte Schüler Christi S. Kap. 2, 20.“) so suchet DAS DROBEN wo Christus ist, zur Rechten G o t t e s sizend. („so müsset ihr bloß nach den höhern, himmlischen Gesezen Christi leben“) trachtet nach DEM DROBEN, nicht aber nach DEM AUF DER ERDEN. („Nach den hohen, himmlischen Gesezen Christi müsset ihr leben; nicht aber nach den elenden, körperlichen Erden-Sazungen jener Menschen.“ S. Kap. 2, 20–23.) Denn ihr seyd gestorben („nämlich dem mosaischen Geseze“ Kap. 2, 20. Römer 7.) und euer Leben ist verborgen, so wie Christus es ist bei G o t t („und das Leben, die Tugend eines Christen bestehet nicht in jenen sichtbahren, körperlichen Handlungen, Beschneidung z. E. Fasten, Wachen, Peinigung des Leibes: sondern in Besserung, in Tugenden unsers unsichtbahren Theils, der Seele z. E. Sanftmuth, Keuschheit, Freundlichkeit, Versönlichkeit, und überhaupt, ächter Menschenliebe“ V. 5. f. vergl. Kap. 2, 11. Römer 2, 28. 29. 1 Petri 3, 4.) – Wann Christus, euer Leben („nach dessen Gesezen ihr lebet“) sich sichtbahr zeigen wird („d. i. kommen wird euch durch den Todt zu sich zu hohlen, Joh. |c688| 14, 13.“) Dann werdet auch ihr, wie Er, Glorreich sichtbahr werden. („Dann wird es sich zu eurem Ruhm zeigen daß euer Gottesdienst der ächte sey, Vers 24)“ – – S o tödtet nun eure Glieder, die nämlich auf der Erden, (d. i. nach Kap. 2. 11 die Glieder des Leibes der Sünde)[.] Der Sinn ist folgender. „Tödten müsset ihr also freilich eure Glieder; aber nicht wie jene Irrlehrer wollen die Glieder eures natürlichen Leibes, sondern die Glieder eures Sünden-Leibes; tödten müsset ihr die Unzucht, die Unreinigkeit, die Seuche böser Lüste“ u. s. f.E n d l i c h schließt er diesen ganzen theoretischen Theil des Briefes; Kap. 3, 1–4. Seyd ihr nun mit Christo auferstanden; („seyd ihr also wahre, ächte Schüler Christi S. Kap. 2, 20.“) so suchet DAS DROBEN wo Christus ist, zur Rechten G o t t e s sizend. („so müsset ihr bloß nach den höhern, himmlischen Gesezen Christi leben“) trachtet nach DEM DROBEN, nicht aber nach DEM AUF DER ERDEN. („Nach den hohen, himmlischen Gesezen Christi müsset ihr leben; nicht aber nach den elenden, körperlichen Erden-Sazungen jener Menschen.“ S. Kap. 2, 20–23.) Denn ihr seyd gestorben („nämlich dem mosaischen Geseze“ Kap. 2, 20. Römer 7.) und euer Leben ist verborgen, so wie Christus es ist bei G o t t („und das Leben, die Tugend eines Christen bestehet nicht in jenen sichtbahren, körperlichen Handlungen, Beschneidung z. E. Fasten, Wachen, Peinigung des Leibes: sondern in Besserung, in Tugenden unsers unsichtbahren Theils, der Seele z. E. Sanftmuth, Keuschheit, Freundlichkeit, Versönlichkeit, und überhaupt, ächter Menschenliebe“ V. 5. f. vergl. Kap. 2, 11. Römer 2, 28. 29. 1 Petri 3, 4.) – Wann Christus, euer Leben („nach dessen Gesezen ihr lebet“) sich sichtbahr zeigen wird („d. i. kommen wird euch durch den Todt zu sich zu hohlen, Joh. |c688| 14, 13.“) Dann werdet auch ihr, wie Er, Glorreich sichtbahr werden. („Dann wird es sich zu eurem Ruhm zeigen daß euer Gottesdienst der ächte sey, Vers 24)“ – – S o tödtet nun eure Glieder, die nämlich auf der Erden, (d. i. nach Kap. 2. 11 die Glieder des Leibes der Sünde)[.] Der Sinn ist folgender. „Tödten müsset ihr also freilich eure Glieder; aber nicht wie jene Irrlehrer wollen die Glieder eures natürlichen Leibes, sondern die Glieder eures Sünden-Leibes; tödten müsset ihr die Unzucht, die Unreinigkeit, die Seuche böser Lüste“ u. s. f.

* * *

J e s u s also, verschwand nicht gleich nach seiner Auferstehung. Er zeigte sich nicht etwa nur selten und im Vorbeigehen, gleich dem Erscheinen eines eingebildeten Gespenstes, seinen Bekandten. Sondern Vierzig Tage blieb er noch auf der Erde Vers 3 . Er unterredete sich häufig mit seinen Aposteln, die ihn genau kannten Vers 3 . Er wohnete bei ihnen, und gieng mit ihnen eben so vertraulich um, als vor seiner Auferstehung Vers 3. 4. – Desto zuverlässiger sind diese ihre Zeugnisse von der Auferstehung Jesu; und desto vernünftiger unser Glaube!J e s u s also, verschwand nicht gleich nach seiner Auferstehung. Er zeigte sich nicht etwa nur selten und im Vorbeigehen, gleich dem Erscheinen eines eingebildeten Gespenstes, seinen Bekandten. Sondern Vierzig Tage blieb er noch auf der Erde Vers 3 . Er unterredete sich häufig mit seinen Aposteln, die ihn genau kannten Vers 3 . Er wohnete bei ihnen, und gieng mit ihnen eben so vertraulich um, als vor seiner Auferstehung Vers 3. 4. – Desto zuverlässiger sind diese ihre Zeugnisse von der Auferstehung Jesu; und desto vernünftiger unser Glaube!
U n s t r e i t i g war es eine der wichtigsten Wahrheiten, daß Jesu Reich kein Irrdisches, sondern ein Geistiges sey. Gleichwohl entdeckte er sie seinen Schülern jezo noch nicht. Ohne ihre |c689| krassen jüdischen Irrtümer gerade weg zubestreiten; sprach er bloß unbestimmt, Es gebüret euch nicht etc. Vers 6. 7. Lasset uns hieraus die wichtige Lehre schöpfen, daß selbst die erheblichsten Wahrheiten nicht allen Menschen, und zu allen Zeiten müssen gesagt werden. Lasset uns hier zugleich das Wahre weise Verhalten in Absicht der Bekandtmachung der Wahrheit, besonders der Religion lernen. 1) Zwar müssen wir nie das Gegentheil davon sagen: das thut Jesus hier nicht; und das wäre auch Lüge, und grober Betrug. 2) Aber so gar die wichtigsten Wahrheiten zuweilen verschweigen, wie Jesus hier that, Johannis 16, 12. wenn nämlich die Menschen weder die nötigen vorläufigen Kentnisse dazu haben; noch hinlänglich dazu vorbereitet sind. 3) Alsdann nur im Allgemeinen davon sprechen Vers 7. f. und 4) solchergestalt den Menschen die Wahrheit allmälich, und stufenweise beibringen.U n s t r e i t i g war es eine der wichtigsten Wahrheiten, daß Jesu Reich kein Irrdisches, sondern ein Geistiges sey. Gleichwohl entdeckte er sie seinen Schülern jezo noch nicht. Ohne ihre |c689| krassen jüdischen Irrtümer gerade weg zubestreiten; sprach er bloß unbestimmt, Es gebüret euch nicht etc. Vers 6. 7. Lasset uns hieraus die wichtige Lehre schöpfen, daß selbst die erheblichsten Wahrheiten nicht allen Menschen, und zu allen Zeiten müssen gesagt werden. Lasset uns hier zugleich das Wahre weise Verhalten in Absicht der Bekandtmachung der Wahrheit, besonders der Religion lernen. 1) Zwar müssen wir nie das Gegentheil davon sagen: das thut Jesus hier nicht; und das wäre auch Lüge, und grober Betrug. 2) Aber so gar die wichtigsten Wahrheiten zuweilen verschweigen, wie Jesus hier that, Johannis 16, 12. wenn nämlich die Menschen weder die nötigen vorläufigen Kentnisse dazu haben; noch hinlänglich dazu vorbereitet sind. 3) Alsdann nur im Allgemeinen davon sprechen Vers 7. f. und 4) solchergestalt den Menschen die Wahrheit allmälich, und stufenweise beibringen.
D i e Himmelfarth des Erlösers geschahe auf folgende Art. Nicht unsichtbahr, sondern vor den Augen aller elf Apostel ward Jesus aufgehaben Vers 9. Nicht im Sturmwinde, und plözlich, sondern allmälich entfernte er sich von der Erde, langsahm stieg er höher, und höher hinauf in die Luft. Vers 9. Seine Freunde sahen jeden Schritt seiner Entfernung mit Sehnsucht, bis endlich eine Wolke ihn bedeckte, und ihren Blikken entnahm Vers 9. Noch stunden sie da erstaunt, die Augen starr auf den Himmel geheftet. |c690| Und nun traten zwei Engel hinzu, und gaben ihnen die Erinnerung, „nicht an dem körperlichen Umgange mit Jesu zu kleben; sondern seine unsichtbahre Majestät zum Grunde ihres Lebens und Hoffens zumachen Vers 10. 11.“ – – Hier war es also unmöglich, daß die Apostel betrogen worden. Und noch unmöglicher ist es, daß sie; Männer; dergleichen die Welt noch nie gesehen betrügen wollen. H i m m e l f a r t h und A u f e r s t e h u n g Jesu sind folglich unumstöslich bewiesen; und dadurch unser Christen-Glaube unbeweglich feste gegründet.D i e Himmelfarth des Erlösers geschahe auf folgende Art. Nicht unsichtbahr, sondern vor den Augen aller elf Apostel ward Jesus aufgehaben Vers 9. Nicht im Sturmwinde, und plözlich, sondern allmälich entfernte er sich von der Erde, langsahm stieg er höher, und höher hinauf in die Luft. Vers 9. Seine Freunde sahen jeden Schritt seiner Entfernung mit Sehnsucht, bis endlich eine Wolke ihn bedeckte, und ihren Blikken entnahm Vers 9. Noch stunden sie da erstaunt, die Augen starr auf den Himmel geheftet. |c690| Und nun traten zwei Engel hinzu, und gaben ihnen die Erinnerung, „nicht an dem körperlichen Umgange mit Jesu zu kleben; sondern seine unsichtbahre Majestät zum Grunde ihres Lebens und Hoffens zumachen Vers 10. 11.“ – – Hier war es also unmöglich, daß die Apostel betrogen worden. Und noch unmöglicher ist es, daß sie; Männer; dergleichen die Welt noch nie gesehen betrügen wollen. H i m m e l f a r t h und A u f e r s t e h u n g Jesu sind folglich unumstöslich bewiesen; und dadurch unser Christen-Glaube unbeweglich feste gegründet.
W i e d e r k o m m e n wird der Erlöser nicht allein einst, vielleicht nach Jahrtausenden erst, mit sichtbahrem Pomp zum allgemeinen Welt-Gericht; V. 11. 2. Petri 3, u. a. Sondern auch bald, vielleicht in wenig Tagen komt er zu jedem seiner redlichen Verehrer, um ihn zu sich in den Himmel zu hohlen. Johannis 14, 1–4. Süssester Gedanke! O sey du uns stets gegenwärtig, wenn irgend eine Sünde uns lockt; oder eine Tugend uns ruft: oder ein Leiden uns drückt; Dann stärke du uns, so zu leben, und so zu leiden; daß wir jeden Augenblick bereit sind, unsern Freund aus dem Himmel zu empfangen, und mit ihm in Seine Gesellschaft und in die erhabenen Wohnungen Seines V a t e r s einzugehen.W i e d e r k o m m e n wird der Erlöser nicht allein einst, vielleicht nach Jahrtausenden erst, mit sichtbahrem Pomp zum allgemeinen Welt-Gericht; V. 11. 2. Petri 3, u. a. Sondern auch bald, vielleicht in wenig Tagen komt er zu jedem seiner redlichen Verehrer, um ihn zu sich in den Himmel zu hohlen. Johannis 14, 1–4. Süssester Gedanke! O sey du uns stets gegenwärtig, wenn irgend eine Sünde uns lockt; oder eine Tugend uns ruft: oder ein Leiden uns drückt; Dann stärke du uns, so zu leben, und so zu leiden; daß wir jeden Augenblick bereit sind, unsern Freund aus dem Himmel zu empfangen, und mit ihm in Seine Gesellschaft und in die erhabenen Wohnungen Seines V a t e r s einzugehen.
|c691| Vom Himmel-Sinn des Christen.
über Kolosser 3, 1–4.
H i e r, Meine Andächtigen Zuh. lehret uns Paulus die gebürende Anwendung, den einzig-heilsahmen Gebrauch der Geschichte, deren feierlichem Andenken das heutige Fest gewidmet worden!H i e r, Meine Andächtigen Zuh. lehret uns Paulus die gebürende Anwendung, den einzig-heilsahmen Gebrauch der Geschichte, deren feierlichem Andenken das heutige Fest gewidmet worden!
S c h o n in dem Augenblick der Vollendung des grossen Werks, welches das Heil der Menschen, und ein Gegenstand der Anbetung der unermeslichen Geister-Welt Gottes ist, nahm die Verherrlichung unsers Heilandes ihren Anfang! Als Er, die Unschuld selbst, der eingebohrne Sohn Gottes, am Kreuze unter solcher Schmach und Marter, seinen Geist aufgab: da schon kündigten furchtbahre Begebenheiten der Natur, die Hoheit und Majestät des am Kreuze sterbenden Welt-Heilandes an. Die Sonne verlohr drei Stunden lang ihren Schein. Der Vorhang im Tempel zerriß. Die Erde bebete. Felsen zersprungen. Gräber eröfneten sich, aus welchen bald hernach, Todte Lebendig hervorgiengen. Aber nachdem nun alles zur Erlösung der Menschen gänzlich vollbracht war, {Phil. 2} nachdem Jesus seinem Vater bis zum Kreuzes-Tode gehorsahm gewesen: da nun ward er auch von Gott erhöhet. Am dritten Tage gieng er, durch die Allmacht Gottes des Vaters auferwecket, glorreich aus dem |c692| Grabe hervor. Fuhr nach einem vierzigtägigen Umgange mit seinen Aposteln, vor ihren Augen sichtbahr gen Himmel. Ward da zum Herrn über die Welt erhaben. Und herrschet nun im Himmel. Und betet für seine Erlösete. Und sorget mit aller der zärtlichen Liebe für seine Menschen: mit welcher Er für sie, am Kreuze unter Schmach und Quaal sein wohltätiges Leben hingab.S c h o n in dem Augenblick der Vollendung des grossen Werks, welches das Heil der Menschen, und ein Gegenstand der Anbetung der unermeslichen Geister-Welt Gottes ist, nahm die Verherrlichung unsers Heilandes ihren Anfang! Als Er, die Unschuld selbst, der eingebohrne Sohn Gottes, am Kreuze unter solcher Schmach und Marter, seinen Geist aufgab: da schon kündigten furchtbahre Begebenheiten der Natur, die Hoheit und Majestät des am Kreuze sterbenden Welt-Heilandes an. Die Sonne verlohr drei Stunden lang ihren Schein. Der Vorhang im Tempel zerriß. Die Erde bebete. Felsen zersprungen. Gräber eröfneten sich, aus welchen bald hernach, Todte Lebendig hervorgiengen. Aber nachdem nun alles zur Erlösung der Menschen gänzlich vollbracht war, {Phil. 2} nachdem Jesus seinem Vater bis zum Kreuzes-Tode gehorsahm gewesen: da nun ward er auch von Gott erhöhet. Am dritten Tage gieng er, durch die Allmacht Gottes des Vaters auferwecket, glorreich aus dem |c692| Grabe hervor. Fuhr nach einem vierzigtägigen Umgange mit seinen Aposteln, vor ihren Augen sichtbahr gen Himmel. Ward da zum Herrn über die Welt erhaben. Und herrschet nun im Himmel. Und betet für seine Erlösete. Und sorget mit aller der zärtlichen Liebe für seine Menschen: mit welcher Er für sie, am Kreuze unter Schmach und Quaal sein wohltätiges Leben hingab.
S i n d wir nun aber mit Christo auferstanden, wollen wir die göttlichen Früchte seines Lebens, Leidens, Todes, Auferstehung und Himmelfarth, uns mit Grund und Recht, zueignen: so müssen wir Suchen was droben ist, wo Christus ist, sizend zu der Rechten Gottes.S i n d wir nun aber mit Christo auferstanden, wollen wir die göttlichen Früchte seines Lebens, Leidens, Todes, Auferstehung und Himmelfarth, uns mit Grund und Recht, zueignen: so müssen wir Suchen was droben ist, wo Christus ist, sizend zu der Rechten Gottes.
So müssen wir trachten nach dem, das droben ist, nicht nach dem, das auf Erden ist. – S o müssen wir, Theureste Christen! einen ganzSo müssen wir trachten nach dem, das droben ist, nicht nach dem, das auf Erden ist. – S o müssen wir, Theureste Christen! einen ganz
H i m m l i s c h e n S i n n
annehmen! Einen Sinn, der unsre Seele über Sünde, Erde und Zeit erhebet; und uns zu himlischen, Gott und der Ewigkeit ganz-gewidmeten Menschen machet.annehmen! Einen Sinn, der unsre Seele über Sünde, Erde und Zeit erhebet; und uns zu himlischen, Gott und der Ewigkeit ganz-gewidmeten Menschen machet.
Mit diesen Betrachtungen werde ich heute unter Gottes Beistand unsre Andacht zu nären, und einen christlichen Sinn und Wandel, bei uns zu erwecken und zu beleben suchen.Mit diesen Betrachtungen werde ich heute unter Gottes Beistand unsre Andacht zu nären, und einen christlichen Sinn und Wandel, bei uns zu erwecken und zu beleben suchen.
{v. 1–6.} N o c h immer beherrschte und verblendete, der Welt-Sinn, die Apostel Jesu. Alle seine vielen und klaren Reden; auch der vierzigtägige Umgang mit ihnen nach der Auferstehung, wo er sie |c693| vom Reiche Gottes; von der Natur und Zweck seiner Religion belehrete, hatten dennoch ihre irrdischen Vorurtheile nicht zerstreuen, und ihre vereitelten Begierden nicht aufheben können. Noch an dem lezten Tage, als Jesus ihnen den Befehl gab, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern daselbst, die Verheissung seines Vaters, die Taufe mit dem heiligen Geist, das heißt, die Ertheilung der wundertätigen Kentnisse und Kräfte des heiligen Geistes, zu erwarten: – da noch träumeten sie von Gründung eines Irrdischen Reiches, und glänzenden Ehren-Posten welche sie als Vertraute Jesu, darin bekleiden würden. Herr, sagten sie, wirst du etwa zu dieser Zeit, das Reich Israel aufrichten?{v. 1–6.} N o c h immer beherrschte und verblendete, der Welt-Sinn, die Apostel Jesu. Alle seine vielen und klaren Reden; auch der vierzigtägige Umgang mit ihnen nach der Auferstehung, wo er sie |c693| vom Reiche Gottes; von der Natur und Zweck seiner Religion belehrete, hatten dennoch ihre irrdischen Vorurtheile nicht zerstreuen, und ihre vereitelten Begierden nicht aufheben können. Noch an dem lezten Tage, als Jesus ihnen den Befehl gab, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern daselbst, die Verheissung seines Vaters, die Taufe mit dem heiligen Geist, das heißt, die Ertheilung der wundertätigen Kentnisse und Kräfte des heiligen Geistes, zu erwarten: – da noch träumeten sie von Gründung eines Irrdischen Reiches, und glänzenden Ehren-Posten welche sie als Vertraute Jesu, darin bekleiden würden. Herr, sagten sie, wirst du etwa zu dieser Zeit, das Reich Israel aufrichten?
M i t der gewohnten Nachsicht, und einer nicht zu ermüdenden Geduld und Freundlichkeit trug Jesus diese Schwäche; und hieß sie den Empfang der Gaben des heiligen Geistes ruhig abwarten. Dieser werde schon, alle ihre Verblendungen und irrdischen Wünsche nach glänzenden Ehrenstellen zerstreuen; sie mit göttlicher Weisheit und Kraft ausrüsten; und zu einem, zwar vor der Welt verachteten, aber doch weit erhabenern Posten; dem Posten eines Gesandten Gottes geschickt machen. {v. 7. 8.} Es gebüret, war seine Antwort auf jene Frage, euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat; Sondern ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfahen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen seyn zu Jerusalem, und in ganz Judäa |c694| und Samaria, und bis an das Ende der Erden.M i t der gewohnten Nachsicht, und einer nicht zu ermüdenden Geduld und Freundlichkeit trug Jesus diese Schwäche; und hieß sie den Empfang der Gaben des heiligen Geistes ruhig abwarten. Dieser werde schon, alle ihre Verblendungen und irrdischen Wünsche nach glänzenden Ehrenstellen zerstreuen; sie mit göttlicher Weisheit und Kraft ausrüsten; und zu einem, zwar vor der Welt verachteten, aber doch weit erhabenern Posten; dem Posten eines Gesandten Gottes geschickt machen. {v. 7. 8.} Es gebüret, war seine Antwort auf jene Frage, euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat; Sondern ihr werdet die Kraft des heiligen Geistes empfahen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen seyn zu Jerusalem, und in ganz Judäa |c694| und Samaria, und bis an das Ende der Erden.
N a c h dieser lezten freundschaftlichen Erinnerung und Zusage, da ward er, wie Lukas weiter erzälet, {vers 9.} aufgehaben zusehens, und eine Wolke nahm ihn auf, vor ihren Augen weg.N a c h dieser lezten freundschaftlichen Erinnerung und Zusage, da ward er, wie Lukas weiter erzälet, {vers 9.} aufgehaben zusehens, und eine Wolke nahm ihn auf, vor ihren Augen weg.
D e n Ort wo diese Himmelfarth Jesu geschehen, nennet Lukas hier nicht. Denn dies hatte er schon in dem ersten Theile seiner Geschichte, im 24 Kapitel des Evangelii, gethan! Bethanien nämlich, ein Flecken der am Fuß des Oelberges nahe bei Jerusalem lag; dieser Ort wo Jesus wenige Wochen vorher durch Auferweckung des schon verweseten Körpers Lazari, eine solche Probe seiner Macht und Hoheit gegeben, dies war auch der Schauplaz seiner glorreichen Erhöhung in den Himmel!D e n Ort wo diese Himmelfarth Jesu geschehen, nennet Lukas hier nicht. Denn dies hatte er schon in dem ersten Theile seiner Geschichte, im 24 Kapitel des Evangelii, gethan! Bethanien nämlich, ein Flecken der am Fuß des Oelberges nahe bei Jerusalem lag; dieser Ort wo Jesus wenige Wochen vorher durch Auferweckung des schon verweseten Körpers Lazari, eine solche Probe seiner Macht und Hoheit gegeben, dies war auch der Schauplaz seiner glorreichen Erhöhung in den Himmel!
H i e r nun ward Jesus, am vierzigsten Tage nach seiner Auferstehung, – Vor den Augen seiner versamleten elf Apostel; – Nicht plözlich, etwa in einem Sturm-Winde und Gewitter, sondern Allmälich, Langsahm von der Erde aufgenommen! Und Immer höher, und höher erhaben. – – Bis endlich eine Wolke ihn, gleich der Sonne, überschattete, und vor den Augen der nachsehenden Apostel verbarg. Er ward aufgehaben zusehens! Und eine Wolke nahm ihn weg vor ihren Augen.H i e r nun ward Jesus, am vierzigsten Tage nach seiner Auferstehung, – Vor den Augen seiner versamleten elf Apostel; – Nicht plözlich, etwa in einem Sturm-Winde und Gewitter, sondern Allmälich, Langsahm von der Erde aufgenommen! Und Immer höher, und höher erhaben. – – Bis endlich eine Wolke ihn, gleich der Sonne, überschattete, und vor den Augen der nachsehenden Apostel verbarg. Er ward aufgehaben zusehens! Und eine Wolke nahm ihn weg vor ihren Augen.
W i e – wenn ein Herzens-Freund den andern verlassen, der zurückgebliebene, ob er gleich, ihn nicht mehr sehen kan, noch immer an die Gegend, wo er sich von ihm schied, gedankenvoll, bange, und schmachtend seine Blicke heftet; gleich |c695| als könte sein Sehnen, den entfernten Freund wiederum zurücke hohlen: – so sahen auch die verlassenen Apostel, als Jesus bereits durch die Wolke bedecket war, noch immer sehnsuchtsvoll nach dem Himmel. Und plözlich stunden zwey Engel, Männer in weissen Kleidern, ihnen zur Seite: ermunterten ihre Unthätigkeit und Betäubung; und richteten sie mit dem Trost auf, Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird wieder kommen, so wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren.W i e – wenn ein Herzens-Freund den andern verlassen, der zurückgebliebene, ob er gleich, ihn nicht mehr sehen kan, noch immer an die Gegend, wo er sich von ihm schied, gedankenvoll, bange, und schmachtend seine Blicke heftet; gleich |c695| als könte sein Sehnen, den entfernten Freund wiederum zurücke hohlen: – so sahen auch die verlassenen Apostel, als Jesus bereits durch die Wolke bedecket war, noch immer sehnsuchtsvoll nach dem Himmel. Und plözlich stunden zwey Engel, Männer in weissen Kleidern, ihnen zur Seite: ermunterten ihre Unthätigkeit und Betäubung; und richteten sie mit dem Trost auf, Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird wieder kommen, so wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren.
H i e r war nun kein Irrthum und Betrug möglich! – Elf Augen-Zeugen, nebst der Versicherung zweier Engel, sezen es ausser allen vernünftigen Zweifel, daß die Apostel hiebei; weder von ihrer Einbildung getäuschet worden; noch auch mit Fabeln und Lügen, die Welt und Nachwelt täuschen wollen! – Daß unser Heiland, der sich durch so viele, unläugbahre göttliche Wunderwerke, und durch solche göttlich-edle und wohltätige Lehre und Leben, als ein Gesandter Gottes bewiesen, – am vierzigsten Tage nach seiner Auferstehung, vor den Augen der Apostel sichtbahrlich, in den Himmel, in eine Welt-Gegend die von unsrer Erde verschieden, und wo Gott auf eine ganz besondre Art wirksahm ist, erhaben worden. – Dies ist eine unleugbahre Geschichte, eine untrügliche Wahrheit unsers christlichen Glaubens!H i e r war nun kein Irrthum und Betrug möglich! – Elf Augen-Zeugen, nebst der Versicherung zweier Engel, sezen es ausser allen vernünftigen Zweifel, daß die Apostel hiebei; weder von ihrer Einbildung getäuschet worden; noch auch mit Fabeln und Lügen, die Welt und Nachwelt täuschen wollen! – Daß unser Heiland, der sich durch so viele, unläugbahre göttliche Wunderwerke, und durch solche göttlich-edle und wohltätige Lehre und Leben, als ein Gesandter Gottes bewiesen, – am vierzigsten Tage nach seiner Auferstehung, vor den Augen der Apostel sichtbahrlich, in den Himmel, in eine Welt-Gegend die von unsrer Erde verschieden, und wo Gott auf eine ganz besondre Art wirksahm ist, erhaben worden. – Dies ist eine unleugbahre Geschichte, eine untrügliche Wahrheit unsers christlichen Glaubens!
A b e r, Meine Theuresten! Nicht eine blosse Geschichte, zur Belustigung unsrer Neugier! Nicht eine trockene, müssige Wahrheit; die wir nur bewundern, zum Inhalt einer glänzenden Rede-Uebung machen, worüber wir gelehrt sprechen |c696| und disputiren sollen! Sondern eine Geschichte, eine Wahrheit, die unsre Seele bessern und heiligen, uns zu Guten, Gott-änlichen Menschen bilden soll! Ihr Männer von Galiläa, so redeten die Engel, die über die Himmelfarth Jesu erstaunten, und immer in den Himmel schauenden Apostel an, Was stehet ihr müssig da, und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren; „wird dereinst als euer, und eurer Nebenmenschen Richter wiederkommen.“ – So rufet auch uns, an dem Gedächtniß-Tage jener Himmelfarth, Paulus zu. „Ihr Christen! Was verweilet ihr euch, mit Untersuchungen über die Welt-Gegend wohin Jesus gegangen; und mit dieser blossen Geschichte, daß er gen Himmel gefahren? – Nicht, in den Himmel sehen, den Himmel betrachten: sondern, euch dem Himmel gemäß bilden, euch für die richterliche Zukunft Jesu vom Himmel vorbereiten; das ist der Zweck jener Geschichte!“A b e r, Meine Theuresten! Nicht eine blosse Geschichte, zur Belustigung unsrer Neugier! Nicht eine trockene, müssige Wahrheit; die wir nur bewundern, zum Inhalt einer glänzenden Rede-Uebung machen, worüber wir gelehrt sprechen |c696| und disputiren sollen! Sondern eine Geschichte, eine Wahrheit, die unsre Seele bessern und heiligen, uns zu Guten, Gott-änlichen Menschen bilden soll! Ihr Männer von Galiläa, so redeten die Engel, die über die Himmelfarth Jesu erstaunten, und immer in den Himmel schauenden Apostel an, Was stehet ihr müssig da, und sehet gen Himmel? Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren; „wird dereinst als euer, und eurer Nebenmenschen Richter wiederkommen.“ – So rufet auch uns, an dem Gedächtniß-Tage jener Himmelfarth, Paulus zu. „Ihr Christen! Was verweilet ihr euch, mit Untersuchungen über die Welt-Gegend wohin Jesus gegangen; und mit dieser blossen Geschichte, daß er gen Himmel gefahren? – Nicht, in den Himmel sehen, den Himmel betrachten: sondern, euch dem Himmel gemäß bilden, euch für die richterliche Zukunft Jesu vom Himmel vorbereiten; das ist der Zweck jener Geschichte!“
S e y d ihr mit Christo auferstanden: so suchet was droben ist wo Christus ist! So trachtet nach dem was droben ist, und nicht nach dem was auf Erden ist!S e y d ihr mit Christo auferstanden: so suchet was droben ist wo Christus ist! So trachtet nach dem was droben ist, und nicht nach dem was auf Erden ist!
A l s o Himlisch-Gesinnet, muß uns die Himmelfarth Jesu machen, wenn wir anders Christen seyn, und an seinem Verdienst uns einen sichern Antheil verschaffen wollen!A l s o Himlisch-Gesinnet, muß uns die Himmelfarth Jesu machen, wenn wir anders Christen seyn, und an seinem Verdienst uns einen sichern Antheil verschaffen wollen!
J e s u s, unser Heiland und Herr, befindet sich nun sichtbahr im Himmel: dem Orte wo Gott auf die allerbesonderste Art, gegenwärtig ist, und wo |c697| die Seeligkeiten jenes ewigen Lebens sollen genossen werden! – Himmlisch-Gesinnt seyn, das heißt folglich: – „Menschen seyn, welche sich ganz und gar, mit allen ihren Kräften des Leibes und der Seele, Gott und der Ewigkeit widmen.“ Oder mit Pauli Worten in unserm Text, welche Das suchen, nach Dem trachten, was droben ist, wo Christus ist, sizend zur Rechten Gottes.J e s u s, unser Heiland und Herr, befindet sich nun sichtbahr im Himmel: dem Orte wo Gott auf die allerbesonderste Art, gegenwärtig ist, und wo |c697| die Seeligkeiten jenes ewigen Lebens sollen genossen werden! – Himmlisch-Gesinnt seyn, das heißt folglich: – „Menschen seyn, welche sich ganz und gar, mit allen ihren Kräften des Leibes und der Seele, Gott und der Ewigkeit widmen.“ Oder mit Pauli Worten in unserm Text, welche Das suchen, nach Dem trachten, was droben ist, wo Christus ist, sizend zur Rechten Gottes.
D e r ganze Zweck der Auferstehung, Himmelfarth, oder der gesamten Erlösung Jesu, bestehet darin, – uns sündigen Menschen Einen gnädigen Gott; und ein ewig-seeliges Leben im Himmel, zu erwerben. Und dieses, Gottes Beifall und Gnade, nebst der seeligen Ewigkeit, dies muß nun auch das höchste, lezte Ziel aller Wünsche, Hofnungen und Bestrebungen eines wahren Christen seyn. – Der Christ muß, Gottes Beifall und Gnade, als sein einziges und allerhöchstes Gut, worohne er nichts, und wobei er alles hat: Den Himmel wo Jesus ist; als sein Vaterland: Jenes ewige Leben daselbst, als seine rechte Bestimmung, sein rechtes Leben, Ansehen und Begehren. Diesem, nämlich Gott und der Ewigkeit, diesem muß alles andre unterworfen; diesem muß alles andre, was es auch immer sey, wenn es damit streitet, ganz aufgeopfert werden. Kurz, dahin müssen die vornehmsten Wünsche, Hofnungen, und Bestrebungen des Christen gerichtet seyn; daß er sich allenthalben, in allen seinen Handlungen und Umständen, den Beifall und Gnade Gottes; und die Aufnahme in die Seeligkeiten Seines Himmels versichre!D e r ganze Zweck der Auferstehung, Himmelfarth, oder der gesamten Erlösung Jesu, bestehet darin, – uns sündigen Menschen Einen gnädigen Gott; und ein ewig-seeliges Leben im Himmel, zu erwerben. Und dieses, Gottes Beifall und Gnade, nebst der seeligen Ewigkeit, dies muß nun auch das höchste, lezte Ziel aller Wünsche, Hofnungen und Bestrebungen eines wahren Christen seyn. – Der Christ muß, Gottes Beifall und Gnade, als sein einziges und allerhöchstes Gut, worohne er nichts, und wobei er alles hat: Den Himmel wo Jesus ist; als sein Vaterland: Jenes ewige Leben daselbst, als seine rechte Bestimmung, sein rechtes Leben, Ansehen und Begehren. Diesem, nämlich Gott und der Ewigkeit, diesem muß alles andre unterworfen; diesem muß alles andre, was es auch immer sey, wenn es damit streitet, ganz aufgeopfert werden. Kurz, dahin müssen die vornehmsten Wünsche, Hofnungen, und Bestrebungen des Christen gerichtet seyn; daß er sich allenthalben, in allen seinen Handlungen und Umständen, den Beifall und Gnade Gottes; und die Aufnahme in die Seeligkeiten Seines Himmels versichre!
|c698| H a t nun aber eine solche Denkungs-Art und Gesinnung, den Menschen eingenommen, ist mit Paulo zu reden, seine Seele wirklich zu Gott und in den Himmel empor geschwungen; – so wird er nun auch, ganz sicherlich, sich über S ü n d e und E r d e erheben! Trachtet nach dem was droben ist, und nicht nach dem was auf Erden ist; und gleich darauf in dem folgenden 5 vers, wird dies ferner also erkläret. So tödtet nun eure Glieder die auf Erden sind, das heist, die sündlichen Begierden, die sich hier noch bei euch regen, Hurerei, Unreinigkeit, Geiz samt allen sündlichen Lüsten! |c698| H a t nun aber eine solche Denkungs-Art und Gesinnung, den Menschen eingenommen, ist mit Paulo zu reden, seine Seele wirklich zu Gott und in den Himmel empor geschwungen; – so wird er nun auch, ganz sicherlich, sich über S ü n d e und E r d e erheben! Trachtet nach dem was droben ist, und nicht nach dem was auf Erden ist; und gleich darauf in dem folgenden 5 vers, wird dies ferner also erkläret. So tödtet nun eure Glieder die auf Erden sind, das heist, die sündlichen Begierden, die sich hier noch bei euch regen, Hurerei, Unreinigkeit, Geiz samt allen sündlichen Lüsten!
D i e Einwohner des Himmels, wo Jesus ist, sind heilige Menschen, reine Geister; und G o t t s e l b s t, ist die Urquelle aller Heiligkeit, und Tugend. Die Seeligkeiten des Himmels wo Jesus ist, sind nicht sinnliche Wohllüste, träger Müssiggang, Gastmahle, und Wohlleben: sondern nichts anders, als die aus den beiden ewigen Quellen, W a h r h e i t und T u g e n d, entspringende, sich stets ergiessende Freuden. Ein, durch die vollkommenste und immer, mächtig-fortschreitende Andacht und Tugend, vollkommen glückliches Leben! Auch Gottes Beifall und Gnade, kan nicht anders erlanget, ja ohne Gotteslästerung nicht anders gehoffet werden, als durch einen, Herz- und Leben einigenden, bessernden, heiligenden Glauben an Jesu Verdienst: durch einen solchen Glauben der sich in einer ungetheilten, ernstlichen, bis an den Todt fortwärenden, und fortwachsenden Tugend-Uebung wirksahm zeiget!D i e Einwohner des Himmels, wo Jesus ist, sind heilige Menschen, reine Geister; und G o t t s e l b s t, ist die Urquelle aller Heiligkeit, und Tugend. Die Seeligkeiten des Himmels wo Jesus ist, sind nicht sinnliche Wohllüste, träger Müssiggang, Gastmahle, und Wohlleben: sondern nichts anders, als die aus den beiden ewigen Quellen, W a h r h e i t und T u g e n d, entspringende, sich stets ergiessende Freuden. Ein, durch die vollkommenste und immer, mächtig-fortschreitende Andacht und Tugend, vollkommen glückliches Leben! Auch Gottes Beifall und Gnade, kan nicht anders erlanget, ja ohne Gotteslästerung nicht anders gehoffet werden, als durch einen, Herz- und Leben einigenden, bessernden, heiligenden Glauben an Jesu Verdienst: durch einen solchen Glauben der sich in einer ungetheilten, ernstlichen, bis an den Todt fortwärenden, und fortwachsenden Tugend-Uebung wirksahm zeiget!
I h r sehet also, wenn ein Mensch wirklich nach Gottes Beifall und Seeligkeit, über alles strebet: |c699| so muß und wird auch diese Gesinnung ganz unausbleiblich, seine Seele über Sünde und Welt erheben. – Da wird ihm nun, jede Sünde; die Unmässigkeit, Unkeuschheit, Neid, Ungerechtigkeit, jede Sünde wird ihm nun verhaßt und abscheulich seyn; wird von ihm als seine einzige und alleräusserste Schande, als sein einziges und alleräusserstes Unglück bekämpfet und vermieden werden. Da werden nun, die sonst erlaubten Begierden nach den schäzbahren Gütern der Erde, der Ehre, Macht, Geld, Ruhm, Beifall, von ihrer Herrschaft herabgestossen; zum uneingeschränkten Gehorsahm gegen Gottes Willen, angewönet; und jenen Unendlich-Bessern Gütern, der Gnade Gottes und der seeligen Ewigkeit, schlechterdings unterwürfig gemacht. Da werden nun auch, alle seine Kräfte dahin angestrenget, in allen Gesinnungen und Handlungen Immer mehr so zu werden, wie jene reine Geister des Himmels, wie der Herr des Himmels, Gott selbst ist: und durch stete Andachts- und Tugend-Uebung; sich einen immer grössern Geschmack an jenen erhabenen Seeligkeiten des Himmels zu verschaffen. I h r sehet also, wenn ein Mensch wirklich nach Gottes Beifall und Seeligkeit, über alles strebet: |c699| so muß und wird auch diese Gesinnung ganz unausbleiblich, seine Seele über Sünde und Welt erheben. – Da wird ihm nun, jede Sünde; die Unmässigkeit, Unkeuschheit, Neid, Ungerechtigkeit, jede Sünde wird ihm nun verhaßt und abscheulich seyn; wird von ihm als seine einzige und alleräusserste Schande, als sein einziges und alleräusserstes Unglück bekämpfet und vermieden werden. Da werden nun, die sonst erlaubten Begierden nach den schäzbahren Gütern der Erde, der Ehre, Macht, Geld, Ruhm, Beifall, von ihrer Herrschaft herabgestossen; zum uneingeschränkten Gehorsahm gegen Gottes Willen, angewönet; und jenen Unendlich-Bessern Gütern, der Gnade Gottes und der seeligen Ewigkeit, schlechterdings unterwürfig gemacht. Da werden nun auch, alle seine Kräfte dahin angestrenget, in allen Gesinnungen und Handlungen Immer mehr so zu werden, wie jene reine Geister des Himmels, wie der Herr des Himmels, Gott selbst ist: und durch stete Andachts- und Tugend-Uebung; sich einen immer grössern Geschmack an jenen erhabenen Seeligkeiten des Himmels zu verschaffen.
A l s o Meine Fr. noch einmahl! Sich ganz und gar, Gott und der Ewigkeit widmen; und über alle Sünde und Erde, zur Uebung der Tugend und Nachahmung Gottes sich erheben: – dies ist der himmlische Sinn der Christen!A l s o Meine Fr. noch einmahl! Sich ganz und gar, Gott und der Ewigkeit widmen; und über alle Sünde und Erde, zur Uebung der Tugend und Nachahmung Gottes sich erheben: – dies ist der himmlische Sinn der Christen!
S c h o n aus dieser kurzen Beschreibung, muß es jedermann bei einem mässigen Nachdenken einleuchten, daß dieser himmlische Sinn, den uns Christi Himmelfarth so wie seine ganze Lehre und |c700| Leben einflössen soll, nicht eine müssige, oder gar finstre Mürrische und ungesellige Gesinnung ist. Sondern vielmehr, uns so recht in die Mitte der Welt; und alle unsre Begierden und Neigungen, für unsre Nebenmenschen aufs heilsahmste in Geschäftigkeit sezet.S c h o n aus dieser kurzen Beschreibung, muß es jedermann bei einem mässigen Nachdenken einleuchten, daß dieser himmlische Sinn, den uns Christi Himmelfarth so wie seine ganze Lehre und |c700| Leben einflössen soll, nicht eine müssige, oder gar finstre Mürrische und ungesellige Gesinnung ist. Sondern vielmehr, uns so recht in die Mitte der Welt; und alle unsre Begierden und Neigungen, für unsre Nebenmenschen aufs heilsahmste in Geschäftigkeit sezet.
D a n n und wann, hie und da; besonders wenn es uns in der Welt, nicht nach Wunsche gehet, einige flüchtige Gedanken und Wünsche auf Gott und die Ewigkeit richten, die am folgenden Tage nichts mehr sind: dies ist Unzufriedenheit mit der Welt; oder höchstens flüchtige gute Regung, nicht aber himlischer Sinn. – A l l e Freuden der Welt scheuen, finstere traurige Gestalten annehmen; mit niedergeschlagenen Augen und steten Seufzern unter den Menschen umhergehen! Dies ist Aberglaube oder Schwarzblütigkeit, nicht aber Himmel-Sinn. – A l l e Geschäfte und Umgang mit Menschen fliehen; sich in sein Zimmer verschliessen, um da stets die Bibel in der Hand, unaufhörlich an Gott und die Ewigkeit zu denken; oder, wenn man mit Menschen umgehet, von nichts anders als diesen Wahrheiten sprechen: dies ist abermahls nicht himmlischer Sinn; – sondern übel-verstandene Andacht! – Das Christenthum befiehlet uns nicht, den Himmel anzusehen, sondern, uns für den Himmel durch christliche Tugenden, oder die Menschenliebe, vorbereiten. Nicht, ihn bloß zu betrachten, und davon zu reden; sondern ihn deswegen zu betrachten, um hier in der Welt, unter den Menschen, himmlisch zu leben.D a n n und wann, hie und da; besonders wenn es uns in der Welt, nicht nach Wunsche gehet, einige flüchtige Gedanken und Wünsche auf Gott und die Ewigkeit richten, die am folgenden Tage nichts mehr sind: dies ist Unzufriedenheit mit der Welt; oder höchstens flüchtige gute Regung, nicht aber himlischer Sinn. – A l l e Freuden der Welt scheuen, finstere traurige Gestalten annehmen; mit niedergeschlagenen Augen und steten Seufzern unter den Menschen umhergehen! Dies ist Aberglaube oder Schwarzblütigkeit, nicht aber Himmel-Sinn. – A l l e Geschäfte und Umgang mit Menschen fliehen; sich in sein Zimmer verschliessen, um da stets die Bibel in der Hand, unaufhörlich an Gott und die Ewigkeit zu denken; oder, wenn man mit Menschen umgehet, von nichts anders als diesen Wahrheiten sprechen: dies ist abermahls nicht himmlischer Sinn; – sondern übel-verstandene Andacht! – Das Christenthum befiehlet uns nicht, den Himmel anzusehen, sondern, uns für den Himmel durch christliche Tugenden, oder die Menschenliebe, vorbereiten. Nicht, ihn bloß zu betrachten, und davon zu reden; sondern ihn deswegen zu betrachten, um hier in der Welt, unter den Menschen, himmlisch zu leben.
|c701| A l s o Meine Theuresten! S u c h e n müssen wir, t r a c h t e n, s t r e b e n müssen wir, nach dem was droben ist. Die Begierde nach Gottes Gnade und der seeligen Ewigkeit, und einem tugendreichen Glauben als dem einzigen Wege dahin, muß uns ganz einnehmen und durchdringen; allmälich in unsrer Seele einwurzeln. Muß alle unsre Wünsche und Neigungen beherrschen, und sich in unserm ganzen Leben ausdrücken! Bei unserm Beruf und Stande in der Welt; bei unsern Ergözungen; bei unsern Leiden; in unsrer Einsamkeit und Gesellschaft; in unserm ganzen geheimen und öffentlichen Leben: da muß es sich zeigen zu welcher Parthei wir gehören; ob wir für Gott und die Ewigkeit, oder für die Sünde und Zeit arbeiten? |c701| A l s o Meine Theuresten! S u c h e n müssen wir, t r a c h t e n, s t r e b e n müssen wir, nach dem was droben ist. Die Begierde nach Gottes Gnade und der seeligen Ewigkeit, und einem tugendreichen Glauben als dem einzigen Wege dahin, muß uns ganz einnehmen und durchdringen; allmälich in unsrer Seele einwurzeln. Muß alle unsre Wünsche und Neigungen beherrschen, und sich in unserm ganzen Leben ausdrücken! Bei unserm Beruf und Stande in der Welt; bei unsern Ergözungen; bei unsern Leiden; in unsrer Einsamkeit und Gesellschaft; in unserm ganzen geheimen und öffentlichen Leben: da muß es sich zeigen zu welcher Parthei wir gehören; ob wir für Gott und die Ewigkeit, oder für die Sünde und Zeit arbeiten?
B e i unserm Beruf und Stande in der Welt: da muß die herrschende ernstliche Begierde nach Gottes Beifall und der seeligen Ewigkeit, der himlische Sinn, uns antreiben: mit unermüdetem Fleiß, uneingeschränkter Treue, und uneigennüzigem grosmütigem Geiste, unsre Zeit in heilsahmen Geschäften, in geflissentlicher Sorge für das gemeine Beste hinzubringen. Alle Beschwerden und Müseeligkeiten dabei gerne und willig zu tragen. Unser Daseyn nach allem Vermögen, der menschlichen Gesellschaft, dem Reiche Gottes auf Erden, nüzlich zu machen. Bei dem allen, nicht bloß für den Ruhm und Lohn der Welt, sondern vornehmlich für Gottes Beifall und seine seelige Ewigkeit, zu arbeiten. Und auf solche Art, durch eine Menge frommer und menschenfreundli|c702|cher Arbeiten und Geschäfte, uns einen ewig-bleibenden Schaz, im Himmel einzusammlen.B e i unserm Beruf und Stande in der Welt: da muß die herrschende ernstliche Begierde nach Gottes Beifall und der seeligen Ewigkeit, der himlische Sinn, uns antreiben: mit unermüdetem Fleiß, uneingeschränkter Treue, und uneigennüzigem grosmütigem Geiste, unsre Zeit in heilsahmen Geschäften, in geflissentlicher Sorge für das gemeine Beste hinzubringen. Alle Beschwerden und Müseeligkeiten dabei gerne und willig zu tragen. Unser Daseyn nach allem Vermögen, der menschlichen Gesellschaft, dem Reiche Gottes auf Erden, nüzlich zu machen. Bei dem allen, nicht bloß für den Ruhm und Lohn der Welt, sondern vornehmlich für Gottes Beifall und seine seelige Ewigkeit, zu arbeiten. Und auf solche Art, durch eine Menge frommer und menschenfreundli|c702|cher Arbeiten und Geschäfte, uns einen ewig-bleibenden Schaz, im Himmel einzusammlen.
S o auch bei unsern Ergözungen, muß sich die herrschende ernstliche Begierde nach Gottes Beifall und der seeligen Ewigkeit, dieser himlische Sinn äussern. Wir müssen sie von allen sündlichen Ausschweifungen, aller Verlezung der christlichen Arbeitsamkeit, Keuschheit, Gerechtigkeit, Wohltätigkeit und Menschenliebe reinigen. Sie mit Dankbahrkeit gegen Gott, den liebreichen Geber, und öfterm Andenken an die unendlich-bessern Freuden, dort in unserm Vaterlande, im Himmel, geniessen.S o auch bei unsern Ergözungen, muß sich die herrschende ernstliche Begierde nach Gottes Beifall und der seeligen Ewigkeit, dieser himlische Sinn äussern. Wir müssen sie von allen sündlichen Ausschweifungen, aller Verlezung der christlichen Arbeitsamkeit, Keuschheit, Gerechtigkeit, Wohltätigkeit und Menschenliebe reinigen. Sie mit Dankbahrkeit gegen Gott, den liebreichen Geber, und öfterm Andenken an die unendlich-bessern Freuden, dort in unserm Vaterlande, im Himmel, geniessen.
B e i unsern Leiden, da besonders wird es sich zeigen, ob wir diesen himlischen Sinn an uns haben. Wenn wir sie insgesamt, mit gehorsahmer, demütiger Unterwerfung unter Gott, und dankbahrer Zufriedenheit tragen. Und zu unsrer immer grössern Reinigung, Besserung, und Vorbereitung für jenes rechte Leben gebrauchen.B e i unsern Leiden, da besonders wird es sich zeigen, ob wir diesen himlischen Sinn an uns haben. Wenn wir sie insgesamt, mit gehorsahmer, demütiger Unterwerfung unter Gott, und dankbahrer Zufriedenheit tragen. Und zu unsrer immer grössern Reinigung, Besserung, und Vorbereitung für jenes rechte Leben gebrauchen.
In unsrer Einsamkeit, und in unsern Gesellschaften, da wird sich jene herrschende ernstliche Begierde nach Gottes Beifall und der seeligen Ewigkeit, der himlische Sinn dadurch äussern: daß wir die Gelegenheiten zur Andacht, diesem feierlichen Umgange mit Gott und der Ewigkeit; recht fleissig, haushälterisch benuzen. – Daß wir durch Aufrichtigkeit, Liebesvolle Beurtheilung, und Behandlung unsrer Nebenmenschen; gelegentliche dankvolle Lobpreisung unsers Heilandes und seiner Religion; und treuen Gebrauch der Vergehungen, Thorheiten und Laster unsrer Nebenmenschen zu unsrer und ihrer Besserung, unsre Reden |c703| und gesamtes Betragen heiligen; Gott und der Ewigkeit weihen.In unsrer Einsamkeit, und in unsern Gesellschaften, da wird sich jene herrschende ernstliche Begierde nach Gottes Beifall und der seeligen Ewigkeit, der himlische Sinn dadurch äussern: daß wir die Gelegenheiten zur Andacht, diesem feierlichen Umgange mit Gott und der Ewigkeit; recht fleissig, haushälterisch benuzen. – Daß wir durch Aufrichtigkeit, Liebesvolle Beurtheilung, und Behandlung unsrer Nebenmenschen; gelegentliche dankvolle Lobpreisung unsers Heilandes und seiner Religion; und treuen Gebrauch der Vergehungen, Thorheiten und Laster unsrer Nebenmenschen zu unsrer und ihrer Besserung, unsre Reden |c703| und gesamtes Betragen heiligen; Gott und der Ewigkeit weihen.
So muß der himlische Sinn, unser ganzes Leben reinigen; und allenthalben, einen uneingeschränkten willigen Gehorsahm gegen Gott, eine ungeheuchelte herzliche Liebe zu Ihm, zu allen Seinen Gebothen, und allen Seinen Menschen wirksahm machen!So muß der himlische Sinn, unser ganzes Leben reinigen; und allenthalben, einen uneingeschränkten willigen Gehorsahm gegen Gott, eine ungeheuchelte herzliche Liebe zu Ihm, zu allen Seinen Gebothen, und allen Seinen Menschen wirksahm machen!
S e h e t hier, Meine Christl. Zuh.! eine so leichte, als sichre zuverlässige Probe unsers wahren Christenthums! Und unsers Antheils an Gottes Gnade und seinem Himmel! „Was begehre, wornach trachte ich am meisten und stärksten; Denke ich täglich an Gottes Gnade, und die Seeligkeit seines Himmels; Bin ich darum so recht herzlich besorgt; Ruft mir das Gewissen, bei meinen Handlungen und Reden ofte zu: wie schickt sich dieses für die Ewigkeit; Wie kan das mit Gottes Gnade bestehen; Oder ist es Ansehen, Reichthum, Macht, Titel, Pracht, Beifall, Würde, worauf ich am öftersten sinne, und wornach ich, nicht selten mit Ungeduld strebe; – – B e s c h ä f t i g e ich mich, mehr und ernstlicher damit, die Geseze meines Schöpfers, das Vorbild meines Heilandes, die Gesinnungen der Einwohner des Himmels kennen zu lernen? Als die Mittel, reich, geehrt und mächtig in der Welt zu werden?“ – – Niemand ist unter uns, der sich nicht diese Fragen vorlegen; und darauf gar bald, die klare und zuverlässige Antwort seines Gewissens hören könnte.S e h e t hier, Meine Christl. Zuh.! eine so leichte, als sichre zuverlässige Probe unsers wahren Christenthums! Und unsers Antheils an Gottes Gnade und seinem Himmel! „Was begehre, wornach trachte ich am meisten und stärksten; Denke ich täglich an Gottes Gnade, und die Seeligkeit seines Himmels; Bin ich darum so recht herzlich besorgt; Ruft mir das Gewissen, bei meinen Handlungen und Reden ofte zu: wie schickt sich dieses für die Ewigkeit; Wie kan das mit Gottes Gnade bestehen; Oder ist es Ansehen, Reichthum, Macht, Titel, Pracht, Beifall, Würde, worauf ich am öftersten sinne, und wornach ich, nicht selten mit Ungeduld strebe; – – B e s c h ä f t i g e ich mich, mehr und ernstlicher damit, die Geseze meines Schöpfers, das Vorbild meines Heilandes, die Gesinnungen der Einwohner des Himmels kennen zu lernen? Als die Mittel, reich, geehrt und mächtig in der Welt zu werden?“ – – Niemand ist unter uns, der sich nicht diese Fragen vorlegen; und darauf gar bald, die klare und zuverlässige Antwort seines Gewissens hören könnte.
W i e sehr wünschte ich, daß einem jeden unter uns sein Gewissen das Erstere bezeugen möchte! |c704| Wie recht, so recht herzlich wünschte ich, allen und jeden die mich hören, diesen himlischen Sinn einflössen zu können! Denn, Meine Theuresten! es giebt für uns schlechterdings keinen andern Weg, hier und dort glücklich zu seyn. Nimmermehr werden und können wir gute, Gott änliche Menschen werden, wofern wir nicht jenen himlischen Sinn an uns nehmen. – Nimmermehr können wir darohne, selbst das Irrdische Glück uns sichern. Denn Gott ist ja, der einzige Gebiether auch dieser irrdischen Güter. Und bei seinem Beifall und Vaterliebe muß uns auch davon, das heilsahme Maaß zu Theil werden, wenn gleich die ganze Macht und List der Welt sich dawider vereinigte. – Nimmermehr können wir darohne, zu einer dauerhaften Ruhe, Heiterkeit und Freude gelangen. Denn diese kann uns nichts, nichts in der ganzen Welt geben, als die aus den Früchten unsers Glaubens an Jesum geschöpfte Versicherung, daß wir, h i e r, unter der Regierung eines Gottes stehen, der uns mit Beifall und väterlicher Liebe zugethan ist; und d o r t, ein ewig-seeliges Leben gewiß zu erwarten haben!W i e sehr wünschte ich, daß einem jeden unter uns sein Gewissen das Erstere bezeugen möchte! |c704| Wie recht, so recht herzlich wünschte ich, allen und jeden die mich hören, diesen himlischen Sinn einflössen zu können! Denn, Meine Theuresten! es giebt für uns schlechterdings keinen andern Weg, hier und dort glücklich zu seyn. Nimmermehr werden und können wir gute, Gott änliche Menschen werden, wofern wir nicht jenen himlischen Sinn an uns nehmen. – Nimmermehr können wir darohne, selbst das Irrdische Glück uns sichern. Denn Gott ist ja, der einzige Gebiether auch dieser irrdischen Güter. Und bei seinem Beifall und Vaterliebe muß uns auch davon, das heilsahme Maaß zu Theil werden, wenn gleich die ganze Macht und List der Welt sich dawider vereinigte. – Nimmermehr können wir darohne, zu einer dauerhaften Ruhe, Heiterkeit und Freude gelangen. Denn diese kann uns nichts, nichts in der ganzen Welt geben, als die aus den Früchten unsers Glaubens an Jesum geschöpfte Versicherung, daß wir, h i e r, unter der Regierung eines Gottes stehen, der uns mit Beifall und väterlicher Liebe zugethan ist; und d o r t, ein ewig-seeliges Leben gewiß zu erwarten haben!
D i e s e n himlischen Sinn können wir, in die Sinnlichkeit und Eitelkeit ganz versunkene Menschen, uns durch eigene Kräfte freilich nicht geben. Gott ist es, der in uns beides das Wollen und Vollbringen wirket. – Aber Theureste Freunde! Gott wirket es nicht im Schlaf, oder durch Zwang seiner Allmacht. Sondern nicht anders, als vermittelst der vernünftigen Belehrungen seines Wortes! Lasset demnach, dies euer tägliches ernstliches Geschäfte seyn, euch mit den grossen |c705| Wahrheiten der Bibel, von Gott, dem einzigen Geber alles unsers Glücks, von dem ewig-seeligen Leben, das uns Jesus erworben, von dem Himmel wohin Er unser Heiland und Herr vorangegangen, uns die Wohnung daselbst zu bereiten, von dem tugendhaften Sinn und Leben, worohne niemand Gott änlich werden, und in den Himmel eingehen kan; mit diesen Wahrheiten, euch immer vertrauter; sie euch so recht einheimisch, gleichsahm zur andern Natur zu machen! Stellet ofte, in der Einsamkeit, unter lebhaftem Andenken an Gottes heilige Gegenwart, folgende Betrachtungen an: „Dieser Ruhm und Beifall, der mich jezo so sehr beschäftiget, dieser Ueberfluß, dieser grosse Gewinn, wornach ich strebe, was wird mir der, was werden mir alle Güter der ganzen Welt helfen, wenn ich nun krank da liege? Wenn ich nun aus der Welt gehe? – Wie wird es mich, in Trübsahlen, bei Krankheiten, auf dem Todtbette, wie in der Ewigkeit quälen, wenn ich bloß für diese Güter der Welt, oder für meine sündlichen Begierden gelebet! – Meine Eltern, Kinder, Ehegatten, Freunde, diese edelsten unter den irrdischen Gütern, wie kan ich mir diese anders als dadurch erhalten; daß ich mich und sie, des Himmels versichre, wo wir uns wiederfinden und ewig-glücklich, beisammen leben werden!“ – Diese und änliche Betrachtungen stellet ofte und ernstlich an! Erfüllet damit eure ganze Seele! Und traget sodenn, die Wirkungen davon, in den gehörigen Bekenntnissen, Demütigungen, Gebeten, Seufzern, oder Danksagungen, eurem Gott vor!D i e s e n himlischen Sinn können wir, in die Sinnlichkeit und Eitelkeit ganz versunkene Menschen, uns durch eigene Kräfte freilich nicht geben. Gott ist es, der in uns beides das Wollen und Vollbringen wirket. – Aber Theureste Freunde! Gott wirket es nicht im Schlaf, oder durch Zwang seiner Allmacht. Sondern nicht anders, als vermittelst der vernünftigen Belehrungen seines Wortes! Lasset demnach, dies euer tägliches ernstliches Geschäfte seyn, euch mit den grossen |c705| Wahrheiten der Bibel, von Gott, dem einzigen Geber alles unsers Glücks, von dem ewig-seeligen Leben, das uns Jesus erworben, von dem Himmel wohin Er unser Heiland und Herr vorangegangen, uns die Wohnung daselbst zu bereiten, von dem tugendhaften Sinn und Leben, worohne niemand Gott änlich werden, und in den Himmel eingehen kan; mit diesen Wahrheiten, euch immer vertrauter; sie euch so recht einheimisch, gleichsahm zur andern Natur zu machen! Stellet ofte, in der Einsamkeit, unter lebhaftem Andenken an Gottes heilige Gegenwart, folgende Betrachtungen an: „Dieser Ruhm und Beifall, der mich jezo so sehr beschäftiget, dieser Ueberfluß, dieser grosse Gewinn, wornach ich strebe, was wird mir der, was werden mir alle Güter der ganzen Welt helfen, wenn ich nun krank da liege? Wenn ich nun aus der Welt gehe? – Wie wird es mich, in Trübsahlen, bei Krankheiten, auf dem Todtbette, wie in der Ewigkeit quälen, wenn ich bloß für diese Güter der Welt, oder für meine sündlichen Begierden gelebet! – Meine Eltern, Kinder, Ehegatten, Freunde, diese edelsten unter den irrdischen Gütern, wie kan ich mir diese anders als dadurch erhalten; daß ich mich und sie, des Himmels versichre, wo wir uns wiederfinden und ewig-glücklich, beisammen leben werden!“ – Diese und änliche Betrachtungen stellet ofte und ernstlich an! Erfüllet damit eure ganze Seele! Und traget sodenn, die Wirkungen davon, in den gehörigen Bekenntnissen, Demütigungen, Gebeten, Seufzern, oder Danksagungen, eurem Gott vor!
|c706| M e i n e theuresten Freunde! bei solchen täglichen Andachts-Uebungen, werdet ihr unausbleiblich die sanften, seeligen Einflüsse der göttlichen Kraft jener Wahrheiten, an euch erfahren. Ihr werdet es bald befinden, daß, so wie gehörig-genossene Speise unsern Leib erquicket und stärket, also auch dieser tägliche, einsahme andächtige Umgang mit Gott und seinem Wort, euch den Neigungen und Sitten der Bewohner des Himmels änlich bilden, und dadurch schon hier, zu einem innigen Vorschmack ihres Glückes füren wird! In dem Maasse als ihr eure Begierden, auf Gott und die Ewigkeit heftet, und eure Seele und Wandel dem gemäß bildet: in dem Maasse, werden auch, alle eure Leiden den Stachel verliehren; jede eurer irrdischen Freuden sich verdoppeln; die Schrecken des Todes verschwinden; hingegen Ruhe und Freude, sich über euer Leben, Leiden, und Sterben verbreiten. In dem Maasse, als ihr, dem Muster eures Heilandes änlich, in dem Maasse werdet ihr auch, seiner Schicksahle theilhaftig werden. Gott wird euch, so wie Ihn, an Seiner Vaterhand leiten! Durch seinen allmächtigen und allweisen Rath füren! Es euch niemahls an Ruhe und Freude gebrechen lassen! Auch die bittersten Trübsahle euch zu Freuden versüssen! Und denn am Ende, wenn die Erde nebst allem was drauf ist, euch auf ewig verlassen muß, alsdenn euch mit Ehre und Freude, zu Sich in den Himmel aufnehmen! Amen! |c706| M e i n e theuresten Freunde! bei solchen täglichen Andachts-Uebungen, werdet ihr unausbleiblich die sanften, seeligen Einflüsse der göttlichen Kraft jener Wahrheiten, an euch erfahren. Ihr werdet es bald befinden, daß, so wie gehörig-genossene Speise unsern Leib erquicket und stärket, also auch dieser tägliche, einsahme andächtige Umgang mit Gott und seinem Wort, euch den Neigungen und Sitten der Bewohner des Himmels änlich bilden, und dadurch schon hier, zu einem innigen Vorschmack ihres Glückes füren wird! In dem Maasse als ihr eure Begierden, auf Gott und die Ewigkeit heftet, und eure Seele und Wandel dem gemäß bildet: in dem Maasse, werden auch, alle eure Leiden den Stachel verliehren; jede eurer irrdischen Freuden sich verdoppeln; die Schrecken des Todes verschwinden; hingegen Ruhe und Freude, sich über euer Leben, Leiden, und Sterben verbreiten. In dem Maasse, als ihr, dem Muster eures Heilandes änlich, in dem Maasse werdet ihr auch, seiner Schicksahle theilhaftig werden. Gott wird euch, so wie Ihn, an Seiner Vaterhand leiten! Durch seinen allmächtigen und allweisen Rath füren! Es euch niemahls an Ruhe und Freude gebrechen lassen! Auch die bittersten Trübsahle euch zu Freuden versüssen! Und denn am Ende, wenn die Erde nebst allem was drauf ist, euch auf ewig verlassen muß, alsdenn euch mit Ehre und Freude, zu Sich in den Himmel aufnehmen! Amen!
|c707| Anhang 2.
Apostel-Geschichte 2, 1–13.
von Ausgiessung des heiligen Geistes.
Z u r Rechten Gottes erhöhet (siehe Seite 680. f.) erfüllete Jesus nun seine Zusage, und sandte den h e i l i g e n G e i s t, d. i. er traf die Veranstaltung, daß seine Apostel vom h e i l i g e n G e i s t e mit wundertätigen Gaben, und Kräften ausgerüstet, und dadurch tüchtig gemacht wurden, seine Religion der Welt und Nachwelt zu predigen.Z u r Rechten Gottes erhöhet (siehe Seite 680. f.) erfüllete Jesus nun seine Zusage, und sandte den h e i l i g e n G e i s t, d. i. er traf die Veranstaltung, daß seine Apostel vom h e i l i g e n G e i s t e mit wundertätigen Gaben, und Kräften ausgerüstet, und dadurch tüchtig gemacht wurden, seine Religion der Welt und Nachwelt zu predigen.
{vers 1.} A l s – so erzält Lukas in seiner Geschichte, von der Gründung der christlichen Kirche in der Welt diese grosse Begebenheit, – der Pfingsttag *[1] da war, waren sie alle (die Apostel, nebst einigen andern Schülern Jesu Vers 7. 14. |c708| und Kap. 1, 15) beisammen. *[2] {vers 2.} Und plözlich geschahe ein Schall vom Himmel, wie wenn ein heftiger Sturm wehet, und füllete den ganzen Saal **[3] wo sie sich aufhielten: {vers 3.} auch sahen sie zerstreuete Flammen, wie Flammen des Feuers. ***[4] Er ****[5] aber sezte sich |c709| auf einen jeglichen von ihnen, {vers 4.} und sie alle wurden mit dem heiligen Geist angefüllt; *[6] und fingen an in fremden (nie erlernten) Sprachen zu reden, was ihnen der Geist zu sprechen eingab. (nämlich die Gros-Thaten Gottes V. 11.) **[7] {vers 1.} A l s – so erzält Lukas in seiner Geschichte, von der Gründung der christlichen Kirche in der Welt diese grosse Begebenheit, – der Pfingsttag *[1] da war, waren sie alle (die Apostel, nebst einigen andern Schülern Jesu Vers 7. 14. |c708| und Kap. 1, 15) beisammen. *[2] {vers 2.} Und plözlich geschahe ein Schall vom Himmel, wie wenn ein heftiger Sturm wehet, und füllete den ganzen Saal **[3] wo sie sich aufhielten: {vers 3.} auch sahen sie zerstreuete Flammen, wie Flammen des Feuers. ***[4] Er ****[5] aber sezte sich |c709| auf einen jeglichen von ihnen, {vers 4.} und sie alle wurden mit dem heiligen Geist angefüllt; *[6] und fingen an in fremden (nie erlernten) Sprachen zu reden, was ihnen der Geist zu sprechen eingab. (nämlich die Gros-Thaten Gottes V. 11.) **[7]
*)[1] D a s Fest zum frölichen Andenken der Gesezgebung und zur Darbringung der Erstlinge, 3 Mose 23, 15. 16. 5 Mose 16, 10–16. Es hieß bei den Griechisch-redenden Juden, Pentekoste (d. i. der funfzigste Tag) wovon das Deutsche Pfingsten herkommt, weil es gerade am funfzigsten Tage nach dem Passah gefeiert werden muste.
*)[2] N ä m l i c h im Tempel zu Jerusalem. Siehe Kap. 1, 13. 14. Kap. 3, 1 f. Lukas 24, 53. Die allerersten Christen waren gebohrne Juden, und diese beobachteten, selbst nach der Ausgiessung des h e i l i g e n G e i s t e s alle Gebräuche des jüdischen öffentlichen Gottesdienstes, nur die Opfer ausgenommen: denn alle jene Gebräuche, Gebet, und Gelübde waren nichts anders als Anbetungen des wahren G o t t e s.
**[3] E s war einer der grossen, geräumigen Säle im Tempel zu Jerusalem, welche Tausende fassen konten. Hier versammleten sich gewönlich die Lehrer der Nation, auch das Volk in grosser Menge; besonders bei den täglichen Morgen- und Abend-Gebeten. Hier waren auch jezo die Apostel, und zwar Morgens um neun Uhr zum Morgen-Gebet versammelt. Siehe * und Vers 15. Also nicht ein privat-Haus, sondern der Tempel war der Schauplaz dieser Begebenheit. Und dieser grosse Saal in einer der Galerien des Tempels ward von jenem Schall vom Himmel, d. i. von heftigen Donnerschlägen, durch und durch erschüttert.
***[4] S o steht im Texte, nicht aber, „man sahe an ihnen.“ Was wir Feuer-Flammen nennen, das nennt das Hebräische, und das nach ihm gebildete Griechische, Feuer-Zungen, weil sie nämlich viel Aenlichkeit mit einer Zunge haben. |c709*| Diese Feuer-Flammen waren nach Vers 2 mit Donnerschlägen verbunden; folglich nichts anders als Bliz-Strahlen. Man sahe sie aber durch den ganzen Tempel-Saal zerstreut; wo sie plözlich auf einander folgten, und sich einander durchkreuzten.
****)[5] D i e Geschichte sagt nicht, „S i e (die Feuer-Flammen) sezten sich:“ sondern: E r, nämlich der h e i l i g e G e i s t sezte sich. Die gewönliche Vorstellung also, daß gespaltene und feurige Zungen auf dem Haupte jedes Apostels gesehen worden; hat im Texte Lucä ganz und gar keinen Grund, sondern bloß in der unrichtigen Uebersezung und Erklärung.
*)[6] d. h. „Mit Wundergaben, und Kräften vom h e i l i g e n G e i s t ausgerüstet“ siehe das gleich folgende; und Kap. 1, 6 –
**)[7] A l s o unter einem schrecklichen Gewitter ward der h e i l i g e G e i s t über die Apostel ausgegossen: d. h. „sie wurden plözlich mit wundertätigen Kräften und Gaben vom h e i l i g e n G e i s t versehen; und ein schreckliches Gewitter, fürchterliche Donnerschläge, welche den grossen Tempel-Saal erschütterten, nebst häufigen Blizen, welche ihn durchkreuzten, und anfülleten, machten die Stadt auf diese Begebenheit merken.“
{vers 5.} Es hielten sich aber zu Jerusalem Anbeter des wahren G o t t e s aus allerlei Völ|c710|kern unter dem Himmel auf. {v. 6.} Als nun jener Schall geschahe, (die Donnerschläge V. 2.) versammelte sich die Menge, *[8] und ward bestürzt; denn sie höreten sie, jeder in seiner Sprache reden. **[9] {v. 7.} Da entsezten sie sich sehr, und sprachen zu einander: „Sind nicht diese alle, welche reden, Galiläer? ***[10] {v. 8.} Und wie hören wir sie denn; ein jeder in seiner Mutter-Sprache reden? {v. 9.} Parther, und Meder, und Elamiter, und Einwohner von Mesopotamien, Judäa, Kappadocien, Pontus, {v. 10.} und Asien, Phrygien, und Pamphylien, Aegypten, und den Gegenden von Afrika bei Kyrene, {v. 11.} und die Fremdlinge zu Rom, Juden beides und Proselyten, ****[11] Kreter, und Araber; wir hören sie in unsern Sprachen von den |c711| Gros-Thaten G o t t e s *[12] reden!“ **[13] Sie nun erstaunten alle sehr, und sprachen einer zum andern „was will das werden?“ Andere |c712| aber lachten und sprachen: „Sie sind voll von Most![“] *[14] {vers 5.} Es hielten sich aber zu Jerusalem Anbeter des wahren G o t t e s aus allerlei Völ|c710|kern unter dem Himmel auf. {v. 6.} Als nun jener Schall geschahe, (die Donnerschläge V. 2.) versammelte sich die Menge, *[8] und ward bestürzt; denn sie höreten sie, jeder in seiner Sprache reden. **[9] {v. 7.} Da entsezten sie sich sehr, und sprachen zu einander: „Sind nicht diese alle, welche reden, Galiläer? ***[10] {v. 8.} Und wie hören wir sie denn; ein jeder in seiner Mutter-Sprache reden? {v. 9.} Parther, und Meder, und Elamiter, und Einwohner von Mesopotamien, Judäa, Kappadocien, Pontus, {v. 10.} und Asien, Phrygien, und Pamphylien, Aegypten, und den Gegenden von Afrika bei Kyrene, {v. 11.} und die Fremdlinge zu Rom, Juden beides und Proselyten, ****[11] Kreter, und Araber; wir hören sie in unsern Sprachen von den |c711| Gros-Thaten G o t t e s *[12] reden!“ **[13] Sie nun erstaunten alle sehr, und sprachen einer zum andern „was will das werden?“ Andere |c712| aber lachten und sprachen: „Sie sind voll von Most![“] *[14]
*)[8] D i e s e Menge von Juden und Proselyten (V. 10.) war schon im Tempel, in andern Sälen und Galerien zerstreut, und zum Gebet versammelt. Siehe V. 2 und 15.
**)[9] D i e Apostel theileten sich nämlich, unter sie und der eine sprach mit einem Parther parthisch, und der andere mit Persern persisch, u. s. w.
***)[10] H i e r redete man damahls West-Aramäisch; in Judäa aber und zu Jerusalem Ost-Aramäisch.
****)[11] d. i. Heiden, welche den Gözendienst verlassen hatten, und den wahren G o t t anbeteten, und nach den Lehren der Natur-Religion im A. T. lebten; aber sich weder beschneiden liessen, noch das Mosaische Gesez hielten: Ein solcher war z. B. Kornelius Kap. 10.
*)[12] D i e Geschichte von Jesu Auferstehung, und Himmelfarth V. 14. f.
**)[13] E s waren also Juden aus allen drei damahls bekandten Welt-Theilen zugegen; denn seit der babylonischen Gefangenschaft, und nochmehr seit den Zeiten der macedonisch-griechischen Monarchie hatten die Juden sich durch die ganze Welt zerstreuet. Diese nun bedienten sich neben der griechischen, auch der Sprache des Landes, wo sie gebohren waren, und lebten. Das Griechische war seit des macedonischen Alexanders, und seiner Nachfolger Zeiten unter allen gesitteten Nationen verbreitet. – Aber dies ist nur von Gelehrten, Vornehmen, und Kaufleuten zu verstehen. Sonst behielte ein jedes Land seine Landes-Sprache: in Parthien sprach man parthisch; in Medien medisch; in Persien persisch; in Mesopotamien syrisch; in der Landschaft Judäa ost-aramäisch; in Aegypten, Aegyptisch; zu Rom lateinisch; in Arabien, arabisch: ja selbst in den Ländern wo das Griechische die Mutter-Sprache war, Kappadocien, Pontus, dem Prokonsular-Asien, Phrygien, Pamphylien, und auf Kreta, redete man ganz verschiedene Dialekte davon. – – Uebrigens pflegten diese fremde Juden, und Proselyten an jedem der drei hohen Feste, besonders aber am Oster- und Pfingstfeste, zu vielen Tausenden nach Jerusalem zu kommen.**)[13] E s waren also Juden aus allen drei damahls bekandten Welt-Theilen zugegen; denn seit der babylonischen Gefangenschaft, und nochmehr seit den Zeiten der macedonisch-griechischen Monarchie hatten die Juden sich durch die ganze Welt zerstreuet. Diese nun bedienten sich neben der griechischen, auch der Sprache des Landes, wo sie gebohren waren, und lebten. Das Griechische war seit des macedonischen Alexanders, und seiner Nachfolger Zeiten unter allen gesitteten Nationen verbreitet. – Aber dies ist nur von Gelehrten, Vornehmen, und Kaufleuten zu verstehen. Sonst behielte ein jedes Land seine Landes-Sprache: in Parthien sprach man parthisch; in Medien medisch; in Persien persisch; in Mesopotamien syrisch; in der Landschaft Judäa ost-aramäisch; in Aegypten, Aegyptisch; zu Rom lateinisch; in Arabien, arabisch: ja selbst in den Ländern wo das Griechische die Mutter-Sprache war, Kappadocien, Pontus, dem Prokonsular-Asien, Phrygien, Pamphylien, und auf Kreta, redete man ganz verschiedene Dialekte davon. – – Uebrigens pflegten diese fremde Juden, und Proselyten an jedem der drei hohen Feste, besonders aber am Oster- und Pfingstfeste, zu vielen Tausenden nach Jerusalem zu kommen.
N u n wird man leicht begreifen, wie Leute aus so vielen Ländern, und zu Tausenden zu Jerusalem waren.N u n wird man leicht begreifen, wie Leute aus so vielen Ländern, und zu Tausenden zu Jerusalem waren.
*)[14] S i e spotteten nicht über die fremden Sprachen; die sezte vielmehr a l l e (V. 12.) in Staunen; sondern über die Geschichte von Jesu des Gekreuzigten Auferstehung u. s. f. wie es nämlich Leichtsinnige, Stolze, und Thoren zu machen pflegen, welche alles belachen, und verachten, was ihnen nicht gefällt; und sie nicht widerlegen können. S. Kap. 26, 24 f. –
F o l g e n d e s ist die Vorstellung, welche uns das N. T. von dieser Sache giebt. Die zwölf Apostel waren zum öffentlichen Morgen-Gebet in den Tempel gegangen, und befanden sich in einem Saal der grossen Tempel-Galerien. Da nun entstand ein heftiges Gewitter; der ganze Saal ward vom Donner erschüttert, und mit Blitzstrahlen angefüllt. Plözlich konnten die Apostel; ungelehrte, beim Fischer-Handwerk aufgewachsene, und bis dahin mit vielen jüdischen Irrthümern angefüllte Männer eine Menge nie erlernter Sprachen fertig reden; und fülten Geschick und Muth von der Religion richtig und wohl zu sprechen. Und diese Begebenheit wird mit einem aus Joel 3 genommenen Bilde (Siehe V. 17) die Ausgiessung des heiligen Geistes, d. h. „die Ertheilung der wunderthätigen Gaben und Kräfte an die Apostel“ genennet. – – Nach dieser aus der Bibel geschöpften, und von allem Misverständniß, und Zusäzen der Ausleger gesäuberten Vorstellung, ist in der ganzen Sache nichts, das der Vernunft anstössig, oder vielmehr das nicht sehr wahrscheinlich, und dem V a t e r d e r |c713| M e n s c h e n höchst anständig wäre. Die Apostel empfangen vom h e i l i g e n G e i s t e die Wundergaben: und dies war nothwendig, um diejenige Religion der Welt, und Nachwelt bekandt zu machen, welche ihr Kleinod und Seegen ist. Sie können plözlich parthisch, medisch, und eine Menge andrer Sprachen fertig reden, die sie nicht erlernt hatten: denn ohne dieses Wunder konnten sie nicht jene Religion, aller Welt predigen. – Ihnen wird Geschick und Muth, Religions-Vorträge zu halten, eingeflöst: denn sie waren ganz ungelehrte und niedrige Leute; und solche musten die Stifter des Christenthums seyn, um dessen göttlichen Ursprung desto sonnenklarer zu machen. – Diese wundervolle Begebenheit geschahe im Tempel; und welcher Schauplaz war dazu schicklicher? – Sie geschahe endlich unter einem schrecklichen Gewitter: denn dies ist es, was uns Menschen, die Gegenwart der G o t t h e i t am kräftigsten fülen macht.F o l g e n d e s ist die Vorstellung, welche uns das N. T. von dieser Sache giebt. Die zwölf Apostel waren zum öffentlichen Morgen-Gebet in den Tempel gegangen, und befanden sich in einem Saal der grossen Tempel-Galerien. Da nun entstand ein heftiges Gewitter; der ganze Saal ward vom Donner erschüttert, und mit Blitzstrahlen angefüllt. Plözlich konnten die Apostel; ungelehrte, beim Fischer-Handwerk aufgewachsene, und bis dahin mit vielen jüdischen Irrthümern angefüllte Männer eine Menge nie erlernter Sprachen fertig reden; und fülten Geschick und Muth von der Religion richtig und wohl zu sprechen. Und diese Begebenheit wird mit einem aus Joel 3 genommenen Bilde (Siehe V. 17) die Ausgiessung des heiligen Geistes, d. h. „die Ertheilung der wunderthätigen Gaben und Kräfte an die Apostel“ genennet. – – Nach dieser aus der Bibel geschöpften, und von allem Misverständniß, und Zusäzen der Ausleger gesäuberten Vorstellung, ist in der ganzen Sache nichts, das der Vernunft anstössig, oder vielmehr das nicht sehr wahrscheinlich, und dem V a t e r d e r |c713| M e n s c h e n höchst anständig wäre. Die Apostel empfangen vom h e i l i g e n G e i s t e die Wundergaben: und dies war nothwendig, um diejenige Religion der Welt, und Nachwelt bekandt zu machen, welche ihr Kleinod und Seegen ist. Sie können plözlich parthisch, medisch, und eine Menge andrer Sprachen fertig reden, die sie nicht erlernt hatten: denn ohne dieses Wunder konnten sie nicht jene Religion, aller Welt predigen. – Ihnen wird Geschick und Muth, Religions-Vorträge zu halten, eingeflöst: denn sie waren ganz ungelehrte und niedrige Leute; und solche musten die Stifter des Christenthums seyn, um dessen göttlichen Ursprung desto sonnenklarer zu machen. – Diese wundervolle Begebenheit geschahe im Tempel; und welcher Schauplaz war dazu schicklicher? – Sie geschahe endlich unter einem schrecklichen Gewitter: denn dies ist es, was uns Menschen, die Gegenwart der G o t t h e i t am kräftigsten fülen macht.
A l l e Schwierigkeiten, welche nachdenkenden Freunden der Religion bei dieser Sache aufstossen, und alle die Einwürfe, womit ihre Feinde sie anfallen, lösen sich nun von selbst auf: denn sie fliessen alle nur aus Misverständnissen, und Zusäzen der Ausleger. Von den zertheilten Feuer-Zungen auf den Aposteln, oder in ihrem Munde, stehet bei Luka nichts; die Gegenwart von mehrern Tausenden; ihre plözliche Versammlung beim Gewitter; und die grosse Menge von Fremden: alles das wird ganz natürlich, wenn man bedenkt, daß die Sache im Tempel, und an einem hohen |c714| Feste der Juden geschahe. (Siehe auch meine Auferstehungs-Geschichte Jesu Seite 431 f.[)]A l l e Schwierigkeiten, welche nachdenkenden Freunden der Religion bei dieser Sache aufstossen, und alle die Einwürfe, womit ihre Feinde sie anfallen, lösen sich nun von selbst auf: denn sie fliessen alle nur aus Misverständnissen, und Zusäzen der Ausleger. Von den zertheilten Feuer-Zungen auf den Aposteln, oder in ihrem Munde, stehet bei Luka nichts; die Gegenwart von mehrern Tausenden; ihre plözliche Versammlung beim Gewitter; und die grosse Menge von Fremden: alles das wird ganz natürlich, wenn man bedenkt, daß die Sache im Tempel, und an einem hohen |c714| Feste der Juden geschahe. (Siehe auch meine Auferstehungs-Geschichte Jesu Seite 431 f.[)]
V o n den wundertätigen Gaben, und Kräften, welche der h e i l i g e G e i s t damahls den Aposteln ertheilte, finden wir das vollständigste Verzeichniß beim Markus Kap. 16, 17. 18. und Paulus 1 Korinth. 12, 8–10. und Kap. 14. Es waren folgende: 1) die Klugheit; wahrscheinlich das Geschick Gemeinden einzurichten, und zu regieren. 2) Gelehrsamkeit, (hohe Wissenschaft,) Gnosis: d. i. wahrscheinlich, das Geschick die Weissagungen des A. T. auszulegen. 3) Seelen-Würdigung; oder die Gabe andern ins Herz zu sehen, und ihre geheimsten Absichten zu entdecken. 4) Der Geistes-Vortrag; die Gabe zusammenhängende, klare, bestimmte, und freimütige Vorträge von der Religion zu thun; auch zuweilen künftige zufällige Dinge vorherzusehen. 5) Die Gabe der Sprache; fremde nie vorher erlernte Sprachen fertig und gut zu reden; um den verschiedenen Völkern das Evangelium zu predigen. 6) Gabe der Dollmetschung. 7) Pistis, oder, die Kraft Wunder aller Art, auch die höchsten und erstaunlichsten zu verrichten. (Diese Kraft nennt man gemeiniglich, aber sehr unbequem Glaube) 8) Heilungs-Kraft, Kranke durch blossen Machtspruch und ohne alle Mittel gesund zu machen. 9) Kraft-Wirkung, oder das Vermögen, auch ohne Wissen, durch blosse paßive Anrürung, Wunder zu thun; wie z. B. Marci 5, 30. Lucä 6, 9. Apostel-Gesch. 5, 15. 16. 19, 11. 12. 10) Die Kraft durch Hand-Auflegen dergleichen Wun|c715|der-Gaben und Kräfte auch andern mitzutheilen. Dieses lezte Wunder-Vermögen war bloß den Aposteln eigen, Apostel-Gesch. 8, 4–17.: woraus also klar ist, daß alle jene Wunder-Gaben, und Kräfte, mit dem Tode der Apostel, und ihrer Zeitgenossen , gänzlich aufgehöret haben. Nur so lange waren sie auch nothwendig, und nur so lange sollten sie auch dauren nach Epheser 4, 7–13.V o n den wundertätigen Gaben, und Kräften, welche der h e i l i g e G e i s t damahls den Aposteln ertheilte, finden wir das vollständigste Verzeichniß beim Markus Kap. 16, 17. 18. und Paulus 1 Korinth. 12, 8–10. und Kap. 14. Es waren folgende: 1) die Klugheit; wahrscheinlich das Geschick Gemeinden einzurichten, und zu regieren. 2) Gelehrsamkeit, (hohe Wissenschaft,) Gnosis: d. i. wahrscheinlich, das Geschick die Weissagungen des A. T. auszulegen. 3) Seelen-Würdigung; oder die Gabe andern ins Herz zu sehen, und ihre geheimsten Absichten zu entdecken. 4) Der Geistes-Vortrag; die Gabe zusammenhängende, klare, bestimmte, und freimütige Vorträge von der Religion zu thun; auch zuweilen künftige zufällige Dinge vorherzusehen. 5) Die Gabe der Sprache; fremde nie vorher erlernte Sprachen fertig und gut zu reden; um den verschiedenen Völkern das Evangelium zu predigen. 6) Gabe der Dollmetschung. 7) Pistis, oder, die Kraft Wunder aller Art, auch die höchsten und erstaunlichsten zu verrichten. (Diese Kraft nennt man gemeiniglich, aber sehr unbequem Glaube) 8) Heilungs-Kraft, Kranke durch blossen Machtspruch und ohne alle Mittel gesund zu machen. 9) Kraft-Wirkung, oder das Vermögen, auch ohne Wissen, durch blosse paßive Anrürung, Wunder zu thun; wie z. B. Marci 5, 30. Lucä 6, 9. Apostel-Gesch. 5, 15. 16. 19, 11. 12. 10) Die Kraft durch Hand-Auflegen dergleichen Wun|c715|der-Gaben und Kräfte auch andern mitzutheilen. Dieses lezte Wunder-Vermögen war bloß den Aposteln eigen, Apostel-Gesch. 8, 4–17.: woraus also klar ist, daß alle jene Wunder-Gaben, und Kräfte, mit dem Tode der Apostel, und ihrer Zeitgenossen , gänzlich aufgehöret haben. Nur so lange waren sie auch nothwendig, und nur so lange sollten sie auch dauren nach Epheser 4, 7–13.
D i e s e r Ausgiessung des h e i l i g e n G e i s t e s haben wir alle folglich, jene seeligen Belehrungen von der Religion im N. T. und unsre vernünftige untrügliche Ueberzeugung davon zu danken. – S i e ist es auch, die uns von der wohltätigsten Anstalt Gottes versichert; daß das grosse Geschäfte der Besserung unsrer Seelen der genauesten Aufsicht Seines G e i s t e s übergeben worden; S. z. B. Lucä 11, 1–13. – D i e Geschichte aber von dem Betragen verschiedener Menschen bei dieser Begebenheit, Vers 13, giebt uns die zwei wichtigen Lehren: daß erstlich, auch die ehrwürdigsten Wahrheiten können lächerlich gemacht werden, das Lächerliche folglich keinesweges der Probier-Stein von Wahrheit und Irrthum sey; und zweitens, daß der Spott-Geist einer der gefärlichsten Feinde beides der Tugend und der Wahrheit ist.D i e s e r Ausgiessung des h e i l i g e n G e i s t e s haben wir alle folglich, jene seeligen Belehrungen von der Religion im N. T. und unsre vernünftige untrügliche Ueberzeugung davon zu danken. – S i e ist es auch, die uns von der wohltätigsten Anstalt Gottes versichert; daß das grosse Geschäfte der Besserung unsrer Seelen der genauesten Aufsicht Seines G e i s t e s übergeben worden; S. z. B. Lucä 11, 1–13. – D i e Geschichte aber von dem Betragen verschiedener Menschen bei dieser Begebenheit, Vers 13, giebt uns die zwei wichtigen Lehren: daß erstlich, auch die ehrwürdigsten Wahrheiten können lächerlich gemacht werden, das Lächerliche folglich keinesweges der Probier-Stein von Wahrheit und Irrthum sey; und zweitens, daß der Spott-Geist einer der gefärlichsten Feinde beides der Tugend und der Wahrheit ist.